Gott im Himmel, was ist mir schlecht. Eigentlich war mal der Plan, am Tag vorher nichts mehr zu lernen. Aber natürlich habe ich noch stundenlang gelernt. Schön blöd, ich weiß. Damit ist auch der Druck wieder gestiegen. An Schlaf war auch nicht wirklich zu denken. Ich habe gedanklich Prüfungsdialoge abgehalten. Und ja, das kann man durchaus pathologisch nennen. Trotzdem komme ich nicht dagegen an. Meine Tasche packe ich im Vorfeld und stelle sie an die Wohnungstür. Klamotten lege ich mir auch zurecht. Mein Bahnticket ist gebucht. Ich komme mir vor, wie eine Schwangere kurz vor der Geburt…

Und plötzlich ist er da, der Tag, auf den ich schon so lange warte. Ich bin so ein Mensch, der sich gerne häufig in die Zukunft beamen würde. Das hätte echt was. Nur würde ich auch jede Menge verpassen. Das ist eben das Leben… auch wenn mir gerade das Herz bis zum Hals hochschlägt. Das zeigt mir, dass ich lebe, dass ich noch was wage und noch was wissen will. Ist doch auch was Feines, oder?

Typisch für mich: Ich brauche viel zeitlichen Puffer, damit ich nicht in Panik verfalle. Die Bahn fährt mit nur zwei Minuten Verspätung. Und dann fahre ich erstmalig Tram… und komme so eineinviertel Stunde zu früh an. Das ist aber ok, denn so kann ich noch einen Kaffee trinken. Allerdings keinen Milchkaffee, weil der meinen Magen sofort rebellieren lassen würde. Gut, wenn man sich kennt, oder? Jetzt muss ich aber doch mal so langsam los. Zahlreiche Nachrichten und Mutmacher haben mich erreicht, was mir ungemein gut tut. Zur Verstärkung habe ich mir geistig meinen Opa eingeladen, der in der Prüfung hinter mir stehen wird.

Im Gebäude selbst, werde ich erstmal gefragt, ob ich die Prüferin sei? Kracher! Wäre ich gerne, denn dann müsste ich den Rotz nicht machen. Ich verneine grinsend. Dann warte ich im Flur darauf, dass die Prüfung beginnt. Die Prüfer*innen sind schon da. Ich habe alle möglichen Leute schon gesehen. Die Prüfungen des anderen Fachgebiets beginnt auch pünktlich. Und obwohl ich die Erste am Tag bin, lassen sie mich noch 18 Minuten warten. Naja. Die Ärztin ist eine ältere Zicke. Wirklich wahr. Rückblickend muss ich schon sagen, sie hat mich etwas gegrillt. Wäre ich jünger, weniger wortgewandt, dann hätte sie mich völlig aus dem Tritt gebracht. Die andere Dame war nett und sollte auch die Prüfung durchführen. Doch die Amtsärztin musste sich doch immer wieder mal einmischen und noch tiefer bohren – schließlich ist ja was Besseres. Ich weiß, wie das klingt. Aber es war echt so. Ich bestehe, auch wenn ich einen Aspekt völlig außer Acht gelassen habe. Dafür habe ich jede Menge Wissen mitgeteilt, was wohl gereicht hat. Die Ärztin muss mich aber noch mal darauf hinweisen, was ich noch beachten müsste. Trotzdem hat das letzte Wort die andere, die mich bestärkt, wieviel ich gewusst hätte, dass ich auf das wichtigste geachtet hätte: Die Abklärung der Suizidalität. Gratulation, Urkunde kommt irgendwann, und tschüss. Und da stehe ich dann also…draußen vor dem Gebäude. Ich verschicke Nachrichten und habe einen faden Beigeschmack im Mund. Nein, ich werde nicht mit Kindern und Jugendlichen arbeiten (wie in dem Fall beschrieben). Und ja, ich kann gut mit Menschen umgehen und mich auch gut einfühlen. Aber diese Amtsärztin mit ihrem Getue, liegt mir im Magen. Bestanden ist bestanden, schon klar. Doch einmal mehr frage ich mich: Warum sind manche Menschen einfach solche Arschlöcher? Was ist ihr Zweck auf dieser Welt? Miese Laune und Depressionen zu verursachen? Ich bin erleichtert, ganz sicher. Aber ich freue mich nicht grenzenlos. Vor lauter Wut packe ich alles zusammen, was ich an Papieren finden kann und entsorge es im Altpapier. Das Kapitel liegt hinter mir – auch wenn ich innerlich noch nicht den Buchdeckel zugeklappt habe. Das dauert nach so vielen Monaten. Ich weiß nur eins: Ich werde alles dafür tun, Menschen zu bestärken – im Gegensatz zu dieser Mistkröte. Und das ist, was doch zählt, oder?

Ich danke Euch allen, die mich auf dieser Reise begleitet haben, meine Achterbahnfahrt einfach mit durchlebt und mir Mut gemacht haben. Wir können alles schaffen, wenn wir das nur wollen. Straucheln gehört dazu…Zweifeln auch. Aber Aufgeben? Niemals! Danke!

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