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aus dem Nichts

Was für ein Tag. Manchmal ergeben Dinge im Nachhinein dann doch einen Sinn. Ich bin froh, dass heute der letzte Tag der Woche ist. Gestern habe ich über zehn Stunden in der Arbeit gehockt. Da darf jetzt auch mal das Wochenende beginnen. Und dieses schwüle, drückende Wetter tut sein Übriges dazu, dass ich platt bin. Daher bin ich froh, wenn ich den heutigen Tag hinter mir habe.
Und so beginne ich mit meiner ersten Veranstaltung – nach diversen Skype-Telefonaten. Es läuft alles hübsch, wie geplant, was mich ruhiger werden lässt. Seit gestern schwirren so ein paar Dinge durch meinen Kopf. Da kann ein bisschen Ruhe nicht schaden. Nach dem Meeting ist vor dem nächsten Meeting, und ich will mir eigentlich kurz was zu schnabulieren machen. Doch da ruft mich ein direkter Kollege an. Ausgerechnet der, den ich wirklich gar nicht schätze, weil er immer und überall Feuerchen legt. Aber gut, ich schaue mal, was er denn so will.
Er kommt ganz harmlos ums Eck, wie ich das mit der Fahrerei nach Straubing gemacht hätte? Hä? Das kommt mir ein wenig spanisch vor, aber ok, gehe ich mal drauf ein und erkläre ihm – seit zwei Jahrezehnten in der Firma – den Ablauf mit dem Fahrzeugpool im Haus bzw. dem Vorgang des Auto Mietens. Er plaudert drauflos, was er in Straubing vorhabe, doch ich warte auf die Pointe. Als ich schon nicht mehr damit rechne, fragt er mich, was ich zu Heinz sage? Jetzt kommen wir der Sache näher. Heinz, Ihr wisst schon…DER Heinz. Was soll ich über ihn wissen? Er ist gerade in Urlaub, soweit ich weiß. Da lacht mein Kollege leicht und sagt: „Joa, so könnte man das auch nennen.“ Nun hat er mich neugierig gemacht, leider. Das ist so seine Masche. Heinz war gestern das erste Mal seit sieben oder acht Monaten in der Firma. Das hat mich schon gewundert, aber ich habe es der Vorstellung der neuen Chef-Chefin in unserer Austauschrunde zugeschoben. An der hat er allerdings dann nicht teilgenommen, was ich jedoch nur am Rande registriert habe. Jetzt erfahre ich, dass er ein Personalgespräch hatte. Direkt im Anschluss wurden alle Tage auf „abwesend“ bei ihm im Kalender gesetzt. Interessant. Mir wäre das nicht aufgefallen, weil ich da nicht nachschaue. Bei dem Personalgespräch war nicht nur der Chef-Chef dabei, sondern unser Chef nicht anwesend, dafür dann aber die Personalabteilung und eine externe Beratungsfirma, die für die „zur Verfügung Stellung auf dem Arbeitsmarkt“ verantwortlich zeichnet. Bums, da falle ich gerade mal vom Stängelchen. Wie ich jetzt vom Kollegen erfahre, war er nicht vorgewarnt und hat mit so was mal gar nicht gerechnet. Ob er nun ein Angebot erhalten hat und sich noch entscheiden darf, wissen wir nicht. Ob er (wieder) etwas angestellt hat, wissen wir auch nicht. Was wir jedoch wissen, ist: Eigentlich sollten keine Stellen mehr abgebaut werden. Der Prozess war abgeschlossen. Puh!
In der Sache ist es durchaus angebracht, jemanden wie ihn nicht im Unternehmen tolerieren zu können. Doch da sind seit 15 Jahren Dinge grundlegend schiefgelaufen. Was ich hingegen bemängele – bei allem Frust über ihn – ist die Tatsache, wie das nun passiert. Ohne Vorwarnung statuiert man hier ein Exempel. Im Grunde ein echtes No-Go. Und – wenn wir ganz ehrlich sind – ist das auch ein Armutszeugnis für die Führung. Man hätte dieses Vorgehen schon vor vielen, vielen Jahren im Keim ersticken müssen. Dann muss so jemand eng geführt werden. Doch so was jahrelang laufen zu lassen und dann aus heiterem Himmel (so schaut es für uns derzeit jedenfalls noch aus) zu agieren, hinterlässt ein Geschmäckle. Allerdings zeigt es mir, warum mein Chef seinen Urlaub gecancelt hat. Immerhin stehen alle Termine noch im Kalender von Heinz, die ja nun irgendwer übernehmen muss. Ich bin gespannt, was da noch kommen wird…
Die ganze Umstrukturierung läuft ebenfalls in eigenartigen Bahnen. Mein Chef-Chef wird ja versetzt – so, wie einige andere auch. Ihm hatte man aber nur eine Woche zuvor gesagt, dass er diesen Bereich fest zugesichert bekäme. Nur um dann zu erfahren, man bräuchte ihn eigentlich gar nicht mehr im Unternehmen. Und ein paar Tage später die Info: „Och, kannst doch bleiben, nimmste eben diese Stelle.“ Jetzt verstehe ich den Frust auch eher. Trotzdem bleibt unterm Strich ein verdammt dickes Gehalt, was auch manches rechtfertigt. Auf der anderen Seite kann ich mir meine Mitarbeiter so auch munter sauerfahren und muss mich nicht wundern, wenn sie zu „Low Performern“ mutieren. Gott, wie ich dieses Wort hasse!!! Aber davon reden Konzerne ja gerne.

Nun ist der Arbeitstag Gottseidank rum und hinterlässt mich mit ein paar Fragezeichen, die sich aber bestimmt mit der Zeit auch in Wohlgefallen auflösen werden. Ich packe meinen Müll zusammen und bringe ihn nach draußen, wo mir ein einsamer, kleiner Junge über den Weg läuft und mich mustert. Es ist nicht der Brüllhannes. Da bin ich aber froh. Ich frage ihn, ob ihm sehr langweilig sei? „Nö, gerade nicht. Ich geh´ jetzt zu ´nem Freund spielen. Aber sonst ist mir schon voll langweilig.“ Aha. Er begleitet mich ein paar Meter, also quatsche ich einfach weiter mit ihm und frage, ob er zur Schule gehe? Prompt kommt die Antwort: „Ja klar, aber das ist voll doof!“ Ich grinse: „Wieso finden alle Jungen eigentlich Schule so doof?“ Er holt Luft: „Weil ich da sechs Stunden und so sein muss.“ Was auch immer „und so“ ist. Ich grinse noch breiter, weil ich gerade an meine Arbeit denke: „Och, weißt Du, ich geh´ zwar nicht mehr zur Schule, aber dafür arbeiten. Und da ist es auch manchmal ganz schön doof. Da bin ich auch mindestens sechs Stunden, normalerweise aber länger.“ In völliger Kindermanier, wie es in der SodaStream-Werbung gezeigt wird, kommt postwendend: „Mein Papa arbeitet die ganze Nacht!“ Ob ich jetzt wohl fragen soll, ob sein Vater Prostituierter sei? Dann haben sie ein gutes Diskussionsthema am Abendbrottisch. Doch ich beherrsche mich, wie sich das gehört, und denke: Wir haben wohl alle unsere Verpflichtungen, die uns mal mehr, mal weniger Spaß machen – sei es in der Schule oder bei der Arbeit.

von Stuten und Fröschen

Heute Morgen düse ich wieder ins Büro. Ominöserweise steht ein Fenster sperrangelweit offen. Es ist 6:50 Uhr. Zwei Kollegen aus diesem Büro sind in Urlaub. Die andere ist Langschläferin. Und dann ich, säät der Jeck. Komisch, komisch, auch wenn ich Frischluft natürlich sehr mag. Erst spät am Nachmittag finden wir endlich heraus, dass die Handwerker gestern Schalldämpfer an der Decke installiert haben und dabei vergessen haben müssen, das Fenster auch wieder zu schließen. Die Tastaturen lagen auch umgedreht auf dem Schreibtisch. Wir hätten drauf kommen können, aber an so was habe ich nun wirklich nicht gedacht. Nur gut, dass wir es rausgefunden haben. Ansonsten wäre mir das nicht mehr aus dem Kopf gegangen.

