Ruckzuck, wieder ´ne Woche rum

Ich weiß ja nicht, wie es Euch so ergeht? Früher (damals, als ich noch jung und schön war) habe ich den Januar immer als zäh empfunden. Und ja, wir wissen ja jetzt, dass es auch diesen blue Monday im Januar gibt. Gefühlt habe ich jetzt allerdings schon die Jahresmitte erreicht. Es sollte doch eigentlich noch ein kleiner Rest von Jahresbeginn zu spüren sein, oder? Aber nüscht. Die Forderungen werden immer heftiger. Es hat sich bei uns im Unternehmen (und wie ich höre in anderen Konzernen ebenso) mittlerweile eine Kultur etabliert, die einem keine Luft zum Atmen gibt. Als gäb´s kein Morgen, werden Termine Stoß an Stoß gelegt. Warum muss das so sein? Und wieso bin ich so dämlich, das zu bedienen?

Gestern hatte ich wieder so einen tollen Termin mit dem Management. Dieses Wort löst bei mir schon Krämpfe und Brechreiz aus. Vorgestern haben wir erfahren, dass wir hybrid arbeiten werden. Wer, bitte schön, hat sich diesen Scheiß eigentlich einfallen lassen? Es geht de facto nicht. Ja, ich weiß, es ist hip und toll und überhaupt. Es geht aber schlichtweg nicht. Entweder, wir arbeiten in Präsenz oder aber online. Bei hybriden Modellen, so fancy sie auch klingen, geht immer was verloren. Vorzugsweise meine Nerven, aber auch die von den online zugeschalteten Teilnehmern und ein großer Teil vom Ergebnis auch. Der tolle Narzisst von letzter Woche will einem dann auch immer weismachen, dass das am mangelnden technischen/ digitalen Verständnis liege. Ich gebe zu, darin nicht die Queen of Tablewater zu sein. Aber unsere IT sperrt ganz viele hübsche Online-Tools, die man benötigen würde, um die digitale Arbeitswelt zu erleichtern. Wenn sie mir dann erklären wollen, wie toll doch Miro sei, fängt mein linkes Augenlid schon nervös an zu zucken. Weiß ich doch, Ihr Honks. Allein, die IT hat für uns diese Seite gesperrt. Ach so! Ja, genau: Ach so! Wir wollen hipp sein, können es aber nicht. Und wer ist es dann schuld? Die Mitarbeiter. Ist doch logisch. Gestern habe ich das allerdings hübsch an mir abprasseln lassen. Mein Kollege hat sich mal etwas mehr engagiert. Ich habe die Technik betreut und bin immer in die Gruppenarbeiten mit den online zugeschalteten Kollegen gegangen. Nach nur vier Stunden bist Du völlig Matsche im Hirn. Ging aber allen so. Willkommen im fancy-dancy-super-trooper-hybrid-Geschisse.
Und wie ich dann so hübsch zu meinem Büro zurückflaniere (im Stechschritt) und meinen Kollegen dabei im Schlepptau habe, erläutere ich ihm noch, dass ich mit meinen Stunden gerade vorne und hinten nicht zurechtkäme. Da schaut er mich locker von der Seite an und sagt: „Ich mache keine einzige Überstunde. Sorry, ich habe ein massives Motivationsproblem, wie Du weißt. Also warum sollte ich dann noch Überstunden machen?!“ Es war kalt, wie ich da so mit meinem Mund offen rumgelaufen bin. Das ist wieder so ein Kollege mit fast doppeltem Gehalt. Und er sieht das nicht ein? Ich habe gar kein Motivationsproblem, weil es Motivation in meinem Leben gerade mal so gar nicht gibt. Die ist mal wieder in die Karibik entschwunden. Was die da macht? Cocktails trinken, dieses Luder. Warte mal, wenn die nach Hause kommt. Die kann aber was erleben!
Was ich damit sagen will: Es ändert sich nichts. Wie auch? Die Einzige, die was ändern kann, bin ich. Daher läuft in meinem Hinterkopf in Dauerschleife: „Das ist jetzt so. Noch ein paar Wochen. Und all die hübschen Überstunden werden dann an all den hübschen Freitagen abgefeiert. Wenn das mal kein Fest ist! Lächeln und winken…geht alles vorüber.“ Keine Ahnung, wie sinnvoll das ist. Aber es hält mich aufrecht beim Laufen.

Auf dem Rückweg war ich dann noch beim Einkaufen. Das Gute am späten Feierabend-Machen: Die Läden sind recht leer. So stand dann auch niemand an der Kasse. Der Kassierer schaut mich also erwartungsfroh an, weshalb ich raushaue: „Hallohooo. Ich bringe Ihnen endlich Arbeit!“ Und da zerreißt es mich dann auch schon. Er reagiert total nett. Trotzdem entschuldige ich mich: „Meine Güte, wieviele saudoofen Sprüche müssen Sie sich eigentlich den ganzen Tag über anhören?“ Er winkt lachend ab: „Schon ok. Ich mag gut gelaunte Menschen.“ Dennoch komme ich mir blöde vor. Er berichtet, es hier echt noch richtig gut angetroffen zu haben. Ja, die Leute seien schon echt anders geworden. Aber seine Frau hätte jetzt die Bäckerei gewechselt. Bei der letzten hätte eine Kundin nämlich mit dem Zuckerstreuer nach ihr geworfen. HALLO?!?!?! Wie verrückt sind wir eigentlich mittlerweile geworden? Das Aggressionspotenzial nimmt immer weiter zu. Mich nervt es auch immer mehr, ständig diese doofe Maske aufzuziehen und beim Betreten von Häusern als Brillenträger plötzlich keine Sicht mehr zu haben. Allerdings schnauze ich deswegen keine Leute an. Die Security in der Firma entschuldigt sich immer schon, wenn ich den Impfausweis vorzeigen muss. Das ist doch deren Job! Wenn sie sich entschuldigen, müssen wohl auch einige Leute massiv moppern. Sonst käme diese Haltung doch gar nicht erst zustande. Man, man, man…wo laufen wir da gerade hin? Ich mag jetzt gerne zu meiner Motivation gebeamt werden. Wo ist das Meer, wenn Frau es braucht? Wo sind die Cocktails, wenn mich danach gelüstet? Alles muss Frau selber machen…es geht echt den Bach runter…

konfligierend

Aaaaaaach, es ist herrlich. Manchmal ist es so drüber, dass ich nur noch lachen kann. Und Lachen ist ja bekanntlich gesund. Wenn es danach gehen würde, wäre ich ein verdammt gesunder Mensch. Da ist es nur natürlich, mit Schoki & Co. gegenzusteuern, damit ich nicht zum Gesundheitsapostel mutiere. Das mache ich ebenfalls ganz erfolgreich. In irgendwas muss ich ja auch gut sein, oder?

Interessant ist in den letzten Tagen die Reaktion einiger Menschen. Ich habe meinen alten Chef-Chef angerufen, um mich zu bedanken, weil er ja letztes Jahr noch meine Potential-Einschätzung auf den Weg gebracht hat. Ich wollte mich dafür bedanken und darüber informieren, davon Abstand genommen zu haben. Die Argumentation habe ich selbstredend präsentiert. Seine Reaktion? Er fänd´s schade, könne mich allerdings vollkommen verstehen. Er habe drei Mentees, von denen zwei dabei seien, das Unternehmen zu verlassen. Krass, oder?
In Krisenzeiten zeigt sich so manches. Unter anderem eben auch, wie es um die tatsächliche Führungsriege bestellt ist. Und da muss man leider feststellen: Es ist bei vielen nicht weit her damit. Und ja, mir ist durchaus klar, dass es in der Selbständigkeit auch keineswegs Ponyschlecken ist. Nur verlieren immer mehr Konzerne ihre Mitarbeiter aus dem Fokus. Das Ende vom Lied ist dann eine Abwanderung der Guten. Diejenigen, die man gerne loswerden würde, weil sie sich einen faulen Lenz schieben, bleiben. Tja, im Grunde weiß „man“ das…aber manche müssen es leider auf die harte Tour lernen. Dann sei es eben so.
Da konfligieren eben die Interessen. Hübsches Wort, oder? Habe ich in einer Präsentation gesehen und bin drüber gestolpert. Ich oute mich, ich Landei: Ich musste es nachschlagen. Solche Begriffe klingen ja toll und so verdammt wichtig, nur bin ich mir sicher, dass die Mitarbeiter zum Großteil abgehängt werden. Doch die will man ja auch gar nicht erreichen. Sonst machen die nachher noch den Mund auf und stellen Forderungen. Da würde ja wieder alles Mögliche konfligieren. Nee, nee, nee, wo kämen wir denn da hin? Und so übertreffen sich die Leute im Management dann gerne auch gegenseitig, wer mehr Input zum Bullshit-Bingo liefern kann. Sei es VUCA, Subsidiarität, Nordstern, Ambidextrie oder weiß der Henker was.
Manchmal denke ich, ich sollte wieder anfangen, Theaterstücke zu schreiben. Diese Beschäftigung geht mir hier eh gerade vollkommen ab. Wenn ich manche Stilblüte bei meiner Firma „klauen“ würde und wiedergäbe…es würde in der Summe dann keiner glauben können. Wie habe ich letztens irgendwo gelesen:

„Was im Büro passiert, bleibt im Büro.
Natürlich!
Als ob mir jemand da draußen glauben würde, was hier passiert!“

Da konfligiert also so rein gar nichts in mir.

