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bin doch ´n Kerzchen auffer Torte

Heute Morgen habe ich richtig Bock und freue mich auf den Tag. Es macht einfach Spaß, wenn es Spaß macht. Klingt komisch, is abba so. Natürlich checke ich früh morgens meine Mails, erledige Anrufe und Schnickischnacki, aber dann darf ich mich auch schon einwählen. Und ja, ich wähle bewusst das Wörtchen „darf“. Bei manchen Schulungen, Workshops oder ähnlichem, ist es durchaus bereichernd, daran teilnehmen zu dürfen. Das meine ich nicht nur in puncto „Konsum von Dialekten“, weil ich diese ja so liebe. Nö, es gibt einfach Themen, die sauspannend sind. Und Change Management gehört für mich eindeutig dazu.

Nachteile an den Online-Veranstaltungen sind ja aus meiner Sicht die hohe Ermüdbarkeit, fehlende Interaktion, reduziert zu sein auf bisweilen nur Ton und manches mehr. Ja, es wird immer auch ein Bild angezeigt, aber da sieht man häufig eine laufende Präsentation. In der Zeit nehme ich nicht den Referenten wahr, was mir schon auch immer sehr wichtig ist. Ich erlebe gerne, wie Leute etwas vortragen. Wenn man sich anschaut, was gute Schulungen ausmacht, ist die vermittelte Theorie häufig nur ein kleiner Prozentsatz. Es lebt vom Drumherum, aber vor allem auch an der Präsenz des Trainers. Ist er mir sympathisch, wird die Veranstaltung für mich eher ein Erfolg, als wenn ich denke: „Man, watt für´n Dööspaddel.“ Corona zeigt, dass wir manchmal nicht das bekommen, was wir wollen und trotzdem weitermachen müssen.
So zurückgeworfen auf das rein Auditive, denke ich darüber nach, was mich an dem einen Trainer so stört? Gestern auch schon. Inhaltlich ist er gut. Ich sehe ihn so gut wie nie, sondern starre nur auf ein paar gut ausgearbeitete Folien. Und der Überkritiker in mir, stellt äußerst glücklich fest: Es gibt nur einen Rechtschreibfehler in all den Unterlagen. Ist für mich wirklich wahnsinnig wichtig. Ich finde es nur wertschätzend, wenn sich jemand die Mühe macht, Unterlagen auch entsprechend aufzubereiten. Das also nervt mich nicht an dem älteren der beiden Referenten. Mein Hirn dreht Schleifen, bis ich drauf komme: Er spricht wie Bill Kaulitz. Nun ist mir das ehemals kreischende Kind von Tokio Hotel im Grunde einerlei. Mittlerweile finde ich ihn schon auch unterhaltsam und seine schrille, bunte Art auch voll ok. Nur nervt es mich, dass er die Zähne so schlecht auseinander bekommt. Er redet zwar, kriegt seinen Kiefer aber dennoch nicht so richtig entkrampft. Und genau das macht der Referent auch. Vermutlich wäre mir der Grund bei einer Präsenzveranstaltung verborgen geblieben, weil ich da mehr Sinne zur Verfügung gehabt hätte. Und ja, das ist in der Tat so was von Schisskojenno. Trotzdem finde ich es gut, wenn man analysieren kann, was einen da gerade so ankaast. Ich ertappe mich dabei, wie ich darauf hoffe, dass er gleich singt: „Renne durch den Monsun, hinter die Welt…“ Ich weiß, ich hab´ sie nicht mehr alle. Aber ehrlich jetzt? In meinem Kopp ist immer was los. Da ist selten keine Kirmes geboten. Und von diesem Herrn höre ich dann auch wieder, wie wichtig Humor gerade in der Veränderung sei. Na also, das muss ich zum Glück nicht mehr lernen. Das bringe ich seit frühstem Dasein mit…quasi fest in meiner DNA verwurzelt.
Der andere Referent ist mir irgendwie sympathischer. Das liegt daran, als er gestern zum Einstieg über die Kamera zu sehen war, in mir die Idee kam: „Mööönsch, der sieht ja aus wie mein Jugendfreund – nur in blond.“ Und ganz ehrlich? Es war nur eine kurze Episode in meinem Leben, aber der Junge war echt nett. Daher hat der Referent Pluspunkte. Aber auch die Art, wie er redet, wie er in den Austausch geht, ohne dabei aufgesetzt zu wirken, begeistert mich. Zwischendurch denke ich sogar darüber nach, wenn er mich abwerben würde, ob ich nicht in dieser Beraterfirma arbeiten wollte? Nur wird er mich das nicht fragen…und dann denke ich, das ist ja auch nicht so wirklich das, was ich will. Ich sag´ ja: Dauernd ist Kirmes in meinem Kopf.

Wichtigste Erkenntnis der anderthalb Tage: Ich habe doch eine Menge in meiner Firma gelernt. Da meckere und schimpfe ich ja oft, wie viel Verschwendung wir da in Teilen produzieren und glaube, nur meine private Fortbildung bringe mir neues Wissen…aber nö. Ich darf sogar Input zu einer Methode geben, der die Führungskräfte interessiert lauschen. Dabei verweise ich darauf, dass wir uns gerne vernetzen könnten, wenn sie noch Fragen hätten, was drei der Herren noch während des laufenden Abschnitts in die Tat umsetzen. Da bin ich dann doch ein bisschen stolz. Ist ja eigentlich nicht so meine Stärke, Stolz auf mich selbst zu empfinden. So was wird uns ja schon im Kindesalter abtrainiert. Aber hier kann ich das durchaus sagen: Zwischendurch finde ich heute schon, ich bin eine kompetente Person. Ich stehe also zu Recht auf der Torte und strahle auch einigermaßen hell. Ha. Mal schauen, wie lange dieser Zustand anhält. Solange genieße ich das mal.

Und um in der Kaulitz-Analogie zu bleiben, schaue ich mir heute Abend wieder Heidi und ihre Meeeeeeedchen an. Mal schauen, was sich Bills Schwägerin wieder für Schwachsinn ausgedacht hat. Es wird herrlicher Nonsens als Kontrastprogramm zu meinem Seminar sein. Und ich werde es genießen – so viel steht schon mal fest. Ich brauche eben beides: Blödsinn und Sinn – alles im ausgewogenen Maß.

Tanga in die richtige Richtung

Heute Morgen überwinde ich mich und skype Heinz an. Ich gehe bei so was echt defensiv vor, was sich die meisten Menschen, die mich oberflächlich kennen, nicht vorstellen können. Aber ich möchte mich gar nicht an so jemandem abarbeiten. Daher erkläre ich ihm, wie wütend und fassungslos ich gestern gewesen sei. Und siehe da: Er sieht es vollumfänglich ein. Er räumt sogar ein, vermutlich gar nicht zu reagieren, bekäme er so kurzfristig eine Mail, weil er vor seinen Veranstaltungen Ruhe bräuchte und keine Mails mehr lesen würde. Auch der Knaller. Der Fehler liegt aber natürlich nicht nur an ihm, sondern ganz klar auch bei mir. Das sagt nicht er, sondern weiß ich schon selbst. Ach ja, manchmal nervt´s mich, dass ich manche Dinge einfach nicht lernen kann.

