Mein Schlaf kann als solcher nicht betitelt werden. Lange wälze ich mich herum und denke an den folgenden Tag. Ehrlich? Wenn es um Menschenleben gehen würde, dann wäre es ja durchaus berechtigt. Aber es geht „nur“ um meine Kollegen. Trotzdem bin ich ordentlich angespannt. Meine größte Sorge ist eigentlich, dass ich ausfallend werde. Und aus dem Grund nehme ich mich noch mehr zurück und habe tausend Verspannungen im Kiefer und Nackenbereich. Kann auch irgendwie nicht sein, oder? Is abba so. Entsprechend gerädert wache ich heute Morgen auf und bereite alles vor.

Unser erstes Meeting verläuft wie immer. Viel Blabla um nichts. Typisch für meine hysterische Kollegin: Sie ist mal wieder mies gelaunt. Klar, sie hatte ja auch eine Woche Urlaub. Schon vor Corona hatte sie nach ihrem Urlaub immer schlechte Laune. Mal lag es daran, dass es auf der Hütte kein veganes Essen gab. Einmal war auch besonders schön, weil ihr Mann so dreist gewesen ist, einfach krank zu werden. Potzblitz! Da konnten sie nirgends mit ihrem Wohnmobil hinfahren! Dabei ist er nur krank geworden, weil er so viel zu tun hatte und dann noch meinte, er müsse zu seinen Eltern fahren und nach dem Rechten sehen. Das war dann quasi das i-Tüpfelchen. Ist das nicht total egoistisch und niederträchtig von diesem Sackgesicht, dann krank zu werden und ihr den Urlaub zu versauen?! Ich glaube, ich hätte ihn dafür mindestens gefoltert. Ein anderer Urlaub war zu Beginn zu verregnet und danach viel zu heiß. Petrus da oben ist aber auch ein Mistvieh! Der erlaubt sich wirklich allerhand. Sie braucht Aktivurlaub. Da ist man eben wetterabhängig. Wo kommen wir denn dahin, wenn da nicht das Wetter so ist, wie sie das bestellt hat? Heute Morgen ist dann wieder ein Dämlack so doof, sie zu fragen, wie ihr Urlaub war…und ob sie denn gesund zurück sei? Oh, oh, oh. Nicht gut. Sofort schnappt sie: „Wovon denn zurück?! Es sind doch alle Lifte gesperrt! Ich konnte nicht zum Skifahren!!!“ Ich mag solche Menschen besonders gern, die immer, aber auch wirklich immer das Schlechte sehen. Menschen, die sich als „Sozialtier“ bezeichnen, dabei aber quasi wie der Antichrist rumrennen. Menschen, die bei der Radio-Nachricht mit dem Hinweis auf den Geisterfahrer losbrüllen: „Einer??? Hunderte!“ Und sie merkt es nicht mal selbst. Es ist der Wahnsinn.