Kurze Zeit später darf ich dann auch den zweiten Teil meines Workshops durchführen. Der Auftraggeber ist wohl zufrieden, obwohl ich wirklich „nur“ moderiere. Mir ist das zu wenig, aber wenn es gewünscht ist, bin ich nun mal nur Dienstleister und er Kunde. Mit den sechs Kerlen macht es mir allerdings sehr viel Spaß. Ein ganz Harter haut irgendwann raus: „Mit Dia daat i gäan oan saufn gänga.“ Das ist doch mal ein Wort! Wenn es wieder möglich ist, werden wir das vermutlich nachholen. Er trägt ein T-Shirt von Motörhead, weshalb ich weiß, dass wir Musik technisch auf einer ähnlichen Welle schwimmen. Als mir zwei Jungs dann noch verraten, dass sie vor zwei Jahren auf einem Disturbed Konzert waren, drohe ich ihnen das Schlimmster an, wenn sie mich beim nächsten Mal nicht mitnehmen würden. Angeblich werden sie mich beim nächsten Mal informieren. Wenn nicht, gibbet Kassalla. Der Grottenharte gesteht am Ende des Workshops dann auch, wie froh er sei, einfach raushauen zu können, was er wolle, ohne Angst haben zu müssen, ich würde wegen angeblicher Frauenfeindlichkeit zum Betriebsrat oder zur Personalabteilung rennen. Davon bin ich meilenweit entfernt. Mir macht das doch selbst viel Spaß, sie hops zu nehmen. In Teilen ist es wirklich eigenartig geworden…das verstehe ich nämlich nicht unter Gleichberechtigung.

Einer der anwesenden Teamleiter ist sehr speziell. Er ist knurrig oder vielmehr gibt er sich so. Irgendwie mag ich ihn, auch wenn ich seine politische Gesinnung vollkommen ablehne. Wir zwei frötzeln, seit wir uns kennen. Die anderen haben natürlich ihr Späßchen daran und machen kräftig mit. Als der Heavy Metal Fan sagt, ich werde schon sehen, wie wenig davon nachhaltig umgesetzt werden könne, wenn wir uns in zehn Jahren noch mal zusammenhocken, sage ich trocken: „Glaubst Du echt, ich bleibe hier noch zehn Jahre und muss mich mit dem da rumschlagen?“ Daraufhin erfahre ich ein neues Wort: „Woas? Däa is bekonnt als Stutentröster. Des is do däa Beste herinnen, dem´s hia hobm.“ Schawatt bitte??? Stutentröster? Ich will schon wie ein Pferd schnauben, denke aber, das würde dann missverstanden werden. Fortan nennen wir ihn natürlich nur noch so. Er schmunzelt dazu, ich habe Bilder im Kopf. Nicht gut. Doch unterm Strich, hey, bekomme ich mein Gehalt auch für so was hier, oder? Und ich merke, es macht gerade wieder etwas Spaß zu arbeiten.

Den Abschluss des Tages bildet eine Rücksprache mit meinem Chef-Chef. Das kam sehr spontan zustande. Meine Kollegin hatte ein Gespräch mit ihm und in dem Zuge auch gefragt, ob man auch Wünsche äußern dürfe, in welche Richtung man sich nach der Umstrukturierung bewegen wolle? Sie darf. In dem Zusammenhang fragt er auch nach mir und was ich denn wolle? Meine liebe Kollegin sagt ihm, was sie denkt, aber er gibt ihr mit, ich müsse ihm das auch noch mal selbst sagen, denn nur dann könne er auch wirklich dem anderen Chef dies mitteilen. Und so kommt dann die kurzfristige Rücksprache zustande. Er kommt in unser Büro und antwortet mir auf die Aussage, dass ich nicht gedacht hätte, wir könnten unsere Wünsche äußern: „Richtig. Man fragt nicht jedes Fröschchen, wenn man den Teich verlegt.“ Da seht Ihr mal, wie schnell man in der Tierwelt absteigen kann: Von Stute zu Frosch innerhalb von wenigen Stunden. Er kann uns nichts versprechen, das ist schon klar. Aber er kennt den Leiter der anderen Abteilung und würde mit ihm schon sprechen, wen er für dessen Bereich geeignet empfände. Wahrscheinlich wird das im ersten Aufschlag, das heißt bis zum ersten Oktober, noch nicht unbedingt was. Doch wenn sich dann alles rüttelt und schüttelt, wird sich da vielleicht was ergeben. Es schade, laut seiner Aussage, nicht, wenn man sich positioniere. Und da ich den anderen Leiter flüchtig kenne, mache ich es, wie meine Kollegin und stelle einen kurzen Termin in der kommenden Woche ein. Mir ist ein wenig mulmig, aber: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt – egal ob Stute oder Frosch. In diesem Sinne: Es wird tierisch.

Geduld und abwarten

Es gibt sie immer wieder: Momente, in denen ich mit offenem Mund staune. Am liebsten natürlich, weil ich positiv überwältigt bin. Doch leider ist es heute wieder einmal mehr Fassungslosigkeit, die mich staunen lässt. Meine Überlegung war es ja, meine Kapselmaschine zu verschenken. Immerhin gibt es zwei Kartons Kapseln noch oberdrauf. Also rufe ich erneut bei der Caritas an. Dieses Mal ist ein Herr am anderen Ende des Telefons. Nein, sie hätten einfach alles voller Porzellan, weiteres könnten sie gerade nicht gebrauchen. „Äääääh, ich wollte eigentlich eher meine Kapselmaschine abgeben, kein Porzellan.“ Aber nein, so was würden sie nicht verkaufen. Auch nicht verschenken. Höchstens gerenalüberholen. Wie alt denn die Maschine sei? In der Hektik sage ich: „Fünf Jahre.“ „So oid scho? Na, do moch ma gor nix.“ Dabei habe ich gelogen, es sind bereits sieben Jahre, die die Gute auf´em Buckel hat. Krass, oder? Ich will sie sogar echt mit ca. 150 Kapseln abgeben. Aber nein, ist nicht gewünscht. Ich frage ihn, ob er sonst noch eine Anlaufstelle wisse, wo Menschen froh seien, wenn sie so was kostenlos bekämen? Nein, weiß er nicht. Und da sitze ich hier und staune eben Löcher in die Luft. Ich bin mir sicher, dass es Menschen gibt, die sich wirklich über so was freuen würden. Nur wenn nicht mal die Caritas weiß, wie man die erreicht, wie will ich das denn wissen? Und etwas, das funktioniert und einwandfrei in Ordnung ist, kann ich einfach nicht wegschmeißen. Das widerstrebt in jeder Hinsicht allem, wie ich erzogen wurde. Krass…für Ideen Eurerseits bin ich also voll empfänglich! Allerdings würde ich ein Elektrogerät nicht unbedingt irgendwo an die Straße stellen.

