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Träger Sonntag lädt zu sprachlichen Eskapaden ein

Das Wetter will irgendwie nicht mitspielen. Es ist schlichtweg usselig. Meine Mom freut sich, dass dieses Wort, das eigentlich ja aus unserer Region kommt, nun in den allgemeinen Sprachgebrauch übernommen worden ist. Da sieht man wieder, wie die Rheinländer den Rest Deutschlands einfach unterwandern. Wenn wir etwas können, dann das. 🙂

Letztens hat eine Frau bei LinkedIn einen Artikel gepostet, in dem es um alte Wörter ging, die kaum noch in Gebrauch sind. Es ging um das Wort „Fisimatente“. Solche Wörter liebe ich ja. Angeblich geht dieser Ausdruck auf die franszösische Besetzung in Deutschland zurück… Ja, das liegt in der Tat schon ein paar Jährchen zurück – französische Revolution und so. Die französischen Soldaten waren irgendwann natürlich auch gelangweilt, da sie ständig nur mit anderen französischen Soldaten zu tun hatten. Ich sag´s ja immer: Ohne uns Frauen geht´s eben auch nicht. Also forderten die Herren die deutschen Mädels auf:„Visitez ma tente! “ („Besuchen Sie mein Zelt!“) Die Mütter der Mädes waren natürlich alles andere als begeistert und forderten ihrerseits ihre Töchter auf, wenn diese das Haus verließen: „Mach mir keine Fisimatente!“ So ganz genau kannten sie die Übersetzung wohl nicht, aber sie wussten, dass die Soldaten keineswegs den Rosenkranz mit den Mädels beten wollten. Tja, Mütter und ihr sechster Sinn.

Da fällt mir eine andere Anekdote ein: Meine Kollegin wollte sich letztens rühmen, doch wieder mal etwas richtig erahnt zu haben. Und so sagte sie: „Ach, ich habe da eben einen fünften Sinn.“ Ääääääh…genau. Ich bin dann immer hin- und hergerissen zwischen: Soll ich sie weiterlaufen lassen oder einfach sagen, dass wir Menschen in der Regel über fünf Sinne verfügen und sie wohl den sechsten Sinn meine? Nur hätte ich da reichlich bei ihr zu tun. Und – auch wenn ich ein kleiner Klugscheißer bin – möchte ich dann doch nicht so belehrend daherkommen. Vielen fällt das nicht einmal groß auf, wenn so was falsch gesagt wird. Woran ich das festmache? Wenn ich mir anschaue, wieviele Artikel in Zeitungen mittlerweile fehlerhaft sind…wieviele Journalisten falsche Begriffe verwenden (Muuuuuuuuuutanten…Alter!)…dieses „Schalten Sie morgen wieder ein, wenn Sie mögen„, das ich erst letzte Woche gebracht habe…wenn ich mir Vorstandspräsentationen anschaue…wenn ich Trainingsunterlagen erhalte, die leider auf jegliche Kommata verzichten mussten usw., dann denke ich: Bewahre ich mir noch meine Energie für Brauchbares und amüsiere mich über den fünften Sinn. Das tut keinem weh, bringt mich zum Schmunzeln, und alles ist gut.

Aber zurück zu den Fisimatenten: In dem Artikel wurden wir Leser aufgefordert, doch mal zu überlegen, welche alten Worte wir noch so kennen würden, die so besonders seien und quasi vom Aussterben bedroht? Mir fiel sofort Plumeau ein. Das sagte der Verfasserin wohl nichts. Dabei ist Plumeau etwas im Rheinland, was nahezu jeder besitzt, oder? Es handelt sich um ein Federbett, wenn man es denn so korrekt bezeichnen möchte. Aber wer sagt schon: „Reiche mir doch mal mein Federbett!“ Und wenn hier einer nuschelt, dann sagt man gerne: „Nimm doch ma datt Plumeau aus de Schnüss!“ Da die Dame das schon nicht kannte, habe ich gar nicht mehr weitergemacht. Dabei hätte ich noch weitere Ideen gehabt…einige sogar.
Wer sagt beispielsweise heute noch „Trottoir“? Stammt auch aus dem Französischen. Ich verwende es ab und zu noch mal. Für die Unwissenden: Das ist er ganz ordinäre Bürgersteig. Aber Trottoir hört sich doch viel cooler an. Oder auch schön: „Parapluie“ (gesprochen: Paraplü). Dagegen nimmt sich „Regenschirm“ ja vollkommen langweilig aus. Französisch ist schon eine echt schöne Sprache. Ich beherrsche sie leider nicht und bin auch zu faul, sie zu lernen. Aachen war ja eine ganze zeitlang französisch besetzt, was man bis heute eben immer noch in der Sprache findet. Allerdings lässt es mit jeder Generation immer mehr nach, was ich so schade finde. Die Bayern, die Sachsen und manch andere Region halten ihre Mundart hoch. Wobei schon klar ist, dass diese französischen Einschläge nun auch nicht richtige Mundart sind.
Doch auch hier gibt es wunderschöne Begriffe, die ich bis heute gebrauche – auch in der bayrischen Diaspora. Mein Lieblingswort ist und bleibt „bott“, weil es dafür aus meiner Sicht keine perfekte Übersetzung gibt. Ich hatte es mal irgendwann hier beschrieben, meine ich mich zu erinnern. Es gibt Messer, die bott sind (stumpf), aber eben auch Menschen, die bott sind. Doch auch Begriffe, wie „Heggeströper“ oder „Naasloak“, finde ich sensationell. Ich sage ja gerne: „Du kannst mir ´nen Schuh aufblasen“, was aber bisweilen auch ausgetauscht wird in: „Du konns mech langs der Nacke paave!“ Das hat meine liebe Omma immer gesagt. Oder, wenn sie etwas direkt und geradeaus sagen wollte: „Ich segg et Dech reyderuuter!“ Wenn es richtig schüttet (regnet), dann nennen wir es hier „Hommelschuel“. Und dann gibt es noch Besonderheiten, wie die meines Großonkels, der geistig behindert war. Manche Wörter konnte er nicht richtig aussprechen, die dann irgendwie in unseren Sprachgebrauch Einzug gehalten haben. So sagt man bei uns zu „morgen“ einfach „mörje“. Er konnte nur „möhme“ dazu sagen. Und übermorgen war bei ihm „dentemöhme“, also „dann der Morgen“. Mit meiner Sis spreche ich oft heute noch so. Nur einzelne Wörter, natürlich. Der Kleine meiner Sis sagte vor ein paar Tagen noch: „Wär schon irgendwie cool, wenn man noch so richtig Platt reden könnte.“ Stimmt. Es sind eher einzelne Phrasen, die meine Lippen verlassen. Flüssig rede ich unseren Dialekt leider auch nicht. Mit wem auch? In Bayern schauen sie mich schon bei einzelnen Wörtern an, als hätte ich gerade Freigang. Dabei liebe ich ja alle möglichen Dialekte und Mundarten.
So, wie ich „letschert“ von den Bayern übernommen habe, weil das eben übersetzt auch viel zu langweilig und nicht passend genug klingt. Letschert ist beispielweise ein Brötchen (Semmel), das nicht mehr kross ist. Aber auch da können Menschen letschert sein, wenn sie müde sind. Oder Essen, das geschmacklos ist. Klingt doch toll, oder? Die jetzige Zeit, also die eher ruhigere (Vor-) Weihnachtszeit nennen sie „stade Zeit“, was ich auch richtig schön und passend finde. Auch „Mutschekiepchen“ ist so ein lustiger Begriff, den ich von den Sachsen übernommen habe. Hierbei handelt sich um Marienkäfer.
Ist Sprache nicht einfach göttlich? Ich liiiiiiiiebe sie – in allen Ausprägungen. Ja, schon klar. Manch einer wird die Augen verdrehen und sich denken, was ich denn heute geraucht habe? Aber ernsthaft: Ich verneige mich immer wieder vor unserer Sprache. Sie ist so komplex, so lebendig und wunderbar in ihrer Vielfalt. Was sind Eure Lieblingsbegriffe, die Ihr aus dem Dialekt kennt?

