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Lustige Koniferen und Koryphäen der guten Laune

Heute ist Montag. Im Grunde reicht das als Aussage, oder? Ich habe Kopfschmerzen. Das liegt vermutlich nicht an der Tatsache, dass Montag ist, sondern vielmehr an diesem völlig bekloppten Wetter. Ich kann es nicht ändern und werde heute früh mein Bettchen aufsuchen – so viel steht mal fest.

Im Büro angekommen, tippe ich den ganze Tag über immer wieder meine Unterlagen ab. Da ist ganz schön was zusammengekommen. Puh…wie will mein armes, altes Hirn sich das alles merken? Aber Schritt für Schritt muss ich mich vorwärtsbewegen.
Schritt für Schritt geht es auch in unserem Montags-Meeting vonstatten – wie immer. Mein Chef hat einen Kracher in seinen To Do´s für diese Woche stehen: „Perater-Gespräche“. Oh man, wieso muss ich immer wieder in Filmen denken? Ich sehe die Szene genau vor mir: „Chleudert den Purchen zu Poden!“ Oder: „Ich hörte, sie sollen äußerst Plut peraucht vorgegangen sein!“ Ein Hoch auf das Leben des Brian, das einem in nahezu jeder Lebenslage den richtigen Weg weist. Und nein, das war kein Vertipper. Dafür liegen b und p dann entschieden zu weit auseinander.
Heinz ist aber mein persönliches Highlight. Er wird diese Woche ein sogenanntes „Lessons Learned“ mit sich selbst durchführen. Is klar, oder? Wenn Du kompetente Antworten brauchst, redest Du in so einem Fall einfach mal mit Dir selbst. Er hat seine erste Online-Schulung allein durchgeführt und will dies nun für sich selbst analysieren. Durchaus gab es auch Feedback, das er da hineinarbeiten möchte. Auf der einen Seite haben die Teilnehmer gefordert, aktiver miteingebunden zu werden. Ach, so was! Und das andere…nun ja, es habe überhaupt keinen Spaß gemacht: „Und da habe ich dann nachgedacht: Stimmt, ich habe von Anfang bis Ende selbst kein einziges Mal gelacht. Tja, da muss ich nun schauen, wie ich das anpasse. Vielleicht frage ich da mal die Claudia (ich war ja schon in dem Meeting anwesend), ob sie mir da was geben kann.“ Knaller! Jetzt überlege ich, ob ich ihm ein Witzebuch für alle Eventualitäten schreiben soll? Sind die Teilnehmer besonders dröge, nimm den Witz: „Kommt ein Huhn in ein Elektrofachgeschäft und fragt: `Haben Sie auch Legebatterien?`“ Sind sie schon etwas derber drauf, kommen dann härtere? Oder ob ich ihm einfach eine Sprüchesammlung anfertigen soll? Da frage ich dann meinen kleinen Neffen, damit dann so Sachen kommen, wie: „Was geht ab? – Schwarzer Edding schon mal nicht.“ Oder: „Brot kann schimmeln, was kannst Du?“ (Das hat mein Neffe schon eeeeeeewig früher gesagt, als Mario Barth sich das aufs T-Shirt hat drucken lassen.)
Ich meine, jetzt mal ernsthaft: Wie soll ich ihn da unterstützen? Ich finde es ja gut, dass er erkennt, dass er einen Unterhaltungswert von eingeschlafenen Käsefüßen hat, aber der kann doch gar nicht anders. Ich bin gespannt, ob er noch extra auf mich zukommen wird und nachfragt. Da habe ich ja eine Engelsgeduld, die mir sonst immer fehlt. Noch vor zwei Jahren, hätte ich schon angefangen, irgendwas zu kreieren, um die Schulung anzupassen. Als ich aber mit sogenannten Energizern um die Ecke kam, haben sie nur abgewunken. Mein Chef hat damals sogar gedacht, das sei eine Art Smoothie. Ach ja, die Bayern sind immer so aufgeschlossen und tolerant. 🙂 Ich mag sie trotzdem…also klar, nicht alle, aber im Gros schon.

Ansonsten passiert heute nichts Spektakuläres. Ich muss schauen, dass ich bei dem Fortbildungskram am Ball bleibe, weil ich mich damit nach Möglichkeit nicht zu lange quälen will. Morgen habe ich dann einen Workshop, auf den ich schon gespannt bin. Der gute Heinz braucht ihn nicht – da bin ich aber froh. Wir wollen schauen, wie wir unser Coaching anpassen müssen, weil es auch zukünftig sehr viel online stattfinden wird. Da Heinz ja seit diesem Jahr endlich über einen Laptop verfügt und mittlerweile auch zumindest Skype rudimentär verwendet, ist er davon überzeugt, bereits jetzt eine Konifere auf dem Gebiet zu sein. Was würde ich ihm gerne diese Blume schenken! Aber er würde den Gag dahinter nicht verstehen. Dabei ist es ja genau das, was er umsetzen will – ein Feuerwerk der guten Laune. Ein Brüller! Vielleicht schaue ich mal in Archiven nach und suche Drehbücher von Heinz Schenk raus. Oder irgendwas von Willi Ostermann – das würde noch besser passen.
Ich sag´s Euch: Die letzten Arbeitstage dieses Jahres werden noch viel Spaß bringen – also zumindest mir. Natürlich werde ich berichten…

Dunkles und Funkelndes

Es gibt Dinge, die sich mir nicht erschließen. Eine dieser Dinge ist das Verhalten von manchen Staatsoberhäuptern. In einer Demokratie sind diese gewählt, um dem Volk zu dienen. Sie sollen Vorbildfunktion haben und sich an die Gesetze halten. Nun haben wir so ein Exemplar in den USA sitzen, das sich so gar nicht als Diener empfindet, sondern sich wie ein Arschloch aufführt. Wieso wird da nichts unternommen? Als er gewählt worden ist – was ich immer noch eine Farce finde – hat man ihm keine Steine in den Weg gelegt. Wie kann es da nun angehen, dass dem niemand einfach mal gepflegt die Fresse poliert? Ja, ich propagiere immer, es gelte Stärken zu stärken. Und ja, Gewalt ist auch keine Lösung. Aber es gibt Grenzen. Und gerade habe ich immer mehr die Befürchtung, dass dieses Verhalten abfärbt. Das ist bei den Demonstrationen in Deutschland nicht anders. Diese Leute schreien, sie seien entmündigt, man würde ihnen ihre Recht klauen, setzen aber alle Mittel, die ihnen die Demokratie bietet, bis zum Äußersten um. Und wozu? Um genau die Demokratie mit Füßen zu treten. Das ist doch keine Meinungsfreiheit mehr, sondern Hetze der schlimmsten Sorte. Wo kommen wir denn da hin? Es wird immer abgefahrener und verrückter. Daher sollte man aus meiner Sicht echt mal ein paar Exempel statuieren.
Nein, ich bin immer noch nicht für Gewalt. Aber einen Anfang entdecke ich bei den Urteilen gegen die Jugendlichen, die vorsätzlich Polizisten attackiert haben. Sie haben eine Gefängnisstrafe erhalten. Ja, auch da gehört nachgebessert, keine Frage. Menschen, die noch nicht völlig kriminell sind, werden es spätestens doch leider oft. Aber das härtere Durchgreifen, wenn Menschen so brachial gegen die Justiz oder auch andere Menschen vorgehen, begrüße ich sehr. Diese Fassungslosigkeit auf Seiten der Schläger zeigt ja deutlich, dass ihnen klar war, wie wenig Strafe sie zu erwarten hätten. Ich kann mich also überall hübsch wie eine offene Hose aufführen, um mich schlagen und Leute verletzen, aber habe nicht wirklich viel zu befürchten. Und dann gehen diese Leute in Berufung. Bei Körperverletzung, Totschlag, Vergewaltigung, Mord bin ich eindeutig dafür: Wer Revision einlegt, muss davon ausgehen, dass – wenn er scheitern sollte – er damit eine höhere Strafe riskiere. Ist beim Abitur ja auch so geregelt: Wenn ich es wiederholen möchte, weil die Note zu schlecht war, kann ich nach dem zweiten Versuch nicht das bessere Ergebnis rausziehen, sondern muss das letzte hinnehmen. Dann nimmt dieser Revisionszirkus von Leuten, die nicht einmal selbst dafür zahlen können, langsam auch mal ein anderes Maß an. Klingt hart, ist mir aber egal. Dieses Vorführen von allen, die öffentlich ihren Kopf für das Allgemeinwohl hinhalten müssen, geht mir echt auf den Zeiger. Da muss ich mich dann umgekehrt nicht wundern, wenn einige Polizisten radikaler werden.