Der Arbeitstag zieht sich heute in die Länge. Gleich mehrere Meetings warten auf mich und lassen mich gähnen. Starten darf ich allerdings mit meiner Rücksprache mit dem Chef. Und es ist, wie es ist: Es wird zu einem Jammern seitens des Guten. Wie schlecht er die Zukunft sehe, wie blöd doch alles laufe, wie sehr er doch jetzt erwarten würde, dass die neue Chef-Chefin sich endlich positionieren würde. Hä? Ich kläre ihn – der wesentlich mehr Erfahrung auf dem Gebiet in dieser Firma haben sollte, weil er seit 46 Jahren im Unternehmen ist – auf, wie wenig diese Frau sich gerade positionieren könne, da sie ja noch gar nicht wisse, welche Bereiche und welche Mitarbeiter ihr zugeschlüsselt würden. Darauf kommt von ihm: „Do host a wieda recht.“ Und trotzdem wolle er jetzt wissen, wie es für ihn weitergehe. Zefix! Er ist der Chef. Er sollte Stabilität und Zuversicht ausstrahlen. Dabei heult er sich regelmäßig bei mir aus…und gelegentlich auch bei meiner lieben Kollegin. Kein Wunder, bei den anderen kommt er ja kaum zu Wort, da die auch durchgängig jammern. Normal ist das alles nicht mehr.

Mein Betriebsratspezl verkündet mir wieder ein paar interessante Sachen. Vor allem aber mahnt er zu Geduld. Wie hieß der Spruch letztens: „Als die Geduld verteilt wurde, riss bei mir bereits der Faden.“ Und meine Umzugspläne, weiter raus zu ziehen, sind vermutlich auch erstmal zu beerdigen. Denn so, wie es ausschaut, werden wir ab nächstem Monat wieder mindestens drei Tage pro Woche in die Arbeit gehen müssen. Dann sind die Tage des Home Office gezählt. Und ja, ich habe es lange verflucht, aber dann den Nutzen darin erkannt, viele meiner nervigen direkten Kollegen nicht sehen zu müssen. Vor allem aber die Möglichkeit, weiter raus zu ziehen, hat mich fasziniert und völlig neue Optionen ins Spiel gebracht. Doch wenn ich nun wieder häufiger ins Büro fahren muss, platzen diese. Wir werden sehen. Ich glaube irgendwie nicht mehr daran, dass die Arbeit tatsächlich wieder zu einem „business as usual“ zurückkehren wird – zumal wir ein Flächenproblem haben, wie die meisten Firmen in Deutschland. Wir werden damit beginnen, und auch daran werde ich mich wieder gewöhnen – keine Frage. Die Zukunft wird dann zeigen, was sich nachhaltig doch ändern wird. Immerhin ist ja auch die Rede von einer Rente ab 68…wie ich mich freue! Nicht. Um mit den Worten von Franz Beckenbauer zu schließen, den ich trotzdem nicht mag: „Schau´n mer mal“.

vom sinnvollen Einsatz der Mücken

Die schlichte Wahrheit? Ich hatte gestern einfach überhaupt keinen Bock, etwas zu schreiben. Kommt auch mal vor. Rumgammeln bekommt mir einfach nicht. Während ich Donnerstag und Freitag noch voll in meinem Element war, ließ es ja schon Samstag merklich nach. Gestern war dann nur tote Hose angesagt. Mit anderen Worten: Ich habe den Tag nahezu mit Fernsehen zugebracht. Keine Meisterleistung, aber doch hin und wieder wohl normal. Es war auch so richtig herrliches Schmuddelwetter. Am Meer wäre selbst das toll. Am Meer ist nahezu alles genial. Nur so? Ist es eben ein Wetter, bei dem man so ungern unter der Kuscheldecke hervorkrabbelt.

Entsprechend schlecht war die Nacht. Wenn ich nur abgehangen habe (wie sich das für guten Schinken ja auch gehört), schlafe ich mies. Dabei muss ich heute ja wieder richtig früh raus, da ich ins Büro fahre. Nach langer, langer Zeit gebe ich mal wieder einen Workshop. Darauf freue ich mich schon. Ich kenne allerdings nur eine Hälfte der Truppe. Doch die anderen machen auch einen netten Eindruck. Reine Männertruppe, alles Werker. Das ist ja nach meinem Geschmack. Und dann bayern die „umanand“, dass es eine wahre Wonne ist, zuzuhören. Ich komme mir vor, als wäre ich in der Bully-Parade gelandet, was ich ihnen natürlich auch stecke. Sie sehen mir im Gegenzug meine rheinische Schnüss nach. Erst zum Schluss, als ich locker flockig „Pfia God“ trällere, dreht sich einer noch mal um und sagt: „Pfia God? Ah, sie ko nix dafüa, sie is halt a Preiss.“ Warum man das nun nicht sagt, haben wir nicht klären können. Donnerstag sehe ich ihn wieder, und da muss er mir Rede und Antwort stehen. Ich will ja nicht dumm sterben. Und im Internet finde ich auch nichts darüber. Ach, es soll mal einer aus den Bayern schlau werden! Ich werd´s jedenfalls nicht.
Besonders putzig ist einer, der mir nach fünf Minuten steckt, er wolle mir ja nichts, aber das sei alles Kindergarten. Er habe schon sooooo viele Workshops „do herinnen“ mitgemacht, nur brächten sie alle nichts. Weil die „Leit hoit deppert san“. Prinzipiell mag ich es, wenn man seine Meinung sagt. Doch diese Haltung, dass alle doof seien und nicht wollten, die mag ich nicht so. Wenn ich am Anfang schon denke, dass alles Mist ist, wird auch Mist dabei herumkommen. Dabei bringt gerade er dann gute Ideen für Abstellmaßnahmen. Ich weiß schon, was er meint. Es sind unterm Strich immer dieselben, die Dinge antreiben, umsetzen und was weiterentwickeln. Das ist auch schwer zu durchbrechen. Nur darüber zu jammern, bringt eben auch nichts. Manchmal denke ich echt, es geht uns noch viel zu gut. Da greift der Spruch meiner lieben Omma wieder: „Wenn Du willst, kannst Du viel; wenn Du musst, noch viel mehr.“ Solange die Not noch nicht groß genug ist, wird sich auch nur schwerlich etwas bewegen lassen.

Aber es ist schon eigenartig, wie unterschiedlich die Menschen sind. Die meisten mögen keine Veränderungen. Allgemein wird den Menschen ja nachgesagt, sie vermeiden Veränderungen nach Möglichkeit. Mir wird hingegen sehr schnell fad (ein Hoch auf Bully!). Wenn es zu lange gleichbleibend ist, werde ich schon kribbelig. Daher tu´ ich mich bisweilen schwer, zu ertragen, wie träge manche Menschen sind und nach dem Credo „Der liebe Herrgott hat es so gefüget“ leben. Ich weiß, manch einem müsste ich sogar dankbar sein, denn sonst müsste ich noch irgendwo als Archivar arbeiten. Wiederkehrende, routinierte Arbeit ist mir schlichtweg ein Graus. Ich brauche nicht jeden Tag was Neues…aber nach ein bis zwei Jahren darf gerne was Anderes daherkommen. Kennt Ihr das auch? Oder gehört Ihr eher zu denen, die gerne die Routine mögen?

