Wohooooo, heute war es… spannend. Oder sollte ich sagen spannungsgeladen? Herrlich. Gestern war es dem Trainer – laut eigener Aussage – zu harmonisch. Na dann… Und so startet die Einstiegsrunde wieder bei mir. Das ist ganz klar der Murks an dem Platz ganz vorne, an dessen Abwertung sich durch diese Automatismen auch nie was ändern wird. Die Leitfragen lauten: „Mit welchem Gefühl startest Du in den heutigen Schulungstag? Was hat von gestern nachgewirkt?“ Ich weiß, ich bin manchmal echt ein Arschloch, aber es kommt immer von Herzen. Ich sage: „Mein Gefühl ist genervt (wobei mir klar ist, dass das kein richtiges Gefühl ist). Was nachwirkt? (Ich spreche den zweiten Trainer direkt an:) Ich habe noch den ganzen Abend darüber gebrütet, dass ich nichts von Dir hören durfte und wünsche mir, auch von Dir lernen zu können.“ Uups, raus ist es. Alle anderen sind freundlicher, aber hey, wenn man um Reibung bittet, kann ich das gerne bedienen.

Ich gebe unumwunden zu: Wenn mich jemand so richtig anpisst, bin ich durchaus mit einem Körbchen unterwegs und lege da alles rein, was mir negativ auffällt. Klar, da bleibt Energie auf der Strecke, aber genau das bin ich. Zurückweichen gibt’s bei mir nicht. Ich kann mich sehr wohl zurücknehmen… sehr gut sogar. Vor allem bei Leuten, die wenig Raum einnehmen. Da ermutige und stärke ich auch sehr gerne mein Gegenüber. Doch ich springe in genau die gegengesetzte Richtung, wenn ich auf Narzissten und Egomanen treffe. Das ist schwer zu beschreiben, wie dann innerlich so ein archaischer Schlachtruf in mir erschallt. Irgendwann sollte ich mal so eine Rückführung machen, denn auch wenn das witzig klingt, frage ich mich ernsthaft, was ich in einem alten Leben für eine Rolle innehatte, die so in mir schreit. Und nein, ich bin immer noch nicht esoterisch. Und auch nicht schizophren. Da ist ein Anteil in mir, der innerhalb einer Millisekunde aktiviert ist. Vielleicht ist es auch der Feuerdrache? Wer weiß das schon so genau?

In einer Zweierübung erarbeiten wir dann Persönlichkeitmerkmale. Mein Mitschüler ist in so vielerlei Hinsicht völlig anders als ich. Er ist Zahlen, Daten, Fakten par excellence. Wir reden über Prinzipien… und auch über Prinzipienreiter. Und da oute ich mich: Ich bin manchmal einer. Er schaut mich verwirrt an und bittet um ein Beispiel. Ich hole tief Luft und sage: „Wenn mir jemand erzählt, er stehe für Gleichwertigkeit und Augenhöhe, empathisches Miteinander und bla, dann aber…“ Er nickt und schiebt rein: „Das von vorhin. Da ist mir aufgefallen: Das stimmt total. Vorher hatte ich das aber gar nicht auf dem Schirm. Das passte nicht zu dem, was er zum Einstieg gesagt hat.“ Und da kann ich dann Prinzipien rauf- und runterreiten. Mein Dilemma zeigt sich allerdings auch herrlich in genau dem Beispiel. Ich bin wenig bei mir und viel bei anderen. Am meisten tatsächlich bei denen, von denen ich denke, sie brauchen Unterstützung. Und ich bin mir durchaus bewusst, dass das schon sozial, hilfsbereit und nett ist, aber auch, dass es durchaus auch eine Schattenseite hat. Also darf ich da noch einiges lernen.

Im Zweiergespräch gestehe ich auch, innerlich voll den Rebellen sitzen zu haben. Ich mag Harmonie, aber ich gehe auch gerne über Grenzen und sprenge sie. Zwischendurch sage ich: „Ich glaube, ich bin in erster Linie ein Hierarchierebell, weil ich Hierarchien völlig ablehne.“ Später geht es dann an die Präsentation der Ergebnisse. Eine Mitschülerin entscheidet sich bewusst gegen etwas und sagt: „Nee, da rebelliere ich.“ Ich drehe mich zu meinem Mitschüler um und lache. Oh… und da rebelliert der Trainer und mault mich richtig an: „Da musst Du Deine Schadenfreude gar nicht so krass zur Schau stellen!“ Hä? Ich stehe völlig auf dem Schlauch und frage: „Verstehe ich nicht. Was meinst Du?“ Und er raunzt mich an: „Du weißt genau, was ich meine!“ Nö. Ich weiß es echt nicht. Das hat so was von einem maßregelnden Vater… putzig. Und soll ich Euch was verraten? Es geht mir meilenweit am Heck vorbei. Ich schüttele kurz den Kopf und konzentriere mich auf die Präsentation. Da will ich gar keine Energie drauf ver(sch)wenden. Doof nur, dass andere das auch mitbekommen haben und ebenfalls nicht verstehen, was das sollte. Damit hat der Gute sich in seiner Professionalität nur selbst geschadet. Er tut nachher, als sei nichts gewesen, trägt dann aber ab Mittag seine schlechte Laune vor sich her, weil der Zeitplan nicht korrekt eingehalten wurde. Oh weia, fast bekomme ich Mitleid mit ihm, weil er gerade sehr verliert. Aber es bleibt bei „fast“. Komisch, ich bekomme zum Abschied kein Umarmungsangebot. So was aber auch!

Der Austausch unter uns Teilnehmern ist dafür umso wertschätzender. Gut, die eine Else steht sich selbst komplett im Weg. Dafür funktioniert es mit dem Rest umso besser. Wir schätzen uns für unsere Unterschiede, holen uns Tipps und stärken uns gegenseitig. Und daher gehe ich glücklich in den Feierabend. Es ist völlig ok, auch seine Schattenseiten zu kennen und sich mit ihnen auszusöhnen.

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