Seite 4 von 44

auf der Suche nach´m Hirn

Man, gestern war ich echt geladen und hatte abends keinen Bock mehr auf irgendwas. Ok, außer auf die „Meeeeeedchen“ von Heidi. Gott im Himmel, da hat jede Einzelne ihre eigene Geschichte. Es ist wohl ein Talent, das sie sich nur von Heinz abgeschaut haben können: „Wie kann ich alles möglichst groß aufpusten?“ Ich spreche keinem dieser Mädels ihre Geschichte ab. Aber wie machen sie das zukünftig? Nehmen sie neben ihrem Fotobuch ihre Tagebücher mit und legen beides dem möglichen Kunden vor? Und der entscheidet dann zugunsten des Mädels, das die schlimmste Erfahrung im Leben gemacht hat, weil es ja auf „Personality“ ankommt? Irgendwie ist jeder heute traumatisiert. Und ja, gerade ich achte ja auf so was und möchte Menschen helfen, die ihre Herausforderungen meistern wollen. Aber wenn jetzt jeder solche Begriffe in den Mund nimmt, zieht es bald die wirklich heftigen Fälle ins Lächerliche. Vonwegen: Ich wollte mich einen Abend sinnlos berieseln lassen. Hat nicht so geklappt, wie gedacht. Aber unterhaltsam war es hier und dort dann schon.

Heute Morgen habe ich als Erstes die Rücksprache mit meinem Chef und einem Kollegen bzgl. der Team-Workshops. Gemacht hat natürlich keiner der beiden was daran. Sie lieben es, das alles auszudiskutieren. Man könnte meinen, ich säße mit meinem Mate-Tee im Kreise von Sozialarbeitern, die mir ständig „Du, da müssen wir aber mal drüber reden, Du“ entgegenhauchen. In weiser Voraussicht habe ich was vorbereitet. Mein Kollege ist für so was immer dankbar, denn: „Wenn wir was haben, mit dem wir dann arbeiten können, tu´ ich mich immer leichter.“ Ach. Is nich wahr! Nur selbst eine Grundlage liefern, das kann er nicht. Ich führe die Jungs durch das Konzept für den ersten Workshop. Dabei merke ich, wie viel kleinschrittiger ich die einzelnen Aufgaben noch ausformulieren muss, damit es auch wirklich der letzte Depp verstehen kann. Natürlich befinde ich mich im Präsentationsmodus, denn alles andere würde zu lange dauern – so mein Chef. Er beteiligt sich in der Tat am wenigsten. Am Ende bedankt er sich im Überschwang für das, was ich da leiste. „Do konnst so richtig brillieren, woas? Des meakt mo.“ Ja, und er kassiert dafür das Geld. Aber ich will mich nicht aufregen. Es ändert nichts. Am Ende muss ich es doch machen – ob ich mir vorher ´ne blutige Schnüss diskutiert habe oder nicht. Daher versuche ich, meine Energie dorthin zu lenken…also nicht auf die Schnüss, sondern aufs Ergebnis. Und ganz nebenbei lerne ich dann auch noch das, was ich so gar nicht gut beherrsche: Ich delegiere. „Wonn solln mo des denn moachn? Woas moanst?“ Spitz bemerke ich: „Das lege ich vertrauensvoll in Deine Hände.“ Er bemerkt die Spitze nicht. Immerhin die verkackten Termine kann er ja wohl einladen, oder? Kann er. Macht er auch. Allerdings erst, nachdem ich ihm sage, wann es mir am besten passt. Na ok, dann eben so. Mein Kollege will dann die jeweiligen Ergebnisse abwarten, bevor wir (das ist ein Hohn…bislang haben sie nämlich nichts getan, was sich auch keineswegs ändern wird) dann die nächste Runde planen. Dabei stehen die Grobkonzepte von mir bereits. Für die erste Sause bereite ich dann auch die Powerpoint vor, in der alle Arbeitsschritte in Altenheim-Löffelchen-Portionen zerteilt sind. Immer wieder spukt mir der Leitsatz der Metzgerei Boggnsagg durch den Kopf: „Wou issn is Hirn?“ (Achtung: Man muss schon fränggisch a weng mögn!)

https://www.youtube.com/watch?v=ow2k_qkuv_o

https://www.youtube.com/watch?v=WvEgLKVPdJg

Ein paar Termine später, darf ich auch wieder zu meinen Nerds. Heute ist der Kreis der Teilnehmer allerdings größer. Die Nerds präsentieren den Anwendern eine mögliche Plattform, auf der sie später arbeiten können. Ich sitze da und lausche gespannt, was sie da erklären, worauf man zugreifen könne, welche Daten man dazu abzapfen würde usw. Ja, es ist in englischer Sprache. Aber ehrlich? Das könnte auch Deutsch sein. Verstehen tät´ ich´s dafür nicht besser. Altobelli! In einem Nebenchat schreibt mich einer meiner beiden Jungs ganz aufgeregt an: „Na, ist das nicht ein tolles Tool?“ Wahrheitsgemäß oute ich mich, dass dies für mich böhmische Dörfer seien. Ich bin so was von völlig weit weg von solchen Themen. „Und genau deswegen brauchen wir Dich!“ Is klar. Der olle Schleimsack will nur wiedergutmachen, was er mich schon an grauen Haaren gekostet hat. Darüber kann er nur lachen. Echt wahr. Ich sitze hier und verstehe nicht mal Bahnhof. Ich nehme allenfalls den aufsteigenden Rauch wahr, kann mir aber nicht mal den wirklich erklären. Zum Glück liegen die Talente so munter verstreut herum. Müsste ich das hier verstehen, ich würd´s beenden…also, mein Leben.

Mein Nachmittagstermin ist ähnlich, wie gedacht. Nur dass die Jungs nicht betteln. Sie räumen von sich aus ein, sie seien viel zu spät dran. Daher würden sie von mir jetzt überhaupt gar nichts erwarten für Montag. Auch eine Möglichkeit, mich ans Laufen zu bringen. Ich erkläre ihnen, ich hätte mich ohnehin darauf eingestellt. Wir müssten nur noch klären, was sie genau von mir bräuchten. Nebenbei erwähne ich, wie ich gestern noch kleine schokolierte Likörwaffelbecher eingekauft hätte und auf den nächsten Winter warten würde, wenn wir uns dann endlich wieder treffen dürften. Da gäb es dann Eierlikör, bis wir blau wären. Die eine Rückmeldung: „Bei mia is immo no Winta.“ Scherzkeks. Klar, ist noch Winter. Aber es ist auch immer noch Ausgangssperre, Versammlungsverbot, Pandemie. Und ich weiß, wie vorbildlich er sich da an alles hält. Entsprechend fasse ich dann auch seinen nächsten Spruch auf: „Oba, die Infektionszoaln müssn jo irgendwia bedient werdn.“ Eierkopp! Das würde er eh nicht machen. Doch ich führe ihm noch kurz vor Augen, dass wir ja schlecht derzeit mit den S-Bahnen nachts „umonandfoarn kinna“. Da meint er, mir einen Witz von zwei Stockbesoffenen in der S-Bahn „vazälln“ zu müssen, wovon sich einer selbst „ospeit“. Mahlzeit. `N Stückchen Brot dazu?
Ach, ich mag die Jungs. Daher ist es auch nicht schlimm, dass ich noch einenhalb Stündchen für sie arbeite. Mit ihnen ist das Leben in der Firma einfach mal ein paar Grad lustiger. Derb, aber definitiv lustig.

