Ich bin mal wieder (immer noch?) müde. Dabei steh´ ich morgens recht ok auf. Aber spätestens nach der zweiten Abstimmungsrunde oder einem ach so wichtigen Meeting, merke ich diese Tendenz, wie mein Kopf nahezu magisch Richtung Tastatur gezogen wird. Ja, ich weiß um das Phänomen der Schwerkraft. Aber das hier ist mehr als pure Schwerkraft. Es ist Ermüdung durch Rumgesülze und Geschwaller vom Feinsten. Zu allem Überfluss habe ich dann letzte Woche auch noch ein neues Handy erhalten. Jetzt würden viele bestimmt „hurra“ schreien, weil es ja soooo cool ist, ein iPhone 12 zu besitzen – allein, ich mag kein Apple. Und auch privat muss ich nie den neusten Shit haben. Es interessiert mich schlicht und ergreifend nicht. Das Ding muss telefonieren können, what´s appen, um mit meiner Cousine zu kommunizieren von mir aus noch telegramen (nicht verschwörungstheorielastig, versprochen) und Ende. Nett sind auch ein paar andere Apps, auf die ich aber ehrlicherweise verzichten könnte.
Doch nein, in der Arbeit bin ich gezwungen, diesen neusten Mist zu bedienen. Die Kerle, die eigens dafür von extern eingestellt sind, um diesen Tausch von Altgeräten (hallo?! Ich habe das erst seit 2019!!! Wenn das alt ist, bin ich mit 45 Jahren ja schon scheintot!) vorzunehmen, sind richtig, richtig nett. Wirklich wahr, sie geben sich voll Mühe, beantworten Fragen und erklären einem alles in Ruhe. Trotzdem bin ich genervt. Und zu allem Überfluss geht jetzt nichts mehr per Fingerabdruck, sondern nur noch per Face-ID. Meine Augen (den Rest hat ja die Maske verdeckt) bzw. mein Blick muss ausgereicht haben, dass der liebe Kerl meinte: „Das können Sie auch in Ruhe Zuhause machen.“ Als ob ich da mehr Bock drauf hätte. Und so schiebe ich diese Sache eben…
Was ich allerdings nicht schieben kann: Mittlerweile erhalten wir weder Zeitnachweise, noch Abrechnungen per Post. Per Mail ist es wohl nicht erlaubt, weshalb wir so ein Online-Geschiss haben. An sich eine gute Sache, papierlos, umweltbewusst, alles ok. Ich frage mich allerdings, wie so manch älterer Kollege damit umgeht, der bislang nur über ein Handy, nicht jedoch über ein Smartphone verfügt. Doch, ehrlich wahr, es gibt sie noch, die Technik-Verweigerer. Irgendwie ziehe ich auch den Hut vor ihnen. Doof nur, dass man auf so einen alten Nokia-Knochen keine Apps laden kann. Noch doofer, dass man für unser System den Authenticator von Google installieren muss. Habe ich auch alles letztes Jahr installiert und passend gemacht. Nach dem Handy-Tausch ist allerdings vor dem neue-Apps-Installieren. Nun muss ich also diesen Authenticator neu installieren. So weit, so einfach. Trotzdem nimmt er die Zweifach-Authentifizierung nicht an. Ich finde es schon gar nicht so einfach, den Begriff „Zweifach-Authentifizierung“ dreimal schnell hintereinander fehlerlos zu sagen. Aber wenn das Kackding nicht mal mehr tut, was es soll, bin ich erst recht genervt. Ich rufe also in unserer Technik-Hotline an, die immer froh sind, wenn man sich bei ihnen meldet…ääääh, nicht. Da ich aber schon ziemlich weinerlich klinge, ist er zunächst noch freundlich, wälzt den Anruf aber vorsichtshalber mal auf die iPhone-Truppe ab. Warum? Weil er keinen Bock hat. Woher ich das weiß? Von der iPhone-Truppe. So was liebe ich total. Die einen sagen über die anderen, was sie für Deppen sind. Heidanei, des mog i fei so richtig. Ich erkläre umständlich mein Problem, der Herr sagt, er sei eigentlich nicht zuständig. Ich sage, ich sei eigentlich so weit, das Ding aus dem Fenster zu schmeißen, dann zu heulen und mich anschließend einfach ins Bett zu legen. Alkohol würde ich selbstverständlich bei allen Schritten dazutrinken. Er lacht. Und dann wälzt er eine FAQ-Datenbank zu diesen Themen. Was mache ich derweilt? Probiere einfach munter alle möglichen Knöpfe aus. Und irgendwie löse ich das Problem. Er kann´s nicht fassen – ich noch viel weniger. Er nennt mich seine „zukünftige Expertin für dieses Thema, wenn die nächsten Kollegen anrufen und die Deppen vom Technik-Support mal einfach wieder durchstellen“ würden. Is klar. Dann trinke ich eben mit den Anrufern gemeinsam einen per Skype. Ich frage ihn noch scherzeshalber: „Warum ist das mit der Technik eigentlich so doof?“ Und er kontert: „Warum kommt im Wort „Lispeln“ eigentlich ein „s“ vor? Ist das nicht diskriminierend?“ Da hat er mich. Es kommt so völlig unvorbereitet und plötzlich, dass ich einfach nur noch lachen kann. Kennt einer von Euch die Antwort? Ich glaube, mit solchen Fragen beschäftige ich mich lieber als mit meinen unsäglichen Meetings.