Anders ergeht es mir mit meinem Chef. Als wir unser nachgeholtes Teammeeting von Montag durchführen, frage ich schon nach, wie er sich das eigentlich so zukünftig vorstelle? Wir würden gerade schon absaufen, ich schenke der Firma diesen Monat wieder mehrere Überstunden, und jetzt käme ja noch Kurzarbeit. Welche Themen wir denn jetzt mal sterben ließen? „Do…äääh, bin i mit jebm im Aousdausch.“ Aha, stimmt wohl mit meiner Wahrnehmung wieder was nicht. Ich erwarte – und hier ist vermutlich wieder die Krux – dass mein Chef sich auch mal mit den Stunden, die wir ihm täglich melden müssen (!), aktiv befasst. Er müsste ja deutlich sehen, wie viele Stunden ich mehr arbeite. Aber nix. Und ja, ich weiß, es sollte mich doch mittlerweile nicht mehr wundern. Tut es aber dennoch. Ich kapiere es nicht. Nach meiner Lernkurve bei Heinz, werde ich zukünftige Anfragen meines Chefs kategorisch ablehnen. Vielleicht nimmt er das dann mal etwas anders wahr? Lernen durch Schmerzen. Oder – in seinem Fall – Lernen durch selber Arbeiten.

Mittags beginnt dann meine externe Schulung. Und auch, wenn ich platt bin: Das Seminar macht Spaß. Da geht es um Führung, um Change Management und Organisationsentwicklung. Genau die Themen, die mir ja wichtig sind. Und genau die Themen, die bei uns unter anderem nicht laufen. Es ist sogar ein Rheinländer anwesend, was mir das Herz wärmt. Ist doch klar. Das wäre eine Truppe, mit der ich auch durchaus abends einen trinken gehen würde, was bei einer Präsenzveranstaltung ja meist dazugehört. Kein Besäufnis, aber gutes Netzwerken. Leider geht das nicht, was der andere Rheinländer dann auch mal zur Diskussion in den Raum wirft.
Ich liebe ja Dialekte und komme so auch heute wieder auf meine Kosten. Es ist auch ein Franke dabei, denen ich ja immer sehr gerne lausche. Ich mag das Fränkische sehr gern. Nur stutze ich dann doch kurz: „Där Tanga muss in die richtige Richtung.“ So ein Tanga hat ja vorne und hinten nicht viel Stoff. Da ist es ja nahezu scheißwurscht, wie man den Ritzenflitzer trägt. Ich mag die Dinger ja eh nicht. Nur frage ich mich, wieso er jetzt von Tangas redet??? Aber dann spricht er davon, dass es mit zwei Kapitänen schwer wäre, das Ding zu steuern. Da dämmert´s mir mal wieder: Er meint wohl doch einen Tanker! Ich schmeiß´ mich weg. Blöde nur, dass wir hier permanent die Kamera eingeschaltet haben. Aber da ich ohnehin die einzige Frau bin und mich auch noch als „rheinische Quotenfrau“ oute, kann mir das auch egal sein.
Die anderen, die hier sitzen, sind eher in Führungspositionen. Schon auch bezeichnend, dass ich als einzige Frau dabei bin, geht mir gerade mal so auf. Und ich habe ja quasi nur eine Wild Card hierfür erhalten und nehme als Proband dieses Pilot-Projekts teil. Die Herren zahlen alle – bzw. übernimmt die Firma die Kosten hierfür. Krass. Unterm Strich ist es aber auch wurscht, denn ich kann hier echt einiges mitnehmen. Diese neuen Erkenntnisse kann ich gut weiterverwenden. Also freue ich mich auf morgen – auch wenn es wieder ein langer Tag wird…mit oder ohne Tanga. Ach, einfach ein Traum in Baumwolle…🤣

Nein-Sagen muss ich noch lernen

Mein Tag beginnt mit Heinz. Ich könnte ihn erwürgen. Um acht Uhr beginnt seine Schulung. Um 7:22 Uhr mailt der Depp mich an. Ich solle ihm bitte Screenshots mit genauen Anweisungen schicken, wie er die Gruppenarbeiten in Skype erklären könne. Verdammte Scheiße!!! Dafür hatte der Vollidiot doch jetzt genügend Zeit. Das ist es doch, was ich ihm letzte Woche haarklein erklärt habe. Und jetzt muss ich sofort springen, weil er nichts auf die Kette bekommt – bei seinem Gehalt. In mir macht sich Fassungslosigkeit breit. Leider bin ich so gar kein Kollegenschwein und zimmere ihm noch schnell alles zusammen. Aber ich ärgere mich maßlos – und ganz viel natürlich auch über mich. Wie kann er nur??? Aber auch: Wie kann ich?!?! Ich wäre wohl eine grottenschlechte Mutter, weil ich bei einem Kind auch nicht zusehen könnte, dass es vom Fahrrad fällt. Und so kann ich bei Heinz auch nicht sehenden Auges dabei zuschauen, wie er gegen die Wand fährt. Trotzdem rumort es in mir. Wenn ich jetzt nicht bald einen Riegel vorschiebe, werde ich nie mehr die Kurve bekommen.

Die nächste kurze Runde, an der ich teilnehmen darf, ist von einem Herren des Managements geprägt, bei dem ich immer denken muss: Bauer. Nicht „Bauer sucht Frau“, sondern einfach Bauer, wie Bauernschläue. In meinen Breitengraden würde man ihn auch als „Söckesöamer“ bezeichnen. Er erweckt den Anschein, man könne ihm unterm Gehen die Schuhe besohlen. Dafür ist er aber verdammt weit gekommen. Dieser Mensch ist überall dafür bekannt, dass er seine Sätze nicht vollendet. Eine Gebärdensprachlerin hat er damit mal in die Verzweiflung getrieben, weil er nach Halbsätzen gerne einfach so aufhört. Manchmal ergänzt er sie auch mit einem „oda oda oda“ oder „un un un“. Heute sagt er auch wieder einen herrlichen Satz: „Wenn moas so Ding“ – die Semantik erschließt sich mir nicht. Und das hat nichts mit dem Dialekt zu tun, denn all seinen Führungskräften geht es genauso, nur sind sie das gewöhnt. Ich schüttle mich dabei immer noch aus – vor Lachen. Er fragt mich explizit was und hofft wohl, dass ich seinen Standpunkt unterstütze. Da ich den aber aufgrund der Halbsätze nicht wirklich erkennen kann und sowieso nur sage, was ich wirklich denke, haue ich für ihn genau daneben. Wenn ich nur frage, um ein „Du bist toll“ zu hören, dann kann ich mir die Frage doch besser klemmen, oder? Seine Mannen haben eh bei ihm aufgegeben und machen, was sie wollen. Auch eine Möglichkeit, mit so einem Menschen umzugehen.

