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Ääääh…wer ist „Papa Staat“?

Herrlich, ich liebe es, Ämter aufsuchen zu müssen. Immer wieder stelle ich fest, wie unnütz dieser Zeitvertreib doch ist, aber was soll´s? Hoch lebe der Vorgang. Was aber immer wieder spannend ist, sind die Menschen, die man dort trifft. In der Tat sind es Menschen, die ich so kaum sonst treffen würde. Keine Ahnung, woran das liegt.

So jedenfalls lernte ich eine…wie umschreibe ich das freundlich….? Ich lernte eine außergewöhnliche Frau im Wartebereich kennen. Sie wurde in Deutschland geboren, aber ihre Eltern kamen aus der Türkei. Sie könne noch türkisch sprechen, ihre Kinder hingegen nicht mehr, was ich sehr schade finde. Je mehr Sprachen ich spreche, mit desto mehr Menschen kann ich mich austauschen, was meinen Horizont ja nur erweitern kann. Leichter lernen kann man nicht, als wenn man zweisprachig groß wird, oder?

Ich kann aber auch verstehen, wie so was einfach im Sande verläuft. Die Frau meinte, sie hätte sich einfach den Kindern angepasst, weil sie überall – im Kindergarten, in der Schule, mit Freunden – nur deutsch sprachen und somit auch Zuhause nur untereinader ausschließlich so quatschten. Ich fand den laufenden Meter neben mir wirklich sehr unterhaltsam, und sie hatte richtig Feuer im Hintern. So was mag ich ja. Sie würde voll gemobbt werden, dabei wäre sie doch soooo lieb! Ihr Chef wollte, dass sie krank feiern würde, wie alle anderen das auch täten. Hä? Ja, sie arbeite ausschließlich mit „halb Kaputten“. Den Ausspruch fand ich wieder amüsant. Nun habe sie die Kündigung erhalten. Ich fragte noch: „Und warum?“ Sie: „Weil…die sagen, ich bin eine Hexe! Musste Dir ma vorstellen, ich! Eine Hexe! Nur weil ich sage, ich bin nicht der Prinzessin sein Köter.“ Ich muss mich jetzt noch wegschmeißen, wenn ich daran denke, wie sie selber darüber lachen musste. Humor hatte sie, keine Frage.

Und dann kam der Klopper: Wir kamen kurz auf Erdogan zu sprechen, den ich zutiefst verabscheue. Sie jedoch meinte nur: „Erdogan und Merkel, sind doch beide Nazis.“ Hääää? Doch, da war sie sich absolut sicher. Aaaaaber, die haben ja doch nichts zu sagen. Das Regiment führe nämlich „Papa Staat“. Ich muss wohl ziemlich verdutzt geschaut haben. Dann habe ich nachgefragt: „Äääh, und wer ist ´Papa Staat´?“ Sie zuckte nur mit den Schultern und meinte: „Na, `Papa Staat` eben.“ Logisch, oder? Ich konnte es dennoch nicht lassen: „Hm, aber das ist ja keine Maschine. Das sind ja Menschen, oder? Also: Welche Menschen sind das denn?“ Da nickte sie weise und meinte: „Das ist eine gute Frage. Aber davon bin ich fest überzeugt.“ Es scheint, wir sind da gestern auf ein großes Rätsel gestoßen.

Als mir dann ca. 20 Minuten nach dem vereinbarten Termin endlich eine Audienz gewährt wurde, erfuhr ich dann, dass ich vergebens vor Ort war. Die Sachbearbeiterin hatte sich tags zuvor noch mal meine Unterlagen gründlich durchgelesen. Damit war die Nachreichung der heute mitgebrachten Dokumente überflüssig. Ich habe einmal durchgeatmet und wirklich sehr freundlich nachgefragt, wieso sie mich denn nicht angerufen hätte, um mir diesen Weg zu ersparen? „Ja, gestern war ja kein Publikumsverkehr.“ Häääääää? Da finde ich „Papa Staat“ als Antwort fast noch aufschlussreicher.

Ich schätze, ich muss an meinem Verständnis arbeiten. Ich kapiere nämlich an Tagen wie gestern nicht wirklich, was man mir da sagen will. Wer weiß, wer wohl dahintersteckt? Ob es der ominöse „Papa Staat“ ist? Wenn einer eine Idee hat: Ich bin da ganz offen, wenn es denn weiterhilft…?

Freiheit

Das ist ein großes Wort, oder? Es ist ein Schlagwort, das so vieles in sich vereint. Und jeder legt es anders für sich aus. Freiheit ist auch eine Lebenseinstellung. Wer wirklich frei ist, der verrichtet locker lächelnd sein Geschäft auf der Meinung anderer. Genau das finde ich erstrebenswert.

Ein lustiges Beispiel hierfür ist eine Omi, die mir neulich aufgefallen ist. Leider hatte ich keine Kamera zur Hand, und mein Handy wollte ich auch nicht zücken. Besagte Omi saß auf ihrem AOK-Shopper, also diese Dinger, die häufig ältere Menschen zur Unterstützung bei der Fortbewegung nutzen. Die Omi schob sich jedoch gerade nicht vorwärts, sondern saß. Dazu genoss sie einen Zigarillo. Das an sich klingt jetzt nicht besonders frei oder gar besonders – wobei ich bei dem Zigarillo schon schmunzeln musste. Wann sieht man schon Menschen Zigarillo rauchen? Das scheint nicht mehr so in Mode zu sein. Bei der Omi schien es aber nach wie vor im Trend zu liegen. Doch das war es ja gar nicht, was ich so herrlich fand. Sie rauchte sitzenderweise ihren Zigarillo vor einem Orion-Shop. Nein, ich habe mich nicht ins Rotlichtmilieu verirrt. In Aachen liegt der Laden nun mal an einer großen Straße, die ich entlanglaufen muss, wenn ich in die Stadt gehen möchte. Und die Omi saß nicht wie zufällig vor einer großen Fensterscheibe, sondern direkt vorne am Eingang. Neben ihr prangte eine überdimensionale Werbung für einen Vibrator. Die Ausführung war lila. Das Bild sah einfach göttlich aus – dieser überdimensionierte Freudenspender mit der selig vor sich hinrauchenden Omi. Es hatte was von „die Zigarette (oder eben der Zigarillo) danach“. Ich dachte nur: Die meisten wären um die Ecke gefahren, aber sich nicht auf dem Präsentierteller niedergelassen. Aber diese Omi nicht. Sie pfiff einfach drauf, was irgendwer denken könnte. Ich hoffe, es war in der Tat „der Zigarillo danach“. Das würde ich ihr wünschen.

