Es stürmt so schön zur Wochenmitte. Wie ich das liiiiiiiebe. Was ich weniger liebe, sind die damit verbundenen Kopfschmerzen. Es kann natürlich auch an dieser abartigen Achterbahnfahrt liegen. Ich mag kein Drama. Ich bin das nicht. Und trotzdem sagt das Leben mir wohl zwischendurch gerade: „Mir doch egal, was Du bist oder willst. Du kriegst das jetzt auch mal.“ Ich fühle mich etwas gebeutelt…

Die erste gute Nachricht: Ich benötige (vorerst) keine OP. Mein Arzt scherzt noch, dass es ja halb so wild sei, wenn es denn nötig gewesen wäre. Äääääh, ich sehe das anders. Die letzte Bauchspiegelung bei ihm war schon ein Kracher. Sie liegt nun fast drei Jahre zurück, doch ich kann mich noch zu gut erinnern, weil ich ja so ein nettes Bauchfell habe, das es nun mal hasst, perforiert zu werden. Entsprechend war es eine elende Fummelei. Als sie dachten, sie hätten es endlich geschafft und Gas reingepumpt haben, wurde ihnen der Fehler bewusst: Uuuups, doch noch nicht an der richtigen Stelle. Die Prozedur ging von Neuem los. Er hat dann noch einen Kollegen zurategezogen. Stellt Euch das mal vor! Ich hätte da ehrlich überhaupt nicht gerne Mäuschen gespielt. Sein Chirurgen-Kollege sagte, er habe so was wie mich schon mal erlebt (na bravo). Es sei zwar selten, aber nicht völlig neu für ihn. Damals brauchte ich eine Narkoseverlängerung (so was lieben Anästhesisten ja ungemein) und dann noch die zweite Ladung Gas in meinen Bauchraum. Da ich ja lala in der Rübe bin und dachte, es sei eine Standard-OP gewesen, bin ich am nächsten Tag – wie vorab vereinbart – morgens aus dem Krankenhaus geschlurft, habe mein Auto bei minus sieben Grad freigekratzt und bin zu meiner Trauma-Fortbildung gefahren. Ja, ich hatte abartige Schmerzen, aber das zählt ja nicht. War ja nur ´ne Standard-OP. Sechs Tage drauf habe ich dann erst bei der Kontrolluntersuchung erfahren, was wirklich gelaufen ist. Meinem Arzt war klar, dass ich zu einem anderen niedergelassenen Arzt gegangen sein muss und mich habe krankschreiben lassen. Diese Woche eröffnet er mir dann schmunzelnd: „Wenn die OP nötig wäre, würden Sie das doch locker wegstecken. Denken Sie mal ans letzte Mal!“ Ja, Du Tünnemann, da denke ich ja gerade dran! Ich ziehe meine linke Augenbraue hoch und strafe ihn mit meinem Todesblick: „Ist ja schön, dass Sie Spaß hatten. Bei mir hielt sich das in Grenzen!“ Er grinst: „Ich erzähle die Geschichte immer wieder Kollegen, weil das keiner glauben kann.“ Na prima, ich trage ungemein gerne zu seiner privaten Unterhaltung bei. Aber im Grunde ist das die beste Art, mit mir umzugehen. Betüddeln oder bemitleiden kann man gerne jemand anderen. Wenn man dann lieb und nett zu mir wäre, würde ich vermutlich alles fluten. Dann lieber die Zähnchen zusammenbeißen und einen Witz reißen.
Entsprechend bin ich ungemein erleichtert, dass derzeit keine OP vonnöten ist. Ich werde bald 45. Da fangen die Wehwehchen vielleicht an, aber ich will das nicht. Überhaupt will ich vieles nicht…nur fragt mich keiner. Trotzdem bin ich bedient für dieses Jahr. Nächstes Jahr können gerne wieder neue Herausforderungen auf mich warten, aber für dieses Jahr halte ich es, wie Trappatoni: „Ich habe fertig!“

