Der Montag ist einfach ein Arsch. Ich wünschte, es wäre anders, aber er bemüht sich auch echt nicht. Es geht noch einigermaßen los, doch dann geht’s umso steiler bergab. Dieser Moment, wenn Du aus dem Parkhaus kommst und siehst: Der Einzige, der bereits da ist, ist Heinz. Das brauche ich nicht. Ich kann ihn ja ignorieren, weil er im Großraumbüro sitzt, aber die miefige Energie ist dennoch im Gebäude. Gott im Himmel, ich verabscheue diesen Kerl echt. Es gibt eine Abmachung, dass wir erst ab 6 Uhr arbeiten dürfen. Es gilt für alle – nur nicht für Heinz. Ihm wurde das schon x-fach gesagt, doch er macht einfach stur weiter – ohne Konsequenzen, versteht sich. Und im Grunde ist es ja auch wurscht, ob er von 5:30 – 14:00 Uhr nichts arbeitet oder eine Stunde später mit dem Nichtstun beginnt. Sei es drum. 

Und so fahre ich meinen Laptop hoch, bevor ich mir Wasser in der Küche hole. Und was erwartet mich da? Eine halb geöffnete Spülmaschine – fertig gespült und bereit, ausgeräumt zu werden. Da schwillt mir dann eine Ader an, denn der doofe Heinz ist ja schon anderthalb Stunden da und hat sich bereits Wasser, Glas und Krug aus der Küche geholt. Wütend räume ich die Maschine aus, sonst muss es ein anderer machen – auf jeden Fall nicht Heinz. Damit aber nicht genug. Der gute Heinz kommt in die Küche gelatscht. Nein, nein, nicht etwa, um sich was zu holen, sondern mit den Worten: „Guten Morgen. Ich wollte nur mal schauen, welches Heinzelmännchen die Spülmaschine ausräumt.“ Nein, das ist leider kein Witz. Ein Kollege hat alles genauso auch gehört und lacht sich darüber scheckig. Letzte Woche war ein Programmpunkt bei meiner Schulung das Thema Mimik. Leider hatten sie keine Zeit mehr, das Thema zu bearbeiten. Ich hätte ihnen da auch demonstrieren können, dass in meinem Fall ausschließlich meine Augen reichen. Mit denen schaue ich Heinz auch einfach nur tot, so dass er sich ruckizucki umdreht und das Weite sucht. Ich koche innerlich. Eigentlich wollte ich antworten: „Ich würde im Gegenzug gerne dabei zusehen, wie langsam so ein dickes Glas aus Deiner Visage rauseitert.“ Ob meiner Erziehung verkneife ich mir das. Schade eigentlich. 

Wutschnaubend stapfe ich in meine erste unsägliche Rücksprache. Berichtet wird von einem Workshop letzten Donnerstag, der sooooooooo erfolgreich gewesen sein soll. Blöd nur, dass nicht alle diese Meinung teilen. Ich war nicht da, höre aber alle Beteiligten an und sehe im Protokoll die Post Its. Später am Tag fasse ich das Gesagte und Gelesene dann so zusammen: „Verstehe ich das richtig: Der interne Kunde möchte also eine eierlegende Wollmilchsau inkl. Sozialarbeiter und Seelsorger, erwartet, dass wir ihm die ganze Verbesserungsarbeit abnehmen und braucht dann einen Prügelknaben, wenn er die Ziele des Vorgesetzten nicht erreicht?“ Naja, ganz so negativ sollte ich es nicht sehen. Ich muss hier echt weg, denn es soll im Grunde wirklich so die Kernaussage sein. Oh, ich hab noch was vergessen: Sie wollen – O-Ton – von uns begeistert werden. Dann müssen wir wohl doch in einen Vergnügungspark fahren? Oder in einen Puff – käme auf den Frauenanteil an, hm?

Während der ersten Online-Besprechung schaue ich aus dem Fenster und beobachte Stieglitze. Sie hüpfen munter auf dem Rasen herum, zerpicken Löwenzahn und freuen sich des Lebens. Stieglitz müsste man sein. Dann könnte ich Heinz zwischendurch auf den Kopf kacken. Man, beneide ich die Vögelchen gerade. 

