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Mut – wir leben doch!

Ääääääh, ja, neue Erkenntnisse habe ich gewonnen: Man, bin ich normal! Vielleicht langweilig, aber doch eher herrlich normal. Mannomann. Ich wollte das gestern ja probieren. Und ja, es war nicht das Schlimmste, was ich je erlebt habe. Und doch: Wie können manche Menschen einfach nur solche Jammerlappen und Opfer sein?

Es ging bei meinem gestrigen Webinar um die Kraft der Frauen. Gefühlt war aber genau diese nahezu permament abwesend. Puh. Was ich da so alles gelesen habe, war schon erschreckend. Dabei fing es erstaunlich an: Nahezu 6.000 Frauen hatten sich im Vorfeld angemeldet und sind dem Ruf der Paartherapeutin/Coach gefolgt. Das ist schon eine Menge, der ich Respekt zolle. Die Dame hat ein angenehmes Äußeres und eine einnehmende Stimme. Etwas, das mich allerdings sofort stört: Sie ist mindestens gebotoxt. Eine Frau, die mit 58 Jahren nicht dazu stehen kann, Falten zu haben, kann mich nicht wirklich für sich einnehmen. Sie hat tolle Augen und strahlt. Mimik ist allerdings nicht wirklich möglich. Ich weiß, ich bin da echt sehr voreingenommen. Wenn mir jemand sagen will, dass wir alle Kriegerinnen und Göttinnen sind, sich selbst dafür aber was-weiß-ich ins Gesicht injizieren lässt, ist für mich nicht mehr glaubwürdig.

Und nein, ich liebe meine Falten auch nicht sonderlich. Manchmal schaue ich in den Spiegel und sage mir: Diese Falten brauche ich nicht! Oder: Mei, wie schön war die Zeit, als die Haut noch straff war! Aber dann zucke ich mit den Schultern und denke mir, ich habe ja auch schon ein Stück Weg hinter mir. Der Schlaganfall meiner Mom und die Zeit danach haben mir viele graue Haare eingebracht, die ich natürlich auch wegfärbe. Doch mir für meine ausgeprägte Mimik was in die Visage spritzen zu lassen, kommt nicht infrage. Meine 32-jähirge Kollegin lässt sich auch schon Botox spritzen. Nicht viel, wie sie sagt. Doch es habe den tollen Nebeneffekt auf die Psyche, weil es sich wohl positiv auswirke, wenn man nicht böse/konzentriert schauen könne. Hm…ich mache das ja ständig: „Wenkbrauwe fronsen“, wie die Holländer das in der Reha meiner Mom damals so schön gesagt haben. Ich ziehe ständig die Augenbrauen zusammen. Und ja, da zeigen sich die tiefsten Falten. Aber wie sagte letztens eine andere Ausbildungsteilnehmerin: „Bei Dir sieht man in erster Linie Lachtfältchen.“ Stimmt – also neben meinen Konzentrationsfalten. Und meine Stimmung ist in der Regel sehr gut. Daher erlaube ich mir einfach, weiterhin die Augenbrauen zusammenzuziehen und nicht zu entspannen, weil meine Laune trotz dessen immer noch gut ist.

Ja, es muss jeder/jede selbst wissen, was er/sie mit ihrem Körper und Gesicht anfängt. Wer sich was spritzen oder operieren lassen will, soll das tun. Es ist nicht meins. Und für mich leidet die Glaubwürdigkeit einfach, wenn mir eine was übers Leben erzählen will und wie man inneren Frieden in sich und mit sich selbst finden kann, der noch nicht mal Bewegung in seine Stirn bringen kann. Nö. Aber da ich ja nicht dazu neige, etwas sofort abzubrechen, möchte ich dem hier eine Chance geben (oder einfach nur weitere Punkte sammeln?).

Die Dame berichtet von Schmerz. Wer habe denn schon einmal Schmerz erlebt? Natürlich quillt der Chat (anders können die Teilnehmer sich nicht zu Wort melden) vor Bestätigung über. Hm, das hat amerikanische Züge, die ich nicht mag. Jedes Kind ist schon mal hingefallen, also kennt man ab da spätestens Schmerz. Dumme Frage also. Und ja, ich kenne das Mittel der rhetorischen Frage. Ich bezweifel´, dass das hier wirklich so gemeint war – und noch mehr, dass das die Mehrzahl hier überhaupt verstehen würde.

Es gehe darum, sich zu spüren, den Schmerz zuzulassen usw. Und schwups, sprießt wieder einiges im Chat. Hoppla. Wer sich da alles nicht spüren kann! Ich schüttel´ den Kopf. Wie bitter das Leben doch ist, zeigt sich in all dem Geschriebenen. Puh, hier wird man ja depressiv vom Lesen! Meine Freundin, die mir den Link weitergeleitet hat, ist schon soweit, das Webinar zu verlassen. Och, ich will mich noch was amüsieren und schreibe in all den Selbstmitleidmist rein, dass ich glücklich und zufrieden sei. Ok, das ist provokant, aber eben auch ehrlich. Es geht mir echt gut. Und in solchen Momenten merke ich das umso stärker. Allerdings werde ich ignoriert. Klar, es ist schöner, auf den Jammerzug aufzuspringen. Hätte sie den Kurs doch „gemeinsames Jammern“ genannt. Dann wäre ich auch nicht hier erschienen. Es geht bestimmt einigen hier wie mir. Aber da schämt man sich fast, wenn es einem gut geht.

Das ist ohnehin so ein Phänomen: Früher habe ich mich sehr oft zurückgehalten, wenn Leute sich nur in ihrer Opferrolle ergangen haben. Ich habe mich nicht getraut zu sagen, dass ich das Leben schön finde. Gemeckert habe ich nicht, aber eben auch nichts Positives gesagt, damit der andere sich nicht noch schlechter fühlen musste. Mit welchem Resultat? Es ging mir anschließend schlechter, ich war gedrückter. Warum eigentlich? Völliger Schwachsinn! Und nein, ich habe auch kein Prinzessinnenleben, sondern ein recht unspektakuläres, in dem manche Träume nicht erfüllt wurden. Und doch fühlt es sich gut an…und so, dass ich Einfluss auf mich und mein Leben nehmen kann. Das scheinen die Frauen hier zum Großteil vergessen zu haben. Sie reden von Mauern, von Männern, die sie nicht sehen usw. Na, wenn sie sich selbst nicht sehen, wenn sie selbst so gar nicht aktiv werden wollen, weil Meckern so viel leichter ist, dann dürfen sie das. Ich kann es nur nicht verstehen.

Eine andere Freundin schreibt mir, dass sie auch da sei. Sie verfüge schon über einiges an Mut. Daher habe sie sich nur bestätigt gefühlt, auf dem richtigen Weg zu sein. Stimmt. Sie spricht mir aus der Seele. Ich brauche diese Wackersteine um meinen Hals auch nicht. Ich weiß, was ich kann und auch, was ich bestimmt noch zu tun und lernen habe.