Und dann wird mir heute noch ein toller Spruch zugeschickt, der mir direkt aus dem Herzen spricht: „Die Welt wäre so viel schöner, wenn Mücken Fett statt Blut saugen würden!“ Wenn es dann noch anschließend nicht jucken könnte, wäre das der Himmel auf Erden. Ich würde glatt eine Mückenzucht beginnen, eine Herberge aufbauen und die besten Bedingungen für die Viecher schaffen. Wenn sie doch heute innerhalb eines Jahres einen Impfstoff erschaffen können, können sie nicht da auch mal in so eine Richtung forschen? Ich bin sicher, das fänd breiten Anklang. Vielleicht sollte ich das mal in Berlin vorstellen? Welche Partei wohl als erste zuschlagen würde? Fragen über Fragen – und keine davon sinnvoll, was es gerade so schön macht.

so richtig zappeln, wäre noch mal schön

Was mich glücklich macht, ist die Tatsache, dass sich ein Van Halen-Spross auch mit Musik auseinandersetzt bzw. die Musik des Vaters und Onkels weiterführt. Ich höre mir über YouTube ein Live-Konzert an. Vermutlich sagt den Wenigsten hier Van Halen was. Aber bei Jump, das auf nahezu allen 80er Parties gespielt wird, flippen dann doch alle mit aus. Ach, ich glaube, ich kann dem Metal niemals ganz abschwören. Guter Rock ist schon auch was Feines. Doch so richtig fett auf die Ohren zu bekommen, gefällt mir echt sehr gut.
Da denke ich mal wieder an die „gute, alte Zeit“. Was bin ich gerne in die Rockfabrik gefahren. Bei uns gab es eigentlich nur zwei richtige Läden, in die man ging: Himmerich oder die Rockfabrik. Ich weiß noch, wie mein ältester Cousin zur Rocke gefahren ist und eine Tante völlig naiv fragte: „Wo geht der Jung denn jetzt noch nähen – um die Uhrzeit?“ Nee, mit Nähen hatte der Gute mal so gar nichts am Hut. Da er ein Junge war, konnte er sich in unserer Familie schon weit mehr erlauben als wir Mädels. Und es war ihm (und ist es, glaube ich, bis heute) völlig wurscht, was andere von ihm dachten. Er hat lange Jahre lange Haare getragen – sehr gewagt in einem kleinen, katholischen Dörfchen. Erst viel später bin ich mitgefahren – wenn auch unerlaubterweise. Während die andere Disco größer war und gleich mit drei Räumen aufwartete, bestand die Rockfabrik über viele Jahre nur aus einem größeren Raum. Und während man sich für Himmerich eher rausputzte, galt es für die Rocke, eher cool auszusehen. Es war ein wenig versifft, eher düster. Das passt ja auch besser zu Hard Rock und Metal. Meinem Vater war das mehr als suspekt, weil er Drogen witterte. Gab es da auch. Aber die reicheren Teenager haben weit mehr Drogen in Himmerich konsumiert. Da kamen dann auch Leute von über 100 km Entfernung angereist. Und das in unsere eher verschlafene Gegend.
Doch den schlechteren Ruf hatte die Rockfabrik und behielt ihn. Ist das nicht immer so? Wenn etwas düster aussieht, muss es gleich viel gefährlicher sein. Dabei können sich harte Drogen eher reiche Menschen leisten. Die lieben Klischees. Heute ist es noch schlimmer, doch auch früher gab es schon Drogen in der Schule. Ja, auch an einem bischöflichen Gynasium. Mich hat´s nie gereizt. Und es war bekannt, dass man auf die Nuss bekam, wenn man mir was anböte. Ich wusste eben immer schon, was ich nicht wollte. Ist ja auch leichter als umgekehrt.
Wenn ich die Musik höre, würde ich gerne wieder mal in die Rocke fahren und den ganzen Abend abzappeln. Vermutlich würden sie aber denken, ich sei aus dem Altenheim entflohen und nach meinen Pflegern Ausschau halten. Außer an Weihnachten. Da war es ein Brauch, noch mal dorthin zu pilgern und viele Leute von früher zu treffen. Doch die Discotheken sterben ja irgendwie aus, was ich echt schade finde. Wieviele Pärchen haben sich da gefunden? Gut, dafür gibt es heute Parship, Tinder & Co., denen ich nichts abgewinnen kann. Und mir fehlen wirklich Läden, in denen ich noch mal richtig abfeiern kann. In München gibt´s schon auch manchen Laden, doch keiner hat mich bisher richtig begeistern können. Kommt dann noch ein DJ hinzu, der sämtliche Lieder verhunzt, abkürzt oder gar andere Beats druntermischt, dann kriege ich so richtig schlechte Laune.
Mein Schwager wird dieses Jahr 50, vielleicht geht da ein bisschen was…also eine Möglichkeit, ein wenig zu tanzen. Allerdings wird es da eher Schwofmusik geben, die ich nicht wirklich mag. Paartanz sieht echt ganz nett aus, doch ich zapple lieber zu „richtiger“ Musik alleine ab. Ich weiß, das könnte ich in meiner Bude ja auch machen. Aber sind wir doch mal ehrlich: Da kommt doch keine Stimmung auf! Es braucht schon das Drumherum, das Lichtspiel, andere zappelnde, schwitzende Leute, die richtige Lautstärke…so was eben. Ist, wie im Kino. Zuhause ist es nicht dasselbe.

Ansonsten mache ich heute erstaunlich wenig. Ich müsste mir endlich mal meine Bücher schnappen und lernen. Leider liegt mir das Lernen so wenig. Hat da irgendwer eine Idee, wie man daran Spaß entwickeln kann? Ach, wenn wir schon mal dabei sind: Weiß einer die wirklich echte Formel, wie man Spaß am Sport generieren kann? Ich rede nicht vom Zuschauen, was mich auch eher wenig reizt, sondern schon vom aktiven Selbermachen. Naja, vielleicht wäre ja ein Hard Rock-Metal-Tanzkurs das Richtige. Ob ich da aber Leute gewinnen kann, die mitmachen, ist fraglich. Und Headbanging ist in meinem Alter jetzt auch nicht mehr soooo lustig. Ich werde berichten, sollte ich auf so ein Angebot stoßen. In diesem Sinne: Rockiges, zauberhaftes Wochenende Euch allen!

viel warme Luft um nichts

Heute lese ich weniger und entsorge dafür wieder mehr. Wenn das so weitergeht, bleibt hier echt kein Stein mehr auf dem anderen. Meine Sis hat schon gewitzelt, wenn ich alles entsorgt hätte und immer noch diese Motivation empfände, könne ich bei ihr weitermachen. Äääääh…nö. Das ist jetzt kein neues Hobby von mir geworden. Es ist schlichtweg eine Notwendigkeit – auch wenn ich nicht weiß, wieso ich dafür 44 Jahre benötigt habe?