Es geht sogar so weit, dass ich schon recherchiert habe, welche Sabbatical-Möglichkeiten ich im Unternehmen so habe. Doof, dass sie „nur“ anbieten, geringfügig beschäftigt zu bleiben. Ich fänd es gut, wie es in anderen Firmen möglich ist: Du arbeitest bspw. sechs Monate voll, erhältst aber nur Zweidrittel Deines Gehalts. Für drei Monate Auszeit erhältst Du dann weiterhin Zweidrittel Deines Gehalts. Klingt doch besser als: Du arbeitest drei Monate nicht, bleibst aber für einen Tag pro Woche angestellt. Diesen einen Tag pro Woche musst Du mit Urlaub oder Gleitzeit ausgleichen. Aber Ihr seht: Ich beschäftige mich schon mal damit. Auch auf Hilfsprojekt-Seiten für Afrika habe ich mich schon mal umgeschaut. Es ist noch gar nichts konkret. Keine Ahnung, ob ich noch einen Schubser brauche?
Meine Chefin mutiert gerade auch etwas, was mich schon leicht nervt. Sie fängt an, auch so langsam Scheiße als Gold verkaufen zu wollen. Entgegen unserer Absprache hat sie mir bislang nur einen Freitag Mitte März als Gleitzeit bewilligt. Besprochen war, dass ich in den nächsten Monaten ab Mitte März an allen Freitagen meine Gleitzeit abbaue, um dann zu schauen, was ich so machen will. Ich bin echt ein Elefant – nicht nur meinen Hintern betreffend, sondern auch das Gedächtnis. Man sollte mir nie etwas versprechen und es dann nicht halten. Mit einem klaren „Nein“ kann ich leben. Mit einem „Ja“, das dann aber nachher gedreht wird, als hätte man nie drüber gesprochen, kann ich hingegen so gar nicht umgehen. Wir werden sehen…vielleicht ist das der letzte kleine Schubser, den ich noch brauche? Möglich ist alles… Wobei sie schon auch von meiner Sabbatical-Idee weiß und diese richtig gut findet.
Verrückt, diese Zeit. Jeden Tag wird eine neue Losung ausgerufen. Was gestern galt, ist heute vergessen. Ich mag Wandel und Veränderung, aber meine Werte haben dabei dennoch Beständigkeit, was ich nicht zur Diskussion stellen werde.

Dafür habe ich dann einen halbstündigen Termin, aus dem letztlich ein zweistündiger wird. Eine Führungskraft hatte eine kurze Rücksprache reingelegt und dann doch mit mir über Jan und Pitt philisophiert. Ob ich ihr jemand Gutes zum Thema Rhetorik nennen könne? Durch ein paar Fragen kamen wir dann an des Pudels wahren Kern: Ihr Selbstwert ist es. Und da bin ich dann wieder baff, denn die Gute ist gerade mal 34 Jahre alt, bereits seit vier Jahren Führungskraft, sehr empathisch, tatkräftig, verlässlich und sehr geschätzt – nur eben nicht so von sich selbst. Die größten Herausforderungen habe sie mit den Ebenen über ihr. Ach was! Es ist erstaunlich, wie sehr die Abschaffung von Hierarchien gepredigt wird, um andererseits durch Druck und Angst zu führen. Sie überlegt, ob es nicht besser sei, zu lernen, sich diesen Wesen in der Kommunikation anzupassen? Auf keinen Fall!!! Wir haben genug Speichellecker, Machtgeile und Verachtende. Da bin ich froh und dankbar für jeden, der menschlich und sozialkompetent ist. Ich bestärke sie darin, sich selbst treu zu bleiben, erkläre ihr Interventionsmöglichkeiten, wenn der Druck in solchen Runden zu sehr steige und biete ihr Unterstützung an, wenn sie da ein Sparring benötige.
Menschen dabei zu unterstützen, mehr an ihren Wert zu glauben, mehr bei sich zu bleiben und sie zu stärken, weil sie wirklich gut sind, das bereitet mir Freude. Dabei erkenne ich nur immer wieder deutlich: Ich arbeite nicht in meinem Stärkenfeld, nach meinen Neigungen und dem, was mir sinnhaft erscheint. Denn diese Art der Arbeit gehört gar nicht zu meinen Aufgaben. Ich mache sie nebenher unterm Radar…quasi als meine Form der Revolution. Nur weil ich andere Dinge auch kann, bei denen man mich einsetzt, machen sie mir automatisch Spaß. Wieso setzen wir nicht mehr Menschen nach ihren Neigungen ein, sondern verbrennen sie durch massiven Motivationsverlust? Der Wert der Mitarbeiter wird immer noch zu sehr unterschätzt. Dabei schreitet der Fachkräftemangel auf allen Gebieten munter voran. Es braucht neue Wege, neue Ideen und weniger Manager-Handbücher aus den 80ern. Wer Zeit und Lust hat, kann sich gerne mal auf YouTube den Kurzfilm „Musterbrecher“ anschauen. Da sieht man, dass es auch anders geht…und vor allem auch verdammt erfolgreich. In diesem Sinne: „Viva la Revolución!“ – um es mit Ches Worten zu sagen. 🙂

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