Ach, ist das herrlich. Ich kann wieder ausschlafen und in Ruhe in den Tag starten. Irgendwann fahre ich zum Einkaufen. Ist doch immer wieder spannend, wieviel auf den Straßen los ist. So auch heute wieder. Es staut sich auf den zwei Kilometern meiner Hauptstrecke komplett zurück. Und wie ich da so stehe, schaue ich in den Rückspiegel und nehme ein Auto einer Fahrschule hinter wahr. Die Fahrlehrerin spielt permanent an ihrem Handy. Auch als der Bursche auf dem Fahrersitz wieder anfährt, legt sie das Handy nicht beiseite. Hä? Und das geht über mehrere Minuten so. Dabei ist es doch ihr Job, voll konzentriert zu sein, weil der Mensch neben ihr das Fahren ja erst lernen muss. Zwischendurch will ich schon aussteigen und ihr das Öhrchen langziehen. Dumme Nuss! Das hat was von einem Chirurgen, der bei einer OP den Börsenticker auf dem Fernseher verfolgt. Nur brauch ich´s wohl auch einfach, mich aufzuregen.

Im Laden ist mal wieder was los. Puh! Ein alter Opi will einfach mit seinem Einkaufswagen durch den Eingang entfleuchen. Das löst einen Alarm aus, was den Sicherheitsdienst auf den Plan ruft. Der Opi ist angefressen, weil er doch nur raus will. Vor lauter Bockigkeit lässt er dann einfach den Einkaufswagen mitten im Weg stehen und geht. Köstlich! Die Sicherheitsfrau guckt entgeistert ihren Kollegen an, während der Alte sich – wüst vor sich hin schimpfend – vom Schauplatz entfernt. Und ich sage, ich würde gerne noch mal ins Kino?! Dabei habe ich doch beim Einkaufen immer wieder dieses tolle Prgramm! Herrlich schön, dieses Leben.
Da ein Auto die Ausfahrt blockiert und sich da schon ein riesiger Rückstau gebildet hat, fahre ich einen Umweg, wo ich eigentlich nur rechts abbiegen kann. Ich muss aber links abbiegen. Naja, ich fahre also leicht rechts und mache dann einen U-Turn. Damit blockiere ich keine Autos und nichts. Und trotzdem geht ein Mann über die Straße und kommentiert: „Ja, mal schön fett über ´ne durchgezogene Linie fahren, ne?!“ Da schönes Wetter ist, habe ich die Fenster ein bisschen runtergelassen, weshalb ich das höre. Jetzt würde ich gerne schon wieder aussteigen und jemanden am Ohr ziehen. Im Grunde hat er ja recht. Nur habe ich niemanden behindert. Da liebe ich es ja, wenn das dann jemand kommentieren muss – vorzugsweise natürlich ein Mann. Weil dicke Eier nun mal alles besser wissen. Und genau deswegen führen die Männer auch sämtliche Unfall-Statistiken an. Es lebe das Vorurteil!!!

Und dann lege ich Zuhause so richtig los. Ich krame mich durch meinen Kleiderschrank und verabschiede mich von einigen Sachen. Der Schrank ist jetzt keineswegs luftig nach dieser Entschlackungskur. Ich habe einfach immer noch hömmele viel Zeugs. Aber immerhin ist wieder ein weiterer Schritt getan. Aus dem Fundus ziehe ich auch manches Teil, das völlig zerknufelt (zerknittert) ist. Also bügel´ ich einen richtigen Berg weg, damit wieder alles nett greifbar ist. Wieder ein Häkchen, das ich setzen kann.
Dann bringe ich jede Menge aussortiertes Papier von gestern zum Altpapier-Container und sehe schon von Weitem zwei junge Frauen auf Sitzpuffs (lustiges Wort – haha) hocken. Eine hat Dreadlocks, was ganz lustig aussieht. Erst auf dem Rückweg bemerke ich das offenstehende Wohnmobil und frage: „Habt Ihr das selbst bemalt?“ Die mit den Dreads nickt: „Ja. War meine Corona-Therapie, sozusagen.“ Sieht echt ganz cool aus. Übermütig sage ich: „Na, da Ihr ja jetzt fertig seid…also…wenn da erneute Corona-Langeweile aufkommt: Ihr könnt sehr gerne meine Bude putzen.“ Beide lachen, wobei die mit den Dreads antwortet: „Habe ich letztes Jahr schon ausprobiert. Das hatte keinerlei Auswirkungen auf meinen Gemütszustand.“ Ich grinse sie an: „Ich wollte nur hilfsbereit sein…für die psychische Gesundheit sorgen und so.“ Wir wünschen uns noch ein schönes Wochenende und verabschieden uns. Komisch, wenn Leute schon so alternativ daherkommen, empfinde ich es als selbstverständlich, sie zu duzen. Dabei waren das jetzt keine richtigen Hühner, die gerade erst mit der Schule fertig sind. Ihre Lebensart mit Mate-Tee und Co. entspricht auch nicht meiner, aber ich bewundere sie schon für ihre lockere, gechillte Lebensart. Einfach mal sympathische Leute, die nicht durch die Gegend moppern und rumstänkern. Hach, welche Bereicherung.

Und dann tu´ ich es wirklich: Ich mache meine Steuererklärung. Juchuuuuuuu! Es fühlt sich am Ende des Tages richtig aufgeräumt in mir drin an. Das gibt mir ein Gefühl von Ausgeglichenheit. Komisch, ich weiß ja, dass dieser Effekt eintritt. Trotzdem schiebe ich solche Dinge mit Vorliebe immer weiter. Das ist, wie beim Putzen auch: Wenn alles so frisch duftet und blitzt, wirkt es toll. Und ich denke auch immer: Das machste jetzt öfter! Dann dauert es zwei Tage – maximal – bevor wieder alles langsam eine Staubschicht anzieht und meinen Frust samt Demotivation steigen lässt. Mein weiß lackierter Couchtisch ist da sogar wie ein echter Magnet. Wird Zeit, dass mein großer Neffe mir einen Tisch baut, der nicht so ein Staubfänger ist. Aber für den Moment? Da genieße ich es, ordentlich aufgeräumt zu haben. So darf´s weitergehen.

1 Kommentar

  1. Das mit dem U-Turn, wo es keinen stört, und dem Herrn, der kritisiert … herrlich! Es leben die deutschen Regeln! Wo kommen wir denn da hin, wenn jeder so einfach der Situation entsprechend umsichtig handelt. 😆
    Klingt nach einem unterhaltsamen, gelungenen, zufrieden stellenden Tag. Ich freue mich für dich!
    Buona notte und ein weiterhin entspanntes Wochenende! Ciao Anke

    Gefällt 1 Person

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