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was geht´s mir gut bei Sonnenschein

Der Frühling gibt heute mal wieder sein Stelldichein. Mit einem leckeren Milchkaffee und einem guten Buch schwelge ich auf dem Balkon. Mir geht´s schon gut. Manchmal vergesse ich das. Meistens denke ich schon dran…aber eben nicht immer. In solchen Momenten, wo es ruhig um mich ist, die Augen auf unendlich gestellt sind (weil ich das Buch mal neben mich lege), dann bin ich dankbar. Es geht immer höher, schneller, weiter. Aber es geht auch deutlich schlechter. Und so genieße ich einfach in schwelgender Dankbarkeit.

Gut, ok, noch toller wäre es natürlich, wenn mir einer den Spargel aus dem Rheinland schälen würde. Und wenn er oder sie gerade dabei ist: Gerne auch die Kartoffeln. Aber mir bricht so gar kein Zacken aus dem Krönchen, das kurz selbst zu tun und auch hier wieder zu genießen. Gibt es was Besseres als Spargel im Frühjahr? Ich finde: Das ist Luxus. Und er tut gut. Außerdem habe ich mich gestern das erste Mal in meinem Leben an einen Prinzregenten herangewagt. Dieser Kuchen ist für meine Tanten schon Standard. Meine Sis hat ihn auch schon x-fach gebacken. Ich hingegen bin da jungfräulich, aber wollte es jetzt mal wissen. Allerdings nur in kleiner Ausfertigung. Was soll ich sagen? Er hätte besser werden können. Die Böden sind etwas zu dick, die Creme dafür etwas zu dünn aufgetragen. Und optisch? Herrje, da kann er keinen Blumentopf gewinnen. Aber er schmeckt trotzdem. Und da er „nur“ für mich ist, ist dieser kleine Kuchen auch in Ordnung.

Weniger in Ordnung ist bei diesem Wetter: Das Brüllkind ist auch wieder draußen. Wieso schafft dieser kleine Scheißer es mit seinen acht oder neun Jahren nicht, in einer normalen Lautstärke zu reden? Letztes Jahr war es immer wieder eine Maria, nach der er schrie. Gestern und heute hat er es mit einer Melina. Vorhin hörte ich ihn auch philosophieren, dass die Menschen sterben werden – und zwar alle! Die Bäume würden nämlich auch sterben! So! Ääääh… Da wundert´s mich nicht, wenn ihm die Mädels alle davonlaufen, oder? Ich würde echt gerne mal mit seinen Eltern sprechen. Und ich würde gerne einen Logopäden hinzuziehen, der ihm beibringt, nicht so viel Druck auf die Stimmbänder auszuüben. Das würde nicht nur dem Rotzigen helfen, sondern allen anderen Bewohnern der Häuser drumherum auch eine Ohrenfreude bereiten. Ach ja. Ich sollte Kaiserin werden. Immerhin stimmt das Sternzeichen ja. Dann dürfte der Rest ein Klacks werden. Was? Ob in meinem Prinzregenten Alkohol drin war? Nein! Wieso auch? Und nein, ich habe auch kein Eierlikörchen gepichelt. Und nö, auch die Sonne hat mir keinen Stich versetzt. Ich träume eben nur ein bisschen vor mich hin. Das geht bei diesem Wetter einfach leicht. Morgen soll es sogar bis 20 Grad geben. Was ich dann wohl träumen werde? Des wenn i wüsst!

Na, einen Tag habe ich ja noch Schonzeit, bis das Träumen ein abruptes Ende bringt und ich wieder arbeiten muss. Passend dazu fallen ja auch die Temperaturen wieder ins Bodenlose. Eine Kollegin hat mich gestern schon auf Stand gebracht. Der oberste Chef meines Centers hat mit ihr Mittagspause gemacht. Halleluja! Er muss offen mit ihr über seine Affären gesprochen haben, die er während seiner Ehe gehabt hat. Will ich so was wissen? Ich denke, eher nicht. Nun weiß ich es aber. Gut, ich wusste es bei ihm auch vorher schon. Im Grunde weiß es jeder, weil er dafür bekannt ist. Bei Männern grinsen die meisten ja darüber, wenn einer ein Schwerenöter ist, ein „Schmecklecker“. Bei Frauen…? Die sind Schlampen, die sich hochvögeln wollen. Oh man…wir haben noch einiges an Gleichberechtigung vor uns.
Nur…dass er da so offen drüber spricht? Ich glaube, er ist ein bisschen altersmüde geworden. Die Krise mache ihm zu schaffen…die Sorge vor der Zukunft. Das wundert mich dann schon immer bei solchen Leuten. Er hat nur noch ein paar Jährchen bis zum Rentenalter und ist quasi unkündbar. Er verdient (wieder das falsche Verb…besser: Er „erhält“) seit Jahrzehnten richtig fett Kohle. In normalen Jahren reden wir von mindestens einer Viertelmillion pro Jahr. Da kommt dann aber noch der Bonus drauf, ist klar, oder? Wovor haben solche Menschen dann Angst? Wohlgemerkt: Seine Angst bezieht sich nicht auf die Gesundheit. Das könnte ich ja durchaus verstehen. Aber er macht sich eben so Sorgen um die Zukunft. Mit mehreren Immobilien, die er vermietet, hat er bitte welche konkrete Angst vor der Zukunft? Ich weiß, so was ist nie rational und daher auch schlimm für solche Menschen. Doch mir fehlt manches Mal trotzdem die Nachsicht mit solchen Typen. Die gibt´s bei Frauen auch, ich weiß. Das sind so Leute, die auch nie freiwillig ihren Stuhl räumen würden, weil sie denken, die Welt ginge dann unter. Ich mag diese Art Menschen immer weniger…und hoffe, dass sich endlich etwas gesellschaftlich tut, denn im Grunde wäre für alle ausreichend da. Ja, ich weiß, ich träume schon wieder. Aber noch ist das Wetter ja auch schön…

von unnützen Sorgen

Ich genieße es, heute noch nicht arbeiten zu müssen. Montag geht es ja gleich wieder rund. Und irgendwie nervt´s mich jetzt schon. Wenn ich ein wenig Abstand habe, dann ist mir sonnenklar: So geht´s nicht weiter. Mein Chef sagt mir, dass ich zwar mehr leiste und mehr verdiene, aber es gehe einfach nicht, weil das Geld anders verteilt sei? Ja, was ist das denn bitte für ein Scheißdreck?! Ich geh´ ja auch in keine Bäckerei und sage: „Sie haben das beste Brot, aber leider kann ich nur die Hälfte davon zahlen. Na, dann geben Sie mal reichlich!“ Und dann darf ich munter noch für meine Kollegin mitarbeiten, wenn sie ausfällt? Ich frage mich zwischendurch echt immer wieder, wie blöde ich bin? Ich muss diese Prüfung noch packen (in der Hoffnung, dass sie im Oktober stattfindet und ich zugelassen sein werde), dann muss ich wirklich, wirklich nebenher was aufziehen. Denn auf Dauer macht mich das noch verrückt. Ja, noch verrückter, als ich ohnehin schon bin.