Um auch was Sinnvolles zu tun, außer mich über das asoziale Verhalten einiger Menschen aufzuregen, bügle ich ein paar Sachen und putze dann endlich meine Fenster. Bei der Sonneneinstrahlung ist es schlichtweg nicht mehr möglich, den Dreck zu ignorieren. Sonst ist der November immer nur trübe und trist. Aber wenn meine Fenster aussehen wie Sau, dann strahlt die Sonne. Ich wittere eine Verschwörung! (Natürlich nicht!) So aufgeräumt möchte ich in die neue Woche starten. Die Zugangsdaten und meinen Voucher für meine Prüfung habe ich auch schon zugeschickt bekommen. Da muss ich nächste Woche noch einiges nacharbeiten, bevor ich dann die Online-Prüfung durchführen werde. Es stehen auch noch genügend andere Themen auf dem Programm, aber für mich ist der diesjährige Countdown längst gestartet. Das fühlt sich echt gut an.

Und dann erreicht mich ein Anruf eines Schätzchens aus Berlin. Er gehört in die Kategorie „ewiger Optimist mit direkter, ehrlicher Art“. Aber selbst er ist etwas angeschossen. Seine Schwester hat eine schlimme Krebsdiagnose erhalten. Der sonst so mit markigen Sprüchen Aufwartende sagt nur, wie deutlich ihm wieder einmal ist, wie endlich das Leben doch ist…und dass es einfach immer vorüber sein könne. Optimist ist er nach wie vor. Und doch ist er auch nachdenklich. Immerhin zitiert er seine kämpferische Schwester: „So leicht stirbt´s sich dann auch nicht.“ Wenn man bedenkt, was da alles auch dranhängt. Es sind – wie bei allen Erkrankungen – nicht nur die Kranken selbst, sondern auch das komplette Umfeld betroffen. Und jeder hat seine ganz eigene Art, damit umzugehen. Die einen powern sich anderweitig aus, um sich selbst abzulenken, andere machen sich rar und ziehen sich zurück…und dann gibt es noch diejenigen, die darüber reden müssen. Aber die Hilflosigkeit eint sie alle, was wohl das Schlimmste sein muss. In dem konkreten Fall rückt die Familie aber gut zusammen und unterstützt sich gegenseitig. Ich hoffe und wünsche mir so sehr, dass alles gut werden wird.

Als ich in die Küche schlendere, ist es schon dunkel. Umso heller strahlt die frische Außenbeleuchtung von meinem Nudisten-Nachbarn. Ich bin nahezu geblendet. Oppa hat sich mal so richtig ins Zeug gelegt. Es war zwar heute wieder strahlendes Wetter draußen, aber nicht so warm, als dass der Gute drüben wieder hätte blank ziehen können. Da hat er sich wohl kurzerhand etwas anderem mit völliger Hingabe widmen müssen. Es blinkt grün, blau und gelb. Naja, ich habe ja blickdichte Vorhänge im Schlafzimmer. Wenn er und seine Else es schön finden, ist das doch auch was Gutes. Jedem Tierchen sein Pläsierchen, gell? Solange niemand zu Schaden kommt.

Gute Geister

Ich schlafe gut und vor allem auch durch. Na, das nenne ich mal niedergestreckt. Mein ganzer Kiefer ist völlig verspannt und bretthart. Ach ja, es lebe die Anstelleritis. Ich sage ja immer, mir fehlt das Gen fürs Drama. Und im Grunde stimmt das auch nach wie vor. Man wird mich nie Porzellan zerschlagen und kreischen sehen, wenn ein Streit entsteht. Je lauter die Leute um mich herum werden, umso ruhiger werde ich. Keine Ahnung, woher ich diesen Mechanismus habe, doch ich bin dankbar für ihn. Völlig anders sieht es hingegen aus, wenn ich etwas so gar nicht kann und das schwächste Glied in der Kette bin. Dann fahre ich innerlich schon den Dramazug ab. Wenn ich dann so zurückblicke, amüsiere ich mich über mich selbst. Tja, ein bisschen Drama steckt doch in jeder Frau…also irgendwie, oder?

Heute Morgen bin ich dann doch wieder zeitig wach und sehe auch keinen Sinn darin, mich länger im Bett herumzuwälzen. Ich stehe also brav auf und mache mir Frühstück. Noch im Nachthemd setze ich mich vor den Fernseher. Und ja, ich weiß, dass man das nicht macht. Daher ist es ja auch gut, dass ich nicht „man“ bin, sondern ich. Am Wochenende frühstücke ich gerne vor der Flimmerkiste. Da es noch früh ist, zappe ich erstmal durch etliche Kanäle, nur um dann auf eine Doku über Gangster zu stoßen. Vor allem fasziniert mich diese Doku, weil sie hauptsächlich in Peru, zum Teil auch in Bolivien spielt. Es geht um Kokain – und wer daran wirklich verdient. Ich sehe die Bilder und denke, das sieht genau so aus, wie ich es in Erinnerung habe. Und wenn man sieht, wie wenig die Menschen dort haben, es aber auch keine Auswege zu geben scheint, dann finde ich das einfach nur fürchterlich. Ich denke an meine süßen Dschungelkinder. Ob ihnen ein ähnliches Schicksal blühen wird? Es sagt sich von außen immer so leicht, sie hätten eine Wahl. Wenn Du aber so groß wirst, wenn Du nicht weißt, wie Du Deine Familie sonst ernähren sollst, dann ist das ein Armutszeugnis für unsere ach so fortschrittliche Welt.

