Ich weiß ja nicht, wie es Euch so geht? Mir war und ist alles im Moment zu negativ. Es geht gerade eine Menge ab, bei dem ich kaum noch hinterher komme. Zweimal habe ich schon angesetzt und einen Beitrag verfasst, den ich beide Male in die Tonne getreten habe, weil es mir immer zu negativ war. Was will man auch erwarten? In den Nachrichten laufen die schlechten Nachrichten wie am Fließband. In den letzten zwei Jahren habe ich das Wort „Krise“ öfter gehört als in allen Jahren zuvor in Summe. Und das kann man faktisch auch nicht schönreden. Trotzdem wünsche ich mir kleine Inseln der guten Nachrichten, des gemeinsamen Lachens. Abartig finde ich auch die Sondersendungen, die es nun jeden verdammten Abend gibt. Derweil wird schon auch berichtet, dass Umfragen zufolge immer mehr Menschen unter Ängsten und Depressionen leiden. Ach was! Nette Hinweise, man solle sich dann Hilfe holen, schmerzen mich dann wiederum, da ich weiß, wie ellenlang die Wartelisten sind. Verrückte Welt.

Umso glücklicher bin ich dann an diesem Tag. Warum? Diese Woche haben neue Studenten bei uns angefangen. Sie müssen sich auch testen, keine Frage. Nur spüren sie in den meisten Fällen gar nichts, wenn sie Corona haben. Und so hockten dann Studenten und die Betreuerin zur Einarbeitung in einem Raum den ganzen Tag lang zusammen – meist ohne Maske. Am nächsten Morgen kam dann die Info: Huch, der eine Studi ist nun positiv getestet. Damit mussten auf einen Schlag alle Studis Zuhause bleiben, ebenso die Kollegin, die die jungen Hüpfer betreut. Und genau diese Kollegin bräuchte ich für eine Schulung. Sie wird die Schulung perspektivisch übernehmen. Die allgemeinen Parts hätte ich ihr dann gezeigt. Sie war allerdings für das Spiel zuständig – zusammen mit einem Studenten. Ich habe mir das wohl recht komplizierte Spiel gar nicht angeschaut, weil dieser Part von den beiden durchgeführt werden sollte. Tja, da musste ich die Schulung anderthalb Tage vor Durchführung leider absagen. Ist keine Raketenwissenschaft, nichts Weltbewegendes, also schmerzt diese Absage auch niemanden wirklich.
Ich habe derzeit lauter Piddelskram zu tun, also blöde, kleine Kackarbeit. Ich bin definitiv keine für die letzten zehn Prozent. Ich bin das noch weniger, wenn mir die 90 Prozent davor schon keine Freude bereitet haben. Mit entsprechend Überstunden ausgestattet, habe ich mir also kurzerhand diesen nun terminlich freigewordenen Tag als Gleitzeittag genommen. Mit einer anderen Kollegin zusammen haben wir spontan entschieden, heute frühstücken zu gehen. Es fühlt sich wie Urlaub an. Nach ein paar schlaflosen oder mindestens schlafgestörten Nächten (ein Dank an die Nachbarin!) gar nicht so verkehrt, kann ich Euch sagen. Anschließend haben wir sogar noch eine Runde durch den Westpark gedreht, wo die ersten Krokusse sprießen. Die Sonne strahlt, das erste zarte Grün kommt raus…und das gibt mir gerade einen guten Schub. Gerade mit einem Chai Latte auf dem Balkon – ach, geht´s mir gut. So eine kleine positive Insel meine ich, die wir uns wohl nur selbst gestalten können. Angeflogen kommen sie nämlich leider nicht.

Dazu kommt noch eine andere tolle Aussicht: Der Freund meiner Kollegin hat sich leider auch mit Corona eingelassen. Sie hatte vor Wochen Karten für Schloss Neuschwanstein gebucht, die man – trotz Corona-Nachweis – nicht stornieren kann. Ich kann die Veranstalter schon verstehen, dass sie nach der Dürrezeit jetzt keine Kulanz mehr walten lassen können. Als sie erzählte, sie würde nun alleine fahren, damit nicht beide Karten verfallen würden, habe ich spontan gefragt, ob sie sich Begleitung wünsche? Und so werden wir morgen – bei prognostiziertem Kaiserwetter – das Schloss des Märchenkönigs besuchen. Das macht die Welt nicht heile. Das macht auch meine Chefin nicht zu einer Person, die anderen Menschen vertraut. Das macht auch meinen jammernden Ex-Chef nicht wett, der ja nicht mit 62 Jahren in Vorruhestand gehen kann, weil er zu wenig Geld habe, nun aber eine Wohnung in Italien kauft. (Und ja, er hat immer noch seine 80 qm große Wohnung, die er als Lager benutzt, was ihm meinen Kommentar eingebracht hat: „Weißt Du, was? Ich wünsche Dir, dass sie dort Geflüchtete unterbringen und Dich zwangsenteignen.“ Brachte mir nur einen Lacher von ihm ein und ein: „Jaja, ich weiß ja, dass Du sozial eingestellt bist.“ Bei manchen Menschen packe ich mir nur noch an den Kopf…)
Der Trip wird nicht alles ins Gute wenden. Aber er wird meinem Köpfchen ein wenig Freiraum geben, aus der Gedankenspirale auszubrechen, ein wenig rumzublödeln und zu staunen, wie „Verrückte“ solch wunderschöne, spinnerte Ideen zur Realität werden lassen. Ich freu´ mich auf die Umgebung und Einflüsse von Ludwig. Sollte ich seinem Geist begegnen, werde ich mit ihm plauschen. Wir brauchen nämlich für meinen Geschmack mehr Märchenschlösser, mehr bunte, schöne Ideen – und seien sie noch so überdreht. Denn die bösen Märchen, die derzeit auf dem Programm stehen, habe ich dick. Ich wünsche mir, mich inspirieren zu lassen, um mit neuem Elan in die Zukunft zu gehen. Denn Rabotzigkeit lähmt mich nur. Die brauche ich zwar zwischendurch auch, nur bremst sie meinen Freiheitsdang, meinen Gestaltungswillen und meine kreative Ader. Mal schauen, ob Ludwigs Schloss meine Motivation aus der Karibik hervorlocken kann? Ich vermisse die Gute nämlich mittlerweile ganz arg. Wenn sie einer von Euch sieht, richtet ihr das gerne aus.
In diesem Sinne: Ich wünsche Euch ein sonniges, schönes, buntes Wochenende!

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