Die nächste Runde wird auch nicht besser. Manchmal frage ich mich, wie mancher es immer wieder schafft, alles möglichst aufzublähen, was man in zwei Minuten sagen könnte. Das gelingt meiner Chefin ganz leicht. Entsprechend entnervt komme ich zu meinem dritten, allerdings für den Rest des Tages dauernden Workshop. Dort sitzt schon ein Kollege, der sich noch über Heinz Spruch vom Morgen amüsiert. Nicht gut. Und dann will er mir weismachen, dass das ein Kompliment von Heinz gewesen sein sollte. Ich starre ihn fassungslos an. Das meint er doch nicht ernst?! Doch. Es sei quasi ein Kompliment dafür, wie toll ich das machen würde. Da platzt mir dann doch was. Giftig schaue ich ihn an: „Pass mal auf, mein Schöner, aber ich muss Dich gerade mal desillusionieren. Wir Frauen kommen nicht schon voll vorprogrammiert auf die Welt. Ich musste mir solche Tätigkeiten auch erst aneignen. Glaubt Ihr Kerle Euch eigentlich selbst, wenn Ihr im Brustton der Überzeugung sagt, Frauen und Männer seien gleichberechtigt?!“ Lachen. Ich schieße Blitze. Dann kommt doch echt die Frage: „Welcher Jahrgang ist denn der Gute?“ Meine Antwort: „Das ist mir so scheißegal. Ich kann Dir höchstens das Sternzeichen verraten: Arschloch im Stern des unkollegialen Sackgesichts.“ Wieder nur Lachen, dabei meine ich es ernst. 

Der Workshop geht los… und verdient das Wort nicht mal. Meine Chefin sondert ausschließlich Müll ab. Es ist nicht zu fassen… Ich frage mich, welche Pillen sie schluckt und ob ich was davon abhaben könnte? Mit einem Kollegen habe ich Blickkontakt. Er amüsiert sich nur noch über alles und gesteht mir, dass er es nur wegen des Schmerzensgeldes aushalte. Naja, er bekommt locker das anderthalbfache von mir. Ich lasse meinen Blick schweifen und erspähe einen Specht. Er spricht mir aus der Seele, wie er da am Baum hochhüpft und den Kopf immer wieder gegen den Stamm schmettert. So, wie ich volle Empathie für das Schreien von Hühnern am Morgen aufbringen kann, kann ich den Specht mindestens genauso gut verstehen. Ich will auch! 

Nachmittags erhalte ich dann eine Mail von der Assistentin meiner Chef-Chefin. Ich hätte für den 17.5. einen Raum gebucht, aber sie sähe da keine Teilnehmer? Sie bräuchte einen Raum für ihre Chefin. Ich antworte, ich würde an dem Tag sechs Stunden schulen und schicke ihr einen Screenshot mit den Teilnehmern. Sie bedankt sich und schreibt dann noch mal, ob sie denn dann den Raum buchen könne? Ich wünsche mir den Specht zurück. NEIN, sie könne nicht von 9 bis 11 buchen, da ich von 8 bis 14 Uhr dort eine Schulung hätte. Dann mailt meine Chefin mich an, dass ihre Chefin (gleiche Tusse) am 17.5. für zwei Stunden den Raum benötige. Ob ich ausweichen könne? Der Alternativraum liegt 13 Minuten von meinem gebuchten Raum quer übers Gelände entfernt. Ich antworte, ich habe schon mit der Assistentin korrespondiert und dieser mitgeteilt, es gehe nicht. (Aber gut, dass sie ja nun eine Alternative hätten, denke ich mir.) Nach dem Workshop spricht mich meine Chefin nochmals auf den Raum an. Ich erkläre ihr, wieviel Kram für die Schulung benötigt wird, der komplett in dem Raum gelagert sei. Zudem gelte bei uns immer schon die Regelung: Tagesschulung schlägt zweistündigen Workshop. Hmmmm…sie würde noch mal überlegen und dann gegebenfalls erneut auf mich zukommen. Vorhin konnte ich noch eine Krähe beobachten, die sich einen Stieglitz geholt hat, obwohl zwei andere Stieglitze alles gegeben haben, das zu verhindern. Komisch, komisch, dass mir das Bild gerade wieder in den Sinn kommt. 