Dann beginnt auch schon mein mehrstündiger Workshop. Vorher habe ich meine Kollegin gefragt, ob sie meinen Termin am Donnerstag übernehmen könne. Sie antwortet auf meine Mail nicht. Im Privatchat frage ich noch mal nach, ob sie meine Mail bekommen hätte? Sie bejaht und verweist auf nachmittags, wenn wir einen Termin haben. Ich habe wiederum zwischendurch schon einen Termin mit unserem Kunden, wo ich ihm sagen muss, wie wir vorgehen werden. Und jetzt entsteht das, was so typisch ist: Interpretation. Ich liebe es. Ich denke mir: „So ein Aas. Sie will mich in die Lernzone führen und so erzwingen, dass ich die Entscheidung treffe. Gerissen.“ Dabei fühle ich mich nicht wohl, weil ich in dem Bereich völlig neu bin. Ich ringe mit mir und spreche es beim Kunden dann entsprechend an. Der Termin könne so nicht stattfinden, was mir wahnsinnig unangenehm sei, aber ich sei nun mal überbucht worden. Er ist absolut verständnisvoll und nett. Ich fühle mich dennoch blöde.
Als ich später die Rücksprache mit meiner Kollegin habe, eröffnet die mir: „Ich kann das übernehmen. Ich bin nur absolut nicht multitaskingfähig. Wenn ich in einem Training bin, bin ich voll in dem Training. Da denke ich nicht noch über andere Dinge nach.“ Und da hocke ich dann und denke mir: 1. Ich habe es falsch interpretiert, und 2. Ich darf noch soooo viel lernen. Sie ist immer noch 13 Jahre jünger und so viel besser in der Abgrenzung, wo ich total versage. Wenn ich im Training bin, habe ich immer mein Handy dabei und schaue in den Pausen darauf, um Anfragen zu beantworten. Pausen wurden ja nicht umsonst gefordert, nur ignoriere ich sie fast immer. Im Präsenzmodus bin ich da schon ein Vollpfosten, aber online? Da halte ich 80 Prozent der Pausen nicht ein. Ich kann nur froh sein, so eine Energie zu haben. Denn das gesteht mir meine Kollegin dann auch: „Ich mache das so, weil es mir gesundheitlich immer schlechter geht. Mein Energielevel ist da nicht so wirklich hoch.“ Sie ist völlig erschöpft, was aber nichts mit der Arbeit zu tun hat. Nur steckt sie da konsequent ihre Grenzen. Sie arbeitet an keinem Tag länger oder kürzer, sondern konsequent jeden Tag die gleiche Stundenzahl. Für mich ist das nicht vorstellbar.
Ein gravierender Unterschied bei ihr und mir ist dann auch noch: Sie geht zufrieden nach Hause und sieht in ihrem Job einen Sinn. Ich ballere mich zu mit Arbeit, um zu betäuben, wie sinnlos ich die ganze Kiste finde. Das ist doch alles verrückt. Zunächst kann ich daran nichts ändern, das weiß ich wohl. Aber der Zeitpunkt wird kommen, an dem ich mir meine Karten neu legen muss. Auf Dauer unzufrieden zu sein, kann doch nicht angehen. Da mache ich nicht mit, denn sonst werde ich auch noch krank. Und dafür? Pfffff…bin ich schlichtweg zu stur. Ach ja, ich respektiere und schätze meine Hörner.

Eis im Dunkeln isses nu auch nich

Ich komme in den Wald und seh´ vor lauter Wald die Bäume nicht mehr. So in etwa geht es mir heute. Gefühlt sind gerade zu viele Bälle in der Luft – oder Tannen im Weg. Ich kann da ganz viele Bilder malen. Jetzt, wo klar ist, dass wir wieder in Kurzarbeit gehen werden, kommen manche aus der oberen Heeresführung auf die Idee, noch ganz schnell alle möglichen zusätzlichen Arbeiten reinzukippen. Ist logisch, oder? Wir haben weniger Arbeitszeit für mehr Themen. Nun war ich in Mathe ja echt immer Grütze, aber das kapiere selbst ich, dass das nicht funktionieren kann. Und so fällt´s mir dann gerade auch auf die Füße, dass ich eigentlich am Donnerstagnachmittag einen wichtigen Termin moderieren muss. Uneigentlich ist meine externe Schulung aber zeitlich angepasst worden, weshalb ich doppelt gebucht bin. Ich kann nur noch hoffen, dass mir eine Kollegin den Nachmittagstermin abnehmen wird. Wir werden sehen, ob es funktioniert. Teilen kann ich mich nämlich nicht – zumal ich auch sicher bin, dass keiner zwei von meiner Sorte um sich haben will.

Zu allem Überfluss spinnt dann heute auch noch Skype. Wir haben quasi einen Totalabsturz. Gut, für Heinz ist das jetzt kein Drama, für den Rest von uns dann schon. Meine Veranstaltung wird kurzerhand auf Teams umgeleitet, worin ich bisher nie arbeiten musste. Im Grunde ist da auch vieles ganz intuitiv zu handhaben, aber…es frisst eben alles etwas Zeit. Das Positive am heutigen Tag? Aufgrund des Ausfalls habe ich kein Teammeeting. Das nicht so Tolle? Ich hocke permanent in Veranstaltungen. Pause ist nicht möglich, aber die wird ohnehin überbewertet – und selbstverständlich in Abzug gebracht. Wir müssen ja revisionssicher sein, gell? Ihr seht schon: Heute ist ein bisschen mimimi angesagt. Dabei empfinde ich den Tag nicht als schlimm, nur einfach als zu voll. Irgendwie reichen 24 Stunden nicht aus. Wie hat es im Vertrieb immer geheißen: „Wenn uns die 24 Stunden nicht reichen, nehmen wir einfach noch die Nacht dazu.“ Da soll man nicht ramm dösig im Kopp werden.

Als ich dann endlich Feierabend machen kann und wieder einmal zu viele Überstunden angehäuft habe, muss ich auch schon los, da ich noch einen Termin in der Stadt habe. Und wie ich da so im Auto an der Ampel hocke, schweift mein Blick umher und erfasst: Richtig, die erste offene Eisdiele. Im Grunde nicht verkehrt bei dem Wetter, aber mir ist so gar nicht danach. Als ich dann weiterfahre, frage ich mich, wieso ich eigentlich keinen Bock auf Eis habe? Mmmmh…im Grunde liegt es nur daran, dass ich so abgehetzt unterwegs bin. Hätte ich mehr Zeit und könnte herumschlendern, dann fänd´ ich das erste Eis des Jahres bei dem Wetter durchaus passend. Was lernen wir daraus? Wenig Zeit kann auch gut für die Hüften sein…wobei da ohnehin Hopfen und Malz verloren ist.
Als ich von meinem Termin rauskomme, ist es bereits dunkel. Und im Dunkeln ist zwar gut munkeln, aber ein Eis dann auch nicht mehr das Mittel der Wahl. Ihr seht schon: Der Kreis schließt sich. Es ist ein Montag aus dem Bilderbuch…oder wie heißt es in dem netten Malbuch: „Gewisse Menschen sind so unnötig wie der Montag.“ Schade, dass mir der nicht eingefallen ist.

Schrei aus Lebenslust

Es gibt sie, diese Tage, an denen ich mit rein niemandem rede. Klingt ganz schön krass, wird mir allerdings erst gerade so richtig bewusst. Es fühlt sich auch nicht schlimm an. Einen Tag zu schweigen, ist nichts Schlimmes. Und das sage ich, die Quasselstrippe! Auch das ist Corona.

