Oh je…wisst Ihr, was schlimm ist? Wenn man ´ne dumme Nuss ist. Ich sag ja immer, ich mag dieses Kümmern um administrative Sachen nicht. Also Sachen, wie Versicherungen, Bankgeschichten, Vertragsangelegenheiten jeglicher Art. Ich denke immer, ich mache irgendwas falsch. Und dann ist plötzlich meinetwegen das Internet gelöscht. Oder der Mond pulverisiert. Oder was weiß ich, was ich sonst noch mit meinem Unvermögen eliminiere. Doch es hilft ja nicht, ich muss da durch.
Im Briefkasten lag dann auch tatsächlich die Unterlage von meinem neuen Stromversorger. Der Abschlag sah anders aus als das, was im Internet gezeigt wurde. Da soll doch mal einer durchsteigen! Und schon steigt mein Panikpegel, garantiert was falsch zu machen. Richtig, was passiert dann nämlich, wenn man sich das hübsch einredet? Ich mache es wirklich falsch.
Zunächst einmal lese ich mir die Seiten durch und merke rasch, wie es in meinem Kopf nur rauscht, ich gedanklich Richtung Karibik abschweife und mich hin- und herwiegen lasse in meiner Hängematte – dabei sitze ich auf meinem Esszimmerstuhl und habe NICHTS getrunken, geraucht, eingeschmissen etc. Ich scanne den QR-Code ein, um meinen Zählerstand (die Keifkuh bzw. ihr Mann haben Wort gehalten) einzutippern. So weit, so einfach. Dann zeigt mir das Programm an, dass es zu einem deutlich höheren Verbrauch gekommen sei! Hä? Dabei war ich den ganzen Dezember über nicht mal in der Bude. Außer der Kühl-Gefrierkombi habe ich alles andere vom Netz genommen. Und potzblitz, kommt auch schon mein kleiner, tasmanischer Teufel in mir ans Licht. Gift und Galle spuckend, schimpfend und zeternd mit Worten, wie: „Die wollen mich ja nur abzocken! Kriminelle Machenschaften! Ihr Verbrecher! Ihr Halsabschneider! So nicht! Nicht mit mir!“ Grummel, grummel, grummel. Die Schimpfworttirade lasse ich wohlweislich weg, weil Worte, wie „Arschloch, Pillemannsacksau“ und so, gehören hier ja nicht hin. Ich wähle die Nummer der Stadtwerke…und nichts passiert. Klar, die werden einen riesigen Ansturm haben, weil ja etliche Kündigungen von Stromanbietern in den letzten Tagen rausgehauen worden sind. Trotzdem meckere ich vor mich hin.
Und so steige ich einfach mal in den Fahrstuhl hinab in den Keller – in der Hoffnung, dass die Keifkuh bzw. ihr Mann noch nicht zum Abschließen gekommen sind (was ich jedoch sehr bezweifle). Die Fahrstuhltür öffnet sich, während ich noch mal die Zahl im Handy, die ich notiert hatte, checke. Oh…oooooh…ääääh…naja. Die Fahrstuhltür schließt sich wieder. Ich drücke das Knöpfchen von meiner Etage. Da habe ich mich mal eben nur ganz leicht vertan. Statt 14.671,6 habe ich 146.716 eingegeben. Na, das ist ja nur eine kleine, unbedeutende, verschwindend geringe Abweichung. Ich Vollhorst!!! (Hier geht eine Entschuldigung raus an alle Horsts dieser Welt!)
Nun versucht mal, einen eingegebenen Zählerstand noch mal zu verändern. Fehlanzeige. Ich rufe noch mal an anderer Stelle bei den Stadtwerken an und erreiche eine wirklich nette Dame, die mir erklärt, dass eine Änderung der Daten meinerseits tatsächlich nicht mehr möglich sei. Kurz frage ich mich, ob ich wirklich die einzig dumme Nuss dieser Welt sein dürfte? Es muss doch auch noch anderen passieren, dass sie eine falsche Zahl raushauen, oder? Doch da antwortet die Dame auch schon superfreundlich: „Aber ich kann die Änderung gerne für Sie vornehmen.“ Nett. Wirklich! Zwei weitere Fragen kann sie nicht beantworten (wie die Laufzeiten seien? Ob ich online das SEPA-Mandat erteilen könnte?). Sie würde versuchen, mich weiterzuverbinden an die Fachstelle, aber da sei derzeit die Hölle los. Diese Kündigungswelle habe sie alle eiskalt erwischt.
Das beruhigt mich dann ja doch irgendwie. Ich denke normalerweise, ich sei die Einzige, die solche Entwicklungen nicht hat kommen sehen. Da niemand ans Telefon geht, begebe ich mich auf Kack24…äh….Check, natürlich. Ob Verivox oder Check24 – es ist einerlei. Die Angebote sind überall dieselben. Viele Anbieter haben noch gar keine neuen Tarife eingestellt, was so wohl auch neu sein dürfte. Mein Abschlag bei den Stadtwerken ist teurer als bei anderen Anbietern. Klar, die geben da auch erstmal nur Netto-Preise an. Da ich immer noch unsicher bin, wähle ich die Durchwahl der Fachabteilung und komme dieses Mal durch. Und wieder habe ich einen supernetten Menschen am Telefon. Ich erkläre ihm mein Problem und er mir seins: „Wissen Sie, bei uns ist es teurer, weil wir damit nicht gerechnet und entsprechend weniger bestellt haben. Durch das Nachordern wird´s jetzt erstmal viel teurer. Wir werden hier gerade erschlagen mit Anfragen, müssen alles umorganisieren und neu ordern. Nehmen Sie den anderen Anbieter. Im Moment weiß keiner, wie es wirklich weitergeht.“ Wow. Das nenne ich mal ehrlich. Er ist richtig freundlich und erklärt mir, so was in all seinen Jahren auch noch nie erlebt zu haben. Tja, manchmal erwischt man echte Keifkühe und manchmal gleich zwei nette Menschen hintereinander.
Ich gebe den neuen Auftrag ein und harre nun mal der Dinge, die da kommen werden. Das Jahr startet also so, wie ich es mir gewünscht habe: Gut.

