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Böse Natur

Heute ist doof. Ja, einfach doof. Keine Ahnung, wie oft ich heute geniest habe. Nee, das heißt nicht genossen. Das sagt man, wenn was gut war. Ich hab geniest wie ein Pferd – und das ist nicht gut. Meine arme Armbeuge. Ich könnte kotzen. Das nervt einfach nur noch. Und so kenne ich das vom Leben in der Stadt nicht. Ja ja ja, ich sollte nicht undankbar sein. Will ich auch nicht. Es hat mir nur einfach den Tag versaut.

Was ich interessant finde, ist die Tatsache, wie schnell die Leute zu Denunzianten werden. Mein Schwager arbeitet beim Ordnungsamt und sitzt quasi an der Quelle. Ich weiß weder Namen, noch Alter, noch Geschlecht. Nur dass es wohl viele Leute gibt, die andere sehr gerne anscheißen. Hammer, oder? Da spricht wohl auch keiner mal die Leute aus einiger Entfernung an. Nö, da ruft man direkt mal das Amt an. Denn die haben ja nix Besseres zu tun, als zu allen möglichen Leuten zu fahren und denen ein Bußgeld aufzubrummen. Auf Nachfrage, wer denn Anzeige erstatten wolle, wird dann schnell zurückgerudert. Nee nee, so wäre das nicht gemeint. Nee, sie wollen ja niemanden anzeigen. Nee, sie wollen ausschließlich ihrer Bürgerpflicht nachkommen. Is klar.

Prinzipiell ist es ja durchaus sinnvoll, die Augen offenzuhalten. Und ja, die Regeln sollten auch eingehalten werden. Aber manch einem ist einfach sehr langweilig… und dem ein oder anderen kommt es durchweg gelegen, mal so die fiese Sau rauskehren zu können. Solange ihr Name rausgehalten werden kann, ist es ja auch herrlich einfach, andere zu ärgern. Schäbig, oder?

Da niese ich lieber noch ein bisschen vor mich hin, als so ’ne fiese Möpp zu werden. Und Ihr? Ich hoffe, Ihr gehört zu den „Normalen“. Ich mag nämlich solche Kackbratzen nicht. So. Und jetzt geh ich wieder niesen. Einer muss sich ja drum kümmern.

Fauler Tag

Heute ist ein ruhiger Tag. Nicht für jeden, ich weiß. Der Hahn nebenan hat nach wie vor seine Röhre aufgedreht. In der Sonne liegend stelle ich mir ihn gerade auf einem Drehspieß über prasselndem Feuer vor. Gut gewürzt, kross gebraten, jo, so könnte er mir dann doch gut gefallen. Allerdings müsste ich ihm dafür vorher den Hals umdrehen. Darin wäre ich dann doch eher schlecht. Also verwerfe ich den Gedanken besser schnell wieder.

Die Vögelchen zwitschern, wobei der ein oder andere durchaus ein penetrantes Scheißerchen ist. Nix gegen einen kurzen „Moin zusammen, ich bin auch schon wach“-Pieps, aber das muss ja nicht jeder alle zwei Sekunden lang wiederholen.

Ja, ich weiß, das klingt für die meisten von Euch nach Idylle. Ist es vermutlich auch. Aber ich bin Allergiker. Ich weiß schon, warum ich in die Stadt gezogen bin. Die Natur nervt mich. Es ist alles schön anzuhören und anzusehen, aber wenn Ihr dauernd niesen und schniefen müsstet, wäre von Euch auch keiner gelassen und entspannt, oder?

Und auch, wenn es gestern anstrengend war, den ganzen Tag im Webinar zu hocken, finde ich es heute rotzelangweilig. Puh, ich kann mit mir so gar nichts anfangen. Geht aber meinen Neffen nicht viel anders.

Es soll ja Menschen geben, die Langeweile lieben. Andererseits soll es auch Menschen geben, die auf Fußpilz stehen. Es gibt für jeden Spleen einen Spinner, oder? Da muss ich mir so was nicht angewöhnen. Ich hab ja so schon einen an der Meise.

