Das Wetter ist geradezu traumhaft. Die Temperaturen klettern nicht über 19 Grad. So mog i des. Dazu ist der Himmel blau, ohne auch nur von weißen Wolkenfetzchen befleckt zu sein. Gut, die Allergie feiert auch wieder ein Hoch. Aber das macht nichts, denn so ist es echt schön. Es reicht sogar, um draußen zu frühstücken, da ich ja heute noch frei habe. Man gönnt sich ja sonst nichts. Zwischendurch schreibt mir meine liebe Kollegin dann aber doch, wie sehr sie unsere Kollegen beim Meeting aufregen. Gemeinsam ist es irgendwie leichter zu ertragen.

Gegen Mittag breche ich auf, weil ich mit meiner Mitschülerin von der Fortbildung letztes Jahr zum Spazieren verabredet bin. Ich weiß, ganz altmodisch. Wir wollen in den Pasinger Stadtgarten, doch vorher treffe ich noch auf ihren Mann. Brasilianer sind einfach temperamentvoller, was ich süß finde. Er spricht mit mehr Gestik und Leidenschaft. Ach ja, die Südamerikaner fehlen mir.
Im Wald bin ich überrascht, wie wenig doch los ist. Wir begegnen schon einigen Spaziergängern, aber ich hätte gewettet, bei diesem Wetter durchaus größeren Massen zu begegnen. Im Schatten ist es angenehm, zumal wir auch viel in der Nähe der Würm entlanglaufen. Und da plaudern wir ausgiebig über die Machos. Ich kann mir schon vorstellen, dass es heutzutage auch nicht so einfach ist, ein Mann zu sein. Da war es früher schon einfacher, als die Frau nicht mal eben so abhauen konnte, da sie abhängig war. Dann bekamen die Frauen das Wahlrecht und sollten nun doch bitte endlich zufrieden sein. Ok, dann sollten sie auch noch selbst entscheiden dürfen, ob sie arbeiten gehen, wenn sie verheiratet sind, ohne dass der Mann seinen Otto unter den Vertrag schreiben musste. Dem nicht genug, gibt es mittlerweile auch Frauenparkplätze, was ja eine Benachteiligung der Männer ist. (Nebenbei bemerkt: Kein Mann weiß, wie es sich anfühlt, im Dunkeln zum Auto zu gehen und sich bei jedem Geräusch panisch umzuschauen. Ich möchte auch noch den Mann kennenlernen, der von einer Frau vergewaltigt wurde…böse, ich weiß.) Vielleicht muss Frau da ein bisschen nachsichtiger sein. Der Oberkracher kam dann mit einer Frau als Bundeskanzler. Das war ja schon ein Affront. Und jetzt kommt auch noch so eine Junge daher, die sich erdreistet, auch nach dieser Krone zu greifen.
Ehrlich, auch wenn das bisweilen ironisch klingt, wie ich es schreibe: Da hat ein großer Wandel stattgefunden, was nicht immer ganz einfach ist. Und ich glaube auch, dass manche blöden Thekensprüche gar nicht böse gemeint sind – auch wenn sie entwertend für Frauen sind. Das kann ein Mann nicht nachvollziehen, weil er es – ebenso wie die Angst an dunkeln Plätzen – nicht kennt. Bei den letzten Debatten ist mir das erst aufgefallen: Ich persönlich fand die Bezeichnung „Mohrenkopf“ nie schlimm. Aber ich bin mit so was ja auch nicht gemeint. Wenn ich betroffen bin, dann kann ich mir ein Urteil erlauben – nicht aber als Außenstehende, die etwas bewerten möchte, das sie nicht nachfühlen kann. Das hat was mit Umdenken zu tun, was nie leicht von der Hand geht. Daher wird es immer wieder Männer geben, die meinen, sie müssten wie die Gorillas losbrüllen, um ihr Revier zu markieren. Solange sie das nur polternd tun, ist alles ok. Damit können wir alle leben. Es darf nur nicht unter die Gürtellinie gehen – weder buchstäblich, noch sprichwörtlich.
Und genau bei diesem Gorilla-Macho-Gehabe erkennt meine Mitschülerin derzeit auch ihren Mann etwas. Ich mag ihn, er ist einfach sympathisch. Aber ja, so ein bisschen Macho ist er schon auch. Und eigenartigerweise stehen wir Frauen ja auch häufig darauf. Ich gebe also zu: So ganz einfach ist das alles nicht. Doch wir können ja gemeinsam üben. Dafür braucht´s nur eine Voraussetzung: Die Beteiligten müssen es auch wollen. Und da ist es wurscht, ob wir von Sexismus oder Rassismus sprechen. Wir brauchen ein anderes Bewusstsein, das uns allen nicht so leicht fällt. Bei manchen Dingen bin ich auch zu unbedarft. Aber zumindest will ich es verstehen und auch niemanden bewusst verletzen. Ist noch ein weiter Weg…für uns alle – egal, ob Mann oder Frau, Macho oder Feministin.

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