Jetzt geht es meinen Sofakissen an den Kragen. Ehrlich, irgendwann sind die dann doch auch zu oll und aus der Form geraten, als dass man sie noch bequem nennen könnte. Es sind ganz einfache, wobei bei vier größeren schon ein Reißverschluss eingenäht ist. Den trenne ich in geduldiger Kleinarbeit auf. Immerhin näht meine Sis. Und Reißverschlüsse kann man wiederverwenden. Ach ja, was bin ich plötzlich grün. Nee, das ist es gar nicht. Aber wenn man so was noch benutzen kann, wieso sollte man es da wegschmeißen? Das ist es ja vor allen Dingen, was mir schwerfällt: Ich kann nichts wegwerfen, was nicht defekt ist. Daher bin ich froh, wenn es andere noch verwenden können, was bei mir über Jahre eingestaubt ist.

Ist es eigentlich normal, dass jetzt plötzlich schwül-warmes Wetter herrscht? Erst will es gar nicht warm werden, dann ist es plötzlich schwül. Da soll mein Kopf noch mithalten können. Das scheint selbst die Kinder da draußen zu schaffen, weil ich heute nur sehr wenig von ihnen höre. Einzig Flecki, die mutmaßliche Corona-Katze, höre ich maunzen. Die Kinder machen sie immer nach, was die Gute noch nicht richtig zu nerven scheint. Würde mich jemand dauernd nachäffen, wäre ich nicht entspannt. Also: Nehmt Euch bloß in Acht! Passend dazu schickt mir heute Morgen ein Kollege einen Spruch: „Ich reg´ mich nicht auf! Ich reg´ mich nicht auf! Ich reg´ mich nicht auf! Ich leg´ sie einfach alle um!“ So, jetzt wisst Ihr, was Euch blüht, sollte es wer wagen, mich nachzuäffen. Vielleicht sollte ich Flecki die What´s App-Nachricht weiterleiten?

Von meiner Sis höre ich per Telefon, dass der Kleine Damenbesuch hatte. Es sei „nur eine Freundin“. So was wollte meine Mom mir bei Jungs auch nie glauben. Dabei war das bei mir wirklich etwas völlig Normales. Ich hatte immer schon Jungs als Freunde. Hallo? Frau muss doch schließlich auch Experten an der Seite haben, wenn die Kerle mal wieder völlig unlogisch – zumindest aus Frauensicht – handeln. Ich mag dieses Nüchtern-Abgeklärte. Wenn ich denke, wie viele Frauen alles wirklich bis ins Kleinste interpretieren…und dabei gab es gar keinen tieferen Sinn in einer Aussage, wie sich im Nachhinein herausstellt. Darin bin ich Expertin, wobei es deutlich besser geworden ist. Warum? Weil die Realität mein bester Lehrmeister war.
Schönes Beispiel für so ein Frau-Mann-Missverständnis: Mein holländischer Ex-Freund hat mir mal die Ohren zugehalten. Nicht lange, nur ein paar Sekunden. Ich dachte natürlich – das ist die Logik einer Frau – er habe mir etwas ganz Romantisches gesagt, eine Liebeserklärung gemacht, irgendwas in der Art jedenfalls. Und er wollte nicht allzu gefühlsduselig rüberkommen. Immerhin ist er ein Elite-Soldat. Mein Nachfragen brachte mir erstmal nichts ein, aber als ich nach einer gefühlten Ewigkeit immer noch nicht lockerlassen wollte, kam seine Antwort mit einem fetten Grinsen: „Ich hab´ gepupst.“ Mmmh, ich fand meine romantische Vorstellung irgendwie schöner und hätte besser die Illusion bewahren sollen. Unterm Strich wäre wohl beides nur warme Luft gewesen, oder? Besser als die schwüle heute…wobei: Gerade regnet es. Ich hoffe auf bessere Luft im Anschluss – so oder so.

mit Lachen und mit Tränen

Heute Morgen ist es schon so warm, dass ich mich auf den Balkon fläze und etwas lese. Es dauert nicht allzu lang, bis auch die Kinder aus ihren Verstecken gekrabbelt kommen. Wenn ich die kleinen Mädels dabei beobachte, wie sie hintereinanderherlaufen und dann auf diesen Schaukelgeräten (die Pferdchen mit der riesigen Feder darunter, die hin- und herwippen) rumtoben, dann freue ich mich über diese Leichtigkeit, Unschuld und unbändige Freude. Zwischendurch kreischen sie wie wild, wenn sie einander fangen wollen. Oh man, war ich auch mal so jung? Ich erinnere mich nur zu gut daran, wie wir in unserem Dorf rumgeströpt sind. Da haben wir auch nichts anderes wahrgenommen, als den Moment. Der hat einfach allen Raum eingenommen. Schade, wie mir das verloren gegangen ist…

Dialoge, die es vor zwei Jahren so jedoch niemals gegeben hätte, vernehme ich dann aber auch noch: „Lass die Katze in Ruhe!“ Hatte ich erwähnt, gegen Katzen allergisch zu sein? Zum Glück hocke ich im zweiten Stock. Das andere Mädel entgegnet: „Aber warum? Flecki ist sooo süß!“ Die Erste stellt mal altklug fest: „Und wenn sie Corona hat?!“ Was zum Henker??? Das sind kleine Mädels. Aber da sieht man, womit leider auch Kinder tagtäglich konfrontiert werden. Ich hoffe sehr, dass wir nicht allesamt zu großen Schaden von dieser Zeit davontragen.