Entsprechend nutze ich den Tag für ein ausgiebiges Sonnenbad (ein Halleluja auf die Sommersprossen), ein kurzes Nickerchen auf dem Sofa und ein ausgedehntes Telefonat. Im Grunde ist das ja herrlich, aber morgen muss wieder was Produktives her. Ich verstehe nicht, wie Leute so was wirklich gerne und dauernd machen können. Meins ist das nicht.

Ich geh jetzt schlafen, damit ich morgen noch mal mit dem Nähen durchstarten kann. Wenn Ihr einen Schrei hört, wisst Ihr Bescheid – dann war es nämlich der Hahn, der meine kaum vorhandene Geduld, die übel an der Nähmaschine strapaziert werden wird, mit seinem Krähen komplett zum Platzen bringen wird. Haltet also die Ohren offen…

Zeichen oder Zufall

Heute stehe ich schon positiver auf. Gut, ich springe nicht aus dem Bett. Das gelingt mir so gar nicht mehr in letzter Zeit. Keine Ahnung, vielleicht ist es auch eine Frage des Alters? Schon möglich, oder?

Gerade ist das neurolinguistische Programmieren Thema meines Webinars. Ich mag das ja. Allerdings sehe ich schon diese amerikanische Grundlage, was ich gerne beiseiteschiebe. Und ich sehe auch, wie dieses Werkzeug ziemlich manipulativ eingesetzt werden kann. Nur das geht doch bei allen Theorien so, oder? Kommt immer auf die eigene Haltung an, finde ich.

Die Sonne strahlt schon früh und hat wohl heute auch richtig gute Laune. Sie hat die Wolken verscheucht. Und was mach´ ich? Ich sitze im Keller und schaue in den Laptop. Pffff. Zum Glück ist das Thema dann echt gut. Andernfalls wäre ich wohl etwas knatschig.

Ziemlich durchgefroren vom ruhigen Sitzen, krabbel‘ ich dann doch irgendwann aus dem Keller nach oben, wo wir die Grillsaison eröffnen. Et Sönnsche strahlt, das Radler schmeckt, alles ist schön.

So langsam wird mir auch wieder warm. Um nicht völlig einzurosten, gehe ich auch heute wieder eine große Runde spazieren – andere Begleitung, anderer Hund. Ich halte nach den Kindern mit dem läufigen männlichen Hund Ausschau, entdecke sie aber nirgends. Das scheint mein Schicksal zu sein: Der Traum-Küsser erscheint nicht mehr, und die Kinder verstecken sich auch schon. Selbst mein Schwager erwähnt, wie schön angenehm ruhig es doch war, solange mein Webinar lief und ich im Keller gesessen hab. Nicht mal auf die Chinesen ist Verlass! Letztes Mal kam das Wort „Corona“ in meinem Beitrag vor, und trotzdem gab es keinen Aufruf meines Blogs in China. Ob das lauter Zeichen sind? Und wenn ja: Wie habe ich sie zu deuten?

Wisst Ihr was? Ich bin zu müde, um noch irgendwas zu deuten. Ja, auch Stillsitzen macht müde. Da pfeife ich auf Zeichen, Zufälle oder Zaunpfähle, die mir eventuell zuwinken. Ich will keine Verschwörungstheorien mehr hören. Ich will nur schlafen. Ok, auf einen schönen Traum lasse ich mich ein. Aber nichts Anstrengendes! Dafür bin ich heute zu alt. Morgen gerne wieder.

In diesem Sinne: Ich wünsche Euch heute mal aufregende Träume. Wenn was Tolles dabei sein sollte, lasst es mich wissen.

Lachflash

Kennt Ihr das? Ihr könnt nicht aufhören zu lachen. Es geht nicht. So geht es mir heute Abend. Aber erstmal von vorne.