Was ich bei manch anderem Gespräch unter vier Augen auch immer mehr feststelle: Zufrieden scheint gerade niemand zu sein. Alle wissen auch, wer die verantwortlichen, handelnden Personen sind, die diese Aura der Angst und Demotivation verbreiten. Allein, es ändert sich nichts. Die Grundstimmung ist echt mehr als eigenartig derzeit. Werfe ich den Blick außerhalb meines Unternehmens, bestätigen mir viele andere genau diese Situation in ihren Bereichen. Mag sein, dass das das Schwangeren-Phänomen ist. Wenn Du schwanger werden willst, siehst Du überall dicke Bäuche. In der Logik: Wenn ich schlechten Führungsstil auf dem Radar habe, sehe ich ihn an vielen Stellen. Worauf der Fokus liegt, wird mehr daraus…ist eine normale Formel.
Doch die allgemeine Grundstimmung ist derzeit eher eine gedrückte. Dazu gibt es sogar eine Studie von britischen Psychologen, die besagt: Der dritte Montag im Januar sei der traurigste Tag des Jahres – auch „blue Monday“ genannt. Warum das so sein soll? Na, meist ist der Monat Januar vom Wetter her eher so semi. Es ist noch trüb draußen, die Tage sind nach wie vor kurz, die Sonne selten zu sehen. Dann kommen zigtausend Rechnungen ins Haus geflattert, weil Versicherungen etc. zu diesem Zeitpunkt ihre Jahresprämien einholen. Darüber hinaus liegen die Feiertage hinter einem, und die Aussicht auf folgende Feiertage (= frei) muss zu weit in die Zukunft gerichtet werden. Dazu kommt dann der Weihnachtsspeck, den man sich angefuttert hat, gerne loswerden würde, aber dazu den Hintern hochbekommen müsste, was die Wampe erst einmal verhindert. Ihr seht schon: Der Teufelskreis ist schon eine blöde Kuh. Dieser traurigste Tag muss aber natürlich auf einen Montag fallen, weil Montage per se nun mal die meist verabscheuten Tage sind. Jetzt kommt noch Omikron hinzu, was die Studie nicht mal berücksichtigt hat. Heidanei…es wird nicht besser, merkt Ihr´s?
Was hilft da? Prosecco…so man diesen trinkt. Oder Schoki. Macht die Wampe größer, aber schüttet immerhin kurzfristig Glückshormone aus. Bemerkt Ihr, wie es in mir konfligiert? Da hilft nur noch eins: Humor. Lachen soll ja angeblich auch Kalorien verbrennen, weil angeblich viele Muskeln hierfür benötigt werden. Könnte das bitte mal jemand meinen Polsterungen mitteilen, weil die sich da gar nicht angesprochen fühlen?! Ich glaube, ich will auf den Arm. Ja…das klingt gut. Nein, nicht in den Arm, sondern auf den Arm. Mir doch egal, dass ich kein 3000 Gramm Baby mehr bin. Da darf Man(n) sich gerne mal anstrengen. Das konfligiert? Mir doch wumpe. Man, man, man, wo sind die Profis, wenn man sie mal braucht…?
PS: Nein, ich bin (noch) nüchtern.
PPS: Ich glaube, das muss ich ändern.

es hagelt Erkenntnisse

Manche Wochen haben es in sich. Während andere nur so dahindümpeln, kann man in solchen Wochen manchmal den Überblick leicht verlieren. Wenn die Tage zu wenige Stunden haben, ist das bei mir ein eindeutiges Zeichen: Zum Einen bin ich voll in meinem Element, zum Anderen resümiere ich danach immer ordentlich, wie sinnhaft es denn war – oder eben nicht. Dieses Mal war es wieder einmal nicht sinnhaft…

Die letzte Woche war übervoll. Schade, wenn ich dann erkenne, dass andere Leute den Vereinbarungen nicht nachgekommen sind. Ein Affront für mich. Und da haben wir es mal wieder: Ich messe mit meinem Maßstab, was natürlich auch daneben ist. Ich bin es gewohnt, Dinge zu erledigen, die ich zusage. Da gibt es gar nichts dran zu rütteln. Wenn jemand mein Wort hat, dann reiße ich mir lieber einen Arm aus, als mein Wort zu brechen. Im Privaten ist das schon wichtig für mich, im Beruflichen allerdings auch. Und so bin ich einigermaßen genervt, als ich montags erkenne, dass mein Kollege nicht die zwei Kleinigkeiten erledigt hat, die er im Dezember erledigen wollte. Da er die erste Januarwoche Urlaub hat, erfahre ich es erst montags – einen Tag vor unserem Aufschlag auf Management-Ebene.
Und hier entfaltet sich ja mein ganz eigenes Phänomen. Während die einen schlottern und vor Ehrfurcht erstarren, weil sie es mit dem Management zu tun bekommen, habe ich eine ganz andere Sorge: Alles dranzusetzen, ihnen nicht zu zeigen, wie wenig ich von ihnen und ihren Allüren halte. Mannomann, das ist gar nicht so einfach, wie das klingt. Ich erkenne mal wieder meine etwas eigenartige Sicht auf die Welt. Obrigkeitsdenken liegt mir nicht. Ja-Sagen liegt mir nicht. Mund-Halten liegt mir nicht. Was ich brauche, um mich wohlzuführen, sind Werte, wie Ehrlichkeit, Verlässlichkeit, Verbindlichkeit. Und die sucht man ab einer gewissen Ebene leider vergeblich.
Dann kommt noch meine Praktikantin ins Spiel, die bereits letztes Jahr Flipcharts anfertigen und mit und mit zu unserer Druckerei bringen sollte. Warum? Na, weil sie dort eingescannt und teilweise verfielfältigt werden müssen. Aufgrund eines Skiunfalls, Corona und anderer Themen wurde dies allerdings geschoben. Sie liefert sie einen Tag vor der ersten Veranstaltung ab. Zum Glück verstehe ich mich sehr gut mit dem Team der Druckerei, denn mal eben so 58 Flipcharts zu scannen und weiterzuverarbeiten, das geht nicht so einfach. Daher habe ich in der Woche zuvor schon alles in die Wege geleitet. Geistesgegenwärtig frage ich die Studentin noch: „Du hast sie aber schon in der richtigen Reihenfolge angeordnet, richtig?“ Große Augen: „Oh. Das…äääh…nö.“ Sie ist Studentin, sie ist jung. Ich kann es nicht erwarten…und bin dennoch etwas enttäuscht.
Der externe Berater, mit dem alles im November besprochen wurde und der mit meinem anderen Kollegen noch im Dezember Termine hatte, meldet sich dann auch noch. Wir sollten doch mal den Ablauf besprechen. Er wisse ja gar nicht, was geplant sei. Äääääh…das haben wir ja bereits getan, aber gut. Dann eben noch mal. Ich stelle ihm alles vor, und er ist begeistert. Na denn. Welchen Part würde er denn übernehmen? Ach soooo…ja, nee. Er überlässt die Veranstaltung ganz mir. Es gehe in seiner Company ja auch darum, den Kunden zu befähigen, es dann selbst umzusetzen. Das Konzept ist komplett von mir. Seine fehlerhaften Powerpoint-Folien sind vollkommen ausradiert, weil sie Null Anklang gefunden hatten. Aber nun gut. Für 150.000 € Beraterhonorar kann ich wohl erwarten, dass ich das hier alleine rocke, oder? Nur zur Klarheit: Er erhält das Beraterhonorar, nicht ich. Nicht, dass da was verwechselt wird!
Mein Kollege wird auch zwei Tage durchgängig anwesend sein, weil es ja ums Managament geht. Was seine Aufgabe ist (nachdem er die beiden anderen Aufgaben nicht erledigt hat)? Er wird gemäß Vorgabe alle 20 Minuten lüften. Muss ich erwähnen, dass dieser Kollege Fach-Führungskraft ist und fast das doppelte Gehalt von mir bezieht? Ich habe schon Muskelverhärtungen im Nacken vom dauernden Kopfschütteln. Immerhin muss ich erwähnen, dass beide Kandidaten – der externe Berater, als auch mein Kollege – nicht böse sind. Dafür muss ich in solchen Tagen echt schon dankbar sein.