einfach nur da sein

Sorgen… Tja, Sorgen sind vielfältig. Objektiv ist es immer einfach, sie zu bewerten, aber wenn man selbst mittendrin steckt? Da sieht die Welt dann doch anders aus. Nehmen wir meinen Neffen. Er tritt heute zum zweiten Mal zur theoretischen Fahrprüfung an und hat natürlich Sorge, es noch mal zu verhauen. Ich bin mir sicher, die Prüfung heute unvorbereitet nicht bestehen zu können, obwohl ich nahezu täglich Auto fahre.
Ein paar Minuten vor ihm kommt ein anderer junger Kerl raus. Seine Mutter strahlt ihn an, während er blafft: „Die haben so nen Scheiß zu Kennzeichen gefragt, die Dreckshurensöhne! Mach‘ endlich die scheiß Autotür auf!“ Oooh je, die arme Mutter muss als Blitzableiter herhalten. Nicht schön.
Prüfungen sind eben immer ätzend – egal, in welchem Alter. Und Feindbilder braucht man da auch immer. Das habe ich ja selbst gerade erst hinter mir. Ich bange also weiterhin… Dann kommt mein kleiner Neffe raus und ballt die Faust – wie ein Gewinner. Mir ist es gerade recht einerlei, ob er sich schämt und hüpfe aus dem Auto. Kurz dann doch zögerlich, frage ich: „Ist das jetzt uncool oder darf ich Dich mal fest drücken?“ Er nickt mir grinsend zu. Da bin ich aber dankbar. Ich freue mich ernsthaft riesig für ihn. Anspannung kennen wir alle in Prüfungen, oder? Und er wollte es auf keinen Fall ein zweites Mal versemmeln. Dabei wäre auch das ok. Es sagt nichts über die Intelligenz aus. Und doch lassen wir uns davon gerne überzeugen, was die Sorgen nicht gerade verringert. Andere Kulturen kennen diese Art der Sorge gar nicht so. Sie haben weit weniger Prüfungen im Vergleich zu uns. Wer braucht beispielsweise im Dschungel einen Führerschein? Wenn die ein Auto zu Gesicht bekommen, wird einfach ausprobiert, bis es klappt.

Dagegen gibt es völlig andere Sorgen…kleine, wie: Was soll ich anziehen? Obwohl auch diese bei Mädels (und manchen erwachsenen Frauen) ebenfalls einen Nervenzusammenbruch nach sich ziehen können. Und dann gibt es solche, bei denen man das Gewicht fast selber spüren kann und die den anderen nahezu erdrücken. Wenn der eigene Sohn Drogen nimmt und man gefühlt so gar nichts dagegen machen kann. Das eigene Kind rutscht immer tiefer in den Sumpf, will sich dies aber nicht eingestehen. Da leidet die ganze Familie mit…die anderen Geschwister, aber vor allem auch die Eltern. Kinder verhalten sich dann plötzlich vollkommen anders. Die lieben, netten, gut erzogenen Kinder sind dann plötzlich Aliens, die man gar nicht mehr kennt. Die Schuldfrage wird gestellt, weil wir Menschen nun einmal so funktionieren. Wir brauchen jemanden oder etwas, worauf wir unsere Wut und Verzweiflung richten können. Seien es blöde Prüfer oder eben Umgang mit falschen Leuten. Zwischendurch blitzen dann aber auch die Selbstanklagepunkte auf: Habe ich versagt? Als Vater/Mutter/Schwester/Bruder? Habe ich zu spät etwas bemerkt? Habe ich zu viel verlangt? Zu viel Druck gemacht? Wo hätte ich was bemerken müssen? Und diese Fragen sind so müßig. Versteht mich nicht falsch: Reflektion ist etwas, das ich sehr schätze. Bei manchen Menschen würde ich mir eindeutig mehr davon wünschen. Doch in solchen Situationen ist vor allem Selbstliebe gefragt. Gerade für Männer klingt das esoterisch. Und dennoch ist es so verdammt wichtig. Denn wenn ein Mensch krank wird (und Sucht ist eine Krankheit), dann erkrankt eben nicht nur dieser Mensch, sondern das ganze System drum herum. Umso mehr muss man dann darauf achten, sich auch selbst zu schützen und zu stärken. Doch ich habe natürlich leicht reden, denn ich habe ja keine Kinder. Allerdings habe ich Eltern, bei denen das auch passt. Da hat es lange gebraucht, bis ich mich um mich gekümmert habe. Selbst heute stelle ich mir oft noch Fragen, ob ich ein schlechter Mensch bin? Oder was ich anders hätte machen können, damit unsere Familie besser miteinander umgehen könnte?
Jede(r) von uns muss auf sich selbst Acht geben und sich selbst Gutes tun. Wir dürfen unsere Widerstandsfähigkeit nicht als selbstverständlich annehmen, sondern müssen sie stärken. Und vor allem: Wir müssen uns verzeihen…für alle Unzulänglichkeiten, verpassten Momente, vermeintlichen Fehlentscheidungen. Das meine ich nicht als Freifahrtschein, sich egoistisch – wie die Axt im Walde – aufzuführen. Ich rede von gesundem Egoismus, von Selbstfürsorge und dergleichen. Ich sehe schon, wie der ein oder andere von Euch zuckt. Klingt komisch, dieses Wort, richtig? Ist es aber nicht. In besonders schweren Momenten ist es wahnsinnig wichtig, sich noch mehr selbst zu lieben. Das ist eine verdammte Herausforderung, für die wir jede Unterstützung brauchen, die wir bekommen können. In Momenten, in denen alles wie geschnitten Brot läuft, ist es einfach, stolz auf sich zu sein, sich selbst auf die Schulter zu klopfen und zu sagen: Man, bist Du eine Wucht! Zusprache und Bestätigung brauchen wir aber in den dunklen Stunden viel mehr. Da wünschte ich mir, wir würden alle genauer hinschauen bei den Menschen, die um uns herum sind. Wenn sie leiser werden, sich zurückziehen, dann ist die Not am größten. Und ja, es tut bisweilen weh, so einen Prozess auszuhalten und mitzugehen. Aber es lohnt sich – für unsere Mitmenschen und auch für uns selbst. Wenn die dunklen Täler durchschritten sind, ist die Aussicht vom Gipfel aus phantastisch. Wenn man diese dann gemeinsam teilen kann, ist es etwas ganz Besonderes. Dazu braucht man die Menschen nicht einmal gut zu kennen – wie das in meinem Beispiel der Fall ist. Es tut einfach nur gut, nicht allein zu sein. Weise Worte sind auch nicht nötig, sondern da zu sein und das Leid aushalten zu können. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir so uns und andere stärken, gesünder sind und glücklicher leben. Ich glaube fest an ein gutes Miteinander.

Gechillt am Jahresende

Ist das schön…einfach mal nichts zu müssen. Und die Tage fliegen trotzdem nur so dahin. Am Dienstag war es manches, aber echt kein Kinderspiel, ins Rheinland zu fahren. Der Süden wollte mich wohl in seinen Fängen halten. Kann ich verstehen. Die brauchen eben auch gut gelaunte, freundliche Menschen und nicht nur Grantler. 🙂 Dafür haben sie extra Frau Holle angemorst, damit sie mal kräftig ihre Kissen ausschüttelt, doch das konnte mich nicht abhalten. Zwischendurch war das Fahren allerdings echt ungemütlich. Kennt Ihr dann diese Leute, die meinen, sie müssten trotzdem volle Lotte links außen über die Autobahn heizen – auch wenn nur zwei Spuren geräumt sind? Für gefühlte 3 Sekunden war ich dann mal komplett ohne Sicht. Wenn ich könnte, wie ich wollte, würde ich so jemandem dann gerne das Lenkrad ins Gesicht schrauben.
Die Fahrt hat auch ordentlich mehr Zeit in Anspruch genommen, als das normalerweise der Fall ist. Dafür wurde ich standesgemäß mit einem Stück Reisfladen belohnt. Ich weiß, ich weiß: Das können sich Menschen außerhalb des Rheinlands nicht so richtig vorstellen. Ein Fladen, der mit Milchreis belegt ist und obenauf mit karamellisiertem Zucker seinen Abschluss findet. Ich sage Euch, das ist ein Gedicht! So stelle ich mir den Himmel vor: Jeden Tag was mit Milchreis…und Zimt…mmmmh.

