Nach vielen Tagen trister Wolkendecke, ist es nun endlich schön. Gut, es wirkt eher wie Frühling, wenn ich mir die Temperaturen so anschaue, aber zumindest ist der Himmel klar. Das ist doch schon mal was! Das triste Grau in Grau ging ja wohl nahezu jedem aufs Gemüt. Umso mehr begrüße ich die Sonne und setze mich gleich auf meinen Balkon. Die Sonne hat schon Kraft und spendet einiges an Energie, die ich für den Jahresstart gut nutzen kann. Also werde ich ihr gleich ins Gesicht lachen und hoffe auf die gleiche Reaktion ihrerseits.

Zum Ende des Jahres kam noch eine nette Überraschung, die ich wohl mit einigen Menschen teile: Die Kündigung des Stromanbieters. Da freut man sich doch, oder? Einfach so. Am 29.12. habe ich eine Mail erhalten, dass sie meinen Stromvertrag zum 21.12. kündigen würden. Ääääääh? Acht Tage später kriege ich erst die Info??? Sie sähen sich leider gezwungen, allen Stromkunden die Kündigung zukommen zu lassen.
Ich weiß, die Strom- und Gaspreise schießen ins Unermessliche, weshalb manche Anbieter die Grätsche machen. Was ich nicht verstehe: Wie kann Deutschland Nacht für Nacht überschüssigen Strom kostenlos an Österreich abgeben? (Das wollte ich anfänglich nicht glauben…) Angeblich können wir überschüssigen Strom nicht bevorraten. Hä? Nun bin ich kein Physiker – oder was man dafür sein muss – aber ich frage mich: Wieso können andere Länder das und wir mal wieder nicht? Wieso ist der Strom in Deutschland mit Abstand der teuerste im EU-Vergleich? Grüne Energie wird teuer, klar. Aber wieso müssen wir dann grüne Energie verschenken?
Ich mache mich derweil schlau, wie die Preise denn bei anderen Anbietern sind, denn ich bin ich ja nun automatisch bei den ortsansässigen Stadtwerken gemeldet. Ein Service, der automatisch vonstatten geht. Ist das nicht herrlich? Nö, nicht, wenn es nahezu das Dreifache meines bisherigen Abschlags kostet. Doch alles ist prächtig, denn die anderen Anbieter haben auch nett aufgeholt, weshalb ich im Preisvergleich die günstigsten Anbieter bei einer doppelt so hohen Prämie wie bislang entdecken kann. Und das Beste daran: Vorläufig sollen wir nicht in die Arbeit fahren, sondern im Home Office arbeiten. Klar, dadurch spare ich mir den überteuerten Sprit! Die Ersparnis stecke ich gerne komplett in meine Stromrechnung. Klingt nach Mecker-Mecker? Ich weiß. Aber es nervt mich gerade schon an. Und dabei weiß ich, dass es mir echt noch gut geht. Singles oder Familien am Existenzminimum ergeht es damit deutlich schlimmer. Und ja, ich weiß, dass sich einiges ändern muss und wir nicht einfach so weitermachen können. Die Ironie ist jedoch für mich: Wir kaufen künftig Atomstrom aus dem Ausland, weil wir unsere Werke abstellen – obwohl man mittlerweile weiß, dass die CO2-Bilanz dadurch gar nicht verschlechtert wird. Noch mal: Ich bin kein Naturwissenschaftler. Doch bei einigen Entscheidern bin ich mir sicher, dass sie es auch nicht sind. Jetzt kann man sagen, sie werden schlecht beraten. Aber Himmelherrgottsakrament: Die bekommen Geld dafür, dass sie sich die richtigen Berater suchen, sich selbst schlau machen und weise entscheiden. Wenn ich in meinem Job solche Fehlentscheidungen treffen würde, dürfte ich mein Köfferchen packen. Und nein, damit meine ich nicht nur die neue Regierung. Auch die alte hat Fehler gemacht. Ich beklage den Realitätsverlust vieler. Und ja doch, ich weiß auch, dass ich den Job nicht selbst machen wollen würde. Ich habe mir was anderes ausgesucht. Das hätten Politiker, die der Aufgabe nicht gewachsen sind, auch machen können.
Die gestiegenen Kosten sind das Eine. Was mich wohl mehr nervt, ist die Tatsache, sich mal wieder kümmern zu müssen. Auf so was habe ich nämlich keinen Bock. Eigens dafür muss bei uns nämlich ein Raum aufgeschlossen werden, in dem die Zählerkästen stehen. Und der Hausi, der für die Anlage zuständig ist, ist nicht immer vor Ort. Wenn man ihn anruft, ist es wie beim Russisch Roulette: Entweder er geht ran oder seine Frau. Er ist ganz nett, versteht einen auf Anhieb allerdings nicht immer. Sie ist….ääääh…wie drücke ich es diplomatisch aus? Zickig, herrisch und dauergenervt. Dabei ist ein Hausmeisterposten nun mal davon gezeichnet, dass er sich um Angelegenheiten in der Anlage kümmern muss. Daher hängt auch seine Nummer im Eingangsbereich auf. Ich rufe ihn also an und frage ihn, wann er vor Ort sei, da ich an den Stromzähler müsste, weil der Anbieter allen Kunden gekündigt hätte. Mmmmh, er sei morgen voraussichtlich vor Ort. Ich frage, ob er die Tür bis zum Folgetag offenstehen lassen könnte, da ich nicht wüsste, ob ich da sei? Er spricht – wie mir dann klar wird – über die Freisprecheinrichtung, denn schon keift seine Frau ins Rohr: „Jetzt muss ich mich aber auch mal einmischen! Mein Mann sagt doch gerade, dass er morgen da sei!!!“ Zählen…bis 20…das geht vorbei. Ich hole Luft und sage: „Richtig. Und das finde ich auch ganz toll. Ich frage nur, ob die Tür noch einen weiteren Tag unabgeschlossen bleiben darf, damit ich den Zählerstand auf jeden Fall ablesen kann?!“ Sie – wieder schnippisch: „Ja, warum denn nicht?!“ Alter, weil die Tür immer abgeschlossen ist, denn sonst müsste ich blöde Nuss ja kaum anrufen, oder? Doch ich bleibe höflich, erinnere mich meiner Erziehung und entgegne: „Na prima! Dann passt das ja. Einen guten Rutsch wünsche ich Ihnen beiden!“ Sie: „Hä? Ach so! Ja. Auch so.“ Warum? Ernsthaft, das frage ich mich immer wieder. Warum sind so viele Menschen so angepisst und genervt? Ich rufe an einem stinknormalen Wochentag gegen 11 Uhr an. Es ist kein Feiertag (und selbst wenn, soll man ihn anrufen – laut Aushang). Ich frage freundlich nach, weil nur er einen Schlüssel zu dem Raum besitzt. Warum muss also diese dumme Keifkuh so pampig sein? Es gibt Momente, da denke ich wieder an meinen alten Kollegen und ziehe in Erwägung, solche Menschen mal auf links zu ziehen. Allein…was bringt es? Ich find´s nur unnötig, so angeraunzt zu werden…für nichts!