So wäre ich auch gerne. Also nein, nicht Zigarillo rauchend…und ich brauche auch keine Vibratorenwerbung neben meiner Sitzfläche. Ich meine vielmehr diese Nonchalance. Ich arbeite auch daran, so ist es nicht. Dennoch bin ich sehr normenbehaftet, was manchmal schon lächerliche Züge annimmt. Was „man“ nicht alles tut bzw. besser lassen sollte, davon könnte ich stundenlang berichten. Sich ordentlich zum Deppen machen, mal nicht so erwachsen sein, das würde ich mir wünschen. Und dabei dann am besten noch so cool wirken wie das Ömken. Hätte doch was, oder?

Auch wenn ich mir – wie bereits früher schon geschrieben – keine festen Vorsätze für ein neues Jahr vornehme, finde ich geplante Veränderung durchaus erstrebenswert. Es hat nur nichts mit einem bestimmten Jahr zu tun. Daher nehme ich mir vor, verrückter zu sein, auf mein Herz bzw. Bauchgefühl zu vertrauen und über missbilligendes Kopfschütteln herzlich zu lachen. Ich muss nicht völlig das gute Benehmen vergessen, aber einfach mal zu mir stehen.

Der innere Schweinehund

Och jo, jetzt werden viele nicken und sagen: Den kenn´ ich auch. Aber wirklich darüber sprechen tut man eher wenig. Warum? Weil wir uns wohl alle schämen. Was ist denn eigentlich der „Schweinehund“? Interessant wird es, wenn man sich mal anschaut, woher das Wort an sich kommt. Gut, jeder kann Wikipedia bemühen. Aber es ist schon erstaunlich, dass es wieder mal ein typisch deutsches Wort ist, das nicht in andere Sprachen übersetzt ist. Genau so, wie unser nettes Wort „Rabenmutter“. Gibt es in keiner anderen Sprache – nur bei uns. Was sagt das aus? Wir schauen mit Freude auf alle Defizite, mögen es, zu bewerten und katalogisieren.

Im Grunde reden wir beim Schweinehund immer davon, etwas überwinden zu müssen. Meist klingt es so, als sei man zu faul für etwas. Ich gebe zu, beim Sport ist das tatsächlich bei mir der Fall. Ich kann es nicht ausstehen, mich körperlich zu quälen. Also kein „Shades of sports“ für mich. Nö. Ich leide aber nicht per se an Faulheit. Wenn ich genau darüber nachdenke, ist es im sportlichen Sinne eher der Unmut, nicht sofort alles perfekt zu können. Viel besser fände ich es, wenn alles sofort schon glücken würde. Und ich verabscheue es, so richtig zu schwitzen. Ja klar, narzisstisch, verrückt, weltfremd…ich kann diese Liste beliebig fortführen. Ich denke jedoch, dass es von außen betrachtet immer leicht zu bewerten ist. Die Frage ist doch vielmehr, woher diese Denke kommt?

Nun ist Sport aber gar nicht mein Thema. Nehmen wir andere Dinge, bei denen ich den „Schweinehund“ überwinden zu müssen glaube. Mir geht es in der Tat weniger darum, eine etwaige Willensschwäche zu überwinden, denn das ist garantiert nicht meine Herausforderung. Ich bin so was von willensstark, was schon manche leidvoll erfahren durften. Es ist eher die Angst davor, zu vermessen zu sein, nach den Sternen zu greifen, arrogant zu wirken. „Was meinst Du eigentlich, wer Du bist?!“ Das ist mein „innerer Schweinehund“. Wieso muss eigentlich immer ein Stempel auf alles gedrückt werden? Wieso ist man automatisch faul, wenn man etwas Bestimmtes nicht tut?

Hinter den meisten Dingen, die wir nicht probieren, liegt wohl eher die Angst vor dem Scheitern. Und ist das so was Schlimmes? Für mich schon. Ich mache mich gerne bewusst zum Deppen. Das finde ich lustig und verfolge dabei das Ziel, andere zum Lachen zu bringen. Aber richtiges Scheitern??? Aua, darauf habe ich so was von gar keinen Bock. Dabei lerne ich aus solchen Begebenheiten immer am meisten. Trotzdem: Wer rammt sich schon gerne selber Nadeln in den Körper (jaja, ich weiß, auch diese Menschen gibt es!)? Ich tu´ mir nicht gerne vorsätzlich weh. Und wenn ich es nicht ausprobiere, dann kann auch nichts schief gehen und nichts weh tun. Nichts, außer dieser gähnenden Langeweile, dem Zweifeln und den „Was wäre wenn“-Spielchen…

Hm, scheint also, ich bin doch auch ein wenig masochistisch? Nein, kein „Shades of irgendwas“, darauf ziele ich so gar nicht ab. Die Angst, zu scheitern, die Angst, zu hoch hinaus zu wollen, die Angst davor, was andere denken könnten…die lähmt. Es ist weniger Faulheit, und ich denke, das gilt für die meisten. Ein bisschen gnädiger dürfen wir schon zu uns sein, oder? Das letzte Jahr und vor allem die Zeit in Peru sollten mich gelehrt haben, mich mehr zu trauen. Und dann bin ich doch wieder zu schnell im ewig gleichen Fahrwasser angekommen. Es wird wohl Zeit, das wieder zu verlassen. Es muss ja nicht immer das gegen-den-Strom-Schwimmen sein, aber abseits des Stroms ist auch schon mal ein Anfang, oder? Ich bin gespannt, was die Zeit bringen wird und wieviele Scheinehunde ich meinerseits zum Metzger bringen kann.

Ist ein Einhorn „zu viel“?

Das neue Jahr ist da. Und wie ich es begrüßt habe! Das Ende des Jahres habe ich ruhig eingeläutet – nein, keine Geburtstags-Depression. Aber nach klassischem Feiern war mir nicht zumute. Kurzfristig habe ich Jumanji geschaut, was wirklich ein Augenschmaus ist. Ich vermisse Robin Williams, aber mal ehrlich: Dwayne (the Rock) Johnson ist eine willkommene Ablenkung. Er ist nicht sonderlich tiefgründig, aber hey, dafür ein Fest für die Augen! Die Frau hinter mir empfand das wohl in einem noch stärkeren Maße. Hallelujah, war die drauf!

