Enttäuschung ist ein großes Wort. Doch es beschreibt gerade das Gefühl in mir am besten. Warum? Das mit meinem Chef hängt mir nur noch leicht nach. Er ist ein Depp und bleibt einer. Manches trifft mich noch, vieles aber schon nicht mehr. Doch heute beerdigen wir auch noch mein englischsprachiges Projekt. Warum? Weil sie sich nun gegen die Vorgehensweise entschieden haben, in der ich sie unterstützen durfte. Der Auslöser hierfür liegt in erster Linie in einer Person begründet. Und der hat permanent quergeschossen. Er konnte sich mit vielem nicht anfreunden, wollte aber unbedingt die Methode haben. Meine Kollegin und ich haben mehrfach nachgefragt, ob sie es wirklich so haben wollten? Denn es sprachen genügend Gründe dagegen. „Doch, ja, unbedingt“, wurde stets beteuert. Er hat versucht, uns gegeneinader auszuspielen. Ich glaube nicht einmal, dass er das in böser Absicht getan hat. Er ist eher ein Mensch, der im Kopf keine Struktur finden kann und permanent Panik und Stress verbreiten muss. Und dabei zündet er dann hier ein Feuerchen an, dann dort. Dabei kommt er mir vor wie ein Äffchen, das einen brennenden Schwanz hinter sich herzieht. Es springt überall herum und entfacht mit dem kleinen Feuerchen gewaltige Brände.

So dann auch heute. Gestern gab es die gefühlt tausendste Rücksprache mit Anpassungen, damit es dem Herrn dann auch passt. Dabei ist er nicht einmal der Leiter des Projekts. Klare Absprachen, die getroffen wurden, werden kurzerhand heute wieder torpediert – vor versammelter Mannschaft. Als ich versuche, noch zusammenzufassen, dass sie bis zur nächsten Ergebnispräsentation nur noch bis nächste Woche Donnerstagabend Zeit hätten, reduziert dieser Typ einfach das Ganze kurzerhand – ohne Absprache – noch um einen weiteren Tag. Die Entwickler ticken selbstverständlich aus. Dann wollen sie alles komplett durcheinanderwürfeln, was allerdings nicht geht. Nun bin ich selbst kein super stringenter Mensch, wenn es um Methoden geht. Ich bin da wesentlich flexibler und sage immer: Wie können wir es anpassen, dass es Euch dient – und nicht ihr die Methode befriedigt? Doch es gibt Grenzen. Ich kann nicht sagen: „Ich hätte die Anleitung gerne auf Englisch, aber sprachlich soll bitte nichts drin vorkommen! Also schon in der Sprache, aber dann doch nicht schriftlich, geht das? Ach, und bitte in der Anrede ´Monsieur´!“ Ich weiß nicht, wie ich es besser erklären kann? Vielleicht einfach mit dem blöden Sprichwort: „Wasch´ mich, aber mach´ mich nicht nass!“ Und dann kann er noch nicht einmal Anforderungen klar kommunizieren. Stellt Euch vor, jemand bestellt im Restaurant das Tagesmenü – Wiener Schnitzel mit Pommes…aber bitte ohne Kohlehydrate. Ja, ein einfacher Rohkostteller. Aber es soll schon gegart sein. Nee, ohne Dressing, aber schon mit Soße. Aaaaaaaaaaaah! Meine Kollegin wollte schon vor Wochen hinschmeißen, aber ich wollte es durchziehen. Nun bekomme ich dennoch die Quittung.

Nach einem letzten Gespräch zu viert, beschließen wir, dem Teamwunsch zu entsprechen: Ihr Projekt eignet sich nicht für eine agile Methode. Bums, Ende, aus der Pflaumenbaum. Ganz scheinheilig, bedankt der Knallkopp sich für den ganzen tollen Input unsererseits. Und ach wie toll, was er doch von uns gelernt hätte. Nun würden sie sich andere anschauen, wie sie ihre Projekte durchführen würden und zusehen, was sie denn da noch lernen könnten. Als die beiden Herren raus sind, kommentiere ich es vor meiner Kollegin so: „Er ist dieser Mensch, der in den Fachhandel geht, sich alles bis ins kleinste Detail erklären lässt, dauernd neue Infos anschleppt und prüfen lässt, bevor er dann bestens informiert ins Netz geht und es beim billigsten Anbieter schießt – der nur so billig sein kann, weil er eben Null Support bietet. Und dann beschwert er sich über den fehlenden Support, wenn es gegen die Wand fährt.“ Sie lacht und sagt: „Verdammt! Ich wusste, es erinnert mich an etwas, aber kam nie drauf. Das ist es!“ Naja, Check 24 macht das vor, Media Markt und Saturn haben das schon vorher erfolgreich gemacht. Unterm Strich verbrennt man viele gute Leute. Schade…

Was mich daran am meisten stört, ist meine eigene Einschätzung seiner Person. Ich bilde mir ein, doch über eine gewisse Menschenkenntnis zu verfügen. Ich hatte gedacht, wir könnten gut miteinander und hätten einen Draht zueinander. Ich ärgere mich, zu vieles möglich gemacht, statt mehr Kante gezeigt zu haben. Und am meisten nagt es an mir, dass mich so etwas enttäuscht. Wieso lasse ich das zu? Es gibt in der Regel zwei Sorten Menschen: Die einen glauben daran, mehr oder weniger von allen Menschen zunächst belogen zu werden. Sie misstrauen anderen, so dass man erstmal ihr Vertrauen gewinnen muss. Und dann gibt es die, zu denen ich zähle: Erstmal bekommt man einen Bonus. Ich glaube, kein Mensch kommt böse auf die Welt. Man muss manchmal nur genauer hinschauen, wo die eigentlichen Konflikte liegen. Der Nachteil hierbei: Man wird häufiger enttäuscht als diejenigen, die immer schon vom Schlechten ausgehen. Die können hingegen nur positiv überrascht werden. Ich möchte meine Grundeinstellung gerne beibehalten…nur in Zeiten, wie wir sie gerade haben, fällt mir das auf die Füße. Ach man. Ich zitiere wieder mal die Fantas: „Es könnt´ alles so einfach sein, ist es aber nicht“. Auch nicht, wenn ich fest mit dem Fuß auftrete, meine Hände in die Hüften stemme und sage: „Wohle!!!!“ (kein Schreibfehler!!!) Ich will noch mal drei sein. Da hat das auch nichts bewirkt, aber ich fand´s dennoch alles leichter.

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