Gegen Mittag wird es mir dann allerdings doch zu heiß und stickig. Ich gehe rein und will noch etwas wuseln. Es gibt noch eine Kiste mit Briefen, die ich durchforsten möchte. Dann sollte ich wirklich alle meine Briefe und Karten mal erledigt haben. Oh man, ich habe sogar die Briefe von meiner ersten Lauferei von vor 29 Jahren! Auch nicht übel. Nicht besonders eloquent, der Gute, aber immerhin bemüht. Heute ist er Vierfach-Vater und – was ich so gehört habe – wohl ganz zufrieden mit seinem Leben als Hausmann, während die Frau Hauptverdiener ist. Ha, es gab sie also auch schon früher, die emanzipierten Männer!
Über manche Briefe muss ich mich dann regelrecht schlapplachen. Ich habe vor Uuuuuuuurzeiten mal einen Betreuerschein gemacht. Bei der Fortbildung wurde ich Krawallbiene getauft. Oder ein anderes Mal, als ich in Taizé war, habe ich auch wieder neue Leute kennengelernt und jahrelang Kontakt gehalten. Neue Menschen kennenzulernen, war nie ein Problem für mich. Und da ich immer gerne Spitznamen verteilt habe, wurde ich ebenfalls mit selbigen bedacht. Eine Reihe von Briefen wurde von einem Bekannten an „Diplom-Hektikerin Claudia“ adressiert. Herrje, ich scheine manch einen inspiriert zu haben, sich einen netten Namen für mich auszudenken.
Ich lese Briefe, in denen Menschen mir schreiben, was sie in mir sehen. Beispielsweise hatten wir vor gefühlt 120 Jahren ein rumänisches Flüchtlingspaar bei uns Zuhause. Zu ihr hatte ich ein besonderes Verhältnis. Sie war so völlig anders als das, was ich sonst in meinem Dorf so zu sehen bekam. Sie war eine Art Vorbild für mich – so klug, belesen, mutig und herzlich. Als ich ihre Briefe lese, sehe ich sie wieder ganz genau vor mir. Mein jüngster Onkel war damals nach Amerika in Urlaub geflogen – was ganz besonderes! Und er hatte ein tolles, französisches Bett. Irgendwie war er durch die beiden Tatsachen schon viel cooler als die anderen Spießer. In seinem Zimmer haben wir sonntags oft rumgelungert und Filme geschaut, als wir zu alt waren, im Keller mit den Kleinen zu spielen. Das Bett habe ich immer bewundert, weshalb ich es bekommen sollte, als er sich ein neues Schlafzimmer bestellt hatte. Ich weiß noch, wie aufregend ich das fand, endlich mein altes, grünes Kinderzimmer loszuwerden. Es kam mir so erwachsen vor, ein französisches Bett zu haben. Und dann sehe ich meine Mom, die sich zu mir ins Zimmer setzt und mir erklärt, mir stünde das Bett zwar zu, aber Roxana und Horea würden es doch dringender brauchen. Sie hatten nur einen Lattenrost und eine Matratze. Meine Eltern und die Familie hatten einiges zusammengekratzt, nur ein Bett war keines dabei. Ob ich mir nicht vorstellen könnte, doch auf dieses Bett zu verzichten? Puh…ich hatte so lange darafhin gefiebert, aber da gab es doch keine andere Möglichkeit, oder? Und so habe ich es ihnen überlassen. Sie haben es bei ihrem Umzug nach Wuppertal mitgenommen, wo sie dann Stipendien für ihr Medizin-Studium erhalten haben. Ich glaube, ich habe sie noch ein Mal gesehen…und ein paar Briefe mit ihr geschrieben. Ist das lange her!
Auch ein Brief von der schottischen Freundin meiner Sis ist dabei. Sie ist in etwa im Alter meiner Mom. Als sie zu Besuch war, hatte meine Sis nicht durchgehend Zeit für sie, weshalb ich manche Stunde mit der witzigen Mary verbracht habe. In ihrem Brief schreibt sie mir, wie sich mich ihrem Mann beschrieben hätte, der danach gefragt hatte: „She is a one-woman-party – all over!“ Das verbuche ich mal als Kompliment.

Und wie das so ist, wenn die Erinnerungen mit den Briefen kommen: Ich lache aus tiefstem Herzen, und ich vergieße manche Träne. Es ist schön, das zu lesen. Manche Briefe werfe ich aber trotzdem weg. Es hat alles seine Zeit…und jede war auf ihre eigene Weise schön, traurig, lehrreich, verrückt und herausfordernd. Ich wünsche den Mädels (und später kommen die Jungs dazu) da unten, auch tolle Begegnungen zu erleben, schöne Erinnerungen zu sammeln und ihre Leichtigkeit dabei nicht zu verlieren. Und dabei denke ich an den Satz, über den ich stolpere: „Der Mut, der Lächerlichkeit zu trotzden, ist es, den wir am meisten brauchen.“ Also: Seid mutig, und sucht Euch Eure Abenteuer!

nebulöses Jammern neben Entspanntheit

Hoch die Hände – WOCHENENDE! So schaut´s aus, meine Lieben. Ach, da war doch noch was? Richtig. Vorher darf ich schon noch arbeiten. Doch das geht recht leicht von der Hand. Nur noch zwei Tage pro Woche zu arbeiten, könnte mich durchaus auf den Geschmack bringen. Natürlich wird das in absehbarer Zukunft nicht drin sein. Träumen darf ich allerdings schon davon, oder?

Während ich am Laptop sitze, habe ich bei dem Traumwetterchen schön die Balkontür geöffnet. Den ganzen Tag über lausche ich also dem munteren Vogelgezwitscher, was eine nette Begleitmusik ist. Ab Mittag ist dann allerdings Essig damit. Bei dem Wetter sind irgendwie auch immer gleich alle Handwerker und Gärtner draußen. Die Anlage ums Haus herum wird von einem Hausmeister in Schuss gehalten. Die Herrschaften im Erdgeschoss nennen zudem einen kleinen Garten ihr Eigen, um den sie sich auch selbständig kümmern dürfen. Und das macht jede(r) zu einer anderen Uhrzeit, an einem anderen Tag und mit mehr oder eben weniger Engagement. Es ist also selten mal ruhig, da bin ich für den Vormittag schon recht dankbar. Gerade, als ich dann aber mit meinem Chef skype, schmeißt draußen jemand seinen Rasenkantenschneider oder was auch immer an. Völlig aus dem Zusammenhang fragt mein spürbar irritierter Chef: „Is des a Muezzin bei Dia?“ Klar, mein Balkon ist zu einer Moschee umfunktioniert worden. Das Ganze läuft unter dem Projektnamen „Flächenverdichtungsplan“. Oh man! Natürlich nicht.
Mein Chef ist derzeit eh nicht auf der Höhe (wann war er das je?). Unser Chef-Chef sei ja quasi aufs Abstellgleis geschoben worden. Grund für unser heutiges Gespräch war meine Idee, doch den Team-Workshop eventuell noch mal zu verändern, weil ja einige Kollegen ziemlich verunsichert seien, was die kommenden Monate an Neuerungen bringen würden. Es sollte eigentlich sein Ansinnen sein, doch darauf warte ich ja immer vergebens. Wobei er schon auch fragt, wie es mir denn damit gehe? Eine ehrliche Antwort wäre: „Ach weißt Du, ich wittere es als Chance und puste in sämtliche Fanfaren, da es durchaus immer wahrscheinlicher wird, dass Du abgesetzt wirst und manchem anderen faulen Sack auch mal Feuer unterm Hintern gemacht wird.“ Doch ganz so hart möchte ich dann doch nicht sein. Daher sage ich schlicht, dass ich entspannt sei, was da auf uns zukomme, Veränderung ja auch Chance bedeute und ich reagieren könne, wenn ich alle Fakten wisse. Bis dahin seien wir doch alle erstmal versorgt. „Ah“, kommt´s aus den Lautsprechern: „So entspannt hob i no von koam ondan wos gheert. Des daat i mia a wünschn, des so nüchtan zum Betrachtn. Des wöa ja au mei Aufgabä als Chäf.“ Da bin ich doch überrascht ob dieser Einsicht. Allein, sie nutzt nichts. Und schon legt er los: Wie ungerecht das alles sei, wie man seinen Chef-Chef aufs Abstellgleis gestellt hätte und überhaupt. Um es mit den Worten meines polnischen Kollegen („Correct me if I´m wrong,…“) zu sagen, haue ich raus: „Was ändert sich denn nun für ihn? Er bekommt einen anderen Posten – inklusive seines bisherigen Standes, also Titels, und seines vollen Gehalts, oder?“ „Ja, des scho.“ Ich steh´ noch auf der Leitung bzw. stelle mich darauf. Ach nein, die neue Aufgabe sei ja gar nicht die richtige Herausforderung für ihn, und man habe ihm doch quasi fast schon was versprochen, was nun doch nicht wahr werden würde. Und der verkackte, niemals vergessende Steinbock in mir merkt an: „Quasi wie vor zwei Jahren bei mir, als Du mir was versprochen hast und dann die andere ins Team geholt hast. Und? Ich bin immer noch hier und habe mir andere Aufgaben gesucht.“ Nein, das könnte man in keiner Weise miteinander vergleichen. Is klar. Mein Chef überlege nun mittlerweile auch, ob er überhaupt noch weitermachen wolle. Er könne ja nur ein Angebot zur Altersteilzeit in Anspruch nehmen, aber dann wäre er auch noch anderthalb Jahre da. Dass man ihn vielleicht gar nicht mehr als Führungskraft aufstellt, kommt ihm gar nicht in den Kopf. Mir auch einerlei. Er wird´s schon merken, wenn es so weit ist. Und dazu gibt er sich nebulös…die nächsten beiden Wochen hätte er nämlich Urlaub, dabei habe er nun mindestens die nächste gecancelt. „Du vastehst, wos i main, wenn´s so weit is.“ Jo, und wenn nicht, heul´ ich mich auch nicht ins Kissen.