Als ich dann zeitig ins Bett krabbelte (ca. 23 Uhr) und dachte, dass ich nach kurzem Lesen noch vor dem Neujahr schlafen könnte, habe ich diese Rechnung ohne die anderen Menschen in Aachen gemacht. Im Innenhof ging die Knallerei ab 23:20 Uhr los. Da ich aber zur Straße hin schlafe, ist mir das wurscht. Ääääh, die auf der Straße meinten aber, wir müssten das neue Jahr mit dem ganzen Arsenal beschießen, was es auf dem legalen und ebenso vermutlich Schwarzmarkt zu kaufen gab. Da man(n) dafür mehr Zeit braucht, haben diese Knallköppe bis 4:10 Uhr benötigt, aber auch wirklich alles zu verpulvern. Es ist herrlich entspannend, wenn man das neue Jahr mit Mordgelüsten beginnt. Ich habe überlegt, was ich mir zum nächsten Geburtstag wünschen kann: Einen Baseballschläger. Hätte ich über diesen jetzt schon verfügt, wäre ich wohl rausgerauscht. Bis 4:10 Uhr hatte ich ausreichend Zeit, mir in allen Farben auszumalen, wie ich mit so einem Ding auf die Übeltäter einprügel. Jaja, Gewalt ist keine Lösung. Böllern bis 4:10 Uhr aber auch nicht. Überall wird Angst und Hass geschürt, was uns nicht alles weggenommen wird, weil die Flüchtlinge da sind. Uns bliebe gar nichts mehr. Und dann werden mal ebenso Millionen in die Luft geschossen. Ich liebe Feuerwerk, keine Frage, aber muss es so verdammt viel sein? Es liegt auch nicht nur an meinem Alter, sondern auch Fakten belegen es: Es wird von Jahr zu Jahr mehr. Wenn es uns doch sooo schlecht geht, frage ich mich, woher die Kohle berappt werden kann?

Das neue Jahr führt mir eine Frage deutlich vor Augen: Wie viel ist „zu viel“? Die Grenzen scheinen sich komplett verschoben zu haben. So auch in der Mayerschen Buchhandlung, wo ich am 2. Januar mit einer Freundin war. Ich höre ein Geräusch, blicke hoch und entdecke dabei auch den Erzeuger. Niemand scheint es zu registrieren, aber ich täusche mich. Meine Freundin fragt, ohne aufzublicken: „Ist es das, was ich denke?“ Ich muss die Perlen, die sich so langsam ihren Weg nach oben bahnen wollen, wieder versenken, damit ich nicht schallend loslache. Ja. Dieser Mann hat ohne jeden Zweifel mal richtig ordentlich einen abgerissen. Nicht leise oder kurz, sondern mit ordentlich Kawumm. Mitten in einer Buchhandlung. Und er scheint sich nicht mal zu schämen! Vielleicht ist das sein verspäteter Silvesterkracher?

Um ein deutliches „zu viel“ handelt es sich auch bei meiner nächsten Bahnfahrt. Durch den Sturm fallen einige Züge aus, weshalb alles übervoll ist. Ein Asiat sitzt in einem Vierer und versperrt mit seinem Koffer zwei Sitze, da dort niemand mehr seine Beine parken kann. Zugegeben, die Züge sind mittlerweile so dämlich konzipiert, dass die Kofferablage zu kurz für Koffer ist, aber das könnte man dennoch anders regeln. Ich quetsche mich dann aber auf den Sitz direkt am Fenster – ihm gegenüber. Es ist ein Fehler. Noch kann ich es nicht benennen, aber ich bin mir sicher. Und dann kommt mein „zu viel“. Er popelt und popelt, dass ich befürchte, er stößt auf Öl, wenn er so weitermacht. Er schaut, inspiziert, popelt weiter. Und dann? Streicht er den Finger an seinem Sitz ab! Ich bin sprachlos, angewidert und irgendwie auch fsaziniert. Wie jenseits muss man eigentlich sein, um sich so ungeniert aufführen zu können? Und dann geht die Reise seines Fingers wieder weiter. Wieder ins Nasenloch. Irgendwann fördert er ein Taschentuch zutage. Er hat ein ganzes Päckchen davon, der Doof! Warum streicht er es dann vorher noch am Sitz ab? Und wie soll ich mich verhalten? Soll ich sagen: „Herzchen, wenn Du nicht mit dem Taschentuch über den Sitz gehst, werde ich das gleich mit Deinem Gesicht erledigen!“? Und wenn er kein Deutsch spricht? Auf Englisch bekäme ich es eventuell noch hin, aber mein Spanisch reicht dafür nicht aus. Und wieso, bitte, habe ich Latein in der Schule genommen? Die Sprache ist ja ganz tot. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich an Ekelfaszination leide. Wenn ich was ganz Fieses sehe, wenn ich Fremdscham für andere empfinde, dann muss ich da immer wieder mal hinschielen. Bei Unfällen auf der Straße oder dergleichen habe ich das nie. Nur wenn ich unterwegs bin in Cafés, Veranstaltungen, im Zug… Zum Glück neige ich nicht zu Herpes. Aber mal ehrlich: Wie verhält man sich da korrekt?

Als ich schon zweifel´, dass nun wirklich die ganze Welt auf jegliche Etikette verzichtet, sehe ich beim Aussteigen einen jungen Mann, der eine Tasche und einen Rucksack trägt. In seinem Rucksack steckt ein Einhorn. Nein, das ist keine Tierquälerei, weil es ja ein Stofftier ist. Ein Einhorn! Und das bei einem Kerl?! Und so, wie der Rucksack aussieht, hätte er das Tier auch ganz darin verschwinden lassen können, aber nein, er will, dass sein Freund auch was von der Welt sieht. Ist das „zu viel“? Hm…das Einhorn produziert keine Exkremente, es verursacht keinen üblen Geruch und verhält sich still. Es bohrt auch in keiner Körperöffnung herum. Nur ein ziemlich zugepierctes Mädel mit türkisen Haaren quietscht: „EINHORN!!!!!“ Der Besitzer trägt Kopfhörer und bekommt davon nichts mit. Ok, das Quietschgeräusch war deutlich ein „zu viel“ für meine Ohren, aber trotzdem muss ich lachen. Sind wir nicht alle ein bisschen Bluna? Ich für meinen Teil kann da nur kräftig nicken.

„Zu viel“ ist also per se nicht zwangsläufig schlecht, aber bitte, liebe Mitmenschen: Bläht bitte an der frischen Luft, wenn andere Menschen um Euch herum sind, popelt nicht so fies vor anderen in der Nase und streicht es ab…und böllert vielleicht ein bisschen weniger. Damit wäre mir schon ungemein gedient. In diesem Sinne: Frohes Neues!

Ode an 2017???

2017…nun endest Du bald. Ich gehöre nicht zu den Menschen, die sich einen Katalog an unzumutbaren Vorsätzen fürs nächste Jahr diktieren. Wenn ich etwas ändern möchte, dann immer am besten sofort – und nicht immer ab Januar. Was ich aber schon mache: Ich ziehe Bilanz. Und da muss ich seeeehr aufpassen. Meine erste Bilanz war: Was ein verkacktes Jahr?! Wieso hänge ich so in den Seilen? Wieso sind meine Aussichten so…äääh…bescheiden derzeit?! Es ist so einfach, mich da in eine hübsche Endlosschleife zu drehen.