Dazu kommt dann diese dämliche Ungewissheit. Als hätten wir vorher mehr Sicherheit gehabt! Ist doch lächerlich!!! Mich nervt vieles, keine Frage. Aber die vermeintliche Sicherheit, in der wir uns in Deutschland immer gewähnt haben, die gab es auch vorher nicht. Nein, ich bin nicht verdrossen. Ich möchte mir eher selbst Mut machen, einfach Dinge auszuprobieren und zu wagen. Worauf warte ich eigentlich immer? Das nervt schon, immer mit angezogener Handbremse zu fahren. Ich bin so schlecht darin, Dingen einfach mal ihren Lauf zu lassen. Dabei zeigt sich dann, wie sich alles fügt. Und die Erfahrung sollte doch auch mal meinem Aktionismushirn mitteilen, dass ich mir weniger Sorgen machen sollte und mehr das Leben genießen dürfte.

Heute habe ich auch einen Artikel gelesen, was Menschen gemein haben, die gut situiert sind: Geduld. Sie haben Geduld, die Dinge auch mal laufen zu lassen, sie investieren ihr Geld nicht schnell und können gut sparen. Na toll! Geduld ist ja mein dritter Vorname – mein zweiter ist „Un“. Und Kohle, die ich wirklich sparen könnte, gibt´s irgendwie auch nicht. Das ist so anders als das, was ich kenne. Die Generation meiner Eltern konnte sich noch ein Haus leisten. Dafür mussten sie nicht reich sein – sie waren als Hausmeister und Putzfrau tätig. Das haben sie so stemmen können, wenn sie auch echt sparsam waren…zumindest meine Mutter. Heute können sich das immer weniger leisten. Das ist auch irgendwie krank, oder? Es braucht schon fette Jobs bei beiden, damit ein Haus so auch drin sein kann. Und die Frage, die ich mir dann in nüchternen Momenten stelle: Wäre ich dann glücklicher, wenn ich Eigentum hätte? Ich glaube nicht. Ich brauche keinen Luxus, keine fetten Autos oder dergleichen. Aber ein kleines Häuschen, das meins ist, wäre schon schön. Doch ist es nötig? Ach, ich weiß es doch nicht.

Wenn ich da an meinen kleinen Neffen denke… Er hat diese Woche irgendwann mal davon gesprochen, das Haus seines Opas im Dorf zu übernehmen. Innen müsste man einiges machen, aber sonst? Das gefiele ihm schon sehr. Ein Mädel gibt es nicht in seinem Leben. Ob er mal Kinder haben will? Weiß er noch nicht. Aber ein Haus mit vier Schlafzimmern darf es durchaus sein. Dazu muss man sagen, dass ein Teil nachträglich angebaut worden ist, da seine Oma ab Schulter gelähmt war. Das Haus war zu dem Zeitpunkt erst ein paar Jahre alt, nur eben nicht ebenerdig ausgebaut. Da wurde dann ein Anbau gezaubert – in Eigenregie meines Vaters und ein paar meiner Onkel. Das hat dem Haus zwar auch viel Tageslicht genommen, aber es war funktional und hat gute Dienste geleistet. Meine Sis verbindet mit diesem Haus nicht so tolle Erinnerungen. Sie war damals gerade in der Ausbildung, als das passiert ist und musste dann jedes zweite Wochenende für eine sechsköpfige Sippe (inklusive einer wirklich bösen Oma – wo werden die eigentlich gezüchtet?) kochen. Ihre Schwiegermutter konnte nur noch die Schultern heben…das war´s. Mehr ging einfach nicht mehr, sondern war gelähmt. Selbst ein Husten hätte zur Erstickung führen können, da sie auch kein Zwerchfell anspannen konnte. Und dieser Zustand dauerte ganze zehn Jahre an. Das war schon alles nicht einfach. Und ein paar Jahre später kam dann der Schlaganfall meiner Mutter. Da ist es nicht so einfach, immer unbeschwert zu sein und den Dingen seinen Lauf zu lassen. Das macht uns schon zwischendurch immer mal wieder nachdenklich – verständlicherweise.

Keine(r) von uns weiß, wie lange er/sie noch gesund ist. Daher bringen diese Sorgen, die ich mir ja auch dauernd mache, so rein gar nichts. Es gilt, mehr im Hier und Jetzt zu sein, zu leben, zu lachen und auf manches zu pfeifen. Wenn das eben nur so einfach wäre… Ich nehme es mir ein ums andere Mal vor. Sagt man nicht: „Einsicht ist der erste Weg zur Besserung“? Noch spüre ich davon nichts. Aber ich gehe weiter. Geht ja auch nicht anders mit meinen Hörnern, oder? Trotzdem…so eine einfach Anleitung, wie man Sorgen abstellen und das Leben auf Knopfdruck genießen kann, wäre schon schön. Ich würd´s auch als Hörbuch nehmen, ganz egal. Nur sollte da mal eine(r) was machen. Mir tät´s helfen.

die mit den Tieren quatscht

Es sieht so aus, als hätte alles überlebt. Die ersten Blümchen haben sich nämlich schon im Garten gezeigt. Und auch die Bäume haben die ersten Blüten hervorgezaubert. Dann kam der gestrige Schnee. Meine Sis war schon in Sorge. Aber heute? Alles weggepustet oder weggeschmolzen. Und alles ist noch dran. So soll es doch auch sein, oder?

Was auch sehr unterhaltsam ist: Das Vogelhäuschen plus dranhängenden Meisenknollen. Da geht so was von der Punk ab. Je nachdem, wie man sitzt, ist es schwierig, sich da in Ruhe und konzentriert zu unterhalten. Es ist ein Kommen und Gehen wie im besten Taubenschlag. Und da wird auch gehackt und gekämpft, was das Zeug hält. Direkt hinter sich haben sie eine Hecke. Eine klar erkennbare Reihenfolge, wann wer losfliegt und fressen darf, kann ich nicht ausmachen. Daher kommt es auch manchmal zur Keilerei. Da würde man schon gerne rausgehen und mit denen schimpfen. Aber wir sprechen ja nicht ihre Sprache. Und was soll ich da auch sagen? „Jeder geht jetzt mal auf seinen Ast und denkt darüber nach, was er oder sie oder es gemacht hat!“ Ich weiß ja nicht, ob die auch gendern? Und bevor ich da in ein Fettnäpfchen trete, lasse ich es lieber.
Aber mal im Ernst: Es ist voll süß, dabei zuzuschauen, was sich da so versammelt. Spatzen und Meisen sind ja irgendwie klar. Doch auch Finken und Rotkehlchen geben sich die Ehre. Ich schätze, die Kleinen lechzen genauso nach wärmeren Temperaturen, wie wir auch. Und im Sommer stöhnen wir dann alle wieder, wenn es zu heiß ist.