Pochtier

Heute ist mein Glückstag. Warum? Weil ich heute allein sechs Stunden lang einer Veranstaltung lauschen darf, die ich bereits kenne und Kacke finde. Warum ich dann trotzdem teilnehme? Weil ich muss. Ziel ist es nämlich, diese Schulung neu aufzubauen. Dem externen Trainer dürfen wir dabei aber nicht sagen, dass wir das zukünftig übernehmen werden. Warum auch mit offenen Karten spielen? Wer macht denn so was? Ich merke immer mehr, dass die Werte, die man Kindern vermittelt, im Erwachsenenalter so gar nichts mehr zählen. Und auch wenn ich diesen Trainer nicht mag, gehört sich das a) nicht und wird er b) vermutlich nicht ganz so belämmert sein, das nicht zu schnallen. Doch bevor ich an dieser Veranstaltung teilnehme, darf ich vorher noch zu meinem anderen Team, bei dem ich den IT-Nerds ein bisschen was zur Rollenverteilung innerhalb des Projekts verklickern darf. Auf Englisch selbstverständlich. Ich wette, sie machen sich vor Aufregung fast ins Höschen. Programmierer sind ja echt ein spezielles Völkchen. Da weiß ich mich mit meiner Empathie und meinem rheinischen Wesen gar nicht zu lassen. Es ist, als würde man mit Wänden sprechen. Aber nein, nicht diesen besprühten, bunten Wänden. Sondern mit grau verputztem Mauerwerk. Herrlich. Ich liebe solche dankbaren Aufgaben.

Nicht weniger dankbar ist dann die Aufgabe mit den sechs Stunden Training. Der Trainer begrüßt mich auch ganz nett. „Ach, Claudia…das ist ja schööööön. Naaaaaa, hast Du Dir für dieses Jahr auch Ziele vorgenommen?!“ Es geht um Ziele. Gerne würde ich ihm sagen: „Ja, ich habe Ziele, die nix mit dem Job zu tun haben, sondern mich von ihm wegführen. Parallel hat das Unternehmen aber Ziele, die Dich von Deinem Job hier wegführen. Hey! Wie geil ist das denn?!“ Doch stattdessen lache ich leicht und sage: „Klar, habe ich Ziele. Aber es sind keine, die ich Dir verraten werde.“ Sein „Hahaha, das ist aber schade“, erinnert mich an die Verarsche von Oliver Kalkofe, wie er die Sparkassen-Werbung nachahmt. „Mensch, Schröder! Ewig nicht gesehen!“ Es klingt so ehrlich. Egal. Wir müssen ja hier alle ein Spiel spielen.
Was mich an ihm unter anderem so nervt, ist sein permanentes Geschmatze. Es gibt ja so Menschen, die das in einer Tour machen. Bei alten Menschen, die ihr Gebiss lieber neben sich liegen lassen, als es zu tragen, verstehe ich das allerdings eher. Bei ihm ist das einfach eine nervige Marotte. Und für so was habe ich ja leider einen Detektor. Nur braucht man hier nicht mal besonders aufmerksam zu sein. Das merkt ein Blinder mit Hörsturz. Neben seinem Schmatzen, stößt er auch noch auf. Da er seine Videokamera auch noch aktiviert, sieht man ihm munter dabei zu, wie er mit seiner Magensäure zu kämpfen hat. Lecker, lecker. Ich würde zu gerne einfach abschalten. Nur ist er perfide, denn er spricht einen unvermutet einfach so an. Die Taktik ist gar nicht mal schlecht, da Du echt am Ball bleiben musst. Ich muss mich also tatsächlich auf diesen Schund konzentrieren. Sein regelmäßiges „come on!“ turnt mich nicht on, äh, an. Die Philosophie, die er vertritt, kommt aus Amerika. Wenn er die Videos des Gründers dazu zeigt und man dabei die Augen schließt, könnte man durchaus meinen, Donald Trump würde reden. Nein, nicht meine Aussage, sondern die eines Kollegen im letzten Jahr. Ich habe es ausprobiert und feststellen müssen, wie recht mein Kollege hat. Na, come on, Herrschaften, dieser Tag wird auch vorübergehen. Mein Aggressionspegel ist schon kurz vorm Platzen. Ich atme es stoßartig hinaus. Gottseidank ist das Mikro ja ausgeschaltet.
Und dann spricht er plötzlich von einem „Pochtier“. Ich frage mich noch, was das sein soll? Ist es klein und pelzig? Ist es so ein niedliches, kleines Wesen mit riesigen Augen – ähnlich einem Gremlin? Schmatz, schmatz… „Der Pochtier hockt in seinem Häuschen.“ Oh, kein Bau, sondern ein Häuschen. Na, von mir aus. „Ein guter CEO geht jeden Morgen bei ihm vorbei und fragt ihn nach seinem Befinden und seiner Familie.“ Da dämmert´s mir. Er meint den Portier. Jetzt könnte man meinen, dieser Trainer sei Rheinländer, denn wir sagen ja auch gerne „Spocht“, statt „Sport“. Dann ist es auch klar, es „Pochtier“ statt „Portjé“ auszudrücken. Aber nein, er ist keineswegs Rheinländer, sondern einfach nur „come on“, zu geil für diese Welt. Ich fand meine Vorstellung von dem niedlichen Gremlin-Pochtier irgendwie toller. Daher schweife ich in diese Traumwelt ab. Sein Abschiedsgruß ist dann auch passend: „Ich wollte an allen Danke sagen.“ Jo, isch misch auch, wa? Himmerherrgott…es ist vollbracht.

Danach fahre ich meinen Rechner runter und fahre zum Einkaufen. Morgen habe ich nämlich spontan noch einen Termin am späten Nachmittag reingelegt bekommen. Und irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass ich danach noch mal was entwerfen darf. Zwei Führungskräfte wollen nämlich am Montag eine Veranstaltung abhalten. Sie wollen mich unbedingt dabei haben. Montag habe ich nachgefragt, ob wir da noch was klären bzw. vorbereiten müssten? Heute kommt die Einladung für morgen Nachmittag. Und ich verwette meinen ausladenden Hintern darauf, dass sie dann mit leeren Händen und großen Augen (wie bei den Gremlins) vor mir stehen und „bitte, bitte, mach´ das für uns“ sagen. Und ich wette, die dumme Nuss mit dem ausladenden Hintern wird dann so was sagen, wie: „Ihr seid mir so fett was schuldig!!! Wie hoch ist mittlerweile eigentlich mein Plus bei Euch? Und wann kann ich da endlich mal was sehen???“ Und dann wird die dumme Nuss mit dem ausladenden Hintern noch ein paar Stündchen damit zubringen, etwas zu zaubern. Finde den Fehler, ich weiß. Er sitzt gerade hier und hackt auf diese Tastatur ein.

Im Supermarkt ist es, wie immer. Menschen, die völlig wahllos mitten im Gang stehen bleiben, Familien, die zu fünft (!!!) einkaufen müssen und dann noch bitte Treuepunkte wollen! „Und haben Sie sonst noch was?“ Nee, Hirn ist leider aus! Und dann schieben sie zu fünft den Wagen bis vor den Ausgang und gucken sich alles, was sie für 112,48 € gekauft haben, noch mal einzeln an. Atmen… Aaaaaaaatmen! Oh je, da steigt der Dampf in meiner Brille auf. Ich würde ja sagen: Ich freu´ mich aufs Wochenende, aber da darf ich ja lernen. Ich bin gerade nur froh, wenn das denn mal endlich rum ist. Ja, es ist spannend. Ja, ich hab´s mir ausgesucht. Ja, ich werde spätestens im Mai jammern, dass ich was Neues lernen will. Aber gerade empfinde ich es ausnahmsweise mal als Last. Und was tut man, wenn es einem reicht? Man guckt Germany´s Next Topmodel. Mädchen, die für jeden Scheißdreck heulen, Denglish für Doofe von Heidi und Rennen auf High Heels, was so hirnlos ist, dass es schon wieder Spaß macht. Traut Ihr mir nicht zu, dass ich das gucke? Is abba so. Manchmal brauche ich es ganz, ganz niederschwellig. Heute ist so ein Tag. Vielleicht träume ich ja vom Pochtier und brenne mit ihm durch? Wer weiß das schon so genau? Ich jedenfalls nicht…bin ja schon lange nicht mehr Herrin meiner Sinne oder Träume.