Das genaue Gegenteil von Schweigen ist für mich das Schreien. Wie ich darauf gerade komme? Ich habe mich auch heute für ein Stündchen in die Sonne gesetzt und gelesen. Das hat mich ein wenig schläfrig gemacht. Und da eine Woche mit vier Schulungstagen – alle online – vor mir liegt, habe ich mich kurzerhand entschlossen, ein wenig auf dem Sofa zu öngern (dösen). Ist auch alles ok soweit, nur habe ich dabei die Balkontür geöffnet. Und irgendwann zieht es die Kinder nach draußen. Nach all den eher ruhigen, tristen, kalten Monaten, haben die Kleinen auch wieder Hummeln im Hintern. Und so rennen sie durch die Gegend, spielen Fangen und kreischen um die Wette. Ein Mädel fällt heute besonders auf. Sie schreit und quiekt vergnügt. Auch das erinnert mich an mich – zumindest früher. Dieses Gefühl ist unbeschreiblich, das mich immer nach der Schule erfasst hat. Ich war immer neugierig und wissbegierig. Nicht jeder Lehrer konnte das stillen – leider. Aber in der Grundschule war ich noch voll da, habe Wissen aufgesaugt wie ein Schwamm und konnte nicht genug erfahren. Zum Ausgleich bin ich heimgekommen, habe die Schultasche schon im Eingang runtergezogen und hingeworfen. Und dann, haste-watt-kannste-watt, bin ich durch die Küche über die Terrasse bis hinunter zur Schaukel gerannt. Dabei gab es echt nichts Befreienderes als einen lauten Schrei. Es war für mich immer der Gipfel der Freiheit – auch wenn ich das als Kind niemals so hätte bezeichnen können. Für mich war es ein Graus, brav irgendwo herumzusitzen. Es gab auch ruhige Zeiten, in denen ich Geschichten gelauscht habe. Nur war es mir am liebsten, draußen zu sein, frei wie der Wind herumzusausen und dabei aus voller Herzenslust meine Lebensfreude hinauszuschreien.

Ich denke oft darüber nach, weil ich dieses Gefühl heute nicht mehr so kenne. Ist das nicht traurig? All die Normen, die uns so anerzogen werden, unterdrücken dieses unbändige Freiheitsgefühl. Dabei hätte ich so wahnsinnig viel Lust dazu. Wenn ich da an meine Kinderkommunion denke…oh man. Alle Kinder durften spielen, nur ich musste brav in meinem weißen, bodenlangen Kleid am Tisch sitzen. Das fand ich schrecklich. In einem Moment, als meine Mutter nach dem Essen sehen musste, bin ich ausgebüchst und raus zu meinem damaligen Lieblings-Cousin. Wir waren gleichalt. Mit vier oder fünf Jahren haben wir unterm Tisch gesessen und uns einen Kuss gegeben, obwohl ich seine schwarzen, kariösen Schneidezähne ekelig fand. Bei meiner Kinderkommunion hat er mich wie eine Prinzessin behandelt und aufgepasst, dass mich eine Mitschülerin nicht dreckig machen konnte. Heute verstehe ich ihre Eifersucht und den Wunsch, gerne irgendwas in meiner vermeintlich heilen Welt zu zerstören. Sie hatte auch Kinderkommunion, kam aber aus einer sozial schwachen Familie, bei der man schon froh sein konnte, wenn keiner besoffen war und rumgepöbelt hat. Puh, habe ich lange nicht mehr an Tessa gedacht… Mit meinem Cousin habe ich schließlich einen Tennisball als Fußball missbraucht und diesen gegen die Wand gekickt – bis meine völlig empörte Mutter mich fand und wieder zum Tisch beordert hat.
Und so komme ich mir heute oft vor: Ich sitze brav am Tisch, gehe meinem geregelten Leben nach, erledige alles, was man mir aufträgt…nur die pure Lebensfreude ist etwas gedämpft. Der Sinn erschließt sich mir nicht so sehr. Und dann will ich wieder schreien und schaukeln – ganz hoch hinauf. Tatsächlich habe ich darüber nachgedacht, einfach mal einen Schreikurs mitzumachen. So was gibt es. Er muss wahnsinnig befreiend sein. Nur ist es nicht so leicht, so einen zu finden. Ich habe nämlich auch keine Lust, so einem alternativen Esokram beizuwohnen, wo wir einen auf „ich schreie meinen Geburtsschmerz hinaus“ machen. Das finde ich total lala. Ich will schreien aus Überdrehtheit, Freude und Spaß. Als ich vorhin noch mal checke, ob nicht doch so ein Kurs zu finden ist, stolpere ich über einen Fall in Oberstdorf, der sich heute ereignet hat. Da gab es nämlich eine Schreitherapie. Leider haben Menschen beim Spaziergang die Schreie fehlinterpretiert und die Polizei informiert. Sogar ein Hubschrauber kam zum Einsatz. Das….äääääh….will ich dann doch nicht. Vielleicht sattle ich um auf Lachyoga? Soll ja auch sehr befreiend sein. Nur möchte ich mich dazu nicht verrenken müssen. Ach, keine Ahnung. Diese unbedingte Hingabe ans Leben, das laute Schreien und Lachen, das als Kind so völlig natürlich war, das möchte ich gerne wieder erleben. Was nicht heißt, dass mein Leben nicht gut ist. Es ist völlig ok…nur eben nicht berauschend. Ich weiß, ich will wohl zu viel. Vielleicht entwickle ich mal einen Ansatz, wie man zumindest für Momente zu diesem ausgelassenen Kind zurückfindet, um dadurch Kraft zu tanken? Und nein, es wird nichts Esoterisches sein, sondern eine Menge Augenzwinkern im Gepäck haben. Ich werde berichten.

Sprüche aus der Kindheit

Was ist das heute für ein Wetterchen?! Hammer. Die Sonne scheint, dass es eine wahre Wonne ist. Mit einem Chai Latte hocke ich mich auf meinen Balkon. Er liegt gut geschützt, weshalb ich dort in Ruhe die Sonne genießen und lesen kann – in Top und kurzer Hose. Krassenhausen. Aber die Sonnenstrahlen tun doch gut – auch wenn es nach wie vor surreal ist, wie krass der Unterschied von letztem Samstag zu diesem doch ist. Wenn die Sonne so kitzelt, steigt automatisch auch die Laune, oder? Das ist schon ein ganz eigenes Phänomen, gegen das ich mich kaum wehren kann, obwohl ich ja alles bin, nur eben kein Sonnenanbeter. Doch Vitamin D tut schon gut.