Ihre Vogelliebe hat meine Sis übrigens von ihrer Patentante. Im Gegensatz zu mir, die die böse Omma zur Patentante hatte, hatte meine Sis die liebe Omma. Und die hat auch immer die kleinen Vögelchen gefüttert. Die ist sogar rausgegangen, wenn die „schwatte Mählere“ kamen und den kleinen Spatzen und Meisten alles wegfuttern wollten. Komisch, die hat sich nicht drum geschert, ob sie die Vogelsprache konnte oder nicht.
Ich soll ja eher auf meine Urgroßmutter kommen, also die Schwiegermutter meiner bösen Omma. Die hat ihre Hühner ins Fahrradkörbchen gepackt und ist mit denen über den Hof gepest. Nein, sie war nicht von der Rolle, sondern wohl sehr unterhaltsam. Auch für die Hühner, denn sie hat mit ihnen gesprochen. So was würde ich auch hinkriegen. Ich meine, ich rede ja auch mit Spinnen.

Apropos Spinnen: Es gibt eine im Keller meiner Sis, die ich ohne Brille fast übersehen hätte. Ich dachte, da läg eine Fluse. Dann habe ich mich runtergebeugt und entdeckt, es ist eine achtbeinige blöde Kuh. Da ich müde war, habe ich ihr gesagt, sie solle sich verpissen. Dann würde ich einfach so tun, als gäb es sie nicht, dafür könnte sie in Ruhe weiterleben. Andernfalls würde ich meinen Schwager rufen. Keine Ahnung, ob sich herumgesprochen hat, wie erfolgreich er Spinnen beseitigen kann, aber als ich wieder aus dem Bad kam, hatte die Olle sich verzogen. Wer weiß? Vielleicht habe ich sie nachts auch einfach verschluckt? Das wollen mir meine Neffen immer wieder weismachen. Es gäb Studien, wieviele Spinnen und anderes Getier man während des Schlafes so konsumiere. Da mache ich es wie Scarlett O´Hara und verschiebe es, darüber nachzudenken. Bääääääh! Nee, ich will da jetzt nicht dran denken.

Ob Spinnen, Vögel oder was auch immer: Ich kann mit allem reden – selbst mit meinem Auto. Da habe ich mal so gar keinen Stress mit. Und Ihr so? Macht Ihr das auch? Oder bin ich wieder nur als Einzige lala? Ich bin´s ja schon gewöhnt.

außer Rand und Band

Heute geht erst recht die Luzi ab. So, wie es heute schneit, hat es das den ganzen Winter über im Flachland nicht getan. War das erst letzte Woche, wo wir T-Shirts getragen haben? Naja. Wenn ich immer spinne, darf das Wetter das auch, oder? Und genau in diesem Usselswetter schlägt meine Sis vor, wir könnten doch drei Orte weiter Klick&Meet machen. Der Kleine hat in fast allen Hosen Hochwasser, weil er immer größer wird. Ganz schön frech mit 16, oder? Bei der ersten Anfrage, mit der wir ihm begegnen, kommt natürlich ein „Nein“. Beim zweiten Mal schon ein „Ok“. Jetzt gehöre ich echt zu den Deppen, die das machen! Wahnsinn. Online buche ich uns einen Termin, den wir im Schweinsgalopp durchziehen. Es macht trotzdem Spaß, denn wir sind erfolgreich. Der Kleine findet dann auch Outfits, die er uns in der Umkleide präsentiert. Zwischendurch ruft er mir zu: „Kannst Guido anrufen!“ Gemeint ist natürlich Guido Maria Kretschmer. Und der kleine Pisser beweist echt immer Modegeschmack. Dafür könnte ich ihn hauen. Immer greift er stilsicher zu seinen Klamotten. Aber mit der Figur? Da steht einem ja auch fast alles. Ach ja, auch die werden mal alt. Und dann werden die von den Jüngeren abgehängt. So ist der Kreislauf.

Es sei denn, man ist, wie meine Kollegin. Die hat mir und meiner anderen Kollegin gestern eine Nachricht aufgesprochen. Es gehe ihr gut. Wirklich gut. Also wirklich richtig gut. Meine Sis schaut mich schon komisch an, während ich das abhöre und fragt, warum sie das so betonen müsse? Na, weil es ihr normalerweise immer, immer schlecht geht. Sie ist ja dauernd dabei, an irgendetwas gesundheitlich rumzudoktorn. Schlimm. Sie hat mehr Arzttermine als mein Vater, der seines Zeichens ja auch ein Hypochonder ist und seit ca. 25 Jahren stirbt. Nein, das ist nicht böse, sondern die Wahrheit. Er hat immer schon gesagt, dass er sooooo krank sei, sein Körper sooooo kaputt sei und sein Vater auch nicht alt geworden ist usw. Mein Opa war Kettenraucher, der einen schweren Herzinfarkt und Lungenkrebs gehabt hat. Mein Vater hat nie geraucht. Aber er stirbt wahrscheinlich an denselben Krankheiten. Wenn wir früher krank waren, war es bei meinem Vater immer schlimmer. Kein Witz! Für eine kleine Erkältung hat er sich zwei Wochen krankschreiben lassen. Vermutlich bin ich deswegen zum genauen Gegenteil mutiert.
Demgegebüber steht meine Kollegin mit ihren gerade mal 31 Jahren. Aber sie ist dauererschöpft (nein, keine Depression), geht zur traditionellen chinesischen Medizinbehandlung, ist beim Osteopathen, Physiotherapeuten, Psychotherapeuten, HNO-Arzt, Gynäkologen…irgendwas habe ich vergessen, wo sie noch hingeht. Und jetzt spricht sie eben ihre Nachricht auf, dass endlich die Bewilligung für ihre Reha da sei. Sie will in eine psychosomatische Klinik – was auch angebracht ist. Aber sie ist eben ständig nur im Außen. Ob ihr die Reha da wirklich nachhaltig was bringen wird, ist fraglich. Ich würde es ihr wünschen. Wenn allerdings weiterhin immer nur der Schein wichtig sein wird, wird es schwierig. Es sieht in diesem Jahr danach aus, dass sie genügend Beschäftigung haben wird: Anfang Mai fliegt sie für eine Woche nach Dubai, weil sie endlich noch mal richtig Clubszene brauche. Ende Mai fliegt sie auch vier Tage irgendwo ins Warme, weil da der Junggesellinnenabschied stattfindet. Im Juli wird geheiratet – mit 100 Leuten, falls Söder das zulässt (sie hat ihm ja zwei Hygienekonzepte geschickt, aus denen er nur auszuwählen braucht). Im August oder September darf sie dann endlich die Reha machen. Das ist irgendwie nicht meine Welt. Auch jetzt nicht, wo ich noch mal eine Stunde shoppen war.