Mein Handy klingelt und reißt mich sofort aus meinen trüben Gedanken. Herr Leckebusch ruft an und trötet direkt durch den Hörer. Es gibt Menschen, die einem sofort ein fettes Grinsen ins Gesicht schmieren. Wir plaudern über Jan und Pitt – wie immer. Wir reden auch über schwere Themen, ganz klar. Seine Schwiegermutter, die er immer „Königinmutter“ nennt, ist recht dement. Und doch schneidet sie manches auch wieder ganz genau mit. Ihr ist es – laut seiner Aussage – wie vielen Menschen im Altenheim ergangen: Sie sind in den letzten Monaten erschreckend gealtert. Durch Corona durften sie lange nicht besucht werden. Seine Frau arbeitet in einer dieser Heime und ist nun seit nahezu zwei Jahren mit Burnout Zuhause. Viele Menschen seien wohl an Vereinsamung gestorben. Seine Schwiegermutter scheine sich auch zu verabschieden, denn sie verspüre nur noch den unbändigen Wunsch, noch einmal ans Grab ihres Mannes zu dürfen. Ach, das ist schon traurig, oder? Ich frage ihn, ob ihn das auch nachdenklich mache? Immerhin ist der Gute schon 81. „Ah watt, ich hab´ doch noch so viele Ideen im Kopp. Ich werde 104. Anders geht datt ja nich!“ Herrlich. Und ich glaube ihm, dass er das glaubt. Dieser unerschütterliche Glaube daran, dass alles gut werden wird, weil er immer alles dafür tut – diesen Glauben bewundere ich total.
Ich erzähle ihm auch, wie jämmerlich ich mich Donnerstagabend gefühlt habe und wie kindisch. Er ist wieder mal göttlich: „Mädchen, wäre et denn besser, Se würden die drei Porzellanteller, die Se ham, zertrümmern? Nee. Da rotzen Se mal ´n Ströphken, dann is datt doch juut.“ Wenn der wüsste, was ich an Porzellan habe! Dann würde er mir dazu raten, manches zu zertrümmern. Und dann schiebt er hinterher: „Ich find´ datt bärenstark, dass Se sich dem dann doch so stellen. Wer tät´ datt denn sons noch? Ich kenn´ da keinen, der so is!“ Komisch, von ihm kann ich das ja immer nehmen.
Gestern sollten wir in einer Übung von einer Führungskraft reden, die uns in unserem Leben beeindruckt hätte – egal, ob beruflich oder privat. Die beiden in meinem Team erzählten von ihren hippen, jungen Führungskräften, die ihnen viel Freiraum ließen. Ich habe Herrn Leckebusch als Beispiel gebracht, der allerdings nie mein Chef war. Er hat sich für seine Mitarbeiter interessiert, wusste immer, was sie auch privat bewegt und beschäftigt. Darüber hinaus hat er gefordert und gefördert und ist bis heute nicht zu alt oder zu weise, noch etwas zu lernen. Und – was ich so einzigartig finde: Er ist sich nie zu schade, sich bei den Leuten zu bedanken für das, was er von ihnen gelernt hat. Da haben mich die anderen beiden mit großen Augen angeschaut.
So erzählt er dann auch, wie er vor Wochen seine Frau in der Reha besucht hätte. Sie seien dann samstags ins Städtchen gegangen, wo er dann ewig wieder durch einen Buchladen geströpt sei und tolle Postkarten gefunden hätte. Er habe einen riesigen Stapel mitgenommen, was die Besitzerin habe aufmerksam werden lassen. Da er nicht in der Nähe wohne, habe diese ihm einen Kontakt aufgeschrieben, wo er diese Karten in Zukunft auch direkt bestellen könne. In der Woche drauf, habe er sich Zuhause hingesetzt und der Dame eine Dankeskarte geschickt, was sie so rührend fand, dass sie ihm auch geschrieben habe. Und nein, hier geht es nicht ums Baggern. Es geht darum, jemand anderem mal zu danken, dass er/sie etwas besonders gut gemacht hat.
Wann machen wir das im Alltag? Wir pesen durch die Geschäfte, kaufen ein, aber halten doch nur selten inne. Und in dem Maß, in dem er das tut, bekommt er das Positive häufig auch zurück und führt ein sehr zufriedenes Leben.

So inspiriert, mache ich ein bisschen Hausarbeit und genieße die Tatsache, an diesem Wochenende nichts zu müssen und nur noch drei Wochen zu arbeiten, bevor ich meine Lieben wiedersehe. Ach, was geht´s mir gut, oder? (Erinnert mich nur nicht an die Prüfung! 😉 ).

Besser – wenn auch nicht vollkommen gut

Gestern Abend schreibe ich dem Trainer noch eine Nachricht, in der ich ihm erkläre, warum ich die letzte Stunde so schweigsam war. Das liegt mir als Trainerin immer selbst am Herzen. Ich schaue, warum Leute so völlig durch sind, will ihnen Hilfestellung anbieten und es für alle gleichermaßen gut erlebbar machen. Er antwortet dann auch heute Morgen. Leider schreibt er mich mit dem Namen „Ulrike“ an. Ääääh… Es gibt drei Frauen und fünf Männer in diesem Kurs. Keine heißt Ulrike. Irgendwie lacht der Kleingeist in mir und ruft: „Na, siehste, alles kann der große Zampano wohl auch nicht!“ Ist auch wurscht, aber nimmt eigenartigerweise etwas Druck vom Kessel, was auch bitter nötig ist. Denn die letzte Nacht habe ich so was von miserabel geschlafen. Ich habe komisch geträumt, was ich aber nicht mehr erinnere. Und zwischendurch lag ich wach, während mir diese dämlichen Begriffe durchs Hirn geschossen sind, die mich dann am schnellen Wiedereinschlafen gehindert haben. Oh man, ganz ehrlich? Es ist doch nichts Kriegsentscheidendes, nichts, wobei jemand stirbt oder ähnlich Gelagertes. Warum, in Gottes Namen, muss ich mich dann so anstellen?!