Aber einfach ist ja dann auch wiederum nichts für mich. (Hier fällt mir gerade ein Rechtschreibfehler auf: Laut der Deutsch-Lehrerin meines jüngsten Neffen wird „wiederum“ nicht so geschrieben, sondern: „widerrum“, also gegen den Rum??? Ich liebe unser heutiges Bildungssystem!)

Nun aber zurück zu „einfach kann jeder“, was ich ja nicht so mag. Im Grunde war es ein gutes Jahr. Es verleitet viele – mich leider eingeschlossen – dazu, voreilig zu sagen, wie blöd ein Jahr gelaufen ist, weil bestimmte Dinge nicht ein getreten sind, die man ja unbedingt wollte. Wenn aber alles immer sofort in Erfüllung gehen würde, wäre es ja fad, wie Franz (Bully-Parade) zu sagen pflegte. Ernsthaft. Wenn alle Wünsche sofort Wirklichkeit würden, dann wüsste ich sie auch nicht zu schätzen. Gut, bei dem ein oder anderen Thema würde ich mir vom Universum schon gerne nicht die ständige Keule wünschen, aber im Großen und Ganzen…ist es wohl ok.

Dieses Jahr hatte ich Gelegenheit, eine neue Sprache zu lernen (rudimentär, zugegeben), mich einen Trekking-Pfad entlangzuquälen und dabei nicht zu sterben (und niemanden zu töten – fast noch herausfordernder), von keiner Bullet Ant gebissen zu werden, die Dschungel-Läuse erfolgreich los zu werden, tolle Menschen aus unterschiedlichen Ländern kennenzulernen, einen Paragleitflug zu absolvieren, das Meer mehrfach zu sehen, Motorrad zu fahren, ein weiteres Theaterstück zu schreiben, den Weihnachtsmarkt mit lieben Menschen zu besuchen, Freunde zu sehen, Night of the Proms zu besuchen und und und. Ich habe Zuspruch von Freunden und Bekannten erfahren, was mir sehr viel bedeutet. Also im Grunde…? Ja, das Glas ist definitiv mehr als halbvoll. Es ist längst nicht alles, wie das Böckchen in mir es gerne hätte, aber es ist schön.

In diesem Sinne wünsche ich mir nicht, dass sich alles ändern mag im nächsten Jahr. Ich wünsche mir, meine Freunde zu „behalten“, ihnen gerecht werden zu können und Zeit mit ihnen zu verbringen. Ich wünsche mir selbstverständlich einen neuen Job mit ordentlichen Herausforderungen. Ich wünsche mir wieder Abenteuer und dass ich meinen Schweinehund überwinden muss. Und vor allem wünsche ich mir Gesundheit und Zufriedenheit – zwei Dinge, die ich immer gerne als selbstverständlich hinnehme, die es aber nicht sind.

Und von allem das Beste wünsche ich auch den Menschen um mich herum. Wenn Ihr andere Wünsche habt, fügt sie ruhig an. Wünschen darf man. Achtet nur drauf, dass nicht immer alles (sofort) in Erfüllung geht und mancher Wunsch auch besser unerfüllt bleibt.

In diesem Sinne: Danke 2017!

Entwicklungsfeld

Mein doofer Schuhschrank will am Wochenende nicht mehr so, wie ich das will – tut das im Moment eigentlich überhaupt irgendwer??? Menschen, die mich kennen, werden sich nun vermutlich fragen: Welcher der vier Schuhschränke? Einer aus dem Schlafzimmer – wobei das unerheblich ist. Nun meint dieser böse Schuhschrank also, einfach umkippen zu müssen. Der Boden in meiner Wohnung ist uneben, die Bausubstanz eher schlecht, weshalb also auch eine Verankerung in der Wand fraglich wäre…aber hinzu kommt noch ein Sockel, der überwunden werden müsste. Alles in allem ist also klar: Hier spielt sich ein arges Drama ab.

Nun bin ich aber in Eile, weshalb ich dem Schrank den Mittelfinger zeige und einfach ignorant lostrotte. Ich ignoriere das dumme Ding auch noch einen weiteren Tag – zumal sonntags auch die Wertstoffhöfe nicht geöffnet haben. Es ist ja klar, dass der Schrank weggeworfen werden muss, oder?! Nachts reift dann aber eine Idee (ich weiß, dass ich nachts schlafen soll): Ich könnte das dumme Ding wieder zusammenbauen! Gut, das obere Brett ist rausgebrochen, aber ich – Meisterin des Handwerks – könnte ja links und rechts einen Winkel anbringen. Frohgemut springe (oder krieche – hey, wer hat es da schon mit den Feinheiten?!) am Montagmorgen aus dem Bett, um zu OBI zu fahren. Bis dahin läuft es noch richtig Bombe. Da ich kein Mann bin, ist OBI für mich in etwa so, wie für die meisten Männer ein Schuhladen: Ein Ort des Grauens. Lauter fachmännisch wirkende Männer laufen hier herum. Wahrscheinlich sehe ich schon so aus, als könnte ich nix und hätte noch weniger Ahnung von allem. Bevor ich Schilder lese (tu´ ich auch beim Autofahren nur äußerst ungern), frage ich eine freundliche Frau im OBI-Dress. Und siehe da, die ist auch tatsächlich nett! Gut, hätte ich die Knöppe aufgemacht, hätte ich gesehen, dass direkt der nächste Gang auf der rechten Seite Schrauben, Winkel und so einen Kram aufweist, aber hätte, hätte….Fahrradkette. Ich fange schon an zu lachen und entschuldige mich bei der freundlichen Frau, die aber lächelnd abwinkt und meint: „Ach was, dafür bin ich doch da!“ Ich antworte nicht: „Naja, meine Augen eigentlich auch“, sondern strahle sie an und gehe meines Weges.