So richtig Feierabend war dann doch nicht für dieses Jahr. Ich hatte noch zwei Tage Fortbildung – leider im Online-Modus. Mein Headset hat sich nach anderthalb Jahren auch verabschiedet. Das Mikro funktioniert leider nicht mehr. Dabei war das kein Billigramsch. Entsprechend arbeite ich über die normale Mikro-Laptop-Funktion. Und das bei einem Lappi, der jetzt auch schon elf Jahre alt ist. Die Lüftung verursacht bei den anderen ein Geräusch, als würde im Hintergrund ein Rasenmäher laufen. Und als wäre das nicht genug, schaltet sich der Gute einfach zwischendurch komplett ab. Dann wird der Bildschirm schwarz, und ich muss neu starten. Wäre ich im Stress, würde mich das rasend machen. Das Thema ist allerdings auch keines, das mir wirklich wichtig ist. Daher bleibe ich ruhig und amüsiere mich darüber. Was so eine bestandene Prüfung alles ausmachen kann, hm? Ich würde gerne etwas von dieser „Ommmmm-Stimmung“ konservieren für schlechtere Zeiten. Denn – sind wir mal ehrlich – ruhig, ausgeglichen und vollkommen gechillt, werde ich keinesfall auf längere Sicht bleiben. Das ist schlichtweg nicht mein Naturell. Dabei gibt es Menschen, die viiiiiiel krasser unterwegs sind als ich. Gestern habe ich mit meinem Berliner Bekannten geskypt, der immer fünf Milliarden Projekte am Start hat. Das ist so ein richtiger Flummi, gegen den ich mich wie Rudolph Scharping ausnehme. Für ihn wäre es allerdings auch die Todesstrafe, wenn er einmal Langeweile aushalten müsste. Hin und wieder begrüße ich die ja durchaus. Nur eben nicht allzu lange.

Das Einzige, was mir auffällt: Ich bin dauermüde. Halleluja, ich könnte täglich mittags ein Schläfchen absolvieren. (Nein, das ist KEIN Omikron!) Dabei komme ich mir wie ein altes Ömken vor. Gut, ich bin ja auch schon fast im biblischem Alter angelangt. Hallo?! Wenn man mal danach geht, wie hoch die Lebenserwartung im Mittelalter war, dann bin ich allerdings schon eine Greisin! Siehste! Es kommt eben immer auf den Blickwinkel an. Als gestern alle ausgeflogen waren, habe ich auf der Couch zu lesen angefangen, als mir auch schon die Äuglein zufielen. Der Kindle wurde zur Seite gepackt, der Kopf aufs Kissen gebettet und schwups, war ich weg. Eine Stunde meines Lebens verpennt. Das hat richtig gut getan. Und zur Belohnung? Durfte ich meine Neffen fahren. Der Kleine hat echt eine göttliche Art, nach etwas zu fragen: „Hast Du Lust, uns zum Weihnachtsmarkt zu fahren?“ Was hat das mit Lust zu tun? Ich mache das schon…nur die Frage danach, ob ich dazu Lust hätte, irritiert mich? Das sind aber auch so Redewendungen, die mittlerweile in Mode gekommen sind. Richtig gerne mag ich: „Magst Du vielleicht das Fenster schließen?“ Ich habe eine Kollegin, die das immer fragt. Nein. Wenn überhaupt würde ich von „möchten“ sprechen, nicht von „mögen“. Allerdings hat beides in der Frage nichts zu suchen. Sie kann mich bitten, das Fenster zu schließen. Diese Fehlbenutzung von „möchten“ und „mögen“ ist leider derzeit ja schon Standard. Im Fernsehen hören wir das immer wieder: „Schalten Sie morgen wieder ein, wenn Sie mögen.“ MÖCHTEN! Alter. Mittlerweile wird auf Sprache leider kein oder wenig Wert mehr gelegt. Und das ist so schade, weil wir so eine tolle Sprache haben. Und ja, Sprache entwickelt sich, was ich richtig und gut finde. Nur sollte nicht alles egal sein, oder?
In meiner Fortbildung bin ich auch schon dafür bekannt, wie wichtig mir Sprache ist. Mit ihr kann man sooo vieles erreichen – oder eben auch zerstören. Da kann ich mich nur wiederholen und den Film „Contra“ erneut empfehlen. Wer Sprache allerdings als Firlefanz empfindet, wird diesen Film nicht besonders zu schätzen wissen. Mir geht bei so was echt das Herz auf. Es gibt so manche Bereiche, die mich interessieren. Und daher denke ich auch wieder darüber nach, einen kreativen Schreibkurs anzubieten. Ein paar Interessenten dafür hätte ich schon. Aber wenn ich diesen Kurs durchführe, schreibe ich eher weniger, sondern leite eher an. Ach…die Ideen sind vielfältig. Ich müsste nur mehr Mut haben, mehr umzusetzen. Nicht mehr dieses Jahr, aber dafür dann im nächsten. Ich freu mich drauf. Und Ihr?

Und trotzdem…

Es setzt sich so langsam. Aber echt nur sehr langsam. Noch bin ich gut beschäftigt. Und natürlich bin ich beim Einschlafen in der ersten Nacht nicht zur Ruhe gekommen und bin das Gespräch noch mehrfach durchgegangen. Es ist im Grunde wurscht. Und trotzdem. 🙂 Ja, genau…dieses „und trotzdem“ bezeichnet mich wohl am besten. Ich ärgere mich über mich selbst. Die Olle ist ja einerlei. Ich hätte es besser gekonnt. Und ja doch, ich weiß, dass das jetzt total egal ist. Und trotzdem geht es mir eben nicht aus dem Schädel raus. Letzte Nacht war es dann auch schon besser. Und trotzdem bin ich um kurz nach drei Uhr aufgewacht. Ich habe nicht an die Prüfung gedacht, habe dennoch über eine Stunde nicht einschlafen können. Sachen gibt´s…ich bin wohl einfach alt.

Heute Abend kommt eine Freundin mit ihrem Freund zu mir. Ich habe Sauerbraten gemacht. Und dazu gibt es natürlich auch einen Nachtisch. Mmmh, ich mag ja Nachtisch immer gerne. Die Zeit ist allerdings auch genau die richtige für so was. Denn so usselig und kalt es draußen gerade ist, so schön ist es drinnen. Ich mag diese Zeit, denn sie bringt mich innerlich runter. Heute Morgen war es ganz eigenartig. Ich dachte so: „Jetzt muss ich noch…ach nee, jetzt muss ich ja gerade mal gar nichts mehr! Wie geil ist das denn bitte schön?!“ An den Stellen merke ich dann, dass mein Gehirn hin und wieder dann doch mitkommt. Nur Untätigkeit ist mir nach wie vor ein Gräuel. (Hab noch mal nachgeschaut. Bis 1996 noch „Greuel“, danach dann Gräuel. Hihiii.) Also mache ich was? Richtig, ich haue nicht nur den Nachtisch für heute Abend zusammen, sondern backe noch Plätzchen. Und zwar Feenküsse. Lecker und gar nicht so schwer: Plätzchenteig als Unterlage, darauf ein Toffifee und obenauf eine Eischneekrone. Saulecker. 96 habe ich gemacht. Eins ist leider, leider verunglückt. Das musste ich dann schnell aufmampfen. Die anderen 95 nehme ich nächste Woche mit zu meiner Sis. Da hausen ja Keksmonster, die mir beim Essen garantiert ihre Hilfe anbieten.