ich kenne Morla nun persönlich

Heute Morgen nicke ich noch mal kurz weg, weshalb ich zwanzig Minuten später aufstehe. Gibt Schlimmeres. Aber kennt Ihr das? Ihr wacht auf und erschreckt Euch total, weshalb es ein bisschen eirig über Tag läuft. Ganz so arg ist es nicht, aber so voll auf Spur fühle ich mich nicht.
Plötzlich ruft mich einer der Herren von gestern an, was mich völlig umhaut. Er ist total kleinlaut, was so gar nicht zu ihm passt. Er bedankt sich überschwänglich dafür, dass ich mir Zeit für ihn nehme. Äääh, das macht mich noch neugieriger. Er möchte noch mal mit mir über gestern reden. So könnten sie nicht weitermachen. Er räumt ein, am Montag völlig dagegengehalten zu haben und gestern tatsächlich auf das „Hab´ ich Euch doch gesagt“ gewartet zu haben. Da lag ich mit meinem Gefühl ja goldrichtig. Ich erkläre ihm, wie wenig zielführend das doch sei. Eine Erkenntnis, die sie selbst gewonnen hätten, müsste ich ihnen doch nicht mehr um die Ohren hauen. Wir haben hier die Problematik, die wir von Anfang an hatten: Im Grunde kann nur einer verantwortlich sein. Die Jungs machen das aber mal eben zu zweit – und sind sich, oh Wunder, dann nicht in allem einig. Komisch, habe ich noch niiiiiiie gehört. Er ist auch quasi „nur“ ein Berater im Hintergrund, was ihm eigentlich auch klar ist. Irgendwann sagt er dann: „Ich muss loslassen, gell?“ Ich stelle mir vor, ich rede mit einem Papa, der bemerkt, wie seine Tochter flügge wird. Krass, wie er das im beruflichen Kontext ähnlich empfindet. Das macht ihn mir noch sympathischer. Die beiden Jungs sind nicht so einfach im Umgang, aber genau solche Charaktere mag ich ja.

Dann muss ich aber zu meiner heutigen Tagesveranstaltung – ganze sieben Stunden Online-Veranstaltung. So was ist in Präsenz immer schon anstrengend, aber online ist es etwas völlig anderes – nämlich noch ermüdender. Dazu ist die Trainerin…laaaaaaangsaaaaaaam. Aber Scharping kann ich da nicht heranziehen, weil er ein Mann ist. Die Verantwortliche appt mich parallel an und fragt mich, ob nur sie ungeduldig sei oder ob unsere Kollegin echt träge und langsam unterwegs sei? Das Langsame ist das Eine. In jedem Satz kommt aber zum Ende auch noch ein „genau“ als Selbstbestätigung angehängt obendrauf. Puh. Ich entwickel´ eine Spontan-Narkolepsie, befürchte ich. Aber die andere Kollegin regt sich ohne Ende auf, weshalb ich versuche, sie etwas runterzukochen. Ich schlage ihr Atemübungen vor, denn sie sitzt ja bei sich Zuhause und kann mich nicht hauen oder mit etwas Geworfenem treffen. Und dann springt´s mich an – urplötzlich. Das ist Morla! Ich treffe also wirklich und echt die weise, alte Schildkröte aus der „unendlichen Geschichte“! Ja, wo gibt´s denn so was? Diese Wahnsinnserkenntnis teile ich mit meiner aufgebrachten Kollegin. Und die? Die kennt Morla nicht einmal! Alter, bin ich alt. Dabei ist sie gerade mal 13 Jahre jünger. Hallo? „Die unendliche Geschichte“ ist zeitlos! Aber gut, ich schau´ das rasch bei YouTube nach und finde natürlich einen Ausschnitt, den ich ihr schicke. Ein Hoch aufs Internet. Meine Kollegin lacht. Gut, dann ärgert sie sich wenigstens auch nicht mehr. Und so plätschert der Tag langsam vor sich hin. Morla schafft´s halt in ihrem Tempo. Das nennt man heutzutage wohl Entschleunigung.

Da ich ein paar Minuten zu früh zum Einstieg zugeschaltet bin, unterhalte ich mich mit meiner Kollegin. Diese fragt noch nach, ob wir schon unsere Abrechnungen erhalten hätten? Das ist echt clever: Wir sollen ja von Zuhause aus arbeiten, wenn es nur irgendmöglich sei – so die allgemeine Parole, die vom Unternehmen ausgerufen wurde. Die Lohnabrechnungen legt man uns aber logischerweise in unsere Postfächer. Wann ich diese wiedersehe? Naja…vielleicht dann doch mal im April. Da fragt man sich schon, ob da auch nur einer über eine Hirnzelle verfügt? Nun ist es für die Kollegin aber noch blöder, da sie unbedingt ihren Lohnsteuerjahresausgleich machen möchte. Ich bin da entspannt und denke mir, dafür habe ich ja noch ein paar Monate Zeit. Wir scherzen noch rum, ob sie die Steuerrückzahlung für ihre Hochzeit im Sommer bräuchte? Sie steigt direkt drauf ein: Klar! Sie wolle davon ihr Kleid schießen…mindestens! Also biete ich großzügig an, mich in eine leergefegte Fußgängerzone zu setzen und laut zu singen. Also, laut und schief. Es laufe zwar niemand mehr da wegen eines möglichen Einkaufs rum, aber die Anwohner würden garantiert vor lauter Ohrenschmerzen die Fenster aufreißen und Kohle rauswerfen, damit ich abhaue. Ich finde die Idee sehr geschäftstüchtig. Aber was dann passiert, ist so klar: Wenn ich mal eine gute Idee habe, dann kommt jemand anderes und will einsteigen. Was soll ich sagen? Es schwankt noch, ob wir nun zu zweit oder zu dritt diese tolle Geschäftsidee umsetzen sollen. Das Doofe dabei: Die beiden Kerle, die da mitmachen wollen, erwarten natürlich eine finanzielle Beteiligung. Ist das kein gieriges Pack? Heute kriegste nix mehr geschenkt. Ich bin desillusioniert. Gut, dafür habe ich Morla kennengelernt. Immerhin etwas. Alles geht einfach nicht.

Zum munteren Abschied ziehe ich mir nun noch zwei Stunden Schulung rein. Ich hatte ja heute noch nicht genug. Es fällt mir doch recht schwer, mich jetzt noch zu konzentrieren, weshalb ich hier munter schreibe. Das geht eigenartigerweise besser. Aber nun sag´ ich mal lieber: Schönen Abend Euch, denn ich versuche jetzt zumindest mal, aufmerksamer zuzuhören.

wenn mal einer mit am Gras zieht

Heute dürfte es anstrengend werden. Ich habe mehrere Blöcke hintereinander zu absolvieren. Aber dann kommt es erstmal anders. Kurzfristig und ohne Angabe irgendeines Grundes, wird ein vier Stunden Termin gecancelt. Da ich genügend auf dem Plan habe, kann ich jederzeit Aufgaben umschichten, ohne Langeweile zu riskieren. Das passt mir also ganz gut in den Kram. Und so kann ich mich immerhin auch auf meinen Mittagstermin vorbereiten, der alles andere als locker flockig werden wird. Deutsche und polnische Kollegen, die IT-Nerds sind, werden dort technische Details diskutieren – alles auf Englisch. Das ist nicht wirklich meine Komfortzone. Es wird dann zwar nicht ganz so wild, but well…now I have a Knoten in my Kopp. Ist schon witzig, wie stark man die Muttersprache bei den meisten raushört.
Anschließend bin ich richtig platt, doch die Verantwortlichen skypen mich nahezu nahtlos an, weil sie interessanterweise sofort Feedback wünschen. Huch, da bin ich aber überrascht. Gestern sind sie so selbstbewusst aufgetreten, heute brauchen sie ein bisschen Ei-Ei? Sie sind auf einmal ganz kleinlaut und räumen sofort ein, es zeitlich falsch eingeschätzt zu haben. Och je-chen, die vermuten, ich hau´ jetzt ein: „Hammer doch jesacht“ raus? Bringt doch nichts. Also lobe ich sie brav und ermutige sie, demnächst die Zeiten etwas klarer zu strukturieren und mehr Fragen zuzulassen. Ansonsten machen wir einfach gemeinsam weiter. Und da höre ich ihn plumpsen, den Stein, der dem Hauptverantwortlichen vom Herzen fällt. Das macht mich dann wiederum baff. Ich mutmaße allerdings, das hält maximal bis morgen an. Dann strotzen beide wieder vor Selbstbewusstsein. Ich persönlich mag es ja, wenn Menschen dann auch mal menschlich sind und Nerven flattern. Das zeigt, dass sie noch keine Roboter sind.

