Gestern Abend kriege ich mal wieder eins über mich. Im Fernsehen läuft „Das Leben des Brian“. Wir schauen nur ein paar Sequenzen, doch die reichen vollkommen aus. Da kommen Erinnerungen an meine Schulzeit. Einige meiner Klassenkameraden haben etliche Szenen damals nachgestellt – vorzugsweise mitten im Sportunterricht. Entsprechend habe ich einen langen Lachflash, der auf Unverständnis meiner Familie stößt. Egal. Ich lache, was das Zeug hält und habe Spaß. Ist doch die Hauptsache, oder? Wir lachen alle viel zu wenig. Im letzten Jahr vermutlich noch weniger als ohnehin schon. Dabei sind wir Deutschen ja für unsere unlustige, verkniffene Art eh schon berüchtigt. Ich glaube ja, dass bei mir manches schiefgelaufen ist und ich ein holländisches Findelkind bin. Gut, die äußere Ähnlichkeit zu meiner Mom und meiner Sis sind zu stark, um wirklich von meiner Theorie überzeugt sein zu können, aber juut. Vielleicht, also wenn es denn so was wie Wiedergeburt gibt, dann bin ich schon mal hier gewesen und habe eindeutig bei den Käseköpfen gelebt. Mein unkaputtbarer Humor kann nicht nur Ergebnis eines einzigen Lebens sein. Und das feiere ich gerne immer wieder. Et Läve is ze kort füa ömmer kromme Senn.

Und apropos Filme und meine kruden Theorien und gezogenen Parallelen: Die böse Schwiegermutter von Sissi erinnert mich an meine böse Omma. Als ich gestern noch über die Steinbock-Parallele sinniert habe, habe ich noch gedacht: Wie kann ein Mensch so ein Mistkäfer sein? Und da fiel mir meine böse Omma ein. Bei der galt zwar kein spanisches Hofzeremoniell, aber die strenge Haltung einer schwerkatholischen, fast schon nonnenartigen Frau. Halleluja, was hat die immer gebetet – und wir unter Zwang mit ihr. Vorhin spreche ich noch mit meiner Sis, wie ätzend öde die Sonntagsmessen schon immer waren. Meine Sis hatte zumindest noch eine aktive Aufgabe: Das Kneifen ihrer kleinen Schwester (ich, säät der Jeck), wenn sie droht, einzupennen. Und ich kann Euch sagen: Die Augen wurden mir jeden Sonntag verdammt schwer – und die blauen Flecken zahlreicher. Ehrlich? Wer hat sich diesen Driss ausgedacht, Kinder von so was begeistern zu wollen??? Aber meine böse Omma hat das ja immer noch getoppt mit ihrem ewigen zusätzlichen Beten. Der Rosenkranz wurde rauf- und runtergebetet und ruft bist heute regelrechte Aggressionen in mir hervor. Manch einen beruhigt so was ja. Kennt Ihr noch Totenwachen? Wo man eine halbe Stunde lang durchbetet? Bis dann irgendwann das Begräbnis stattfindet, wo man noch mehr betet? Mich macht das unruhig und aggro. Sollte ich sterben, können bzw. sollen die Leute feiern. Sie sollen mein Fell versaufen, über manche Dönekes von mir lachen und den Kopf schütteln. Aber bitte, bitte: Keiner soll für meine Seele beten. Ist eh vergebene Liebesmüh.
Ihr seht also: Ich habe echt zu viel Zeit, mir Gedanken zu machen. Und meine Omma Nettchen (war ihr Spitzname, obwohl sie so gar nicht nett, sondern eine knallharte, eiskalte Frau war) war wie die Kaiser-Mutter Sophie. Wer jetzt noch denkt, ich sei normal, dem kann ich auch nicht mehr helfen.

Heute ist hier ein Wetter, dass man – so man denn einen Partner und möglichst keine Kinder hat – am besten die Zeit im Bett verbringt. Da aber die Voraussetzungen nun mal andere sind, wird es ein ruhiger Tag. Es hagelt mal, dann scheint et Sönnschen, dann schneit es, und plötzlich kommt auch Sturm auf. Meine Sis zieht schon wieder die Schultern hoch, weil sie dieses Windheulen so hasst…und ich suche mal wieder nach meinem Besen. Das Wetter passt hervorragend zu meinen verrückten Gedanken. Es ist von allem was dabei: Wild, weich, ruhig und hin und wieder sonnig. Dazu gibt es frischen Spargel, was einfach nur lecker ist. Uns geht´s schon gut – Corona hin oder her. Extra für den ausgeglichenen, stets gut gelaunten Kleinen habe ich Mousse au Chocolat gemacht – mit einer Mandarinen- und Orangenfiletsoße. Wenn schon, denn schon. Zu dem Zeitpunkt ist er auch gut gelaunt, was am Nachmittag aber wieder kippt. Bei dem passt das Wetter zur hormonellen Lage. Ich bin froh, dass ich das hinter mir habe. Hoffentlich werden die Wechseljahre nicht wieder so ein Erlebnis. Die sollen bitte sang- und klanglos vorüberziehen…am besten völlig unbemerkt. Ach ja, Wünsche darf man noch haben, oder?

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