Die Meditation mache ich noch mit…oder vielmehr: Ich bekomme den Anfang mit und dann wieder das Ende. Dazwischen muss ich entspannt weggedöst sein. War auch schön. Die engelsgleiche Atmosphäre habe ich nicht gespürt. Auch nicht die Energie all dieser Frauen. Und darüber bin ich sogar auch sehr froh, denn ich will auch nicht all die Negativität fühlen. Ich warte nur auf den Clou, der dann auch kommt: Das hier war erst der Anfang. Es geht weiter, wer das mag – und das nötige Geld locker machen will/kann. Klar, wir müssen alle sehen, wo wir bleiben. Aber für diesen Mist würde ich keinen Cent hinlegen. Meine zwei Stunden Zeit habe ich schon hergeschenkt. Mehr gibt es nicht.

Ich wünsche allen Frauen – aber auch Männern – da draußen, dass sie Selbstverantwortung übernehmen und sich ihr Leben nach ihren Vorstellungen gestalten. Dazu braucht es keine Millionen. Es braucht einfach etwas Mut, an sich selbst zu glauben. Daher ende ich mit einem (mir immer wieder liebem) Zitat: „Mut ist nicht, keine Angst zu haben. Mut ist die Entscheidung, dass etwas anderes wichtiger ist als die Angst.“ (Zitat: Ambrose Red Moon)

manches ist für´n Hintern…

Puh, puh, puh…das heutige Thema in meiner Ausbildung ist die „anale Phase“ nach Freud – im Rahmen der Entwicklungspsychologie. Das ist nicht mein Thema. Ehrlich. Und dazu habe ich einen Märchenonkel im Ohr. Der Dozent ist ganz nett…und er weiß eine Menge. Sein Wissen reicht von Naturwissenschaften über Geschichte hin zur Psychologie. Das ist natürlich von Vorteil, aber in Veranstaltungen – wie dieser – eher ermüdend. Wenn er von im Kreis sitzenden Griechen berichtet, die allesamt auf dem Klo sind und dabei debattieren, finde ich das Bild nicht so ansprechend. Und nein, ich bin nicht verklemmt. Aber „Pippi, A-a, Pups“-Gespräche brauche ich nicht. Nennt mich verklemmt…dann lebe ich auch damit. Und dann kommt er mit Worten, wie „Kotstange“, um die Ecke. Sorry, da bin ich jetzt mal raus. Was mich bei der Stange hält, ist das Appen nebenher. Das sind ohnehin immer die lustigsten Gespräche.

Vor meinem Training erhalte ich aber schon einen beruflichen Anruf. Ein Team wartet auf einen Workshop mit mir. Aber alle wollen warten, weil ich das online nicht abbilden kann bzw. möchte. Ansonsten ginge zu viel bzgl. ihrer Organisationsentwicklung verloren. Es ginge natürlich auch eine schnöde Retrospektive, in der nur Fakten abgefragt werden. Das heilt aber – aus meiner Sicht – die ganzen zwischenmenschlichen Baustellen, die sie eindeutig haben, nicht. Und, was soll ich sagen? Sie vertrauen mir und haben einstimmig beschlossen, darauf warten zu wollen, weil sie sich darauf freuen, was ich so mit ihnen vorhabe. Hoffen wir mal, dass ich die Erwartungen erfülle. Aber so was macht mir wahnsinnig viel Spaß.

Das Gute an schlechten bzw. unintressanten Webinaren ist: Ich habe Zeit, meinen Blick schweifen zu lassen. Da es heute richtig schön ist, sitze ich draußen auf meinem Balkon. Und wer lässt sich endlich wieder blicken? Der schöne Eichelhäher. Er landet nicht auf meinem Balkon, sondern im Kirschbaum. Vermutlich ist sein Gehör so gut, dass er auf meine Kopfhörer zugreifen kann. Klar, dass er auch keine Lust auf die anale Phase hat. Oh man, wie gerne würde ich mit ihm jetzt durch die Lüfte fliegen, mir alles mal von oben anschauen. Und dann flitzen die Eichhörnchen emsig hin und her. Mit denen würde ich auch zu gerne mal abhängen. Ja, solche Spinnereien entwickelt man, wenn man allein ist.

Ansonsten entwickel´ ich heute aber auch nichts mehr. Ein paar Telefonate, Abhängen mit meinem Kindle auf der Couch – mehr ist nicht gelaufen. Dafür habe ich jetzt noch ein Webinar. Da geht es aber um Frauenkram, von dem ich Euch hier verschonen möchte. Nein, ich meine damit keine Putzmittelverkaufsaktion…auch keine Sexspielzeuge, Tupper, Thermomix oder dergleichen. Aber wenn ich hier von Meditation schreibe, bin ich nachher doch noch als Esoschnecke verschrien. Ich probiere mal was aus. Und wenn es was zu berichten gibt, schreibe ich darüber. Versprochen! Wenn nicht, bleibt es mein Geheimnis.

Genießt das Wetter vor den Gewittern. Auf die freu´ ich mich ja schon wieder…ich such´ dafür schon mal nach meinem Besen…huiiiiiiiiiiiii…

PS: Es gab in der Tat zwei Aufrufe meiner Seite von China. 😉 Wurde ja auch noch mal Zeit. Corona – hex´hex´!

bissel mehr entspannte Haltung wäre schön

Heute hatte ich soooo viel vor. Ist auch schön, oder? Blöd nur, wenn es Abend wird und man sagen muss: „Morgen habe ich soooo viel vor“, weil man heute den Hintern einfach nicht hochbekommen hat. Alles halb so wild? Finde ich auch.

Sonnenstrahlen wecken mich. Na gut, und Halsschmerzen. Nein, kein Corona (und wieder werde ich überprüfen, ob diese Seite von China aus aufgerufen wird). Es ist schnöde Allergie. Und so langsam reicht es. Die schlimmsten Niesattacken sind vorüber und nur noch Nachzügler unterwegs. Aber dafür nervt der Hals seit zwei Tagen. Auch das geht vorüber, ich weiß.

Nach zwei Tagen harter Arbeit im Home Office (haha), frühstücke ich zunächst in Ruhe und überlege, was ich machen kann? Bei dem Wetter drängt sich Eisessen nahezu auf. Aber leider kann meine Eisess-Freundin heute nicht. Da morgen wieder Schule ist, mache ich einfach heute meinen Einkauf. Und im Grunde mag ich es ja, Menschen zu sehen, da ich seit Tagen wieder niemanden getroffen habe (seit Donnerstag!). Nur sind derzeit so viele aggro drauf. Gestern habe ich dann noch die Mär´gehört, in Bayern würden sie Menschen mit 250 € dafür belohnen, wenn sie jemand anderen anscheißen. Ganz ehrlich: Wer erfindet so einen Mist eigentlich immer? Ich war ja auch schon schwanger mit Zwillingen, hatte was mit einem Priester, habe meinen Job verloren und bin zum „Rumhuren“ zu meiner Sis gezogen. Ich sage ja: Wenn ich alles noch nachholen darf, was ich angeblich schon angestellt habe, dann wird es noch ein aufregendes Leben. Ich frage mich nur immer, wie so etwas entsteht?