Ich sehe Schrauben, Schrauben und…äääh, Schrauben. Und dann erblicke ich endlich Winkel! Juchuuuuu! Welche nehme ich nur am besten? Da ich mich nicht entscheiden kann und mutmaße, so was könne man immer mal benötigen, nehme ich gleich verschiedene Ausfertigungen und ebenso Stückzahlen mit. Man, bin ich stolz auf mich! Da fällt mir ein, ich möchte ja auch versuchen, den doofen Schrank an der Wand zu verankern. Dazu brauche ich laaaaaaaange Schrauben. Warum? Na wegen der Sockel!!! Welche ich nehmen soll? Ich weiß es nicht. Ich nehme irgendwelche. Moooment, mein Vater nimmt ja immer noch Dübel hinzu. Gut, dann nehme ich davon auch noch ein Paket. Die Männer um mich herum scheinen genau zu wissen, was sie nehmen sollen. Mir ist es aber zu peinlich, sie um Rat zu fragen. Es ist so klischeehaft, wie nur irgend möglich. Nachher denken die noch, ich hätte in der Bunten gelesen, so könne man sich einen Mann angeln. Nee…

Da ich ja schon mal hier bin, kann ich ja auch gleich Nägel mitnehmen. Einen Hammer habe ich mittlerweile in meinem Sortiment (es könnte ja mal ein Einbrecher vorbeischneien). Allerdings fehlen mir dazu noch Nägel. Ich schlendere den Gang entlang, bis ich zu den Nägeln komme. Nee, die großen müssen es nicht sein. Ich nehme kleinere. Um nun nicht wieder an all den klugscheißend aussehenden Kerlen vorbei zu müssen, nehme ich den nächsten Gang, gehe diesen hinauf und steuere die Kasse an. Und da fällt mir dann ein, dass ich zwar laaaange Schrauben samt Dübel habe, aber womit zum Henker soll ich die Winkel eigentlich anbringen? Mit Spucke hält so was ja wohl nicht, oder? Ich lache, drehe mich um und gehe wieder in den Schrauben-Dübel-Winkel-Nägel-Gang, nur um auf die Männer von vorhin zu treffen. Ich muss wieder lachen, was mir einen sehr schrägen Blick von einem dieser Herren einbringt. Das wiederum lässt mich noch mehr glucksen. Ich schaffe es dann aber, kürzere Schrauben zu besorgen, bevor der Herr mich maßregeln oder das Sicherheitspersonal rufen kann.

Bestens ausgestattet, beginne ich meine Arbeit. Zum Glück ist der Akkuschrauber noch geladen. Danach hatte ich selbstverständlich im Vorfeld nicht geschaut. Aber hurra! Das Werkzeug ist auf meiner Seite. So, wie fange ich nun an??? Die unteren beiden Schütten sind noch im Rahmen, die drei oberen sind rausgefallen. Wenn ich also nun das Brett oben befestige, kann ich ja nicht mehr die Schütten reinquetschen. Ha, wenn das mal keine bestechende Logik ist! Ich lege den Rahmen hochkant auf die Seite und versuche, die Schütten einzufügen. Es klappt auch – nur halten sie nicht. Ich bringe sie provisorisch zum Halten und bin mir sicher, wenn ich das Abschlussbrett (OBEN!!!) nun anbringe, zieht sich das schon irgendwie fest. Keine Ahnung, wie viele Anläufe ich benötige, bis ich denke, den Schrauberkopf doch besser zu wechseln, aber mit dem nun passenden gelingt es mir tatsächlich, die Winkel zu befestigen. Zunächste habe ich sie ausschließlich am Brett angebracht und darauf geachtet, dass sie bündig mit der Kante abschließen. Da der Deckel aber bündig mit den anderen beiden Brettern abschließt, ist dies natürlich falsch. Mein Akkuschrauber hat auch die Rückwärtsfunktion. Was ein geiles Teil! Ich drehe die Schrauben also wieder raus. Mühsam, wirklich mühsam bringe ich dann aber doch den Deckel oben an, dass die Winkel auch halten. Ein Aufstellen des Schranks ist aber nicht möglich, weil dann immer wieder die Schütten rausdonnern. Da gebe ich mir hier echt alle Mühe, und die doofen Kühe spielen nicht mit. Ich lass´, wie meine Mama immer so hübsch sagt, das Messer im Schwein stecken. Ehrlich, wenn ich jetzt weitermache, bringe ich den Schrank nur noch um…mit dem kleinen Hammer, den ich ja immerhin besitze. Damit oder mit meinem Dickschädel, ich weiß es noch nicht genau. Fakt ist nur, ich muss das irgendwie zusammenbekommen, bevor mein Vermieter Mittwoch in meiner Bude aufschlägt. Aber für heute ist erstmal Schluss.

Nun kommt also einen Tag später die Fortsetzung. Wenn das nicht zackig funktioniert, fahre ich die sterblichen Überreste des Schranks doch noch zum Wertstoffhof. Ich versuche, die Schütten in die Einbuchtungen links und rechts zu stecken, muss aber aufgrund des Nichtgelingenwollens einsehen, dass es nichts wird. Hm… Meine liebe Oma hat früher beim Sticken (was ich auch schon nicht konnte) immer gesagt: „Langes Fädchen, faules Mädchen.“ Was soll ich sagen? Meine Fäden waren immer unendlich lang! Ich hatte doch keine Lust, alle-Furz-Nase-lang wieder einen neuen Faden einzufädeln. So ist es bei mir bis heute. Wenn man sich einen handwerklichen Arbeitsschritt sparen kann, bin ich immer dafür zu haben. So hatte ich gedacht, ich könnte die Frontbretter (was weiß ich, wie ich das anders ausdrücken soll?!?!?!) der Schütten dran lassen, was natürlich nicht ging. Durch den Rückwärtsdrehgang meines Akkuschraubers (immer noch nicht neu geladen und doch noch funktionstüchtig!) drehe ich also die jeweils sechs Schrauben heraus, was bei fünf Schütten immerhin 30 Schrauben bedeutet. Das ist endloses Einfädeln von 180 Fäden oder so. Danach lege ich den Schrankkranz wieder hin und kann so die Knöpfe wieder richtig in die Verankerungen reindrücken. Es gibt aber noch eine Querverstrebung, und der Macgyver in mir sagt: Da müssen links und rechts zur Verstärkung auch noch Winkel dran. Wozu habe ich denn so viele Winkel gekauft?! Richtig, damit sie verbaut werden können. Fachmännisch (und krumm) bringe ich die Winkel an und richte anschließend mein Werk auf. Von außen betrachtet vermutlich völlig krank, aber im Schweiße meines Angesichts (und tausender Flüche) schraube ich im Vorwärtsdrehgang dann die Bretter wieder an die Schütten. Es ist vollbracht.

Aaaaaber, es fehlen ja noch die Winkel ganz oben, mit denen ich den Rotz an der Wand montieren will. Gut, auch diese schraube ich noch fest. Und dann kommt die Stunde der Wahrheit. Ich nehme die langen Schrauben zur Hand und schraube, was das Zeug hält. Hm, kann man machen, kann man aber auch lassen. Die Schrauben halten nicht. Die Dübel lassen sich auch nicht in die nun entstandenen Löcher kloppen. Es rieselt nur einfach die marode Bausubstanz gen Boden. Ich gehe auf die Suche, finde einen Glasuntersetzer aus dünnem Kork und einen Pappkarton. Beides stecke ich vorne unter den Schrank, so dass er sich leicht nach hinten neigt und nicht mehr nach vorne kippelt. ES GEHT!!!

