Die Sonne scheint. Eigentlich ist anderes Wetter gemeldet. Aber es ist schön so. Wobei ich schon auch noch etwas leide wegen der doofen Allergie. Meine armen Augen! Manchmal denke ich, ich reibe noch so lange, bis die Augäpfel irgendwann rausplumpsen. Naja…morgen und übermorgen soll´s dann ja doch wieder regnen. Ich freu´ mich, wenn sich mein Immunsystem wieder etwas beruhigen kann.

Da ich habe läuten hören, wir könnten uns heute für die Impfung in unserer Firma registrieren, starte ich morgens doch den Rechner. Dabei habe ich heute frei. Leider bekomme ich bis in den Nachmittag bzw. Abend hinein keine weitere Info hierzu. Nichts passiert…so langsam scharre ich dann doch mit den Hufen. Ein bisschen Hoffnung habe ich ja schon, wenn ich höre, dass mittlerweile eine Million Impfungen pro Tag durchgeführt werden können. Denn etwas mehr „alte Normalität“ wäre schon schön, oder? Umarmungen – einfach so, nur weil man Spaß an der Freude hat. Kino, wenn mal wieder ein guer Film läuft. Ein Besuch im Biergarten. Spieleabende. Ein toller Restaurantbesuch… Worüber haben wir uns vor Corona eigentlich immer beschwert? Nur – sind wir mal ehrlich – das wird auch ganz schnell wieder da sein. Wenn wir uns wieder an mehr Normalität gewöhnt haben, wird wieder über alles Mögliche gejammert. So sind wir Menschen eben.

Vorhin habe ich wieder eine tolle Nachricht gehört: Der Vorstand von Linde soll letztes Jahr 53,4 Millionen erhalten haben. Wirklich, ich kann in den Zusammenhang nicht „verdient“ sagen. 53,4 Millionen Euro, wohlgemerkt. Keine ehemaligen italienischen Lire. Wahnsinn. Welcher Mensch ist so viel wert? Was macht diese eine Person so einzigartig, dass sie diese Kohle bekommt? Wieso gehen dagegen nicht mal Leute demonstrieren? Das regt kaum mehr einen so richtig auf, weil es schon zur Normalität gehört. Dabei ist das unverschämt, ekelhaft und wahrlich krank. Wisst Ihr, was man mit 56 Millionen alles tun könnte? Ich rede nicht von Yachten, Immobilien auf der Insel Schlag-mich-tot, Designer-Klamotten oder teuren Schmuck…nee, ich meine richtig gute, tolle, soziale Sachen. Wieviele Menschen könnten von den Vorstandsgehältern der größeren Firmen mit Essen, medizinischer Versorgung und guter Ausbildung durchgebracht werden? Ich versteh´ es einfach nicht. Wenn dann noch das Geld von den überbezahlten Spitzensportlern und Trainern hinzukäme – Halleluja! Die Welt wäre doch bestens ausgestattet. Wir sind allerdings schon so sehr daran gewöhnt, dass es so läuft, dass es zwar mal kurz ein Murren gibt, aber dann ist wieder alles ruhig. Genauso verpuffen die Bilder von Flüchtlingen in Schlauchbooten, die zum Großteil nur noch tot geborgen werden können. Ein kurzes Entsetzen – dann ist es auch schon wieder vorbei, denn es betrifft mich ja nicht persönlich in meinem warmen Wohnzimmer.
Wenn wir das Geld, das die Superreichen ansammeln und mehren, in den armen Ländern sinnvoll investieren würden, könnte so vieles bewegt werden. Aber es ist nicht gewollt. Es geht in erster Linie darum, ein paar Superreiche noch reicher zu machen. Die Welt ist schon echt krank, oder? Und nein, ich bin nicht komplett verdrossen. Es ist der Sinn des Lebens, der vielen Menschen aufgrund des Runterfahrens in der Corona-Krise bewusster wird – bzw. das Fehlen dieses Sinns. Es gibt sie immer noch, die YouTuber, die nach Dubai ziehen und einen auf Scheinwelt machen. Aber es gibt eben auch immer mehr, die sich fragen, ob diese Welt, wie sie heute existiert, noch so weiterbestehen kann? Die Jüngeren gehen auf die Straße, weil sie so vieles nicht verstehen, einer ungewissen Zukunft entgegensehen und nicht wissen, wie es für sie weitergehen soll. Das fing schon vor Corona an – auch wenn ich kein Fan von Greta bin. Nur dass diese Dekadenz der westlichen Welt ein Ende haben muss, wird immer mehr Menschen klar. Vieles werde ich am Wandel bestimmt auch noch bejammern, doch ich denke, es wird trotzdem Zeit. Und Veränderung braucht meist erstmal Schmerz. Ach, ich werde wieder philosophisch. Ist aber auch ok. Morgen ist schließlich der „Tag der Arbeit“. Keine Arbeit dieser Welt ist 53,4 Millionen Jahresgehalt wert. Wenn doch, dann nur für Tätigkeiten, wie die von Menschen wie Mutter Teresa. Überheblichkeit, Arroganz und Machtmissbrauch rächen sich immer – früher oder später.

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