Es ist Tag schlag-mich-tot in der Corona-Krise. Lustig, sowie ich das Wort „Corona“ schreibe, klickt jemand aus China meinen Blog an. Kein Witz. Vermutlich haben die einen Algorithmus geschrieben, der das Web nach diesem Wort scannt. Wenn nicht, dann bitte bitte bitte, kann mir der- oder diejenige schreiben, ob er/sie meinen Blog tatsächlich liest? Ich kann es nicht glauben.

Meine Laune ist heute Morgen noch recht verhalten. Gerne hätte ich noch ein Ründchen gepennt. Nein, nicht weil mir der Gut-Küsser wieder im Traum erschienen ist oder weil es gar superfrüh wäre. Ich hab mich wohl einfach schon ans Lotterleben gewöhnt. Schlimm. Aber heute ist ja Webinar.

Was soll ich sagen? Ich mag die Dozentin, aber sie ist noch weniger technikaffin als ich. Ich weiß, schwer vorstellbar, doch es gibt diese seltenen Perlen. Ihre Übertragung ist bei uns allen Grütze, doch man will uns weismachen, es läge nur an unseren Leitungen. Is klar, ne? Ich hänge hier am Glasfasernetz und gehe direkt über die LAN-Verbindung rein. Wie war das: „Wenn der Bauer nicht schwimmen kann, ist es die Badehose gewesen.“ Zu dem ruckelnden Bild kommen kalte Füße und ein verspannter Nacken. Alles nervt.

Ja, ich merke, wie fahrig ich zwischendurch werde. Dabei ist ja nichts Schlimmes passiert. Es ist einfach nur nicht normal und alltäglich, wie das Leben gerade so läuft. Und da sind die Nerven einfach zwischendurch hauchdünn… was leider auch meine Mitmenschen zu spüren bekommen.

Was hilft da besser als ein schöner Spieleabend im Kreise der Mitbewohner…also ich bin ja quasi der Mitbewohner hier…aber zum Ausgleich ist das Spiel von mir. Wir spielen nämlich Activity. Das ist eigentlich mein Anti-Karfreitags-Sauf-und-Fressgelage-all-time-favourite-Spiel, doch vermutlich gerade deshalb funktioniert es auch heute so gut. Die Wortschöpfungen, pantomimischen Darbietungen und allen voran meine zeichnerischen Ergüsse haben mein Zwerchfell doch arg strapaziert. (Ich kann nicht malen… gar nicht… noch weniger als Mathe). Dieses Zwerchfell habe ich mir irgendwann in den 70ern zugelegt, vergesse es dabei aber einfach regelmäßig. Heute hab ich es dann mal wieder hervorgeholt… nur damit es mich morgen vermutlich den lieben langen Tag lang ärgern wird – ähnlich der Muskulatur meiner Wangen. Egal, es war schön. Entsprechend gehe ich heute beschwingt ins Bett. Wenn ich so auch wieder aufstehe, ist mein Tag ein Fest.

Also: Drückt mir die Daumen – ich mach‘ dasselbe für Euch!

Der erste Stich

Wisst Ihr, wer nicht in meinen Traum geschlichen ist? Der gute Küsser. Vermutlich war er noch müde von der Nacht zuvor. Keine Ahnung. Aber schon schade, dass ich ihn nicht wieder getroffen habe. Er war echt gut. Wer weiß, vielleicht ist er heute Nacht wieder fit? Also: Ich wär‘ so weit. Könnt Ihr ihm ausrichten, wenn Ihr ihn seht.

Gestern Abend war ich noch spazieren. Unterwegs sind wir auf drei Kinder gestoßen, die einen kleinen Hund an der Leine hatten. Die Kleinste war vielleicht im Kindergartenalter, die beiden anderen im Grundschulalter. Das größere Mädel hat uns dann informiert: „Unser Hund ist läufig. Deshalb müssen wir ihn festhalten. Er ist nämlich ein Junge.“ Hä? Martin (mein Spazierbegleiter) mit seiner Hündin an der Leine, schmunzelt mir zu: „Aaaah, ein läufiger Junge. Klar. Schon oft gehört.“ Die Kleine nickt ganz eifrig. „Ja, hat der Arzt gesagt.“ Ist klar. Lustiger Arzt. Ganz ehrlich: Ich kenne einige läufige Kerle. Also so unwahrscheinlich ist die Aussage dann auch nicht.

