Ich sitze im Wartezimmer. Der Gang hierher war viel netter. Der Security Mann in unserer Firma ist nämlich ein Kracher. Er strahlt mich an – einen halben Kopf kleiner als ich – und fragt: „Aaaaaah, sind Sie die Claudia?! Ja ja, when the weather is perfect it must be Claudia.“ Ja, so in etwa schaue ich auch. Ich kenne den Herrn nämlich nicht. Aber ich muss dann doch lachen. Wir plaudern kurz, der Kleine ist nämlich gut gelaunt und in Sabbelflirtstimmung. Er stammt aus Nigeria und schmettert ein Loblied auf Deutschland. Wir seien die Besten! Ich muss erneut lachen. Ich widerspreche, dass wir nicht soooo toll seien und auch Schwachmaten vorzuweisen hätten (ob ich ihm mal Heinz vorstellen soll?). Doch er hält dagegen, dass hier alles so perfekt laufe, es so sauber sei und ohne Korruption und überhaupt. Ah ja. Ich ergänze: „Und wir sind die Nummer eins im Meckern.“ Da muss er dann auch lachen.
Die Impfung verläuft auch unspektakulär. Dieses Mal sticht mich eine Frau, die das Aufklärungsgespräch vom Arzt noch mal verstärkt: „Wenn Sie heute Feierabend machen, dann machen Sie das auch wirklich! Also alles in Ruhe, nicht mehr Bügelwäsche erledigen oder so was! Und drei Tage keinen Sport!“ Ich grinse: „Gut, das fällt mir jetzt schwer.“ Sie erweitert: „Und danach noch mindestens vier Tage nur sehr leichten Sport.“ Ich grinse noch breiter: „Ach je, wie schade.“ Da lacht sie und sagt: „Ich treibe ja auch keinen Sport. Aber es gibt immer wieder Leute, die das hier diskutieren wollen.“ Jo, es soll auch Menschen geben, die Spinnen mögen. Gehöre ich ja auch nicht dazu.
Aufgrund des Heuschnupfens lässt mich der Arzt in der Tat wieder 30 Minuten im Wartebereich Platz nehmen. Meine Geduld ist in letzter Zeit nicht irgendwie mehr geworden. Sie ist nach wie vor kaum vorhanden. Doch dieses Mal bin ich präpariert und habe mein Handy eingepackt. Und so tummel´ ich mich bei LinkedIn, wo ich auf die Aussage des Tages treffe: „Auch Biene Maja hat Hater.“ Der Aritkel bezieht sich auf ein Bild, auf dem etwas in der Art steht, dass es immer Menschen gäbe, die Dich lieben und solche, die Dich eben hassen – am Ende habe das alles nur herzlich wenig mit einem selbst zu tun. Diesen Biene Maja-Spruch finde ich dazu dann so lustig, dass ich mitten im Wartezimmer losprusten muss. Manchmal überkommt mich so was. Meine Mitgepieksten stört´s nicht.

Heute habe ich dann auch mal wieder meine alle drei bis vier Wochen stattfindende Rücksprache mit meinem „helsi Koana“. Es ist echt nicht mehr zu fassen, wie sehr er rumstammelt und nichts auf den Punkt bringen kann. Das war vor drei Jahren noch nicht so. Er ist einfach durch. Trotzdem nervt es leider auch. Ich frage nach zwei Themen, die er wohl auch auf seiner Agenda stehen hat. Der erste Punkt ist noch ok, wenn er mich schon auch langweilt. Der zweite Punkt ist etwas, für das ich mit Heinz zusammenarbeiten soll. Ich soll die Ansprechpartnerin für den obersten neuen Chef sein. Ich soll auch das Schulungskonzept gestalten. Der Hinkefuß ist allerdings: Ich soll das mit Heinz zusammen machen. Dazu soll ich auch noch einen Tag mitgestalten, an dem ich nicht mal da bin. Ich verweise auf Heinz, der das doch machen könnte? „Na! I sog amol so: Des wuil i übahaupts gar net.“ Prima Erklärung, oder? Nach Schwallerschwaller seinerseits, fasse ich das so zusammen: „Verstehe ich das richtig: Du willst auf keinen Fall, dass Heinz das macht, weil Dir die Qualität dann nicht passt. Weil Heinz aber nun mal der Höchstbezahlte ist, braucht er Verantwortlichkeiten, da sonst die Kohle nicht gerechtfertigt ist. Soweit richtig?“ Kurzes Zögern: „Äääääh…jo…so konn ma des sogn.“ Ich hole Luft: „Weil Ihr es nicht schafft, ihn irgendwie anderweitig zu bespaßen, soll ich mir die Nerven an ihm schleifen, Mehrarbeit produzieren, ihn glänzen und die Hauptkohle einstreichen lassen?“ Er zögert wieder: „I woaß, oba…jo…so isses.“ Alter! Sein Ernst?!?!?! Ich kann nicht anders: „Dann pass´ jetzt mal gut auf: Ich sage nie nein, mache alles möglich, aber hier ist jetzt Schluss. Entweder macht Heinz das komplett allein oder ich. Ich habe keinen Stress damit, wenn er das Amt bekommt. Aber ich mache das auf keinen Fall mit ihm zusammen. Du hast die Wahl.“ Schnauben…erneutes Schnauben…und noch mal…dann: „Oba…do hob i jo koa Wahl net.“ Ich bleibe ruhig, während meine Kollegin am Schreibtisch gegenüber aufsteht und mir beide Daumen nach oben zeigt: „Doch. Die hast Du. Du kannst Dich zwischen ihm und mir entscheiden. Mir ist meine geistige Gesundheit was wert. Und die werde ich nicht von Heinz torpedieren lassen.“ Wieder Schnauben. Rede ich hier mit Antje, dem Walross von NDR oder was? „Do bringst mi in a saubleede Situation.“ Stimmt: „Verstehe ich. Andersherum tust Du das sonst bei mir. Also darfst Du das nun mal selbst regeln.“ Ich weiß, so redet man nicht mit seinem Chef. Aber es reicht. Ich mache das so nicht mehr mit. Seit Monaten übernehme ich das Denken für meinen Chef, die Arbeit für Heinz mit und darf mich noch dümmlich von Letzterem belehren lassen. Nö. Irgendwann ist Schluss. Jetzt geht mein Chef erstmal in Urlaub. Da darf er sich gerne ein wenig mit der Frage beschäftigen, was er denn will. Ich habe ja auch klar geäußert, was ich will. Manchmal ist es so einfach. Und wenn ich damit einen Hater mehr gewonnen habe, dann heule ich mich eben bei Biene Maja aus. Die soll das Phänomen ja schon kennen. In diesem Sinne: Summsumm…bsssssssssss……..

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