Im nächsten Gespräch bin ich mal wieder Grenzgänger. Ich frage mich, wieso ich das so in mir habe? Es gibt Regeln und Gesetze, an die ich mich auch halte. Aber im Job gibt es Regeln, die ich einfach als doof und unsinnig empfinde. Da reitet mich immer so ein kleines Teufelchen. Das Böckchen in mir senkt das Haupt und ruft ganz rotzig (richtig, ohne „t“): „Komm´ doch…trau´ Dich ruhig!“ Kompetenzgerangel ist so etwas, was ich nie verstehen werde und was dann diese rotzig-freche Haltung in mir hervorruft. Mein Motto ist da eher: Erlaubt ist, was hilft. Und so bin ich dann auch unterwegs. Jetzt entwickeln wir mal wieder an den eigentlich Zuständigen vorbei ein Konzept, das auf zukünftigte Zusammenarbeit abzielt. Quasi das, worin ich meinen Chef derzeit ja auch berate, wobei das da dann wiederum nicht passend ist, da ich ja Teil des Teams und somit des Problems bin. Wenn ich das aber schon mal konzeptionell ausarbeite, kann ich bestimmte Parts davon auch für andere Teams übernehmen, oder? Der einzige Haken: Ich habe ohnehin schon zu viele Themen. Nur wenn ich sehe, wie motiviert ein Teamleiter dann mal ist, will ich das nicht liegen lassen. Es ist nämlich unendlich mühselig, ständig Hunde zur Jagd tragen zu müssen, weshalb ich es so genieße, wenn dann mal einer ebenfalls am Gras zieht und aktiv um Unterstützung bittet. Wenn ich dafür mal irgendwann auf die Schnüss bekomme, schüttel´ ich das locker ab. Komisch, in der Hinsicht habe ich dann wiederum ein verdammt dickes Fell. Könnte ich durchaus häufiger gebrauchen.

Es bleibt dabei: Heute ist so ein non-stop-Tag, weil ich abends wieder meine Lernrunde mit meiner Mitschülerin habe. Kurz habe ich überlegt, diese zu verschieben. Aber das ist wohl, wie beim Sport: Es bringt nichts, den Schweinehund immer zu bedienen. Das nächste Wochenende muss ich ja auch wieder komplett ins Webinar. Jeder volle Abend ist also im Moment gefühlt „zu viel“. Schon krass, was nur die Aussicht auf so ein Wochenende mit meinem Müdigkeitsempfinden macht. Prompt bin ich nämlich furchtbar müde. Gut, es könnte auch an meinem Traum letzte Nacht liegen, in dem ich einen Mann kennengelernt habe. Aber ich weiß ja, wie das ausgeht, wenn ich jetzt wieder mal hoffe, er möge mich in der kommenden Nacht doch noch mal im Traum besuchen. Da passiert nämlich wieder mal nüscht. Und nein, er weist keinerlei Ähnlichkeiten mit Heinz auf, der mich heute Gottseidank auch nicht behelligt. Es gibt gute Tage, es gibt schlechte Tage…und es gibt Tage mit Heinz. Die toppen nun mal alles. Bin gespannt, wie er unsere Team-Workshop-Einheiten erleben wird. Aber nein, daran will ich jetzt nicht denken, sonst träume ich noch von ihm. Und dann wird mir schlecht und ich wache mit Würgereiz auf. Ist bestimmt auch nicht so lecker am Morgen. Daher rufe ich jetzt meine liebe Freundin zurück und quatsche mit ihr bis zum Einschlafen. Dann habe ich gute Gedanken und die Hoffnung auf tolle Träume. Ein Hoch auf die Erfindung des Telefons und noch mehr auf uns Frauen!

bisweilen zahlt sich Langmut aus

Es ist Montag. Das Synonym für Arschlochtag. Dabei schneit es heute schwarz. Und ja, auch die Hölle friert zu. Warum? Ich komme gleich darauf zu sprechen. Zunächst einmal ist heute Morgen wieder unsere erstklassige, effiziente Besprechung – haha. Was ich mit dieser Zeit alles anstellen könnte, das mich weiter brächte…länger schlafen…lesen…Maniküre, Pediküre…Orangen auspressen… Ach, mir fällt allerhand ein, bei dem wesentlich mehr herauskäme. Aber ich will nicht undankbar sein. Ich sitze im Warmen, während draußen die Nebelsuppe vor sich hinwabert.
Heinz wirkt in den letzten zwei Wochen deutlich gestresster, weshalb er munter um sich schießt, maßregelt, ungefragt Feedback gibt, Weisungen raushaut usw. Ich überlege derweil, welche Foltermethode ich wie einsetzen könnte? Zwischendurch schießen mir wieder die Bullet Ants aus Peru durch den Kopf. Aber nachher schlägt er so ein armes Wesen noch kaputt. Das täte mir dann doch wieder für die Ameise leid.
In der Regel regt´s Heinz auf, dass wir zu schnell sind und etwas nicht lange und ausgiebig genug diskutieren. Bei meinem Report bin ich daher so nett, ihn doch mit einzubinden, also sage ich: „So kam das bei mir letzten Donnerstag an. Oder Heinz, was sagst Du dazu?“ Stille…Stille. Ich frage – wirklich vorsichtig – nach: „Heinz? Bist Du da?“ Dann erst öffnet Heinz das Mikro und zickt gleich rum. Wäre er eine Frau, ich würde die Wechseljahre vermuten. Ganz eindeutig. Er benötige schlichtweg Zeit, das Mikro freizugeben, „Kollegin“! Und das würde er jetzt ein für alle Mal sagen! So! Und dann gibt der Verrückte seinen Senf zum Thema. Ich sitze hier und grinse. Der Tonfall ging gar nicht. Es ging so einiges nicht. Außerdem habe ich noch nie nachgefragt, daher beziehe ich diesen Ausraster einfach nicht auf mich. Oh ja, es wird Zeit, dass ich ihm den Kalk aus den Augen puste. Aber erstmal übe ich mich in Gleichmut. Wer zündelt schon neben einer Ladung TNT mit einem Streichholz herum? Heinz ist nicht mehr der Jüngste. Das fetzt ihm nachher noch die Arterien weg. Und siehe da, ein Wunder geschieht: Nach einer Stunde erhalte ich von ihm eine Entschuldigungsmail. Ich schaue mal wirklich verblüfft und doof durch die Gegend ob dieser Mail. Kann doch nicht sein. Hektisch schaue ich mich um, ob irgendwo eine Kamera hängt, entdecke aber keine. Dann lese ich die Mail noch einmal. Gut, ich denke kurz an die Gummibärenbande, aber wurscht. Er entschuldigt sich für seine heftige Reaktion und erklärt diese damit, er sei seit 5:30 Uhr schon auf und völlig überladen mit Arbeit. Aber der Zusatz ist das Lustigste: „Hab grad meinen Gleichmut-Smiley am Bildschirm platziert.“ GEILOMAT! Ob ich ihm einfach eine Sprachnachricht vorsinge mit der Titelmusik der Gummibärenbande? Mir wäre so danach.