Ansonsten nutze ich den Tag in erster Linie als ausgiebige Telefonzeit. Und das kann Frau am besten? Richtig, mit anderen Frauen. Gleich drei meiner Freundinnen leisten mir heute per Telefon Gesellschaft, was mir noch besser bekommt, als die Sonnenstrahlen dies tun. Freundschaft ist etwas, das mir immer schon wichtig war. Mich wundern die Menschen, die keine Freunde haben. Bei uns Zuhause gab es das im Grunde gar nicht. Da unsere Familie so groß ist, hat die immer ausgereicht – so die Aussage meiner Mom. Als Kinder war das auch so. An Kindergeburtstagen kamen Cousins und Cousinen aus dem Dorf zu Besuch. Bei mir war es dann eh immer anders, da mein Geburtstag ja so blöde fällt. Also wurde mein Namenstag gefeiert. Es war in jungen Jahren noch ok, aber später wollte ich dann auch meine Freundinnen da haben – und das waren eben nicht nur meine Cousinen. Eigens zu meinem Namenstag (feiert doch heute niemand mehr), wurde dann auch immer meine böse Oma angekarrt. Früher noch mit meinem Opi, den ich sehr lieb hatte – später dann sie allein. Puh, ich hätte immer drauf verzichten können, da sie nie ein liebes Wort übrig hatte.
An sie haben ich gestern mal wieder denken müssen. Meine Sis und ich haben per Videotelefonie gequatscht. Wenn die Leitung schwach wurde, sind die Bilder kurzfristig eingefroren, was immer lustig ausgesehen hat. In dem Zusammenhang haben meine Sis und ich uns daran erinnert, wie meine Oma mir immer gedroht hat, das Gesicht würde irgendwann so stehen bleiben, wenn ich mal wieder Fratzen geschnitten habe. So ein Schwachfug! Es gibt so manche komischen Dinge, die einem als Kind gesagt wurden, oder? Schlimm in Erinnerung geblieben ist mir: „Das Händchen, das die Mama schlägt, das wird im Himmel abgesägt.“ Andere Menschen in meinem Alter können das nicht fassen, wenn sie so was hören, weil sie das nur von der Generation drüber noch berichtet bekommen haben. Ich habe lange daran geglaubt, dass nach dem Tod da oben (oder unten) jemand mit einer Säge wartet. Als hätte ich meine Mutter je schlagen wollen?!
Die allgemeinen Klassiker, wie „Mädchen fahren nicht durch Pfützen“ (und ob sie das tun! Darin war ich megaerfolgreich!!!), oder „so was tut ein braves Mädchen nicht“, gab es natürlich auch zuhauf. Ich war als Kind mehr Junge als Mädchen, na und? Es gibt einen Spruch, der mich bis heute oft verfolgt: „Kind, Bäume wachsen nicht in den Himmel. Vorher werden sie gestutzt.“ Wer denkt sich so was aus? Wie kommt man darauf, die eigenen Kinder so zu impfen? Oder – mal ein Spruch von meiner lieben Omma: „Lieber Unrecht leiden, als Unrecht tun.“ Besonders toll hierbei: Meine Tanten und auch meine Mutter haben den Spruch immer wieder zitiert, wenn sie erreichen wollten, dass man sich einfach fügte. Dabei haben meine Tanten selbst genug Unrecht angestellt. Ein anderer Klassiker: „Wen Gott liebt, den lässt er leiden.“ Hallo? Wenn dem so wäre, würde ich dem Arsch aber mal die Meinung geigen! Meiner Mutter hat so was immer viel gegeben, weil sie für sich einfach alles damit erklärbar gemacht hat. Manchmal frage ich mich, wie ich aus diesem engen Korsett ausbrechen konnte?
Erst heute habe ich mit meiner lieben Freundin darüber gesprochen: Ich hatte immer einen Revoluzzer-Anteil in mir. Bisweilen frage ich mich, von wem ich diesen geerbt habe? Ich weiß es nicht. Es war auch bestimmt nie eine böse Absicht hinter all den Sprüchen…wobei…bei meiner bösen Oma schon. Ich glaube, die anderen haben einfach versucht, sich ihr Leben so zu erklären und vor allem auch, sich zu fügen in das, was sie als richtig erachtet haben. Aber meine böse Oma hat einfach ihr Leid auf alle anderen auch draufkippen wollen. Ihr jüngstes Kind ist im Alter von drei Jahren an Krebs gestorben. Diese Krebsart hat drei Jahre gebraucht, bis sie zum Tod führen konnte, also war er von Anfang an wohl krank. Aus Kummer hat sie damals ihre fünf anderen Kinder mitleiden lassen. Sie durften kein Radio hören, den Fernseher nicht anstellen und auch sonst möglichst nicht lachen – und das alles für ein komplettes Jahr. Ich verstehe, dass eine Mutter leidet, wenn sie ein Kind verliert. Aber muss sie deswegen alle anderen Kinder mitbestrafen, die auch diesen Verlust erlebt haben? Das ist eine so verquere Welt, die sich mir nicht erschließt.
Das ist ähnlich, wie Neid. Darüber habe ich auch mit einer Freundin gesprochen. Es gibt für mich zwei Arten von Neid: Einmal der, der zwar bewertet, aber nicht missgönnt. Und dann der, der einem anderen dann auch nichts Gutes, Schönes gönnt. Es gibt Lebensentwürfe, die ich auch gerne erlebt hätte. Darum „beneide“ ich manch einen, der das leben kann. Das heißt aber nicht, dass ich es ihnen nicht gönne. Jeder darf alles haben, solange er nicht andere damit verletzt. Meine böse Oma war eher von der Sorte, dass sie auch anderen nichts gegönnt hat. Sie hat mit allem gegeizt – mit Geld, mit Liebe, mit Freude. Ein verdammt trauriges Leben, oder? Die andere Omma hatte nix, aber dafür Liebe und Freude im Überfluss. So unterschiedlich kann Leben sein. Es fängt immer mit einem selbst an, wie man sein Leben gestaltet. Und ich weiß, dass das nicht immer so einfach geht, wie sich das anhört. Aber im Grunde dann eben doch. Wenn Du gut leben willst, dann tu´ es. Verschleudere Freude und Liebe, dann bekommst Du diese auch zurück. Hältst Du beides zurück, bekommst Du es auch nicht von anderen. Nur können manche Menschen so gar nicht aus ihrer Haut. Sie wählen lieber das Jammertal, was wohl auch in Ordnung ist – auch wenn ich das niemals nachvollziehen werden kann.

plötzliches Melden

Heute habe ich frei und schlafe aus. Ganz in Ruhe frühstücke ich und genieße es, nichts tun zu müssen. So sehr mich das zwischendurch auch genervt hat, ist es mittlerweile voll ok. Ich könnte mich nach wie vor nicht damit anfreunden, auf Dauer gar nichts zu machen. Aber zwischendurch solche Faulenzertage? Doch, die mag ich. Und so verläuft dann auch mein Tag…ruhig und unspektakulär. Bis auf eine Ausnahme: Der ältere Herr vom Flüchtlingsheim meldet sich. Ich hatte ihn vor zweieinhalb Wochen noch mal angeappt und keine Antwort erhalten – bis jetzt eben. Er sei sehr lange krank gewesen. Und leider dürften sie gerade nicht zu den Geflüchteten, da es coronabedingt eben strikte Vorschriften gebe. Auch krass, oder? Die Menschen tun mir schon sehr leid. Sie verlassen ihre Heimat, machen sich in die Ungewissheit auf und werden dann hier erstmal isloiert, da ein unsichtbares, komisches Etwas sein Unwesen treibt. Wenn man Bomben erlebt hat, Leichen auf der Tagesordnung gestanden haben, dann muss einem so ein unsichtbarer Feind noch skurriler vorkommen als uns in Europa. Und so verharren sie in den Flüchtlingsheimen und harren der Dinge, die da kommen – in Teilen schwer traumatisiert und mit ungewisser Zukunft.
Die städtischen Bedingungen haben sich bzgl. der Geflüchteten auch mittlerweile geändert. Der Sozialarbeiter sei nur noch für eines der beiden Häuser zuständig. Ah ja. Der ältere Herr habe mich aber nicht vergessen und noch mal mit dem Sozialarbeiter gesprochen. Sie werden sich bei mir melden, wenn es wieder möglich sein wird, mit den Geflüchteten zu arbeiten. Da bin ich geplättet. Mit einer Antwort hatte ich ja gar nicht mehr gerechnet. Gestern erst habe ich ja gesagt, dass ich die Hoffnung diesbezüglich aufgegeben habe. Manchmal ist das so: Wenn man etwas loslässt, läuft es plötzlich. Wir werden sehen, was da noch kommt. Ich würde mich in jedem Fall riesig freuen, wenn da doch mal Bewegung reinkäme.