Heute haue ich allerdings auch ordentlich auf die Kacke: Wir gehen nicht nur shoppen. Nein, meine Sis hat auch noch einen halbstündigen Massagetermin für mich vereinbart. Erst ist sie eine halbe Stunde dran, dann werde ich durchgewalkt. In Bayern ist das noch gar nicht wieder erlaubt. Hier dann vorübergehend doch. Und soll ich Euch was sagen? Es tut schon gut. Gerade, wenn man bedenkt, wie lange ich jetzt schon auf einem stinknormalen Stuhl im Home Office rumhocke. Ein Schreibtischstuhl passt nicht auch noch an meinen Esszimmertisch. Aber gut für den Rücken- und Nackenbereich ist so ein Sitzen auf Dauer echt nicht. Und so genieße ich es, massiert zu werden, auch wenn die Mistbiene die Muskelverhärtungen mit einem Kichern hin- und herspringen lässt. Naja, ein bisschen Sadist steckt in jedem von uns, wie es scheint – aber bei Masseuren eben ein bisschen mehr.

ein weiterer Apriltag mit Schneetreiben

Heute ist wieder so ein usseliger Apriltag, den man locker gemütlich Zuhause verbringen kann. Meine Sis näht, was das Zeug hält. Ich sitze daneben, lese und probiere angelegentlich die Oberteile an. Hin und wieder flucht sie, weil der Stoff nicht so will, wie sie das will. Da zucke ich dann zusammen. Normalerweise ist das Fluchen mein Part. Ist einfach so, dass ich das schon früh gelernt habe. Und eine Studie belegt ja auch, wie gut und förderlich Fluchen doch ist. Menschen, die auch mal fluchen können, sind kreativer. Mein Gott, muss ich kreativ sein!!! Allein, ich merke so wenig davon. Trotzdem ist so ein Tag irgendwie zäh, oder? Der Kleine kommt nachmittags auf die Idee, wir müssten zusammen einen Film anschauen. Er täte sich immer so schwer, einen passenden Film auszusuchen. Das fällt mir schon recht leicht. Nur kenne ich eben auch verdammt viele. Und so schauen wir zwei in friedlicher Eintracht einen schönen, brutalen Actionstreifen mit Keanu Reeves. Ich kenne ihn in der Tat schon und finde ihn so überzogen, dass er schon wieder gut ist. Und es kommt auch ein kleiner Hundewelpe darin vor. Da quietsche ich dann schon, weil ich auch gerne einen hätte. In meiner Bude geht das ja leider mal so gar nicht. Im Home Office an sich wird das allerdings realistischer, als das je der Fall war. Aber nein…irgendwann später vielleicht mal.

Abends kloppe ich dann Pizza zusammen, die ich rappizappi fertigstellen muss, weil mein Schwager bald schon von der Arbeit da ist. Viel schlimmer aber: Der Kleine hat Kohldampf. Dann ist er unausstehlich. Nu juut, ich schnippel´, was das Zeug hält. Und ich würze. Nun muss man sagen, dass ich sehr gerne stark würze. An mir ist ein Raucher verloren gegangen. Denen sagt man doch immer nach, dass die zu stark würzen, weil der Geschmackssinn nicht mehr so ausgeprägt ist. Aber ein Leben ohne Salz? Das wäre für mich kein Leben. Also salze ich ordentlich. Gut, auf eine Ecke fällt etwas arg viel Salz, aber mei – ein bisschen Schwund ist immer. Meine Sis gibt ein Stück, das eben sehr gesalzen ist, an meinen Schwager weiter. Sie hat Probleme mit Bluthochdruck. Und prompt werde ich gefragt, ob ich verliebt sei? Pffff… Ich frage mich, woher diese Redewendung kommt? Also dass Verliebte es wohl ziemlich gut mit dem Salz meinen? Entsprechend frage ich mal Onkel Google, und siehe da: Es ist wohl mittlerweile wissenschaftlich erwiesen, dass frisch Verliebte aufgrund von Hormonen weniger Salz schmecken. Wenn das so ist, muss ich seit Jahrzehnten im Dauer-Verliebtheitsmodus sein. Die Frage ist nur: In wen bin ich seit Jahrzehnten verliebt? Aber es passt ja zur anderen Redewendung, denn ich habe eindeutig auf Pfeffer im Hintern. Ach ja, was man mit Gewürzen so alles erklären kann. Was also sternzeichentechnisch nicht zu erklären ist, bessere ich mit Gewürzen auf. Auch nicht verkehrt. Wie war das mit dem Fluchen und der Kreativität? Da isse ja!

Ich möchte eigentlich früh ins Bett. Der ganze Tag mit dem Schneetreibeen im Wechsel mit Sonne, macht mich eher müde und schläfrig. Aber dann schaut mein Schwager wohl mit dem Kleinen in dessen Zimmer Champions League. Und huch, da schalten wir Weiber mal schnell auf SIXX mit den Gilmore Girls. Auch das ist so ein Phänomen: Ich habe alle Staffeln auf DVD, wir haben alle Folgen mehr als einmal gesehen, aber wenn sie laufen, bleiben wir trotzdem immer wieder dabei hängen. Da habe ich auch manche Klassiker im TV, bei denen ich nicht wegzappen kann: „Dirty Dancing“ natürlich vorneweg. Hingegen war ich nie ein Titanic-Anhänger. Aber dafür so Schinken, wie „Vom Winde verweht“, „Sissi“ (wie mehrfach berichtet) oder auch „Braveheart“. Ich oute mich da durchaus gerne als Mädchen. Lange nicht gesehen, aber immer wieder toll: „Zeit des Erwachens“, „Die Goonies“, „Haus am Meer“ und „Hinter dem Horizont“, aber auch „Stadt der Engel“. So richtig schöne Rotz- und Wasserschnecken-Heulfilme. Es gibt einfach so ein paar Klassiker, die ich immer wieder mag. Die alten Heinz Rühmann Filme gehen auch irgendwie immer. Bekloppt, aber sie sind irgendwie mit sorglosen Zeiten verknüpft, was so ein wohliges Gefühl verursacht – auch wenn man dabei heulen muss. So eben auch die Gilmore Girls. Die erschaffen eine heile Welt, die wir uns wohl gerade alle wünschen. Einfach in Luke´s Diner zu schlendern und einen Kaffee zu schlürfen, wäre traumhaft, oder? Mir würde es in jedem Fall gefallen, mal wieder Menschen ohne Maske und ohne gehetzen Blick zu sehen. Klar, hin und wieder sehe ich schon Menschen ohne Maske. Doch die meiste Zeit sind nun mal alle vermummt. Aber dieses Sorglose ist nicht mehr da. Ob das wiederkommt? Ob Umarmungen wieder „normal“ werden? Ich will es hoffen, denn ich brauche das…und ich stelle fest: Vielen anderen fehlt das auch. Denn ich bemerke immer mehr stieselige Menschen, die für jeden Scheißdreck das Diskutieren anfangen. Die nerven mich. Aber vermutlich sind sie einfach nur überfordert und gereizt. Ich will wieder meine „normale Welt“ zurück. Am besten schon gestern. Morgen ist aber auch noch ok…

von allem was dabei

Gestern Abend kriege ich mal wieder eins über mich. Im Fernsehen läuft „Das Leben des Brian“. Wir schauen nur ein paar Sequenzen, doch die reichen vollkommen aus. Da kommen Erinnerungen an meine Schulzeit. Einige meiner Klassenkameraden haben etliche Szenen damals nachgestellt – vorzugsweise mitten im Sportunterricht. Entsprechend habe ich einen langen Lachflash, der auf Unverständnis meiner Familie stößt. Egal. Ich lache, was das Zeug hält und habe Spaß. Ist doch die Hauptsache, oder? Wir lachen alle viel zu wenig. Im letzten Jahr vermutlich noch weniger als ohnehin schon. Dabei sind wir Deutschen ja für unsere unlustige, verkniffene Art eh schon berüchtigt. Ich glaube ja, dass bei mir manches schiefgelaufen ist und ich ein holländisches Findelkind bin. Gut, die äußere Ähnlichkeit zu meiner Mom und meiner Sis sind zu stark, um wirklich von meiner Theorie überzeugt sein zu können, aber juut. Vielleicht, also wenn es denn so was wie Wiedergeburt gibt, dann bin ich schon mal hier gewesen und habe eindeutig bei den Käseköpfen gelebt. Mein unkaputtbarer Humor kann nicht nur Ergebnis eines einzigen Lebens sein. Und das feiere ich gerne immer wieder. Et Läve is ze kort füa ömmer kromme Senn.