Jo…und ansonsten weiß ich mich gerade nicht ganz zu lassen. Morgen bringe ich meine Bücher zu einer Bekannten, die im März Prüfung haben wird. Dann krame ich hier, um alles soweit klar zu bekommen, denn Montag kommen Handwerker ins Haus, die die Warmwasserzähler austauschen. Und wir müssen alle Zugänge dafür freimachen. Ja sicher, das mache ich doch gerne. Das heißt nur, das Spiegelschränkchen im Bad wieder mal komplett auszuräumen. Muss ich eh jeden Januar, weil sie den Zähler dann ablesen. Und da ich eine Frau bin, ist der Schrank natürlich auch voll. Ja, ich weiß, dass ich davon geschrieben habe, auch Sachen aussortiert zu haben. Aber wir Frauen sind ja Sammlerinnen. Entsprechend habe ich wieder gesammelt. Was soll ich sagen? Ich bin mir meiner Fehlleistung bewusst…und trotzdem bin ich eben eine Vollblutfrau.
Jetzt stellt sich nur die Frage, ob ich Montagabend noch gegen 17 Uhr losstarte gen Rheinland oder erst Dienstagmorgen. Ich bekomme dann ja immer Hummeln in de Futt, wenn ich heimdüsen kann. Aber dieses Mal werde ich es wohl wetterabhängig machen. Und irgendwie bin ich gar nicht so traurig, dass alles gerade wieder runtergefahren wird. Für die Gastro tut es mir sehr leid, klar. Für mich selber ist es allerdings eine gute Sache. So bin ich quasi gezwungen, ruhiger zu machen. Ich hoffe, meine Neffen haben sich innerlich schon drauf eingestellt, dass Tantchen akuten Kuschelbedarf hat. Dann werden wir Filmeabende/-nächte veranstalten, bei denen ich vermutlich einpenne, mich jedoch sauwohl fühle. Das kann Familie eben auch. Neben so Nettigkeiten, wie: „Du Sauaas“ zu sagen. Das war die Reaktion meiner Mutter auf meine bestandene Prüfung. Aber dieses Mal war es nicht böse gemeint, sondern schon auch stolz. Naja…Familie…nicht immer einfach, hm? Und trotzdem…Familie eben.

Vorbei ist vorbei…

Gott im Himmel, was ist mir schlecht. Eigentlich war mal der Plan, am Tag vorher nichts mehr zu lernen. Aber natürlich habe ich noch stundenlang gelernt. Schön blöd, ich weiß. Damit ist auch der Druck wieder gestiegen. An Schlaf war auch nicht wirklich zu denken. Ich habe gedanklich Prüfungsdialoge abgehalten. Und ja, das kann man durchaus pathologisch nennen. Trotzdem komme ich nicht dagegen an. Meine Tasche packe ich im Vorfeld und stelle sie an die Wohnungstür. Klamotten lege ich mir auch zurecht. Mein Bahnticket ist gebucht. Ich komme mir vor, wie eine Schwangere kurz vor der Geburt…

Und plötzlich ist er da, der Tag, auf den ich schon so lange warte. Ich bin so ein Mensch, der sich gerne häufig in die Zukunft beamen würde. Das hätte echt was. Nur würde ich auch jede Menge verpassen. Das ist eben das Leben… auch wenn mir gerade das Herz bis zum Hals hochschlägt. Das zeigt mir, dass ich lebe, dass ich noch was wage und noch was wissen will. Ist doch auch was Feines, oder?

Typisch für mich: Ich brauche viel zeitlichen Puffer, damit ich nicht in Panik verfalle. Die Bahn fährt mit nur zwei Minuten Verspätung. Und dann fahre ich erstmalig Tram… und komme so eineinviertel Stunde zu früh an. Das ist aber ok, denn so kann ich noch einen Kaffee trinken. Allerdings keinen Milchkaffee, weil der meinen Magen sofort rebellieren lassen würde. Gut, wenn man sich kennt, oder? Jetzt muss ich aber doch mal so langsam los. Zahlreiche Nachrichten und Mutmacher haben mich erreicht, was mir ungemein gut tut. Zur Verstärkung habe ich mir geistig meinen Opa eingeladen, der in der Prüfung hinter mir stehen wird.

Im Gebäude selbst, werde ich erstmal gefragt, ob ich die Prüferin sei? Kracher! Wäre ich gerne, denn dann müsste ich den Rotz nicht machen. Ich verneine grinsend. Dann warte ich im Flur darauf, dass die Prüfung beginnt. Die Prüfer*innen sind schon da. Ich habe alle möglichen Leute schon gesehen. Die Prüfungen des anderen Fachgebiets beginnt auch pünktlich. Und obwohl ich die Erste am Tag bin, lassen sie mich noch 18 Minuten warten. Naja. Die Ärztin ist eine ältere Zicke. Wirklich wahr. Rückblickend muss ich schon sagen, sie hat mich etwas gegrillt. Wäre ich jünger, weniger wortgewandt, dann hätte sie mich völlig aus dem Tritt gebracht. Die andere Dame war nett und sollte auch die Prüfung durchführen. Doch die Amtsärztin musste sich doch immer wieder mal einmischen und noch tiefer bohren – schließlich ist ja was Besseres. Ich weiß, wie das klingt. Aber es war echt so. Ich bestehe, auch wenn ich einen Aspekt völlig außer Acht gelassen habe. Dafür habe ich jede Menge Wissen mitgeteilt, was wohl gereicht hat. Die Ärztin muss mich aber noch mal darauf hinweisen, was ich noch beachten müsste. Trotzdem hat das letzte Wort die andere, die mich bestärkt, wieviel ich gewusst hätte, dass ich auf das wichtigste geachtet hätte: Die Abklärung der Suizidalität. Gratulation, Urkunde kommt irgendwann, und tschüss. Und da stehe ich dann also…draußen vor dem Gebäude. Ich verschicke Nachrichten und habe einen faden Beigeschmack im Mund. Nein, ich werde nicht mit Kindern und Jugendlichen arbeiten (wie in dem Fall beschrieben). Und ja, ich kann gut mit Menschen umgehen und mich auch gut einfühlen. Aber diese Amtsärztin mit ihrem Getue, liegt mir im Magen. Bestanden ist bestanden, schon klar. Doch einmal mehr frage ich mich: Warum sind manche Menschen einfach solche Arschlöcher? Was ist ihr Zweck auf dieser Welt? Miese Laune und Depressionen zu verursachen? Ich bin erleichtert, ganz sicher. Aber ich freue mich nicht grenzenlos. Vor lauter Wut packe ich alles zusammen, was ich an Papieren finden kann und entsorge es im Altpapier. Das Kapitel liegt hinter mir – auch wenn ich innerlich noch nicht den Buchdeckel zugeklappt habe. Das dauert nach so vielen Monaten. Ich weiß nur eins: Ich werde alles dafür tun, Menschen zu bestärken – im Gegensatz zu dieser Mistkröte. Und das ist, was doch zählt, oder?

Ich danke Euch allen, die mich auf dieser Reise begleitet haben, meine Achterbahnfahrt einfach mit durchlebt und mir Mut gemacht haben. Wir können alles schaffen, wenn wir das nur wollen. Straucheln gehört dazu…Zweifeln auch. Aber Aufgeben? Niemals! Danke!

ein Blick hinter weibliche Kulissen

Ich bin wieder – zumindest vorübergehend – auf Normalmodus. Mal schauen, wie lange das anhält. Nachdem mir allerdings gestern der Chef vom Nachbarteam gesagt hat: „Wenn Du nicht alles fertig bekommst, dann wird eben nicht alles fertig. So einfach. Im nächsten Jahr dreht sich die Erde auch weiter.“ Jaja, mein gottverdammter eigener Anspruch. Da darf ich noch ein wenig dran schrauben. Er hat auch berichtet, wie viele derzeit gar nicht wüssten, was sie mit ihrer Zeit anfangen sollten. Da müsste ich ja nicht für drei ackern.
Allerdings erschreckt es mich immer wieder, wenn andere Menschen meinen, ich hätte ja immer 150%ige Lösungen. Äääääh…absolut nicht. Ich bin ganz ehrlich echt nur der 80%-Typ. Und das reicht mir auch vollkommen. Bei dem Persönlichkeitstest, den wir im Nachgang zur Fortbildung mal durchspielen sollten, kam dann auch genau das raus. Da bin ich Aktivist. Die Übersetzung aus dem Amerikanischen gefällt mir nur nicht. Da passt eine andere besser: Krieger. 🙂 Und schwups, bin ich wieder an Bord. Wer ihn mal kostenlos durchführen möchte, findet ihn hier:

https://www.16personalities.com/de

Da steht dann auch, dass ich nicht dafür geschaffen bin, Aufgaben bis ins Letzte auszuarbeiten. Und Routinen verabscheue ich natürlich auch wie die Pest. Hey, was für eine Überraschung! Ja, es fasst hervorragend zusammen, wie ich ticke. Ein, zwei Kleinigkeiten passen nicht exakt, doch der Rest dann erschreckend gut. Spannend. Mich interessiert nicht, wer welches Auto hat, was er studiert hat, welchen Job er ausübt. Mich interessiert, welche Ideen er zur Welt hat. Ich möchte einfach unterschiedliche Blickwinkel einnehmen, Spannendes über Weltanschauungen austauschen und solche Gespräche führen. Oberflächliches Geplänkel kann ich auch. Allein, es bringt mir nichts und reizt mich auch nicht wirklich.

