Die Woche ist Cognac…ach nee, rum. Gott, ich vermisse Menschen, wie Heinz Erhardt. Da war alles irgendwie leicht. Manchmal auch klamaukig, aber das macht nichts. Vergleichbar finde ich heute nichts mehr. Ob Loriot oder Diether Krebs – da ist nichts Vergleichbares heute. Oh man, jetzt klinge ich schon wie meine Omma. Dabei wünschte ich mir einfach nur ein bisschen weniger „Krise, Krise“ und mehr von Loriots „Müller-Lüdenscheids“ oder Krebs Sketche oder Erhardts „Die Made“. Auch die steckt in der Krise, „weil der Gatte, den sie hatte […] vom Blatte“ fiel. Es ist mehr Augenzwinkern, mehr Leichtigkeit bei allem – trotz oder gerade wegen schwieriger Zeiten.

Diese Woche war geprägt von lauter Terminen, die wieder einmal niemand gebraucht hätte. Ich merke, dass ich ruhiger werde, je aufgeheizter die Stimmung um mich herum wird. Mein Drama läuft eher, wenn es drumherum ruhig ist. Auch eigenartig, doch das war wohl schon immer so. Mit 14, als sich meine Freundinnen ganz schnell betrunken haben beispielsweise. Da habe ich dann aufgehört, weil ich wusste, dass es bald rappelt. So war es dann auch. Man, man, man, war das ein riesiges Drama, das Christina da abgezogen hat. Die anderen beiden hatten das heulende Elend. Bei so was werde ich innerlich ganz ruhig und bin handlungsfähig.
So ist es eben auch jetzt. Meiner Sis geht es nach wie vor schlecht. Es ist wirklich eigenartig, wie wir bisweilen mit uns selbst umgehen. Wir laufen wie „e Döppke“ und spüren oft die eigenen Grenzen nicht, weil wir uns selbst was vormachen: „Wird schon…ist ja nur vorübergehend…bloß nicht auffallen…wäre doch gelacht, das nicht zu schaffen…“ Und dann wundern wir uns, dass uns alles um die Ohren fliegt, wenn das Fass dann überläuft. Ich wünschte mir für mehr Menschen, dass sie ihre Grenzen besser spüren könnten – inklusive mir.