Und dann frage ich die beiden Älteren: „Euch ist bestimmt im Moment total langweilig, oder?!“ Beide antworten gleichzeitig – wenn auch völlig konträr. Der Junge mit „Nein“, das Mädel mit „Ja“. Anschließend empört sich das Mädel: „Und dann kann ich noch nicht mal ausschlafen! Um 8 Uhr werde ich geweckt.“ Ja, das Leben ist schon ne dumme Sau. Der Junge steht schweigend daneben. Ist wie im wahren Leben. Da haben die Kerle auch nix zu sagen – und sind läufig. Ach, hier auf dem Land spielen sich echte Dramen ab.

Heute Morgen ist es dann endlich soweit: Nachdem meine Sis von Aldi zurück ist (nach 70 Rentnern, die wohl wegen Geranien und Blumenerde als Erste da sein mussten), setzen wir uns an den Tisch. Nach einer Kurzunterweisung nähe ich erstmalig los. Gut, es sind nur gerade Bahnen, die ich nähen muss, aber hey, es sind meine ersten Stiche!!! Ich hab so was noch nie gemacht. Und was soll ich sagen? Alle Finger sind noch heile. Auf keinem Mundschutz sind Blutstropfen, und die Nähmaschine ist noch ganz. Wenn sich das nicht nach Erfolg auf ganzer Linie anhört. Aber hallo?

Ansonsten passiert nicht viel. Wie auch? Es herrscht ja immer noch die Ausgangsbeschränkung. Vielleicht hat sich der gute Küsser auch davon abhalten lassen? Es gibt Menschen, die eben alles ganz genau nehmen…jede Verfügung, jede Anordnung, alles. Wenn er so einer ist, dann will ich ihn vielleicht doch nicht? Ach, keine Ahnung. Wie man hier so schön sagt: „Loat ma komme!“

Apropos Knutschen…

Heute Morgen werde ich wach – zugegeben, reichlich spät. Und mit einem fetten Lächeln im Gesicht. Das Schreiben übers Knutschen gestern Abend hat seine Wirkung nicht verfehlt. Ich hab im Traum rumgeknutscht. Und jetzt liege ich lächelnd hier, bis mir einfällt: Hey, wer war der Typ denn eigentlich?! Man man man, konnte der gut küssen. Puh. Wir waren zu dritt im Kino. Irgendwer links, dann er in der Mitte und ich rechts. Und ich hab keine Ahnung, wer das war. Das geht so was von gar nicht! Nach Freud hätte das eine tiefere Bedeutung. Die will ich gar nicht wissen. Ich will die Nummer, die Adresse, den Beziehungsstatus. Würde mir für den Anfang jedenfalls voll reichen.

Was bekomme ich stattdessen? Eine Matheaufgabe. (Danke, Sonja, Du Komikerin!!!) Ich also noch voll verpennt und selig vom Knutschtraum und komme schwups in meinen Albtraum – Mathe. Manche haben’s echt drauf, einen fertig zu machen. Nach mehreren Versuchen habe ich es lösen können – mit einem Tipp meines Neffen, der Mathe als Leistungsfach hat. Ja, ich hab ihn trotzdem lieb, eigenartigerweise.

Den Vormittag verbringe ich mit Backen. Es gibt Puddingstreusel und Körnerknäckebrot. Ich liebe es ja zu backen. Nur leben in meinem Haushalt nur bereits erwähnte Wollmäuse, Milben und Spinnen (Letztere natürlich nie lange). Jedenfalls hat bisher noch keiner von denen je irgendwas Gebackenes von mir gegessen. Ja, verwöhntes Pack. Vermutlich sind es Mäckes-Anhänger. So verkommen ist die Jugend heute! Wen ich beim letzten Mal schon vergessen hatte zu erwähnen, was tiefe Depressionen hervorgerufen hat, sind meine Silberfische. Die lassen sich allerdings auch nur selten sehen, weshalb sie sich nicht beschweren dürfen, wenn sie denn in Vergessenheit geraten. Schließlich haben sie auch noch nie von meinen Backerzeugnissen gekostet.