Der Workshop beginnt. Mein Chef ist allerdings auch wieder der Kracher. Sein Intro? Unbezahlbar: „Hallo z´sammen. Claudia, i übageb´ an Di.“ Das war´s. Nichts zu seinen Zielen, nichts zur Einstimmung, nichts zu irgendwas. So macht ein Team-Workshop doch Freude. Und so beginne ich mit einem Rückblick zum letzten Mal. Jeder soll kurz schriftlich festhalten, wie er/sie den letzten Workshop empfunden hätte, was besonders gut gewesen sei, was schlecht gewesen sei und wie die anschließende Stimmung war. Herrlich. Die eine Hälfte sagt, alles sei in Ordnung gewesen. Die andere Hälfte sagt, wie aufgeheizt die Stimmung war. Mein Chef? Sagt einfach gar nichts. Und dann gebe ich auch meinen Input und sage, wie geladen ich gewesen sei. Ich unterstelle keine böse Absicht, aber mangelnden Respekt, wenn es „nur“ um die eigenen Kollegen gehe. Wir könnten uns doch mal auf unseren Umgang miteinander konzentrieren und schauen, was wir da verbessern könnten? Und ich bin stolz, denn ich werde nicht unflätig, nicht böse und greife niemanden an. Meine miesgelaunte Kollegin hat trotzdem Verständnisschwierigkeiten. So auch bei allen Übungen, die wir machen – obwohl sie sauber definiert sind. Ich gebe zu, es ist mein Fehler, wenn ich annehme, dass jemand mit einem Diplom in Psychologie in der Lage sein sollte, einfache Fragen zu beantworten. Sie verweist immer wieder auf die „geistige Rüstzeit“. Dann soll sie mal eine Verkäuferin an einer Aldi-Kasse fragen, die Akkord arbeitet. Es läuft trotzdem ganz gut, weil wir endlich auch mal Dinge auf den Tisch bringen, die im Raum stehen, aber kaum einer ansprechen will. Es könnte ja sein, dass man dann was tun müsste. Meine miesgelaunte Kollegin bleibt verloren in ihren Gedanken und fühlt sich dann auch noch von der Formulierung eines Kollegen angegriffen. Oh man. Ich hätte den Jammerlappen echt besser mal abfotografiert und reingestellt. Aber wahrscheinlich hätte sie dann das Heulen angefangen. Die Stimmungsabfrage zum Schluss zeigt, dass es für alle ein guter Termin war – nur für sie nicht, weil sie nun noch niedergeschlagener sei. Ich glaube, ich sollte meine Praxis innerhalb meines Teams eröffnen. Dann hätte ich vorerst mehr als genug Arbeit.
Danach kommen Schlag auf Schlag meine Folgetermine, während mein kleiner Neffe echt sehr leise ins Zimmer kommt und sich in der Küche was zu mampfen nimmt. Der englische Workshop ist im Vergleich zu dem mit meinen Kollegen fast schon ein Spaziergang. Währenddessen stellt mir meine Ich-Sozialtier-das-alle-Menschen-vergrätzt-und-ständig-miese-Laune-schiebt-Kollegin einen Feedback-Termin am Nachmittag ein. Damit mache ich noch weitere Überstunden, aber sei es drum. Etwas angespannt, höre ich dann aber vor allem, dass sie die Führung unseres Chefs vermisse. Und daher sei ich wohl beim letzen Mal in den Fokus geraten mit dem Beschuss. Aber keine Entschuldigung, sondern nur eine Erklärung, weshalb sie sich damit so schwer tue. Häääää? Wie kann ich ihr denn unseren unfähigen Chef schön bzw. zupackend gestalten? Es ist und bleibt ein Jammern bei Null Einsicht, was sie wie für sich anpacken kann. Ehrlich? Ich möchte so nicht leben. Wahrscheinlich spuckt sie morgens und abends immer ihr eigenes Spiegelbild an. Was weiß denn ich, was in solch miesepetrigen Menschen vor sich geht?

Mich hat der Tag so durch die Mangel gedreht, dass ich zunächst nicht weiß, was ich für die Bagage am Abend kochen soll? Kennt Ihr das? Wenn Ihr so richtig bräsig im Kopf seid und nicht wisst, ob Ihr Euch die Rinne verzinken sollt oder einfach kurz etwas kaputthaut, damit die Anspannung weggeht? So geht´s mir. Ich koche zwar was, aber eben nur was Einfaches. Erst als ich wesentlich später mit meiner Sis eine Runde spazieren gehe, wird es gut und löst sich auf. Ich werde manche Menschen nie verstehen. Und vielleicht sollte ich genau da ansetzen, nämlich dass ich sie gar nicht verstehen muss. So mache ich das bei diesem rotzlöffeligen Dummbaz mittlerweile: Ich lasse ihn einfach links liegen. Wenn sich einer dumm anstellen möchte, dann darf er das. Da bediene ich nichts, da will ich dann auch nicht mehr. Der darf dumm sterben oder sich Schläge vom Leben anderswo abholen. Bei vielen anderen – und kosten sie mich noch so viele Nerven, wie ein Heinz – gebe ich mir trotzdem noch Mühe. Ich glaube, wenn ich das auch noch aufgebe, dann kann ich da gar nicht mehr arbeiten gehen. Kann Corona nicht vorbei sein und man dann neue Segel setzen? Bei der derzeitigen Ungewissheit fällt mir das einfach zu schwer. Aber ich hoffe ganz stark auf danach. Sozialarbeit im eigenen Team auf Dauer zu leisten, ist nämliich gar nicht so lustig, wie es sich manchmal liest.

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