Heute geht das Einwählen etwas leichter von der Hand. Ich beschließe, völlig offen zu sein – auch mit meiner Sorge. Zunächst gehen wir in Zweierteams zusammen, um über die gestrigen Erkenntnisse zu sprechen. Meine wichtigste Erkenntnis: Ich werde nie ein Fan davon sein, online Schulungen zu machen – weder als Teilnehmer und noch weniger als Trainer. Es ist nicht meine Welt. Und nicht alle Menschen sind so technikaffin, wie es einem gerne in der hippen, trendigen Welt weisgemacht werden soll. Es gibt einen Markt hierfür, keine Frage. Und wenn ich lauter Software-Entwickler habe, dann ist das die richtige Zielgruppe. Da ich ein völlig anderer Mensch bin, passt das andere zu mir besser. Eine weitere Erkenntnis, die ich allerdings nicht offen ausspreche, ist: Menschen, die deutlich erwachsen sind (um die 50), sollten nicht inflationär „nice“ sagen. Ich finde es lächerlich. Und wenn ich jedesmal, wenn ich etwas gut finde, einen Beitrag loben will oder eine Erkenntnis habe „nice“ sagen muss, dann finde ich das gezwungen hip und gewollt ultracool. Um da mal gleichzuziehen: „Not my shit!“ Aber vermutlich kommt es bei vielen sehr gut an und ist nur bei mir danebengeschossen.
Mein Sparringspartner in dieser Übung hat die Erkenntnis gewonnen, dass er gestern zu viel geredet hätte, zu weit nach vorne gesprungen sei und damit diesen Basiskurs etwas gesprengt hätte – zusammen mit einem anderen. Stimmt, aber ich kann schon sein großes Interesse verstehen. Ich frage mich allerdings, was so ein Mensch denn überhaupt in einem Basiskurs macht? Ein fertiger Chirurg geht doch auch nicht in eine Erstsemester-Veranstaltung und will „mitspielen“ – höchstens, um eine Else abzugreifen mit seinem Wissen. Aber das war nie im Leben die Motivation dieses jungen Typens hier.

Egal. Ich muss mehr bei mir bleiben… Und das ist die Erkenntnis des heutigen Tages. Ein Abschnitt geht nämlich um die Formel für Gefühle (frei nach Rosenberg – nicht Marianne, sondern ein Psychologe…wobei, ist das Marianne nicht auch irgendwie, wenn sie singt?):

Wahrnehmung + Interpretation = Gefühl

Wer ist also für meine Gefühle zuständig? Einzig und allein ich. Während in meinem Kopf der Film in Dauerschleife fährt: „Oh Gott, ich kann nichts. Die sind alle viel weiter! Was mache ich hier? Was bin ich doch ein Depp! Ich frage nichts, denn ich halte ja sonst alle anderen auf…usw.“, haben die anderen nichts dergleichen gesagt. Und selbst wenn: Dann sind das ihre Gefühle. Auf die sollte ich in meiner Rolle als Coach und Trainer schon achten, aber hier bin ich einfach auch mal nur Teilnehmer. Da sollte ich doch besser mal auf mich achten, oder? Ach ja, da darf ich noch viiiiiiel lernen.

Ich danke Euch, meinen lieben Helfern da draußen, dass ich die Gedanken mit Euch teilen darf. Und ich danke manch einem von Euch, der mir ein paar liebe, aufmunternde Worte dazu geschrieben hat. Wenn ich so verzweifelt bin (völlig kindisch), kann ich das allerdings leider nur schlecht annehmen. Ich hoffe, Ihr seht mir nach, wenn ich dann nicht euphorisch zurückschreibe, sondern mich lieber hübsch weiter demontiere. „It´s a long way to Tipperary“. Ich sage ja, im Mittelalter habe ich garantiert noch die Geißel geschwungen…oder die neunschwänzige Katze. Egal, womit, aber ich habe volle Elle bei mir draufgedroschen. Und das bekomme ich so schnell nicht weg. Mit anderen Worrten: Ich muss noch viele Jahre leben, um alle meine Aufgaben abzuarbeiten. 🙂 Das heißt im Umkehrschluss: Ihr dürft bestimmt noch manches Mal über mich schmunzeln, den Kopf schütteln oder sonst was denken und tun. Das sind dann Eure Gefühle aufgrund Eurer Interpretationen. Ach, für heute reicht´s mir. Ich geh´ schaukeln (besser gesagt: Auf die Couch). Bis denne…

Achtung, schlechte Laune!

Wer die Überschrift nicht ernstnimmt, dem sei hiermit eine erneute Warnung gegeben: Ich habe richtig üble Laune. Ich bin durch, am Arsch, kann und will gerade gar nichts mehr. Keine Ahnung, vermutlich liegt es an meiner heute so gar nicht vorhandenen Frustrationstoleranz. Und normalerweise bin ich sehr leidensfähig. Aber das sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Doch erstmal auf Anfang.

Ich habe schon morgens Magengrummeln, weil ich mich einfach nicht wohlfühle mit dem, was vor mir liegt. Das Thema an sich ist spannend, aber es fängt schon im Kleinen an: Die einen nennen es Methode, dabei sagen die Erfinder, dass es eher einer Haltung entspricht und eines Geisteswandels bedarf. Irgendwie ist immer alles, was es so gibt, das Nonplusultra. Schon mal aufgefallen? Das nervt mich ja schon. Im Gegensatz zur neuen Geisteshaltung, gibt es aber nicht viele Regeln. Bei Männern hasse ich den Spruch ja immer, wie die Pest: „Alles kann, nichts muss.“ Da weißte in der Regel, was der Typ will. Das ist dann der Moment, in dem ich mich rumdrehe…

Brav wähle ich mich rechtzeitig ein, denn ich muss ja immer hübsch angepasst sein. Mannomann, manchmal würde ich mich einfach gerne mal wie eine offene Hose benehmen. Einfach so, um mal auszuprobieren, wie sich das anfühlt. Aber das schaffe ich nicht, weil ich so wahnsinnig normativ bin, was die Wenigsten von mir denken. Und mein Anspruch dahinter: Ich darf nicht scheitern! Dabei gehört das ja definitiv dazu.
Wir sind nur acht Teilnehmer, was ja im Grunde toll ist, weil es intensiver ist. Leider kann man sich da aber auch nicht verstecken. Und es kommt, wie es kommen muss: Alle sind irgendwie im IT-Umfeld tätig. Entsprechend sprechen sie eine vollkommen andere Sprache. Sie schmeißen mit Anglizismen um sich, dass die Heide wackelt. Ich spreche Englisch und bin nicht völlig untalentiert. Aber das sind Begriffe, die mich total überfordern. Dazu dann die Technik. Da es sich um nahezu ausschließlich ITler handelt, haben sie nicht etwa – wie ich – meinen Laptop vor sich, sondern mindestens zwei Bildschirme. Und die braucht´s eigentlich auch, da wir auf zwei Plattformen gleichzeitig arbeiten: Auf Mural und Zoom. Beides für sich echt coole Plattformen, kreativ und alles, aber mit viel zu vielen Möglichkeiten und eben nicht alles sofort umsetzbar, wenn man es nicht kennt. Ich darf also hier nicht nur die neuen fachlichen Inhalte lernen, sondern muss vieles online nachschlagen und übersetzen und mich nebenher noch mit der Technik auf einem kleinen Bildschirm rumschlagen. Der Trainer ist cool, nett, witzig. Aber ich hänge gefühlt trotzdem Lichtjahre hinterher. Und dabei müssen wir nonstop die Kamera offen haben. Also allzu blöd darf ich dabei auch nicht aus der Wäsche schauen.
Ich fühle mich hilflos, überfordert, abgehängt und völlig dumm. Vor allem das Letzte macht mir wohl zu schaffen. Da bilde ich mich seit Jahren kontinuierlich fort, stelle mich so vielen Herausforderungen und komme mir unzulänglich vor. Und daran ersticke ich fast. Ja, ich weiß, dass ich mich gerade herrlich reinsteigere. Aber so ist das jetzt einfach mal.