Und so bin ich eben wieder mal dankbar, meine Neffen zu haben. Die essen so ziemlich alles, was ich ihnen kredenze. Vielleicht haben sie Angst vor mir? Nee, dazu sind sie zu groß und stark. Da hab ich leider keine Chance mehr. Vielleicht spekulieren sie aufs Erbe? Aber außer reichlich Porzellan ist da auch nix zu holen. Also scheidet die Interpretation auch aus.

Egal, was es ist: Es ist doch wurscht. Sie essen, was ich koche und backe. Und so komme ich mir etwas nützlicher vor. Also gewinnen wir doch alle irgendwie.

Jetzt mache ich,  glaube ich, ein Nickerchen auf der Wellenbank meines Neffen – mitten in der Sonne. Na und, dann kriege ich eben Sommersprossen. Hauptsache, der Typ aus dem Kino erscheint wieder im Traum. Vielleicht nehme ich ihm ein Stück Puddingstreusel mit? Mal schauen, wie der ihm schmeckt. Ich weiß, wie er sich revanchieren kann. Gehabt Euch wohl – und bleibt bitte meinen Träumen fern!

Knutschen im Wald

Heute Morgen war ich um 7 Uhr bei Lidl. Nee, nicht, weil ich so ne kranke Sau bin, sondern weil ich meinem Schwager beweisen wollte, mit ihm aufzustehen. Der Arme muss ja nach wie vor arbeiten. Lustig fand ich die Frau, die sofort nach links geschossen ist, um zwei Pakete Klopapier zu ergattern – und dann doch nur eines kaufen durfte.

Ich finde es schon komisch, wenn andere Leute jetzt noch arbeiten. Bei mir sind es jetzt schon zwei Wochen her, dass ich in der Firma war. Gut, es gab ja noch Home Office. Aber seit zwei Tagen selbst das nicht mehr. Noch fühlt es sich ein bisschen wie Urlaub an – auch wenn ich da natürlich Leute treffen würde und unterwegs wäre. Aber noch ist es eben ok…

Doch wann kehren wir zurück an den  Arbeitsplatz? Kriege ich dann eine neue Einarbeitung, weil ich alles verlernt hab – hihi? Dann geh ich zu Heinz, der alles kann, weiß und überhaupt. So einen Heinz haben wir doch alle, oder?

Ob ich mich dann noch an alle Passwörter erinnern kann? Es wird schon am Schlüsseltresor scheitern. Da hab ich letztens schon mal die PIN meiner EC-Karte eingegeben. Auf einmal ging nichts mehr. Nicht mal Geld kam raus! Puh, da ist mir aber der Schweiß ausgebrochen. Nach ein paar Minuten ging es dann aber wieder – mit dem Schweiß zumindest. Ich hab meinen Kollegen angerufen und gefragt, welchen PIN wir noch mal hätten? „Äääääääh, da muss ich vor dem Bedienfeld stehen. Das kann ich Dir so nicht sagen.“ Krasses Phänomen, oder? Mir geht es nämlich leider auch so. Es fiel mir dann aber zum Glück selbst wieder ein, wie die PIN lautete. Ich hatte schon die Idee, mich auf Demenz testen zu lassen. Aber für so was ist gerade ja keine Zeit… Derweil bau ich einfach munter weiter ab. Ist auch was Schönes.

Heute haben wir weitergenäht… also ich nicht. Hab ja nur die Nähte versäubert, die Qualitätsprüfung durchgeführt und etwas gebügelt. Es will ja keiner, dass ich vor Ungeduld alles in die Luft jage. Auf Dauer ist das keine lustige Arbeit, weil die Nähmaschinen darüber die Grätsche machen.