Gelöst fahre ich heim und checke den Briefkasten. Das Landratsamt könnte mir täglich die Rechnung für die versemmelte Prüfung schicken. Und siehe da! Da ist der Lump auch schon und hat sichs in meinem Briefkasten bequem gemacht. Ich seufze und bin gespannt, wie hoch die Rechnung denn sein wird. Den Fahrstuhl nehmend (ich bin einfach gerade platt), reiße ich den Umschlag auf und entdecke…das Datum für die mündliche Prüfung!!! Das kann nicht sein!!! Hääääääää? Ich bin doch durchgefallen?!?! Es war doch schon längst akzeptiert von mir. Ich verstehe die Welt nicht mehr. Kennt Ihr noch diese Kackbratzen, die zu Schulzeiten nach Klausuren immer gesagt haben: „Aaaaaah, ich habe bestimmt eine fünf!“ Und dann hatten sie eine eins. Gott, was habe ich die verabscheut. So komme ich mir gerade vor…
Dabei habe ich doch bei der Instituts-Frau nachgefragt, ob sie sich 1.000%ig sicher sei, dass das Ergebnis das richtige sei? Sei sie. Daran sei nichts zu rütteln. Für dieses Gespräch habe ich sogar Zeugen! Und jetzt das??? Ich habe nichts mehr getan! Alle Unterlagen an den Rand des Tisches geschoben und ihnen den Stinkefinger gezeigt. Ääääh…ich steh im Wald. Eine Stunde später habe ich ja auch die letzte offizielle Vorbereitungsstunde, die ich für nächstes Jahr schon noch mitnehmen wollte, aber dass ich sie jetzt doch für dieses Jahr brauchen könnte, hätte ich mir nicht mehr träumen lassen. In meiner Euphorie frage ich nach, ob die auch schon mal versehentlich Einladungen rausschicken? Nee, nur wenn man echt schriftlich bestanden hätte. Ob ich die stornierten mündlichen Fälletrainings dann doch im November noch machen könnte? Klar. (Sicher, denn das sind noch mal 300 € mehr in ihre Kassen.) Und dann sage ich ganz vorsichtig: „Aber…dann ist in Eurem Lösungsschlüssel ja ein Fehler drin?!“ Und sie sagt locker: „Ja, die Frage mit den Metaboliten, gell? Die habe ich am Folgetag angepasst.“ Äääääh… Elton John schießt mir erst Stunden später durchs Hirn: „Sorry seems to be the hardest word.“ Sie entschuldigt sich nicht mal. Sie kann einen Fehler machen, kein Ding. Aber dann sage ich doch, dass mir das leid tut. Oder ich schreibe eine Mail an alle Kursteilnehmer und informiere: „Aufgepasst! Schaut noch mal nach, der Lösungsschlüssel wurde noch mal angepasst!“ Aber nichts! Kein Wort. Sie kann sich glücklich schätzen, dass ich noch so neben mir stehe. Diese Frau ist durch ihre mangelnde Empathie und Arroganz schon mehrfach bei einigen von uns aufgefallen. Wieso sind Menschen so? Wieso fällt es so schwer, sich zu entschuldigen? Ich habe mich erst heute entschuldigt bei einer Freundin – und da habe ich keinen Fehler in der Größenordnung gemacht. Das sollte doch drin sein und niemandem einen Zacken aus der Krone brechen?! Ich sehe mal wieder: Nicht von sich auf andere schließen! Das fördert nur Enttäuschung.
Nichtsdestotrotz freue ich mich natürlich. Allerdings muss ich jetzt ranklotzen in den nächsten viereinhalb Wochen. Die Durchfallquote (nicht aufs WC bezogen, Ihr Scherzkekse!) ist enorm. Aber mündlich bin ich stärker als schriftlich. Ich will das bestehen! Doch ich will mich nicht mehr so verrückt machen, wie das vor der schriftlichen Prüfung war. Daher war ich heute und gestern frühstücken. Das Leben findet hier und jetzt statt. Und dafür war die achttägige Achterbahnfahrt dann doch gut: Ich weiß, dass ich nicht zugrundegehe, wenn ich nicht bestehe. Und die Botschaft beim Arzt war mindestens genauso wichtig: Meine Gesundheit ist wichtiger als jeglicher Nachweis und jegliches Zertifikat. Es wird gelingen…oder eben nicht. Doch gerade bin ich zuversichtlich. Warum auch nicht? Ich habe keinen Tumor, ich habe wider Erwarten doch bestanden…und die Welt hat keinen Augenblick aufgehört, sich weiterzudrehen. Verrückte Welt, oder?
Mit anderen Worten: Wenn Ihr mich jetzt nicht gerade vollkommen bescheuert findet, dürft Ihr mir gerne weiterhin die Daumen drücken. Ich bin dankbar für all die guten Geister in meinem Leben, die mir treu zur Seite stehen und mich unterstützen, obwohl sie mich und meine Macken kennen. Auch diese Erkenntnis durfte ich wieder auffrischen, was mich mit tiefer Dankbarkeit erfüllt. Und der kleine Revoluzzer in mir denkt: „Bevor ich mir den Rotz mit dem Landratsamt und die anmaßende Überheblichkeit der Ollen aus dem Institut noch mal antu´, bestehe ich doch einfach mal die Prüfung, oder?“ Eben!

2 Kommentare

  1. Auf, Feuerdrache, das Ziel ist das Ziel!
    Du bist weiter im Rennen, und das ist gut so. Ob Gas and er falschen Stelle oder ein verrutschtes Kästchen bei den Metaboliten, das hält dich nicht wirklich auf, was zählt, ist das du weiter bist und dich jetzt ganz auf die mündliche Prüfung konzentrierst. Und mit ohne Elton oder wie einst Mr. Mercury sang: „ Don’t stop me… cause I’m having a good time, having a good time at all!“
    Vlg vdL

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    1. Du machst mir Angst. 😳 Zu dem Lied tanze ich schon immer gern durch die Bude und kann nie stillhalten.
      Ach vdL, Du bist schon ein Märkchen.
      Danke – mal wieder – für die motivierenden Worte. Ich konzentriere mich mäßig auf die Prüfung. Was sein soll, wird sein. Ganz schicksalergeben. Aber ich halte Dich auf dem Laufenden, damit Du wieder ein Brandopfer bringen kannst. 😁

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