Nach einem Telefonat mit meiner Sis, bei dem ich einfach mal geheult habe, geht es mir etwas besser. Wie es sich für eine große Schwester gehört, antwortet sie mir, ich sei natürlich nicht dumm. Ja, große Schwestern müssen manchmal einfach auch lügen, damit es wieder passt.
Ich weiß, dass ich den Inhalt prinzipiell verstehe. Und ja, auch die Prüfung werde ich irgendwie schaffen. Aber mir graut dennoch vor morgen, wenn ich völlig erschlagen von Technik und Anglizismen am Ende des Tages auf dem Zahnfleisch daherschleiche. Das kann doch irgendwie nicht Sinn und Zweck des Ganzen sein. Der Optimist in mir ruft: „Nur noch einen Tag durchhalten, die Hälfte hast Du schon.“ Der Pessimist ruft: „Noch ein ganzer Tag! Alter, wirst Du im Eimer sein!“ Der Zweifler schreit: „Du schaffst die Prüfung nicht!“ Das Kind in mir ruft: „Setz´ Dich einfach ins Auto, und hau´ ab. Versteck´ Dich, wo Dich keiner findet.“ Der Rheinländer kommentiert trocken: „Du hast eindeutig zu viele Stimmen im Kopp. Et kütt doch eh wie et kütt. Stell´ Dich net su an.“ (Den Ausschnitt der Bläckföös habe ich heute Morgen auch schon per What´s App erhalten.) Oh man. Ich bin einfach müde. Und nein, ich brauche nicht die Männer mit der Jacke, die man hinten schließt. Ich brauche einfach eine Mütze Schlaf. Gute Nacht zusammen…ich pack´s für heute.

mein Hirn schreit: „Müüüüüdeeeee!“

Der Tag startet ruhig. Ich bin erst um 10 Uhr zum Frühstück bei meiner lieben Kollegin verabredet. Statt des Kurzarbeitstages am Freitag habe ich ja heute frei. Nach dem kompletten Schulungs-Wochenende ist das echt ein Segen. Bevor ich losstarte, rufe ich aber erstmal meinen Chef wegen der Rechnung an. Er rührt sich nicht – mich wundert´s nicht. Als ich es eine Stunde später versuche, bekomme ich ihn dann doch noch ans Rohr. Eigentlich weiß ich ja, dass offene Fragen immer zielführender sind. Da ich aber weiß, dass mein Chef seine Mails regelmäßig nicht liest, habe ich „DRINGEND“ in den Betreff geschrieben, in der Hoffnung, dass die scheele Minka das dann doch entdeckt. Trotzdem frage ich geschlossen, nachdem er sich noch nicht mal meldet und ich nur anhand der Hintergrundgeräusche schätze, dass da jemand am anderen Ende ist: „Hast Du meine Mail von gestern Abend schon gelesen?“ Seine sagenhafte Antwort: „Jo.“ Stille. Gut, streng genommen hat er meine Frage ja beantwortet. Ich will ihn dennoch schütteln: „Und? Hast Du schon beim Einkauf nachgefragt? Oder kannst Du mir den Kontakt nennen, an den Ihr das weitergegeben habt?“ Nein, er habe sich auf die Suche nach der Rechnung begeben, die er an den Chef-Chef weitergeleitet habe. Damit ihm der Ernst der Lage klar wird, sage ich: „Wenn die Kohle nicht angewiesen wird, darf ich nicht teilnehmen.“ Völlig verdutzt reagiert er: „Worum des net?“ Alter! Ich finde das Verhalten von Menschen in Konzernen bisweilen schräg. Noch schräger wird´s, wenn man seit der Ausbildung – also seit 45 Jahren – in ein und demselben Konzern tätig ist. Das sind Leute, die auch nie ein Bewusstsein für Geldeinsparungen haben, weil es ja nicht ihres ist. Und so fehlt ihm dann auch das Gespür dafür, dass Selbständige vorab ihre Kohle erhalten müssen, da sie sonst oft genug auf den Kosten sitzenbleiben. Gut, er würde sich kümmern.

Na, dann kümmere ich mich mal um die Semmelbeschaffung und fahre zu meiner Kollegin. Wir freuen uns auf das Wiedersehen, weil schon wieder Wochen vergangen sind. Es geht ihr endlich besser, was mich so sehr freut. Es tut mir leid für jeden, der psychisch angeschlagen ist, weil das einfach eine richtig ätzende Scheißzeit für diese Leute zu den jetzigen Bedinungen ist.
Ich habe meinen Laptop im Gepäck, um meine Vorbereitungen für den Kurs für morgen zu machen. Ursprünglich hätten wir den zusammen gemacht. Nun holt sie das im neuen Jahr nach. Eigentlich sollte es Präsenzunterricht sein, nun ist es aber online mit Programmen, die ich leider noch nicht so gut kenne. Mir reicht es ja schon, wenn ich die Thematik noch nicht so kenne. Wenn dann noch technische Erschwernisse dazukommen, verspüre ich mehr als nur leichte Panik. Und dann kommt der Klopper: Das Handbuch ist auf Englisch. Der Unterricht zwar morgen und übermorgen auf Deutsch, aber die Prüfung für die Zertifizierung am Freitag wiederum auf Englisch – mit etlichen Fachtermini. Mein Hirn streikt. Manchmal ist es ja förderlich, als Steinböckchen Hörner zu haben – hier leider nicht. Ich mache komplett dicht. Meine Vorstellung ist, dass ich den Test im Vorfeld nur mit wenigen Fehlern absolvieren darf. 85 Prozent benötige ich zum Bestehen. Meine Kollegin klärt mich in meiner Panik auf: „85 Prozent bei der Abschlussprüfung. Hättest Du die jetzt schon, bräuchtest Du den Kurs ja gar nicht.“ Ach so! In panischen Momenten setzt meine Logik leider völlig aus. Ich absolviere den Test, bei dem ich in 30 Minuten 30 Fragen beantworten muss – auf Englisch. Aus Panik (wieder einmal), das zeitlich nicht zu schaffen, hetze ich so, dass ich noch acht Minuten Restzeit habe. Ich bin so ein Spaten! Das Ergebnis liegt bei 60 Prozent. Alles gut. Trotzdem bin ich völlig fertig und müde.