Und apropos Filme und meine kruden Theorien und gezogenen Parallelen: Die böse Schwiegermutter von Sissi erinnert mich an meine böse Omma. Als ich gestern noch über die Steinbock-Parallele sinniert habe, habe ich noch gedacht: Wie kann ein Mensch so ein Mistkäfer sein? Und da fiel mir meine böse Omma ein. Bei der galt zwar kein spanisches Hofzeremoniell, aber die strenge Haltung einer schwerkatholischen, fast schon nonnenartigen Frau. Halleluja, was hat die immer gebetet – und wir unter Zwang mit ihr. Vorhin spreche ich noch mit meiner Sis, wie ätzend öde die Sonntagsmessen schon immer waren. Meine Sis hatte zumindest noch eine aktive Aufgabe: Das Kneifen ihrer kleinen Schwester (ich, säät der Jeck), wenn sie droht, einzupennen. Und ich kann Euch sagen: Die Augen wurden mir jeden Sonntag verdammt schwer – und die blauen Flecken zahlreicher. Ehrlich? Wer hat sich diesen Driss ausgedacht, Kinder von so was begeistern zu wollen??? Aber meine böse Omma hat das ja immer noch getoppt mit ihrem ewigen zusätzlichen Beten. Der Rosenkranz wurde rauf- und runtergebetet und ruft bist heute regelrechte Aggressionen in mir hervor. Manch einen beruhigt so was ja. Kennt Ihr noch Totenwachen? Wo man eine halbe Stunde lang durchbetet? Bis dann irgendwann das Begräbnis stattfindet, wo man noch mehr betet? Mich macht das unruhig und aggro. Sollte ich sterben, können bzw. sollen die Leute feiern. Sie sollen mein Fell versaufen, über manche Dönekes von mir lachen und den Kopf schütteln. Aber bitte, bitte: Keiner soll für meine Seele beten. Ist eh vergebene Liebesmüh.
Ihr seht also: Ich habe echt zu viel Zeit, mir Gedanken zu machen. Und meine Omma Nettchen (war ihr Spitzname, obwohl sie so gar nicht nett, sondern eine knallharte, eiskalte Frau war) war wie die Kaiser-Mutter Sophie. Wer jetzt noch denkt, ich sei normal, dem kann ich auch nicht mehr helfen.

Heute ist hier ein Wetter, dass man – so man denn einen Partner und möglichst keine Kinder hat – am besten die Zeit im Bett verbringt. Da aber die Voraussetzungen nun mal andere sind, wird es ein ruhiger Tag. Es hagelt mal, dann scheint et Sönnschen, dann schneit es, und plötzlich kommt auch Sturm auf. Meine Sis zieht schon wieder die Schultern hoch, weil sie dieses Windheulen so hasst…und ich suche mal wieder nach meinem Besen. Das Wetter passt hervorragend zu meinen verrückten Gedanken. Es ist von allem was dabei: Wild, weich, ruhig und hin und wieder sonnig. Dazu gibt es frischen Spargel, was einfach nur lecker ist. Uns geht´s schon gut – Corona hin oder her. Extra für den ausgeglichenen, stets gut gelaunten Kleinen habe ich Mousse au Chocolat gemacht – mit einer Mandarinen- und Orangenfiletsoße. Wenn schon, denn schon. Zu dem Zeitpunkt ist er auch gut gelaunt, was am Nachmittag aber wieder kippt. Bei dem passt das Wetter zur hormonellen Lage. Ich bin froh, dass ich das hinter mir habe. Hoffentlich werden die Wechseljahre nicht wieder so ein Erlebnis. Die sollen bitte sang- und klanglos vorüberziehen…am besten völlig unbemerkt. Ach ja, Wünsche darf man noch haben, oder?

Sissi war auch ein Böckchen!!!

Heute Morgen stehe ich früh auf und setze erstmal einen Teig für einen Hefezopf an. Danach schwelge ich in alten Zeiten, weswegen ich Geschenke für die Jungs im Garten verteile. Auf gekochte Eier verzichte ich lieber. Die hat der Kleine meiner Sis früher immer mit Vollkaracho in eine Schale geschmissen. Alle Aufforderungen, er solle sie einfach vorsichtig hineinlegen, liefen ins Leere. Er war immer schon so ein Haudrauf. Entsprechend waren die von ihm gefundenen Eier immer ausnahmslos angedötscht. Jetzt sind die Jungs aber nun mal 16 und 18 und glauben nicht mehr an Hasi. Ein Grund mehr, alte Traditionen aufblühen zu lassen. Anders als meine Sis früher, ziehe ich nicht die Schuhe aus, um keine Spuren mit meinen Schuhen auf der Terrassse zu hinterlassen, denn der Rasen ist natürlich noch nass. Früher konnten die Jungs allerdings nie früh genug aufstehen, um zu schauen, ob der Osterhase schon da gewesen sei? Heute sieht das anders aus. Sie fläzen sich lange im Bett herum. Und so stürmen meine Sis und ich die Zimmer der Jungs und krakeelen herum: „Der Osterhase war da!!! Der Osterhase war da!!! Schnell! Aufstehen!“ Sagen wir mal so: Es kommt nur bei einem der beiden an. Der Kleine, der die Pubertät so liebt und unbedingt und mit aller Gewalt daran festhalten möchte, ist derzeit zu cool für so was. Entsprechend genervt, raunzt mich das Skorpiönchen an. Doofkopp. Wir lassen uns den Spaß nicht nehmen. Der Große spielt wenigstens mit und sucht den ganzen Garten ab, bis sich der Kleine in Socken uund Adiletten dann doch mal bequemt, mitzumachen. Das nächste Gemaule: Jetzt seien seine Füße nass. Oh man. Wo ist die Kindheit geblieben, als das alles noch so was von scheißegal war – Hauptsache, die Ausbeute war entsprechend groß???