Nachmittags ging es dann endlich in den Grotenrather Wald (den die Minderbegabten auch Teverner Heide nennen). Hach, kamen da Erinnerungen hoch! Da waren wir früher mit unsrem Opa spazieren und auf Wandertagen zum Ausflug. Und da hab ich rumgeknutscht. Erstmal mit Uli. Später mit Micha, was schon deutlich besser war. Da ist man immer bei jedem Knacken zusammengezuckt. War das aufregend, weil sich das harmlose Knutschen so verboten angefühlt hat! Es folgte noch einer, aber der war gar nicht gut. Dann hab ich dem Wald keine Chance mehr gegeben bzw. hatte meine eigene Bude.

Wie das wohl heute im Wald so wäre? Ob ich es noch mal versuchen soll? Aber mit wem denn?! So ein Wald kann ja schließlich auch keinen herbeizaubern, oder?

Ich merke nur eins: 1. Ich bin ganz schön alt geworden, wenn ich so an damals denke. 2. Die Zeit ohne Arbeit bekommt mir nicht. 3. Knutschen war schon schön. 4. Mathe kann ich immer noch nicht (siehe: „Ich sage nur EINS“).

In diesem Sinne: Ich geh Schafe zählen. Da ist die Genauigkeit nicht so wichtig. Schlaft auch gut – mit oder ohne Schafe.

Glücklich mit nichts

Warm ist mir. Richtig warm. Liegt wohl am Bügeldampf. Der Auftrag lautet, erstmal zwei Kanten umzubügeln. Dann wird wieder genäht, dann werden zwei Falten reingebügelt. Danach kommen noch Gummibänder dran. Da ich nicht nähen und auch sonst nur kluge Ratschläge (also doofe Sprüche) absondern kann, bleibt mir nur die Aufgabe des Bügelns. Ist aber ok – zumal es ja für einen guten Zweck (Altenpflege und ambulante Pflege) ist. In den nächsten Tagen will meine Schwester mir das Nähen beibringen. Heute sind dann beide Nähmaschinen verreckt. Ob das ein Omen sein soll? Ob die Maschinen Angst vor meiner Behandlung haben? Möglich wäre es.

Heute stand der Vormittag im Zeichen des Telefonierens. Ich frage mich ja, was diese Zeit für richtig alte Menschen bedeuten muss? Mein ehemaliger, alter Kollege (80 Jahre alt) nimmt das gelassen. Ausgangsbeschränkung? Pfff, er kennt es noch, als Kind immer in den Bunker laufen zu müssen. Nach einem Rauskommen aus dem Bunker waren sehr viele Häuser um den Bunker in Düsseldorf zerbombt. Daraufhin hat seine Omma (ja, immer noch absichtlich mit zwei „m“) sich an den Kopf gefasst und alle Haare auf einmal verloren. Krass, oder?

Oder die Kuba-Krise. Zu der Zeit war er bei der Bundeswehr. Da waren sie für 14 Tage einkaserniert. Niemand durfte rein oder raus. Da seien auch einige durchgedreht. Er nicht. „Wir hatten doch den zweiten Weltkrieg mit den Aufenthalten im Bunker überlebt. Was machten da 14 Tage in der Kaserne? Nix.“ Entsprechend sagt er sich, dass diese Ausgangsbeschränkung nicht weiter wild sei. Er habe genug zu tun. Langeweile käme bei ihm nie auf. Nur schade, dass wir kein Pöttchen Kaffee zusammen trinken könnten. Stimmt. Echt schade.

Es ist schon interessant, wie man die jetzige Krise betrachten kann. Ihm ist eine Leichtigkeit zueigen, die ich nur bewundern kann. Das kann Erziehung eben auch. Sein Großvater habe ihm immer erklärt, wie viel Glück er hätte: Die ganze Straße würde ihm gehören. Und das habe er auch geglaubt. Dabei hatte er gar nichts – materiell gesehen.

