Ein kleines Teufelchen steckt in meinem Ohr und singt mir dieses selten dämliche Lied ins Ohr: „Die Manege ist leer, das Licht geht aus, die Musik verstummt, die Luft ist raus, ich bin nicht mehr Dein Clown.“ (Olaf Henning) Wer mich nun kennt, weiß um meine Schlager-Aversion. Trotzdem schießt mir dieses Lied durch den Kopf. Vermutlich, weil es gerade beschreibt, wie ich mich fühle. Meine Motivation suche ich jeden Morgen aufs Neue und frage mich, wie sie einfach für so lange Zeit verschwunden bleiben kann? Was denkt die sich? Denkt die überhaupt? Lebt sie irgendwo? An einem tollen, weißen Sandstrand? Ich weiß es nicht. Ich quäle mich regelrecht morgens an den Rechner, fahre ihn hoch…und starre ihn an. Klar, wenn ich Termine habe, dann ziehe ich diese auch durch. Aber wenn ich gerade keine Rücksprache, kein Meeting oder sonst was habe und konzeptionell arbeiten könnte, kommt dieses sinnlose Starren – mehr nicht.

Bei einer Rücksprache mit einer Kollegin, erfahre ich mal wieder die Führungsstärke unserer Chefs. Sie war krank…ist es eigentlich noch. Aber ihr Chef hatte ihr am Montag schon signalisiert, sie solle bitte ihre Termine an die Kollegen weitergeben. Es müsse ja kein Termin ausfallen, nur weil sie krank sei. Da könnte sie sich doch rasch Vertretungen suchen. Wir reden von fünf bis acht Terminen pro Tag, schätze ich mal so über den Daumen. Manchmal sind es auch nur zwei, die sich über Stunden ziehen. Aber meist sind es doch diese Stundentermine. Und wenn ich krank bin, dann ist meine Aufgabe die, mich bei meinem Arbeitgeber krank zu melden. Wenn ich länger ausfalle, muss ich einen Arzt aufsuchen und der Firma meine Krankmeldung schicken. Damit ist meine Arbeit getan. Da muss nicht noch was mit Vertretungssuche stattfinden. Eventuell kann ich den Beteiligten eine Absage schicken, was aber auch im Grunde die Aufgabe des Chefs oder einer Assistentin wäre. Nur soll am besten nichts abgesagt werden, weil das, was wir machen, so wahnsinnig wichtig ist…das glaubt Ihr nicht! Da ginge die Welt unter, wenn solche Termine gecancelt würden. Wirklich, in unseren Händen liegt das Wohl und Wehe der Welt. Wem es nicht ins Auge springen sollte: DAS IST IRONIE! Wir sind so unwichtig, wie ein Kropf. Also ein Kropf bei einem Menschen. Es gibt ja durchaus Tiere, die für einen Kropf eine hervorragende Verwendung haben.

Was mich aber gerade wohl am meisten runterzieht, ist eine Form von Neid. Ja. Ich mag so was ja nicht, denke aber trotzdem, dass er auch etwas völlig Natürliches ist. Meine liebe Mitschülerin, mit der ich zwischendurch gelernt habe, hatte heute ihre mündliche Prüfung. Ich habe ihr noch aufmunternde Worte geschickt, weil die arme Maus echt aufgeregt war. Dabei ist sie richtig, richtig gut. Nur glaubt sie das selbst leider nicht. Sie hat die Prüfung bestanden und – typisch Frau – vor lauter Anspannung bzw. dem Abfall der Anspannung in der Bahn das Heulen angefangen. Ja, so sind wir Mädels manchmal. Und dann sitze ich hier vor meiner unwichtigen, unnützen Arbeit und denke mir: Ich könnte jetzt fertig sein. Wäre alles „normal“ gelaufen, hätte ich meine Prüfung gerade ebenfalls ablegen können. Aufgrund von Corona, den Vorschriften, vor allem aber wegen der wahnsinnig veralteten Vorgehensweise bei den Prüfungen (mit Zettel und Papier!!!), wurde ich – wie viele andere evenso – für diese Runde abgelehnt. Ich hoffe nach wie vor, im Oktober antreten zu dürfen. Ja, ich rede von „dürfen“, weil sie einen jetzt schon so weit haben. Ich muss demütig und dankbar sein, mich prüfen zu lassen, wofür ich fett Kohle auf den Tisch legen darf. Irgendwie schräg. Mein Neid ist nicht so, dass ich es meiner Mitschülerin nicht gönne. Sie hat es absolut verdient! Aber…ich hätte es eben auch verdient. Ich habe neben der Arbeit meine Wochenendkurse belegt und mich mitunter echt gequält. Und das macht mich traurig. Jetzt fängt heute wieder der Vorbereitungskurs an, den ich auch besuchen werde. Nur will auch hier meine Motivation wieder nicht mitspielen, denn ich weiß ja nicht mit Sicherheit, dass ich im Oktober geprüft werden kann. Und ja, ich weiß, dass es wesentlich Schlimmeres gibt. Trotzdem bin ich jetzt niedergeschlagen, lustlos und sogar ein wenig kratzbürstig. Ich weiß, ist noch gar keinem bei meinen letzten Beiträgen aufgefallen. Es wird wieder besser…hoffe ich. Denn so langsam mag ich nicht mehr.

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