Mittlerweile läuft draußen auch wieder eine Schar Kinder herum. Der Brüllhannes will natürlich erneut auftrumpfen und dieses Mal sogar ein Mädel beeindrucken. Ich schrieb ja unlängst: So ein bisschen Macho mögen manche von uns Frauen ja dann schon auch. Ob der Kleine aber nur ein bisschen Macho ist, glaube ich eher nicht. Die Holde lässt ihn auch etwas abblitzen und fragt rotzig, wie nur Kinder das richtig können: „Stört es Dich, dass ich nur mit anderen Jungs spiele und nicht mit Mädchen? Ich habe nämlich nur Jungs als Freunde. So!“ Direkt mal Kante zeigen, damit die Fronten geklärt sind. Herrlich – zumindest als Zaungast.
Derweil lese ich bei warmen Temperaturen im Schatten und genieße es, gerade keinen Macho um mich zu haben, dem ich Kante zeigen müsste. Das Leben kann schon schön sein. Jetzt noch Meeresrauschen, salzige Luft in der Nase und einen Mojito, dann wäre es perfekt. Alles geht (noch) nicht.

erlernte Hilfslosigkeit mit ausreichend Klopapier

Gestern Abend telefoniere ich noch mit meiner Ex-Schwiegermutter in spe. Ich weiß, krasses Wort. Sie hat Geburtstag, daher rufe ich sie an. Ihre Antwort kann ich schon voraussagen: „Ich wusste, Du vergisst mich nicht. Andere ja, aber Du nicht!“ Sie ist einsam…und ängstlich…und immer schon schwermütig. In einer Zeit, wie der unseren, ist das natürlich keine leichte Kombination. Auf der anderen Seite stellt sie aber schon auch ihre Forderungen. Da bleiben dann nicht mehr so viele Leute übrig, weil so was die meisten nervt. Altwerden ist nicht so einfach.
Ihr Mann hat ganz viele Entscheidungen getroffen, der nun allerdings auch bereits acht Jahre tot ist. Das ist so ein Phänomen, das ich schon häufiger beobachtet habe – vor allem in meiner Außendienstzeit: Es gibt immer noch einige Frauen, die ihren Mann schalten und walten lassen, weil es auch herrlich bequem ist. Der Mann kümmert sich um die Bankgeschäfte, Steuererklärung und anderen Schriftkram. Bei uns Zuhause war es umgekehrt. Dann stirbt der Partner plötzlich (oder erleidet – wie im Fall meiner Eltern – einen Schlaganfall). Von heute auf morgen sind dann da nicht nur die Trauer oder das Begreifen, was sich nun alles ändert. Nein, sie stehen dann plötzlich wie der sprichwörtliche Ochs vorm Berg und sind heillos überfordert. Es war ja immer bequem und nett aufgeteilt, da mussten sich ja nicht beide kümmern. Ich verstehe das schon in Teilen, aber man spricht hier nicht umsonst von „erlernte Hilflosigkeit“. Viele jammern und hadern mit dem Schicksal – vorzugsweise vor den Kindern, damit die sich erweichen lassen und das fortan übernehmen…und damit die erlernte Hilflosigkeit weiterbedienen. Nur ist damit niemandem wirklich geholfen. Der kleine, aber feine Unterschied zwischen Effizienz und Effektivität. Effizient ist das schon, wenn der Sohn oder die Tochter so was übernehmen, denn dann ist es schnell gemacht, das Problem zackig vom Tisch. Effektiv wäre es, dem Menschen beizubringen, das fortan selbständig zu erledigen. Das dauert länger, kostet oft Schweiß, Nerven und Tränen, aber unterm Strich steigert es dann die Lebensqualität der betroffenen Person. Im von mir geschilderten Fall meiner Ex-Schwiegermutter in spe, ist das nicht mehr zu ändern, da alle Beteiligten mitspielen.
Als der andere obligatorische Satz dann kommt: „Ich sag´ ja immer wieder: Dich hätte ich mir als Schwiegertochter gewünscht“, kontere ich: „Ja, im Rückblick. Wer weiß, wie das heute wäre? Vielleicht ist es dann besser für Dich, dass ich es nie geworden bin.“ Ich habe dieses Spiel hinter mir, neben meiner Mom zu stehen und ihr dabei zu helfen, es selbständig zu regeln, während spezielle Tanten ihr einfach alles abgenommen und erledigt haben – und mich nebenbei noch böse und gemein zu schimpfen. Heute bereuen sie es, laut eigener Aussage. Entschuldigt hat sich dafür nie jemand. Dafür hat meine Mom fast alles wieder verlernt, was sie in mühsamer Arbeit in der Reha in Holland erlernt hat. „Nur gut gemeint“ ist eben nicht automatisch „gut“. Naja…öfter Mal dasselbe Spiel…

Heute fahre ich dann nach über einer Woche mal wieder einkaufen. Ich habe die Hoffnung, wenn die Sonne draußen schein, ein langes Wochenende vor uns liegt, dann sind die Menschen entspannter. Ich Depp! An der Kasse staut es sich zurück, weshalb eine Kassiererin eine zweite Kasse ausruft. Natürlich schwenken die zuletzt Angekommenen sofort zur neuen Kasse, denn: „Wir ham ja keine Zeit, ne?“ Ich bleibe brav in meiner Schlange stehen und rücke kontinuierlich auf. Die andere Kassiererin ist aber noch nicht eingetroffen. Die erlaubt sich aber was! Na, sag´ amol! Der Herr ganz vorne am neuen Band mault die Kassiererin an meiner Kasse an: „Können Sie nicht noch mal die Kollegin ausrufen?!“ Die erklärt dann ruhig und sachlich, dass sie den Knopf betätigt hätte. Daraufhin würde eine Durchsage erklingen, die wir ja alle gehört haben. Zudem blinke ein Alarmlicht auf, das erst beendet werde, wenn die Kollegin an der Kasse sitze und selbige aktiviere. „Ja, aber da können Sie doch noch mal ausrufen lassen?!“ Die Kassiererin bleibt immer noch ruhig: „Nein, das geht nicht. Der Alarm ist ja schon ausgelöst. Da kann man keinen zweiten draufsetzen. Da müssen Sie sich bitte noch kurz gedulden, denn die Kollegin kann ganz hinten im Lager sein, wenn sie diesen Aufruf erhält.“ Nein, das passt dem Mann nicht: „Aber Sie können doch wohl noch mal die Durchsage machen!“ Spätestens jetzt möchte ich dem Mann was ins Gesicht drücken, das nur seeeeeehr langsam da rauseitert. Die Kassiererin atmet durch und bleibt immer noch ruhig: „Ich kann keine Durchsage machen. Das wird automatisch erledigt, wenn ich diesen Knopf drücke, was ich ja getan habe.“ Der Mann mault weiter: „Na, wenn das schon zu viel verlangt ist…?!“ Alter, ich fange an zu lachen. Die Kassiererin schaut mich an und verdreht die Augen. Das kommentiere ich mit: „Sie wissen schon, manche sind wichtiger als wichtig, oder?“ Mittlerweile trudelt die Kollegin an der Nachbarkasse ein. Meine Kassiererin sagt mir: „Wissens, des geht den gonzn Tog scho so. I bin froh, wenn der Dog rum is…so viele Deppen!“ Ja, ich möchte ihren Job echt nicht machen. Wahrscheinlich hätte ich schon am ersten Tag die Kündigung auf dem Tisch, weil ich so einen Kunden fragen würde, ob er auch zu doof sei, ein Loch in den Schnee zu pieseln? Ob ich ihm das mit dem Knopf mal zeigen solle, den ich drücken müsste – allerdings nur mit seinem Kopf als Auslöser des Knopfs? Mir würden da immer wieder neue Beispiele einfallen – ganz individuell. Ich dürfte sie vermutlich nur nicht lange ausleben. Mei, man hat´s nicht leicht, aber leicht hat´s einen, gell?