Mutig und freundlich, so tapfer und gläubig
Fröhlich und frech kämpfen sie auch für dich
Leben im Wald unter Bäumen und Steinen
In ihren Höhlen, da sind sie zu Haus‘

Aber nein, ich begehe dieses Sakrileg natürlich nicht. Bei dem piept´s wohl völlig. Ich sehe mal das Gute: Er nimmt wahr, dass er ganz viel Blödes absondert. Naja, das war wohl zu positiv interpretiert. Er hat´s in dieser einen konkreten Situation wahrgenommen. Ich habe mal gelernt: Man muss auch für die kleinen Dinge dankbar sein. Was ich noch gut finde: Ich war langmütig und habe ihn nicht vor versammelter Mannschaft beschossen. Das nenne ich mal Körperbeherrschung! Pah, was bringt mir ein Sixpack, wenn ich es schaffe, so langmütig zu sein?! Was ich auch gut finde: Er bringt den Ball ins Spiel. Also atme ich tief durch und bedanke mich artig für seine Mail. Ich schreibe auch, dass mir sein Gestresstsein durchaus aufgefallen sei, was mir leidtäte. In diesem Zuge bitte ich in freundlich darum, mir zukünftig zu von mir erbrachten Leistungen (Moderation etc.) kein ungefragtes Feedback zu geben und mich doch bitte auch nicht mehr zu maßregeln. Seine Reaktion fällt knapp aus: „Ich versuch´s!“ Sagen das nicht auch Kinder, wenn man ihnen ein Überraschungsei hinlegt und sagt, sie sollen es nicht essen, aber schon ganz genau wissen, dass sie darüber herfallen werden, sobald der Erwachsene das Zimmer verlässt? So in etwa schätze ich die Wirkung hier auch ein. Aber immerhin: Er zeigt Willen – nur sein Fleisch wird schwach sein. Wir werden sehen.

Vorhin haben wir eine Rücksprache mit zwei Projektleitern, die zu schnell voranpreschen. Mir ist es ja immer lieber, wenn Menschen mal zu viel Gas geben, als zu wenig. Nur übertreiben die Guten es dann doch. Daher findet kurzfristig die Rücksprache statt, zu der sie auch zusagen, aber nicht, ohne ein paar spitze Bemerkungen und Rechtfertigungen von sich zu geben. Auch irgendwie wieder ein Verhalten, das überlicherweise kleine Kinder an den Tag legen: „Aber der Justus hat mich zuerst mit seinem Schäufelchen gehauen.“ So steht´s ja schon in der Bibel: „Wenn Ihr nicht werdet wie die Kinder“. Meine Kollegin findet klare Worte, die ich richtig gut finde. Dabei verdeutlicht sie, warum welche Schritte vorgesehen sind. Da ich die beiden samt Team morgen aber alleine begleiten werde, sage ich auch noch ein paar warme Worte zum Ende. Passt alles für mich, alles ist geklärt. Da ich aber noch nicht so lange in dem Thema drin bin, bedanke ich mich bei meiner Kollegin noch, dass sie das so klar formuliert habe. Sie bedankt sich hingegen, dass ich das so weich abgerundet habe, was ihr manchmal so schwerfalle. Da bin ich dann überrascht. Betrachtet man rein die Optik und unser Auftreten, würden wir genau das Gegenteil ausstrahlen. Sie ist klein, blond und eher elfenhaft. Und ich? Äääääh…alles nicht. Aber unterm Strich hat es sich wohl gut ergänzt.
Im Vertrieb habe ich einen wichtigen Leitsatz für mich verinnerlicht: Dem Kunden muss der Nutzen klar sein. Und so gehe ich für mich immer an die Dinge heran. Wenn mein Gegenüber versteht, warum wir was machen, kann er auch mitgehen. Wenn ich dann noch Bilder dazu erzähle, wie: „Die Befürchtung ist einfach gerade nur, dass Ihr Euch selbst rechts und links gleichzeitig überholt“, nimmt das dem Ganzen die Schärfe, hat sie alle noch mal lachen lassen und gut ist. Nur Ponyhof ist es dann auch nicht. Ich habe schon auch noch ergänzt, dass es für mich bestimmt eine spannende Reise werden wird mit „Euch beiden Alpha-Tierchen“. Schauen wir einfach, wie sich das entwickelt. Nur macht es genau das für mich aus, denn ich mag Herausforderungen ja durchaus. Ach ja, da kommen spannende Zeiten auf mich zu. Ich hoffe nur, ich muss mich nicht zu sehr zerteilen, um alle Aufgaben zu meistern. Das ist ja eher mein Lernfeld. Doch ich will ja manchen Ballast loswerden. Vielleicht also auch die Eigenschaft, immer allem gerecht werden und alles bedienen zu wollen. Wäre mal ein Ansatz, hm?

Ordnung in den Überfluss

Äääh, ich muss wohl mal was klarstellen: Ja, ich habe am Freitag einen Käsekuchen gebacken. Aber nein, es ist kein normal großer, sondern eine kleine Variante. Mein Neffe hat mich mit seiner Frage erst darauf gebracht. Er hat wirklich gedacht, ich hätte für meine Kollegin und mich einen ganzen Kuchen gebacken. Ok, ich liebe Käsekuchen, aber so bescheuert bin nicht mal ich! Einen ganzen, großen Käsekuchen…hallo?! Nee. Echt nicht. Was manche von Euch für eine Phantasie haben, ist schon erstaunlich.

Was ich gestern gelesen habe, mache ich heute mit Telefonieren wett. Tja, was kann ich dafür, nur über die klassischen Frauenhobbies zu verfügen? Und da Shopping gerade nicht geht, müssen eben die anderen Hobbies herhalten. Das hat dann gestern Abend/ Nacht solche Karpiolen geschlagen, dass ich erst gegen 2:35 Uhr meinen Kindle ausgeschaltet habe. Ich weiß, wie bescheuert das ist. Zumal ich damit ja auch meinen Rhythmus durcheinanderwirbele. Aber wenn ein Buch so gut ist, dann galoppieren da schon mal die Pferdchen mit mir durch. Ach ja, meine Sprünge in meiner Schüssel sind schon speziell.