Gut, es darf kein Erdbeben kommen, aber ganz ehrlich? Dann donnert noch mehr zu Boden. Was das handwerkliche Geschick betrifft, würde ich dies als Entwicklungsfeld angeben, sollte man nach meinen Stärken und Schwächen fragen. Klingt irgendwie besser als „absolute Talentfreiheit“, oder?

Ich muss nur wollen!

Die Sonne scheint – zumindest noch. Da mein Hintern voller Hummeln ist (ja, ist ja auch genug Platz), mache ich mich auf in die Stadt. Ein bisschen was bummeln, Leute beobachten, eben all so was. Hinter mir geht irgendwann ein junges Pärchen. Mittlerweile weiß ich nun auch, warum er unmöglich mit Nico und Fred in eine WG ziehen kann. „Ich kenn´ dem Nico sein Standard, und ich kenn´ dem Fred sein Standard. Ich hab´ ja schon mein Standard, aber bei Nico? Wenn der sagt, der Löffel is ok so, dann würd´ ich nich ma drauf sitzen.“ Hätte ich nur all die Jahre gewusst, dass man auf Löffeln auch sitzen kann! Aber so was lernt man nicht im Bildungsfernsehen.

Ich schlendere durch einen kleinen Laden, der lauter nette, kleine Dinge hat. Im Grunde könnte ich hier alles kaufen. Brauchen tu´ ich davon nichts, aber hey, schön sind die Sachen deswegen trotzdem. Es ist alles sehr eng in diesem Lädchen, fast schon wie ein Hindernis-Parcours. Ein Mann will mir den Vortritt lassen, aber ich möchte genau dorthin, wo er nun ist. Ich zeige auf den Schmuck, der dort liegt, und er entschuldigt sich auf Englisch. Süß. Ihn trifft ja gar keine Schuld. Aufgrund der Beengtheit entschuldigt sich seine Begleiterin kurz danach auch noch bei mir – ebenfalls in englischer Sprache. Ich kann es mal wieder nicht lassen und frage die beiden, woher sie seien? New York. Hä? Äääääh, was machen sie dann hier in Aachen? Ich meine, es gibt ja keine Direktroute New York – Aachen? Und auf der Liste „the ten places to be“ steht Aachen auch nicht – soweit ich das weiß. Sie seien derzeit ein paar Tage in Düsseldorf. Vor zwei Jahren haben sie wohl Köln besucht, dieses  Jahr wurde ihnen Aachen empfohlen. Gut, unser Dom ist von innen auch tausend Mal schöner als der Kölner Dom, der allerdings von außen wesentlich mehr hermacht.

Da kommt mir der Gedanke, dass sie unsere Printen probieren müssen. Dafür sind wir ja schließlich bekannt. Aber nicht irgendwelche! Nein, es müssen die von Klein sein, weil die die letzten Printen-Bäcker sind, die noch tatsächlich in Handarbeit herstellen. Die Verkäuferin des Lädchens ist keine Hilfe, weil sie Printen nicht möge. Mir fällt hingegen der Straßenname partout nicht ein. Ich kritzel´ auf Bettys Bahn-Unterlagen das Wort „Printen“, den Namen „Klein“ und erkläre, wie sie vom Puppenbrunnen aus dorthin kämen. Und dann denke ich an meine spektakuläre Orientierung. Die ist fast so gut wie meine Wegbeschreibungen. Die beiden hätten wahrscheinlich jede Menge Spaß, wenn sie so liefen, wie ich es ihnen beschriebe – allein, sie kämen nie dort an.

Kurzentschlossen biete ich mich an, sie dorthin zu begleiten. Sie wirken einfach sehr nett, offen und wissbegierig. Ich denke an meine Zeit in Cusco. Ein paar Insider-Infos fand ich da auch immer schön. Und so schlendern wir drei dann eben gemeinsam durch Aachen, während ich erfahre, dass sie beide bei einem Medizin-Kongress in Düsseldorf sind. Es geht um Rehabilitation, woraus sich ein reger Austausch erstreckt – natürlich mit meinem Lob für die Holländer, die uns in dem Bereich um Längen voraus sind. Zwischendurch zeige ich den beiden, wie sie später zum Dom gehen können, erkläre ihnen den Puppenbrunnen und bringe sie so zu Klein. Die haben am Fenster nur die trockenen Gewürzprinten, aber auf Nachfrage lassen sie die Amis auch die mit Schokolade überzogenen kosten. Gottseidank schmeckt es den beiden. Betty fragt noch, welche ich am besten finde. Ich zeige sie ihr, woraufhin sie drei Tüten kauft und mir eine davon reicht. Als Dankeschön, was ich natürlich nicht möchte. Sie bestehen aber darauf.

Er entschuldigt sich dann irgendwann bei mir für ihren Präsidenten, was ich immer wieder spannend finde. Auch sie sei völlig erschüttert, wie so ein Mensch ihr Land regieren könne. Wir reden über alles mögliche, bis Betty irgendwann meint, ich hätte so waaaaahnsinnige Ähnlichkeit mit Meryl Streep, ob ich die kenne? Klar, ich bewahre als ihr Double natürlich ihre Oscars für sie auf. Auch das erinnert mich an Cusco, als die liebe Ellie mich auf meine Ähnlichkeit zu Brené Brown aufmerksam gemacht hat. Ich scheine ein Allerweltsgesicht zu haben…wer also ein Double braucht: Einfach kurz Bescheid geben

Zum Abschied umarmen wir wildfremden Menschen uns einfach, wobei Betty mir noch sagt, dass alles Gute im Leben zu einem zurückkomme. Und es sei unwahrscheinlich lieb und toll gewesen, dass ich mir Zeit für sie genommen hätte. Ääääh, so was überrascht mich immer wieder. Es war ja nicht uneigennützig von mir. So konnte ich Englisch quatschen, hatte intelligente Gesprächspartner und habe spannende Dinge erfahren. Und ja, ich habe leckere Printen abgestaubt, aber das war keineswegs meine Intention.

Ich denke wieder an Peru, wie leicht ich mit anderen Menschen ins Gespräch gekommen bin und wie wohl ich mich dort gefühlt habe. Ich vermisse dieses Land und seine Leute, aber stelle auch fest, dass – wenn ich mit etwas Zeit und offenen Augen durch die Stadt laufe – ich auch hier auf fremde, interessante Menschen treffen kann. Ich muss es nur wollen…also will ich mal!

Fummeln is´ nich!

