Ich habe mal wieder einen neuen Begriff gelernt. Meine neue Chefchefin fährt mit dem obersten Boss gemeinsam in Urlaub. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Ein Kollege kommentiert das so: „Mei Oma hot imma gsogt: ‚Die hot a lust’gen Untaleib.‘ Woaßt, woas i moan, gä?“ Wie geil war die Omma von dem denn bitteschön drauf?! Die alten Leute früher waren nicht dumm. Sie mögen weniger Kraftausdrücke verwendet haben (gerade die Frauen), aber im Grunde haben sie es nur anders verpackt. Meine Uromma (der ich vom Naturell ähnlich sein soll) muss wohl gesagt haben: „Watt bilde sich die Mannslüh ejentlich in? Die wöare jet bätisch? Mar füa datt klee besickt Stöckske Fleesch, datt die han?!“ Ich übersetze es nicht. Wer sich das nicht erschließen kann, darf mich gerne kontaktieren. Aber ich schätze, da versteht jede(r) schon den Kontext, oder? Herrlich. Was hätte ich drum gegeben, die Hühner mit dem Fahrrad spazieren fahrende Frau kennengelernt zu haben. Vermutlich bin ich wohl ihre Reinkarnation? Vom Verrücktheitsgrad und der Wehrhaftigkeit, käme das durchaus hin.

Was wir jetzt gerade erleben, was eher ins Gegenteil geht: Das Gendern. Und ja, ich gebe sogar als Frau zu, dass es mich nervt. Ich habe da nicht so einen Puls, wie mancher Herr den zeigt. Aber es holpert. Ich schätze, es muss immer irgendwie radikal sein, damit sich was verändert, nur ist das auch nicht der „richtige“ Weg. In dem Unternehmen, für das ich tätig bin, ist es mittlerweile vorgegeben, zu gendern. So geschah dies dann auch in einem Intranet-Artikel. „Alle Kolleg:innen blabla…“ Ich dachte mir schon selbst, wie unscharf diese Vorgehensweise sei, da die männlichen Kollegen ja mit „Kolleg“ beschnitten werden. Und so kam es dann, wie von mir erwartet, dass sich ein „Kolleg“ auch richtig echauffiert hat und entsprechend einen bissigen Kommentar hinterließ. Als Antwort hat er schnöde einen Link zur Intranet-Seite erhalten, auf der das Gendern vom Vorstand für die Zukunft vorgegeben worden ist. Oh man…welche Kapriölchen hier noch geschlagen werden? Eine Frau in den Vorstand zu holen, kommt für sie immer noch nicht infrage. Aber dann tun wir mal so, als ob wir ja durchaus Frauen als gleichwertig erachten und vergehen uns an der Sprache. Leider ändert das an der Haltung rein gar nichts, sondern verhärtet die Fronten noch mehr.

Was tut sich sonst noch so? Ah ja, mein Chef hat mich überrascht – und zwar im Positiven! Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Meine Potenzialeinschätzung ist völlig anders ausgegangen, als ich angenommen hatte. Kurz vorher war ich innerlich schon bereit, ihnen die Brocken vor die Füße zu werfen und zu sagen, ich würde jetzt schaukeln gehen. Nee, ernsthaft. Ich hatte mich dazu entschieden, eigentlich doch lieber Stunden ab nächstem Jahr zu reduzieren und dann extern mit meinen Seminaren zu beginnen. Und dann? Ist das Ergebnis sehr wohlwollend, wertschätzend und nett ausgefallen. Hä??? Der Giftzwerg-Anteil in mir war nahezu sprachlos. Ich sage ja auch immer wieder: Überlegt Euch genau, was Ihr Euch wünscht. Denn im Grunde bin ich immer noch nicht überzeugt davon, ob ich tatsächlich in Richtung Führung gehen möchte? Aber egal. Ich darf es vermutlich mal ausprobieren. Und sollte es mir dann nicht gefallen, kann ich immer noch was ändern.
Mein Gespräch am Tag danach mit meiner zukünftigen Chefin, war dann das nächste Highlight. Wenn sie so ist, wie sie geredet hat, wird es eine verdammt anstrengende, aber eben auch ungemein positiv herausfordernde Zukunft werden. Sie ist offen für Ideen, will Dinge anpacken und verändern und ist dabei genauso ungeduldig, wie ich das bin. Wir werden also vermutlich gemeinsam am Gras ziehen. Wir dürfen also alle gespannt sein, wieviele Grasbüschel wir dabei rausreißen. Ich freue mich gerade so richtig auf den Wechsel und alles, was da so kommen wird. Drückt bitte die Daumen, dass das Gefühl anhalten wird!