Es hilft aber alles nichts: Ich habe noch meine Prüfungvorbereitung zu meiner privaten Ausbildung heute Abend vor mir. Das liebreizende, supertruper Kracherthema ist Suizidalität…ok, gewürzt mit hervorragenden, fröhlichen Infos zur Rechtskunde. Ich bin knatschig. Aber auch die Zeit geht rum. Vorher telefoniere ich noch mit meinem Chef, verschicke Mails an den Trainer für morgen, dem ich auf die Mailbox quatsche, ob ich denn nun teilnehmen dürfe? Er könne zurückrufen…ich sei allerdings ab 18:30 Uhr in einer Online-Schulung. Er ruft zurück, und ich darf teilnehmen – juchuuuuu! „Aber heute Abend noch eine Fortbildung? Mach´ nicht zu lange! Die nächsten beiden Tage werden sehr anstrengend.“ Na, wer braucht da noch Motivation? Zum Suizid, meine ich…? 😉
Es wird alles klappen, aber Samstag und Sonntag werde ich ausschließlich rumgammeln, weil ich zu mehr nicht mehr in der Lage sein werde. Ich weiß: Alles selbst gewähltes Schicksal…und es freut mich auch total. Aber so langsam ist mein kleines, armes Hirn müde. Wen wundert´s?

Eierlose

Wisst Ihr, was der Nachteil von privaten Fortbildungen ist? Sie kosten Geld, viel Geld. Daher klingt eine Fortbildung auf Firmenkosten verlockend. Wisst Ihr, was der Nachteil ist? Nicht ich überweise das Geld, sondern die Firma. Und die scheint es da nicht so eilig zu haben. Entsprechend ist es saublöd, wenn ich dann heute Abend eine Erinnerung bekomme, dass die Kohle noch nicht angewiesen ist. Übermorgen geht es aber los. So was ist mir ja peinlich ohne Ende und würde mir im Traum nie einfallen. Aber es geht ja nicht „auf meinen Nacken“ – wie die jungen Leute heutzutage (bin ich etwa schon so alt?!) sagen. Kurzentschlossen rufe ich den Trainer an und entschuldige mich. Er ist richtig nett und reagiert verständnisvoll, was mich natürlich beruhigt. Trotzdem ist die Situation eine blöde. Mal schauen, ob unser Einkauf das morgen hinbekommt. Ich habe zwar frei, werde aber so lange telefonieren müssen, bis klar ist, ob sie es hinbekommen. Falls nicht, kann ich nicht am Training teilnehmen. Wenn das mal nicht saudämlich ist.

Dafür ist mein Chef heute auch wieder der Kracher. Er kommt zu mir ins Büro, um mir eine Kurzinfo über was zu geben. Das geht ja noch. Und dann fängt auch schon sein Genöle an: Wie ätzend alles laufe, wie viel Stress er habe, wie ungerecht alles für ihn sei usw. Auf Nachfrage räumt er ein, sich noch nicht das Video angeschaut zu haben, das knappe sieben Minuten dauert und ich ihm vor fast zwei Wochen gescchickt habe. Munition für die nächste Diskussion bei diesem Oberboss. Aber nein, der völlig Überlastete komme ja zu nichts. Ich weiß, er kann es mir ohnehin nicht mehr recht machen. Nur: Er versucht es ja auch nicht. Bei niemandem von seinen Mitarbeitern – ich bilde ja keine Ausnahme. Er ist zu allen gleich egozentrisch. Und so frage ich ihn (weil ich ihn ja heute das erste Mal live und in Farbe wiedersehe), was er denn dem Narzissten auf das Feedback zu meiner Person geantwortet habe? „Ääääh, nix.“ WHAAAAT???? Als er meine hochgezogene Augenbraue registriert, schiebt er hinterher: „Jooo, Du woast doch: Feedback nimmt ma, do soagt ma nix.“ Aaaaah ja. Feedback zur eigenen Person, ok. Da kann man sich so verhalten – wobei man auch da nachfragen kann, an welchem konkreten Beispiel sein Gegenüber eine Aussage festmachen würde. Aber wenn ein Typ von einer völlig anderen Abteilung Scheiße über meine Leute auskippen würde, würde ich mich immer vor meine Leute stellen. Jaaaaaa, aber das bringe doch nichts bei dem. Tja, stimmt. So hat es bei Hitler damals auch geheißen. JA DOCH! Ich weiß, dass das ein krasser und hinkender Vergleich ist. Und trotzdem ist das kein Verhalten. Beleidigt schaut er mich an (nein, ich habe Hitler nicht erwähnt!): „Und worum froagst des so? Domit schenkste mia oanen ei!“ Gerne würde ich ihm sagen: „Wie war das mit dem Feedbacknehmen noch gleich?!“ Aber stattdessen sage ich: „Tut mir leid, wenn Dich das jetzt trifft, aber meine Auffassung ist klar, dass ich da von Dir als meinem Chef Stellungnahme erwarte!“ Und dann heult er mich voll, dass ihm das ja gar nicht zustehe. Dieser Obermufti haben meinem Chef-Chef (ihm nicht unterstellt!) angeboten, ihn doch einmal zu coachen. Wer bis jetzt noch gedacht hat, ich übertreibe es mit der Diagnose „Narzisst“, versteht hoffentlich spätestens jetzt die anmaßende, narzisstische Persönlichkeitsstörung des Typens aus der anderen Abteilung?! Mein Chef-Chef hat sich das dann auch tatsächlich reingezogen, weil der Typ ja hierarchisch gesehen über ihm stehe. Entsetzt schaue ich meinen Chef an: „Weißt Du, was ich sagen würde? Danke für Dein Angebot, aber coachen lasse ich mich nur von jemandem, der mehr Expertise mitbringt, als ich sie auf dem Gebiet habe. Damit fällst Du raus. Danke, aber nein, danke.“ Da antwortet er doch glatt, ich könne das ja sagen, aber als Führungskraft gehe das nicht. Ja, wo sind wir denn mittlerweile angekommen?! Ich fass´ mir mal wieder ans Hirn (das ja nur auf der untersten Ebene funktioniert, weshalb mich der besagte Narzisst ja nicht auf Führungskräfte loslassen will, mit denen ich ja schon ewig und drei Tage arbeite.) Trocken ergänze ich, sie sollten sich doch einfach mal Eier wachsen lassen. Darüber grinst er dann. Oh man, das war kein Scherz, und das weiß er im Grunde auch. Aber er ist eben etwas einfach gestrickt, wobei ein paar Maschen fallen gelassen wurden.

Hier kann und werde ich nicht glücklich leben. Passt für mich, aber es dauert ja noch über ein Jahr, bis ich meine Weichen so gestellt habe, dass ich die Biege machen kann. Bis dahin fließt ja noch genug Wasser den Rhein/ die Isar/ die Donau oder welches Flüsschen auch immer runter. Und bis dahin gilt: Nicht entmutigen lassen! Mein Frustpegel wächst natürlich. Aaaaaaaaaber: Noch 3 1/2 Wochen, dann kann ich zu meiner Sis und Familie fahren. Dieses Jahr ist quasi gerettet. Danach gilt es, mich anderweitig motiviert zu halten. Drückt mir mal die Daumen, dass kein Blut fließen muss. Ich drück´ sie mir auch.

Montags ist eben nicht freitags, gell?

Im Radio höre ich heute einen guten Spruch: „Sei immer Du selbst. Außer, Du bist ein Montag, dann sei Freitag!“ Oh, wie sehr verstehe ich den Autor dieses Spruchs, den ich leider nicht kenne. Vermutlich könnte den fast jeder gebracht haben, oder? Letzten Montag hätte er zu 1.000 Prozent gepasst. Heute passt er nur zum Teil. Ich bin müde, keine Frage. Und mein Hintern will samt meiner Motivation noch ´ne Runde im Bett chillen. Es hilft ja aber nichts.

