Heute scheint die Sonne zwar auch, aber ebenso sind Wolken auf Wanderschaft. Und so werden es zwar 19 Grad, aber es wird nicht richtig heiß auf meinem Balkon. Besser als im Rheinland, wo es munter vor sich hinregnet. Aber das kommt ab morgen ja hier an, also dieses miese Wetter. Und so, wie heute, gefällt mir das ja im Grunde am besten, nur leider auch dem kleinen Brüllhannes. Ich meine, heute auch mal seinen Namen zwischendurch zu hören: Adrian. Für mich eben kein typischer Kevin-Name. Dazu trägt der Rotzige mit der Brüllaffenstimme ein Trikot mit dem Namen Ronaldo drauf. Ääääh… Ich weiß, das klingt jetzt echt böse. Und ich als Miss Unsporty darf nichts sagen. Aber der Junge sieht aus wie Maradonna – seines Zeichens ja auch ein großer Fußballer seinerzeit. Allerdings sieht er aus wie Maradonna, als er völlig versoffen und zugekokst war, also weit nach seiner aktiven Karriere. Da war er einfach nur noch klein und dick.
Trotzdem lässt es sich Brüll-Ronaldo nicht nehmen, mit dem Ball spielen zu wollen. Sehr zum Leidwesen der Mädels, die heute eindeutig in der Überzahl sind. Zum Leidwesen, weil der kleine Aggrobolzen immer die Bälle auf die Mädels schießt. Eigentlich will er nur spielen – so, wie manche Hunde auch, die nach einem schnappen. Finde die Parallele! Richtig, beides kann wehtun, wenn auch nicht aus böser Absicht entstanden sein. Die Mädels wiederum scheinen von Greta beflügelt zu sein, denn irgendwann demonstrieren sie zu dritt auf dem Rasen: „Wir sind gegens Schießen! Wir sind gegens Schießen!“, skandieren sie. Da sagt noch mal einer, hier wäre nix los. Das Brüllkind will dagegenhalten, geht aber aufgrund der Dreieinigkeit sang- und klanglos unter. Das lässt Ronaldo-Maradonna-Adrian nur noch bockiger werden. Irgendwann stößt dann noch ein weiterer Junge hinzu, der gestern noch damit geprahlt hat, seine Mutter sei jetzt mit einem „Albanier“ zusammen. Vermutlich handelt es sich um eine Mischung aus Albaner und Spanier…oder schlichtweg um einen kindlichen Fehler. Wenn Erwachsene schon nur noch von „Mutanten“ sprechen, dann dürfen Kinder auch „Albanier“ sagen. Jedenfalls ist der Rotzige etwas härter unterwegs, denn als ihm irgendwas nicht passt, bellt er ein kleines Mädchen an mit: „Kurwa!“ Hoppala… Das Mädchen denkt sich nichts dabei, kennt es ja dieses Schimpfwort nicht, also merkt es nicht, dass es gerade als Hure bezeichnet worden ist. Und selbst wenn: Die Maus ist so klein, dass sie das noch nicht mal inhaltlich kapieren könnte. Aber das ist schon krass, finde ich. Klar, man lernt immer als Erstes die Schimpfwörter einer anderen Sprache. Doch wenn Kinder schon kleinere Mädchen als „Kurwa“ bezeichnen, finde ich das nicht so lustig. Es sind ja aber nicht meine Kinder. Und da unten laufen manche Elternteile ebenfalls herum. Da hole ich mir keine blutige Nase.

Wenn ich daran denke, dass meine Cousine mal im Auto voller Wut von einem Kerl erzählt hat und dann meinte: „Die dumme Sau“, dann ist das doch vergleichsweise mehr als harmlos. Doof war damals nur, dass mein großer Neffe im Kindersitz auf der Rückbank saß. Wir wollten zur Eisdiele fahren und hatten den Knirps im Gepäck. Sein Wortschatz war noch sehr rudimentär, aber Sau kam ihm leicht über die Lippen. Meine Cousine war in Panik und hat ihm gesagt: „Nein, sag´ das Wort nicht!“ Der Kleine strahlte über alle Backen und gab zum Besten: „Sau – Sau – Sau – Sau!“ Was war er stolz – und sie panisch. Hätte sie nur Pädsfuttelurer gesagt. Das hätte er nie im Leben wiederholen können.
Ich hatte eher solch schwieriger auszusprechenden Worte drauf. Und irgendwann schaute er mich so ganz konzentriert an und meinte: „Tatelllltö!“ Nu juut, das kannte selbst ich nicht. Er konzentrierte sich noch mehr, versuchte es erneut mit: „Tatelllllltö!!!“ Und dann fiel mir ein, wie ich ihn immer nannte, wenn ich ihm die Pampers machen durfte: „Kackstelze“. Als ich das Wort sagte, hat er mich angestrahlt und „ja“ gesagt, als sei er froh, dass ich dumme Nuss es endlich begriffen hätte. War mir schlecht, als ich mit dem Lachen fertig war. Der Kleine hat mitgelacht.
Oder ein anderes Mal, als derselbe Neffe etwas größer war, aber immer noch ein Kind. Er ging zu meiner Sis und meinte: „Mamaaaa? Scheiße sagt man nicht, ne?“ Meine Sis nickte: „Richtig, das Wort sagt man nicht.“ Er setzte erneut an: „Scheiße ist kein schönes Wort, ne?!“ Meine Sis – schon etwas skeptisch – bestätigte erneut: „Ja, das ist kein schönes Wort.“ Nach einem weiteren Versuch seinerseits, fragte meine Sis ihn, woher er das Wort denn hätte? Und – was soll ich Euch sagen? Ich hatte Herzklopfen, dass mein Name fallen würde. Aber es war in der Tat sein Oppa, der das zu dem Zeitpunkt häufiger verwendet hat. In etwa so: „Ach, der jannze Scheiß mit der Scheiß hier….“ (grammatikalisch nicht korrekt, aber so isset Rheinland, ne?) Es hatte damals was von Ozzy Osbournes „Fuck“, das gefühlt drei Mal in jedem Satz vorkam, als sie damals die Reality-Show der Osbournes gedreht haben. Der Schwiegervater meiner Sis hatte zu dem Zeitpunkt noch nicht lange seine Frau verloren, war gerade im Ruhestand und seine Stimmung eher negativ – verständlicherweise.
Ich bin mir recht sicher, dass die Jungs keine wirkliche Anregung brauchten – auch wenn ich da gerne unterstützt habe. Nur „Kurwa“? Hm, da bin ich wohl altmodisch. Das ist mir einfach zu heftig, wenn Kinder so was gebrauchen. Nur kommt so was mittlerweile ja in etlichen Deutsch-Rap-Songtexten vor. Es scheint schon völlig etabliert. Ich frage mich nur, warum es vor allem Frauen sind, die dabei immer so schlecht wegkommen? Der ein oder andere wurde zu selten am Öhrchen gezogen, wie mir scheint. Hatte ich erwähnt, dass ich alt werde? Das ist wieder mal ein weiterer Beweis dafür.

Wenn ich an die Schimpfwörter denke, mit denen ich meine Kollegen morgen wieder belegen werde, dann sind die auch nicht fein. Nur kommt „Kurwa“ nicht drin vor, da bin ich mir sicher. Wer weiß? Vielleicht träume ich noch mal von Haien. Ich lasse mich überraschen, wie schräg die anderen nach den Ostertagen drauf sein werden. Ich freue mich jetzt schon darauf, das Mikro auf stumm gestellt zu lassen und abwechselnd laut zu lachen und zu fluchen. Allez hop – die neue Woche kann kommen.

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