Was sich hingegen nicht zu ändern scheint, ist mein Vermieter. Er war so freundlich, mir die Nebenkostenabrechnung für letztes Jahr zu schicken. Meine Nachzahlung beläuft sich auf über 362 Euro. Alter, habe ich geschäumt vor Wut. Da half auch das ruhige Zureden meiner Freundin nicht, die mir – korrekterweise – erklärt hat, dass der Ölpreis gestiegen sei, wir alle mehr Zuhause gewesen wären usw. Ich hatte die Nebenkostenvorauszahlung erst vor zwei Jahren selbständig erhöht, weil ich da bereits 120 Euro hatte nachzahlen dürfen. Dann wurde ja die Miete meines selbstlosen, am Hungertuch nagenden Vermieters ohne eine Gegenleistung seinerseits um 50 Euro erhöht, weshalb mir echt eine Ader zu platzen drohte. Zwei Ouzo später, war ich leicht lala im Kopf, aber der Rauch stieg nicht mehr ganz so aus den Ohren. Am Folgetag (gestern) habe ich dann in Ruhe noch mal nachgeschaut. Was hat der kleine Pisser (ich spreche immer noch von dem Vermieter) gemacht? Er hat einfach alle Aufstellungen, die er erhalten hat, in den Summen addiert. Dabei wurden dann leider knappe 480 Euro zweifach berechnet. Somit ergibt sich für mich sogar ein Plus von 117 Euro. Das habe ich ihm dann per What´s App (seine bevorzugte Kommunikation, nicht meine) geschrieben. Und ja, ich bin dabei freundlich geblieben. Nun hatte er mehr als 24 Stunden Zeit, überhaupt irgendwie zu reagieren. Er kann alles gerne noch mal nachlesen und schauen, aber dann schreibe ich doch zumindest: „Danke für den Hinweis, ich werde das überprüfen.“ Aber nichts. Wenn er es überprüft, müsste er sich eigentlich auch entschuldigen, denn er hätte mich um ca. 480 Euro geprellt, wenn ich seiner Zahlungsaufforderung nachgekommen wäre. Es wird spannend, ob er das hinbekommt oder einfach nur kommentarlos überweist. Wie geht der Spruch noch mal: „Für manche Menschen fehlen mir die Worte…für andere ein Baseballschläger.“ Ich weiß, nicht nett. Da muss ich noch üben, um etwas ähnlich Umschreibendes, wie den „lustigen Unterleib“ zu finden. Wie wäre es mit: „Der Gute leidet an einer Hirnunverträglichkeit“? Auch noch zu böse? Macht mir Vorschläge, ich bin da offen.

Es bleibt eine Zeit, die für mich in Wellenbewegungen verläuft. Alles scheint sich zu verändern. Das mag ich durchaus. Es ist spannend, nur eben auch bisweilen anstrengend. Manche Wellen tragen einen hoch hinaus, manche drücken einen in die Tiefe. Vermutlich sollte ich lernen, wie man surft? Natürlich nur im übertragenen Sinne. „Unsportlich“ ist doch mein zweiter Vorname. Aber mal ernsthaft: Wie toll muss es sein, wenn man jede Welle richtig reiten kann? Wenn einen nichts mehr unter Wasser ziehen kann? Andererseits macht es das ja gerade aus, oder? Ich habe letztens wieder ein schönes Zitat gelesen:

„Erfolg haben heißt, einmal mehr aufstehen, als man hingefallen ist.“ (Winston Churchill)

Also ja: Hinfallen gehört dazu – auch und gerade in turbulenten Zeiten.

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