Zu allem Überfluss geht mein verkackter Hefezopf nicht auf. Es ist zum Mäusemelken! Hefe ist eine blöde Kuh. Mal gelingt mir die Arbeit mit ihr, mal so gar nicht. Manchmal könnte ich der Hefe den Hintern versohlen – so Hefe denn einen Hintern hätte. Und auch so ein richtig gemütliches Brunchen ist mit den Kerlen des Hauses nicht richtig drin. Meine Sis sagt immer, es sei Perlen vor die Säue geworfen, wenn sie mit denen in eine nette Brunchlocation gehen würde – sofern das alles irgendwann wieder möglich sein wird. Sie sind eben eher Kerle und weniger Genießer. Dabei finde ich das immer toll, wenn man da mit Kaffeespezialitäten, frisch gepresstem O-Saft und dergleichen verwöhnt wird. Aber gut, deswegen hat ja auch irgendwer festgelegt, dass ich ein Mädchen werde und meine Neffen eben Jungs – eine Tatsache, die an solchen Tagen schon etwas schmerzt. Obwohl…der Große hat ja immerhin das Osterhasen-Spiel mitgespielt. Beten wir, dass jede Pubertät einmal endet und der Kleine irgendwann keine Eiswürfel mehr pullern will. Dann können wir das Ganze noch mal wiederholen, denn: „Es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit.“ (übrigens ein Buchtitel)

Nachmittags schaue ich doch tatsächlich – ich bekenne mich schuldig – zum x-ten Mal Sissi. Nun muss man sagen, dass ich Teil eins bestimmt schon 183 Mal geschaut habe…aber die anderen Teile weitaus seltener. Den ersten Teil verpasse ich allerdings bzw. sehe nur noch die Hochzeit. Nahtlos reiht sich der nächste Teil an, der mir dann etwas offenbart, was mir bislang verborgen geblieben ist: Sissi ist ein Steinbock! Nun wird mir einiges klar, und ich verstehe manche Passage besser. Ihr renitentes Verhalten der herrischen Schwiegermutter gegenüber? Ganz eindeutig das Verhalten einer Steinböckin. So gehen wir eben mit Hindernissen um. Mit „bitte“ und „danke“ kann man sooo viel von uns bekommen. Nur Vorschriften und Maßregelungen können wir so gar nicht leiden. Wenn man weiß, wie es richtig geht, ist es so einfach mit uns. Man, man, man. Ich glaube, ich schreibe mal eine Bedienungsanleitung. Vielleicht verleihe ich ihr den Titel „meine Parallelen zu Sissi“. Haha. Mir gefällt´s. Warum auch nicht? Ich habe ja gestern schon eingeräumt, einige Rititis zu haben. Warum soll ich mir diesen nicht auch noch erlauben?

crazy old lady with a lot of Rititis

Irgendwie werde ich alt. Ich weiß, das sage ich in letzter Zeit häufiger. Aber es ist echt so. Woran ich das dieses Mal festmache? An meinem Schlafverhalten. Ich schlafe sehr unruhig und wälze mich hin und her. Mehrmals wache ich auf. Zuletzt dann um 4:45 Uhr, weil ich die Tür zur Garage höre. Zuerst denke ich: Ach, die Jungs sind zurück. Dann frage ich mich, wieso sie durch den Garage ins Haus kommen? Ob mein Schwager sie abgeholt hat? Um diese gottverdammte Uhrzeit??? Und dann schießt mir in den Kopf: Es könnte ja auch ein Einbrecher sein! Und was mache ich dann??? Dann höre ich die Toilettenspülung und denke: Welcher Einbrecher wird so bescheuert sein und auch noch im Haus pullern, in das er einbricht?! Eben.
Und dann schlafe ich auch wieder ein, was mich allerdings zum Träumen anregt. Diese Art von Träumen, also wenn man noch mal für ein Stündchen wegpennt, ist ja in der Regel vogelwild. Und so ist dieser genau auch. Meine Sis und ich sind irgendwo im Süden im Urlaub. Von Corona ist weit und breit nichts zu sehen – auch mal schön. Wir besuchen eine Messe in einer katholischen Kriche (da ist schon der erste Fehler im Traum, sofern wir nur mich betrachten würden) und lauschen dem Chor, der singt. Dazu muss man wissen, dass meine Sis und ich viele Jahre in einem Chor gesungen haben. Sie ist also hin und weg und will rauf´ zur Orgelbühne, wo sie den Organisten noch anzutreffen hofft. Auf der Treppe singt sie schon los. Niemand hat behauptet, wir seien normal – weder inner- noch außerhalb meiner Träume. Und dann sehen wir ihn: Unseren alten Organisten von gaaaaaanz früher. Das Morbide daran: Ich war vor etlichen Jahren bei dessen Beerdigung. Jedenfalls freuen wir uns, ihn zu sehen, während er regelrecht vor uns flüchtet. Dabei war ich immer ein guter Sopran, und meine Sis konnte sowohl Sopran, als auch Alt hervorragend trällern. Wir sind vollkommen verstört und können uns nicht erklären, warum er vor uns reißaus nimmt. Da hecheln wir ihm auch schon hinterher… Und genau da klingelt dann mein Wecker. Ich muss Euch nicht erzählen, wie sehr ich mal wieder neben der Spur aufgestanden bin. Das ist so, als würde ich dann durch Watte waten.
Derartig derangiert, fahren wir zum Einkaufen und teilen uns vor Ort auf. Wir sind schon um sieben Uhr vor Ort, weil wir keinen Bock auf große Anstürme haben. Ich kriege dieses neben-mir-Laufen auch durchs anschließende Frühstück nicht behoben und gehe dann – entgegen aller Sachen, die ich sonst so mache – einfach noch mal ein Ründchen ins Bett, wo ich dann auch tief und fest schlafe. Hammer. Ich bin doch keine uralte Omma! Klar, auch nicht mehr taufrisch, aber völlig ungeregeltes Zwischendurchpennen, ist mir dann auch fremd. Wach werde ich erst, als sich die Süße meines großen Neffen per Handy bei mir meldet. Etwas irritiert, fragt sie auch nach, ob alles ok sei? Wenn man vormittags noch mal wegratzt, klingt man nicht gerade wie der Morgentau am Telefon. Egal, es tut gut und lässt mich bestärkt Lasagne für die Meute kochen.

Und auch Amazon klärt sich langsam…also, nicht der Konzern als solcher. Es geht um die Rechnung zu der Ware, die ich nie bestellt habe. Ich wähle die Chat-Funktion aus und soll mein Anliegen formulieren. Also erkläre ich die Odyssee mit dem Hacken am Dienstag. Da fragt mich dann der Kundenservice-Mensch, ob ich denn nun wieder Zugriff auf meinen Account hätte? Ääääääh…sonst könnte ich ja gerade nicht mit ihm chatten? Denn dazu muss ich eingeloggt sein. Naja…auch egal. Er holt seinen kompetenten Kollegen, der das ratzifatzi regelt und mir eine Mail innerhalb der nächsten 24 h zusichert, in der zu lesen sein wird, mein Konto würde bereinigt sein. Der ist echt sehr nett und richtig zügig unterwegs. Wie es scheint, hat sich dann alles in Wohlgefallen aufgelöst. Nur dass ich eine neue Kreditkarte beantragen musste. Wenn das alles ist, war es ja im Endeffekt alles halb so wild. Hat sich am Dienstag im ersten Moment echt anders angefühlt.

