Alles lief so gut…dann kam der Montag. Doch ff, also von vorne: Gestern nachmittag habe ich faule Socke dann doch tatsächlich noch beim Zappen „Arielle die Meerjungfrau“ entdeckt. Man, war das schön. Bei der bösen Hexe Ursula und dem Koch habe ich lauthals mitgesungen. Zum Glück lebe ich allein. Jeder halbwegs normale Mensch hätte mich vermutlich eingewiesen, wenn er mich so gesehen hätte. Erschreckend, aber wahr: Nach all den Jahren kann ich diese beknackten Liedtexte echt immer noch treffsicher mitschmettern. Man, man, man, wieviel unnützes Zeug passt auf meine bekloppte Festplatte? Ich könnte sie ja mit wirklich wichtigem Wissen anreichern und reich werden…also finanziell gesehen, meine ich. Aber da ist es, wie mit Teflon: Solche Sachen, bleiben einfach nicht haften. Es rutscht einfach ganz locker wieder ab.

Heute Morgen wähle ich mich dann wieder zu meiner Lieblings-Veranstaltung ein. Es ist jedes Mal ein Fest, mit diesen Kreaturen ein Meeting abzuhalten. Es fehlt eine Kollegin, weshalb wir auch nur 36 Minuten benötigen – von immer noch angesetzten 30, die eigentlich nur 15 sein sollten. Ich schaffe es dieses Mal sogar unter 30 Sekunden, was mein Chef auch mit „äh, kuaz un bündig“ kommentiert. Das wirft man uns Frauen doch sonst immer vor: Wir labern zu viel, wir wollen alles ausdiskutieren und dann noch über Gefühle lamentieren. Auch wenn ich kein Nuhr-Fan bin, da hat er recht: „Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten.“ Wobei…in meinem Fall lehne ich es lieber an das Klopfer-Zitat (ja, Klopfer aus Bambi) an: „Wenn man nichts Nettes zu sagen hat, soll man lieber den Mund halten.“ Es gäbe sooooo vieles zu sagen, nur ist davon wirklich gerade mal 0,1 Prozent nett. Das kann ich mir dann auch sparen. Dafür sabbeln viele andere wieder um die Wette.

Der Tag zieht sich dann noch wie Kaugummi. Kennt Ihr das? Man latscht mitten in so einen Kaugummi rein und kriegt das Mistzeug nicht mehr vom Schuh. Doch irgendwie schlage ich die Zeit trotzdem tot. Unter anderem regle ich die Termine für meine Kollegin, die am Freitag zum Junggessellenabschied düst. Alle quietschen vor Vergnügen, als sie das hören. Und alle pflichten mir bei, so was auch niemals selbst haben zu wollen. Schon eigenartig. Ich kenne bislang niemanden, der sagt: „Doch, würde ich auch sofort mitmachen.“ Ok, ein männlicher Kollege sagt immerhin: „Ok, ich fliege mit Euch.“ Ich stutze: „Ääää, Schätzelein, ich fliege da bestimmt nicht mit. Und bei Junggesellinnen sollte es auch bei Dir klingeln. Es sei denn, Du ziehst ein Röckchen an. Dann schmuggel´ ich Dich mit rein.“ Ihm gehe es gar nicht um diese Feier, sondern um die Tatsache, endlich mal wieder wegfliegen zu können. Das Ziel sei egal. Da mache ich dann mit und merke an: „Ich bin die Besoffene, die nach dem dritten Mojito hinten quer im Flieger liegt.“ Er lacht: „Ok, ich bin der, der zu blau ist, um an Bord gelassen zu werden.“ Alles nur ein Scherz. Wir verstehen beide nicht, warum solche Trinkgelage irgendwo im Ausland sein müssen. Das kann man Zuhause auch gut erledigen – wenn man denn wirklich will. Will ich ja aber sowieso nicht. Ansonsten könnte ich jederzeit meinen Wohnzimmerschrank plündern.

Mein letzter Termin ist der aufschlussreichste. Ich erzähle dem Chef vom Nachbarteam, dass sich mein Chef immer noch nicht zum Potenzialgeschiss ausgelassen hätte. Der ist mehr als nur erstaunt. „Dabei habe ich ihm angeboten, dass er alle meine Unterlagen haben könne, weil ich das ja sowieso immer mache, dass ich jemanden in der Pipeline habe, den ich als Potenzialträger aufbaue.“ Mein Chef habe bei ihm aber bislang nicht nachgefragt. Klar, die Blöße will er sich nicht geben. Sein Einstieg zu diesem Thema muss dann auch so in etwa gelaufen sein: „Ihr glaubt´s net, woas possiat is.“ Und hat es wohl als Schenkelklopfer verbuchen wollen, was ich ihm vorgeschlagen habe. Dabei erwähnt er – so die Rückmeldung dieses anderen Chefs – immer, alle Sondermandate und Sonderaufgaben mir zu übergeben, die es immer mit Bravour ausführen würde. Er meckert nie über mich, hebt mich immer lobend hervor. Das beißt sich doch, oder? Ich bohre einfach mal weiter nach und erfahre, dass mein Chef die Sorge hat, ich stünde nicht hinter der Firma, da ich kritisch sei. Ich würde immer die Missstände sehen…aber so wäre die Firma eben nun einmal. Ah ja, der liebe Herrgott hat es mal wieder so gefüget. „Da kann man nix machen.“ Kann mal einer fünf Euro ins Phrasenschwein stecken? Das regt mich ja schon wieder auf. Alles, was brav ist und nickt, darf bleiben. Leute, die Veränderung wollen – die es ja angeblich so dringend braucht – klingen so ungemütlich. Am Ende müssen wir auch noch was dafür tun?! Neeeee, bleib´ mir weg mit so einem Seuchenvogel. Wo bliebe dann da mein Dienst nach Vorschrift?
Gerade denke ich an das Saufgelage am Freitag…vielleicht sollte ich mich doch mit dem Kollegen treffen und Komasaufen betreiben. Dazu müssen wir auch nirgends hinfliegen. Wir trinken vor Ort am Terminal, um mich das hier vergessen zu lassen. Mal ernsthaft: Ich bleibe hin- und hergerissen, ob ich mir diesen Scheiß antun soll? Wenn überhaupt, dann nur noch aus purer Freckigkeit heraus. Es scheint wieder nur nette Augenwischerei zu sein. Diese Lippenbekenntnisse, dass endlich eine neue Unternehmenskultur mit völlig anderer Führungskultur Einzug halten solle, wird von alten Männern entschieden, die dann doch alles beim Alten behalten wollen. Ein paar „Mäuschen“ darf es dann schon geben, damit es was zu gucken gibt. Aber bitte nur die, die auch wirklich den Schnabel halten. Welche Deko soll schon reden können? Dann können sie auch gleich nach Hause fahren und sich den Wiederkäu ihrer Frauen anhören. Ach, so macht das doch keinen wirklichen Spaß, oder? Dafür ist – Gottseidank – der Arbeitsmontag geschafft. Jetzt habe ich Feierabend und werde diesen genießen. Nächsten Montag ist dann Feiertag, was wir unserem Chef heute Morgen auch erklären müssen, weil der sich wundert, dass so viele am Montag frei hätten? Oh man, a bissl Hirn wär´ scho schee. Immerhin fällt dann unser Meeting eine Woche lang aus. Juchuuuuuu, es gibt doch noch einen Gott.

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