Auf der Rückfahrt sammle ich Karma-Punkte, da ich dauernd irgendwelche Leute vorlasse. Das bringt mir mehr Ruhe und den anderen wahrscheinlich auch. Irgendwann fährt dann ein Auto vor mir, bei dem ich laut lachen muss. Dort prangt eine Klopapierrolle auf der Ablage, die liebevoll umhäkelt ist und auf der dann Arielle die Meerjungfrau trohnt. Ach ja, das ist Deutschland. Ich glaube, es gibt in keinem anderen Land der Welt umhäkelte Klopapierrollen auf der Hutablage. Das hat man ja auch letztes Jahr beim Hamstern gesehen. Ich mag unser Land. Das Meckern und Jammern auf hohem Niveau nicht unbedingt, aber dafür viele andere kleine Schrulligkeiten.

ein bisschen Macho ist ok

Das Wetter ist geradezu traumhaft. Die Temperaturen klettern nicht über 19 Grad. So mog i des. Dazu ist der Himmel blau, ohne auch nur von weißen Wolkenfetzchen befleckt zu sein. Gut, die Allergie feiert auch wieder ein Hoch. Aber das macht nichts, denn so ist es echt schön. Es reicht sogar, um draußen zu frühstücken, da ich ja heute noch frei habe. Man gönnt sich ja sonst nichts. Zwischendurch schreibt mir meine liebe Kollegin dann aber doch, wie sehr sie unsere Kollegen beim Meeting aufregen. Gemeinsam ist es irgendwie leichter zu ertragen.

Gegen Mittag breche ich auf, weil ich mit meiner Mitschülerin von der Fortbildung letztes Jahr zum Spazieren verabredet bin. Ich weiß, ganz altmodisch. Wir wollen in den Pasinger Stadtgarten, doch vorher treffe ich noch auf ihren Mann. Brasilianer sind einfach temperamentvoller, was ich süß finde. Er spricht mit mehr Gestik und Leidenschaft. Ach ja, die Südamerikaner fehlen mir.
Im Wald bin ich überrascht, wie wenig doch los ist. Wir begegnen schon einigen Spaziergängern, aber ich hätte gewettet, bei diesem Wetter durchaus größeren Massen zu begegnen. Im Schatten ist es angenehm, zumal wir auch viel in der Nähe der Würm entlanglaufen. Und da plaudern wir ausgiebig über die Machos. Ich kann mir schon vorstellen, dass es heutzutage auch nicht so einfach ist, ein Mann zu sein. Da war es früher schon einfacher, als die Frau nicht mal eben so abhauen konnte, da sie abhängig war. Dann bekamen die Frauen das Wahlrecht und sollten nun doch bitte endlich zufrieden sein. Ok, dann sollten sie auch noch selbst entscheiden dürfen, ob sie arbeiten gehen, wenn sie verheiratet sind, ohne dass der Mann seinen Otto unter den Vertrag schreiben musste. Dem nicht genug, gibt es mittlerweile auch Frauenparkplätze, was ja eine Benachteiligung der Männer ist. (Nebenbei bemerkt: Kein Mann weiß, wie es sich anfühlt, im Dunkeln zum Auto zu gehen und sich bei jedem Geräusch panisch umzuschauen. Ich möchte auch noch den Mann kennenlernen, der von einer Frau vergewaltigt wurde…böse, ich weiß.) Vielleicht muss Frau da ein bisschen nachsichtiger sein. Der Oberkracher kam dann mit einer Frau als Bundeskanzler. Das war ja schon ein Affront. Und jetzt kommt auch noch so eine Junge daher, die sich erdreistet, auch nach dieser Krone zu greifen.
Ehrlich, auch wenn das bisweilen ironisch klingt, wie ich es schreibe: Da hat ein großer Wandel stattgefunden, was nicht immer ganz einfach ist. Und ich glaube auch, dass manche blöden Thekensprüche gar nicht böse gemeint sind – auch wenn sie entwertend für Frauen sind. Das kann ein Mann nicht nachvollziehen, weil er es – ebenso wie die Angst an dunkeln Plätzen – nicht kennt. Bei den letzten Debatten ist mir das erst aufgefallen: Ich persönlich fand die Bezeichnung „Mohrenkopf“ nie schlimm. Aber ich bin mit so was ja auch nicht gemeint. Wenn ich betroffen bin, dann kann ich mir ein Urteil erlauben – nicht aber als Außenstehende, die etwas bewerten möchte, das sie nicht nachfühlen kann. Das hat was mit Umdenken zu tun, was nie leicht von der Hand geht. Daher wird es immer wieder Männer geben, die meinen, sie müssten wie die Gorillas losbrüllen, um ihr Revier zu markieren. Solange sie das nur polternd tun, ist alles ok. Damit können wir alle leben. Es darf nur nicht unter die Gürtellinie gehen – weder buchstäblich, noch sprichwörtlich.
Und genau bei diesem Gorilla-Macho-Gehabe erkennt meine Mitschülerin derzeit auch ihren Mann etwas. Ich mag ihn, er ist einfach sympathisch. Aber ja, so ein bisschen Macho ist er schon auch. Und eigenartigerweise stehen wir Frauen ja auch häufig darauf. Ich gebe also zu: So ganz einfach ist das alles nicht. Doch wir können ja gemeinsam üben. Dafür braucht´s nur eine Voraussetzung: Die Beteiligten müssen es auch wollen. Und da ist es wurscht, ob wir von Sexismus oder Rassismus sprechen. Wir brauchen ein anderes Bewusstsein, das uns allen nicht so leicht fällt. Bei manchen Dingen bin ich auch zu unbedarft. Aber zumindest will ich es verstehen und auch niemanden bewusst verletzen. Ist noch ein weiter Weg…für uns alle – egal, ob Mann oder Frau, Macho oder Feministin.