Zehn leere Flaschen bringe ich heute vor dem Einkauf zum Leergutautomaten und sehe schon die Schlange. Es ist ein schnöder Donnerstagmorgen – extra nicht 8 Uhr, damit ich nicht von den Angebotsleuten übern Haufen gefahren werde. Nein, es ist ca. 11 Uhr. Aber man könnte meinen, dass gerade alle beim Einkauf sind. Was ich in diesen Zeiten wirklich am meisten liebe, sind die Ehemänner, die von ihren Frauen derzeit aufgescheucht werden, um gemeimsam zum Einkauf zu fahren. Ich kapiere es nicht! Wir sollen weniger Menschen da draußen sein, um besser Abstand halten zu können. Da der Ömmes aber ohnehin zu debil ist, sich in Supermärkten zurechtzufinden, steht er nur im Weg, fasst alles an und wirkt massiv verunsichert. Ähnlich auch das Exemplar am Leergutautomaten. Es gibt drei Stellen, aber nur zwei sind real zu besetzen, denn ganz links steht ebendieser eine Mann, der gleich von zwei Frauen angefeuert wird, den Leergutautomaten zu füttern. Warum die sogar zu dritt unterwegs sind, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich bin mir sicher, er muss eine Wette verloren haben, denn der ganze Einkaufswagen ist voller Leergut. Nicht nur voll, sondern randvoll! Das wird dauern. Und schon dreht sich die Dame in der Schlange vor mir um und kotzt sich bei mir aus: „Wie kann man nur so lange mit diesem Leergut warten? Was sind das für Menschen, die das so lange sammeln?“ Ich zucke mit den Schultern. Es ist mir nicht egal, es ist mir scheißegal. „Mal ernsthaft: Finden Sie das noch normal?“ Ich zucke wieder mit den Schultern und sage: „Na, jeder, wie er mag.“ „Gucken Sie doch mal, Sie haben doch auch nur ein paar Flaschen, ich auch. Muss das denn sein, dass das so viel ist?“ Wenn sie gleich vom Verfall der Menschheit anfängt, wird es schwer, noch durch die Maske zu atmen, weil ich dann vermutlich spucken muss. Aber da hat der Leergutgott ein Erbarmen. Die Dame kann zum mittleren Automaten vorziehen und hört mit dem Gemecker auf.

Ich sehe sie dann leider noch mal im Laden, wo sie eine Frau wegen was anderem belehrt. Zügig schiebe ich meinen Wagen weiter und höre noch, wie sie ergänzt: „Ich will Ihnen ja gar nichts. Ich will nur behilflich sein!“ Da denke ich wieder an den Spruch: „`Lass Dir aus dem Wasser helfen´, sagte der freundliche Affe und setzte den Fisch behutsam auf den Baum.“ Das Gegenteil von „gut“ ist „gut gemeint“. Ich rege mich auch über manches da draußen auf. Und bei den Toilettenpapier-Hamsterkäufen habe ich ja auch zum öffentlichen Angriff geblasen. Aber ansonsten halte ich mich zurück. Klar, verstehe ich manche Menschen nicht. Diese vorhin erwähnten Ehepaar-Einkäufe, damit der Mann nicht allein Zuhause rumdümpelt. Nachher zockt er noch Playstation! Und da die Kinder schon groß sind, erziehen sie eben jetzt ihre Ehemänner. Aber kack´ ich sie deshalb an? Belehre ich sie? Nö. Ich amüsiere mich. Nur ist das wohl etwas, das vielen Menschen gerade abgeht. Ich sehe zwei Männer, die sich gegenseitig ankötten. Warum nur? So viel Aggressionspotenzial. Puh…

Passend dazu erhalte ich ein Musikvideo, dass wir aufstehen und uns wehren sollen. Unsere Freiheit werde so beschnitten…und fraglich sei, ob wir unsere Rechte jemals wieder zurückerlangen. Ehrlich? Auch jetzt noch? Es gibt schon einige Lockerungen. Andere Länder feiern uns für unseren souveränen Umgang. Und hierzulande gibt es immer noch Menschen, die an Verschwörungstheorien glauben?

Ähnlich auch die Einstellung zur Arbeit. Ja, ich finde es auch nicht toll, in Kurzarbeit zu sein. Aber immerhin bekomme ich Geld. Im Gegenzug kann mein Arbeitsgeber sich aussuchen, wann ich zur Arbeit zu erscheinen habe. Und wenn er – wie gestern – kurzfristig was umplanen muss, dann ist das sein gutes Recht. Aber einige deuten das direkt als böse, hinterlistige Machenschaft. Sie hätten schon so was Schönes geplant. Hä? Es ist ja kein richtiger Urlaub, der uns nach wie vor auch noch zusteht und nicht gekürzt wird. Ich mag auch hier manches nicht, was Vorstand und Führung an Verhalten zeigen, wie wenig sichtbar sie sind und den Menschen erklären, was passiert. Aber ich habe keine Kündigung auf dem Tisch. Gestern haben Führungskräfte eines anderen Centers konferiert. Einer hatte Nachrichten vom Betriebsrat, die den anderen nicht gepasst haben. Was haben sie gemacht? Richtig, sich ans Mittelalter erinnert und den Spruch „der Überbringer schlechter Nachrichten wird geköpft“ wörtlich nehmen wollen. Dem ist dann mal eben das Messer in der Hose aufgegangen. Aber er war erschüttert, wie aggressiv und vollkommen asozial seine Kollegen reagiert haben. Immerhin hat sich einer entschuldigt. Der Rest ist schockiert verstummt.

Wo bleiben denn die sozialen Umgangsformen? Unten spielen wieder die Kinder (dieses Mal vier. Ob ich die 250 Öcken einstreiche und sie anzeige – haha!). Die kriegen das nach der Zeit der Isolation auch wieder locker hin.  Klar, wird da auch schon mal geschimpft oder – wie vorhin – heulend nach der Mama gerufen, aber sie spielen miteinander, nicht gegeneinander. Und nein, ich will nicht predigen. Aber ich bin sehr erstaunt, wie manche Menschen sich gebärden. Ihr nicht?

Eso oder nicht, wen juckt’s?

Ein Teilnehmer aus meinem Grundlagenkurs (das ist der Kurs, dessen Teilnehmer ich sehr mag) schreibt in unsere What’s App Gruppe, dass er sich freut, wenn wir uns alle bald wiedersehen – physisch, gesund und makellos. Hmm, das ist ja wieder eine Aufforderung an die Rheinländerin in mir. Also schreibe ich: „Makellos? Ach Du Schande, dann muss ich ja doch noch unters Messer!“ Nur um dann zur Antwort zu bekommen: „Mas-ken-los, nicht makellos! Ohne Makel wären wir doch alle ärmer, oder?“ Ach ja, wie schön das Querlesen doch ist. Das Hirn gaukelt einem so ja manches vor. Und hey, darin ist mein Hirn echt Spitze. Man soll doch für alles dankbar sein. Also danke ich meinem Hirn für so manchen Gag, der da gar nicht steht, es mir aber vorspielt. So macht es mein Leben echt deutlich lustiger, denn das passiert mir regelmäßig. Freud würd’s freuen.