Der Hinweg erinnert an „The Fog – Nebel des Grauens“. Das ist immer das Schöne am November. Ich weiß, auch hier sind viele anderer Meinung, aber ich finde ja, selbst Nebel hat was. Nicht immer, aber zum November gehört er dazu und macht die Sache erst rund. Sorry, außer Hochsommer, feier´ ich so ziemlich jedes Wetter und jede Jahreszeit. Ist einfach so. Später als ich, aber doch kurz vor meinem ersten Meeting, kommt eine liebe Kollegin ins Büro geschlappt. Ihr geht es gesundheitlich endlich besser, was man ihr auch deutlich ansieht. Allergien und Unverträglichkeiten sind aber auch echt Arschkühe, die einem das Leben arg versauen können. Wir quatschen kurz, dann muss ich mich auch schon einwählen. Nach einer halben Stunde fragt sie: „Seid Ihr immer noch in dem Team-Meeting?“ Da ich auf stumm geschaltet bin, bestätige ich: „Ja…dauert auch noch mindestens 30 Minuten. Außerdem hat Heinz ja noch nicht alle Worte zu allen Themen, die völlig unwichtig sind, gefunden.“ Sie lacht. Klar, er ist ja auch in meinem Team und nicht in ihrem. Da würde ich auch lachen.

Ich habe ein paar physische Meetings, die gut laufen. Mit einem „Kollegen-Freund“ (mir fehlen einfach ein paar Begriffe…die deutsche Sprache ist echt umfangreich, aber es fehlen immer noch manche Wörter…ich glaube, ich muss da mal ein paar neue erfinden) bespreche ich nächste Schritte und rede auch noch mal über das grandiose Feedback des narzisstischen Oberchefs. Und ja, durchaus, ich entdecke da schon auch gewisse Selbstzerstörungstendenzen. Warum? Na, wenn ich diesem Menschen nicht begegne, ist alles bong. Sollte ich ihn dann aber sehen, wird mein Gesichtsausdruck alles sagen. Und auch auf das, was aus meinem Mund herauskäme, hätte ich kaum bis keine Kontrolle. Würde er mich was fragen, würde ich in etwa antworten: „Das fragst Du mich? Ach, auf Deiner Ebene kann ich doch gar nicht mitreden. Dafür bin ich doch viiiiel zu einfach gestrickt.“ Stellt Euch das in einem schön-schnippischen Ton vor – dann habt Ihr es.
Ich bewundere Angela Merkel, und das meine ich nicht ironisch. Sie ist ein Ausbund an Diplomatie. Ich würde regelmäßig platzen und dauernd die Frage stellen: „Glaubst Du den Scheiß eigentlich selber, den Du da absonderst?!“ Auf die damalige Verweigerung Trumps, ihr die Hand zu reichen, hätte ich ein lautes: „Schau´ Dir mal das schlecht erzogene Arschloch an! Selbst für die einfachsten Grundformen reicht es diesem Vollidioten nicht mal!“ Ja, ist wenig zielführend, ich weiß. Aber hättet Ihr Euch da immer unter Kontrolle? Ich schaffe das bei einer bestimmten Gruppe an Menschen einfach nicht, ohne ein Magengeschwür zu kassieren. Und dann höre ich die Frage: „Meinst Du, daran erinnerst Du Dich in sechs Monaten noch?“ Ich grinse: „Oh, sogar in zehn Jahren, wenn Du mich nachts wecken solltest.“ Ich bin ganz arg nachtragend. Ja, auch im Positiven, aber eben auch bei so was. Meine Sis ist da regelmäßig verzweifelt. Interessanterweise bin ich bei der Erinnerung auch immer wieder voll in dem Gefühl drin, das ich in dem Moment erlebt habe.
Ach ja, ressourcenschonender Umgang mit mir selbst ist das wohl kaum. Aber hey, jeder leistet sich sein eigenes Türülü, oder?
In diesem Sinne: Seid Ihr ein ressourcenfressender Montag, dann seid gefälligst ein aussichtsreicher Freitag!

Erkenntnisse sind nicht immer nur schön

Was lange währt, wird endlich Biden. Man, man, man, die schwere Geburt hat sich also gelohnt. Wobei – und ich glaube, da sind wir uns alle einig – es noch spannend wird, wie der Gelbhaarige das Weiße Haus verlassen wird: Auf seinen eigenen Füßen oder auf einer Liege, sediert, wie ein Ochse. Ich hätte da so eine Präferenz, aber mich fragt ja keiner. Ist, wie mit dem Porsche. Die haben sich alle verschworen. Genauso, wie die Technik. Wir warten jetzt seit zwölf Minuten, dass es endlich online losgeht. Aber – um es mal gebildet auszudrücken – rien ne va plus. Da geht echt gar nichts mehr. Da der „Züscho“ aber auch nicht weiterkommt, schreiben wir kurz per Mail, bevor er mir seine Handynummer gibt. Jezt kann ich mit ihm appen. Hossa! Hebt mich das jetzt in einen anderen Stand? Ich weiß es nicht. Nach immerhin 20 Minuten können wir uns dann aber zumindest endlich einwählen.

Der Anfang – wenn auch holprig – gestaltet sich heute noch gut. Ich mag die humorvolle Haltung der Psychologin in Bezug auf die Patienten: „Es ist wie eine Serie mit Fortsetzungsfolgen – man darf an vielen Seifenopern teilnehmen. Und das über eine sehr lange Zeit. Da ist es schon traurig, wenn das irgendwann zuende ist. Ich würde ja schon gerne noch wissen, wie die Ehe ausgegangen ist…oder der Jobwechsel oder dergleichen.“ Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Man begleitet manche Menschen durch schwierige Phasen des Lebens und weiß später nie, was aus ihnen geworden ist. Das fand ich auch traurig, als ich vom Eingliederungsbereich der Psychiatrie weggegangen bin. Bei meiner Trainer-Tätigkeit bleiben mir auch manche mehr, manche weniger in Erinnerung. Nach ein oder zwei Wochen Schulung, sind manche schon auch interessant für mich, dass ich gerne wüsste, wie sie sich weiterentwickeln. So geht mir das eindeutig mit den „Jungs“ im Knast auch. Da wüsste ich gerne, wie sich ihr weiteres Leben gestaltet. Und dann denke ich auch wieder, vielleicht ist es auch eine Gnade, es nicht zu wissen…denn es tun sich eben auch überall mal Abgründe auf. Es hat wohl sein Für und Wider in allen Bereichen.