Ich will zum Amt, genauer gesagt zum Amtsgericht. Keine Ahnung, wieso, aber irgendwie flößen mir diese Bauten Respekt ein. Hier in Aachen ist es ein riesiger Protzklotz, weil es in einem auch das Justizzentrum ist. Ich schlendere also hinein in den Innenhof, sehe einige Leute piefenderweise davorstehen und begebe mich hinein. Und da erstreckt sich schon die erste Schlange. Das ist mir neu. Ich war schon mal hier. Zuletzt musste ich eine Aussage zu einem Iraker machen, der seinerzeit die komplette technische Ausstattung des Internetradios zunichte gemacht hat, wo ich gearbeitet habe. Dabei fällt mir ein, wie lange das schon her ist! Ok, in acht bis neun Jahren dürfen sich die Abläufe hier auch mal ändern.

Ich schaue mich um, als sei ich beim Metzger oder beim Straßenverkehrsamt. Was ich suche? Die Rolle mit den Abrisszettelchen. Mehr als einmal habe ich es schon geschafft, mich irgendwo anzusetzen, dabei aber gar nicht registriert, dass man ein Märkchen ziehen muss. Ist herrlich, wenn einem das nach ca. einer Stunde erst auffällt und man die eh schon lange Wartezeit drastisch verlängert. Aber hier steht weit und breit kein Automat, wo man so was ziehen könnte. Es geht noch old school zu. Einfach ans Ende der Schlange stellen. Oooooh, ich hätte Jura studieren sollen. Die Juristen dürfen nämlich links durch eine Tür gehen und werden durchgewunken. Aber das hätte bedeutet, ich wäre einige Semester lang von Juristen umgeben gewesen. Ääääh, nein, das Opfer erscheint mir dann doch viel zu groß. Juristen sind ein eigenartiges Völkchen, aber das sage ich mal lieber nicht zu laut, weil ich sonst eine Klage am Hals habe.

Direkt hinter mich stellt sich ein Opi. Keine Ahnung, woran es liegt: Vielleicht dufte ich heute besonders gut? Oder er ist kurzsichtig? Oder er hat Kuschelbedarf? Oder ist es ganz schnöde Zeitdruck, der den Opi auf das schmale Brett setzt, mir auf die Pelle zu rücken. Das kann ich ja so gar nicht leiden. Na gut, wenn er jünger wäre, größer, Single… Nee, selbst dann vermutlich nicht so penetrant. Die Reihe schiebt sich langsam vorwärts, während Opi immer viel zu nah aufrückt, bis ich schließlich vor der Glastür stehe. Ein grünes Licht rechts neben der Tür signalisiert mir, wann ich eintreten darf. Noch steht alles auf rot. Was machen Farbenblinde in so einem Fall??? Vor mir kann ich beobachten, dass es wie am Flughafen zugeht. Draußen steht auf einer Tafel auch, man könne alles etwas beschleunigen, wenn man Gürtel und Uhr schon mal vorsorglich auszöge, bevor man durch den Detektor gehe. Ich trage keinen Gürtel, also fummel´ ich schon mal an meiner Uhr herum. Hier laufen bestimmt auch einige Straftäter herum, weshalb diese Kontrolle wohl gerechtfertigt ist.

Die grüne Lampe erstrahlt und ich gehe beschwingt mit einem fast schon geflöteten „Guten Morgen“ hinein. Die beiden männlichen Beamten nicken nur. Mmmh, ich lege meine Tasche in den Korb, packe meine Uhr dazu, lege meine Jacke und Schal hinzu, denn ich will ja hier nicht den Verkehr aufhalten. Alles zackig, zackig. Die Schlange draußen ist nämlich nicht unerheblich. Und dann gehe ich durch den Detektor. Und was? Na klar piept er! Ich drehe mich lächelnd um und sage zum Beamten: „Ich würde ja meinen Gürtel ausziehen, aber ich trage heute keinen.“ Daraufhin er: „Das ist schlecht für Sie.“ Ah ja. Ist das so? Diese doofe Hose hat vielleicht keine Schlaufen, also wo soll ich da bitteschön einen dämlichen Gürtel durchziehen? Aber das sage ich nicht. Nachher ist der noch schlecht drauf  und belehrt mich. Darauf habe ich keine Lust. Mir geht ein Licht auf, ich grinse und sage: „Jetzt weiß ich, was den Detektor ausgelöst hat, aber ich glaube nicht, dass Sie das erfreuen wird!“ Er schaut mich nur unbeeindruckt an: „Ich kann es mir auch denken, aber das ist egal. Wir müssen jetzt auf die Kollegin warten. Ich kann da gar nichts machen.“ Ich grinse breiter: „So so, das nenne ich mal eine nette Einstellung. Ich kooperiere hier, aber Sie verweigern sich.“ Nun schmunzelt sein glatzköpfiger, echt leckerer Kollege. Der andere (deutliche ältere) sagt: „Selbst, wenn Sie mich darum bitten würden, dürfte ich das nicht machen.“ Ich schau´ den leckeren Beamten wieder an und sage: „Und da wunder´ ich mich, dass ich Single bin. Haben die Kerle mal die Chance, sind sie zu feige, diese zu nutzen.“ Das lässt beide leicht kichern. Derweil wird die Schlange draußen länger. Der alte Kollege wieder (keine Ahnung, ob der ohne Haare auch ohne Stimme ist?): „Gehen Sie doch bitte noch mal durch den Detektor zurück.“ Ich: „Dadurch wird das Piepen nicht aufhören.“ Er: „Richtig, aber wir können weitermachen,  bis die Kollegin herkommt.“ Ach, das Leben ist schön. Ich gehe also wieder zurück, und es piept auch wieder. Kein Wunder, bei mir piept es ja regelmäßig.

Just in diesem Moment betritt die Kollegin den Raum. Ich muss also prompt wieder umdrehen. Ich lächel´ die Frau an und sage: „Ihre Kollegen sind unkooperativ. Die haben Angst vor einem Bügel-BH!“ Sie grinst zurück und sagt: „Typisch Männer. Die haben wahrscheinlich noch nicht mal gefrühstückt. Alles muss ich selber machen.“ Glatzkopf grinst und grinst, während die Frau mich abtastet. Und natürlich ist es der Bügel-BH. Da die Frau so nett ist, rede ich weiter mit ihr: „Was soll ich denn machen? Einfach alles hängen lassen, ist ja auch keine Alternative, oder? Da würde ich wahrscheinlich auch Ärger bekommen.“ Sie grinst sich einen ab: „Ich kenne das Problem. Da können die Kerle nicht mitreden. Sie sind sauber. Sie können gehen.“ Sauber? Es ging hier doch nie um meine Sauberkeit?! Nur um Metall! Ich bedanke mich bei der Dame, nicke den Männern zu und sage: „Ein bisschen enttäuscht bin ich schon, aber dann bleibe ich eben Single.“ Woraufhin der Alte sagt: „Wenn ich das gemacht hätte, würde mein Mann mir Zuhause die Hölle heiß machen!“ Daraufhin müssen wir alle lachen, denn wenn eines sicher ist: Dieser Mann ist keinesfalls schwul.

