Ich bin wieder – zumindest vorübergehend – auf Normalmodus. Mal schauen, wie lange das anhält. Nachdem mir allerdings gestern der Chef vom Nachbarteam gesagt hat: „Wenn Du nicht alles fertig bekommst, dann wird eben nicht alles fertig. So einfach. Im nächsten Jahr dreht sich die Erde auch weiter.“ Jaja, mein gottverdammter eigener Anspruch. Da darf ich noch ein wenig dran schrauben. Er hat auch berichtet, wie viele derzeit gar nicht wüssten, was sie mit ihrer Zeit anfangen sollten. Da müsste ich ja nicht für drei ackern.
Allerdings erschreckt es mich immer wieder, wenn andere Menschen meinen, ich hätte ja immer 150%ige Lösungen. Äääääh…absolut nicht. Ich bin ganz ehrlich echt nur der 80%-Typ. Und das reicht mir auch vollkommen. Bei dem Persönlichkeitstest, den wir im Nachgang zur Fortbildung mal durchspielen sollten, kam dann auch genau das raus. Da bin ich Aktivist. Die Übersetzung aus dem Amerikanischen gefällt mir nur nicht. Da passt eine andere besser: Krieger. 🙂 Und schwups, bin ich wieder an Bord. Wer ihn mal kostenlos durchführen möchte, findet ihn hier:

https://www.16personalities.com/de

Da steht dann auch, dass ich nicht dafür geschaffen bin, Aufgaben bis ins Letzte auszuarbeiten. Und Routinen verabscheue ich natürlich auch wie die Pest. Hey, was für eine Überraschung! Ja, es fasst hervorragend zusammen, wie ich ticke. Ein, zwei Kleinigkeiten passen nicht exakt, doch der Rest dann erschreckend gut. Spannend. Mich interessiert nicht, wer welches Auto hat, was er studiert hat, welchen Job er ausübt. Mich interessiert, welche Ideen er zur Welt hat. Ich möchte einfach unterschiedliche Blickwinkel einnehmen, Spannendes über Weltanschauungen austauschen und solche Gespräche führen. Oberflächliches Geplänkel kann ich auch. Allein, es bringt mir nichts und reizt mich auch nicht wirklich.

Etwas ganz anderes amüsiert mich gerade über die Maßen. Und da denke ich mal wieder, wie toll es ist, eine Frau zu sein. Nichts gegen Euch Männer. Und ich freue mich, wenn Ihr auch sehr gerne Männer seid. Es wäre rotzelangweilig ohne Euch und unsere mannigfachen Interpretationen kleinster Sätze, die Ihr so von Euch gebt. Ihr wärt überrascht, was wir Euch an komplizierten Gedankengängen so alles zutrauen. Da gibt es Hirnwindungen, von deren Existenz Ihr nicht einmal ahnt.
Ich möchte, falls es eine Wiedergeburt gibt, bitte allerdings wieder als Mädel zur Welt kommen. Wieso komme ich gerade jetzt darauf? Na, wir haben noch eine What´s App-Gruppe von unserer Fünfer-Frauen-Truppe für die Prüfungsvorbereitung. Die ersten beiden Hühner haben ja schon die mündliche Prüfung geschafft, die nächsten beiden schaffen es garantiert morgen, dann erst komme ja leider ich nächste Woche dran. Im Vorfeld haben wir überlegt, was zur Entspannung in diesen wirklich stressigen, angespannten Zeiten beitragen könnte. (Alkohol, Massagen, Sauna, Meditation, Yoga…) Ich habe da schon auch mal in den Raum geworfen, kein Problem damit zu haben, Single zu sein. In Zeiten, wie diesen, würde ich mich dann aber schon auch mal freuen, wenn da Zuhause einer auf mich warte, mich in den Arm nähme und sagte: „Alles gut, Du Hektik-Hummel. Das geht vorbei, und ich bin da. Wir schaffen das gemeinsam.“ Darauf hat die Elfe dann verkündet, im Moment würden ihr gar keine interessanten Männer auffallen. Überhaupt läge der letzte Sex zweieinhalb Jahre zurück. Nun gut, ich sprach von Umarmung und Geborgenheit, aber natürlich ist das auch ein Aspekt. Und dann schreibt sie jetzt – Tage später – nachts: „Ha, ich hatte Sex! Die Prüfung kann kommen, ich bin entspannt!“ Was habe ich mich da weggeschmissen. Herrlich!
In Frauengesprächen geht es ja nicht darum, wer den Größten oder wie viele Elsen man wie oft bedient habe. Es ist, glaube ich, ein völlig anderer Umgang mit dem Thema. Es geht nicht darum, sich zu beweisen, sondern eher darum, sich fallen zu lassen, zu genießen und vor allem zuzulassen. Das Loslassen vom ewigen Optimierungswahn oder sich verletzlich zu zeigen, weich zu sein und mal nicht das nächste To Do von der Liste abzuarbeiten. Es geht mehr ums Gefühl. Aber Achtung, nicht missverstehen: Damit meine ich nicht die Liebe – höchstens zu sich selbst. Ich lasse mein Gefühl zu, gestehe mir ein, was ich brauche. Das geht auch, wie im Fall der Elfe, mit einem Mann (oder auch Frau), der nicht mein Partner ist. Ich sehe schon das Augenrollen der Männer…und vielleicht das ein oder andere Lächeln und wissende Nicken der Frauen.
Trotzdem – so offen ich auch bin – hätte ich das nie so in diese Gruppe geschrieben, wie die Elfe es tut. Allerdings feier ich die Süße dafür total. Und natürlich konnte ich nicht widerstehen, sie zu fragen, ob es gut gewesen sei? Darauf sie: „Total. Es war sogar richtig gut…oder…naja, oder ich war einfach total ausgehungert. Kann auch sein.“ Und schon wieder habe ich mich schlappgelacht. Sie ist da vollkommen im Reinen mit sich.
Hinter den Kulissen von uns Frauen erstreckt sich eine Welt, die Männer vermutlich nicht verstehen können, weil sie so völlig anders sind. Wenn man als Frau mit einem Mann darüber spricht, geht das auch. Aber Männer in Gruppen und Frauen in Gruppen unterscheiden sich nun einmal grundlegend voneinander. Und genau das macht es ja auch aus, oder?