Etwas ganz anderes amüsiert mich gerade über die Maßen. Und da denke ich mal wieder, wie toll es ist, eine Frau zu sein. Nichts gegen Euch Männer. Und ich freue mich, wenn Ihr auch sehr gerne Männer seid. Es wäre rotzelangweilig ohne Euch und unsere mannigfachen Interpretationen kleinster Sätze, die Ihr so von Euch gebt. Ihr wärt überrascht, was wir Euch an komplizierten Gedankengängen so alles zutrauen. Da gibt es Hirnwindungen, von deren Existenz Ihr nicht einmal ahnt.
Ich möchte, falls es eine Wiedergeburt gibt, bitte allerdings wieder als Mädel zur Welt kommen. Wieso komme ich gerade jetzt darauf? Na, wir haben noch eine What´s App-Gruppe von unserer Fünfer-Frauen-Truppe für die Prüfungsvorbereitung. Die ersten beiden Hühner haben ja schon die mündliche Prüfung geschafft, die nächsten beiden schaffen es garantiert morgen, dann erst komme ja leider ich nächste Woche dran. Im Vorfeld haben wir überlegt, was zur Entspannung in diesen wirklich stressigen, angespannten Zeiten beitragen könnte. (Alkohol, Massagen, Sauna, Meditation, Yoga…) Ich habe da schon auch mal in den Raum geworfen, kein Problem damit zu haben, Single zu sein. In Zeiten, wie diesen, würde ich mich dann aber schon auch mal freuen, wenn da Zuhause einer auf mich warte, mich in den Arm nähme und sagte: „Alles gut, Du Hektik-Hummel. Das geht vorbei, und ich bin da. Wir schaffen das gemeinsam.“ Darauf hat die Elfe dann verkündet, im Moment würden ihr gar keine interessanten Männer auffallen. Überhaupt läge der letzte Sex zweieinhalb Jahre zurück. Nun gut, ich sprach von Umarmung und Geborgenheit, aber natürlich ist das auch ein Aspekt. Und dann schreibt sie jetzt – Tage später – nachts: „Ha, ich hatte Sex! Die Prüfung kann kommen, ich bin entspannt!“ Was habe ich mich da weggeschmissen. Herrlich!
In Frauengesprächen geht es ja nicht darum, wer den Größten oder wie viele Elsen man wie oft bedient habe. Es ist, glaube ich, ein völlig anderer Umgang mit dem Thema. Es geht nicht darum, sich zu beweisen, sondern eher darum, sich fallen zu lassen, zu genießen und vor allem zuzulassen. Das Loslassen vom ewigen Optimierungswahn oder sich verletzlich zu zeigen, weich zu sein und mal nicht das nächste To Do von der Liste abzuarbeiten. Es geht mehr ums Gefühl. Aber Achtung, nicht missverstehen: Damit meine ich nicht die Liebe – höchstens zu sich selbst. Ich lasse mein Gefühl zu, gestehe mir ein, was ich brauche. Das geht auch, wie im Fall der Elfe, mit einem Mann (oder auch Frau), der nicht mein Partner ist. Ich sehe schon das Augenrollen der Männer…und vielleicht das ein oder andere Lächeln und wissende Nicken der Frauen.
Trotzdem – so offen ich auch bin – hätte ich das nie so in diese Gruppe geschrieben, wie die Elfe es tut. Allerdings feier ich die Süße dafür total. Und natürlich konnte ich nicht widerstehen, sie zu fragen, ob es gut gewesen sei? Darauf sie: „Total. Es war sogar richtig gut…oder…naja, oder ich war einfach total ausgehungert. Kann auch sein.“ Und schon wieder habe ich mich schlappgelacht. Sie ist da vollkommen im Reinen mit sich.
Hinter den Kulissen von uns Frauen erstreckt sich eine Welt, die Männer vermutlich nicht verstehen können, weil sie so völlig anders sind. Wenn man als Frau mit einem Mann darüber spricht, geht das auch. Aber Männer in Gruppen und Frauen in Gruppen unterscheiden sich nun einmal grundlegend voneinander. Und genau das macht es ja auch aus, oder?

Ich werde mir niemanden zur „Entspannung“ bis nächsten Donnerstag suchen, weil es mich gerade eher zusätzlich stressen würde. Außerdem gilt bei uns zurzeit eine Home Office Pflicht. Ich werde also bis zur Prüfung quasi gar nicht mehr aus dem Haus gehen – höchstens, um kurz einzukaufen. Es bleibt also völlig ruhig an dieser Front. Es fehlte mir auch eine weitere Baustelle! Und nein, liebe Männer, ich sehe Euch nicht per se als eine Baustelle. Nur im Moment, in dem ich mal wieder mit zu vielen Bällen jongliere, wärt Ihr mir einer zu viel. 🙂 Ich habe Euch dennoch lieb, ganz ehrlich und Doppeschwör!

emotional am Rädchen drehend

Willkommen zu einer weiteren Achterbahnfahrt. Wer will, darf gerne einsteigen und sich mitverwirren lassen. Eintritt ist kostenlos – außer ein paar durchschossene Synapsen, befürchte ich.
Ach ja…eine weitere Woche in meinem Chaos ist vollbracht. Wenn ich so zurückschaue, wundere ich mich dann eigentlich auch nicht mehr, warum ich das Gefühl habe, abzudrehen. Wenn ich am Anfang einer solchen Woche stehe, denke ich darüber aber nicht mal eine Sekunde nach. Schon schräg, ich weiß.

Die Woche hat ja mit der zweitägigen Fortbildung gestartet. Die Aufreger habe ich ja schon alle mit Euch geteilt…wobei natürlich nicht alle. Das waren nur die Spitzen des Eisbergs, doch die allein hätten schon ausgereicht.
Mittwoch war ich dann in der Firma, wo nun 3G gilt. Ich kann es verstehen, absolut. Mich betrifft es ja auch nicht groß, weil ich meinen Impfstatus vorzeige und durchgelassen werde. Aber es betrifft die Ungeimpften. Ich verstehe, dass Maßnahmen ergriffen werden müssen. Alternativen fallen mir ad hoc nicht ein. Und doch zweifele ich an der Durchführung. Menschen, die wie ich in den administrativen Bereich fallen, können gut von Zuhause aus arbeiten. Menschen, die hingegen Maschinen bedienen, Sichtprüfungen durchführen müssen oder ähnliche Tätigkeiten, können das blöderweise nicht. Sind diese ungeimpft, müssen sie an den Eingängen einen Selbsttest vor den Augen der anderen durchführen. Das hat für mich schon etwas Entwürdigendes. Ja, in der Apotheke oder im Testzentrum macht das sogar jemand bei einem. Aber am Tor, wo die Kollegen auf den ersten Blick erkennen: „Ah, das ist also einer von den Ungeimpften“, finde ich das nicht gut. Noch mal: Mir fällt auch gerade keine Alternative ein. Wird dann jemand positiv getestet, muss er nach Hause und erhält keinen Lohn. So ist es nun mal beschlossen worden. Und auch das verstehe ich zum Teil, dann aber auch wieder nicht. Menschen, die im Home Office arbeiten können, sind da klar im Vorteil. Der Arbeitgeber muss sich Regelungen überlegen, um arbeitsfähig zu bleiben. Ich verstehe das alles, doch es macht mir auch Sorge, wie weiter gespalten wird. Das ist für mich einfach nur traurig. Und leider fühle ich dann viel zu viel. Ich möchte niemanden ausschließen, abstempeln und ausgrenzen. Diese Dynamik macht krank…und zwar große Teile der Gesellschaft.
Ich gehe in mein Büro und lege beherzt los. Es sind nicht mehr viele Resttage, bis mein Urlaub beginnt. Dafür ist der Arbeitsberg riesig hoch. Und auch, wenn ich Abwechslung sehr gerne mag, ist mein armes Hirn mehr als ein bisschen gefordert: Zwei Tage völlig neue Themen. Dann tiefes Eintauchen in die Arbeitsthematik, bei der ich ja gerade konzeptionell arbeite. Das ist kein Abspulen von irgendwelchen Routinen, sondern wirklich viel Hirnschmalz. Und natürlich bleibe ich mal wieder länger, als ursprünglich geplant. Ich lerne einfach nichts dazu…