Wir beginnen am nächsten Tag um neun Uhr. Der Berater und mein Kollege erscheinen um 8:45 Uhr. Bis dahin muss der Raum aufgebaut sein, zwei Flipchart-Ständer mit den richtigen Charts bestückt (die ich am Morgen noch von der Druckerei hole), mit vier Metaplanwände ausgestattet sein, Post its und Stifte zurechtliegen usw. Klingt alles unspektakulär. Wer das mal vorbereiten durfte, weiß, dass da der Teufel im Detail steckt.
Der Tag startet und verläuft sehr gut. Ich bin locker, komme allerdings mit der Zeit immer wieder in Konflikt, weil der oberste Boss mir regelmäßig widerspricht, wenn ich eine Diskussion beenden möchte…nur um mir zum Schluss zu sagen, ich solle doch bitte mehr aufs „timekeeping“ achten. Alle gehen, nur der Berater, mein Fenster schließender Kollege und ich bleiben mit dem obersten Boss zurück, der sich im Vorfeld immer hat verleugnen lassen, weil er keine Absprache zu dem Termin brauchte/ wollte. Und so zerpflückt er dann den Plan für den nächsten Tag. Ich koche. Mittlerweile habe ich eine Kerntemperatur eingenommen, die jeden Vulkan erblassen ließe. Atmen und weghecheln. Wenn das bei Schwangeren klappt, dann auch bei diesem Narzissten. Alle kennen ihn, alle wissen, wie er ist, fast alle lecken seinen Speichel. Ich kann das nicht. Ehrlich. Da bewundere ich andere ja schon, wie die das beherrschen. Ich würde beim bloßen Versuch vermutlich schon ersticken. Jaja, meine verdammten Hörner…
Während die Jungs munter philosophieren, baue ich den Raum zurück, schleppe allen Kram rüber in den anderen Raum für morgen und denke mir munter Foltermethoden aus. Meine Sis ist entsetzt, als ich ihr später eine Kostprobe verrate. Dabei sind es nur zwei Altbekannte, die ich anführe: Die eine mit der Ratte, die sich durchfrisst, die andere mit den hungrigen Haien und den angeritzten Fußsohlen. Sie ist aber auch empfindlich. Und nein, ich könnte keinen Menschen foltern. Mir reicht die Phantasie, um mich runterzukochen. Klingt krank, aber ich hab´s abklären lassen: Es ist noch recht normal. 🙂
Der oberste Boss geht, die beiden anderen Herren nehmen wohl den Dampf wahr, der aus meinen Ohren steigt. Sie gehen fast auf Zehenspitzen um mich herum. Wir entwerfen den Ablaufplan für den nächsten Tag, und schon bringe ich den Externen zum Haupteingang. Auf dem Weg sagt er mir, ich solle mich nicht entmutigen lassen. Ich habe es richtig toll gemeistert, habe die Leute abgeholt und begeistert. Der oberste Boss sei für ihn seit zwei Jahren auch nie erreichbar. Viele Bosse seien so, dass sie am Abend alles auf den Kopf stellen würden. Da habe er sich schon etliche Nächte in Hotelzimmern um die Ohren schlagen müssen. Ich schaue ihn an und frage vollkommen demotiviert: „Weißt Du, ich frage mich eher: Bin ich hier richtig? Ist es das Unternehmen, für das ich arbeiten will? Wir reden davon ´Der Mensch steht im Mittelpunkt´, und ich denke nur: So was von am Arsch! Hier wird gekrochen, was das Zeug hält, während der Obermufti nach unten tritt und beteuert, Hierarchien seien doch quasi gar nicht vorhanden. Das ist so eine Farce.“ Mein Gesprächspartner nickt: „Ich weiß. Und das Schlimme: Es ist an vielen Stellen so.“ Ich werde innerlich ruhiger und denke mir: Das heißt noch lange nicht, dass ich dieses Geschiss mitmachen muss, oder? Will ich für so einen Führungsstil verbrennen? Würde ich hier Führungskraft, müsste ich mit den Wölfen heulen. Ich müsste – zumindest in Teilen – faule Kompromisse eingehen, falschen Götzen huldigen und meine Werte verkaufen und verraten. Das will ich nicht. Und für diese Erkenntnis bin ich dankbar. Dankbar dem Egomanen, der scherzhaft zu mir sagt: „Du bist doch hier für die Standards zuständig. Ich habe ein Standard-Kündigungsschreibeen in der Schublade. Willst Du eins?“ Vor versammelter Mannschaft. Nicht lustig, sondern Drohgebärde. Nicht clever, aber ich: „Mach´ doch. Da schlägt mein Puls nicht einen Schlag schneller.“ Er erwartet dann eigentlich, dass man Angst bekommt und fortan den Mund hält. Da kann er lange bei mir warten. Und nein, er kann mir gar nicht kündigen. Er will damit nur sein Revier abpinkeln. Ist das nicht erbärmlich?

Der nächste Tag beginnt. Ich starte schon um 6:40 Uhr, denn irgendwer muss jetzt den Ablaufplan abtippen und die Flipcharts malen. Wir beginnen schon um 8:30 Uhr, weshalb der Berater und mein Kollege immerhin schon um 8:15 Uhr eintrudeln. Mein Kollege, der ein echter Nerd ist, kommt mir mal wieder viel zu nah. Da kann er echt nicht für, aber es nervt trotzdem. „Welche Aufgaben hast Du für mich?“, steht er da und schaut mich mit Dackelblick an. Nein, heute möchte ich nicht die Mama eines verdammt gute Bezahlten spielen. „Was kann ich tun?“, fragt er wieder. Das ist gerade meine Welt. Krank, oder?
Der oberste Boss ist, wie er immer ist: Ein Arsch. Die anderen sind, was sie immer sind: Kleinlaut und eingeschüchtert. Da sind durchaus auch ein paar Nette dabei. Aber es widert mich an, wie die meisten von ihnen sind – und das bei dem Wissen, dass sie eine Menge Kohle nach Hause schleppen, während manche Werker bei uns rumkrebseln. Es geht heute unter anderem um Kultur. Unbezahlbar: Ich frage, ohne mir wirklich was Böses dabei zu denken: „Ok, dann lasst uns bei all dem doch mal schauen, warum die Mitarbeiter gerade für Euch und Eure Abteilungen arbeiten sollen?“ Entsetztes Schweigen und eigenartige Blicke. Einer wagt sich: „Wir schreiben ja gerade gar keine Stellen aus.“ Ich nicke: „Einverstanden. Wie wollt Ihr beim zunehmendem Fachkräftemangel denn dafür sorgen, dass die jetzigen Mitarbeiter bei Euch bleiben? Was zeichnet gerade Euch bzw. Eure Abteilung aus?“ Und ehrlich, ich frage das freundlich. Sie verstehen die Frage aber nicht. Ich mache hier keine Witze. Ein Einziger hat zwischendurch mal gesagt: „Bei all den Zielen, die recht und schön sein sollen, aber wo sind da die Mitarbeiter? Was ist mit den Menschen?“ Er wurde auch so eigenartig angeschaut. So stelle ich mir das im Mittelalter vor, wenn einer gefragt hat, wie Gott denn den König berufen habe…also wie genau der Prozess vonstatten gegangen sein soll? Vermutlich darf ich froh sein, dass ich weder geteert, noch verbrannt worden bin.
In der Mittagspause erteilt mir der oberste Boss eine Lektion in Sachen Mathe. Ja, Mathe ist bei mir Brachland. Die Gleichung, die er allerdings aufmacht, ist eines Grundschülers würdig. Er erklärt mir, dass das IST immer ungleich dem PLAN ist. Daher würde man ein SOLL formulieren. Das SOLL ist allerdings auch immer ungleich dem IST. Also: Was ist dann gleich dem IST? Das IST natürlich. Und da soll ich mir nicht verarscht vorkommen? Er will mir damit sagen, wir müssten mit dem Material arbeiten, das wir zur Verfügung hätten. Als er dann zum wiederholten Mal über meinen alten Chef-Chef ätzt, muss ich was sagen. Ich konfrontiere ihn damit, dass er kein bisschen wertschätzend sei. Damit, dass der Slogan „Der Mensch steht bei uns im Mittelpunkt“ ein Lippenbekenntnis sei. Er möchte für die geringe Wertschätzung ein Beispiel haben. Ich bringe den Abschluss des vorangegangen Tages ins Spiel. Oh, er sei aber sehr froh, dass ich das jetzt mache. Ich entgegne, davon käme bei mir leider so rein gar nichts an. Wenn ich einmal in Fahrt bin, hält den Drachen ja nichts. Oh, und er erwähnt auch, wie gut er es fänd, dass wir kontrovers diskutieren könnten. Das könne man ja mit den Wenigsten im Unternehmen. Finde den Fehler, Du Volldepp! Ich sag´s anders: „Diskutieren ist ja schön und gut. Wenn Du aber am Ende immer Recht behalten musst, weil Du in der Hierarchie weiter oben stehst, ist so eine Diskussion für mich nicht gerade erhellend.“ Ich werde los, was ich loswerden will. Und dabei verwende ich keine Schimpfwörter, haue ihm keine rein, werde nicht laut. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie stolz ich auf mich bin. Für so einen verachtenden, demütigenden Menschen möchte ich nicht arbeiten. Meine Entscheidung macht mich einfach nur frei. Das Ende vom Lied ist sein Feedback am Abend. Da bekomme ich zu hören: „Claudia, burschikos durchmoderiert.“ Bevor er meinem Kollegen für die aufwendige Organisation dankt (die er gar nicht verantwortet hat) und dem Externen ganz herzlich dankt, der heute immerhin auch aktiv mitgestaltet hat. Innerlich feiere ich mich. Warum? Ich hab´s geschafft, dass er sich ärgert. Als er mittags meint, ich sei bestimmt angespannt und in meiner Lernzone (weil ich da beim Management rumturne), sage ich: „Nö. Ich bin nicht angespannt. Die einzige Herausforderung für mich hier, bist Du.“ Da hat er zumindest kurz gezuckt.

