Heute ist ein guter Tag. Montag war auch richtig gut. Aber der gestrige Tag verkackt mal so richtig in der Gesamtbilanz. Tja, es ist ein Auf und Ab in letzter Zeit. Dabei mag ich das ja gar nicht und fühle mich wohl auf einem meist doch stabilen, humorvollen Level. Doch zwischenzeitlich packt´s mich eben auch. Aber eins nach dem anderen.

Montag hatte ich frei, weil ich wieder viel zu viele Überstunden habe. Finde den Fehler! Ich kann´s nicht lassen. Im Grunde finde ich es aber auch voll ok, wenn ich im Gegenzug ganze Tage zwischendurch mal freinehmen kann. Meine Kollegin hat dann spontan auch einen halben Tag abgebaut, weil sie die Idee zu schön fand, mit mir über den Ammersee zu schippern. Was sich mir nicht erschließt: Es gilt FFP2-Maskenpflicht, auch wenn man oben auf Deck hockt. Das ist das Verkehrsbeförderungsgesetz. Aaaaaaalter…so was haben nur die Deutschen, oder? Nu juut, wir mussten uns – einmal auf Deck hockend – ja auch erstmal nicht mehr bewegen, weshalb das mit der Maske auch erträglich war. Dass ich feuerrote Arme davongetragen habe, muss ich keinem sagen, der mich kennt. Durch die Maske konnte ich meinen Zinken hingegen vom Glühen fernhalten. Da sieht man wieder: Das Glas kann selbst bei den Masken halbvoll sein. 🙂
Als irgendein Oppa dann vom Stockwerk drunter nach oben ein Bild schießen wollte, hat meine Kollegin sofort die Beine runtergenommen. Klar, im knappen Kleidchen ist das auch keine dumme Idee. Aber ihr galt gar nicht die Aufmerksamkeit, sondern seiner Prusselise. Warum ich die Frau so bezeichne? Weil sie echt ´ne olle Zicke war. Oppa schießt also sein Bild, ruft seiner Prusselise was zu, hebt den rechten Fuß, und dann tropft´s da auch schon raus. Blut. Jawoll. Leckerschmecker. Wir sind sofort in Alarmbereitschaft und drehen uns zu der Ziege um, der ich Taschentücher anbiete. Sie ignoriert uns doch tatsächlich! Auch nach drei Anläufen bleibt sie ignorant. Kurz mutmaße ich, dass sie nahezu taub sein muss. Als der Ömmes aber später mit verbundenem Fuß hochschlappt, hört sie durchaus sehr gut und zickt ihn auch prompt an. Und damit Ihr mal versteht, wie bekloppt mein Kopf in solchen Momenten funktioniert, hier ein Beispiel: Ich sehe das wirklich raustropfende Blut und schnappe kurz nach Luft. Dann raune ich, als er von der Bildfläche verschwindet, meiner Kollegin zu: „Ob als Nächstes schon Aschenputtel kommt?“ Sie sieht mich verständnislos an, also ergänze ich flüsternd: „Ruckedigu, Ruckedigu…Blut ist im Schuh´.“ Sie prustet los und ergänzt: „Du hast so geil eine am Helm.“ Was soll ich sagen? Ich weiß.

Und dann kam der gestrige Tag, an dem es hieß, dass die Teamleiter bereits alle gesetzt seien und wir Mitarbeiter auch schon alle verteilt seien. (Wir sind beim Thema Umstrukturierung, wem das hier gerade zu schnell geht.) In die Welt gesetzt wurde diese These von dem bestens bekannten Lügner in meinem Team. Und trotzdem arbeitet es in einem. Die Kommunikation ist bei uns schon nicht mehr als solche zu bezeichnen. Vollmundig wird versprochen, völlige Transparenz zu gewährleisten. Faktisch findet das Modell „still ruht der See“ statt. Tödlich…und perfekter Nährboden für jegliche Gerüchte. Irgendwie kam´s dann auch, dass ich wahrscheinlich doch weniger Chancen habe, meine Abteilung zu wechseln. Ihr könnt Euch meine Freude vorstellen. Halleluja. Die Stimmung fiel auf unter den Gefrierpunkt. Dabei ist noch nichts entschieden. Trotzdem habe ich meinem Betriebsratsspezl klipp und klar gesagt: „Wenn ich weiterhin diesen Mist angeboten bekomme, dann bin ich weg.“ Neiiiiiiin, ich müsste mich noch etwas gedulden. Am Arsch, Marie! Mir reicht´s, i mog nimma. Und nein, ich rede nicht vom Schnellschuss. Ich mache hübsch meine Ausbildung bis zum Abschluss, beginne Mitte Oktober die andere Ausbildung bis Mai nächstes Jahr, und dann schau´ ich weiter. Wenn ich wieder Normalpuls habe, kann ich das auch so nüchtern analysieren. Im ersten Moment war das allerdings so, als würde man Brandbeschleuniger ins Feuer gießen. Hossa!