Und manchmal breche ich dann innerlich zusammen und verstehe die Welt mal wieder nicht. Einfache Worte, wie „Perspektivübernahme“, sind für mich im Fortbildungszusammenhang zur Psychotherapeutin Alltagsbegriffe. Und da scheitern dann die anderen Teilnehmer daran! Keiner weiß was, dazu zu sagen. Hammer!!! Da muss man ja noch nicht mal Spezialist sein. Ich bin fast geneigt, ihnen mangelnde Perspektivübernahme zu attestieren, wenn sie das schon nicht herleiten können.
Spätestens ab Mittag bin ich dann völlig genervt, weil mir die Schwarz-Weiß-Sicht auf den Zeiger geht. Die Dozentin ist qualitativ gut, aber mittlerweile wieder sehr dogmatisch unterwegs. Sie überzeichnet die zwei Hauptausprägungen – Verhaltenstherapie und Psychoanalyse – maßlos und lässt da leider auch kein Augenzwinkern erkennen. Ich mag nichts, was dogmatisch ist. Stimmt nicht, können jetzt einige entgegenhalten. Ich habe ja auch eine klare Haltung zu Rassismus und Verschwörungstheorien. Aber ich sehe da schon einen Unterschied. In therapeutischer Sicht halte ich es für mich so: Alles, was dem Menschen hilft, ist für mich in Ordnung. Ich würde für mich jetzt keinen Schamanismus anbieten. Aber wenn es jemandem hilft, ist selbst das ok für mich. Es gibt Momente, da ist digitale Haltung (ja oder nein, schwarz oder weiß) für mich sinnvoll und/oder nachvollziehbar. In meiner therapeutischen Haltung Menschen gegenüber, finde ich es hingegen ignorant und schade. Doch…da darf gerne jeder seine eigene Meinung zu haben.

Irgendwie bringen wir die heutigen Schulung dann dennoch über die Bühne. Bei einem Fallbeispiel bin ich überrascht, wie viele der Teilnehmer den geschilderten Patienten zunächst innerlich ablehnen, wo ich ihn dann eher als spannend sehe. Als dann seine Kindheit erklärt wird, sind manche sehr geschockt und aufgewühlt, was mich noch fassungsloser hinterlässt. Es gibt weitaus schlimmere Schicksale, die leider Realität sind. Wenn das hier schon überfordernd wirkt, dann verstehe ich die Naivität mancher nicht, die sich hier angemeldet haben. Wenn ich über „meine Freundin ist doof, weil sie die Zahnpastatube nicht ordnungsgemäß verschließt“ reden will, dann entscheide ich mich doch nicht für diesen Bereich, oder?! Keine Ahnung. Ich komme immer mehr zu dem Schluss, dass ich wohl anders bin – sei es hier oder auch bisweilen (immer häufiger) in meinem Beruf. Ob das gut ist oder nicht, weiß ich nicht. Es hinterlässt in mir nur die Befürchtung, dass ich wohl häufig zu viel will oder erwarte. Und das gefällt mir natürlich nicht. Ach, der liebe, gute, alte Idealismus…er bringt mich irgendwann einmal zu Fall.

züschisch un so, wa?

So, heute ist Schule angesagt. Und auch, wenn ich Präsenzunterricht bevorzuge, habe ich mich der Vernunft wegen schweren Herzens für das Webinar entschieden. Erstaunlicherweise funktioniert es dann aber doch sehr gut. Es ist nahezu hälftig, wie sich die Teilnehmer entschieden haben. Doch wir in der Online-Variante sind keineswegs vernachlässigt oder außen vor.

Ich mag die Dozentin. Manchmal setzt sie bei einer Frage unsererseits kurz an, winkt dann aber wieder ab. Als sie es erklärt, spricht sie mir aus der Seele: „Sie müssen sich das so vorstellen: Sie stellen eine Frage, und mir schießen etliche Gedanken ins Hirn rein. Und dann muss ich entscheiden, was zuerst aus dem Mund raus darf.“ So geht es mir auch ganz oft. Und in hübscher Regelmäßigkeit kommen mir Sachen über die Lippen, bei denen die Kontrollfunktion meines Hirns kläglich versagt hat. Wobei…das meiste ist schon in Ordnung so, wenn nicht gar voll bewusst so gewählt.
Ich beobachte das immer wieder an Menschen. Es gibt die, die einem eine Frage zackig beantworten. Und dann gibt es die, bei denen man merkt, wie sie sich quälen, nach der exakten Formulierung zu kramen. Ich rede nicht von den Rudolf Scharpings dieser Welt. (An alle Küken: Das war ein Politiker in grauer Vorzeit. Ruhig mal googeln. Das ist eine Herausforderung für jeden ADHSler.) Es sind Leute, die schon normalerweise flüssig reden, sich dann aber äußerst viel Zeit lassen und für jedes einzelne Wort länger als sonst brauchen. Manchmal sage ich dann auch: „Sag´ doch mal einfach das, was Dir spontan in den Sinn kommt und nicht die politisch korrekte Variante.“ Krass! Trump würde ich das exakte Gegenteil empfehlen. Wobei er ja auch kein Schnellredner ist, aber eben ein Mensch, bei dem das Hirn – so es denn vorhanden ist – keine Kontrollfunktion übernimmt. (Hübsche Randnotiz: Da ich ihn in den letzten Tagen ja mehrfach erwähnt habe, wird immer wieder ein Aufruf aus den Staaten auf meiner Seite registriert. Wenn ich jetzt noch „Corona“ schreibe, habe ich die USA und China in der Auflistung. Witzig, wie so was funktioniert.)
Was mich hingegen noch mehr irritiert, ist mein Mitschüler, dem ich ja gewisse Streber- und Einschleim-Tendenzen attestiert hatte. Er spricht immer wieder von „züschischen Störungen“. Nu komm´ isch ja auch aus´em Rheinland. Aber ich kann schon „ch“ und „sch“ auseinanderhalten und entsprechend artikulieren. Ich gebe zu, dass es bei Plosivlauten („p“ ist so ein Plosivlaut, ich Schlaumi-Schlumpf) bisweilen etwas schwieriger ist, wenn danach ein Zischlaut (nämlich „s“) kommt, aber als angehender Psychotherapeut sollte man meines Erachtens nach alle Bestandteile des Wortes „P-s-y-cho“ heraushören können…oder bin ich wieder zu kritisch? Ich weiß, dass das viele nicht so artikulieren können. Aber ich stelle mir vor, ich bin beim Gesundheitsamt und will die Prüfung ablegen. Die fragen: „Was ist Ihr Ziel?“ Er dann ganz tapfer:“Ich will züschotherapeutisch tätig werden.“ „Aha, wenn Sie was züchten wollen, was machen Sie dann hier?“ Aber richtig, nicht mein Problem. Mir fault nur wahrscheinlich irgendwann einmal die Zunge ab.

Da ich den ganzen Tag am Laptop saß, es nie ganz aufgeklart ist und nun auch schon die Nacht ihren Mantel über die westliche Hemisphäre gelegt hat (mei, ich wollt´s einfach mal poetisch ausdrücken), mache ich mir einfach einen schönen Abend und bin gespannt auf morgen. Immerhin will ich psychisch und züschisch stabil teilnehmen können.
Gehabt Euch wohl – was auch immer Ihr gerade tut. Poetische Auswüchse wieder auf Aus. 😉