Mit meiner Chefin rede ich abends noch und dann freitags erneut. Ich bin ruhig. Sie berichtet mir von ihren Erlebnissen und erklärt, ich solle es mir genau überlegen, was ich bereit sei, aufzugeben. Wir seien noch sehr rückständig und hinkten locker 20 Jahre hinterher. Sie habe schon Wochen gehabt, in denen sie heulend nach Hause gegangen sei und sich gefragt habe, ob sie das so wolle? Ich sei noch idealistischer als sie. Sie lebe mittlerweile nach dem Motto: „Welchen Kampf will ich wirklich ausfechten und welchen lasse ich liegen?“ Wir sind uns beide einig, dass ich Kämpfe, wie diesen, immer angehen und niemals ruhen lassen würde. Und dabei arbeitet man sich ab…ständig. Und man verbrennt. Das will ich nicht. Ich darf noch mal drüber schlafen, darf noch nachdenken. Aber die Erkenntnis ist doch längst da: Ja, ich würde gerne gestalten und Menschen begleiten. Doch nein, nicht in diesem Unternehmen. Ich kündige dort nicht. Ab März oder April habe ich mir mal die Freitage geblockt. Überstunden habe ich allein in dieser Woche wieder viel zu viele angehäuft. Die baue ich dann freitags ab. Dabei kann ich dann schauen, welche Möglichkeiten ich außerhalb des Konzerns habe. Und da sind jede Menge. Die sieht man nur selten, wenn man brav im Hamsterrädchen rennt.

Ich bin wieder einmal dankbar, auch wenn manche das nicht glauben wollen. Doch ernsthaft, ich bin es. Menschen, die andere so geringschätzig behandeln, rütteln mich wach. Ich möchte diesen Apparat nicht befeuern. Ohne es zu bemerken, verbiegen sich viele von uns. Wir passen uns an, machen uns passend. Das passiert mir auch oft, weil ich ja schon auch gefallen will. Wenn es dann so radikale Vollidioten gibt, kommt das Ganze nicht schleichend zum Vorschein, sondern direkt auf den Punkt. Und dafür kann ich nur dankbar sein. Entsprechend starte ich mit einem Lächeln in die nächste Woche. Da werde ich wieder auf ihn treffen…und er darf wie Teflon an mir herabgleiten. Ich verbrenne nicht, ich verbiege mich nicht, ich buckle nicht. Eine tolle Erkenntnis.

Traurig und fassungslos

Der Tag beginnt gut. Die Arbeit geht leicht von der Hand. Die Vorbereitungen für einige Schulungen, die ich ab nächster Woche geben darf, sind im vollen Gange. Meine süße Studentin hat es derweil beim Snowboarden zerlegt. Sie ist noch so jung und doktort – wie ich jetzt erst nach meinem Urlaub erfahren habe – schon seit Wochen daran herum. Dauernd muss sie die Position wechseln: Sitzen, stehen, liegen. Die Prognose des Arztes: Sie wird noch lange „Freude“ daran haben. Und dann mault sie: „Dabei ist kein Wirbel gebrochen, kein Knochen, nichts! Die Muskeln hat´s wohl an der Stelle zerlegt. Das kann doch nicht wahr sein, sich dafür so anzustellen!“ Tja, sie ist ungeduldig. Das kann ich so gut verstehen. Und sie will wieder zum Sport. Ääääh, gut, das kann ich nicht so gut verstehen. Aber mal Scherz beiseite: Schmerzen machen einen mürbe. Ich hoffe, sie kommt bald wieder auf die Strümpfe. Sie ist auch zu jung für ständiges Schmerzmittel Nehmen.

Und dann rede ich mit meinem Betriebsrats-Spezl. Er hat eigentlich noch Urlaub, aber skypt dennoch mit mir. Ich frage, wie es ihm gehe? Da legt er auch schon los: Ein guter Bekannter von ihm ist am Wochenende verstorben – Mitte 50. Hirnhautentzündung, Krankenhaus, zweieinhalb Wochen, das war´s. Von seinem Freund sind die Eltern innerhalb von drei Tagen kurz vor Weihnachten verstorben. Und dann berichtet er von einem Mitarbeiter unserer Firma, der an Corona verstorben sei. Als er den Namen nennt, haut´s mich komplett um. Ich bin geschockt! Er war ein knurriger Kerl, der eine Wahnsinnskompetenz an den Tag gelegt hat. Keiner kannte sich mit dem Maschinen in seinem Bereich so aus, wie er. In den letzten beiden Jahren habe ich sein Team bei einem Einführungsprozess begleitet. Ich höre ihn noch sagen: „Des Problem is, die junge Leit wärn heit net mära richtig ausbildät. Ois is zackzack, oba des geht net zackzack. Des braucht Zeit, die mia nimma homm diafe.“ Recht hatte er. Geändert hat´s dennoch nichts.
Wir haben immer miteinander gefrötzelt. Sprüche, wie: „Für a´hn Preiss bist scho in Ordnung!“, habe ich mir häufiger anhören dürfen. Im Sommer 2020 habe ich ihn an einer Eisdiele getroffen. Wir haben uns noch versprochen, gemeinsam mal ein Eis zu essen, wenn dieser ganze Corona-Wahnsinn vorüber sei. In jedem Meeting, in dem wir beide waren, haben wir uns gegenseitig daran erinnert – zuletzt im November 2021. Das geht jetzt nicht mehr… Es erschüttert mich einfach. Man hört von Todesfällen, keine Frage. Aber es ist immer was anderes, wenn man einen kennt.
Als mein Spezl davon berichtet, frage ich noch: „War er denn geimpft?“ Saublöd, oder? Es ging mir auch nicht darum, ihn zu verurteilen, wäre er es nicht gewesen. Mein Spezl sagt nur: „I hob koa Ahnung net, oba is des net scheißwurscht?“ Recht hat er. Ich habe es anders gemeint, das weiß er auch. Und trotzdem ist die Frage überflüssig. Ich konnte es einfach nicht fassen und wollte nach einer Erklärung suchen. Doch was würde die helfen? Ob er nun geimpft war oder nicht, ist vollkommen einerlei. Er ist nicht mehr da, was ich schrecklich traurig finde.

Gestern war ich ja noch mit meiner Kollegin unterwegs, was sehr schön war. Doch auch wir haben über Corona gesprochen. Wie kann man das in diesen Tagen auch ausblenden? Welche Folgen werden da noch auf uns zukommen? Mich hat nachdenklich gemacht, als sie meinte: „Kanntest Du mit fünf Jahren das Wort ´Quarantäne`? Ich nicht. Hatten wir Angst, Oma und Opa könnten sterben, wenn wir sie umarmen? Ich nicht.“ Und das stimmt. Ich stelle nicht die Maßnahmen infrage (ok, manche schon…vor allem, dass es keine einheitlichen Regelungen innerhalb Deutschlands gibt). Ich stelle lediglich mit Entsetzen fest, wieviel sich so radikal verändert hat. Mir geht es immer noch gut, keine Frage. Und doch beschäftigen mich manchmal solche Gedanken, wie sich das alles noch entwickeln wird und wie wir alle auch geistig/psychisch gesund durch die Zeit kommen können? Leichtigkeit ist wichtig, auch wenn das Leben nicht immer noch leicht sein kann. Doch diese blöden, grauen Wolken über uns schlagen dann doch hin und wieder aufs Gemüt. Ich bin froh, dass es mir gut geht…aber ich sorge mich um alle, denen es nicht gut geht. Nicht die Keifer und Hasser, die sind mir wurscht. Aber all die anderen, die Angst haben, nicht wissen, wie ihre Zukunft aussehen kann, die alleine sind und/oder überfordert – mit Kindern, mit ihren Ängsten…mit allem Möglichen. Ich hoffe, dass Beziehungen tragfähig genug sind, diese Zeit zu überstehen. Denn wir Menschen brauchen einander. Das war immer so und wird auch so bleiben. Hoffentlich sehen das wieder mehr Leute ein. Alles andere frisst unnötig Energie.

gute 132.000 Abweichung sind doch nix, oder?