Donnerstag ist dann wiederum Fälletraining im Institut angesagt. Wieder eine ganz andere Materie. Zu Beginn denke ich mal wieder: „Hab ich alles noch niiiiiiie gehört.“ Allmählich komme ich jedoch wieder rein. Da ich die Leiterin aufgrund ihrer herabwürdigenden, arroganten Art nicht mag (ich habe echt ein massives Hierarchie-Problem), hoffe ich, sie nimmt mich nicht dran. Wenn sie es tun sollte und sich dann ähnlich gebärdet, wie bei den anderen, wird sie den Drachen in mir kennenlernen. Wir mögen uns gegenseitig nicht. Sie mag unterwürfige, ängstliche Menschen, bei denen sie sich überlegen fühlen kann. Das habe ich leider nicht in meinem Repertoire. Nachmittags trifft´s mich dann aber doch. Ich bin selbst überrascht, wie ruhig ich bleibe. Meine ganze Körperhaltung ist allerdings eindeutig: Ich bringe möglichst viel Distanz zwischen uns, wie mir meine Mitschülerin nachher grinsend bestätigt. Sie findet keinen Punkt, mich niederzumachen, also weckt sie meinben Drachen auch nicht. Am Abend raucht dennoch der Schädel, und ich wünsche zwei meiner Mitstreiterinnen viel Erfolg für den nächsten Prüfungstag. Sie werden bestehen, da bin ich sicher.

Und dann kommt der Freitag. Ich fahre wieder in die Arbeit und bin so richtig allein vor Ort. Passt mir gut. Ich habe schließlich genug zu tun. Allerdings haben wir einen fünfstündigen Team-Workshop. Nach anderthalb Monaten der Umstrukturierung sollen wir nun überlegen, was eigentlich unser Geschäftszweck sei? Da haut´s mir echt ´nen Schalter raus. Es gab neun Monate lang Meetings, Workshops und hassenichgesehn-Veranstaltungen ausgewählter Entscheider auf der grünen Wiese. Dann wurde alle Mitarbeiter aufgeteilt, wie bei einem Sklavenmarkt, ohne auch nur mal nachzufragen, was die Mitarbeiter denken, können oder gar wollen. Und jetzt kommen wir an den Punkt, an denen ich mir überlegen soll, was mein Geschäftszweck ist? Haben die den Knall nicht gehört?! Während ich auf Anschlag renne, um alles noch fertig zu bekommen, was am besten schon im September (als es uns in der Formation noch gar nicht gab) hätte starten sollen??? Hinzukommt, dass die Technik streikt. Alle, die Zuhause sitzen und zugeschaltet sind, haben eine Bombenleitung. Nur ich, die im Büro vor Ort ist, hat Schwierigkeiten und fliege dauernd raus. Das Problem ist seit Wochen bekannt, aber die IT-Abteilung wird nicht müde, jedem Anrufe zu erklären, sie hätten noch gar nichts von diesem Problem mitbekommen. Das kann es echt nicht sein. Dabei brennt´s mir unter den Nägeln, meine eigentliche Arbeit zu verrichten, zu der ich heute gar nicht komme. Ich arbeite in der Lean-Abteilung, wo es ja im Schwerpunkt darum geht, Verschwendung zu vermeiden. Das hier ist für mich mal Verschwendung in ihrer Urform. Und dazu dann meine vegan-militante Kollegin, die sich total freut, weil sie diese Struktur dringend benötigt. Wir werden nun vierzehntägig einen Team-Workshop anberaumen – immer freitags für vier bis fünf Stunden. Ääääääh??? Wir tagen, um zu tagen? Ich mache mir ernsthafte Sorgen um meine Halsschlagader… Irgendwann merkt man es mir dann auch an, dass ich keine Geduld mehr habe. Nach dem dritten Rauswurf durch die Technik sage ich genervt: „Ich glaube, ich fahre jetzt nach Hause – wahlweise mit vorher aus dem Fenster geschmissenen Laptop oder ohne.“ Ich bin frustriert und könnte echt einfach nur heulen. Gut, PMS ist auch mit an Bord, die blöde Kuh. Sofort nach Beendigung des unsäglichen Workshops ruft meine Chefin per Skype an, um zu fragen, wie es mir gehe. Das ist an sich sehr nett, aber wenn man kurz davor steht, einfach loszuflennen, würde ich lieber erstmal in Ruhe durchschnaufen. Ich beantworte ihr ehrlich, dass ich am Anschlag sei. Es blieben nun noch sieben Tage übrig, in denen ich den ganzen Berg bearbeiten sollte. Dann brauche ich keinen fünfstündigen Workshop, in dem ich erarbeiten soll, was mein Zweck sei, nur weil die Deppen vorher dazu nicht in der Lage waren. Weshalb habe man denn die Umstrukturierung geplant? Nur aus Langeweile? Meine Chefin ist voll korrekt und nicht schuld an dieser Lage. Sie wird auch nur verbrannt. Mein Limit ist aber gerade erreicht. Und da kann niemand dafür, dass ich auf verschiedenen Hochzeiten tanze. Aber die Arbeit allein würde mich schon vollends auslasten – ohne zusätzliche Fortbildung und anstehender Prüfung in einem anderen Bereich.

Innerlich schreit alles in mir, weg zu wollen. Weit weg. Wenn da Meer ist, umso besser. Die angespannte Coronalage tut ihr übriges dazu, die Gemüter aufzuwühlen. Ich hätte auch gerne Wellness gemacht, um mal runterzukommen, aber so, wie die Lage ist, hat das mit Entspannung gerade mal gar nichts zu tun. Ich vermisse es schmerzlich, einfach in den Arm genommen zu werden. Gefühlt driftet so vieles auseinander, und ich verkümmere emotional einfach. Das hört sich dramatischer an, als es wohl ist. Noch mal: PMS spielt auch eine entscheidende Rolle. Da hilft es auch nicht, dass beide Mitschülerinnen bestanden haben. Das freut mich riesig, sie haben es total verdient. Nur…ich auch. Die nächsten beiden sind nächsten Donnerstag fertig. Und ich darf dann noch eine Woche abwarten, bis ich dran bin. Eine Woche, sieben Tage – da mag sich der ein oder andere fragen: „Was soll daran schlimm sein?“ Nach Monaten der Anspannung, ist irgendwann die Luft raus. Ich will einfach nicht mehr. Die anderen haben sich zwischendurch einen gepichelt, was ich nicht kann und auch nicht mag. Wenn ich was unternommen habe, habe ich mir immer eingeredet: „Das ist voll ok, das darfst Du!“ Aber im Hinterkopf ist da immer dieses Stimmchen des schlechten Gewissens: „Ach, interessant…Du vergnügst Dich, dabei hättest Du die Zeit doch auch sinnvoller nutzen können, oder? Wenn Du meinst, dass Du Dir das erlauben kannst. Jammer nur nicht rum, wenn Du dann letztlich durchfällst!“ Und nein, ich höre keine Stimmen. 🙂 Es ist meine Erziehung, meine Genetik, meine Erfahrung, die mich zu dem gemacht hat, was ich bin. Entsetzlicherweise passe ich wirklich vollkommen zu dem Typus Leistungsmensch. Alles, wofür ich nicht hart arbeiten musste, ist auch nichts wert. Und das ist der größte Bullshit, wie ich selber weiß. Nur: Mach mal was dran.

Ich bin mir sicher, wenn ich einen Monat weiter bin, wird die Welt anders aussehen. Dann wache ich nicht mehr morgens um fünf auf und denke an Diagnosekriterien oder an Aspekte, die ich in meine Schulung packen sollte. Ich bin einfach müde. Und das ist auch völlig normal, rational betrachtet. Da drinzustecken und das auszuhalten, ist aber wieder eine ganz andere Angelegenheit. Das fühlt sich ätzend an und gönne ich niemandem – nicht mal Heinz oder meiner doofen Kollegin.
Und jetzt packe ich mir wieder meine Bücher und lege los. Ein Ende ist ja in Sicht.

