Packen ist keine schöne Tätigkeit. Klar, ich kann mich dabei freuen, bald aufzubrechen, zu chillen, Cocktails zu schlürfen, dem Meeresrauschen zuzuhören. Aber das Packen ist dabei für mich kein Spaß. Denn da bin ich Frau durch und durch. Ich könnte ja etwas vergessen! Oder es könnte sein, dass es da, wo ich hinfliege, gar nichts gibt! Und Frauen, seien wir mal ehrlich: Es gibt diesen einen Moment in jedem Urlaub, an dem man denkt: „Wenn ich jetzt diese Schuhe/ das Kleid… dabei hätte, das wär´s gewesen!“ Und ja, liebe Männer, ss gibt auch die Momente, in denen Frau denkt: „Wieso habe ich den ganzen Kram eigentlich eingepackt?!“ Aber den sprechen wir vor Euch niemals laut aus. Wir wollen eben für alle Eventualitäten gewappnet sein.
Was ich auch bemerke: Früher war Kofferpacken eine Selbstverständlichkeit für mich. Zwei Wochen im Monat war ich Minumum unterwegs. Da habe ich freitags wieder ausgepackt, gewaschen, gebügelt usw., nur um dann sonntags wieder zu packen. Es war bestimmt nicht die geilste Zeit, aber auch nicht die schlechteste. In der Tat vermisse ich es ein wenig, auf Achse zu sein. Wer weiß? Wenn ich mich für die Beraterfirma entscheiden sollte (und sie mich denn wollen würden), könnte es wieder ein Teil meiner Tätigkeit sein, durch Deutschland zu reisen. Wer die Wahl hat, hat die Qual. Genauso verhält es sich bei mir. In meinem Kopf schießen zu viele Optionen durcheinander. Das gilt beruflich ebenso, wie es gerade fürs Kofferpacken gilt. Dabei bewundere ich die Menschen, die das Nötigste mitnehmen und mit nur einem Rucksack reisen. Aber nur, weil ich das bewundere, heißt das noch lange nicht, dass ich das auch so leben kann. Ganz schön verrückt.
Und so packe ich immer mehr Sachen auf die ungenutzte Doppelbettseite, krame von links nach rechts, lade Powerbank und Kamera auf…und lenke mich dann wieder mit anderem Kram ab. Es ist, wie vor einer Prüfung, wenn ich weiß, ich sollte diszipliniert und strukturiert lernen. Und dann sind die Fenster plötzlich sooo dreckig. Monatelang verdrecken sie, ohne dass es mich juckt, aber dann plötzlich, dann muss ich sie putzen. Oder Staubwischen. Oder das Bad putzen. Zum Glück kenne ich auch andere, die so bekloppt sind wie ich.

Apropos bekloppt: Gestern hocke ich dann irgendwann am Abend auf meiner Couch. Draußen rauscht ein herrlich wunderbarer Landregen, was mich ja immer beruhigt und irgendwie auch glücklich stimmt. Also lasse ich den Blick nach draußen schweifen und entdecke wen? Eine ekelig fette Spinne. Und prompt macht sie mir ein schlechtes Gewissen, weil sie emsig hin- und herhuscht. Sie arbeitet an ihrem Netz, während mein Küchenfenster immer noch verschmiert aussieht. Ich kann es leider nicht ganz öffnen und muss mich zum Putzen weit über den Balkon lehnen. Entsprechend fällt dann auch das Ergebnis aus: Schlierig, dreckig, unschön. Währenddessen pest die Spinne von oben nach unten, von rechts nach links und rundherum. Ganz schön fleißig. Zwischendurch frage ich sie – denn meine Balkontüre ist ja gekippt – ob sie denn eigentlich nicht den Sonntag mal Ruhetag hätte? Aber glaubt Ihr, die blöde Kuh antwortet mir? Hektisch webt sie weiter, als gäb´s kein Morgen. Ganz schön unfreundlich. Und dabei ist ja nicht nur Sonntag, sondern auch noch Pfingstsonntag! Ob sie davon überhaupt Plan hat? Ich bezweifle es. So ein Spinnenleben wäre auch nichts für mich, obwohl ich natürlich auch gerne spinne…nur eben anders.

Apropos Spinnen: Ich spinne nicht nur rum, sondern zaubere munter Erinnerungen hervor. Bei meinem Telefonat mit meiner Sis sagt diese noch, dass Pfingsten bei uns ja nie eine sonderlich große Rolle gespielt hätte. Das stimmt nur in Teilen. Während etliche Kirchenfeste bei uns intensiv gefeiert (oder durchgequält) wurden, fiel Pfingsten überhaupt nicht stark ins Gewicht. Aber für mich war Pfingsten was Wunderbares, weil es den Pfingstmarkt in der Kleinstadt gab, in der ich zur Schule ging. Üblicherweise waren die coolen Typen dann beim Autoscooter anzutreffen. Doch das war mir irgendwie zu prollig. Ich bin lieber rumgeschlendert und habe alles Mögliche bestaunt. Da ich schon als Kind niemals Prinzessin sein wollte, sondern Zigeunerin (was man damals noch gesagt hat), hat mich diese Schaustellerwelt immer fasziniert. Bunt, blinkend und herumreisend – so habe ich mir das vorgestellt. Ich bin damals schon gerne rausgegangen und habe fremde Leute kennengelernt. Und so ein Markt hat da die perfekte Bühne geboten. Nicht nur die üblichen Leute meiner Schule, sondern auch die von anderen Schulen, anderen Städten und Dörfern waren da unterwegs.
Das schönste Pfingstfest war dann das, als ich 15 Jahre alt war. Ich war mit meinen Cousins unterwegs, um meinen damaligen Freund dort zu treffen: Uli. Heutige Fotos zeigen nicht das Bild, das ich damals von ihm hatte. Fand ich ihn cool…heute so gar nicht mehr. Er hatte einen Schnäuzer, was ich heute nur noch bäh finde. Aber dieses Bauchkribbeln, als würden Bläschen permanent darin herumblubbern, das war damals einfach unbeschreiblich. Zusammen sind wir dann im Scirocco gefahren, ein Karussel, das abhob. Ihm war mulmig zumute, weshalb er es „Dingensschaukelding“ in seinen Briefen nannte. Ja, damals haben wir uns noch Briefe geschrieben. Und auch wenn Uli nie und nimmer die Liebe meines Lebens war, verdanke ich ihm doch ein aufregendes, wunderschönes Pfingstfest. Ach, Erinnerungen sind einfach toll, oder?

Ihr merkt´s schon, ich drücke mich mal wieder vorm Packen. Aber immerhin habe ich eine Liste gemacht von den Dingen, die ich noch raussuchen muss. Die nächsten Tage werde ich zu nichts kommen, weil die Arbeitstage lang werden. Und dann steige ich Freitagmorgen in Allerhergottsfrüh auf, um die Bahn um 5:53 Uhr zu erwischen. Der bringt mich dann hoffentlich sicher zu meiner Sis & Co. Erst ein paar Tage später geht dann der Flieger für Lenny und mich. Es ist also Zeit, neue Erinnerungen zu schaffen, damit ich in ein paar Jahren schwelgen kann in „weißt Du noch, als wir zwei in der Karibik waren?“ Ich freu´ mich riesig auf noch ganz vieles…aber dafür muss ich nun wirklich weiterpacken.

5 Kommentare

      1. Na da kann ja nichts mehr schief gehen 🙂 Das wird bestimmt witzig. Ich bin gespannt, was ihr beide so miteinander erlebt … ❤

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