Oh je…wisst Ihr, was schlimm ist? Wenn man ´ne dumme Nuss ist. Ich sag ja immer, ich mag dieses Kümmern um administrative Sachen nicht. Also Sachen, wie Versicherungen, Bankgeschichten, Vertragsangelegenheiten jeglicher Art. Ich denke immer, ich mache irgendwas falsch. Und dann ist plötzlich meinetwegen das Internet gelöscht. Oder der Mond pulverisiert. Oder was weiß ich, was ich sonst noch mit meinem Unvermögen eliminiere. Doch es hilft ja nicht, ich muss da durch.
Im Briefkasten lag dann auch tatsächlich die Unterlage von meinem neuen Stromversorger. Der Abschlag sah anders aus als das, was im Internet gezeigt wurde. Da soll doch mal einer durchsteigen! Und schon steigt mein Panikpegel, garantiert was falsch zu machen. Richtig, was passiert dann nämlich, wenn man sich das hübsch einredet? Ich mache es wirklich falsch.
Zunächst einmal lese ich mir die Seiten durch und merke rasch, wie es in meinem Kopf nur rauscht, ich gedanklich Richtung Karibik abschweife und mich hin- und herwiegen lasse in meiner Hängematte – dabei sitze ich auf meinem Esszimmerstuhl und habe NICHTS getrunken, geraucht, eingeschmissen etc. Ich scanne den QR-Code ein, um meinen Zählerstand (die Keifkuh bzw. ihr Mann haben Wort gehalten) einzutippern. So weit, so einfach. Dann zeigt mir das Programm an, dass es zu einem deutlich höheren Verbrauch gekommen sei! Hä? Dabei war ich den ganzen Dezember über nicht mal in der Bude. Außer der Kühl-Gefrierkombi habe ich alles andere vom Netz genommen. Und potzblitz, kommt auch schon mein kleiner, tasmanischer Teufel in mir ans Licht. Gift und Galle spuckend, schimpfend und zeternd mit Worten, wie: „Die wollen mich ja nur abzocken! Kriminelle Machenschaften! Ihr Verbrecher! Ihr Halsabschneider! So nicht! Nicht mit mir!“ Grummel, grummel, grummel. Die Schimpfworttirade lasse ich wohlweislich weg, weil Worte, wie „Arschloch, Pillemannsacksau“ und so, gehören hier ja nicht hin. Ich wähle die Nummer der Stadtwerke…und nichts passiert. Klar, die werden einen riesigen Ansturm haben, weil ja etliche Kündigungen von Stromanbietern in den letzten Tagen rausgehauen worden sind. Trotzdem meckere ich vor mich hin.
Und so steige ich einfach mal in den Fahrstuhl hinab in den Keller – in der Hoffnung, dass die Keifkuh bzw. ihr Mann noch nicht zum Abschließen gekommen sind (was ich jedoch sehr bezweifle). Die Fahrstuhltür öffnet sich, während ich noch mal die Zahl im Handy, die ich notiert hatte, checke. Oh…oooooh…ääääh…naja. Die Fahrstuhltür schließt sich wieder. Ich drücke das Knöpfchen von meiner Etage. Da habe ich mich mal eben nur ganz leicht vertan. Statt 14.671,6 habe ich 146.716 eingegeben. Na, das ist ja nur eine kleine, unbedeutende, verschwindend geringe Abweichung. Ich Vollhorst!!! (Hier geht eine Entschuldigung raus an alle Horsts dieser Welt!)
Nun versucht mal, einen eingegebenen Zählerstand noch mal zu verändern. Fehlanzeige. Ich rufe noch mal an anderer Stelle bei den Stadtwerken an und erreiche eine wirklich nette Dame, die mir erklärt, dass eine Änderung der Daten meinerseits tatsächlich nicht mehr möglich sei. Kurz frage ich mich, ob ich wirklich die einzig dumme Nuss dieser Welt sein dürfte? Es muss doch auch noch anderen passieren, dass sie eine falsche Zahl raushauen, oder? Doch da antwortet die Dame auch schon superfreundlich: „Aber ich kann die Änderung gerne für Sie vornehmen.“ Nett. Wirklich! Zwei weitere Fragen kann sie nicht beantworten (wie die Laufzeiten seien? Ob ich online das SEPA-Mandat erteilen könnte?). Sie würde versuchen, mich weiterzuverbinden an die Fachstelle, aber da sei derzeit die Hölle los. Diese Kündigungswelle habe sie alle eiskalt erwischt.
Das beruhigt mich dann ja doch irgendwie. Ich denke normalerweise, ich sei die Einzige, die solche Entwicklungen nicht hat kommen sehen. Da niemand ans Telefon geht, begebe ich mich auf Kack24…äh….Check, natürlich. Ob Verivox oder Check24 – es ist einerlei. Die Angebote sind überall dieselben. Viele Anbieter haben noch gar keine neuen Tarife eingestellt, was so wohl auch neu sein dürfte. Mein Abschlag bei den Stadtwerken ist teurer als bei anderen Anbietern. Klar, die geben da auch erstmal nur Netto-Preise an. Da ich immer noch unsicher bin, wähle ich die Durchwahl der Fachabteilung und komme dieses Mal durch. Und wieder habe ich einen supernetten Menschen am Telefon. Ich erkläre ihm mein Problem und er mir seins: „Wissen Sie, bei uns ist es teurer, weil wir damit nicht gerechnet und entsprechend weniger bestellt haben. Durch das Nachordern wird´s jetzt erstmal viel teurer. Wir werden hier gerade erschlagen mit Anfragen, müssen alles umorganisieren und neu ordern. Nehmen Sie den anderen Anbieter. Im Moment weiß keiner, wie es wirklich weitergeht.“ Wow. Das nenne ich mal ehrlich. Er ist richtig freundlich und erklärt mir, so was in all seinen Jahren auch noch nie erlebt zu haben. Tja, manchmal erwischt man echte Keifkühe und manchmal gleich zwei nette Menschen hintereinander.
Ich gebe den neuen Auftrag ein und harre nun mal der Dinge, die da kommen werden. Das Jahr startet also so, wie ich es mir gewünscht habe: Gut.

Auch der erste Arbeitstag liegt hinter mir. Zugegeben: Ich war heute Morgen Null motiviert, meinen Hintern aus dem Bett zu räkeln. Und nach dem x-ten Update konnte ich nur noch mit dem Kopf schütteln. Doch alles in allem war es recht unspektakulär. Ein paar Sachen konnte ich abarbeiten, doch der Einstieg heute war eher chillig. Das ist in Bayern, glaube ich, recht normal. In der ersten Januarwoche arbeiten die Allerwenigsten. Mir passt das gut, weil ich dann alle angefallenen Mails checken kann. Ich fühle mich dabei, wie die Vögelchen bei Aschenputtel: „Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen.“ Oder eben bei mir: Die guten Mails weiterbearbeiten, die überflüssigen hübsch in den Papierkorb. Und so schalte ich dann heute zumindest mit bereinigtem Postfach, neuen Updates und guter Laune den Laptop aus. Gleich geht´s noch spontan zum Essen mit meiner Kollegin. Herz, was willst Du mehr? Gerade nichts…ist das nicht schön? Aber fragt mich nächste Woche noch mal…hihi.

Frohes Neues – trotz Keifkuh

Nach vielen Tagen trister Wolkendecke, ist es nun endlich schön. Gut, es wirkt eher wie Frühling, wenn ich mir die Temperaturen so anschaue, aber zumindest ist der Himmel klar. Das ist doch schon mal was! Das triste Grau in Grau ging ja wohl nahezu jedem aufs Gemüt. Umso mehr begrüße ich die Sonne und setze mich gleich auf meinen Balkon. Die Sonne hat schon Kraft und spendet einiges an Energie, die ich für den Jahresstart gut nutzen kann. Also werde ich ihr gleich ins Gesicht lachen und hoffe auf die gleiche Reaktion ihrerseits.

Zum Ende des Jahres kam noch eine nette Überraschung, die ich wohl mit einigen Menschen teile: Die Kündigung des Stromanbieters. Da freut man sich doch, oder? Einfach so. Am 29.12. habe ich eine Mail erhalten, dass sie meinen Stromvertrag zum 21.12. kündigen würden. Ääääääh? Acht Tage später kriege ich erst die Info??? Sie sähen sich leider gezwungen, allen Stromkunden die Kündigung zukommen zu lassen.
Ich weiß, die Strom- und Gaspreise schießen ins Unermessliche, weshalb manche Anbieter die Grätsche machen. Was ich nicht verstehe: Wie kann Deutschland Nacht für Nacht überschüssigen Strom kostenlos an Österreich abgeben? (Das wollte ich anfänglich nicht glauben…) Angeblich können wir überschüssigen Strom nicht bevorraten. Hä? Nun bin ich kein Physiker – oder was man dafür sein muss – aber ich frage mich: Wieso können andere Länder das und wir mal wieder nicht? Wieso ist der Strom in Deutschland mit Abstand der teuerste im EU-Vergleich? Grüne Energie wird teuer, klar. Aber wieso müssen wir dann grüne Energie verschenken?
Ich mache mich derweil schlau, wie die Preise denn bei anderen Anbietern sind, denn ich bin ich ja nun automatisch bei den ortsansässigen Stadtwerken gemeldet. Ein Service, der automatisch vonstatten geht. Ist das nicht herrlich? Nö, nicht, wenn es nahezu das Dreifache meines bisherigen Abschlags kostet. Doch alles ist prächtig, denn die anderen Anbieter haben auch nett aufgeholt, weshalb ich im Preisvergleich die günstigsten Anbieter bei einer doppelt so hohen Prämie wie bislang entdecken kann. Und das Beste daran: Vorläufig sollen wir nicht in die Arbeit fahren, sondern im Home Office arbeiten. Klar, dadurch spare ich mir den überteuerten Sprit! Die Ersparnis stecke ich gerne komplett in meine Stromrechnung. Klingt nach Mecker-Mecker? Ich weiß. Aber es nervt mich gerade schon an. Und dabei weiß ich, dass es mir echt noch gut geht. Singles oder Familien am Existenzminimum ergeht es damit deutlich schlimmer. Und ja, ich weiß, dass sich einiges ändern muss und wir nicht einfach so weitermachen können. Die Ironie ist jedoch für mich: Wir kaufen künftig Atomstrom aus dem Ausland, weil wir unsere Werke abstellen – obwohl man mittlerweile weiß, dass die CO2-Bilanz dadurch gar nicht verschlechtert wird. Noch mal: Ich bin kein Naturwissenschaftler. Doch bei einigen Entscheidern bin ich mir sicher, dass sie es auch nicht sind. Jetzt kann man sagen, sie werden schlecht beraten. Aber Himmelherrgottsakrament: Die bekommen Geld dafür, dass sie sich die richtigen Berater suchen, sich selbst schlau machen und weise entscheiden. Wenn ich in meinem Job solche Fehlentscheidungen treffen würde, dürfte ich mein Köfferchen packen. Und nein, damit meine ich nicht nur die neue Regierung. Auch die alte hat Fehler gemacht. Ich beklage den Realitätsverlust vieler. Und ja doch, ich weiß auch, dass ich den Job nicht selbst machen wollen würde. Ich habe mir was anderes ausgesucht. Das hätten Politiker, die der Aufgabe nicht gewachsen sind, auch machen können.
Die gestiegenen Kosten sind das Eine. Was mich wohl mehr nervt, ist die Tatsache, sich mal wieder kümmern zu müssen. Auf so was habe ich nämlich keinen Bock. Eigens dafür muss bei uns nämlich ein Raum aufgeschlossen werden, in dem die Zählerkästen stehen. Und der Hausi, der für die Anlage zuständig ist, ist nicht immer vor Ort. Wenn man ihn anruft, ist es wie beim Russisch Roulette: Entweder er geht ran oder seine Frau. Er ist ganz nett, versteht einen auf Anhieb allerdings nicht immer. Sie ist….ääääh…wie drücke ich es diplomatisch aus? Zickig, herrisch und dauergenervt. Dabei ist ein Hausmeisterposten nun mal davon gezeichnet, dass er sich um Angelegenheiten in der Anlage kümmern muss. Daher hängt auch seine Nummer im Eingangsbereich auf. Ich rufe ihn also an und frage ihn, wann er vor Ort sei, da ich an den Stromzähler müsste, weil der Anbieter allen Kunden gekündigt hätte. Mmmmh, er sei morgen voraussichtlich vor Ort. Ich frage, ob er die Tür bis zum Folgetag offenstehen lassen könnte, da ich nicht wüsste, ob ich da sei? Er spricht – wie mir dann klar wird – über die Freisprecheinrichtung, denn schon keift seine Frau ins Rohr: „Jetzt muss ich mich aber auch mal einmischen! Mein Mann sagt doch gerade, dass er morgen da sei!!!“ Zählen…bis 20…das geht vorbei. Ich hole Luft und sage: „Richtig. Und das finde ich auch ganz toll. Ich frage nur, ob die Tür noch einen weiteren Tag unabgeschlossen bleiben darf, damit ich den Zählerstand auf jeden Fall ablesen kann?!“ Sie – wieder schnippisch: „Ja, warum denn nicht?!“ Alter, weil die Tür immer abgeschlossen ist, denn sonst müsste ich blöde Nuss ja kaum anrufen, oder? Doch ich bleibe höflich, erinnere mich meiner Erziehung und entgegne: „Na prima! Dann passt das ja. Einen guten Rutsch wünsche ich Ihnen beiden!“ Sie: „Hä? Ach so! Ja. Auch so.“ Warum? Ernsthaft, das frage ich mich immer wieder. Warum sind so viele Menschen so angepisst und genervt? Ich rufe an einem stinknormalen Wochentag gegen 11 Uhr an. Es ist kein Feiertag (und selbst wenn, soll man ihn anrufen – laut Aushang). Ich frage freundlich nach, weil nur er einen Schlüssel zu dem Raum besitzt. Warum muss also diese dumme Keifkuh so pampig sein? Es gibt Momente, da denke ich wieder an meinen alten Kollegen und ziehe in Erwägung, solche Menschen mal auf links zu ziehen. Allein…was bringt es? Ich find´s nur unnötig, so angeraunzt zu werden…für nichts!