Und so sieht er sich eben heute auch als Gewinner. Für ihn ist das Glas immer mehr als halbvoll. Immer einen flotten Spruch auf den Lippen und ein Liedchen pfeifend – so geht er durchs Leben. Ihm tut nix weh, er beschwert sich über nichts, sein Leben ist schön.

Schon bewundernswert, oder? So möchte ich mich auch fühlen… wobei: Heute geht es mir auch schon besser. Ja, es tut noch so manche Stelle weh, aber ich bin bei meinen Lieben. Da gehöre ich ja wohl zu den Glückspilzen. Allerdings zu den müden Glückspilzen, die jetzt schlafen gehen müssen. Und das, ohne heute auch nur eine Sekunde ferngesehen zu haben. Keine Zahlen oder aneinandergereihten Hiobsbotschaften. Oooh, das fühlt sich zauberhaft an.

In diesem Sinne: Ich wünsche Euch Leichtigkeit und gut gelaunte, lustige Menschen um Euch herum. Die tun tausend Mal besser als die doofen Miesepeter.

Umentschieden

Mei o mei. Ich kann ja Unentschlossenheit nicht leiden und bin normalerweise so ein hop-oder-top-Typ. Ganz oder gar nicht oder bleib mir weg damit! Ewiges Rumpimmeln liegt meinem Naturell so gar nicht. Dieses Virus schafft es allerings, dass ich alles über Bord werfe, was mir heilig ist.

Mit anderen Worten: Ich bin nach meinem ganztägigen Webinar zu dissoziativer Persönlichkeitsstörung (wie passend, oder?) doch noch zu meiner Sis und ihrer Familie gefahren. Heute Morgen haben wir noch das Thema Hysterie abgeschlossen. Noch passender, oder?

Was hab ich mir für einen Stress gemacht, man könnte mich anhalten! Dabei tu ich nichts Strafbares. Ich fahre zu meiner Familie, was erlaubt ist. Trotzdem, diese eklige Kontrollinstanz sitzt auf meiner Schulter und schüttelt missbilligend den Kopf. Ihr seht schon: Die Hysterie ist quasi schon vorhanden. Im Auto auf der stundenlangen Fahrt hab ich dann auch mit mir selbst geredet. Seit vorhin habe ich aber endlich wieder andere, die mit mir sprechen. Familie – zumindest der gute Teil von ihr – ist doch was Tolles. Die anderen dürfen mir gern den Buckel runter und so.

Und da ich völlig platt bin, geh ich jetzt pennen. Alles Weitere muss bis morgen warten, weil ich sonst noch größeren Nonsens schreibe.

Schlaft selig, bleibt gesund und nach Möglichkeit: Kommt gut und ohne physischen und psychischen Schaden durch diese Zeit!

Strange days…

So, nun ist ein ganzer Webinartag vorüber. Spannend und interessant war es definitiv – aber auch anstrengend. Puh, mein armes, altes Hirn. Allerdings ist heute das Wetter so schön, dass ich den kompletten Tag auf dem Balkon verbracht habe. Während ich also psychologischen Erkenntnissen, verschiedenen Theorien und dergleichen lausche, kann ich währenddessen auch die Oachkatzl beobachten. Es gibt hier das dunkelbraune und das fuchsbraune. Ob sie verwandt sind, weiß ich nicht. Reden tun die Viecher irgendwie nicht mit mir. Und dann sehe ich auch, wie meine Nachbarin im Erdgeschoss die Enten mit dem von mir besorgten Toastbrot füttert. Arme Tiere. Das ist wirklich nicht gut für sie, was die Omi da tut. Aber ich will sie nicht zurechtweisen. Es gibt nur Ärger, und ändern wird sie ihr Verhalten dadurch auch nicht. Vielleicht spekuliere ich doch auf den Entenbraten im Notfall? Mal sehen.

