Alter, da habe ich doch so erhofft, dass sich alles ändern wird, wenn nur der doofe Januar endlich vorüber ist. Und dann? Wieder nix. Meine Motivation hat in der Karibik mal rotzfrech verlängert. Darf doch alles nicht mehr wahr sein. Ernsthaft: Ich habe so was von keine Lust mehr. Das höre ich von immer mehr Menschen – allein, es hilft nicht weiter. Die Luft ist raus. Da können auch ein paar Sonnenstrahlen zwischendurch nicht wirklich das Ruder herumreißen. Es ist fast so, als wollte mir das Universum mit dem Vorschlaghammer auf den Schädel hauen und sagen: „KONZERNE SIND NICHTS FÜR DICH!!! WIE OFT DENN NOCH?!?!?!“ Doch das kleine Sicherheitsmännlein oder -weiblein in mir zuckt noch nicht mal mehr mit der Schulter. Was ist denn nur los? Wann ist es zu dieser absoluten Schockstarre gekommen? Ich weiß nur, dass meine Laune mal wieder absackt. Dabei denke ich gleichzeitig: Sei mal dankbar, Fräulein! Andere würden sich ein Leben wie Deins wünschen. Aber das ist es wohl: Andere dürfen es sich wünschen. Deswegen muss es mir ja noch lange nicht gefallen. Und das tut es eben im Moment auch nicht.

Heute Morgen bin ich zum Frühstück bei meiner Kollegin verabredet. Wir wählen uns jede auf dem jeweiligen Account ein und nehmen auch brav an unseren Meetings teil. Aber dann nehmen wir uns bewusst mal raus, um in Ruhe zu frühstücken und zu ratschen. Das tut gut und ist so nötig. Wenn wir uns früher in der Firma getroffen haben, dann haben wir uns mal einen Kaffee gegönnt und ein paar Minuten geplaudert. Virtuell macht man das irgendwie nicht. Ja, da gibt es auch mal eine Einladung zum „virtuellen Kaffee“, aber da bespricht man doch wieder die nächsten Punkte auf der Agenda. Und an den paar Tagen, die ich vor Ort bin, bin ich nur abgehetzt, weil ich da möglichst viele Termine vor Ort abhandeln möchte. Am Ende des Tages bin ich dann platt…am Ende der Woche noch mehr…und am Anfang vom Jahr will ich schon gar nicht mehr. Und wozu das alles? Dass dann das, was so wichtig war, einfach abgesagt wird. Es wurde echt abgeblasen. Allerdings nicht, ohne zu erwähnen, dass man mit den Führungskräften weiterarbeiten wolle, nur ohne das Fußvolk, damit es effizient und effektiv laufen würde. Uuuups, da hat man dem Obermuffti dann aber schon noch gesteckt, wie wenig wertschätzend das wohl angekommen sei. Hoppla…das war aber doch gar nicht so gewollt. Da denke ich mir: Stolper´ doch das nächste Mal im vollen Lauf mit ausgestrecktem Arm und darin hervorgerecktem Messer in eine Menschenmenge und sage: „Hoppla!“ Wer hat bitteschön all diese Egomanen und Narzissten groß gezogen? Wieso wurde die Prügelstrafe für solche Lurche abgeschafft? Und überhaupt! Aber echt hey!

Ihr seht schon: Mein Gereiztlevel ist mal wieder am Anschlag. Und inmitten der allgemein schlechten Stimmung erwacht natürlich ein Anteil in mir zum Leben: Der Kritiker. Munter drischt der verbal auf mich ein und fragt mich, warum ich mich denn so anstelle? Für meine wenigen Qualitäten führe ich doch ein nettes Leben. Es reichen ja nicht die herabwürdigenden Menschen aus dem Management. Ich nähre da höchstselbst einen solchen Dämonen in mir, der mich selbst noch schärfer beschießt. Und die Frage aller Fragen: Wie kommt man (in dem Fall ich) zu mehr Selbstliebe? Ich habe erst letztens wieder den Spruch gelesen: „Sorge für Dich, als wärst Du die Liebe Deines Lebens.“ Da habe ich mal tief Luft holen müssen. Stimmt. Ich bin die Person, mit der ich die längste Beziehung in meinem Leben führe. Wieso bin ich dann nur so unbarmherzig mit mir selbst? Wieso quäle ich mich durch manche elend doofen Sachen, anstatt den Mut zu haben zu sagen: „Nö, mache ich nicht mit. Da geh´ ich doch lieber schaukeln.“ Ich bin so ambivalent, wie es nur irgendmöglich ist. Bei anderen bin ich der Idealist und sehe das Potenzial. Da kann ich die zarten Pflänzchen in den Himmel entwickeln. Bei mir selbst greifen viele dieser Mechanismen nicht.
Nach ein paar Tagen – spätestens wenn dieser PMS-Anfall mal wieder vorüber ist – werde ich auch wieder darüber lachen und weitermarschieren. Aber unterm Strich geht mir genau dieses Marschieren auf den Zeiger. Immer nur zu funktionieren, kann doch das Leben nicht sein, oder? Und nein, ich bin kein Querdenker im derzeitigen Sinne. Ich fühle mich nur bisweilen so anders, so unpassend, so eckig, wo ich rund sein sollte bzw. umgekehrt. Ja, definitiv umgekehrt, wenn ich mir meinen Hintern so anschaue. Ach ja, mein Humor ist mir noch nicht abhanden gekommen. Da bin ich allerdings sehr froh. Vielleicht sollte ich mal mein Körbchen ausleeren und auf die Suche nach den schönen Dingen gehen. Das ist doch mal ein Plan. Und wenn das auch nichts hilft, dann geh´ ich eben schaukeln. Wer kommt mit?

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