Mein Geburtstag kommt und geht. Dabei stelle ich mal wieder fest, wie egal mir mittlerweile Geburtstage sind. Früher war ich wahnsinnig aufgeregt und konnte den Tag kaum erwarten. Das Feuerwerk war ja nur für mich! Davon war ich echt lange überzeugt, ich egozentrisches Scheißerchen. Heute verpenne ich die Silvesternacht gerne. Es gibt mir irgendwie nichts mehr. Ich habe keine Krise. 45 Jahre sind nicht schlimm, tun nicht weh, gar nichts. Es ist nur eine weitere belanglose Zahl für mich, obwohl ich dankbar bin, schon so lange gesund leben zu dürfen. Und so schlafe ich ins neue Jahr. Mir geht´s gut – trotz Keifkuh-Intermezzo und Stromanbieter-Kündigung. Das Jahr wird gut. Es wird wieder Herausforderungen im Gepäck haben und gleichzeitig tolle neue Menschen auf den Weg schicken, die meinen kreuzen werden. Darauf freue ich mich. Und auf manche schöne Stunde mit meinen Lieben…oder auf Momente, die mich erst verzweifeln und dann wachsen lassen…auf manche Tränchen, die wir gemeinsam vergießen – aus Trauer, aber auch aus Freude. Man, wird das ein geniales Jahr! Seid Ihr dabei?

Aussicht auf bunte Abenteuer

Heute bin ich müde. Aber in allererster Linie bin ich dankbar. Wofür? Da gibt es einiges. Gerade im Moment überwiegt allerdings die Tatsache, mal wieder heil Zuhause angekommen zu sein. 650 Kilometer reiße ich nicht mal mehr eben so ab. In meinem vorherigen Job hatte ich viel mehr Reisetätigkeit, weshalb ich an ein Leben auf Deutschlands Straßen gewöhnt war. Mittlerweile ist es anders: Ich fahre nur noch kurze Strecken und bin entsprechend platt, wenn ich längere Wege hinter mich bringen muss. Da denke ich doch wieder an Mr. Spock und hänge erneut der Frage nach: Wann kriegen die das endlich mal mit dem Beamen auf die Reihe??? Gestern war ich auf dem Heimweg noch eine Freundin besuchen. Ich habe ihr mitgeteilt, dass ich mich auf die autonom fahrenden Autos freuen würde. Sie hat erstmal gelacht, aber ich meinte es ernst. Wie genial ist das denn bitte, wenn ich mich in ein Auto setze, zwei bis drei Knöpfe drücke und dann gefahren werde? Bei den zig Baustellen und engeren Passagen auf den Autobahnen geht mir schon manches Mal die Lust am Fahren verloren. Oder wenn es regnet, wie die letzte Stunde gestern. Dabei ist es dann auch noch dunkel gewesen. Das mag ich ja so gar nicht. Ich bin schlicht und ergreifend alt. Das wird´s sein. Fahrt Ihr noch gerne weite Strecken und das dann auch im Dunkeln und im Regen? Wenn ja, dann bin eben nur ich schrullig. Damit kann ich auch leben.

So schön es bei der Familie auch immer ist: Wenn ich bei mir zur Tür reinkomme, geht´s mir gut. Heimweh habe ich nie gekannt. Ich habe eine Cousine, die schon früher geheult hat, als es nur für drei Tage nach Aachen ging. Wir reden hier von einer lahmen Messdienerfahrt (ja, auch so was habe ich gemacht). Ich war dann immer bis zum Äußersten gespannt, habe mich gefreut, Zuhause mal rauszukommen, die Nächte durchzumachen und andere Leute zu sehen. Meine Cousine hat schon beim Besteigen des Busses geflennt. Alter! So unterschiedlich können Menschen sein.
Ihre Schwester wohnt heute in Amerika und war über Weihnachten nach zwei Jahren das erste Mal wieder hier. Ich bemerke dann immer die Fassungslosigkeit, wie man sooooo weit wegziehen kann. Dagegen finde ich das cool und aufregend.
Aber zurück zum bei mir nicht vorhandenen Heimweh. Wir waren damals drei Tage weg von Zuhause, was gerade mal 45 Minuten per Auto entfernt war. Wir haben da auch nie wirklich krasse Sachen unternommen. Es war alles harmlos. Außer einmal, als wir eine Geisterbeschwörung abhalten wollten. Da war meine Cousine natürlich auch nicht dabei. Die wirklich harten Sachen (hahahaha) hätte sie nie durchgehalten. Geister haben wir allerdings trotzdem nicht zu Gesicht bekommen. Schade eigentlich. Dabei finde ich Gruselgeschichten am Lagerfeuer immer das Beste.
So habe ich früher ja auch Aktenzeichen XY immer gerne geschaut. Meine Mom wollte das nicht, also habe ich das heimlich gemacht. Ich habe so ziemlich jeden Horror- und Psychostreifen gesehen, der angesagt war, als ich zwischen 11 und 16 Jahre alt war. Von 11 bis 14 war ich freitags immer allein Zuhause, weil meine Sis damals in den Chor eingetreten ist. Da durfte (ich hingegen musste) man erst ab 14 Jahren rein. Das hieß also drei volle Jahre freitagsabends schauen, was ich wollte. Ein Klassenkamerad hat mir damals VHS-Kassetten (für die ganz Jungen unter uns: Das waren die Vorgänger der DVDs) übers Wochenende ausgeliehen. Da war alles dabei: Freitag, der 13., Nightmare on Elmstreet, Das Schweigen der Lämmer, Knight Moves, Poltergeist usw. Hinzu kam noch eine Freundin, deren Mutter die Woche über immer allein mit den Kindern war. Sie hatte keine Lust auf Kinderbeschäftigung und hat uns alle Videos ausgeliehen, die wir sehen wollten. Krass, wenn ich da heute so drüber nachdenke. Damals war das voll cool. Im Leben hätte ich das nicht Zuhause erzählt, denn dann hätte ich meine beste Freundin nicht mehr besuchen dürfen. Wir haben echt den letzten Schund geschaut, aber es war eine tolle Zeit. Gemeinsames Gruseln war einfach das Beste. Heute haben Horrorfilme ihren Reiz für mich verloren, aber Psychothriller liebe ich nach wie vor. Da bin ich so völlig anders als meine Sis.

