Es gibt sie immer wieder: Momente, in denen ich mit offenem Mund staune. Am liebsten natürlich, weil ich positiv überwältigt bin. Doch leider ist es heute wieder einmal mehr Fassungslosigkeit, die mich staunen lässt. Meine Überlegung war es ja, meine Kapselmaschine zu verschenken. Immerhin gibt es zwei Kartons Kapseln noch oberdrauf. Also rufe ich erneut bei der Caritas an. Dieses Mal ist ein Herr am anderen Ende des Telefons. Nein, sie hätten einfach alles voller Porzellan, weiteres könnten sie gerade nicht gebrauchen. „Äääääh, ich wollte eigentlich eher meine Kapselmaschine abgeben, kein Porzellan.“ Aber nein, so was würden sie nicht verkaufen. Auch nicht verschenken. Höchstens gerenalüberholen. Wie alt denn die Maschine sei? In der Hektik sage ich: „Fünf Jahre.“ „So oid scho? Na, do moch ma gor nix.“ Dabei habe ich gelogen, es sind bereits sieben Jahre, die die Gute auf´em Buckel hat. Krass, oder? Ich will sie sogar echt mit ca. 150 Kapseln abgeben. Aber nein, ist nicht gewünscht. Ich frage ihn, ob er sonst noch eine Anlaufstelle wisse, wo Menschen froh seien, wenn sie so was kostenlos bekämen? Nein, weiß er nicht. Und da sitze ich hier und staune eben Löcher in die Luft. Ich bin mir sicher, dass es Menschen gibt, die sich wirklich über so was freuen würden. Nur wenn nicht mal die Caritas weiß, wie man die erreicht, wie will ich das denn wissen? Und etwas, das funktioniert und einwandfrei in Ordnung ist, kann ich einfach nicht wegschmeißen. Das widerstrebt in jeder Hinsicht allem, wie ich erzogen wurde. Krass…für Ideen Eurerseits bin ich also voll empfänglich! Allerdings würde ich ein Elektrogerät nicht unbedingt irgendwo an die Straße stellen.

Der Arbeitstag zieht sich heute in die Länge. Gleich mehrere Meetings warten auf mich und lassen mich gähnen. Starten darf ich allerdings mit meiner Rücksprache mit dem Chef. Und es ist, wie es ist: Es wird zu einem Jammern seitens des Guten. Wie schlecht er die Zukunft sehe, wie blöd doch alles laufe, wie sehr er doch jetzt erwarten würde, dass die neue Chef-Chefin sich endlich positionieren würde. Hä? Ich kläre ihn – der wesentlich mehr Erfahrung auf dem Gebiet in dieser Firma haben sollte, weil er seit 46 Jahren im Unternehmen ist – auf, wie wenig diese Frau sich gerade positionieren könne, da sie ja noch gar nicht wisse, welche Bereiche und welche Mitarbeiter ihr zugeschlüsselt würden. Darauf kommt von ihm: „Do host a wieda recht.“ Und trotzdem wolle er jetzt wissen, wie es für ihn weitergehe. Zefix! Er ist der Chef. Er sollte Stabilität und Zuversicht ausstrahlen. Dabei heult er sich regelmäßig bei mir aus…und gelegentlich auch bei meiner lieben Kollegin. Kein Wunder, bei den anderen kommt er ja kaum zu Wort, da die auch durchgängig jammern. Normal ist das alles nicht mehr.

Mein Betriebsratspezl verkündet mir wieder ein paar interessante Sachen. Vor allem aber mahnt er zu Geduld. Wie hieß der Spruch letztens: „Als die Geduld verteilt wurde, riss bei mir bereits der Faden.“ Und meine Umzugspläne, weiter raus zu ziehen, sind vermutlich auch erstmal zu beerdigen. Denn so, wie es ausschaut, werden wir ab nächstem Monat wieder mindestens drei Tage pro Woche in die Arbeit gehen müssen. Dann sind die Tage des Home Office gezählt. Und ja, ich habe es lange verflucht, aber dann den Nutzen darin erkannt, viele meiner nervigen direkten Kollegen nicht sehen zu müssen. Vor allem aber die Möglichkeit, weiter raus zu ziehen, hat mich fasziniert und völlig neue Optionen ins Spiel gebracht. Doch wenn ich nun wieder häufiger ins Büro fahren muss, platzen diese. Wir werden sehen. Ich glaube irgendwie nicht mehr daran, dass die Arbeit tatsächlich wieder zu einem „business as usual“ zurückkehren wird – zumal wir ein Flächenproblem haben, wie die meisten Firmen in Deutschland. Wir werden damit beginnen, und auch daran werde ich mich wieder gewöhnen – keine Frage. Die Zukunft wird dann zeigen, was sich nachhaltig doch ändern wird. Immerhin ist ja auch die Rede von einer Rente ab 68…wie ich mich freue! Nicht. Um mit den Worten von Franz Beckenbauer zu schließen, den ich trotzdem nicht mag: „Schau´n mer mal“.

2 Kommentare

  1. Als mein Mann die Wohnung von seinem Vater leeren musste, hat er einiges an Flüchtlinge geschenkt, die eine Wohnung bekommen aber sonst nichts hatten (durch eine Nachbarin, die in einem Verein für Flüchtlingshilfe tätig ist), vielleicht gäbe es die Möglichkeit in München auch.

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