Kiegerin mit all ihren Schattenseiten

Wohooooo, heute war es… spannend. Oder sollte ich sagen spannungsgeladen? Herrlich. Gestern war es dem Trainer – laut eigener Aussage – zu harmonisch. Na dann… Und so startet die Einstiegsrunde wieder bei mir. Das ist ganz klar der Murks an dem Platz ganz vorne, an dessen Abwertung sich durch diese Automatismen auch nie was ändern wird. Die Leitfragen lauten: „Mit welchem Gefühl startest Du in den heutigen Schulungstag? Was hat von gestern nachgewirkt?“ Ich weiß, ich bin manchmal echt ein Arschloch, aber es kommt immer von Herzen. Ich sage: „Mein Gefühl ist genervt (wobei mir klar ist, dass das kein richtiges Gefühl ist). Was nachwirkt? (Ich spreche den zweiten Trainer direkt an:) Ich habe noch den ganzen Abend darüber gebrütet, dass ich nichts von Dir hören durfte und wünsche mir, auch von Dir lernen zu können.“ Uups, raus ist es. Alle anderen sind freundlicher, aber hey, wenn man um Reibung bittet, kann ich das gerne bedienen.

Ich gebe unumwunden zu: Wenn mich jemand so richtig anpisst, bin ich durchaus mit einem Körbchen unterwegs und lege da alles rein, was mir negativ auffällt. Klar, da bleibt Energie auf der Strecke, aber genau das bin ich. Zurückweichen gibt’s bei mir nicht. Ich kann mich sehr wohl zurücknehmen… sehr gut sogar. Vor allem bei Leuten, die wenig Raum einnehmen. Da ermutige und stärke ich auch sehr gerne mein Gegenüber. Doch ich springe in genau die gegengesetzte Richtung, wenn ich auf Narzissten und Egomanen treffe. Das ist schwer zu beschreiben, wie dann innerlich so ein archaischer Schlachtruf in mir erschallt. Irgendwann sollte ich mal so eine Rückführung machen, denn auch wenn das witzig klingt, frage ich mich ernsthaft, was ich in einem alten Leben für eine Rolle innehatte, die so in mir schreit. Und nein, ich bin immer noch nicht esoterisch. Und auch nicht schizophren. Da ist ein Anteil in mir, der innerhalb einer Millisekunde aktiviert ist. Vielleicht ist es auch der Feuerdrache? Wer weiß das schon so genau?

In einer Zweierübung erarbeiten wir dann Persönlichkeitmerkmale. Mein Mitschüler ist in so vielerlei Hinsicht völlig anders als ich. Er ist Zahlen, Daten, Fakten par excellence. Wir reden über Prinzipien… und auch über Prinzipienreiter. Und da oute ich mich: Ich bin manchmal einer. Er schaut mich verwirrt an und bittet um ein Beispiel. Ich hole tief Luft und sage: „Wenn mir jemand erzählt, er stehe für Gleichwertigkeit und Augenhöhe, empathisches Miteinander und bla, dann aber…“ Er nickt und schiebt rein: „Das von vorhin. Da ist mir aufgefallen: Das stimmt total. Vorher hatte ich das aber gar nicht auf dem Schirm. Das passte nicht zu dem, was er zum Einstieg gesagt hat.“ Und da kann ich dann Prinzipien rauf- und runterreiten. Mein Dilemma zeigt sich allerdings auch herrlich in genau dem Beispiel. Ich bin wenig bei mir und viel bei anderen. Am meisten tatsächlich bei denen, von denen ich denke, sie brauchen Unterstützung. Und ich bin mir durchaus bewusst, dass das schon sozial, hilfsbereit und nett ist, aber auch, dass es durchaus auch eine Schattenseite hat. Also darf ich da noch einiges lernen.

Im Zweiergespräch gestehe ich auch, innerlich voll den Rebellen sitzen zu haben. Ich mag Harmonie, aber ich gehe auch gerne über Grenzen und sprenge sie. Zwischendurch sage ich: „Ich glaube, ich bin in erster Linie ein Hierarchierebell, weil ich Hierarchien völlig ablehne.“ Später geht es dann an die Präsentation der Ergebnisse. Eine Mitschülerin entscheidet sich bewusst gegen etwas und sagt: „Nee, da rebelliere ich.“ Ich drehe mich zu meinem Mitschüler um und lache. Oh… und da rebelliert der Trainer und mault mich richtig an: „Da musst Du Deine Schadenfreude gar nicht so krass zur Schau stellen!“ Hä? Ich stehe völlig auf dem Schlauch und frage: „Verstehe ich nicht. Was meinst Du?“ Und er raunzt mich an: „Du weißt genau, was ich meine!“ Nö. Ich weiß es echt nicht. Das hat so was von einem maßregelnden Vater… putzig. Und soll ich Euch was verraten? Es geht mir meilenweit am Heck vorbei. Ich schüttele kurz den Kopf und konzentriere mich auf die Präsentation. Da will ich gar keine Energie drauf ver(sch)wenden. Doof nur, dass andere das auch mitbekommen haben und ebenfalls nicht verstehen, was das sollte. Damit hat der Gute sich in seiner Professionalität nur selbst geschadet. Er tut nachher, als sei nichts gewesen, trägt dann aber ab Mittag seine schlechte Laune vor sich her, weil der Zeitplan nicht korrekt eingehalten wurde. Oh weia, fast bekomme ich Mitleid mit ihm, weil er gerade sehr verliert. Aber es bleibt bei „fast“. Komisch, ich bekomme zum Abschied kein Umarmungsangebot. So was aber auch!

Der Austausch unter uns Teilnehmern ist dafür umso wertschätzender. Gut, die eine Else steht sich selbst komplett im Weg. Dafür funktioniert es mit dem Rest umso besser. Wir schätzen uns für unsere Unterschiede, holen uns Tipps und stärken uns gegenseitig. Und daher gehe ich glücklich in den Feierabend. Es ist völlig ok, auch seine Schattenseiten zu kennen und sich mit ihnen auszusöhnen.

Absolutly a Griff in the Klo

Seit gestern nehme ich an meiner Fortbildung zum agilen Coach teil. Das wirklich Gute: Die Truppe. Da sind schon auch unterschiedliche Persönlichkeiten dabei. Doch bis auf eine ist keiner missionarisch. Die Herausforderung dieses Mal liegt woanders. Einer der Trainer ist mein Date vom Sommer, das ich ja als richtig unsouveräne Nullnummer seinerseits in Erinnerung habe. Entgegen meiner normalen Haltung, habe ich heute keine halbe Stunde Puffer eingeplant. Prompt ist die S- Bahn zu spät, weshalb ich nicht die eigentlich ausgesuchte U- Bahn erreiche. Alles in allem komme ich punktgenau an. Aber der Tünnemann überrascht mich total, was ja bei mir gar nicht so einfach ist. Er umarmt mich zur Begrüßung. Äääääh, ich hab mal im Kalender nachgeschaut, es war der 10.6.!!! Da haben wir uns getroffen. Dann haben wir noch höflich eine Nachricht ausgetauscht, das war’s. Leider bin ich zu perplex. Würde er das heute wiederholen, würde ich die Hände heben und sagen: „Nö, Dein Bedürfnis, nicht meins.“ Aber heute wird er das nicht mehr machen. Da bin ich sicher. Durch das späte Eintrudeln sitze ich direkt vorne, quasi neben ihm. Und das nutzt er geschickt, um mich so gar nicht zu integrieren. Auch ok, denn so kann ich ihn beobachten.