Heute ist wieder so ein eigenartiger Tag. Mein Chef stellt mir einen Skype-Termin ein. Äääääh, ok. Ja, er wolle noch mal mit mir reden… über die Krise, über meine Ideen dazu usw. Hä? Aber gut. Er fragt mich manches, ich antworte ihm. Beispielsweise dass die Ungewissheit das Schlimmste für die Menschen sei. Niemand von der Führungsmannschaft zeige Präsenz. Die Leute seien allein – in ihren Gedanken gefangen, die ganz viel Nährboden für Spekulation böten. Die Realität ist einfach nie so schlimm wie die Phantasie. Und da sagt er – ganz ruhig und aufrichtig: „Du sagst immer, das sei nix für Dich. Aber es bräuchte Führungskräfte wie Dich.“ What the f***?! Nein. Ich habe gar nicht das Bestreben, mit den vermeintlich großen Jungs im Sandkasten zu sitzen und „wenn Du mir den Bagger gibst, kriegste mein Förmchen. Wenn nicht, hau‘ ich Dir das Schäufelchen von hinten zwischen die Rippen“-Spielchen zu spielen. Und dann bedankt er sich fürs Gespräch. Er würde einige Anregungen mitnehmen und über diese mit meinem Chef-Chef sprechen, weil sie manches gar nicht so auf dem Schirm gehabt hätten. Nein, mein Hirn spielt mir gerade keine Streiche, auch wenn ich selber gerade nicht recht glauben kann, was er da sagt. Und doch, denke ich, ist es häufig genau das: Es mangelt an „normalen“ Gesprächen, an Sichtweisen anderer, damit ein Verständnis für andere geschaffen werden kann. Es ist so banal, dass man auf so was nicht mal kommt. Schon erschreckend, oder?

Mein nächstes Telefonat ist mit unserer Außenstelle in einer JVA. Und es sieht ganz danach aus, dass ich ab Ende Mai wieder dorthin darf. Juchuuu! Das ist echt ein Lichtblick, weil es etwas Sinnvolles ist. Sie sind systemrelevant, da die Inhaftierten nicht die ganze Zeit „auf Zelle“ zubringen sollen. Und eigenartigerweise fühle ich mich dort wohl.

Das nächste Gespräch dreht sich um Online-Coaching, was ich als schlechte Alternative erachte – wenn auch derzeit alternativlos. Und schwups, diskutiere ich mit einem mir fremden Kollegen aus Hannover und befürchte, er hält mich für eso. Überraschenderweise tut er das aber nicht. Er erklärt visuell-kinästhetisch veranlagt zu sein, ich hingegen bin auditiv-kinästetisch. Damit haben wir schätzungsweise den anderen Kollegen schon abgehängt. Das Ende vom Lied ist jetzt, dass mich der Typ noch mal später anrufen will. Ja, ich glaube, im Moment finden sich die Leute zusammen, die passen. Über Umwege erfahre ich, was seine Profession ist und freue mich auf ein spannendes Fachgespräch mit reichlich Philosophieanteil.

Und so reiht sich ein Gespräch ans andere, bis zum krönenden Abschluss: Einem Gesamt-Jour-Fix. Mein Chef-Chef gibt sich zuversichtlich, wirkt aber angespannt. Über Kündigungen wäre noch gar nicht gesprochen worden – nirgends, auch nicht im Vorstand. Da zuckt es schon in mir, weil ich was anderes weiß. Aber ich hülle mich in Schweigen. Ist wohl besser so. Dafür erfahren wir heute, dass wir nächste Woche statt drei doch nur zwei Tage arbeiten dürfen. Und diese Veränderungen können sich stündlich wieder ändern. Doch auch hier gilt für mich: Was juckt mich das? Ich bin in Kurzarbeit und muss parat stehen. Schließlich kriege ich dafür ja Geld.

So versöhnlich gehe ich nun in meinen Feierabend. Ich setze mich noch etwas auf den Balkon und lausche den Vögelchen, Entchen und „Fang mich doch, Du Eierloch“-Ausrufen. Jo, die Sonne scheint endlich wieder, daher sind die Rotzigen auch wieder draußen. Ach, das Leben ist schon schön… mit Höhen und Tiefen – und Eierloch-Schlachtrufen…

Der Seegang ist heftig…

Meine nette Kollegin hat eine neue Liebe gefunden, was ihr deutlich leichter fällt als mir. Ich bewundere so was bei anderen, wenn sie sich mit ausgestreckten Armen und vertrauensvoll ins nächste Abenteuer stürzen können und im Brustton der Überzeugung sagen, dass es das jetzt auf jeden Fall ist. Das ist ER! Nach zwei Wochen. Schön, wenn manche das so können… Ich bin da wohl zu rational. Aber es gibt natürlich auch im Paradies Wolken… oder eher Wölkchen. Die schildert sie mir dann auch. Beim Satz: „Du tust Pipi im Stehen machen!“, zerreißt es mich dann aber völlig. „Ja, ich weiß. Ich hab‘ wieder ‚tu‘ gesagt, aber er ist Italiener. Der kann Grammatik noch weniger wie ich.“ Als, aber das tut beim „tun“ auch nix mehr dazu. Herrlich! Ich stell‘ mir vor, wie dieser verliebte Vollblut-Italiener bedröppelt vor ihr sitzt und sich die Pipi-tu-Predigt anhört. Unbezahlbar, oder?

Oh man, what a day! Es geht rauf und runter. Ich kann nicht schwanger sein (und bin es auch definitiv nicht!!!), aber so stelle ich mir das vor mit den Wechselbädern der Gefühle.

Aber von vorne: Die Besprechung bringe ich mit breitem Grinsen hinter mich. Heinz schaltet sich mit Bild zu. Ich mieses Miststück kann es mir nicht verkneifen und frage: „Naaaaa… da ist aber einer froh, dass er jetzt weiß, wie das mit dem Video funktioniert, hm?“ Und wider Erwarten sagt er dann – vor allen: „Ja, ich habe mich schon vor allen möglichen Leuten geoutet, dass ich zu dumm war, den Schieber zu betätigen und mir eine Kollegin das zeigen musste. Also danke noch mal, liebe Kollegin!“ Hä? Da bin ich aber platt. Manchmal überrascht er einen – bevor er dann aber auch sofort wieder dämliche Kolben raushaut.

Inhaltlich ist die Besprechung allerdings wieder mal mehr als mau. Danach folgen diverse Telefonate. Hier ist dann auch spannend, dass andere Abteilungen bitte, bitte, bitte nicht Heinz als Coach wollen. Es wird arbeitsreich bei mir werden – wenn es denn überhaupt wieder richtig was wird…

Eine Mail erreicht uns nämlich, die Horrorszenarien abbildet. Ein Betriebsratsmitglied leitet sie an uns weiter, was ich unverantwortlich finde. Dabei wird mit Zahlen rumgeschmissen, die gruselig wirken… wie viele Stellen da in der Luftfahrt abgebaut werden sollen! Wie kann ich das der Belegschaft schicken?! Und deswegen rufe ich auch meinen Betriebsrats-Spezl an, dem ich auf die Mailbox quassel, dass so etwas nicht gehe. Er ruft auch zurück und nach kurzem Rumgeflachse, wird er ernst. Jo, das wäre leider keine Schwarzmalerei. Es sehe in der Tat sehr, seeehr düster aus. Sie spielen auch schon Kündigungsszenarien durch. Puh. Das sitzt. Klar, habe ich damit gerechnet, aber trotzdem klingt es hart. Es dauert noch, das Ausmaß kann noch gar nicht bemessen werden. Aber es wird realer. Und so sinkt mein Optimismus gerade ins Bodenlose.

