Heute lerne ich wieder ganz vieles… also fürs Leben und so. Vor allem für „und so“. Ich hatte ja gestern schon keine Lust auf heute. Die Befürchtungen haben sich auch bestätigt. Kennt Ihr diese Leute, bei denen man schon am „Guten Morgen“ erkennt, wie schlecht gelaunt sie sind? Meine vegane Kollegin ist so. Achtung, Klischee: Wenn ich nur ein Korn zum Frühstück hätte, wäre ich auch mies drauf. Ist böse, ich weiß. Ist aber in dem Fall leider echt so. Sie merkt nicht einmal, wie verpestet die Luft um sie herum immer ist. Solche Gewitterziegen regen mich ja doch gerne auf.

Der Chef führt in bester Stottermanier durchs Programm. Bill Murray hätte bei uns das Gefühl, wieder in seinem Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ gefangen zu sein. Hätte ich nicht noch andere Termine heute, ich würde schon um halb neun mit dem Saufen anfangen. Es ist die reinste Farce, was hier abgesondert wird, bis wir beim lieben Heinz ankommen. Die vegane Kollegin hat schon hektisch geschildert, dass sie nicht wisse, ob diese Woche die Stunden ausreichen würden, um alle Aufgaben zu bewältigen. Heinz toppt das. Er teilt mit, seine Auslastung diese Woche läge zwischen 130 – 150 Prozent. Ich breche hier wieder einmal ab, weil ich vom vielen Lachen keine Luft mehr bekomme. Er fügt an unseren Chef gerichtet hinzu: „Wir müssen dann auch noch mal einen Termin ausmachen, was wir streichen müssen, weil das ja so nicht geht.“ Mein Chef weist direkt mal auf ein Coaching in einer Methode hin, was wir eigentlich gar nicht anbieten und der liebe Heinz aber so gerne trotzdem machen möchte, weil es ihm so viel Freude bereitet: „Wie wöas denn, des mo zum Cännzelln?“ Ja, aber das sei ja nur ein kleiner Punkt. Ehrlich? Ich kapier´s nicht.

Derweil schickt mir meine nette Kollegin einen Spruch per What´s App: „Herzinfarkte passieren am häufigsten an einem Montag.“ Ich antworte: „Ich wette, Selbstmorde auch.“ Mein Chef hingegen präsentiert uns eine weitere Tabelle, was er noch besprechen möchte. An so einem Montagmorgen bereitet es mir noch weniger Freude, bei 16 Wörtern sechs Rechtschreibfehler zu sehen. Sauhaufen, der damische, der blöde Hund. Da hilft mir mein ganzer Humor nicht wirklich weiter. Und nein, es ist keine Übertreibung, die ich hier niederschreibe. Ich hab´s abfotografiert und nachgezählt. Warum? Weil ich sonst vor Frust den Laptop schrotte. Da ist so eine Zählübung genau das Richtige, um mich abzulenken. Nennt es meinetwegen „Umleitung von aggressiven Gedanken“.

Ich habe auch noch andere Termine. Auch solche, die gut laufen. Aber auch einen weiteren am Nachmittag mit dem gleichen Kollegenkreis, wie es am Morgen der Fall war. Heinz kommentiert munter, da er mit seinen 130 – 150 Prozent gerade wohl auf der Überholspur unterwegs ist. Ein anderer Kollege stellt Ergebnisse vor, denen ich nicht folgen kann (und vermutlich auch nicht möchte): „Das hier ist das…aber das kennen wir ja schon alle…und machen wir ja auch schon alle…also fast alle.“ Häääää? Es geht um Netzwerken innerhalb der Firma und warum dies so wichtig sei. Ich frage mich mal wieder, warum manche von uns absaufen, während andere sich mit Dingen beschäftigen, die nicht notwendig sind. Netzwerken ist etwas, das viele schon tun – wenn auch nicht immer kontextbezogen, sondern eher, wenn es um den eigenen Vorteil oder um Informationsbeschaffung in eigener Sache geht.
Als nächtes wird dann noch beratschlagt, wie man das messbar machen könnte – also wer netzwerkt und wie? Und ob wir hierzu eine Schulung anbieten sollten??? Ich halte meinen Mund, bis ein Kollege mich direkt anspricht. Da sage ich, dass Netzwerken etwas ist, das ich immer schon mache, es nicht sinnvoll messbar sei und ich keine Vorstellung hätte, wie man so was schulen können sollte? Und überhaupt: Wenn wir uns wöchentlich anhören dürften, wieviele absaufen würden und nicht wüssten, wie sie überhaupt noch atmen könnten, dann frage ich mich, wie und wo sie so eine Sache noch unterbringen wollten? Ja neeeeeeeee, eine Schulung würde es hierzu nicht geben. Äääääh? Ich komme so langsam gar nicht mehr mit. Sie sagen das Eine, meinen aber was anderes. Es ist mal wieder eine Stunde, die ich zwar bezahlt bekomme, die aber auf der anderen Seite so überflüssig ist, wie eine dritte Schulter.

Im Anschluss ruft mein Chef mich an, weil ich einen Termin verschieben muss. Mach´ ich doch glatt. Seine Mutter sei letzte Woche gestürzt. Morgen könnte er zu ihr, aber dann könne er den Termin nicht aufrechterhalten. Alles gut, ich bin ja flexibel. Er sagt noch was zur Arbeit, woraufhin ich sage: „Ich muss meine Arbeitsweise überdenken.“ Hossa, da kommt aber Leben in den Guten: „Na! Des mochst bittschee net! Wega Dia hob i als Einzge koa schloflose Nächt´ net!“ Ah ja. Wie meine Nächte sind, interessiert wohl nicht. Ich kann´s ja auch nicht wirklich…also mich ändern, meine ich. Nicht von grundauf. Ich kann nicht aus Mückenpipi Elefantenscheiße zaubern. Oder einen Furz als teures Parfum verkaufen. Aber an Montagen möchte ich so gerne weniger intelligent oder einfach stumpfer sein. Dann würde ich solche Sachen gar nicht so wahrnehmen. Das Blöde dabei: Es ist so schwer, das gezielt auf einen Tag zu richten, sonst würde ich mir sonntags abends den Arsch zusaufen. Ich befürchte allerdings, die Hirnzellen auch an den anderen sechs Tagen zu gefährden. Irgendwelche Ideen, wie ich nur zu bestimmten Meetings stumpf werden könnte? Immer her damit!

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