Was zum Henker??? Das Nerven-Jäckchen wird immer knapper. Gefühlt ist dies nicht nur bei mir so, sondern ein Zustand, den viele beklagen, ohne sich wirklich darüber bewusst zu werden. Immer mehr Menschen fühlen sich immer gehetzter, ungerechter behandelt, überfordert, belastet. Viele sind dauergereizt und nehmen das nicht mal wahr. Na, das ist doch eine tolle Entwicklung, oder? Dazu strahlt das TV dann auch noch aus, dass sich noch mehr Mücken mit noch mehr Krankheitserregern an Bord bei uns in den Breitengraden ansiedeln. Und dazu noch die düsteren Prognosen für den Herbst bzgl. Corona und noch mehr wegen der Gaskrise. Krise ist so ein Wort geworden, das ich echt nicht mehr hören kann. Zu allem Überfluss wurden die Montage bislang immer noch nicht abgeschafft, was ich persönlich sehr beklage. Da ich gestern, wie ein kleiner Rohrspatz, meiner Kollegin und Freundin einen dreiminütigen Motzvortrag per Sprachnachricht aufgesabbelt habt, sendet sie mir heute Morgen den Spruch:

„Den Montag Scheiße zu finden, ist ein gern gemachter Anfängerfehler.
Der Profi hasst die ganze Woche.“