Apropos Schüsseln: Meine Wohnung gefällt mir ja von Anfang an nicht. Es war eine Notlösung, da der Wohnungsmarkt einfach abartig ist. In dieser Notlösung wohne ich nun seit guten zweieinhalb Jahren. Zwischendurch denke ich dann immer mal wieder, ein Umzug sei einfch zu teuer – zumal ich ja ohnehin mit großer Wahrscheinlichkeit nicht in Bayern bleiben will. Nee, nicht wegen Söder. Hier fehlt einfach das Meer. Und irgendwie auch das Gefühl, angekommen zu sein. Die völlig überzogenen Mieten für einfache Buden tun ein Übriges dazu. Aber ein Umzug bedeutet auch an sich echt viel Kohle und wieder Kisten packen. Ein Umstand, auf den ich so wenig Lust habe, wie ich Fußpilz mag. Je länger ich dann auch noch nachdenke, wie viel Kram ich habe, der mich echt langsam immer mehr erdrückt, desto stärker wird das Gefühl, dass ich Ballast abwerfen will. Wie singen Silbermond noch gleich? „Es reist sich leichter mit leichtem Gepäck“. Ich mag das Lied nicht mal, aber den Sinn, finde ich gut. Nein, ich muss nicht sofort starten. Aber wenn Mitte März meine letzte Schulung vorüber ist, kann ich also mein neues Projekt starten: Was brauche ich wirklich, und was kann weg? Wenn ich überlege, wie viel Geschirr, Gläser und dergleichen noch von mir bei meiner Sis auf dem Speicher rumdümpeln, dann ist das schon krank. Aber der Knabe an der Quelle, war immer schon schwer beladen. Es ist soooo unendlich lange her, dass ich als Aushilfsjob in einem Porzellanladen gearbeitet und immer die tollsten Sachen angeschleppt habe. Mit 22 habe ich aufgehört, dort zu arbeiten. Das sind also mittlerweile 22 Jahre! 22 Jahre, in denen ich manche (viele) Dinge davon nie in Gebrauch hatte, weil sie das Prädikat „zu schade“ trugen. Oder weil sie keinen Platz gefunden haben. Puh!!! Die Tischdecken habe ich allein vier Mal mit umgezogen, bis ich sie Ende November in einem Anflug von „das muss weg“ aussortiert habe. Wer packt heute noch groß eine Tischdecke auf den Tisch? Und so dümpeln in dieser Wohnung Schüsseln, Tassen, Teller etc. herum, die ebentuell noch jemand gebrauchen kann, mir aber nur Platz wegnehmen. Muss ja nicht sein. Ich warte ja immer noch darauf, dass die vom Flüchtlingsheim eines Tages doch noch aus dem Pudding kommen. Dann würde ich da mal nachfragen. Das sind immerhin Menschen, die nahezu ihr gesamtes Hab und Gut hinter sich lassen mussten. Klingt nicht verkehrt, denen dann was abzugeben, oder? Auch Taschen. Ich war jetzt nie so eine Tussi, die tausend Tasche hatte, aber fünfzehn habe ich locker. Dabei sind nur drei davon regelmäßig in Nutzung. Gut, von Schuhen will ich nicht einmal anfangen. Da gibt´s sogar Exemplare, die ich noch nie getragen habe. Und ja, dieses Phänomen kennen die meisten Frauen. Aber normal ist das dennoch nicht. Es gibt diese schick-im-Sitzen-Schuhe. Doof nur, dass Du trotzdem bis zum Platz laufen musst. Und da tun sie schon aua, weshalb man sie einfach gar nicht trägt. Gut, jetzt könnte ich die ja in eine größere Tasche packen, auf flachen Schühchen zum Patz eiern und dann die unbequemen mit dem hohen Absatz anziehen. Aber dann muss ich immer noch zwischendurch zur Toilette. Ihr seht also, mit welchen Problemen wir Frauen uns herumschlagen müssen!
Was ich damit sagen will: Ich war immer schon ein Hamster. Nur nervt mich das gerade, weil in dieser Bude einfach alles viel zu beengt ist und das Hamstern über die Jahre den Berg zu sehr hat anwachsen lassen. Dabei sind es 52 qm, die ich hier zur Verfügung habe. Der druchschnittliche Platz für jeden Einzelnen liegt in Deutschland bei ca. 45 qm. Warum brauchen wir so viel? Schon pervers. Wir brauchen nur mal nach Italien, Spanien, Griechenland zu schielen. Da sind sie zu viert froh über diese Quadratmeter-Anzahl. Und wenn ich mal meine Hand aufs Herz lege: Ich besitze jede Menge Kram für „vielleicht irgendwann mal“-Momente, die ja doch nicht kommen. Die gab es die letzten 44 Jahre nicht. Wieso sollten sie nun auf einmal auftreten? Und sterbe ich, wenn ich dann beispielsweise keine Serviettenringe habe? Wohl kaum.
Der nächste Schritt wird es dann sein, alle Vorräte mal herunterzuwirtschaften. Ich habe Kerzen, die locker für 20 Winter reichen würden. Oder Gewürze. Oder Konserven. Könnte ja mal ein Krieg ausbrechen. Das habe ich so von Zuhause übernommen, aber es belastet eben auch ungemein. Spontan kannst Du mit so vollen Schränken und Schubläden nicht sein. Wie auch?

Ihr seht: Es ist nicht so, als könnte mir im Home Office so richtig langweilig werden. Es gibt genug zu tun. Also werde ich es Schritt für Schritt angehen…hoffentlich…also vielleicht…irgendwann einmal. Ach ja, verschieben wir es einfach auf morgen – in Anlehung an die einzigartige Scarlett O´Hara.

Käsekuchen und Video-Telefonie

Heute ist Faulenzertag. Das ist ein guter Tag. Ok, es gibt ihn in letzter Zeit häufiger für mich. Aber ich kann das entweder genießen oder mich beklagen, weil ja nichts los ist. Mmmh…genießen gefällt mir irgendwie besser. Außerdem ist ja auch noch Käsekuchen übrig.

Vorhin schreibt mir mein männlicher Lieblingskollege. Er ist ein Goldschätzchen für mich. Das ist derjenige, der sich selbst als Ameisentätowierer bezeichnet. Und ja, er spaltet Haare. Nur tut er das auf witzige Art und Weise. Er polarisiert, glaube ich, noch mehr als ich das schon tue. Entweder, man mag ihn – oder man hat so richtig ein Problem mit ihm. Das ist es, was ich manchmal bei Menschen vermisse: Ecken und Kanten. Er hat davon reichlich. Und gleich darunter hat er einen wunderbar weichen Keks. Klingt fast schon wie eine Liebeserklärung, was es auch irgendwie ist, aber eben nicht SO. Wir witzeln viel miteinander, aber wir kotzen uns auch gegenseitig aus. Solche Menschen braucht´s einfach, finde ich. Denn am Ende des Gesprächs haben wir immer beide saugute Laune.

Heute schreibt er mir von einem Freund, den ich auch kenne (auch ein Kollege). Der angehende Schwiegervater seiner Tochter ist im Alter von 56 Jahren an Corona verstorben – ohne bekannte Vorerkrankung. Im Netz taucht dann eine Meldung auf (ich meine, es war auf Facebook), wie viel Kohle man denn bekäme, wenn man das schreiben würde? Ist das nicht beschämend?!?! Ich bin für Meinungsfreiheit. Ich bin auch dafür, dass jede(r) denken darf, was er/sie will. Aber es gibt Grenzen. So was macht mich fassungslos. Und nein, ich bin auch nicht unkritisch. Es gab und gibt Fehlentscheidungen, die ich nicht gutheiße. Gerade, wenn man neue, nie da gewesene Herausforderungen meistern muss, dann gibt es beim Ausprobieren auch Fehler. Und ja, da fehlt es an Fehlereingeständnissen, wie ich gestern schon schrieb. Doch eine weltweite Pandemie zu leugnen, fällt mir im Nachvollziehen schon recht schwer. Aber Trauernden noch so einen Fausthieb ins Gesicht zu geben, da setzt es bei mir aus. Woher nehmen diese Arschlöcher ihr gottverdammt unmoralisches Handeln? In mir macht sich eine zunehmend größere Wut breit, wenn ich hirnlose, asoziale Egomanen um mich herum wahrnehme. Es gibt auch die Guten, nur sind die leider leiser.
Umso schöner, wenn es dann solche Menschen, wie meinen Kollegen gibt. Jetzt habe ich drei Tage hintereinander tolle Kollegen hier oder per Chat genossen. Da kann ich echt dankbar sein, ich weiß.

Und doch frage ich mich, wie man den Irren beikommen kann? Den Volldeppen, die in Holland Geschäfte plündern, weil sie sich in ihrer Freiheit beschränkt fühlen. Sie dürfen auch wütend und enttäsucht sein, aber müssen sie die Lebensgrundlage anderer zerstören? Müssen sie ihren Hass und ihre Wut an Unschuldigen auslassen? Woher kommt das alles?

