Das Wetter ist, wie meine Laune: Wechselhaft. Manchmal trübsinne ich so vor mich hin, dann packt´s mich wieder, und ich bin voller Eifer dabei. Das hängt allerdings auch stark mit den Meetings über Tag zusammen. Der beste ist der, bei dem ich anderen Kollegen beibringen darf, was Coaching bedeutet, welche innere Haltung man dabei einnehmen sollte und welche Techniken es so gibt. Wir haben letztes Jahr einen externen Berater eingekauft, der uns eine komplette Methode samt Coaching beibringen sollte. Die Methode hat er erklärt – allerdings weist sie einige Denkfehler auf. Dieser externe Mensch hat Kohle bekommen, dass einem jeden von uns schwarz vor Augen wird. Gebracht hat es nur mäßig etwas. Und auch für dieses Jahr wurde wieder kräftig Kontingent von ebenjenem Herrn teuer eingekauft – nur fordert es keiner der Führungskräfte ein. In dem Fall kann ich sie sogar ausnahmsweise verstehen. Es hilft aber alles nichts. Immer wieder habe ich angemerkt, dass das, was wir als Coaches da täten, nichts mit Coaching zu tun hätte. Vor lauter Elend habe ich mich nun angeboten, die anderen Kollegen, die nun wirklich noch nie auch nur im Ansatz eine Schulung zum Thema Gesprächstraining, Rhetorik oder gar Fragetechniken besucht haben, ein paar Hilfestellungen an die Hand zu geben. Ist nicht meine Aufgabe, aber so was macht mir schon Spaß, denn die Kollegen sind nett, neugierig und motiviert. Und mein Chef (der Depp) hat sich erweichen lassen, da es in der Außenwirkung gut aussieht. Na denn.
In Kleingruppen gehe ich nun 14-tägig vor und schaue, was sie so brauchen. Ich mag ja Bilder wahnsinnig gern, um Dinge zu veranschaulichen. Die Zeit verfliegt im Nu. Sie bringen ein Thema mit: Wie sie denn mit Widerständen umgehen könnten? Ich erkläre eine einfache Vorgehensweise. Einer sagt dann: „Des bast scho, oba mia san in Bayern. Und des is a Mo, mit dem i red´ – und koa Frau net.“ Kann ich verstehen, hilft aber nichts. Ich schlage ihm vor, dies privat ruhig auch zu üben, weil es manche Unterhaltung entschärfen würde, die man dahoam führt. „Do bist z´spaat. I bin im Trennungsjoar. Mei Frau und i redn gor net mära zsammen.“ Bingo, voll auf die Zwölf. Aber er muss selbst drüber lachen. „Hätt´ i Di nua vorher konnt. Hätt´s viellaicht wos reißn kenna.“ Ich bezweifle es. Ich gebe ihnen praktische Beispiele, die sie auch gut annehmen. Bis dann der Eine zum Schluss sagt: „Und wieso hot des dea Depp net bei der Schulung gsogt?“ Weil er eben ein Depp ist. Die Teilnahme an diesen Kleinkursen erfolgt absolut freiwillig. Die Jungs wollen auf jeden Fall wiederkommen. Da bin ich doch froh! Denn das macht echt Spaß – mit oder ohne Trennungsjahr.

Ich telefoniere kurz mit meiner Sis, die überlegt, mit ihrem Mann am Wochenende zu mir zu kommen. Das Wetter soll allerdings bescheiden werden. Und eine Reisewelle wird auch befürchtet. In Bayern sind ja zudem Pfingstferien. Es steht also noch nicht fest. Immerhin könnten sie hier schon wandern und sich in den allmählich wieder geöffneten Biergärten tummeln. Da seufze ich plötzlich: „Mir würd´s ja reichen, wenn eine Massage wieder möglich wäre.“ Diesem Impuls folgend, appe ich die Thai-Massage meines Vertrauens an. Und wisst Ihr was? Sie antwortet sofort. Ich könne jetzt gleich vorbeikommen! Seit dieser Woche haben sie wieder geöffnet. Ich kann mein Glück kaum fassen. Meine Sis lacht noch, während ich mich eilig verabschiede und mich auf die Socken mache.

Und dann betrete ich nach über einem halben Jahr wieder das Massage-Studio. Die Besitzerin bedankt sich bei mir, dass ich wiederkomme und sie nicht vergessen habe. Hallo?!?!?! Ich bin diejenige, die glücklich ist. Eine kleine Omi ist mir heute zugeteilt, die mich noch fragt, ob ich im Büro sei oder Zuhause? Ich berichte, seit Monaten im Home Office zu sein. „Das Schlimmste, gä?“ Das fragen mich diese Leute, die monatelang nicht arbeiten durften und kaum Geld erhalten haben? Ich winke ab und relativiere sofort. Da komme ich mir sonst echt schäbig vor. So, wie die kleine Omi aussieht, wird sie wohl nicht ganz so viel Kraft haben, denke ich noch so. Aber sie straft meine Gedanken Lügen. Alter, woher nimmt diese kleine Maus diese Kraft bloß her? Na, sie arbeitet eben auch nicht am Schreibtisch, wie ich das tu´. Daher hat sie eine Power, die ich leider nicht vorweisen kann. Am rechten Bein pestet sie mich dann ganz arg und merkt, dass mir das wehtut. Typisch für diese Kultur, kichert sie leicht und sagt: „Tut mir leid. Ist mein Krankheit. Wenn ich finde, muss ich machen weg.“ Was auch immer sie da „findet“. Und sie kichert weiter vor sich hin, weil ich mich winde, bis sie das Gefundene beseitigt hat. Ich murmel´ noch: „Da ist dann morgen alles blau, aber ist schon ok. Sieht ja keiner.“ Doch sie dementiert: „Nee, fühlt nur an wie blaue Fleck, aber nixe sehen.“ Ah ja. Ist ja eh auf der Rückseite. Was schert´s mich also?
Es ist herrlich. Das habe ich echt vermisst. Und nach all den Monaten auf dem Esszimmerstuhl, wurde das auch wirklich Zeit. Muskelverhärtungen, Verspannungen und andere Fundstücke werden wegmassiert. Ein Gedicht! Ich bezahle bei der Chefin und will der Omi noch ein Trinkgeld geben. Ich weiß aber nicht ihren Namen und frage die Chefin nach diesem. „Ah, warst Du bei Oma.“ Ich lache. Ja, die war alt, aber oho. Aber nein, sie meint das voll ernst: Auf ihrem Sparschwein (für jede Masseurin steht ein eigenes seitlich am Tresen) steht tatsächlich „Oma.“ Ist das geil, oder was? Ich bin ja schon einmal von „Bier“ massiert worden. Aber Oma war bislang nicht für mich zuständig. Herrlich, wenn der Name zum Äußeren passt, dann aber noch so ein Elan in dieser Süßen steckt. Ich wiederhole das bald noch mal. Die Zeit im Home Office wird ja noch eine ganze Weile andauern.

Und so von der Oma durchgewalkt, kann ich meinen Feierabend einläuten. Heute kommen ja wieder meine Meeeeeedchen, bei denen sich entscheidet, wer nun ins Finale einziehen darf. Ich habe da so eine Idee. Aber wen interessiert das schon? Es ist so unnütz, wie es hilft, mich berieseln zu lassen. Donnerstagabend ist ein guter Abend. Immerhin ist das ja der kleine Freitag. Morgen mache ich auch nicht zu lange, bevor ich dann das Wochenende ausrufe. Ach, mir geht´s gut.

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