Das Tal der Tränen ist noch nicht ganz durchschritten, aber heute fühlt es sich besser an. Obwohl – und das ist nicht gerade was Positives – ich bis September zittern muss, ob ich im Oktober meine Prüfung machen darf. Es is a moads Gschiss, sog i eana. Nur hilft es so wenig, zu jammern. Das zieht mich im Grunde nur noch mehr runter. Kann auch nicht Sinn und Zweck der Sache sein, oder? Allerdings kommen mir Mantras, wie „Das Leben ist schön“ oder „Ich bin schon ein Glücksschweinchen“ gerade nicht so leicht über die Lippen. Da hilft nur eins: Üben, üben, üben. Jawoll!

Vorhin war ich tanken. Vor mir ist eine blonde Dame mit Extensions dran. Ich weiß, keine Vorurteile, bitte. Von hinten sieht sie auch echt jung aus. Von vorne….ääääh…nicht. Plötzlich erklingt eine orientalisch angehauchte Melodie in fetter Lautstärke, die die Bedienung und ich erst nicht zuordnen können. Blondie schiebt gerade ihre EC-Karte ins Gerät, packt dann aber erstmal ihre Airpods aus, pfriemelt sie ins Ohr, nimmt das Gespräch mit „Ja bitte?!“ entgegen, bevor sie dann – umständlich, denn die gegelten Fingerkrallen (Nägel kann man das nicht mehr nennen) behindern nun mal ungemein – ihre PIN eingibt. Völlig neben sich, geht sie dann den Weg zurück, den sie ins Geschäft hineingenommen hat, wobei sie fast gegen mich rennt. Gut, die Pfeile auf dem Boden sind jetzt auch echt nicht deutlich zu erkennen, wenn man so fucking busy ist. Die Bedienung schaut mich an und fängt das Lachen an: „Die Leit wärn scho gonz narrisch, gä?“ Nö, werden sie nicht, sind sie schon. Und dann lässt die Gute ihre Tirade ab, wie beschissen sie die neuen Vorschriften fänd. Ich nicke nur und frage kurz: „Welche Alternative schlagen Sie vor?“ Sie reißt überrascht die Augen auf: „Des…jo…i woaß net. Aba so net!“ Ah ja. Da ich es auch nicht besser weiß, kann ich ihr darauf auch nichts mehr entgegnen. Wie sehr liebe ich solche Gespräche?!

Mein Chef hingegen hat sein erstes der acht anstehenden Mitarbeiter-Jahresgespräche, die im März hätten durchgeführt werden müssen, schon hinter sich gebracht. Ich bin noch unschlüssig, ob ich einen Pokal basteln und ihm zusenden soll? Mal schauen, wie kreativ ich mich gerade fühle. Meine Kollegin berichtet dann auch vorhin davon. Immerhin hat er sich auch rasch ihre Bedenken zur Kurzarbeit angehört, bevor er dann das Jammern angefangen hat. Na, wie schlecht es ihm wohl mit dieser Situation gehe?! Das wäre alles, aber vor allem eins: Nicht leicht! In so einer Zeit auch noch ein Team zu leiten, puh! Da mache man sich keine Vorstellung davon. Is klar. Da verstehe ich auch, weshalb er bislang nur ein Gespräch führen konnte, denn das schlaucht ungemein, sich so beim Mitarbeiter auszuheulen. Zumal das meine liebe Kollegin ist, die krankheitsbedingt viereinhalb Monate ausgefallen ist. Da kann der Gute nicht sein ganzes Pulver so verschießen, oder? Ergibt doch jetzt so richtig Sinn, oder? Herrlich…

Ich habe den Feierabend eingeläutet, werde mir jetzt irgendwas Leckeres zubereiten und mich dann heute Abend von den Meeeeeeedchen berieseln lassen. Leider, leider findet nämlich heute kein Corona- oder Kanzleramts-Spezial statt. Ich weiß gar nicht, wie traurig mich das machen soll? Es zieht mir den Boden unter den Füßen weg und erschüttert mich bis ins Mark…mindestens. Vielleicht schreibe ich es mir als Merker auf einen Zettel für meine Rücksprache mit meinem Chef auf? Wenn er bei mir das Jammern anfängt, kann ich damit dagegenhalten. Und ich wette, das macht ihn zumindest für ein paar Sekunden sprachlos. Ha, ich bin ein Fuchs. Aber hey, wir wollen gerecht sein: Eine Füchsin! Aber so was von…

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