Mein Geburtstag kommt und geht. Dabei stelle ich mal wieder fest, wie egal mir mittlerweile Geburtstage sind. Früher war ich wahnsinnig aufgeregt und konnte den Tag kaum erwarten. Das Feuerwerk war ja nur für mich! Davon war ich echt lange überzeugt, ich egozentrisches Scheißerchen. Heute verpenne ich die Silvesternacht gerne. Es gibt mir irgendwie nichts mehr. Ich habe keine Krise. 45 Jahre sind nicht schlimm, tun nicht weh, gar nichts. Es ist nur eine weitere belanglose Zahl für mich, obwohl ich dankbar bin, schon so lange gesund leben zu dürfen. Und so schlafe ich ins neue Jahr. Mir geht´s gut – trotz Keifkuh-Intermezzo und Stromanbieter-Kündigung. Das Jahr wird gut. Es wird wieder Herausforderungen im Gepäck haben und gleichzeitig tolle neue Menschen auf den Weg schicken, die meinen kreuzen werden. Darauf freue ich mich. Und auf manche schöne Stunde mit meinen Lieben…oder auf Momente, die mich erst verzweifeln und dann wachsen lassen…auf manche Tränchen, die wir gemeinsam vergießen – aus Trauer, aber auch aus Freude. Man, wird das ein geniales Jahr! Seid Ihr dabei?

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