Danach telefoniere ich mit dem Chef des Nachbarteams, dem ich zum Weggang der doofen Kuh aus seinem Team gratuliere und ihn frage, wie es ihm gehe. „Ich weiß, das darf man gerade nicht sagen: Aber es geht mir echt richtig gut. Ist das zu fassen?! Trotz Corona!“ Ja, es ist zu fassen. Und es freut mich. Da sieht man wieder, wie kräftezehrend solche Energievampire sind. Wir reden über Führungsaufgaben, ich schildere ihm meine Sicht, was ich machen würde in so einer Zeit. Er bedankt sich für die Anregungen. Hallo? Das hat er nicht nötig und meint es doch aufrichtig. Und dann ergänzt er: „Weißt Du, um Dich mache ich mir keine Sorgen. Die wissen Dich hier zu schätzen… und mit Deinen Fähigkeiten bist Du überall eine Bereicherung. Ich danke Dir für ein weiteres, tolles Gespräch!“ Ääääh… Er ist als halber Autist verschrien, der zwischenmenschlich große Herausforderungen hat. Und dann so was. Das berührt mich echt… und rückt meine Welt wieder gerader.

Diese Tage durchlaufen Aufs und Abs. Wir werden kräftig durchgerüttelt und müssen zusehen, mit halbwegs heiler Haut herauszukommen. Ich werde mir Mühe geben… Ihr Euch auch?

Eierloch

Der Eichelhäher ist nicht wiedergekommen. Vermutlich weiß er ganz genau, wie wirkungsvoll er gerade bei guter Dosierung zur Geltung kommt? Wenn er täglich auf meinem Balkon hocken würde, wäre das gewöhnlich. Und der Gute will vermutlich alles sein – nur nicht gewöhnlich. Ich verstehe ihn, denn wer will das schon?

Und trotzdem – auch ohne den Vogel – kann ich abends noch meine Stimmung drehen. Ja, ich habe mir ein Herz gefasst und meine Kritik wertschätzend, aber klar rübergebracht. Doch das dreht ja keine motzige Stimmung, die den ganzen Tag vorher in mir gebrodelt hat. Also setze ich mich auf meinen Balkon, ziehe mir eine Sauerstoffvergiftung rein und telefoniere kurz mit meiner Sis. Das allein macht es schon besser. Als wir auflegen, höre ich, wie unten drei Kinder spielen. Ja, die Kleinen halten sich an keine Abstandsregeln, sondern sind einfach froh, dass es gerade trocken ist und sie ihre Freunde wiedersehen können. Und da singt die Rädelsführerin mit ihren schätzungsweise fünf oder sechs Jahren: „Fang´ mich doch, Du Eierloch!“ Da muss ich dann doch lachen. Eierloch? Ja, ich kenne das Wort. Trotzdem. Ich stelle mir vor, wie ich das Heinz entgegenschmettere. Hätte was. Morgen muss ich ihn nämlich wieder in unserer Skype-Schalte erleben. Ach…einfach mal: „Na, Heinz, Du olles Eierloch“ zur Begrüßung zu schmettern, hätte doch was. Mache ich nicht. Aber amüsant finde ich es schon.

Heute Morgen habe ich wieder einen Termin in der Stadt. Anschließend gehe ich gemächlich nach Hause und „ströp´“ ein bisschen herum. In einen Laden gehe ich dann doch mal rein – einfach nur ein bisschen schauen, schadet ja nicht. Und schwups, kommen immer mehr Menschen herein. Komischerweise schaffen es Menschen nicht, sich an deutliche Hinweise zu halten. Da steht über einer Tür wirklich fett „NUR Eingang“, an der anderen Tür noch größer „NUR Ausgang“. Ist wohl schon überfordernd für einige. Mehrere müssen darauf hingewiesen werden, dass sie die andere Seite für den Eingang nutzen sollen. Ich weiß, es gibt Analphabeten in Deutschland, aber die tummeln sich nicht alle hier. Unter das Ausgangsschild muss man sich auch ducken, weil es so tief unten hängt. Trotzdem reicht das wohl noch nicht.

Irgendwann ist der Laden dann an der Grenze der erlaubten Einkäufer angekommen, weshalb die Verkäuferin ruhig zu einer Dame am Eingang sagt: „Warten Sie bitte noch einen Moment.“ Darauf keift die Frau los: „Warten Sie bitte?! Warten Sie bitte?! Sie können mich mal!“ Ääääh…und geht. Hallo? Da fällt mir das „Eierloch“ wieder ein…oder doch eher das Wort, das auch mit -loch endet? Puh, jetzt dürfen wir doch schon in ein paar Läden rein. Muss dann unbedingt der ganze Frust an einer Verkäuferin ausgelassen werden? Die Maske macht es natürlich auch leichter. Hat schon was von der Anonymität im Netz. Man wird da draußen ja nicht sofort erkannt, wenn man die Maske über die Hälfte des Gesichts gezogen hat. Da kann man sich mal richtig rotzig und asi aufführen, oder? Echt schräg.

Und so zieht ein recht ereignisloser Tag vorüber. Spannend ist eigentlich nur der Anruf einer alten Kollegin aus der Versicherung, die ziemlich desillusioniert ist. Ihr Regionalleiter fordert doch tatsächlich seit Wochen seine Außendienstler dazu auf, jetzt die günstige Zeit zu nutzen. Viele Leute seien daheim! Da könnten sie doch ohne Ende Geschäft generieren. Dazu muss man sagen, dass die Zielgruppe in der Sparte alte und kranke Leute sind, also solche, die ohnehin gerade am stärksten gefährdet sind. Macht doch nichts! Man solle vorher fragen: „Sind Sie krank? Nein? Ich auch nicht. Dann kann ich ja reinkommen.“ Keine Ahnung, spricht man da noch von Fahrlässigkeit oder schon fast von Vorsatz? Ich weiß es nicht und kann nur den Kopf schütteln. Was bin ich froh, in dem Metier nicht mehr unterwegs zu sein. Meine ehemalige Kollegin weigert sich aber auch, derzeit Menschen zu besuchen. Ihr Mann ist krebskrank und derzeit ein verdammt schlechtes Immunsystem. Nach zwölf Krankenhausaufenthalten allein im letzten Jahr, möchte sie nichts wagen – was ich so gut verstehen kann. Ihr Chef tut sich da allerdings sehr schwer und versucht, sie zu drängen, doch noch rauszugehen. Und wieder fällt mir das „Eierloch“ ein. Ach, Kinder können schon eine echte Inspiration sein, oder?

