Hoch die Hände – WOCHENENDE! So schaut´s aus, meine Lieben. Ach, da war doch noch was? Richtig. Vorher darf ich schon noch arbeiten. Doch das geht recht leicht von der Hand. Nur noch zwei Tage pro Woche zu arbeiten, könnte mich durchaus auf den Geschmack bringen. Natürlich wird das in absehbarer Zukunft nicht drin sein. Träumen darf ich allerdings schon davon, oder?

Während ich am Laptop sitze, habe ich bei dem Traumwetterchen schön die Balkontür geöffnet. Den ganzen Tag über lausche ich also dem munteren Vogelgezwitscher, was eine nette Begleitmusik ist. Ab Mittag ist dann allerdings Essig damit. Bei dem Wetter sind irgendwie auch immer gleich alle Handwerker und Gärtner draußen. Die Anlage ums Haus herum wird von einem Hausmeister in Schuss gehalten. Die Herrschaften im Erdgeschoss nennen zudem einen kleinen Garten ihr Eigen, um den sie sich auch selbständig kümmern dürfen. Und das macht jede(r) zu einer anderen Uhrzeit, an einem anderen Tag und mit mehr oder eben weniger Engagement. Es ist also selten mal ruhig, da bin ich für den Vormittag schon recht dankbar. Gerade, als ich dann aber mit meinem Chef skype, schmeißt draußen jemand seinen Rasenkantenschneider oder was auch immer an. Völlig aus dem Zusammenhang fragt mein spürbar irritierter Chef: „Is des a Muezzin bei Dia?“ Klar, mein Balkon ist zu einer Moschee umfunktioniert worden. Das Ganze läuft unter dem Projektnamen „Flächenverdichtungsplan“. Oh man! Natürlich nicht.
Mein Chef ist derzeit eh nicht auf der Höhe (wann war er das je?). Unser Chef-Chef sei ja quasi aufs Abstellgleis geschoben worden. Grund für unser heutiges Gespräch war meine Idee, doch den Team-Workshop eventuell noch mal zu verändern, weil ja einige Kollegen ziemlich verunsichert seien, was die kommenden Monate an Neuerungen bringen würden. Es sollte eigentlich sein Ansinnen sein, doch darauf warte ich ja immer vergebens. Wobei er schon auch fragt, wie es mir denn damit gehe? Eine ehrliche Antwort wäre: „Ach weißt Du, ich wittere es als Chance und puste in sämtliche Fanfaren, da es durchaus immer wahrscheinlicher wird, dass Du abgesetzt wirst und manchem anderen faulen Sack auch mal Feuer unterm Hintern gemacht wird.“ Doch ganz so hart möchte ich dann doch nicht sein. Daher sage ich schlicht, dass ich entspannt sei, was da auf uns zukomme, Veränderung ja auch Chance bedeute und ich reagieren könne, wenn ich alle Fakten wisse. Bis dahin seien wir doch alle erstmal versorgt. „Ah“, kommt´s aus den Lautsprechern: „So entspannt hob i no von koam ondan wos gheert. Des daat i mia a wünschn, des so nüchtan zum Betrachtn. Des wöa ja au mei Aufgabä als Chäf.“ Da bin ich doch überrascht ob dieser Einsicht. Allein, sie nutzt nichts. Und schon legt er los: Wie ungerecht das alles sei, wie man seinen Chef-Chef aufs Abstellgleis gestellt hätte und überhaupt. Um es mit den Worten meines polnischen Kollegen („Correct me if I´m wrong,…“) zu sagen, haue ich raus: „Was ändert sich denn nun für ihn? Er bekommt einen anderen Posten – inklusive seines bisherigen Standes, also Titels, und seines vollen Gehalts, oder?“ „Ja, des scho.“ Ich steh´ noch auf der Leitung bzw. stelle mich darauf. Ach nein, die neue Aufgabe sei ja gar nicht die richtige Herausforderung für ihn, und man habe ihm doch quasi fast schon was versprochen, was nun doch nicht wahr werden würde. Und der verkackte, niemals vergessende Steinbock in mir merkt an: „Quasi wie vor zwei Jahren bei mir, als Du mir was versprochen hast und dann die andere ins Team geholt hast. Und? Ich bin immer noch hier und habe mir andere Aufgaben gesucht.“ Nein, das könnte man in keiner Weise miteinander vergleichen. Is klar. Mein Chef überlege nun mittlerweile auch, ob er überhaupt noch weitermachen wolle. Er könne ja nur ein Angebot zur Altersteilzeit in Anspruch nehmen, aber dann wäre er auch noch anderthalb Jahre da. Dass man ihn vielleicht gar nicht mehr als Führungskraft aufstellt, kommt ihm gar nicht in den Kopf. Mir auch einerlei. Er wird´s schon merken, wenn es so weit ist. Und dazu gibt er sich nebulös…die nächsten beiden Wochen hätte er nämlich Urlaub, dabei habe er nun mindestens die nächste gecancelt. „Du vastehst, wos i main, wenn´s so weit is.“ Jo, und wenn nicht, heul´ ich mich auch nicht ins Kissen.

Mittlerweile läuft draußen auch wieder eine Schar Kinder herum. Der Brüllhannes will natürlich erneut auftrumpfen und dieses Mal sogar ein Mädel beeindrucken. Ich schrieb ja unlängst: So ein bisschen Macho mögen manche von uns Frauen ja dann schon auch. Ob der Kleine aber nur ein bisschen Macho ist, glaube ich eher nicht. Die Holde lässt ihn auch etwas abblitzen und fragt rotzig, wie nur Kinder das richtig können: „Stört es Dich, dass ich nur mit anderen Jungs spiele und nicht mit Mädchen? Ich habe nämlich nur Jungs als Freunde. So!“ Direkt mal Kante zeigen, damit die Fronten geklärt sind. Herrlich – zumindest als Zaungast.
Derweil lese ich bei warmen Temperaturen im Schatten und genieße es, gerade keinen Macho um mich zu haben, dem ich Kante zeigen müsste. Das Leben kann schon schön sein. Jetzt noch Meeresrauschen, salzige Luft in der Nase und einen Mojito, dann wäre es perfekt. Alles geht (noch) nicht.

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