Das passt zu einer Bekannten von einem Freund. Die meinte vor ein paar Monaten auch, dass das mit Corona vermutlich nur eine Erfindung sei. Ob er denn auch nur einen Todesfall persönlich kenne? Er hat gut reagiert mit der Gegenfrage, ob sie einen von den im Schnitt 3.000 Verkehrstoten pro Jahr persönlich kennen würde? Sonst sei das bestimmt auch alles nur Fake. Darauf kam keine Antwort mehr. Das ist ja das Schlimme: Sie wollen gar nicht zuhören. Du kommst ihnen mit Argumenten nicht bei. Sie haben sich etwas eingeredet und drehen sich immer weiter hinein. Es ist zum Verzweifeln.
Wie schreibt mein Kollege vorhin noch so treffend? Es sei gut, dass er im Moment nicht zur Arbeit dürfe. Würde er auf dem Firmengelände wieder auf einen von den Leugnern treffen, wüsste er nicht mehr, was er täte. Zuschlagen würde er nicht…aber vermutlich verdammt laut schreien. Aber ob laut oder leise – einen Dialog wollen diese Menschen ja gar nicht (mehr) führen.
Dabei verstehe ich, dass Eltern demonstrieren, weil sie sich Sorgen um ihr Familienleben machen. Dass Schule wichtig ist und Kinder/ Jugendliche den sozialen Austausch dringend benötigen, das verstehe ich. Die Gastronomen, die ihre Existenz baden gehen sehen…oder auch andere, beispielsweise Einzelhändler. Dass den großen Firmen mehr in den Arsch geblasen wird, als das bei den kleinen Selbständigen der Fall ist…ja, all das verstehe ich. Und dass da zu wenig getan wird, sehe ich auch ein. Leider mischen sich unter diejenigen, die sinnvoll und friedlich demonstrieren, die Hass versprühenden, die Demokratie mit Füßen tretenden Drecksäcke. Ich hoffe, sie verstummen bald wieder. Aber ich befürchte, sie haben noch zu viel Luft, um zu verstummen. Hoffentlich wird der Schaden nicht zu groß, den sie anrichten.

Aus diesen Überlegungen holt mich meine Sis raus. Sie ruft per Video-Anruf an. Da ich im Dunkeln lese (E-book-Reader sind was Feines), hat sie nur ein schwarzes Bild. Irgendwann schlappe ich rüber an meinen Tisch und zünde eine Kerze an. Wenn schon, dann auch romantisch. Und in der Tat: Es tut einfach gut, dass wir uns sehen. In den Arm nehmen, können wir uns nicht. Aber zumindest können wir uns beim Reden sehen. Ach, die Technik hat doch auch deutliche Vorzüge. Morgen will ich das mal mit meinem großen Neffen ausprobieren. Ich nehme es mir immer mal wieder bei diversen Leuten vor, mache es aber viel zu selten. Mit einer Mitschülerin lerne ich per Skype, was wirklich anders ist. Ich schaue mal, ob das kein fester Bestandteil in meinem Leben wird. Wer weiß, wie lange wir noch Zuhause bleiben sollen? Das hilft eindeutig gegen Vereinsamung.

Isset nich schön?

Wenn Du denkst, es geht nicht mehr….geht doch noch mehr. Herrlich! Heute habe ich überstundenfrei. Und deswegen treffe ich mich mit einer Freundin von der Arbeit. Ja, die Zweite in Folge – bin ich ein Flittchen! Eigentlich waren wir zum Spaziergang verabredet mit anschließendem Kuchenessen. Uneigentlich soll es heute aber usselig werden. Mit anderen Worten: Es soll plästern. Könnt Ihr auch nix mit anfangen? Na dann so: Heftig und viel regnen. Jetzt verstanden? Also sage ich, dass ich nach wie vor backen würde, aber auf den Spaziergang verzichten wolle. Das sieht meine Freundin genauso. Ich glaube allerdings, hätte ich ihr gesagt, wir gehen spazieren, aber es gäbe anschließend keinen Käsekuchen, hätte es Tote gegeben. Andersrum ist es also eindeutig besser.
Als ich sie gestern per What´s App frage, wann sie denn vorbeikommen wolle, antwortet sie mit: „Ich kann ab halb zehn.“ Äääääh, ich liebe Käsekuchen, keine Frage. Aber zum Frühstück?!?! So pervers bin nicht mal ich. Also schlage ich vor, dann doch lieber zu frühstücken und den Kuchen auf später am Tag zu verschieben. Damit kann sie auch leben. Und so trudelt sie irgendwann mit Brötchen bewaffnet ein. Das letzte Treffen ist wieder viel zu lange her, also umarmen wir uns erstmal ausgiebig. Jaaaaaaa, nicht regelkonfrom. Ich sch*** drauf!
Da es draußen so ungemütlich aussieht, habe ich uns ganz stimmungsvoll Kerzen angezündet (ich weiß, auf so was stehen nur wir Mädels) und lecker Cappuccino gemacht. Heute verwende ich auch die richtige Milch, die sich aufschäumen lässt, ich Depp. Meine Freundin ist so, wie kleine Kinder an Weihnachten, weil sie sich so freut. Ihre Augen funkeln richtig, sie strahlt, wie ein Weihnachtsbaum. Es sei soooo schön, umsorgt zu werden. Darin wiederum, gehe ich ja auf. Ich betüddel´ ja gerne. Also passt es doch hervorragend.
Wir ratschen, ratschen und ratschen. Dabei bringe ich sie auf den neuesten Stand, was in unserem Team so abgeht, weil sie ja schon länger fehlt. Irgendwann schlägt sie vor, doch ein Ründchen zu spazieren, weil es doch jetzt auf einmal so schön draußen sei. Mmmh…ich bin eine faule Socke. Aber wir raffen uns dann doch noch auf und schlendern hoch zum Schloss, wo sie noch nie war. Kurz vor dem Schloss unterhalten wir uns noch, ob hier wohl Maskenpflicht sei? Und prompt laufen wir zwei Personen vom Ordnungsamt in die Arme. Der Ordnungshüter nickt und sagt: „Ja, die gilt hier.“ Er hat uns also gehört. Er und seine Kollegin sind ganz ruhig, zicken uns nicht an, sondern sind einfach bemüht, die Leute darauf hinzuweisen. Passt völlig, aus meiner Sicht. Wir ziehen also brav die Masken auf. Auf diesem Straßenabschnitt gilt sie, aber der größte Teil der Strecke war maskenfreie Zone. Da soll noch einer durchblicken! Für ein paar Selfies oben am Schloss ziehen wir kurzfristig die Maske noch mal ab, aber verstecken uns dabei hinter einem Baum. Es geht auch rappzapp, nur wenn schon dieser dämliche Föhn herrscht, der einen die Berge in der Ferne gut erkennen lässt, dann sollten wir das auch kurz ausnutzen.
Im Schlossgarten setzen wir uns dann auf eine Bank in der Sonne. Mmmmh, es hat fast was von Frühling – bis es sich dann recht zackig wieder zuzieht. Die ersten Tropfen fallen, bis es dann doch voll zu plästern anfängt. Das ist echt typisches Aprilwetter – im Januar! Sind denn alle bekloppt?! Dafür schmecken Tee und Käsekuchen danach umso besser. Wir knacken den Rekord. Nach sieben Stunden fährt sie dann doch mal nach Hause. Dort angekommen, spricht sie mir entsetzt eine Nachricht auf, es tue ihr so leid, meinen kompletten freien Tag gesprengt zu haben! Darüber habe sie ja gar nicht nachgedacht. Wir waren ja schließlich nur zum Kuchenessen verabredet gewesen. Och, ich bin da fein. Dieses Treffen hatte die Länge eines normalen Arbeitstages, solange wir in Kurzarbeit sind. Da ist das doch die perfekte Alternative – zumal nach dieser Woche mit Heinz. Ich hab´s einfach nur genossen. Von solchen lockeren Stunden kann ich durchaus mehr vertragen. Dann klappt´s auch wieder besser, mich zu motivieren.