nicht immer komplizierter denken, als es ist…

Ich bin kein großer Vogel-Fan. Klar, Spatzen und Meisen finde ich schon süß. Aber alle Vögel, die größer werden, kann ich von Weitem faszinierend finden, habe allerdings Angst vor deren Schnäbeln. Und doch bin ich fasziniert, als gestern ein Eichelhäher auf meiner Balkonumrandung landet. Das sind mal Farben! Echt ein schönes Tier. Das sind so die kleinen Lichtblicke, die es immer und überall gibt und ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Er verharrt kurz, bevor er dann wieder weiterfliegt. Ich würde ihn zu gerne mal begleiten…

Heute bin ich dann mal wieder in Schlumpfhausen. Keine Ahnung, ob das irgendwer von Euch nachempfinden kann…? Ich kann mich ja hervorragend in Situationen hineinsteigern. Das verpufft dann auch wieder, aber erstmal schießt alles in mir hoch. So auch heute wieder. Der Kursleiter hat es gestern nicht ein einziges Mal geschafft, pünktlich nach den Pausen wieder anzufangen.  Und da ist ein Triggerpunkt bei mir. Das hat schlichtweg etwas mit mangelnder Wertschätzung zu tun. Das ist natürlich meine Interpretation. Bei ihm ist das eine andere Ursache, doch das ist mir in solchen Momenten egal.

Und so ist es auch heute Morgen wieder. Der Schlumpf kommt später ins Webinar, fläzt auf der Couch herum und berichtet dann auch davon, Yogalehrer zu sein und fordert uns zu Achtsamkeit auf. Achtsam? Ich hau´ Dir gerne achtsam eine aufs Maul, damit Du zukünftig pünktlich erscheinst. Er möchte heute mit einer Meditation starten. Wer nicht mag, darf es lassen. Prinzipiell ist das ok für mich. Nur leider kann ein Schlumpf nicht von gestern bis heute denken. Gestern hatte ich ihn noch darauf aufmerksam gemacht, dass er eventuell ein Datenkabel anschließt, damit seine Verbindung stabiler wird? Und siehe da, es hat funktionert. Aber Yogischlumpf hat da heute wohl wieder nicht daran gedacht. Und so fängt er an…und es reißt immer wieder ab. Bei der Meditation soll man zur Ruhe kommen. Aber so was hier bewirkt bei mir leider das Gegenteil! Wenn man ihn dann hört, kommt ein: „Mögest Du…äääh…mmmh…was hatten wir noch nicht? Ääääh…mögest Du fr…“, aber da reißt der Ton schon wieder ab. Ich bin aggro – anstatt friedlich und ruhig.

Um mich wieder auszugleichen, schreibe ich mit einer Kollegin aus der anderen Gruppe (die mir die Geschichte mit dem Sprung in der Schüssel geschickt hat). Mit ihr schaffe ich es, das Ruder rumzureißen und wieder zu lachen. Sie fragt mich, was wohl Komorbidität bei Schlümpfen sei? Vermutlich Alkoholabhängigkeit, weil der Partner eben ständig blau sei? Und so geht es munter weiter. Ich pflege mit ihr unsere Vorurteile, bis ich nur noch lachen kann. Bei der Kursteilnehmerin mit ihren Date-Schilderungen kommt ihr die Assoziation von der Hexe Ursula (Arielle), was mich zum Losträllern bringt. Und siehe da: Das scheint meine Art der Meditation zu sein. Das erdet mich, weil ich wieder lachen kann und die Aggressionen vertreibt. Manchmal helfen paradoxe Interventionen…je paradoxer, desto besser – zumindest bei mir.

Der Abschuss kommt dann aber erst noch: Der Dozent schafft es dann doch, uns Definitionen aus Wikipedia vorzulesen. HALLO?!?!?! Dafür zahle ich Geld? Ehrlich, das kann ich auch so machen. Dazu benötige ich keine Webinare oder gar Präsenzveranstaltungen. Die einzige Frage, die sich mir stellt, ist: Soll ich was sagen oder nicht…bzw. warum gebe ich dem Trainer nicht die Rückmeldung? Was hält mich davon ab? Natürlich denke ich, dass sich das nicht gehört. Das tut „man“ nicht. Wenn ich es positiv auslegen möchte, könnte ich ja sagen: „Hey, er darf auch was lernen! Wenn er kein Feedback bekommt, denkt er, er mache alles richtig.“ So gesehen, wäre es nur fair. Aaaaaaaaber, der angepasste Teil hält mich zurück und behält es bei mir. Denn irgendwie möchte ja jeder von uns auch gefallen…

Und so ziehtgeht ein Tag ins Landder nicht so anstrengend sein müsste. Ein Tag mit mehreren Stunden, die ich hockend vor dem Laptop und mit Wut im Bauch zubringe. Mal sehen, was ich jetzt noch tun kann, dass ich wieder was Positives finde, denn so möchte ich keinen Tag abschließen. Vielleicht kommt der Vogel heute noch mal angeflogen? Das würde mir auf jeden Fall gefallen. Schauen wir mal… Ich wünsche Euch auf jeden Fall deutlich bessere Laune als meine derzeitige…

Und dann fasse ich mir doch noch ein Herz und schreibe den Herrn im privaten Chat an. Er bedankt sich für mein Feedback und fragt, ob es eine Möglichkeit des Austauschs geben könnte, weshalb ich ihm meine Nummer nenne. Und da sitze ich dumme Nuss nun mit klopfendem Herzen. Warum eigentlich? Ich finde diese Situation extrem unangenehm! Dabei bedankt er sich als erstes ehrlich und aufrichtig, wirkt kein bisschen aufgesetzt. Er sei froh über eine ehrliche Rückmeldung, weil er nur so etwas verändern könne. Schade sei allerdings, dass ich nicht schon vorher etwas gesagt hätte, dann hätte er dafür sorgen können, dass ich mich nicht so lange hätte ärgern müssen. Jo. Stimmt auch. Trotzdem: Ich bin megastolz auf mich selbst, es überhaupt getan zu haben. Das ist auch seine Rückmeldung: Es sei so wichtig, so etwas anzusprechen. Das sei Selbstfürsorge.

Naja, ich hoffe, es bewirkt etwas – bei ihm, damit zukünftige Teilnehmer sich nicht ärgern müssen und bei mir, damit ich weiß, dass keine Welt zusammenbricht, wenn man auch kritische Dinge anspricht. Es kann ja durchaus wertschätzend sein, wie man dies tut. In diesem Sinne: Ich wünsche Euch auch gute Erkenntnisse!

Challenges gegen Langeweile

Puh, gestern habe ich bei einer dieser ominösen Internt-Challenges mitgemacht. Die meisten mag ich nicht so. Letztens hingegen die mit den Kinderbildern fand ich richtig schön. Da kamen die lustigsten Bilder bei rum. Dieses Mal hat eine Cousine es gut gemeint und mich zu einer Trink-Challenge eingeladen. Äääääh…nu gut. Zuerst wollte ich nicht. Aber dann fand ich die Vorstellung doch so lustig, dass ich mitgemacht habe…und das, obwohl ich heute und morgen ganztägig meine Fortbildung zu Persönlichkeitsstörungen habe. Vielleicht stelle ich mich einfach als Anschauungsobjekt zur Verfügung? Obwohl…nee. Ich habe einen Sprung in der Schüssel, was wir ja gestern wieder gelernt haben, aber sooo weit geht es dann doch nicht. Wie sagt meine holländische Freundin noch gleich? Ich bin „prettig gestoord“. Das trifft es wohl am besten.