Was mir heute wieder einmal passiert: Ich versacke bei YouTube. Immer wenn ich mir hier etwas anschaue, springe ich von Höcksen über Stöcksen. Es ist, wie eine Sucht. Musik berauscht mich immer wieder aufs Neue. Manche Stimmen gehen einfach unter die Haut. Und so stolpere ich wieder einmal über neue, mir bislang unbekannte Künstler. Aaaah, es ist krass. Der Blick auf die Uhr verrät mir, wie viele Stunden ich mal wieder abgedriftet bin. Naja, jeder hat so seine Sachen, die ihn fesseln und faszinieren. Bei mir ist es immer wieder Musik.

Was mich weniger fasziniert, ist der krasse Wechsel des Wetters. Die Vögel zwitschern, alles grünt. Als ich letztes Wochenende zu meiner Kollegin gegangen bin, war ringsum alles weiß. Es liegen über 25 Grad Unterschied zwischen letztem und diesem Freitag. Da muss ich mich nicht wundern, wenn mein Kopf die Grätsche macht. Geht vorüber, ich weiß. Nervt trotzdem. Aber den Klimawandel gibt es ja genauso wenig, wie es Corona gibt. Oh man! Ich kann echt nicht verstehen, wie Menschen immer noch so einen Mist absondern. Aber sie sterben nicht aus – leider. Stattdessen dürfen sich die Menschen, die vorsichtig sind und die Regeln befolgen, von den Deppen auch noch angiften und mit Hetze überziehen lassen. Schade… Und leider hat es nicht mit dem IQ zu tun, wer anfällig für Verschwörungstheorien ist. Keine Ahnung, ob man den EQ mal überprüft hat? Ich vermute, da könnte die gemeinsame Konstante zu finden sein. Aber die emotionalen, rücksichtslosen Krüppel braucht es wohl, weil es sonst zu langweilig würde. Sorry…es nervt einfach nur noch.

eine Hand reichen

Heute ist es wieder herrlich lustig. Meine erste Besprechung ist mit meinem Chef und Heinz. Heinz ist seines Zeichens total überfordert. Und weil er plötzlich arbeiten muss, macht er „mimimimi“. Jedem fällt es auf. Dabei sagt unser Chef, dass er gar nicht so viele Aufgaben hätte. Nun juut, das ist ja alles auch eigenes Empfinden. Ich bekomme vorab einen Link geschickt und soll mir mal die Präsentation anschauen. Sie ist…mmmmh…wie drücke ich das diplomatisch aus? Grütze. Sie wäre schon Grütze, wenn es eine Präsenzveranstaltung wäre. Aber im Onlinemodus ist das noch unerträglicher. Er schafft nie den Perspektivwechsel. Dabei ist er doch auch schon häufger irgendwo Teilnehmer gewesen.
Aber der Start ist erstmal anders. Heinz und ich sind ein paar Minuten allein. Er, der schon über zwanzig Jahre in der Firma ist, fragt mich, ob wir denn nun im nächsten Monat Kurzarbeit hätten oder nicht? Ich antworte ehrlich – was soll ich es ihm auch vorenthalten? Er lacht nur leicht und kommentiert: „Die Claudia immer und ihre Kontakte. Es is a Wahnsinn!“ Das meint er durchaus positiv, denn er bohrt an etlichen Stellen herum und erfährt so gar nichts. Ich frage nicht mal nach und bekomme diese Info einfach so. Ist schon eigenartig. Was keiner versteht: Warum macht Heinz immer so ein Geschiss darum? Was hat er davon, wenn er die Info einen Tag vor der offiziellen Bekanntmachung erfährt? Und die Antwort ist im Grunde traurig: Ihm macht die Unsicherheit wahnsinnig zu schaffen. Er muss viel weniger bangen, hat aber eine riesengroße Angst. Dagegen ist man ja machtlos. In mir ist da eher die Stimme: Hoffentlich haben wir Kurzarbeit, da 5 Tage im Home Office einfach demotivierend sind. Aber ich gehe nicht kaputt daran, wenn ich kurzfristiger erfahre, ob wir Kurzarbeit haben oder nicht. Doof ist nur, wie es kommuniziert wird. Gestern haben schon ganze Abteilungen die Infos rausgehauen, während mein Chef es dann erst auf Nachfrage von Heinz bei mir erfährt. Da steckt ein riesiger Kommunikationsfehler drin. So isses nun mal eben. Aber auch darüber lasse ich mir keine grauen Haare mehr wachsen.

Endlich schreiten wir zur Tat – Heinz fragt nach unseren Empfehlungen. Eine Stunde vorher hat er noch eine Mail verfasst, dass er fünf Minuten eher aus dem Meeting müsse, weil er „am Anschlag“ einen Folgetermin habe. Wenn ich das habe, gehe ich eine Minute eher raus, aber das muss er ja wissen. Wir könnten ihm auch noch nach unserem Meeting Hinweise geben, was wir ihm empfehlen würden. Als hätte ich im Nachgang nix Besseres zu tun! Also fange ich an und frage ihn, was er mit Aufgaben meine? Auf jeder zweiten Folie stehe „Aufgabe“ in einer Wolke. Wo erkläre er die Aufgabe? Was solle gemacht werden? In welcher Form – also Brainstorming im Plenum, Einzelarbeit, Zweier-Teams, die sich gegenseitig anrufen (er weiß bisher immer noch nicht, wie das bei Skype geht…es bereitet mir körperliche Schmerzen), zwei Gruppen mit extra Skype-Links oder wie sonst? Das ist jetzt keine Raketenwissenschaft von der ich da rede – zumal wir schon ewig damit arbeiten. Ich gebe ihm Tipp um Tipp, muss manches ganz kleinschrittig erklären und bin dabei doch sehr erstaunt. Nicht einmal kommt ein kritisches Wort, keine Herabwürdigung meiner Person, keine Unterbrechung. Er nimmt einfach alles an. Ob er es umsetzen kann, ist fraglich, aber er akzeptiert jeden meiner Vorschläge. Da bin ich einfach mal geflasht. Doch dann denke ich wieder: Er verdient mehr als das Doppelte von mir!!! Da mag es eine kleine, bittere Pille sein, wenn er Unterstützung anfordert und ich ihm munter direkt einige Themen runterrattern kann, aber er kann im Anschluss damit glänzen. Gerecht ist das nicht. Dabei darf ich nicht schimpfen: An sich habe ich wirklich einen guten Lohn für eine 35-Stunden-Woche (was ich ja immer noch lächerlich finde). Es ist nicht nachvollziehbar, wie viel mehr ein Wesen, wie Heinz, erhält („verdient“ ist hier echt der falsche Ausdruck), wenn man bedenkt, was Pfleger, Krankenschwestern, Polizisten etc. für ihre Arbeit bekommen. Aber lassen wir das. Da drehe ich mich sonst zu sehr rein.

Da ich viel zu viele Stunden auf der Uhr habe, haue ich heute einfach früh einen Pin rein und gehe einkaufen. Es ist echt interessant geworden, dass ich keine Uhrzeit mehr erkennen kann, zu der das Einkaufen am besten ist, also wo wenig Leute unterwegs sind. Durch Corona, Home Schooling, Home Office, Kurzarbeit etc. ist alles durcheinandergewirbelt. Aber ich bin ja auch nicht auf der Flucht – im Gegensatz zu manchem Renter, der mir auf die Pelle rückt. Ob das nahe Aufrücken bedeutet, sie würden mich bitten, vorgelassen zu werden? Oder haben sie Angst vor Gespenstern und suchen deswegen die Nähe eines anderen menschlichen Wesens? Oder haben sie vergessen, wo der Ausgang ist und hängen sich deswegen an die Fersen anderer Einkäufer? Es bleibt ein Mysterium.