Den Tag werden wir – aller Voraussicht nach – mit einem Spieleabend ausklingen lassen. Nein, keine wilde Party. Nur wir hier im Haushalt mit der Süßen des Großen. Letzterer möchte gerne Jenga spielen, aber da bin ich raus. Ich dachte immer, nur mich würde dieses Spiel nervös machen und aufregen. Meiner Sis geht es aber genauso. Bekloppt, oder? Das ist, wie Elf-Meter-Schießen. Mir ist immer völlig egal, wer dann da gerade spielt. Da muss ich am besten das Programm wechseln. Sonst kann ich die ganze Nacht nicht pennen. Das ist schlimmer, als alle Pötte Espresso auf einen Schlag, obwohl das ja lächerlich ist. Und so geht es mir mit Jenga eben auch. Ich sag´ ja: Ich werde alt…und immer schrulliger. Zum Glück stehe ich nicht auf Katzen, sonst wäre ich nachher noch die schräge alte Katzenfrau. Ihr seht: Es geht immer schlimmer. Und welche Rititis habt Ihr so?

Leichtigkeit und Leichtsinn

Heute verpenne ich. Dabei sind wir erst um neun Uhr zum Frühstück verabredet. Neun! Das ist ja völlig lächerlich. Um die Uhrzeit bin ich in der Regel schon zwei Stunden bei der Arbeit. Um kurz nach drei bin ich in dieser Nacht aufgewacht und konnte nicht zuordnen, woran das gelegen haben könnte. Wie ich heute Morgen erfahre, waren die Jungs unterwegs und sind um diese Uhrzeit zurückgekommen. Ob es daran lag, dass ich wach geworden bin, weiß ich nicht. Ist auch wurscht. Nur konnte ich ausnahmsweise nicht sofort wieder einschlafen. Und so fläze ich länger im Bett und nicke morgens noch mal weg. Als ich auf den Wecker schaue, ist es drei Minuten nach neun Uhr. WHAAAAAAT? Ich hüpfe aus dem Bett. Aber so setze ich mich an keinen Frühstückstisch. Ich flitze unter die Dusche und spurte dann nach oben, wo die komplette heilige Familie bereits versammelt ist. Hammer. Da erfahre ich dann auch erst, dass die Jungs um drei Uhr nach Hause geschlappt sind. Ach, es war schon schön, als ich auch mal so jung war, dass mir eine kurze Nacht nicht wirklich was ausgemacht hat.
Da ich ja mittlerweile ein Heidenkind bin und mir Karfreitag bereits seit Ewigkeiten ein Dorn im Auge ist, hole ich – wie selbstverständlich – Wurst aus dem Kühlschrank. Alle schauen mich etwas verdutzt an. Ich habe echt nicht mehr dran gedacht, aber mein Schwager und meine Sis legen wert darauf, am Karfreitag auf Fleisch zu verzichten. Ich brauche keine Wurst. Ich streichel´ ja auch keine Kälbchen, wie wir gestern gelernt haben. Aber religiös motiviert, ist bei mir mittlerweile gar nichts mehr. Ich glaube schon an manches…auch daran, dass man Gutes tun soll. Die kirchliche Instituion hingegen…die kann mir so fett gestohlen bleiben. Es ist echt krass, wenn man meine „Prägung“ bedenkt. Tja, nach „zu viel“ kommt „kaputt“, gell?

Mittags mache ich ein Kartoffelgratin, weil meine Sis sich das noch mal gewünscht hat. Und dafür kommt kein Tütensüppchen infrage, sondern wirklich eine eigene Soße. Altobelli…kommt da Knofi rein. Wer uns heute küssen will, kann keine vampirischen Gene in sich tragen. Das liebe und genieße ich. Ich will ja heute auch niemanden mehr küssen. Wen auch? Meine renitenten Neffen wehren sich standhaft. Keine Ahnung, was bei denen schiefgelaufen ist? Aber immerhin schaffen wir es, am Nachmittag einen Film zusammen zu schauen. Gut, der Große bricht nach 30 Minuten ab, weil er mit seiner Süßen noch ein paar Sachen erledigen will. Nicht, was Ihr denkt! Denke ich zumindest…ach, nee, so genau will ich da gar nicht drüber nachdenken. Dafür gucken der Kleine und ich weiter. Es ist schon echt eine Freude, einen Film mit uns beiden zu genießen. Wir labern so viel Müll währenddessen, dass man nichts mehr ernstnehmen kann. Dazu gibt es Choco Crossies. Ist ja kein Fleisch. 🙂
Macht Ihr das auch schon mal? Dass Ihr Filme synchron sprecht, nur mit völlig neuem Inhalt? Das wertet manche Filme ungemein auf, die vorher echte Rohrkrepierer waren. Kaum zu glauben! Sie sollten uns beide auf jeden Fall mal als Drehbuchautoren beauftragen. Ich bin mir sicher, es gäb viel mehr zu lachen auf dieser Welt, wenn wir damit durchstarten würden. Ich glaube, ich sollte mal Hollywood anrufen…

Jetzt sind die Jungs wieder weg. Wir Alten hocken Zuhause herum und sind Langweiler. Ich freu´ mich schon darauf, wenn man sich mal wieder mit einigen Leuten treffen kann. Manche fallen hinten rüber, keine Frage. Aber ich möchte schon mal wieder einen Spieleabend veranstalten, gemeinsam essen, alte Geschichten auspacken und Zusammensein zelebrieren. Ich höre gerne Geschichten und erzähle sie auch selbst gerne. Irgendwie ist das etwas, das immer mehr in Vergessenheit gerät. Dabei ist das eine tolle Tradition. Es gibt Menschen, die können den letzten Scharrn erzählen, aber fesseln ihr Publikum dabei.
Als meine Neffen noch klein waren, haben sie immer andächtig mit am Tisch gesessen und sind den Ausführungen fasziniert gefolgt. Der Kleine hat irgendwann schlapp gemacht. Aber der Große war dann mucksmäuschenstill, um nur ja alles mitzubekommen, ohne dabei entdeckt zu werden. Sonst hätte er am Ende auch noch ins Bett gemusst. Dabei waren die Augen genauso aufgerissen, wie die Ohren gespitzt waren.
Das war bei uns früher ja nicht anders. Ich fand es toll, wenn der Cousin meines Vaters zu Besuch kam. Wenn er so richtig losgelegt hat, hat er fast holländisch gesprochen, so sehr ist sein Plattdeutsch in Grenznähe an die Käsesprache angelehnt. Ich weiß, dass ich von „Jööf“ immer fasziniert war. Dabei hat er dann zum Besten gegeben, wie er über Tische und Bänke gegangen ist und welchen Blödsinn er oft angestellt hat.
Ein früherer Kumpel von mir hatte auch dieses Talent. Allerdings war es bei ihm mit Öcher (Aachener) Dialekt versetzt. Herrlich. Da hatte mein Schwager manches Mal Pipi in den Augen, wenn er ihm gelauscht hat.
Und heute? Gehen die Rotzigen selbst ihrer Wege. Nur sind wir da nicht mehr dabei. Wobei sie einen schon auch manches Mal teilhaben lassen.