Auch der erste Arbeitstag liegt hinter mir. Zugegeben: Ich war heute Morgen Null motiviert, meinen Hintern aus dem Bett zu räkeln. Und nach dem x-ten Update konnte ich nur noch mit dem Kopf schütteln. Doch alles in allem war es recht unspektakulär. Ein paar Sachen konnte ich abarbeiten, doch der Einstieg heute war eher chillig. Das ist in Bayern, glaube ich, recht normal. In der ersten Januarwoche arbeiten die Allerwenigsten. Mir passt das gut, weil ich dann alle angefallenen Mails checken kann. Ich fühle mich dabei, wie die Vögelchen bei Aschenputtel: „Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen.“ Oder eben bei mir: Die guten Mails weiterbearbeiten, die überflüssigen hübsch in den Papierkorb. Und so schalte ich dann heute zumindest mit bereinigtem Postfach, neuen Updates und guter Laune den Laptop aus. Gleich geht´s noch spontan zum Essen mit meiner Kollegin. Herz, was willst Du mehr? Gerade nichts…ist das nicht schön? Aber fragt mich nächste Woche noch mal…hihi.

1 Kommentar

  1. Freu mich über deinen chilligen Beginn und dass Es noch mehr gibt, die lieber ohne Bürokratie arbeiten, obwohl:
    Eigentlich ist die Abweichung ja nicht so groß, nur ein klitzekleiner Kommafehler um grade mal eine Dezimale, oder? Und du wärst nicht die erste, der das passiert: bei der Ariane 5 führte praktisch genau der gleiche Eingabefehler zum bis dahin teuersten Absturz einer Rakete:
    shttps://img.nzz.ch/C=W900,H507,X0,Y0/O=75/http://s3-eu-west-1.amazonaws.com/nzz-img/2013/10/29/1.18175850.1383061838.jpg?width=1360&height=764&fit=bounds&quality=75&auto=webp&crop=900,506,x0,y0
    https://www.golem.de/news/softwarefehler-in-der-raumfahrt-in-den-neunzigern-stuerzte-alles-ab-1511-117537.html

    Aber 132.000 kWh jetzt zuviel bezahlt zum Preis von 2021 und dann nächstes Jahr bei der Korrektur eine Rückzahlung auf der Basis vom 2022er Strompreis, da wär aus der Differnez dann schon ein schönes neues Auto drin für dich. Was ein Glück, dass du bei den Stadtwerken bist und nicht bei dem Herrn Ömer Varol von Stromio, weil, der lässt seine Kunden im Regen stehen.

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