Und so geht dieses Jahr nun zuende. Was war das spannend, oder?! Nervig…herausfordernd…bunt… erfolgreich…ereignisreich…traurig…verrückt…wild…schön. Es war von allem was dabei. Mir hat´s gefallen, auch wenn ich mich zeitweise selbst überfordert habe und die Achterbahnfahrt erschöpfend war. Es war gut, wie es war. Und jetzt freue ich mich auf das nächste Jahr und was dieses so im Gepäck hat. Zum Abschluss hatte ich noch meine Urkunde für den HP Psych in der Post. Eigentlich müsste ich darauf anstoßen…uneigentlich auch. Naja, ich habe noch Walnusslikör meiner Sis eingepackt. Mal schauen, wann ich das mache?
Ich wünsche Euch einen ruhigen Abschluss des Jahres – oder eben einen wilden, je nachdem, wie Ihr es Euch wünscht. Schaut zurück und betrachtet all die positiven Dinge, die sich ereignet haben. Und dann nehmt Schwung, um diesen Optimismus mit ins neue Jahr zu tragen. Da warten weitere Abenteuer auf uns alle. Wir müssen sie nur zulassen. In diesem Sinne: Auf bunte Abenteuer!

Rotweinsoße ganz in Ruhe

Ho ho ho, es weihnachtet. Wie geht´s Euch damit? Für mich fühlt´s sich gar nicht so anders an. Früher war nicht nur mehr Lametta. Früher war Weihnachten meist hektischer für mich. Ja, auch feierlicher. Doch oft auch einfach nur Hetze. Es gab die Kinderzeit, in der ich Weihnachten grandios fand. Dann gab es die Jugendzeit, in der Weihnachten noch ganz ok, aber schon auch ein wenig nervig war. Danach gab es die Zeit, in der ich in meiner ersten eigenen Wohnung gelebt habe. Das war aufregend…und anstrengend. Ich habe in einem Porzellanladen bis ca. 14 Uhr noch Geschenke eingepackt – meist für Männer, die auf der letzten Rille ankamen und „noch irgendwas für meine Frau“ brauchten. Was, wussten sie in der Regel nicht. Da wurden dann auch so unnütze Dinge, wie Marmeladenpräsentierschälchen verkauft. Das waren kleine Schälchen mit einem Deckel, der aber über eine Aussparung für den Plastiklöffel verfügte. Braucht wirklich niemand. Trotzdem wurde es regelmäßig verschenkt. Dann ging es ab nach Hause, wo ich auch alle Geschenke für die Familie einpacken durfte. Ich hatte gar keine Lust mehr, wenn ich nur Geschenkpapier zu Gesicht bekam. Dann zu meinen Eltern zur Bescherung, anschließend zur Messe, zu meiner Omma und dann noch zu den Eltern meines damaligen Freundes. Am ersten Weihnachtstag wurde dann bei den Eltern unserer Partner gegessen, Kaffee und Abendbrot meist bei uns. Am zweiten Weihnachtstag haben wir bei meinen Eltern gegessen und waren nachmittags bei meiner Schwester und der Schwester meines Freundes. Es war irgendwie alles durchgetaktet. Wie sollte da Besinnlichkeit oder ähnliches aufkommen?
Erst als ich nach Aachen gezogen bin, wurde Weihnachten cool. Nachmittags war Familienzeit angesagt, am frühen Abend dann wieder das Haus meiner Omma aufgesucht, auch wenn diese mittlerweile verstorben war. Es war Tradition, dass nahezu alle Familien (bei 13 Kindern eine ganze Schar) dort einfielen. Ihr könnt Euch vielleicht den Geräuschpegel vorstellen? Schlimm…aber auch witzig. Irgendeiner hatte da immer ´nen Knall. Danach sind wir dann zu dritt oder zu viert zu mir in meine 35 qm Bude gefahren und noch in Aachen ausgegangen. Nur um dann zu viert in meinem 1,20er-Bett zu schlafen. Das klingt völlig verrückt, aber war eine verdammt coole Zeit. Einmal bin ich sogar aus dem Bett gefallen und hatte schon befürchtet, dass die anderen Zeugen meines Stunts geworden waren. Sie hatten aber alle noch die Augen geschlossen. Und so habe ich mich leise vom Boden gepflückt, als einer meiner Cousins ein Auge geöffnet und mir zugeflüstert hat: „Du bist ja eine akrobatische Elfe“, woraufhin dann alle losgeprustet haben. Tja…das Gute an Familie: Man ist nie allein. Das Schlechte: Man ist nie allein. Lustig war es aber schon.
Als dann die Jungs meiner Sis auf der Welt waren, war Weihnachten so richtig besonders. Diese Zeit war phantastisch. Die Aufregung, die Kinder zu Weihnachten an den Tag legen, ist nicht zu toppen. Dieser absolute, bedinungslose Glaube an das Christkind…puh, da war ich manches Mal gerührt. Trotzdem war es im Vorfeld immer anstrengend, alle Geschenke zu besorgen, sich zu jedem Gedanken zu machen und auch alles zu transportieren. Zu der Zeit hatte ich kein eigenes Auto und musste alles mit dem Zug regeln. Ich habe das Zeug meist etappenweise mitgeschleppt. Den letzten Schwung habe ich dann noch mit meinem Cousin nach Hause gefahren. Er hatte ein Auto, ich war die, die in der Regel nüchtern war. Win-Win-Situation also. Ach, die gute, alte Zeit…die gut war und doch auch fordernd.
Heute? Da sieht das anders aus. Ich habe keine Verpflichtungen mehr zu Weihnachten. Die Jungs sind groß, und sicherlich vermisse ich die glänzenden, strahlenden Augen. Nur muss ich einfach nichts mehr. Während meine Sis nach wie vor mit der Familie ihre Anlaufstellen abklappern muss, koche ich derweil für morgen vor. Heute habe ich mich mal an eine Rotweinsoße herangetraut, die es morgen zu den Steaks geben wird. Und ja, ich habe – wie wohl alle von uns – gelernt, sich nicht selbst zu loben. Aber verdammte Axt, die Soße schmeckt mal so richtig gut. Es entspannt mich, wenn ich meine Ruhe in der Küche habe und dort schalten und walten kann, wie es mir passt. Da bin ich heute nicht mal zum Fernsehen gekommen. Dabei laufen an Heiligabend immer die ganzen alten Schnulzen, von denen ich irgendwie nie zu viel bekommen kann.
Es ist also ruhig… Ob es besinnlich ist, wage ich mal nicht zu bewerten. Es ist einfach ein für mich ganz normaler Tag. Vielleicht, wenn die Jungs selber mal Kinder haben und ich das noch mitbekommen werde, wird Weihnachten noch mal aufregend und großartig. So ist es nett, aber mehr auch nicht. Und was treibt Ihr so? Egal, wo Ihr seid und was Ihr macht: Habt Spaß, sorgt gut für Euch, und genießt die hoffentlich ruhige Zeit.

Mode-Frettchen und anderer Firlefanz

Ich werd so alt, wie eine Kuh und lerne trotzdem nichts dazu. Ja doch, der Spruch geht anders. Mir doch egal. Gerade passt er so einfach besser. Und da ich ein Mädchen bin (und es bleiben möchte bei allen Wiedergeburten – allen Vorschlägen zum Trotz), darf ich mir die Welt auch so hinbiegen, wie ich sie gerne hätte. Dazu habe ich gestern einen tollen Spruch gelesen:

„Gott hat Frauen erschaffen, um Männer in den Wahnsinn zu treiben!“

Da ist was Wahres dran. Und ehrlich? Das feier ich auch noch! Warum auch nicht? Ein Mann hat das dann allerdings noch gesteigert, indem er Folgendes zitiert hat:

„Männer sind imstande, stundenlang über ein Thema zu reden.
Frauen brauchen dazu gar kein Thema.“ (Curt Goetz)

Ist das nicht mal treffend und genial klar? Ich fühle mich mit beiden Sätzen pudelwohl und rundum verstanden. Man könnte sie durchaus noch erweitern, keine Frage. Aber die Grundlage ist für mich schon ziemlich perfekt. Während Männer wirklich über ein Thema fachsimpeln können, darf es bei uns ruhig ein bunter Blumenstrauß sein. Wenn ich manche Gespräche dann im Rückblick noch mal durchgehe, wundere ich mich, welchen Weg wir im Verlauf genommen haben, um zu solchen Abstechern in völlig andere Gefilde imstande gewesen zu sein. Ja, der Satz ist nicht ganz einfach, ich weiß. Welcome to my brain. Das ist ohnehin so ein Phänomen. Meine Synapsen sind, so vermute ich jedenfalls, etwas anders verschaltet, als das bei „normalen“ Menschen der Fall ist. Ich springe inhaltlich bei kleinsten Stichworten. Wenn meine Sis mich dann verständnislos anschaut, erkläre ich ihr schon mal den Weg, wie ich von einem Höcksken auf ein völlig anderes Stöcksken gekommen bin. Es bringt mir zwar manches Mal ein: „Du bist echt so was von bescheuert ein“, aber zumindest kann mein Gegenüber dann nachvollziehen, welchen bescheuerten Weg ich gedanklich gegangen bin.
Das ist eben so ein Spleen von mir, den ich auch beruflich gerne anwende. Ich versuche immer, neu Erlerntes auf den Alltagskontext anzuwenden. Das fehlt mir selbst bei so vielen Menschen. Sie sind belesen, können Hinz und Kunz, Jan und Pitt zitieren. Sie können es nur nicht adressatengerecht kommunizieren. Dann ist es doch völlig witzlos. Transfer können so viele irgendwie nicht…das wundert mich dann schon. Was bringen mir die besten theoretischen Ansätze, wenn ich sie nicht in den Arbeitsalltag übersetzen kann? Meine Vorgehensweise ist dann in der Regel so: „Wie würdest Du es einem dummen Menschen, der keine Ahnung von der Materie hat, erklären, damit er es versteht – also Dir selbst?!“ Das kann ich meist recht gut. Ich bediene mich aus unterschiedlichsten Methoden und setze es in einen anderen Kontext. Da wird fast immer ein Schuh draus. Nicht wirklich, sondern als Metapher zu verstehen. Wobei…wenn ich mir meine Schuhschränke so ansehe…puh! Da ist was los! Seht Ihr? Und so kommen meine wirren Gedanken zustande. Versucht, das mal zu toppen! 🙂