Ich gehe breit grinsend raus, wohl wissend, dass ich den gesamten Verkehr lahmgelegt habe und von den Menschen in der Schlange vermutlich für eine Kriminelle gehalten werde. So ein Amt ist schon lustig, oder? Da meint man immer, da gäbe es nichts zu lachen, aber dann kommen so Dööspaddel wie ich daher und sorgen für Stimmung. Das sollte ich mal als Beruf anstreben: Behördenlahmlegung. Darin wäre ich bestimmt spitze. Irgendwas wird sich schon finden…ich muss nur lange genug suchen.

Unverbindlichkeit

Was ist das nur mit den Firmen? Sie schreiben Stellen aus, die es dann nachher gar nicht gibt. Klingt auf den ersten Blick lustig. Ist es aber nicht, wenn man gerade sucht. Nun ist es wieder einmal passiert. Nein, ich habe keine Absage erhalten. Aber aus den Pressemitteilungen hätte ich garantiert mitbekommen, dass sich derzeit einiges umstrukturiert. Solange sei nun auch die Stelle erstmal wieder gestrichen. Sobald sich die Struktur realisiert hätte, kämen sie auf mich zu. Ääääh…da bleibt die Frage: Habe ich dann noch Interesse???

Die Zeiten sind schnelllebig geworden. Das kriegt jeder mit. Ich bewundere die Totalaussteiger, die auf einem Segelboot durch die Meere schippern und allem Irdischen angeblich entsagt haben. Aber mal ehrlich: Von irgendwas müssen die ja auch leben? Sie können Fische fangen und essen, aber sie brauchen doch trotzdem Trinkwasser, andere Lebensmittel, Öl für Lampen, Segeltuch, Taschenlampen, Geld für Liegegebühren, wenn sie mal einen Hafen ansteuern und jede Menge mehr. Also müssen sie vorher schweinereich gewesen sein oder fett geerbt haben. Beides trifft nicht auf mich zu. Außerdem wäre mir das zu unsicher. Ich arbeite auch tatsächlich gerne. Verständnislos höre ich zu, wenn Menschen mit Mitte 30 schon losfutern, sie werden niemals bis zum Eintritt des offiziellen Rentenalters arbeiten. Wenn ich kann – also gesundheitlich – und ein Arbeitgeber mich beschäftigt, hoffe ich darauf, solange arbeiten zu dürfen.

Was mir nur langsam echt gewaltig stinkt, sind die Firmen bzw. deren Personaler. Ich habe auch da nette Menschen kennengelernt, keine Frage. Aber wie viele sich bislang schon nicht an Absprachen gehalten haben, bis wann sie sich zurückmelden, kann ich langsam nicht mehr zählen. Und dann diese Eskapaden mit den Stellen, die ausgeschrieben, dann aber doch gestrichen werden, gehen mir mächtig auf den Zeiger. Verbindlichkeit scheint echt aus der Mode gekommen zu sein. Der positiv denkende Teil in mir sagt sich: Prima, es werden all die faulen Eier aussortiert. Für so eine Firma willst Du doch auch nicht arbeiten. Der zweifelnde Teil in mir sagt: Gibt es denn noch einen Arbeitgeber, der wirklich gut ist und passt?

Nein, ich verzweifel´ nicht. Ich ärgere mich lediglich über die Art, wie man als Bewerber behandelt wird. Es heißt immer, es kostet ein Unternehmen viel Zeit und Geld, gute Mitarbeiter zu finden. Tja, es kostet einen Bewerber viel Zeit und Nerven, sich auf dieses blöde Eiertanz-Gespiele einzulassen. Das ist echt nicht mehr lustig! Da kann ich noch so viel am Meer entlanglaufen, mich erden oder was sonst noch tun. So stumpf kann man gar nicht werden, das alles an sich abperlen zu lassen.

Die Suche geht weiter…und mein Frust darüber vermutlich auch. Am Ende wird alles gut, ich weiß.

Was das Meer so anspült…

Die Sonne scheint – auch am Meer. Auch wenn ich feststellen muss, dass mal wieder halb Oche in Zeeland versammelt ist. Macht nichts, denn ein paar Holländer sind auch zugegen. Und wenn die praate, geht mir das Herzchen auf. Dazu dann Kibbeling, Pommes und Chocomel… Diabetes, was willst Du mehr? Gekrönt wird das ganze von Wind, viiiiel Wind. Leider veranlasst das natürlich auch den ein oder anderen, sich im Drachensteigenlassen auszuprobieren. Einer hätte uns tatsächlich fast auch erwischt, aber eben nur fast.

Das Meer macht mich immer melancholisch und glücklich zugleich. Es ist immer in Bewegung, ackert unermüdlich und macht die allzu großen Sorgen plötzlich sehr klein. Was sind wir schon alle verglichen mit dem großen, weiten Meer? Winzige Sandkörner, mehr nicht. Das macht es erträglicher und gleichzeitig auch erschreckender. Ich kann dem Rauschen stundenlang lauschen. Hier fällt es mir Sabbelfott auch in der Tat nicht schwer, einfach mal zu schweigen. Das Meer übernimmt das Reden. Es rauscht heran und bricht sich und erzählt so seine ganz eigene Geschichte. Wenn es nicht so kalt wäre, würde ich fast geneigt sein, morgen in aller Herrgottsfrüh aus dem Bett direkt an den Strand zu springen, um zu schauen, was über Nacht angespült wurde. Aber ich kann mich so gerade noch beherrschen.

Ich weiß, in meinen Sturm- und Drangzeiten – also vor 14 Tagen – wurde mal ein Kuhkopf angespült. Keine Ahnung, warum es immer die morbiden Dinge sind, die so die Runde machen? Was fasziniert die Menschen nur daran? Das ist, wie mit den Thrillern, die immer blutrünstiger werden, was Elke Heidenreich bestürzt und abartig findet. Keine Ahnung…ich mag diese Art Literatur auch. Muss das immer unbedingt eine Aussage haben? Ich lese auch gerne Heile-Welt-Romane, mittelalterliche Bücher und vieles mehr. Bin ich deswegen wohl eine gespaltene Persönlichkeit? Äääh…ich glaube, dafür gibt es andere Hinweise. Dazu reicht keine Literaturauswahl aus.

Ich genieße nun einfach mal die Stunden am Meer, spaziere am Strand entlang und lass den lieben Gott ’nen guten Mann sein. Hat der auch mal nötig bei all dem Brass, den der immer so hat.