Ich werde mir niemanden zur „Entspannung“ bis nächsten Donnerstag suchen, weil es mich gerade eher zusätzlich stressen würde. Außerdem gilt bei uns zurzeit eine Home Office Pflicht. Ich werde also bis zur Prüfung quasi gar nicht mehr aus dem Haus gehen – höchstens, um kurz einzukaufen. Es bleibt also völlig ruhig an dieser Front. Es fehlte mir auch eine weitere Baustelle! Und nein, liebe Männer, ich sehe Euch nicht per se als eine Baustelle. Nur im Moment, in dem ich mal wieder mit zu vielen Bällen jongliere, wärt Ihr mir einer zu viel. 🙂 Ich habe Euch dennoch lieb, ganz ehrlich und Doppeschwör!

2 Kommentare

  1. Hab den 16-personalities-Test auch grad gemacht. Ergebnis: Aktivist.
    Glaube, da kommt bei Allen immer „Aktivist“ raus. Hab aber widerstanden, die Pro- Version zu kaufen. Die Texte sind schlau, aber irgendwie fühl ich mich trotzdem geclickbaited, weil – „Wenige Persönlichkeitstypen sind so kreativ und charismatisch wie die Aktivisten. Bekannt für ihren Idealismus und Enthusiasmus, sind Aktivisten gut darin, mit unerwarteten Herausforderungen umzugehen und das Leben der Menschen um sie herum zu verbessern.“

    Dein Text hier geht allerdings noch ein wenig tiefer und ich brauch einen Moment mehr Zeit und Kontemplation, als es mir meine Arbeit grad zulässt, einen sinnvollen Kommentar zu schreiben. Aber Danke fürs Posten, ist interessant und auch erbaulich, was du schreibst. vlG vdL

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    1. Lieber Herr von der Lahn,
      danke für Deine Nachricht. Ich kenne in der Tat auch ganz andere Ergebnisse, die beim Test rausgekommen sind. Konsul oder Protagonist. Es ist natürlich sehr vereinfacht. Aber bei mir passt es, dass ich eben nicht der analytische Typ bin. Und Routinen sind schlimm für mich. Da kenne ich Leute, die hervorragend mit Zahlen jonglieren und sie hervorragend interpretieren. Das sehe ich nicht, weil ich nur auf Menschen ausgerichtet bin. Ich höre Flöhe husten und bin selten ganz bei mir. Ist einerseits ja nett. Nur hat es eben auch die Schattenseiten. Ich sollte häufiger bei mir hinschauen und lernen, herauszufinden, was ich eigentlich will – nicht andere. Doch das bin ich. Das ist nur meine subjektive Wahrheit. 😉
      Tu Du nicht zu viel… also achte auch bitte auf Dich. Arbeit ist wichtig… aber eben auch nur ein Job.
      Ganz liebe Grüße
      Claudia

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