Heute Morgen lerne ich ein neues Wort kennen. Mütend. Eine Mischung zwischen müde und wütend. Passt doch hervorragend in unsere Zeit, oder? Die Stimmung wird stetig gereizter. Auf meiner Fahrt in die Heimat höre ich es dann tatsächlich noch weitere zwei Male im Radio. Scheint der letzte Schrei zu sein. Und in der Tat trifft es wohl die Stimmung vieler. So auch die von Heinz. Der Schönne schreibt schon um 6:30 Uhr eine Mail an unseren Chef – mit allen in cc. Er müsse planen! Daher solle sich unser Chef bitte SOFORT darum kümmern, ob wir nun am 1.4. einen Ruhetag hätten oder jeder Urlaub nehmen müsste oder was? Und ja, ich werbe ja durchaus für Verständnis. Und ja, ich weiß, Heinz braucht ganz viel Sicherheit. Ein paar Stromschläge wären allerdings auch nicht verkehrt. Oder Haiknabberversuche…😉 Oh man, wieso muss der da so eine Welle machen, wenn jeder Depp schon weiß: Diese Ansage der Politik hat alle Firmen eiskalt erwischt. Und mittags ist dann auch klar, dass alles zurückgenommen ist. Ich vermute, Heinz musste zwischenzeitlich schon mit Valium nachhelfen. Ist das ein Zirkus.

Derweil bin ich bei einem „Contracting“. Es hört sich auf Englisch einfach wichtiger an. Aber mit den Jungs ist es ganz lässig. In einer Sache sind sie unschlüssig, weshalb meine Kollegin meint: „Ok, nicht erschrecken. Ich weiß, das klingt jetzt bestimmt esoterisch…“ Ich halte die Luft an, weil ich Angst vor Ausräucherung mit weißem Salbei habe. Ihr lacht vielleicht, aber ich hab’s schon mal erlebt. Dabei fragt sie dann ganz schnöde nach dem Bauchgefühl. Hä? Das soll esoterisch sein? Und so äußere ich mich dann auch. Sie schiebt erklärend hinterher: „Ach, Du weißt doch, wie Männer reagieren, wenn man von Fühlen spricht.“ Ich lache und kommentiere: „Ein Hoch auf die Klischees!“ Die Jungs murren auch sofort ob der infamen Diskriminierung. Und so fühlen wir uns dann kichernd durch den Termin. Ist schon lustig, wenn man sich einfach mal nicht so ernst nimmt. So was sollte es auf Rezept geben. Am besten was Intravenöses, was ich meinem hochdotierten Kollegen in die Vene jagen könnte. Oh, ich bin echt böse.

Um kurz nach elf kann ich dann auch schon auf die Bahn. Mein Abwesenheits-Assistent ist aktiviert. Die Sonne scheint so ungewohnt, dass ich das nur mit Sonnenbrille packe, doch das genieße ich auch. Aus dem Radio kommt zwischen den Liedern immer mehr Frustiges. Wie wohl die Zukunft aussehe? Ganz übel. Und da denke ich mir so: Ich freu mich auf die Zukunft. Ja, ganz ehrlich. In der Zukunft wird es selbstfahrende Autos geben. Alter, da kann ich chillen, wenn ich die 640 Kilometer abreiße. Durch intelligente Steuerung wird es zu kaum noch Staus kommen. Ja, wie geil klingt das denn??? Ich will mir wohl einfach nicht die Laune verhageln lassen. Und so umfahre ich locker eine Vollsperrung (dem Navi sei Dank!) und reiße die Kilometer in sechs Stunden ab. Zur Belohnung gibt’s ne Umarmung, eine sauleckere Kartoffelsuppe, ein kühles Radler und ein paar blöde Sprüche. Ich bin gut angekommen und schlafe nun zeitig. Des is scho schee.

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