Nu juut, ich krame mein Material zusammen. Lecker ist was anderes. Ich soll mit was Hartem starten. Hm, 56 % sollte dazu zählen, oder? Die größte Überwindung ist tatsächlich der zweite Part, wo ich ein Bier trinken soll. Und dann folgt zum Schluss ein Schnaps/Likör. Wenigstens der schmeckt. Jaaaa, was soll ich sagen? Ich bin danach ganz schön „ömm“ – würde man bei uns sagen. Es muss ja alles zügig hintereinander getrunken werden. Hossa… Da sieht man mal wieder, wie wichtig Training ist. Andererseits zeigt mir das beruhigend, dass ich kein Problem mit Alkohol habe – nein, auch nicht ohne. 😉

Und passend dazu, habe ich heute meine Fortbildung zu den vorhin bereits erwähnten Persönlichkeitsstörungen. Oooooh, da fallen mir ad hoc ganz schön viele Menschen ein, die ich kenne. Aber der Trainer klärt sofort auf, wir sollten nicht jedem eine Diagnose verpassen. Nicht jeder sei krank. Manches falle noch durchaus in den „normalen“ Bereich – was auch immer das heißen mag. Ich glaube allerdings, er kennt Heinz noch nicht. Da ist nix normal. 🙂 Und manche Familienmitglieder und weitere Kollegen sind ihm wohl auch noch nicht begegnet. Na, ist ja nicht seine Schuld. Aber großzügig, wie ich nun einmal bin, würde ich sie liebend gerne einander vorstellen.

Inhaltlich ist der Tag wohl gut, aber technisch leider anfällig. Webinare sind eben keine Präsenz-Seminare und können sie auch nicht wirklich ausgleichen. Die Meinung vertrete ich ja schon lange. Und ja, Home Office kann bisweilen echt hilfreich sein (gerade im konzeptionellen Bereich), aber ersetzen den direkten Kontakt trotzdem nicht. Ich merke einmal mehr, dass ich für den direkten Bereich geschaffen bin. Und dennoch bin ich gerade über die Alternative froh. Jetzt bin ich allerdings geschafft.

Und so beende ich meinen jetzigen Beitrag mit einem sehr wichtigen Zitat meiner heutigen Veranstaltung. Auch wenn man meinen könnte, die nachfolgende Aussage sei von mir gekommen, kam sie doch tatsächlich vom Kursleiter. Eine Teilnehmerin erzählte von einem ersten Date, bei dem der Typ sich arrogant gebärdet hätte, nur von sich geprollert und sie bzw. ihre Arbeit herabgewürdigt hätte. Nun will sie wissen, ob das nicht auf einen Narzissten hinweise? Es wird diskutiert. Ich denke noch so: „Hm, dann gibt es wohl eine Menge Narzissten da draußen, was schätzungsweise ein Krankheitsbild bei 90 % aller Männer erklären würde“, was natürlich wieder ganz böse bewertend und pauschalierend wäre. Aber da kommt der Webinar-Leiter (seines Zeichens Psychologe und Psychotherapeut) ganz trocken daher: „Vielleicht war der Typ aber auch einfach nur ein Arsch.“ Jo, passt…und gefällt mir. Sind eben nicht 90 % der Männer Narzissten, sondern viele einfach auch „nur“ Ärsche. Herrlicher Abschluss eines anstrengenden Tages…

Ich hab´´nen Sprung in der Schüssel – als wär´das was Neues!

Komisch, heute fängt der Mai an, aber das Wetter von April herrscht. Wie soll ich da nicht durcheinander kommen? Ernsthaft, ich habe immer mehr Schwierigkeiten, die Wochentage zu sortieren. Normalerweise ist es doch immer so: Den Montag kennt man so sehr, weil er immer schmerzhaft ist – da dauert die Arbeitswoche noch am längsten. Am Dienstag kann man sich schon damit motivieren, dass bereits ein voller Arbeitstag rum ist. Mittwoch ist ja Bergfest…da wird in Düsseldorf auf dem Marktplatz ja auch offiziell die Woche geteilt. Donnerstag ist schon der kleine Freitag. Und dann habe ich ja eh Fortbildung. Aber jetzt? Da verschwimmt alles. Ganz schön eigenartig. Und dann kommen auch noch Feiertage, so wie heute beispielsweise, dazu. Man, man, man. Wer noch nicht kirre ist, wird es spätestens jetzt.

Am Morgen schickt mir eine Fortbildungskollegin ein Video von der Frau mit zwei Schüsseln, von denen eine einen Sprung hat. Und weil ich die so schön fand, mach´ ich mir mal die Mühe, diese abzutippen…Mooooment. Ha! Habe sie im Internet gefunden, also nur kopieren und zack, hier ist sie:

Es war einmal eine alte chinesische Frau, die zwei große Schüsseln hatte. Diese hingen an den Enden einer Stange, die sie über ihren Schultern trug. Eine der Schüsseln hatte einen Sprung, während die andere makellos war. Am Ende der langen Wanderung vom Fluss zum Haus der alten Frau enthielt die eine Schüssel stets die volle Portion Wasser, die andere war jedoch immer nur noch halb voll. Zwei Jahre lang geschah dies täglich.
Die alte Frau brachte nur anderthalb Schüsseln Wasser mit nach Hause. Die makellose Schüssel war natürlich sehr stolz auf ihre Leistung. Die arme Schüssel mit dem Sprung schämte sich aber wegen ihres Makels und war betrübt, dass sie nur die Hälfte dessen verrichten konnte, wofür sie gemacht worden war.
Nach zwei Jahren, die ihr wie ein endloses Versagen vorkamen, sprach die Schüssel zu der Frau: „Ich schäme mich so wegen meines Sprunges, aus dem den ganzen Weg zu deinem Haus immer Wasser läuft.“ Die alte Frau lächelte: „Ist dir aufgefallen, dass auf deiner Seite des Weges Blumen blühen, aber auf der Seite der anderen Schüssel nicht? Ich habe auf deiner Seite des Pfades Blumensamen gesät, weil ich mir deiner Besonderheit bewusst war. Nun gießt du sie jeden Tag, wenn wir nach Hause laufen. Zwei Jahre lang konnte ich diese wunderschönen Blumen pflücken und den Tisch damit schmücken. Wenn du nicht genauso wärst, wie du bist, würde diese Schönheit nicht existieren und unser Haus beehren.“
Asiatische Weisheit, Autor unbekannt

Die Geschichte finde ich einfach schön, weil sie so passend ist. Wenn wir alle „normal“ wären und „perfekt“ (was auch immer das heißen mag), wäre das Leben ganz schön langweilig, oder? Wir brauchen nur hin und wieder Menschen, die uns sagen, dass wir gerade mit diesen Macken so toll und einzigartig sind.

