Was für eine Woche! Es ist so viel Wirrwarr im Kleinklein bei uns, dass wir künstlich beschäftigt wirken. Derweil beginnt ein Krieg auf unserem Kontinent. Das ist so unfassbar, dass mir die Worte fehlen. Das Perverse ist wohl: Zugetraut haben wir es Putin mehr oder weniger alle, oder? Nur dass er damit durchzukommen scheint, das überrascht mich. Gefühlt stehen wir am Rand und schauen wie Kindergartenkinder zu. Das erschüttert mich am meisten. Ich meine zu verstehen, was die Gründe sind. Die Ukraine ist nicht in der Nato, nicht in der EU. Demgegenüber steht ein Putin, der über Nuklearwaffen verfügt und munter damit droht. Aber es geht doch um Menschen, die in so einem irrwitzigen Krieg sterben. Wie ist es möglich, dass so was in der heutigen Zeit passiert? Andererseits: Wie vermessen, dass ich (und auch viele andere) so fassungslos sind, weil es in Europa passiert, wobei es in anderen Ländern seit Jahren auf der Tagesordnung steht, dass Bomben fallen, Menschen sich gegenseitig erschießen und sich gegenseitig hassen. Ich bleibe dabei: Das Ganze ist für mich einfach nur pervers.

Die Welt, in der wir heute leben, ist im Grunde die gleiche geblieben, dann aber auch wieder nicht. Wir Menschen sind anpassungsfähig, keine Frage. Das ist wohl unsere größte Stärke. Und dennoch wird unser Hirn gerade arg strapaziert – und bei dem ein oder anderen sogar überfordert. Corona mit all den damit einhergehenden Beschränkungen haben wir noch nicht mal verdaut. Abschließen werden wir damit so schnell ohnehin nicht. Und selbst, wenn wir ein Leben „nach Corona“ erreicht haben werden, werden die Spätfolgen noch lange zu spüren sein. Damit meine ich nicht das klassische Long Covid, von dem die Mediziner sprechen. Ich meine die anderen Schäden, die durch Vereinsamung und Angst entstanden sind und weiter entstehen. Viele Kinder und Jugendliche werden ihre Schäden davontragen. Vielleicht überraschen uns diese Menschen aber auch und werden dadurch stärker, als ich mir das gerade vorstellen kann? Ich weiß es nicht…und lebe eigentlich nach dem Prinzip Hoffnung und Zuversicht, dass alles gut werden wird. Wir werden uns weiterhin anpassen, ganz klar, weil es in der Natur des Menschen liegt. Und wer sich nicht anpasst, bleibt einfach auf der Strecke. Darwin lässt grüßen mit seiner These „survival of the fittest“. Und auch, wenn das ein „natürlicher“ Prozess ist, mag ich ihn nicht. Ich war immer fasziniert von Darwin und habe nicht zuletzt deswegen Bio Leistung belegt. Bei den Tieren und Pflanzen verstehe ich das auch. Aber bei uns Menschen…? Es ist im Grunde nichts anderes, ich weiß. Trotzdem macht es mich traurig.

Ich wünsche mir, wir würden endlich wieder näher zusammenrücken. Mir sind Grenzen egal, genauso wie Prozesse, auf denen in meinem Unternehmen der Fokus liegt. Es sind überall die Menschen, die betroffen sind und leiden. Aber sie können auch eine Menge bewegen, oder? Ich glaube nach wie vor daran, dass es mehr gute Menschen als böse gibt. Überhaupt glaube ich, dass kein Mensch böse auf die Welt kommt. Die Masken haben uns zum Teil anonymisiert und eine Distanz entstehen lassen. Es wird sie auch weiterhin noch brauchen, was ich verstehen kann. Aber vielleicht schaffen wir es ja trotzdem, wieder näher zusammenzurücken? Mehr auf andere zu schauen und sie zu integrieren.
In einem meiner Theaterstücke habe ich mal einen Scherz darüber eingebaut, den eine alte, tüddelige Oma sagt: „Die Russen kommen!“ Ich wünsche mir, dass dies wieder zu einem Scherz werden kann – und nicht der Wahrheit entspricht.

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