Die zwei Sätze stelle ich mir von Christoph Maria Herbst vorgelesen noch genialer vor. Nö, das hilft nicht. Lustig fänd ich es dennoch. Ich stelle mir das so vor, dass ich ein paar doofe Sprüche mit mir herumtrage und dann immer auf einen Knopf drücke, wenn ich einen von ihnen passend in einer Situation finde. Also quasi, wie früher bei Stefan Raab – nur eben mobil. Dafür bräuchte ich kein Studio.
Warum ich so muffelpuffelig unterwegs bin? Gestern war Montag. Und heute ist auch erst Dienstag. Gestern war mal wieder eine Wasserkopf-Runde – und zwar für den gesamten Tag angesetzt und sogar noch überzogen. Ehrlich, es beleidigt meinen Intellekt so sehr – und dabei denke ich nicht einmal, von diesem im Überfluss zu haben. Da sitzen wir zu fünft von unserer Firma und zwei teure Berater auf der anderen Seite. Die beiden Externen mag ich schon sehr gerne, aber sie sind auch nicht mehr so taufrisch. Der Ältere der beiden wird 70 Jahre. Und auch wenn ich ihn sehr gut finde, so sind seine Beispiele etwas alt. Wenn er Videos zeigt, kann man fast schon froh sein, wenn sie nicht in schwarz-weiß sind. Dauernd rechne ich damit, dass Klaus Kinski durchs Bild hüpft.
Ich habe aufgegeben, mal ausrechnen zu wollen, wieviel Kohle wir mit diesen Runden schon verpulvert haben. Und so war es auch gestern. Der Unterschied ist nun allerdings, dass meine Chefin in Mutterschutz ist. Entsprechend hat das Projekt ein anderer Kollege übernommen, der bislang schon diverse Projekte…äääääh…an die Wand gefahren hat. Nicht, weil er böse ist. Nö. Er lernt es einfach nicht. Von Risiken will er nie was hören. Er lebt nach dem Motto: „Das wird jetzt so durchgezogen! Basta.“ So motiviert man nämlich Mitarbeiter*innen. Ich lerne da echt was fürs Leben. Seine bisherigen Projekte sind immer kurz vor dem Ziel verreckt, was andere schon prognostiziert haben. Sie konnten sogar im Vorfeld schon sagen, woran es scheitern würde, aber „Das wird jetzt so gemacht“, wurde auf seine Anweisung hin so gemacht, weshalb es immer als Rohrkrepierer endete. Das wäre so, als würde man mich zu einer Physik- oder Mathe-Prüfung schicken. Da weiß ich auch vorher schon, was nachher nicht rauskommt: Eine bestandene Prüfung.
Ich habe leider auch nach Monaten immer noch nicht verstanden, was genau meine Aufgabe da sein soll? Später soll ich es mal schulen, aber dazu müsste ich quasi nur bei den Trainings teilnehmen und hospitieren. Ah ja, meine Expertise ist gewünscht, aber ich soll bitte schweigen und einfach mal die beiden älteren Herren machen lassen. Noch mal für Schwerhörige: Und was ist dann mein Beitrag??? Ha, so halt. Man, jetzt bin ich aber wieder motiviert. Der ältere Berater bittet um meinen Anruf heute und beginnt auch ganz väterlich: „Wie geht´s Dir denn, liebe Claudia?“ Ich weiß, das klingt lieb und nett. Das Wort „lieb“ allein reizt mich schon, weil ich im Moment innerlich eher Wildsau und tasmanischer Teufel bin, aber nicht lieb. Und er weiß ja längst, wie Scheiße ich alles gerade finde. Er rät mir auch, mir was Neues zu suchen. Warum müssen wir uns dann mit diesem „Wie geht´s Dir“-Geplänkel aufhalten? Ich erhalte gut gemeinte Ratschläge frei Haus:
1. Lerne, Deine Leidenschaft zu beherrschen. (Witzcracker! Bei dem Puls?!?!)
2. Lass´ Dich nicht von den anderen vor den Karren spannen. (Wiederholte Worte meiner Biologielehrerin aus der Oberstufenzeit…so lang her, und nix dazugelernt.)
3. Du kannst die Deppen nicht verändern. (Ach was?! Bei den Deppen sind wir uns sehr einig, wer diese denn sind.)
4. Such´ Dir Verbündete. (Und wenn es so Wenige davon gibt?)
5. Du schaust den Menschen zu tief in die Seele. Das mögen nicht alle! (Ach was, ach was?!)
6. Schaff´ Dir doch keine Feinde. (Aber ich bin doch Jeanne d´Arc! Und: Zu spät!)
7. Du hast noch lange nicht innerlich gekündigt, denn Du steckst noch voll in der Revolution und hoffst darauf, dass Veränderung doch möglich ist. (Ich elend dummes Hoffnungsschweinchen.)
8. Mach´ jetzt keinen Schnellschuss! Schau´ Dich in Ruhe auf dem Markt um, und entscheide dann. (So mein Vorhaben…auch wenn es zusätzlich Energie raubt.)
Es gab der weisen Worte noch mehr. Ich hatte nur irgendwann keine Lust mehr. Er sieht so vieles genau wie ich, aber er sagt auch, dass er dafür gutes Geld bekäme. Und dann spiegelt er das Verhalten meiner Organisation: Außer mir sei so gut wie keine*r pünktlich. Außer mir verlasse nahezu jede*r den Workshop ohne Erklärung zwischendurch und mache etwas anderes. Jedes Mal wäre ein neuer Mitarbeiter dabei gewesen, weshalb wieder alles von vorne erklärt werden musste. Der Projektleiter wird im Oktober das dritte Mal wechseln. Protokolle gäb es keine im Anschluss. Vereinbarungen mit dem Projektleiter würden nicht erfüllt werden. Und unsere Abteilungsleiterin habe sich noch kein einziges Mal blicken lassen, dabei müsste sie mit wehenden Fahnen voranlaufen, wenn das funktionieren solle. Ich staune derweil nicht schlecht, dass ihm das doch alles so genau aufgefallen ist. Allerdings bin ich der falsche Adressat, oder? Auch dem stimmt er zu. Er will mir wohl einfach nur bewusst machen, dass meine Zweifel zwischendurch, ich könne der berühmte Geisterfahrer sein, unberechtigt seien. Dennoch müsse ich aufpassen, dass ich meine Energie nicht unnötig verschieße. Ha, eine Tatsache, die ich – seit ich lebe – so kenne.
Die Krönung an einem solchen Dienstag ist dann aber die Mail meiner Abteilungsleiterin: Ich solle doch bitte meine Gleitzeit abbauen. Ob ich da einen Plam hätte? Habe ich. Zwei sogar. Plan eins: Ich arbeite bis Ende des Jahres keinen einzigen Freitag mehr (ist bereits bewilligt) und habe mindestens den kompletten Dezember frei. Plan zwei: Ich habe bis Januar einen neuen Job und mache nur noch Dienst nach Vorschrift. Der zweite Plan hinkt, weil ich selbst dann nicht Dienst nach Vorschrift machen könnte, da es nicht meiner Natur entspricht. Die olle Nuss hat keine Zeit für die richtigen Themen, keine Ahnung von der wirklichen Materie, aber überprüft höchstselbst, wie es um die Stunden ihrer Leute steht? Mit mir gab es noch nie eine Diskussion wegen Stunden- oder Urlaubsübertrag ins nächste Jahr. Ja, bei uns weiß man, wie man Mitarbeiter*innen überaus treffend motiviert. Ich schmeiße den Köder dennoch mal ins Wasser und erkläre ihr, dass ab September bis Ende Oktober noch mehr Stunden hinzukämen, da ich ja eine neue Methode schulen solle. Diesen Part würde ich nur zu gerne abgeben, hätte aber bislang – auch mit Unterstützung meiner Chefin – niemanden gefunden, der das übernehmen könnte. Alsoooo? Als Antwort kam ihrerseits nur, sie nehme mich beim Wort, dass ich meine Stunden abbauen würde. Das tu´ ich. Verlass´ Dich drauf.
Morgen ist Bergfest, denn da wird feierlich die Woche geteilt. Ich hoffe, dann geht es aufwärts. Obwohl ich Donnerstag wieder mit denselben Deppen zusammenhocke und wieder meete. Ich glaube, „Meeting“ wird so ein Wort wie „Krise“: Ich lerne, es zu hassen. Schauen wir mal. Bis dahin grummel´ und mopper´ ich noch ein bisschen vor mich hin. In diesem Sinne: Eine schöne Restwoche.

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