Ich packe Zuhause alles aus und beschließe, noch den Müll rauszubringen. Die Müllhäuschen sind gleich für einige Mietparteien gedacht. An der Haustür des anderen Hauskomplexes frage ich, ob ich die Tür kurz aufhalten solle, aber ein freundlicher Mann winkt ab und deutet auf seine Kinder. Er spielt draußen mit ihnen. Ich packe den Müll in die jeweiligen Tonnen und schlappe zurück. Einem Impuls folgend, frage ich die Mutter, die am Fenster steht, ob sie die ganze Zeit schon Home Schooling hätten? Sie lächelt nur. Hä? Dann kommt der Mann herüber und erklärt, seine Frau spreche kein Deutsch. Er spricht es ganz gut, aber doch hörbar mit starkem Akzent. Die Tochter kommt auf ihrem Roller daher. Ich frage sie, in welche Klasse sie gehe? Sie sei schon in der fünften Klasse. Die Video-Konferenzen seien ihr am Anfang schwergefallen, aber nun gehe es. Sie ist offen, freundlich und strahlt mich an. Irgendwie ist mir danach: Ich frage sie, ob sie Hilfe brauche? Ich sei Grütze in Mathe, aber wenn sie oder ihr Bruder mal Hilfe bräuchten, könnten sie sich ja melden? Da strahlt sie mich noch breiter an, bedankt sich und nickt. Der Vater notiert meine Mobilnummer und bedankt sich vielmals. Und ich? Komme mir irgendwie schäbig vor. Sich gegenseitig zu helfen, sollte ja wohl das Selbstverständlichste sein. Die Frau verneigt sich ein paar mal leicht vor mir. Ich fühle mich echt unwohl. Es ist keine große Sache, oder? Aber ich denke, das ist es für sie sehr wohl. Und wenn die Eltern nicht über die Aufgaben schauen können, weil sie unsere Sprache nicht so verstehen, haben die Kinder von vorneherein schon schlechtere Voraussetzungen. Ist das nicht schlimm? Es liegt so viel Potenzial ungenutzt brach. Die Kleine grinst mich an. Ich hoffe nur, sie meldet sich, wozu ich sie noch mal ermuntere. Sie solle sich keinen Kopf machen, sondern einfach anrufen oder schreiben. Mal schauen. Wenn das Flüchtlingsheim schon nicht aus dem Pudding kommt, dann kann ich so was tun. Und so, wie die Kleine strahlt, wird das bestimmt toll – wenn sie denn überhaupt mal Unterstützung brauchen wird.

Zungenbrecher für Nicht-Bayern

Hammer. Was es nicht für Zungenbrecher gibt! Eins lautet: „g´äatatn“. Da staunt Ihr nicht schlecht, gell? Gut, im Kontext erschließt es sich dann eventuell schon eher: „Die g´äatatn do dohi.“ Gut, immer noch schwer. Es bedeutet so viel wie: „Die gehörten dorthin [gelegt].“ Manche Bayern sind schon arg besonders…und arg maulfaul. Wenn ich so was höre, möchte ich diese Leute immer vor Entzücken einfach umarmen und knutschen, da sie mir wirklich meinen Tag versüßen. Und ja, das ist mein voller Ernst. So was feier´ ich ohne Ende. Es ist zwar Aschermittwoch, aber da kein richtiger Karneval stattgefunden hat, pups´ ich auch auf den Aschermittwoch mit seinem Fastengedöns und feier´ einfach meine eigene innere Party weiter. Solche Aussagen, wie die vorhin genannte, helfen mir ungemein dabei.
Und so ist eben der Beginn des Tages. Es sind zwar ein paar Stunden, die ich im Workshop hocke, aber alles ist durchweg positiv. Schon eigenartig. Wenn es ätzend läuft, dann aber so richtig und überall – gefühlt. Und wenn es gut läuft, dann eben auch so richtig. Muss ich nicht verstehen. Bestimmt hängt da ganz viel eigene Wahrnehmung drin. Ist ja fast immer so.

In der Tat, es geht so weiter. Der Termin, der mir ein wenig im Magen liegt und mittags beginnt, ist eine echt positive Überraschung. Den Chef der Truppe mag ich nach wie vor nicht, aber er nimmt alles an, was ich ihm präsentiere. Da bin ich schon baff. Letztlich entscheidet sich das Team dann dennoch gegen die Kleinteam-Variante, wodurch mein Auftrag eigentlich erledigt ist. Ich freue mich schon und feiere innerlich, als ich dann höre: „Wir haben Dich aber heute länger gebucht. Da kannst Du uns schon noch etwas unterstützen.“ Ok. Allerdings bin ich in meiner Rolle diejenige, die dann echt nerven und pieksen muss. Das ist nicht immer so lustig, aber soll ja zum Ziel führen. Und sie sind überraschend offen. Es läuft sogar richtig rund. Hossa! Zum Abschied sage ich ihnen dann, wie die nächsten Schritte laufen sollten, was sie beachten müssten und hänge ihnen eine Datei als Vorlage hierfür an. Ich wünsche ihnen viel Erfolg. Da sagt ein besonders knurriger Ur-Bayer zu mir: „I daat scho gäan in da nächstn Rund´ g´äagat werd´n.“ Wos iss´n do los? Seine Kollegen schließen sich ihm an und fragen mich, ob ich sie doch noch durch den Prozess begleiten würde? Sie kämen mir zeitlich entgegen und würden sich voll nach mir richten. Häääää? Der Chef hat anschließend Spaß wie eine diebische Elster, weil es nicht auf seinem Mist gewachsen sei, aber er denselben Wunsch verspürt hätte. Dabei spricht er während des Termins noch davon, dass wir ja unterschiedliche Vorstellungen von Demokratie hätten, was ich mit: „Ja, bei mir ist es Demokratie, bei Dir Demokratur“ quittiere. Und trotzdem soll ich weitermachen? So macht es dann natürlich auch Spaß, keine Frage. Nur wird mir beim Blick auf meinen Terminkalender ein wenig übel – zumal ich vorhin erfahren habe, dass wir nächsten Monat nun doch Kurzarbeit machen. Das heißt, ich werde dann wieder nur vier Tage zur Verfügung haben, obwohl meine Stundenzahl bei einer vollen Woche schon nicht ausreicht. Ach ja, lieber volle Hütte als Langeweile. Mir geht es zumindest immer so.
Und wisst Ihr, was das Witzige dabei ist? Mein Chef weiß noch nix von der Kurzarbeit. Da frage ich mich schon, wie ich manchmal an meine Infos komme? Dabei habe ich nirgends nachgefragt, sondern die Nachricht einfach so zugesendet bekommen. Wir haben in unserem Team oder auch meiner Abteilung bislang keine Info hierzu bekommen. Ich habe mir allerdings abgewöhnt, für ihn die Informantin zu spielen. Insofern bin ich gespannt, wann ich morgen erfahre, welche Entscheidung bereits gestern (morgen also vorgestern) getroffen wurde. Als Lady Spy hätte ich es vielleicht doch weit bringen können. Nur liegt mir an diesem Titel so gar nichts. Also: Weiterhin das Visier hoch und weitermarschierenn, gell? Dann bekommt auch die lustigsten bayrischen Ausdrücke mit.