Es sind zwei Trainer. Und ja, ich liebe Übertreibungen, aber das ist keine: Der andere erhält nicht mal die Möglichkeit, sich vorzustellen. Über den Tag schafft er es nicht einmal, sechs Sätze zu äußern. Passend zu unseren Themen Mindset, Empathie und wertschätzende Haltung. 😂 Mein Spezi brilliert durchaus mit enormem Wissen, während er dann eine Buchempfehlung nach der anderen raushaut. Allein, es wirkt nicht stimmig. Er mag noch so belesen sein, scheitert dann aber ganz klar an der praktischen Anwendung, während er eine Teilnehmerin mal so richtig abkanzelt, als wären wir auf dem Kasernenhof. Geht gar nicht. Aber durch sein theoretisches Wissen mit rasanter Geschwindigkeit bleibt keine Zeit fürs Sackenlassen. Ob das Masche ist? Ich weiß es nicht. Die Unstimmigkeit zeigt sich aber an einer Stelle am meisten: Er nennt zunächst nur seinen Vornamen. Der Rest sei unwichtig, weil ja alle von uns auf Augenhöhe seien und bla. Im Laufe des Tages packt er dann alles raus, was ich ja schon weiß: 13 Jahre Bundeswehr, dass er zwei Diplome habe, systemischer Coach sei, im Handball 2. Bundesliga gespielt habe, seinen Abschluss übrigens mit 1,0 gemeistert habe, in welchen Projekten er sich so engagiere, was er unterstützend für ARD und ZDF mache… Innerlich schüttele ich den Kopf und reiche ihm eine Lolli, während ich sein Köpfchen tätschele und ihm zuraune: „Jaaa, Du bist ein ganz ein Großer! Mutti ist ganz, ganz stolz auf Dich!“ Ja, ich bin böse. Mich nerven diese Menschen, die sich so gebärden und offensichtlich an einem Gottkomplex leiden, massiv. Sie schüchtern durch ihre Dominanz ein, statt einladend Stärken zu stärken.

So auch gestern mit der dummen Nuss vom Institut geschehen. Eine aus unserer Lerngruppe, die wirklich sehr gut vorbereitet ist, hat eine Einzelstunde bei der Unfehlbaren gebucht. Am Freitag hat sie ihre Prüfung. Die Dame macht sie so klein, dass sie total niedergeschlagen ist. Sie hätte viel Wissen, wäre aber durchgefallen. Keine Hilfestellung, außer sie solle mehr Fragen stellen, was wir so auch nie vom Institut aus beigebracht bekommen haben. Beispiele, was sie fragen könnte, gibt’s nicht. Nur die Tatsache, dass sie so durchfallen würde. Beim letzten Üben in der Großgruppe hat sie auch eine bis zum Heulen getrieben. Wie kann ich so was tun??? Ich kann Leute motivieren und zu Höchstleistung beflügeln. Oder ich mache sie nieder, damit mir mein eigenes, armseliges Leben nicht so schlimm erscheint. Ich merke, wie die kriegerische Rebellin in mir erwacht. So eine Axt zu schwingen, ist bestimmt sehr kräftezehrend. Trotzdem will ich es mal ausprobieren, wenn ich diese emotional verkrüppelten Arschgeigen erlebe.

Ich verstehe es einfach nicht, wie Menschen so sein können??? Es gibt gefühlt so viel Hauen und Stechen. Und ja, ich schreibe auch von einer Axt. Die schwinge ich aber nicht wirklich. Ich würde mir wohl einfach wünschen, liebevoller miteinander umzugehen und Machtpositionen für Gutes zu nutzen – nicht zum Niedermachen. Da helfen auch bestätigende Anglizismen nicht, die mein heutiger Trainer wieder inflationär raushauen wird: „Absolutly!“ Ja, Du mich auch. Und ich hab noch nicht mal PMS. Was hat der doch für ein Glück. Ich bin es wohl einfach leid, von sozial kompetenten Vollidioten umgeben zu sein. Kennt Ihr dieses Phänomen auch? Habt Ihr ein paar Tipps für mich? Nicht nachweisbares Gift würde mir für den Anfang schon reichen. Ich nehme aber auch Streitäxte entgegen. Na dann mal los!!!

Dalsuppe mit toller Aussicht auf den Dezember

Es ist mal wieder Samstag, also Lern- und Elfenzeit. Dabei ist heute echt noch mal schönes Wetter. Die grauen letzten Tage wurden heute Morgen schon von der Sonne weggelächelt. Hilft aber alles nichts. Die Zwanghafte hat gerufen, also pilgern wir wieder zu der Elfe. 😂 Wenn mein Leben mal nicht aufregend ist! Dieses Mal werde ich auch kulinarisch was Neues lernen. Letztes Mal gab es vegetarische Spaghetti Bolognese mit Tofu. Wie sagte mein früherer Kollege immer so nett, wenn wir in schlechten Tagungshotels zusammensaßen? „Hmm, einfach, aber durchaus geschmacklos.“ Es schmeckte nicht schlecht, nur einfach nach nichts. Und nein, ich hab kein Corona mit damit einhergehender Geschmacklosigkeit.

Dieses Mal wollen wir allerdings nicht, dass die Elfe allein was macht, also bringt jede von uns was mit. Ich bediene brav das Vegetarische mit Dattelcreme und Möhrendip. Die Zwanghafte hingegen stellt eine Dalsuppe in Aussicht. Ääääh… Dalsuppe? Doch Fleisch? Also Suppe mit Dalmatiner-Einlage? Ich muss das echt googlen – die Menschen mit Hang zur ayurvedischen Ernährung und dergleichen mögen es mir bitte nachsehen. Irgendeine Linsensuppe soll es wohl sein. Na, mir soll’s recht sein. Wenn allerdings Curry drin sein wird (bei indischem Essen nicht so unwahrscheinlich), mache ich einen auf intolerant….seeeeeehr intolerant. Ihr seht: Es verspricht, durchaus interessant zu werden. I hold it in the head not out.

Wollt Ihr die Wahrheit wissen? Es hat geschmeckt. Ehrlich wahr. Ich bin selbst total überrascht. Dieses Mal ist es ohnehin alles anders. Die Mehrheit von uns ist entspannt. Auch das hat mal was. Wir steigen auch nicht direkt in Fälle ein, sondern machen eher ein intensives Wiederholen. Jede hat so ihre ganz eigenen Bereiche, die sie besser oder schlechter beherrscht. Mein größter Pluspunkt ist, dass ich reden kann – ich weiß, Wahnsinnsüberraschung. 🙈 Aber das unterschätzt man echt. Die Zwanghafte hat wahnsinnig viel Wissen, kann es nur einfach nicht so leicht in Worte packen. Gerade fühlt es sich mal vollkommen ok für mich an. Hoffen wir, dass ich dieses Gefühl noch ein bisschen länger erhalten kann.

Obwohl es echt gut läuft, bin ich platt. Das sind wir wohl alle. Und jede Einzelne freut sich auf das Freiheitsgefühl danach. So verabschieden wir uns voneinander und gehen unserer Wege. Trotz Müdigkeit will ich noch mal kurz in die Stadt, was ich jedoch bereue. Bei den Menschenmassen zweifle ich daran, ob allen die steigenden Neuinfektionen bewusst sind? Am Marienplatz steppt der Bär. Ich laufe eine Haltestelle weiter, bevor ich wieder in die S-Bahn steige. Mehr brauchte ich nicht… lediglich ein bisschen Bewegung. Die letzten drei Tage Home Office fordern wohl auch ihren Tribut. Die Sinnfrage stelle ich mir natürlich weiterhin. Doch heute nicht mehr, weil ich schlichtweg zu k.o. bin. In der Bahn erfahre ich dann noch, wie wenig begeistert Jürgen von der Lippe von der „Wetten, dass…“-Show heute Abend sei. Er bevorzuge da eindeutig „Das Supertalent“. Mei, wozu brauche ich diese Info nur? Mich interessieren beide Formate ’nen feuchten Furz. Im Kopf geht zwar gerade noch der Punk ab, aber mein altes Fleisch wird früh nach meinem Bettchen schreien.

Im Dezember werde ich dann alles nachholen, was ich gefühlt gerade alles verschlafe. Meine Neffen sind vorgewarnt. So ’ne Tante im Post-Lernstress wird bestimmt ein einschneidendes Erlebnis der ganz besonderen Art. Macht aber nix, denn so haben sie wenigstens Anekdoten für später. Ich verspreche jetzt schon, mich mindestens einmal zu betrinken und peinlich zu sein – wobei, dazu brauche ich ja erfahrungsgemäß keinen Alkohol. In diesem Sinne: Welterusten!