Zurück zu meinem Lernfeld, das ich niemals lösen werde: Mein kleiner Neffe (immer noch Größte im Haus) ist so ein Mode-Frettchen. Ein Begriff, den ich von Guido Maria Kretschmer übernommen habe, weil er einfach grandios ist. Er hat mich – mal wieder – auf eine Aktion angesetzt. Irgendein scheiß Label (ich glaube, es ist nicht erwünscht, hier Nike zu schreiben, oder?) launcht einen Schuh. Er sieht für mich aus, wie andere Turnschuhe eben auch aussehen. Aber nein! Ihm wohnt ein ganz besonderer Zauber inne. Welcher? Ja, watt weiß ich?!?! Mir erschließt sich dieser Hype nicht. Hatte ich aber schon mal geschrieben, meine ich. Ich laufe doch nicht noch Werbung für solche Affen und zahle dafür teures Geld! Nee, nee. Doch ich bin ja auch keine 17 mehr. Cool muss ich auch nicht mehr sein. Der Zug ist so was von abgefahren. Allein mein Alter macht mich ja schon uncool – geschweige denn, mein Verhalten. Aber ich kann gut peinlich sein. Immerhin etwas.
Jedenfalls habe ich meinem Neffen schon beim letzten, vorletzten und vorvorletzten Mal gesagt, ich würde das nicht mehr auspobieren. Der Fehler liegt klar auf der Hand, oder? Richtig, meine Inkonsequenz. Irgendwie ist der Ehrgeiz ja geweckt, solche kack Treter endlich mal zu schießen. Aber Matsch am Paddel. Du musst die Internetseite immer wieder aktualisieren, damit Du den Launch nicht verpasst. Dann wird der Rotz freigeschaltet, und dann musst Du ganz schnell sein. Doof nur, dass es dafür eigene Programme gibt, die das Schießen dieser Ware übernimmt, denn man kann die Schuhe nachher teuerer weiterverkaufen. Und ja, es gibt sie, diese Idioten, die das dann auch noch kaufen. Entsprechend kommt also die Meldung, dass die Seite auf einmal „down“ ist. Bin ich auch. Aber so was von down. Und gleichzeitig ist mein Puls bei gefühlten 280 im Schatten. Dann aktualisierst Du noch mal, rufst die Seite neu auf, schaffst es, einen Schritt weiterzukommen. Alle Zahlungsdaten sind eingegeben…ich wähne mich am Ziel! Doch dann kommt die Mitteilung, dass es nicht geklappt hat. Dabei sind die eingegebenen Daten einwandfrei. Die Zahlung ist auch von mir freigegeben über die Banking-App. Aber nö, weil wegen is nich. Hätte ich Geld, wie Heu, würde ich meinen Laptop zertrümmern, wie das einst Kurt Cobain mit seiner Gitarre gemacht hat. Ehrlich. Ich habe eine Stinkwut im Bauch. Und wofür? Für nix! Der Kleine verspricht mir, dass es das letzte Mal war und er auch keinen Nerv mehr darauf hätte. Dabei wissen wir beide, dass wir wieder einknicken – er und ich. Klar. Dabei sehen die Schuhe echt nur wie Schuhe aus. Nix Besonderes.
Ich merke mal wieder, wie alt ich doch bin. Damals mussten es bei mir ja auch diese dämlichen schwarzen Chucks sein. Die kosteteten immerhin auch 120 DM. Meine böse Oma hat die Welt nicht mehr verstanden. Da sie das aber auch sonst nie hat, war es mir egal. Und ja, es waren auch nur Stinkeschuhe, wie die anderen eben auch. Und doch waren es AllStars. Ich kann also verstehen, warum der Kleine so ein bisschen bekloppt ist. Allerdings war das wirklich auch die einzige Ausnahme. Danach und davor musste es nie klamottentechnisch so was sein. Als ich noch ein Kind war, musste ich dann aber doch den Knuffelbund-Papa haben. Der war türkis, aus Plastik (wonach er auch roch) und leuchtete im Dunkeln, wenn man auf seinen Rücken drückte. Mein Oppa, den ich über alles geliebt habe, hat sich immer über mich amüsiert, doch hier hat er mehrfach nachgefragt, ob es denn wirklich dieses hässliche Teil sein müsste? Musste es. Ich habe es lange in Ehren gehalten. Gestunken hat es trotzdem…und hässlich war es auch. Aber ich habe es zu Weihnachten von meinem Oppa bekommen. Das allein hat es unendlich wertvoll für mich gemacht. Ach ja, die gute, alte Zeit. Ob mein Neffe in 20, 30 Jahren auch noch an diese Aktionen denken wird? Sollte ich noch leben, werde ich ihn damit nerven und alle Rititis seiner Kinder befeuern. Huiiiiii, das wird ein Spaß!

ich bin zu alt für Fieber

Halleluja, es ist vollbracht. Ja, in der Tat, ich habe mich boostern lassen. Jeder, wie er mag. Und nein, ich will hier niemanden überzeugen. Nur berichten, wie es mir ergangen ist. Mich wundert es ja, wie unterschiedlich die Handhabung läuft. Mein Vater – so weiß ich es vom Hören-Sagen – muss bis Januar warten, bis seine Impfung aufgefrischt wird. Dabei ist seine letzte Impfung über sechs Monate her, und er ist sogenannter Risikopatient. Andere Praxen impfen, als gäbe es kein Morgen. Sie machen dies völlig unabhängig davon, ob man dort Patient ist oder nicht. Ich frage mich dann immer, wieso manche Praxen das so handhaben können und andere stöhnen, dass es nicht funktionieren kann? Komisch, oder? Und nein, das meine ich nicht ironisch. Ich frage mich das tatsächlich.
Eine meiner zahlreichen Cousinen hat mich spontan Montagmorgen besucht. In dem Zuge hat sie sich über den Hausarzt ihrer Mutter ausgelassen – der gleiche Hausarzt, bei dem auch meine Eltern sind. Ihre Mutter hat fünf Bypässe. Wenn sie nicht zu den Risikopatienten gehört…? Und so erfahre ich von dem anderen Arzt, der wohl am Fließband impft. Ohne Termin könne man da einfach so hinfahren, was ich Dienstagmorgen ausprobiere. Und es funktioniert in der Tat. Ich fülle den Anamnesebogen und die Einverständniserklärung aus und muss nur noch den Oberarm freimachen. So schnell und unkompliziert habe ich so was selten erlebt.
Bislang hatte ich nach keiner Impfung Nebenwirkungen. Nie. Weder bei Gelbfieber, noch bei Hepatitis, noch bei FSME. Alles gut, also bin ich auch jetzt bester Dinge. Bis es Abend wird und ich schon früher ins Bett krabbel´. Ich kann Euch sagen! Die Finger fühlen sich eiskalt an, der Rest fühlt sich verdammt heiß an – und nein, nicht im Sinne von sexy oder rattig! Natürlich beginne ich prompt zu schlottern. Ach manno! Das darf doch echt nicht wahr sein! Fieber ist in meinem Alter einfach kein Spaß mehr! Ist das anstrengend… An Schlaf ist so was von gar nicht zu denken. An Lesen leider auch nicht, weil mir Schädel und Augen zu weh tun. Ich schlottere und bibbere vor mich hin…und tu mir dabei ganz schön leid. Habt Ihr so was auch? Nenn ich gern „et ärm Deer“. Hilft nur alles nix, da muss man ja durch. Um drei Uhr wird es langsam besser. Da denke ich schon, es ist Zeit, aufzustehen. So ein kleines bisschen Delirium scheint es also nach wie vor zu sein. Schlafen kann ich wirklich nicht, also wälze ich mich durchs Bett und sehne den Morgen herbei. Die Gegenkur ist dann auch schnell klar: Nachdem ich den Kleinen zur Schule gebracht habe (er hat erst zur dritten Stunde…diese Schule ist einfach nur ein Sauhaufen, weil auf den Stundenplan nicht ein einziges Mal echt Verlass ist.), lege ich mich auf die Couch und schaue etwas fern. Da aber nur Trash-TV läuft, schließe ich die Augen und penne ein bisschen. Im Laufe des Tages bekomme ich dann so richtig schlechte Laune, weil ich so was nicht mag. Doch ich fühle mich nach wie vor schlappi. Allein die Aussicht auf morgen (also heute) und damit verbunden die Gewissheit, nach Holland zum Markt fahren zu können, lässt mich dann wieder fit werden. Na, immerhin.
Ich weiß, manch einer von Euch sehnt sich danach, mal einfach einen Tag auf der Couch rumzulümmeln. Bei all dem Stress derzeit kann ich das auch nur zu gut nachvollziehen. Nur wenn man sich zu platt für alles fühlt – sogar fürs Lesen – dann macht das keinen Spaß, kann ich Euch sagen. Entsprechend fühle ich mich jetzt erst entschädigt, nachdem wir zum Markt in Holland waren. Und die Moral von der Geschicht´? Nach Risiken und Nebenwirkungen, gönnt Euch was Gutes – immer! Ok…und sonst auch. 🙂