Nach einem gestern wirklich von mir mit viel Wut im Bauch verbrachten Tag, bin ich heute wieder besser drauf. Keine Ahnung, wieso ich manchmal meine Energie so verballer, aber ich finde es schwer, manche Menschen einfach auszublenden. Daher bin ich gerade doch froh, drei Woche Betriebsschließung zu erleben – auch wenn mir die anschließende Kurzarbeit Angst einflößt.

Da ich gestern so mies drauf war, hatte ich überlegt, kurzerhand morgen nach meinem Webinar ins Auto zu steigen und zu meiner Sis zu fahren. Ist das moralisch vertretbar? Ich weiß es nicht. Viele meckern und beschweren sich, wie schwierig ihr Leben gerade mit ihrer Familie sei. Da frage ich mich: Was denkt Ihr, wie schön es ist, niemanden mehr zu sehen? Klar, ich sehe Menschen im Fernsehen. Und ich sehe von Weitem mal einen Spaziergänger. Aber hier ist niemand, mit dem ich mich von Angesicht zu Angesicht austauschen könnte. Und in Bayern sind die Regeln strenger: Ich darf auch mit niemandem spazieren gehen, mit dem ich nicht zusammenlebe. Ääääh, keine Ahnung, wie Wollmäuse sich an einer Leine machen…oder Milben? Mehr Wesen leben in meiner Bude nicht. Warum? Weil ich Spinnen immer wegsauge. Ja, nicht nett. Schlaflose Nächte, weil sie über mich krabbeln könnten, sind dann aber auch nicht sinnvoll – zumindest für mich nicht. Und ich sage immer vorher, dass sie gerne freiwillig den Rückzug antreten können. Andernfalls würde ich sie wegsaugen. Daher ist es wohl doch fair.

Nun also…ich dachte darüber nach, nach NRW zu fahren. Ob ich einfach fahren könnte? Ich schätze, nach NRW hin ist es kein Problem. Zurück sieht es schon anders aus. Da könnte ich mir durchaus vorstellen, Bekanntschaft mit der Polizei Bayerns zu machen. Möchte ich das riskieren? Gerade heute erst hatten wir Freuds ES – ICH – ÜBER-ICH Modell. Und bei mir ist – ganz ohne Diagnose – immer schon eine starke ÜBER-ICH Funktion vorhanden. Das nervt, ganz klar. Heute Morgen kam dann im Radio, dass gerade heute, wo so tolles Wetter ist, noch mal darauf hingewiesen wird, sich nicht weit weg zu bewegen, sondern im nahen Umfeld spazieren zu gehen. Polizeikräfte würden stark kontrollieren und sanktionieren. Danke, jetzt geht es mir doch bedeutend besser. Also fahre ich nicht – wobei ich meine Neffen, meine Sis und meinen Schwager vermisse. (Ob sie mich auch? Sie sagen ja…aber sie könnten aus Höflichkeit lügen, wer weiß das schon?)

Meine Hoffnung ruht auf der Aussicht, dass ich freiwillige Helferin in den Münchner Krankenhäuser werden kann. Die traurige Gewissheit kam gerade: Es haben sich 3.000 Leute gemeldet. Der Teil ist mehr als positiv. Nur haben sie zunächst wirklich nach medizinischer Qualifikation gesucht, was ich verstehen kann. Die erste Welle startet also nun. Zu der gehöre ich nicht. Als Back Up bleibe ich im Pool. Hm… Es freut mich natürlich, dass sich so viele Menschen bereit erklärt haben, zu helfen. Das ist wunderbar. Und es macht mich traurig, dass ich nicht helfen darf. Toastbrot für Enten zu besorgen, entspricht nicht meiner Vorstellung von Hilfe. Aber das gehört wohl auch dazu: Seinen eigenen Egotrip hintenanstellen und dankbar sein, dass andere sich gefunden haben und helfen können. Und dennoch fühle ich das gerade nicht. Wer weiß, was noch kommt? Aber komisch ist das Leben gerade schon, oder? Ich muss neue Strategien für mich entwickeln…wie so viele andere auch.