Und doch gibt es eben auch die Gefahren – gerade in diesem Alter. So berichtet ein Kollege meines Schwagers ihm, dass sein Sohn mit Glück überlebt habe. Er habe mit zwei Freunden Zuhause Shisha geraucht – wohlgemerkt draußen auf der Terrasse. Als der Vater nach Hause kommt, klappt der junge Kerl zusammen. Sie reagieren Gottseidank schnell, so dass er zügig in eine Dekompressionskammer gesteckt werden kann. Die Aussage des Arztes: Wäre er älter oder körperlich nicht ganz so fit gewesen, hätte er es wohl nicht geschafft…nicht mal die Fahrt ins Krankenhaus.
Da denkt man, die Kinder sind aus dem Gröbsten raus, und dann passiert so was. Bei all dem Spökes, den man macht, darf man eben auch nicht vergessen, wie nah der Leichtsinn manchmal in dem Alter mitspielt. Darüber möchte ich nicht zu tief nachdenken, weil ich sonst Panik schiebe. Meine Jungs sind mir heilig – auch wenn sie mich manchmal ganz schön ärgern. Naja, ich hab´s ihnen ja beigebracht, also darf ich mich auch nicht beschweren. Tu´ ich ja auch nicht. Ich ärger´ sie einfach zurück. Dann sind wir auch wieder auf Augenhöhe.
Dabei fällt mir der Aprilscherz ein, den meine Sis gestern von ihrer Kollegin berichtet. Ihre 18-jährige Tochter ruft sie bei der Arbeit an und fragt, ob sie die Telefonnummer ihrer Frauenärztin haben könnte? Die Mutter reagiert noch: „Warum?“ Die Tochter daraufhin: „Ich habe einen Schwangershaftstest gemacht. Er war positiv.“ Pause. Pause. Pause und Blutverlust im Gesicht. Die Tochter hat sie echt ein, zwei Minuten zappeln lassen und die Mutter erst dann mit „April, April“ erlöst. Puh…ja, nicht alle Kinder sind nett. Da lobe ich mir meine Neffen – haha.

Kälbchen streicheln

Ein Hoch auf die Textbausteine! Sie leben hoch, hoch, hoch! Naja, wir haben ja keinen Kaiser mehr, dann müssen wir eben feiern, was so des Weges kommt, gell? Heute Morgen erhalte ich nämlich eine Antwort auf mein gestriges Mett-Waterloo – oder meinetwegen auch „die Hack-Affäre“. Das wäre doch ein Fall für Wallraff undercover. Ich wittere eine bedeutende Reportage, wo investigative Journalisten knallharte Tatsachen aufdecken. Da könnte man sogar ein Spezial draus machen. Ach, ich habe ja sooo gute Ideen. Alles gut. Ganz so wichtig ist es dann doch nicht. Aber eine Antwort erhalte ich dennoch. Es liest sich wie eine Aneinanderreihung von Textbausteinen. Aber der Herr kippt dann doch noch eine persönliche Note rein. Alles in allem ist der Text eine Ode an die Metzgerei, die nicht nur regional, sondern auch artgerechte Tierhaltung auf ihre Fahne schreibt. Alles per se eine tolle Angelegenheit. Nur beantwortet mir das in keiner Weise meine Frage – wieso 400 gr statt 500 gr Rollen, die es seit Jahrzehnten gab, was nicht gut zu erkennen ist. Das schreibe ich dem Herrn dann auch nett zurück. Auch, dass mir die Wertschätzung fehle, weil ich nicht einfach kommentarlos den Anbieter wechseln würde, sondern mir die Mühe gemacht hätte, ihnen ein Feedback zu geben, auf das sie reagieren könnten. Mmmh, dann kommt „still ruht der See“. Bisher zumindest. Vielleicht ist er artgerecht die Kälbchen streicheln gegangen? Oh ja, ich weiß, ich klinge richtig böse. Aber mir mit Corona zu kommen, was uns alle fordere und sie dennoch weiter in ihrem Weg zu artgerechter Haltung geschritten seien, war mir ein bisschen zu viel Pathos. Wie meinte der Kleine meiner Sis vorhin trocken: „Welche Einbußen hatten Metzgereien denn? Die waren doch das ganze Jahr über offen.“ Cleveres Kerlchen, oder?

Apropos: Er hatte es heute ohnehin wieder so richtig drauf. Meine Sis und ich fahren ja für unser Leben gern nach Holland zum Markt. Is abba grad ja nich, weil wegen der Corona un so, ne? Nun war meine Sis besonders schlau und meinte, wir könnten doch online Stoff besorgen. Wer jetzt kombiniert: „Ah, Holland, Markt und Stoff – die kiffen sich doch die Rübe weg“, der fehlt….aber gaaaaaaaaanz weit. Wir reden immer noch von Jersey, Baumwollstoff, Chiffon etc. Und so haben wir letzte Woche was im Internet bestellt und gehofft, dass das auch was Gescheites ist. Ist es. Daher müssen wir jetzt loslegen mit schneidern – also mit anderen Worten: Meine Sis näht, ich laber´ blöd rum. Wobei, das stimmt auch nicht so recht, denn ich klebe heute Schnitte aneinander, schneide die richtigen Vorlagen aus und leiste damit einen wertvollen Beitrag – also zum Weltgeschehen, natürlich. Das mache ich schön im Erdgeschoss, während sich draußen die Vögel gegenseitig in den Boden trällern. Da kommt der Kleine auf die Idee, den Rasen mähen zu können. Meine Sis und ich sind noch dabei, auszuloten, was er damit bezwecken will oder ob es tatsächlich der dreckigen Langeweile geschuldet ist, dass er dies unaufgefordert tut? Nun hat der Rasenmäher über viele Monate geschlafen. Entsprechend ist Dornröschen noch nicht ganz fit. Der Kleine radelt zur Tanke und besorgt Benzin, was er – mitten auf den Platten und sehr zur Freude meiner Sis – in den Rasenmäher kippt. Gut, es entsteht auch nur ein Fleck auf den Platten. Der hat es allerdings in sich. Und dann versucht der Kleine, das Ding zu starten. Und da erkenne ich leider, leider die Verwandtschaftsverhältnisse. Er redet mit dem Rasenmäher, flucht, was das Zeug hält, knallt die Türen zwischendurch. Aber er gibt nicht auf…und flucht weiter. Da ich weiß, wie grellig ich sein kann, wenn dann noch einer lacht, reiße ich mich zusammen. Das ist pure Körperbeherrschung. Das Spiel geht über einige Zeit. Selbst den Nachbarn, seines Zeichens Automechaniker, konsultiert er dann noch, der ihm hilft, das Ding zu reinigen und ans Laufen zu bringen. Ganz stolz mäht „der Jung“ den Rasen und widmet sich sogar mit einem Kantenschneider den Kanten. Ein gewisses Misstrauen bleibt, weil er das freiwillig veranstaltet. Aber es ist schön, und er macht es gut. Am Ende des Tages haben wir alle was vollbracht. Nur Kälbchen habe ich nicht gestreichelt. Auch kein Schwein gebürstet. Nix davon. Dann bin ich eben nicht ganz so wertvoll, wie der Lebensmittelingenieur der Metzgerei. Auch nicht schlimm, oder? Ich bin frein damit. Buße kann ich ja morgen am Karfreitag tun. Huch, ich bin ja aus der Kirche ausgetreten. Na, dann pfeif´ ich einfach mal auf die Buße. Juchuuuuuuuu! Geiles Gefühl.