Heute ist es dann aber wieder fein. Ich bin auch in der Firma, weil ich eine Einladung zu einer Präsenzveranstaltung habe. Auch hier sieht man wieder, wie ich ticke: Der Einladende bittet uns fünf Beteiligte vor zwei Wochen, doch bitte vor Ort zu sein. Klar, das richte ich dann auch so ein. Heute erfahre ich dann: Der Einladende und ich sind die Einzigen, die dann auch tatsächlich vor Ort sind. Den anderen passt es gerade nicht so. Dabei sind die anderen allesamt Mitarbeiter von ihm. Nur ich gehöre einem anderen Team an. Finde ich schon krass. Aber die Veranstaltung ist erst nachmittags. Vormittags schlappt dann erstmal unser Chef ins Büro…dabei hat der doch Urlaub?!?! Seine Anspannung ist meterweit zu spüren. Zunächst verstehe ich es falsch und denke, er müsse noch zu einem Termin. Doch dann schalte selbst ich (meine Kollegin ist schneller): Sein Gespräch liegt hinter ihm. Sein Kinn bebt bereits, seine Augen sind voller Gewässer. Und ganz ehrlich? Ich blöde Nuss habe dann doch wieder Mitleid. Er wird ab Herbst nicht mehr als Führungskraft eingesetzt. Er darf eigentlich nichts sagen, aber er braucht wohl einfach gerade seelischen Zuspruch. Da kann ich ja auch nicht aus meiner Haut – und meine Kollegin dann ebensowenig. Ich frage ihn, ob er der Firma erhalten bleibe? Ja. Insofern: Entwarnung! Er erhält das volle Gehalt, wie bisher – lediglich die disziplinarische Führung wird er nicht mehr haben. Und trotzdem…wenn ich den armen Tropf dann da so stehen sehe, wie er zutiefst verletzt ist, dann tut er mir schon leid. Es ziehe ihm den Boden unter den Füßen weg. Da frage ich mich wieder einmal: Was hat er denn erwartet? Seit anderthalb Jahren war er quasi gar nicht mehr sichtbar, hat nicht zurückgerufen, war nicht erreichbar, hat alles schleifen lassen. Hat er echt geglaubt, man würde ihm deswegen den Siegerkranz umlegen? Wie der preisgekrönten Zuchtstute im Stall? Puh…wieso habe ich dann immer noch Mitleid? Aber ich kann einfach nicht aus meiner Haut. Ich sag´s mit den Worten meiner Kollegin: Ich hab´ eine am Helm.

Und dann geht es auch schon in den längeren Termin, an dem wir nur zu zweit vor Ort teilnehmen und der Rest des Teams digital zugeschaltet ist. Ich breche ja immer ab, wenn Menschen dann so gääääähnend langsam sind. Und das sind die Beteiligten alle – mit Ausnahme des Teamleiters und mir. Sie wollen eine Schulung aufsetzen. Zwei andere vom Team sind zur Beratung dabei…und ich, eben außerhalb des Teams. Input liefert…nur ich, säät der Jeck. Hammer! Eine Kollegin stellt dann mal fest: „Das müssen wir so exorzieren!“ Und schon sehe ich wieder das Bild von dem Kind aus den 70er Jahren, das die Treppe runterkrabbelt und grünes Zeug kotzt. Das kennen die jungen Hüpfer (oh Gott, jetzt hab´ ich´s tatsächlich gesagt!) natürlich nicht. „Der Exorzist“ ist selbst heute noch cool, finde ich. Ich sag´ ja: In meinem Kopf geht´s immer rund…und oft habe ich wirklich Spaß mit mir. Das kann man doppeldeutig auslegen, Ihr Ferkel, keine Frage. Aber bleiben wir doch beim Kontext, bitte! 🙂 Zum Schluss sind alle einverstanden. Klar, sie mussten ja auch Null Input liefern. Ich frage mich, wie so ein völlig phantasieloses, unkreatives Leben wohl aussehen muss? Naja…das fragen sich Zahlen-Daten-Fakten-Typen im Gegenzug bei mir vermutlich auch.
Als alles vorüber ist, bleibe ich mit dem Teamleiter des anderen Teams zurück. Und da reden wir dann über die wirklich wichtigen Dinge im Leben. So geht ein Tag vorüber, der rund gelaufen ist. Unterm Strich ist es selten wirklich richtig schlimm…nur in der ersten kopflosen Reaktion.

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