Ich bin echt bescheuert. Ja, das ist hinlänglich belegt und Euch auch schon bekannt. Heute geht ein weiterer, langer Arbeitstag zuende. So richtig bekomme ich den Dreh nicht raus. Und die Sozialarbeit geht in Teilen auch weiter. Mir soll´s im Grunde gleich sein, da ich ja so oder so bezahlt werde. Wirtschaftlich gesehen würde ich manches grundlegend anders angehen.

Wie haltet Ihr es eigentlich mit saloppen Sprüchen? Ich bin ja ein Fan davon, frei Schnauze zu reden. Aber es gibt Grenzen. Ich rede mit Freunden anders, als ich das in der Firma an mancher Stelle tu´. Ducken vor der Obrigkeit, ist auch so gar nicht meine Devise. Da darf man ruhig mal auf Attacke gehen. Nur…keine Ahnung, es gibt eben so Aussagen, die mich manchmal irritieren – obwohl ich kein Kind von Traurigkeit bin. So gibt es heute wieder so einen Moment. Ich rede gerne (ja, und schreibe auch gerne). Ich kann auch schnell reden. Es muss nicht unbedingt wie ein Maschinengewehr sein, aber laaaaaangsaaaaaam halte ich auch kaum aus. Mein Chef-Chef ist aber noch mal anders unterwegs. Der redet so schnell, dass ich immer denke: „Gleich muss er doch mal Luft holen, dass ich eine Frage stellen kann?“ Tut er aber nicht. Wahnsinn. Es geht Knall auf Fall in einer wahnsinnigen Geschwindigkeit voran. Mein Chef, der auch bei der Skype-Schalte dabei ist, hat schon Herausforderungen, bei mir mitzukommen. Hossa! Und so sage ich dann auch zum Schluss: „Im Grunde solltest Du das Training abhalten, weil wir da am wenigsten Zeit verbraten. Aber mal ernsthaft: Wann und wie holst Du bitteschön Luft?“ Wie aus der Pistole geschossen kommt: „Ich atme durch´n Arsch.“ Ääääh. Finde ich schon leicht schnoddrig. Witzig kann er gerne sein, aber es gibt für mich dieses Quäntchen, das drüber ist. So war es auf der ersten Weihnachtsfeier, als meine Kollegin und ich genau unserem Chef-Chef gegenübersaßen. Wir waren irgendwie krampfhaft bemüht, Smalltalk-Themen zu finden. Ich wusste, dass wir in etwa gleichalt sind, also meinte ich: „Welcher Jahrgang bist Du eigentlich? 76 oder 77?“ Er ist jedenfalls 77er Baujahr. Ich hab´ dann ergänzt: „Hey, dann bin ich ja das Sandwich-Kind.“ Meine Kollegin ist ein halbes Jahr älter, er ein halbes Jahr jünger als ich. Seine Reaktion: „Meine Omma hat immer gesagt: Das ist eh alles eine Wichse.“ Bums, da blieben meiner Kollegin und mir kurz die Worte weg. Versucht locker, meinte ich dann noch: „Deine Oma hatte ja Begriffe drauf. Puh, das hätte meine Omma nie gesagt.“ Er wieder: „Och, meine ganze Familie ist so drauf. Mein Vater hat immer gesagt: `Als wir Deine Schwester gemacht haben, muss auch Pisse dabei gewesen sein.` Die ist nämlich echt schräg drauf.“ Gut, da fiel dann auch mir nichts mehr zu ein. Das ist mir dann echt zu ordinär. Selbst ganz privat, fänd ich so was unangemessen. Aber in seiner Position? Da finde ich das noch mehr daneben. Vielleicht bin ich aber auch nur empfindlich?

Apropos empfindlich: Vorhin habe ich einen Artikel gelesen, den eine Frau bei LinkedIn verfasst hat. Da mahnt sie das Schubladendenken an, das ja nun mal jede(r) von uns hat. Ich finde es lächerlich, wenn jemand behauptet, er/sie habe so was nicht. Das bringt unser Hirn schon so mit sich, da wir ja sonst an Reizüberflutung sterben würde. In Millisekunden kategorisiere ich. Ob das richtig ist, ist dabei erstmal einerlei. Ich würde mir eher die Offenheit wünschen, Schubläden auch mal zu öffnen und umzusortieren. Doch das ist nicht der Kern für mich, sondern dass sie mokiert, wie sich jemand in den Kommentaren darüber auslassen könne, wie sie sich darstelle. Im Klartext: Sie steht seitlich zur Kamera, hat die Arme verschränkt und einen tiefen Ausschnitt. Nun bin ich auch eine Frau. Und ich bin auch nicht prüde. Aber hat ein Ausschnitt in dem Maß im Business etwas verloren? Ich finde nein. Das ist so ein Ausschnitt, den ich für ein echt heißes Date wählen würde. Und es gibt für mich einen Unterschied zwischen Business Kleidung und Ausgeh-Klamotten. Ein Herr hat das dann kommentiert und gefragt, wie sie umgekehrt einen Mann mit aufgeknöpftem Hemd empfinden würde? Es gehe nicht darum, ob das nur als Frau unangebracht sei, sondern dass es eben generell unpassend sei. Das gefiel mir in der Tat. Doch…oh weh! Was wurde da wieder geschimpft.
Ich bin auch gegen sexistisches Verhalten. Und in meinem Berufsleben habe ich häufig in Männerdomänen gearbeitet und manches beschissene Verhalten erlebt. Es gibt in der Tat noch lange keine Gleichberechtigung, was mich ja auch regelmäßig verstimmt. Was jetzt aber nicht passieren darf, ist die Umkehrung ins komplette Gegenteil. Wenn jetzt jedes kleinste Wort auf die Goldwaage gelegt werden muss, führt das nur zu mehr Unverständnis und Spaltung. Mal schauen, wie sich das alles noch so weiterentwickelt.

Um aber auch noch was Lustiges zu berichten: Ein Kollege von mir hat eine Schulterverletzung, weswegen er zu einem Physiotherapeuten muss. Nun erfährt er, dass sein Krankengymnast Corona positiv getestet wurde. Er schwirrt also ab zum PCR-Test und klärt mich auf, dass er schon direkt dem Tester beschrieben habe, wie empfindlich er auf Stäbchen im Hals reagieren würde. Es braucht drei Versuche und Handwegschlagen, bis der Test vollbracht ist. Anschließend musste er erstmal hinters Zelt, wo er „hie glachen“ musste. Hie-watt??? „I hob a griana Lungenharing hochzogn, den i hie glachen musst.“ Ernsthaft: Gibt es was Geileres als solche Dialekte? Nachdem ich fertig bin mit Lachen, bitte ich ihn, mir das zu diktieren, damit ich diese Worte weiterreichen kann. Denn auch, wenn ich Ordinäres zu viel des Guten finde, kann ich über lustige Begriffe umso herzlicher lachen. Danke fürs „Hie glachen“.

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