Ich weiß ja nicht, wie es Euch so ergeht? Früher (damals, als ich noch jung und schön war) habe ich den Januar immer als zäh empfunden. Und ja, wir wissen ja jetzt, dass es auch diesen blue Monday im Januar gibt. Gefühlt habe ich jetzt allerdings schon die Jahresmitte erreicht. Es sollte doch eigentlich noch ein kleiner Rest von Jahresbeginn zu spüren sein, oder? Aber nüscht. Die Forderungen werden immer heftiger. Es hat sich bei uns im Unternehmen (und wie ich höre in anderen Konzernen ebenso) mittlerweile eine Kultur etabliert, die einem keine Luft zum Atmen gibt. Als gäb´s kein Morgen, werden Termine Stoß an Stoß gelegt. Warum muss das so sein? Und wieso bin ich so dämlich, das zu bedienen?

Gestern hatte ich wieder so einen tollen Termin mit dem Management. Dieses Wort löst bei mir schon Krämpfe und Brechreiz aus. Vorgestern haben wir erfahren, dass wir hybrid arbeiten werden. Wer, bitte schön, hat sich diesen Scheiß eigentlich einfallen lassen? Es geht de facto nicht. Ja, ich weiß, es ist hip und toll und überhaupt. Es geht aber schlichtweg nicht. Entweder, wir arbeiten in Präsenz oder aber online. Bei hybriden Modellen, so fancy sie auch klingen, geht immer was verloren. Vorzugsweise meine Nerven, aber auch die von den online zugeschalteten Teilnehmern und ein großer Teil vom Ergebnis auch. Der tolle Narzisst von letzter Woche will einem dann auch immer weismachen, dass das am mangelnden technischen/ digitalen Verständnis liege. Ich gebe zu, darin nicht die Queen of Tablewater zu sein. Aber unsere IT sperrt ganz viele hübsche Online-Tools, die man benötigen würde, um die digitale Arbeitswelt zu erleichtern. Wenn sie mir dann erklären wollen, wie toll doch Miro sei, fängt mein linkes Augenlid schon nervös an zu zucken. Weiß ich doch, Ihr Honks. Allein, die IT hat für uns diese Seite gesperrt. Ach so! Ja, genau: Ach so! Wir wollen hipp sein, können es aber nicht. Und wer ist es dann schuld? Die Mitarbeiter. Ist doch logisch. Gestern habe ich das allerdings hübsch an mir abprasseln lassen. Mein Kollege hat sich mal etwas mehr engagiert. Ich habe die Technik betreut und bin immer in die Gruppenarbeiten mit den online zugeschalteten Kollegen gegangen. Nach nur vier Stunden bist Du völlig Matsche im Hirn. Ging aber allen so. Willkommen im fancy-dancy-super-trooper-hybrid-Geschisse.
Und wie ich dann so hübsch zu meinem Büro zurückflaniere (im Stechschritt) und meinen Kollegen dabei im Schlepptau habe, erläutere ich ihm noch, dass ich mit meinen Stunden gerade vorne und hinten nicht zurechtkäme. Da schaut er mich locker von der Seite an und sagt: „Ich mache keine einzige Überstunde. Sorry, ich habe ein massives Motivationsproblem, wie Du weißt. Also warum sollte ich dann noch Überstunden machen?!“ Es war kalt, wie ich da so mit meinem Mund offen rumgelaufen bin. Das ist wieder so ein Kollege mit fast doppeltem Gehalt. Und er sieht das nicht ein? Ich habe gar kein Motivationsproblem, weil es Motivation in meinem Leben gerade mal so gar nicht gibt. Die ist mal wieder in die Karibik entschwunden. Was die da macht? Cocktails trinken, dieses Luder. Warte mal, wenn die nach Hause kommt. Die kann aber was erleben!
Was ich damit sagen will: Es ändert sich nichts. Wie auch? Die Einzige, die was ändern kann, bin ich. Daher läuft in meinem Hinterkopf in Dauerschleife: „Das ist jetzt so. Noch ein paar Wochen. Und all die hübschen Überstunden werden dann an all den hübschen Freitagen abgefeiert. Wenn das mal kein Fest ist! Lächeln und winken…geht alles vorüber.“ Keine Ahnung, wie sinnvoll das ist. Aber es hält mich aufrecht beim Laufen.

Auf dem Rückweg war ich dann noch beim Einkaufen. Das Gute am späten Feierabend-Machen: Die Läden sind recht leer. So stand dann auch niemand an der Kasse. Der Kassierer schaut mich also erwartungsfroh an, weshalb ich raushaue: „Hallohooo. Ich bringe Ihnen endlich Arbeit!“ Und da zerreißt es mich dann auch schon. Er reagiert total nett. Trotzdem entschuldige ich mich: „Meine Güte, wieviele saudoofen Sprüche müssen Sie sich eigentlich den ganzen Tag über anhören?“ Er winkt lachend ab: „Schon ok. Ich mag gut gelaunte Menschen.“ Dennoch komme ich mir blöde vor. Er berichtet, es hier echt noch richtig gut angetroffen zu haben. Ja, die Leute seien schon echt anders geworden. Aber seine Frau hätte jetzt die Bäckerei gewechselt. Bei der letzten hätte eine Kundin nämlich mit dem Zuckerstreuer nach ihr geworfen. HALLO?!?!?! Wie verrückt sind wir eigentlich mittlerweile geworden? Das Aggressionspotenzial nimmt immer weiter zu. Mich nervt es auch immer mehr, ständig diese doofe Maske aufzuziehen und beim Betreten von Häusern als Brillenträger plötzlich keine Sicht mehr zu haben. Allerdings schnauze ich deswegen keine Leute an. Die Security in der Firma entschuldigt sich immer schon, wenn ich den Impfausweis vorzeigen muss. Das ist doch deren Job! Wenn sie sich entschuldigen, müssen wohl auch einige Leute massiv moppern. Sonst käme diese Haltung doch gar nicht erst zustande. Man, man, man…wo laufen wir da gerade hin? Ich mag jetzt gerne zu meiner Motivation gebeamt werden. Wo ist das Meer, wenn Frau es braucht? Wo sind die Cocktails, wenn mich danach gelüstet? Alles muss Frau selber machen…es geht echt den Bach runter…

2 Kommentare

  1. Auch die Motivation geht hybrid. Mal fehlt sie, mal ist sie in der Karibik.
    😉 Durchhalten und nett zueinander sein, was bleibt uns anderes übrig? Und in Ermangelung von Motivation einfach weitermachen. Don’t wait for motivation, just do it. Liebe Durchhaltegrüβe aus dem Homeoffice in Norditalien von Anke

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