Was an solchen Tagen hilft? Essen gehen mit einer Freundin. Und das tu ich auch – wie ein Rohrspatz vor mich hinschimpfend. Als dann noch eine doofe Blondine auf einem Behinderten-Parkplatz parkt, mecker ich: „Der würde ich gern auf die Motorhaube kacken!“ Furztrocken kommt Retour: „Aber es ist noch so hell!“ Jetzt hat sie mich, ich kann nur noch lachen. Manchmal wär’s schon schön, ein Vogel zu sein, abhauen zu können, wenn’s einem zu blöde wird und auf Motorhauben kacken zu können, selbst wenn es noch hell ist. Nur von einer Krähe würde ich ungern gefuttert werden. Na, dann werde ich einfach Krähe, denn da hackt ja angeblich eine der anderen kein Auge aus… wer’s glaubt. Vermutlich gibt es nämlich auch Heinz-Krähen. Und dann finge der ganze Driss von vorne an. Braucht auch keiner, gell? Eben. 

6 Kommentare

  1. Und WARUM genau hast DU jetzt diese Spülmaschine ausgeräumt…?! Sorry, ich weiß, das willst du jetzt absolut gar nicht hören…! Aber der Heinz, der sogar extra in die Küche gelatscht kommt, um dich quasi zu fragen, warum DU dich denn eigentlich (immer?) verantwortlich fühlst für das Wohlergehen aller anderen – und ob du dir damit wirklich einen Gefallen tust, – vielleicht ist der gar nicht so ein Arschloch…? Vielleicht will der dich eigentlich nur mit seinem ganzen Dasein darauf hinweisen, dass einem ein wenig mehr Egoismus manchmal nicht schaden kann … . 😎. Denn allzu hilfsbereite Menschen werden halt auch allzu gern ausgenutzt.
    Und Heinz weiß genau, wie DAS geht… 😉!

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    1. Bääääm, mitten auf die 12. 😁 Nee, das passt schon. Und ja, Heinz ist ein Geschenk, damit ich lerne, meine Grenzen deutlicher zu setzen. Trotzdem ist er ein auch ein eindeutiges Arschloch. 😉 Hab heute die Anfrage bekommen, mit ihm eine Schulung zu machen. Da hab ich seinem Chef und meiner Chefin gesagt: Auf gar keinen Fall arbeite ich auch nur das klitzekleinste Bisschen mit diesem Menschen. Meine Chefin hat zumindest gegrinst und genickt. Sein Chef hat nur die Augen aufgerissen. Egal. Ich hab mich positioniert. 😊
      Schönen Abend noch!!!

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      1. Ja, besonders nett klingt der nach deinen Schilderungen nicht gerade … 😉. Aber immerhin hat „er“ mit seinem gestrigen Küchenauftritt „erreicht“, dass du heute zu deinen Interessen gestanden hast … 👍😇Sorry! Ich bin eigentlich überhaupt kein Box-Fan (auf die 12 …),, aber wie du kann ich irgendwie nicht einfach zuschauen, wenn ich das Gefühl habe, dass Menschen ausgenutzt werden. Doofe Angewohnheit von mir, ich weiß (und gelobe Besserung)! Geht mich schließlich eigentlich überhaupt nichts an. Ich hoffe, du nimmst es mir nicht übel! 🥂

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      2. Waaaaaaaaaas? Ich BITTE um Einmischung. Das Leben ist ja keine Einbahnstraße (sagte sie weise mit einem an der Meise). Ernsthaft, Du darfst immer gerne kommentieren, Spiegel vorhalten und sonst was. 😉 Ich bin durchaus lernfähig und -willig… also lernwillig, nicht willig im Sinne von 😂😂😂.
        Und Ausnutzen ist so ein Thema – es gibt immer einen, der es macht und immer einen, der es mit sich machen lässt. 🤷‍♀️

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      3. Das freut mich, dass du mir meine Einmischung nicht übel genommen hast! Und wenn du es mir so explizit erlaubst 😇, kann es durchaus sein, dass ich dann doch auch künftig ab und zu darauf „anspringen“ werde, wenn mich irgendwas in deinen Texten gerade „anspringt“… . 😎

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