Und heute ist wohl der Tag, an dem das gleich zwei Menschen denken: Die Kollegin aus der Fortbildung und mein alter Kollege (bald 81). Er ruft an und will nur wissen, wie es mir geht, was meine Pläne sind und ein bisschen quatschen. Es ist interessant, dass es Menschen gibt, die einen immer bestärken und sagen, man schaffe alles, wenn man das nur wolle. Er ist einer von diesen Menschen. Er bestärkt mich immer, sagt mir, welche Punkte ich für mich verbuchen könne und wie sicher er sich ist, was meine Zukunft betrifft. Und dann sagt er leise: „Ich vermisse Sie…und die Zeit, die wir hatten. Ich würde so gerne wieder mit Ihnen ein Pöttchen Kaffee bei Heinemann trinken und ratschen.“ Das rührt mich…sehr sogar. Wenn Corona dann mal passé ist, werde ich das nachholen. Denn wir hätten uns in diesem Monat hier im Süden getroffen, was aber auch abgesagt werden musste.

Solche Momente sind es, die mir wieder und wieder zeigen, wie schön das Leben ist, welche tollen, wertvollen Menschen ich kenne und dass nichts unmöglich ist, wenn man die richtigen Leute auf seiner Seite weiß. Und das weiß ich…ich kenne jeden einzelnen von ihnen. Danke!

ganz viel Phantasie schadet auch nie…

Aaah, wie herrlich ist das denn bitte schön, wenn man nix vorhat, außer einfach nur mit Freunden im kleinen Kreis zu frühstücken? Perfekt. An solche Tage könnte ich mich echt gewöhnen. Jajaja, ich sage immer, ich brauche was zu tun. Ist auch so. Nur empfinde ich meine derzeitige Arbeit echt als…mmmh…sinnfrei. Und das ist nicht unbedingt motivierend. Ich brenne darauf, meine Ausbildung im nächsten Jahr erfolgreich zu beenden und zu schauen, mich in diesem Bereich auszutoben. Die Ideen schießen dazu kreuz und quer in meinem Kopf. Mal schauen, ob etwas Sinnvolles dabei rumkommt?

Ich springe noch kurz in eine Metzgerei, da jemand beim Frühstück dabei ist, der muslimisch ist. Da muss was anderes her als die gute, olle Wurst, die wir so verdrücken. Interessant wird es allerdings, als ich Kalbsleberwurst kaufen möchte. Jo, die gibt es schon, ist aber ungeeignet. Hä? Weil? Na, weil diese zu 50 % aus Schweinefleisch besteht. Ist logisch, oder? Ist so, als würde ich ein Auto kaufen wollen und ein Zweirad erhalten. So was kapiere ich nicht. Durch den Mundschutz nuscheln die Fleischereifachverkäuferin und ich uns gegenseitig – natürlich auch wieder durch lauter Zwischen-„Hä´s?“ untermalt – den Unsinn solcher Beschreibungen zu. Mei, sie kann nix dafür, ich auch nicht, also kaufe ich was anderes bei der Dame.

Während des Frühstücks reden wir über schwerere Themen. Darüber, dass Emanzipation immer noch nicht gelebt werde. Wir sind drei Frauen und ein Mann am Tisch. Und wir drei Frauen können alle Geschichten zu Belästigungen erzählen. Schon krass. Ich verstehe das nicht. Und dieses Thema wird so selten in solchen Runden thematisiert. Wir sehen davon im Fernseher, aber was uns selbst betrifft, wird dieses Thema gerne gemieden. Und auch hier spielen wieder Scham und Schuld eine große Rolle. Aus Scham schweigen die Frauen. Die Kirche mit ihrem Patriarchat hat über die Jahrhunderte echt ganze Arbeit geleistet mit ihrer verführenden Eva und dem armen, schwachen Adam. Die Erbsünde hängt bei uns. Immer noch. Auch im Jahr 2020 noch. Und bei den Belästigungen rede ich nicht von dummen Sprüchen. Damit kommen die meisten von uns Frauen schon klar. Es geht um Tatscher, Grabscher und Berührungen an den falschen Stellen…und leider auch schon im späteren Kindes- und Jugendalter. Wenn ich mit Männern über dieses Thema spreche, wirken sie immer schockiert. Keiner glaubt, dass das alltäglich ist. Aber das ist es…leider…und immer noch.

Wir können dann aber auch wieder ganz albern sein und müssen nicht nur schwere Themen wälzen. Er erzählt davon, dass er immer schon gerne Emmentaler gegessen habe, aber dieser immer schon von den Kindern verputzt gewesen wäre, wenn er nach Hause gekommen wäre. Also habe er seinen Kindern damals kurzerhand vorgeschwärmt, dass er am liebsten die Löcher von dem Käse möge. Hä? Ja, aber Kinder kann man ja bestens verarschen. Er hat ein kleines, eckiges Stück um die Löcher geschnitten und es die Kinder probieren lassen. Mmmmh, ja, das schmeckte gut. Fortan haben sich die Kinder also um die Löcher und ein kleines bisschen drumherum gerissen – und für den Vater war endlich auch wieder Emmentaler da. Gewusst, wie, hm? So, wie sie uns immer erzählt haben, die Glocken würden vor Krafreitag nach Rom fliegen. Und – ehrlich wahr – ich habe sie eines Tages fliegen sehen. Und nein, da hatte ich nix eingeworfen, auch wenn ich grenznah zu Holland aufgewachsen bin. Kinder haben eben eine blühende Phantasie (was ich selbst mit 43 Jahren noch nicht abgelegt habe).

Wer kennt das denn nicht? Als Kind haben wir so viele Geschichten zu hören bekommen, an die wir so sehr geglaubt haben, dass sie uns echt erschienen sind. Und mit dieser Art des Hopsnehmens kann ich gut leben. Hinzu kommt dann später – so zumindest meine Erfahrung – dass man Dinge liest oder hört, die da gar nicht stehen. Passiert mir als Querleser ständig. Vermutlich, weil man gerade so mit etwas beschäftigt ist, dass man es überallhin projiziert. Wenn ich ein rotes Auto kaufen will, sehe ich überall rote Autos. Wenn ich schwanger werden will, sehe ich überall Babys. Das ist wohl ein normales, natürliches Phänomen.

Nachmittags drehen eine Freundin und ich dann noch eine kleine Runde durch den Ort, weil es gerade mal trocken ist und zusätzlich auch keine dämlichen Pollen fliegen. Sie bleibt irgendwann stehen und fokussiert ihren Blick…und fokussiert…und fokussiert. Dann schüttelt sie den Kopf, geht näher ran und schaut nochmals hin. Da erst registriere ich, was sie so fixiert hat: Es ist ein kleines, weißes Blatt an einer Tiefgarageneinfahrt. Sie zerreißt es fast vor Lachen: „Da steht was mit `Glocke´. Und ich Dämel hab´ gelesen: `Geleckt´!“ Und da frage ich mich natürlich, wovon sie gerade den Kopf voll hat…und komme einfach zu keinem Ergebnis…

In diesem Sinne: Ich wünsche Euch tolle Phantasien!