von sturen und nicht so sturen Böcken

„Des hoat koa Sinn net.“ So fängt mein Morgen an – mit doppelter Verneinung. Ich darf bei einem Kollegen Mäuschen spielen, wie sein Projektteam arbeitet. Und der Umgangston – mein lieber Krockoschinski. Einer der Teilnehmer plärrt so laut, dass ich rufen möchte: „Wer brüllt hat Unrecht!“ Aber ist ja nicht mein Zirkus, und daher sind’s dann auch nicht meine Affen. Ich frage mich nur, wie manche Menschen mit dieser rücksichtslosen Art durchs Leben kommen, ohne dass sie einer mal so richtig aus der Hose haut. Der ist wie so ein Rasenmäher…oder eher noch wie eine Dampfwalze, die über alles hinwegbrettert. Hossa! Und rein physisch gesehen: Der plärrt mit so viel Druck, dass meine Stimme das niemals durchhalten könnte. Es klingt so, als würde er gleich Blasen werfen, weshalb ich noch trauriger bin, nicht vor Ort zu sein. Das sieht man nämlich online nicht, da ja die Kameras ausgeschaltet sind. Echt schade. Und Ausredenlassen ist hier wohl auch aus der Mode gekommen. Ich würde ausflippen. Aber so kann ich locker weiteratmen.
Später erfahre ich dann, heute war ein guter Tag mit diesem Kollegen. Normalerweise sei er noch krasser. Sie hätten schon soooo vieles probiert, wie sie ihn zur Räson bringen könnten. Er wäre beim Feedback auch nie angepisst. Ja, kein Wunder! Er fährt ja direkt lautstark drüber. Ganz ehrlich? Ich würde ihm regelmäßig das Mikro sperren. Das würde ich vorher schon klarstellen: „Pass´ ma auf, Schönne. Wer sich an Rejeln nich hält, kriegt et Mikro abjestellt.“ Wären wir physisch vor Ort, dann könnte man da durchaus eine rote Karte hochhalten. Klingt nach Kindergarten, aber mal ehrlich: Ist das beim Fußball denn anders? Stellt Euch mal vor, das Spiel würde weiterlaufen, kein Schiri würde unterbrechen. Im Nachgang würde man dann eine Analyse fahren und sagen: „Hömma, das ist aber nicht schön, wie Du dem die Knochen weggetreten hast. Machste demnächst anders, ne?“ Da würde doch niiiiiiiiiiie mehr jemand den anderen foulen, oder? Is klar. Wenn die nicht die Sorge hätten, vom Platz zu fliegen, würde mancher Knochenbrecher noch zusätzlich Spikes dranschnallen. Also muss man so durchgreifen. Das würde ich in so einem Fall auch machen. Mein Kollege, der das Projekt betreut, hat von dem Rumgeplärre nach einem langen Termin mal richtig fette Kopfschmerzen gehabt – nach sechs Stunden. Das würde mir einfallen. Nee, rote Karte und anschließender Platzverweis. Herrlich, oder? Das glaubt einem keiner, wenn er nicht selbst dabei war.

Die zwei anschließenden Workshops laufen ganz anders. Da geht es gesitteter zu. Ich mag regen Austausch. Da darf es auch schon mal höher hergehen. Aber permanentes übers-Maul-Fahren? Nee, absolute Nulltoleranz. Trotzdem habe ich Kopfschmerzen. Liegt aber nicht an dem Plärr-Vogel am Morgen, sondern am Föhn da draußen. Am Wochenende noch fett im Minus, geht es heute auf plus neun Grad hinauf. Da soll noch einer mitkommen.

Nachmittags passe ich dann Präsentationen für die Team-Workshops an. Nebenher regle ich, was mich so richtig annervt: Die Gehaltsabrechnungen. Sie wollen, dass wir Zuhause bleiben und im Home Office arbeiten, was für mich ja einer Strafe gleichkommt. Ich halte mich aber brav daran, da ich den Sinn dahinter verstehe. Im Gegenzug können sie aber keine Abrechnung per Post schicken, da dies zu teuer sei. Solche Blödsinnigkeiten nerven mich massiv an. Ich habe mit meinem Betriebsrat des Vertrauens gesprochen. Er sagt, das sei das Normalste von der Welt, dass die Abrechnung geschickt würde, wenn ein Mitarbeiter dies wünsche. Er, der regelmäßig in der Firma vor Ort sein müsste, bekäme die Abrechnung zugeschickt – ohne dies je angefordert zu haben. Aaaaaahja. Also frage ich bei meinem Chef nach, der – wen wundert´s – mal wieder überfordert ist. Erneut funke ich also meinen Spezl an, der seufzend sagt: „Woaßt wos, i regel´ des füa Di.“ Na, geht doch! Er macht das nicht nur für mich, sondern für unsere gesamte Abteilung. Die Antwort von der Abteilungs-Assistentin auf meine Rückmeldung: „Boar…Wahnsinn.“ Ja, manchmal hilft´s, wenn man die Richtigen anspricht.
Da merke ich mal wieder, wie gut und einfach Netzwerken funktioniert. Wenn ich immer höre: „Das geht nicht“ oder „das haben wir noch nie so gemacht“, dann bäumt sich immer was in mir auf. Mein Lieblingsspruch auf letzteren Einwand: „Früher hatten wir auch ´nen Kaiser. Und?“ Nur leider schnallt den nicht jeder. Es gibt Dinge, über die will ich dann aber auch nicht mehr diskutieren. Da frage ich nur noch: „Kümmerst Du Dich oder willst Du mich von der Leine lassen?“ Im Chinesischen bin ich ja Feuerdrache. Der ist noch mal anders unterwegs als der fast lammfromme Steinbock in mir.

Apropos Steinbock: Meine Kollegin, bei der ich am Samstag war, hat ja einen Steinbock Zuhause. Die eröffnet mir heute doch im Brustton der Überzeugung: „Den Steinbock habe ich in Dir ja auch noch gar nicht gespürt. Du bist ja Null stur.“ Sie kennt mich jetzt fast drei Jahre. Äääääääh…doch. Es kommt ganz aufs Thema an und ob ich dafür meine Energie verschwenden will. Sie meint, dass bei ihr und ihrem Freund regelmäßig die Fetzen fliegen würden, wenn beide ihren Kopf durchsetzen wollten. Sie neige dann auch dazu, ganz unsachlich zu werden. Da würden dann von beiden Türen geknallt. Es hätte was von italienischem Drama. Puh, das liegt mir ja in der Tat fern. Ich könnte nichts durch die Gegend pfeffern und kaputtschlagen. Ich habe verdammt viel Porzellan, aber das würde ich doch da niemals zerschlagen?! Bei mir ist es eher so, dass ich leise werde. Seeeeeeehr leise. So leise, dass es laut in den Ohren hallt. Dann ist Matthäus am letzten. Aber brüllen? Sachen schmeißen? Türen knallen? Nö. Wobei ich manchmal denke, das würde die Luft besser reinigen als das ständige Zurücknehmen. Denn ich lasse die Wut ja nicht raus. Und – ein Hoch auf den Steinbock – ich vergesse das dann auch nicht. Manch einer weiß ein Liedchen drüber zu pfeifen, welch olle Kamelle ich noch wortwörtlich herauskramen kann. Es ist ein Fluch und Segen zugleich. Naja…jedem Tierchen sein Pläsierchen, gell? Und wer mich nicht ärgert, lernt auch nicht meine Sturheit kennen. „Es könnt´ alles so einfach sein, ist es aber nicht.“ Die Fantas haben so verdammt recht!