Andererseits soll es bitte auch keine reine „me first“-Show von allen werden. Während manche sich durchquälen, gibt es nämlich andere, die nur zu gut auf ihre Bedürfnisse achten – so komplett ohne auf andere zu achten. So auch diese Woche geschehen. Wir hatten wieder so ein herrlich nerviges Meeting zu fünft. Zwei waren pünktlich, dann kam die Dritte im Bunde, dann der Vierte. Dann kam erstmal nichts. Aber keiner wusste, wo der fünfte Kollege blieb. Naja, einer meinte, er habe gehört, dass sein Sohn wohl krank gewesen sei? Darauf sagt die Kollegin: „Aber das ist doch heute nicht sein Tag. Seine Tage sind montags und mittwochs.“ Muss ich mich schlecht fühlen, weil ich nicht weiß, wann welcher Kollege mit dem Kind beauftragt ist, es in die Kita, den Kindergarten oder die Schule zu bringen? Vermutlich schon.
Der Kollege kommt dann aber nach über zehn Minuten doch noch reingeschlappt. Und ja, ich meine reingeschlappt. Wenn Ihr den Gang sehen würdet, wüsstet Ihr, wovon ich spreche. Mit Vorliebe zieht er dann auch seine Schuhe aus. Vermutlich qualmen seine Füße sonst. Ich frage mich gerade, ob ich ihm Chips und ´ne Pulle Bier reichen soll und ihn im Gegenzug dann Al Bundy nennen darf? Grund fürs Zuspätkommen ist nicht sein Kind, sondern schlichtweg, dass morgens nicht seine Lieblingszeit ist. Wir fangen also noch mal von vorne an, damit er auch alles mitbekommt. Vier Menschen müssen also bestraft werden, weil einer immer (und ja, ich meine immer – von dem Vogel hatte ich schon mal berichtet) zu spät aufkreuzt. Zeitmanagement ist nicht so sein Ding – und morgens noch weniger. Passt doch, oder? Nach 40 Minuten und der Aussicht, in 25 Minuten zwei Gäste zu empfangen, schlägt eben dieser Kollege vor, dass er „sorry, jetzt mal ´ne Pause“ brauche, weil er dringend einen Kaffee benötige. Alter, ich fasse es nicht. Die meiste Zeit sitzt er breitbeinig und mit Händen hinterm Kopf verschränkt in der Veranstaltung. Wäre er ein Pavian, könnte ich dieses Dominanzgehabe ja durchaus verstehen, aber so? Er, der letztens meinte, meine Körperhaltung sei eindeutig ablehnend gewesen, als wir eine ätzende Diskussion gehabt hätten, bei der ich persönlich angegangen worden bin. Er, der sagt: „Meine Freundin ist ja Sozialarbeiterin. Die weist mich auch immer wieder darauf hin, dass ich mich sozialer verhalten solle. Ist ja ganz nett, wenn Du die sozialen Aspekte reinbringen willst. Wir Männer machen das anders. Wir ignorieren einfach die Einwände von anderen und machen, was wir wollen.“ Sprach´s und lachte siegessicher darüber.
Was kann ich von ihm lernen? Naja, zumindest ein wenig mehr auf meine Bedürfnisse zu achten. Mehr fällt mir leider nicht ein. Allerdings wird es bei einer Frau anders bewertet, wenn sie für sich Dinge einfordert. Dann ist sie wahlweise bedürftig-schwach oder eine egoistische Zicke. Aber ja: Wir sind total bei der Gleichberechtigung angekommen.
Die Kundenrückmeldung fasse ich im Termin zusammen und gleiche ab, ob wir den Auftrag richtig verstanden hätten? Jepp, hätten wir wohl. Anschließend wieder zu fünft plus neuer Chefin, kommt dann die Aufforderung, ich solle es doch noch mal aufzählen, weil ich das vorhin „so nett“ gemacht hätte. Ich setze an, als der erste Kollege schon dazwischen palavert. Dann werde ich nach fünf Minuten erneut aufgefordert, starte mit den ersten zwei Punkten und werde wieder unterbrochen: „Meinst Du echt, wir sollten das in der Reihenfolge machen?“ Es war die Reihenfolge der Rückmeldung. Bewerten können wir das ja immer noch. Es folgt eine Diskussion darüber, ob es nun wichtig sei, jetzt schon die Reihenfolge für spätere Schulungsinhalte festzulegen oder eben später. Und da wundern wir uns, dass wir nie zu einem Ergebnis kommen. Dann soll ich doch bitte meine Punkte noch zuende aufführen. Prompt kommt anschließend von der Kollegin: „Ich habe aber noch gehört, dass er was von Betriebsblindheit gesagt hat.“ Ich atme durch. Gesagt hat der Kunde in der Tat noch weit mehr. Es ging aber um die konkreten Wünsche für die Schulung, und die habe ich aufgezählt. „Aber das ist trotzdem wichtig!“ Was hat das denn mit dem Schulungsinhalt zu tun? Aber es macht nichts. Wir nehmen noch andere Ursachen auf und einiges an Laber-Rhabarber, nur um dann festzuhalten: „Aber stimmt ja. Die Punke für die Schulung sind die, die rechts stehen. Und das ist es, was wir brauchen.“ Ich sollte echt an meinem Suaheli arbeiten… Wir verlieren auch für diese überflüssige Übung wieder jede Menge Zeit.
Ich fasse es mal mit den Worten eines Herren der oberen Heeresführung zusammen: „Auuuutschdääääänding, sog i nua.“ Ja. Bei „autsch“ wäre ich durchaus auch dabei. Aber outstanding ist dann doch was anderes. Hat er ja aber auch nicht gesagt, sondern „Auuuutschdääääänding“. Ok, mein Fehler.
Was will ich damit sagen? Ich wünsche Euch ein herrliches Wochenende im endlich erreichten Herbst. Draußen rauscht der Regen, die Fenster sind frisch geputzt, und es kommt heute eine neue Folge von „Die Ringe der Macht“. Es läuft bei mir…ich hoffe, bei Euch auch!

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