Apropos Motivation: Der Landrat des Kreis Heinberg, Herr Pusch, war auch mal wieder motiviert. Ich bin ja nicht so wirklich politisch engagiert, aber kann seinen Frust nachvollziehen. Im nachfolgenden Link kann, wer will, mal hören, was ihn so langsam nervt – wie uns alle. https://youtu.be/7nLdhceDCTQ Und das ist das, was ich so häufig mit fehlender Führungskompetenz beschreibe. Er regt sich auf, dass es derzeit nur Schuldzuweisungen gebe, aber keine Fehlerzugeständnisse. Und ja, dieses Spiel zieht sich ja durch alle Kreise und Schichten. Keiner übernimmt Verantwortung. Wenn was klappt, klopft man sich auf die Schulter und rühmt sich selbst. Wenn was verkackt wird, waren es immer die anderen. Ich meine, was bringen wir Kindern immer wieder bei? Wenn Du was verbockt hast, dann sei ehrlich! Es darf nicht gelogen werden! Wieso gilt das nicht mehr für Erwachsene? Wann ist es „in“ geworden, andere zu diffamieren, statt gemeinsam nach Lösungen zu suchen? Die Pandemie ist etwas, das uns alle eiskalt erwischt hat. Und vieles musste ausprobiert werden, weil es eine völlig neue Situation war (und ist), die keiner einschätzen kann. Das kennt man aus der Wissenschaft, wo wir von Hypothese – Versuch – Hypothese – Versuch reden. Zu dem, das man noch nicht (be)greifen kann, bildet man eine Hypothese. Und dann testet man das. Wenn es gut ist, arbeitet man daran weiter. Wenn es nicht gut ist, verwirft man es, sieht es aber als Erfolg an, da man wieder etwas dazugelernt hat. Das wiederum will sich aber kein Politiker eingestehen. Ich möchte kein Politiker sein, aber mit einer Arroganz, wie der von einem Herrn Spahn oder Herrn Laschet, kann man sich nicht einfach so durchlavieren. Das holt einen ein. Schade, dass Kinder den großen Politikern so vieles voraushaben.

Positiv und gut, finde ich folgendes Video: https://youtu.be/pGJEVXvOcRY Darin geht es um das Ende von Corona, das wir herbeisehnen, aber vor allem darum, wie wir das realistisch erreichen können. Es ist sachlich, gut verständlich aufbereitet. Ich finde den Hinweis gleich in zwei Statusmeldungen heute Morgen. Es werden Begriffe erklärt, die manchmal auch falsch verstanden werden können, wie beispielsweise auch die „steriliserende Immunität“. Da verstehen manche, dass wir sterilisiert werden sollen. Das hat damit mal so gar nichts zu tun. Entsprechend bin ich froh, wenn es Menschen gibt, die solche Begrifflichkeiten und Sachverhalte verständlich für uns alle aufzubereiten. Ich hatte zwar Bio Leistungskurs, aber da kamen solche Begriffe nicht drin vor. Doch man lernt ja nie aus, gell? Und das ist auch gut so.

Das Wetter soll ja usselig bleiben – zumindest hier im Süden. Da ist es doch gut, dass ich noch Käsekuchen übrig habe. Den werde ich morgen mit einem Käffchen genießen und es mir gut gehen lassen. Isset nich schön? Wie geht der Witz noch:

Sagt sie in der Nacht zur Goldhochzeit zu ihrem Mann: „Isset nich schön, wie lange wir zwei schon zusammen sind?“ Er nickt und sagt schicksalergeben: „Ja, das is nich schön.“

Traktor oder Dampfwalze

Bah, ist das ein Schmuddelwetter. Der ganze schöne Schnee schmilzt in Rekordzeit. Wer regelt so was da oben eigentlich? Das kann man doch nicht mehr Wetter nennen! Aber wieder einmal: So ist Home Office erträglicher. Ich bin ja immer auf der Suche, mir diesen Mist schönzureden.

Heinz schießt heute alles ab, was ihm so vor die Flinte kommt. Er steht pausenlos kurz vor der Eskalation. Da macht er auch nicht Halt vor meinem Chef-Chef. Vor versammelter Mannschaft maßregelt er ihn, ruft ihn zur Ordnung, macht ihn großzügig auf seine Versäumnisse aufmerksam und nennt ihr immer wieder „Kollege“. Wenn, dann regelt man das im Vier-Augen-Gespräch. Aber nein, Heinz ist in seinem anmaßenden Lehrermodus. Der Chef-Chef reagiert langmütig und geduldig. Krass. Dabei gebärdet sich mein Lieblingskollege echt fett respektlos und unmöglich. Irgendwie würde ich mir schon wünschen, mein Chef-Chef würde ihm mal einen zwischen die Hörner geben. Aber nix! Vor dem Hintergrund, dass er jahrelang Home Office gemacht hat, ohne einen Laptop zu besitzen, was ja letztes Jahr aufgeflogen ist, finde ich das allerhand. Da kann man mal sehen, wie weit manche Leute mit ihrer Dreistigkeit kommen. Sein derzeitig noch unangemesseneres Verhalten ist auf seine Überlastung zurückzuführen. Das ist natürlich alles sehr subjektiv. Aber er ist total davon überzeugt. Nur reicht´s mir gerade. Ich habe meinem Chef die Info gegeben, dass ich beim nächsten Bevormunden von Heinz Seite über selbigen drüberfahren würde. Das versteht mein Chef. Da sind wir aber froh. Nur schade, dass weder Chef, noch Chef-Chef sich berufen fühlen, zu handeln.

Ich gestehe meinem Chef, dass ich derzeit echt nicht so effizient arbeiten würde, was mich selbst ärgere. Meine Motivation ist stark angeschlagen und ich arbeite mit angezogener Handbremse. Sein Kommentar: „Dann mochst imma no mehra wie die ondern.“ Gut, lassen wir das mal mit dem „wie“ so stehen und bestehen nicht auf einem „als“. Doch der Spruch ist schon auch heftig, oder? Es ist ihm schon bewusst, wer bei uns arbeitet (nicht nur ich…da sind schon noch zwei andere, die auch ackern) und wer nicht. Nur hat es keinerlei Konsequenzen. Und trotz allem plagt mich mein schlechtes Gewissen, weil ich so wenig Output generiere. Es sind gerade einfach zu viele Schwerpunkte, an denen ich arbeiten muss. Auch das ist meinem Chef bewusst – nur ändern wird sich daran nichts. Meine eine Kollegin arbeitet sauviel, doch ausschließlich mit einem Schwerpunkt. Ich habe fünf – neben Kleinigkeiten, die noch nebenher geregelt werden müssen. Da komme ich in den Wald, was ich auch so beschreibe. Ändert trotzdem nichts. Nicht so geil, oder?

Gegen Mittag klingelt´s an meiner Tür, was mich erstaunt aufhorchen lässt. Ich betätige die Gegensprechanlage und lausche. Die Post. Hä? Ich habe nichts bestellt. Mmmmh, ob es jemanden gibt, der mich mit einem Paket überraschen will? Nein. Es ist ein Einschreiben. Kurz denke ich an die dumme Nuss vom Amt, die letzten Donnerstag ja alle Schreiben raussenden wollte. Bis heute ist nichts angekommen. Ich argwöhne, irgendjemand hat die Brieftaube abgeschossen, bevor sie ihr Ziel erreichen konnte. Doch auch mit der Vermutung, es könnte ein Brief bzgl. meiner Prüfung sein, liege ich falsch. In der Tat schickt mein Vermieter mir die Mieterhöhung. Kurz bin ich fassungslos, dass er das wirklich zu einer Zeit wie dieser tut. Nach einer kurzen Zeit koche ich wieder runter und bin mir sicher: Seine Gier wird sich rächen. Wenn er meint, 920 Euro sind für 52 qm angemessen, dann holt ihn das Leben irgendwann ein. Und nein, er muss die Wohnung nicht abbezahlen. Das ist sie längst. Mama hat sie ihm aus Steuergründen jetzt schon schuldenfrei überschrieben. Im Gegenzug hat sein Bruder ein Haus im Hinterland erhalten. Die Jungs sind Anfang zwanzig. Na, da läuft´s doch. Und nein, ich leide nicht an Sozialneid. Ich finde nur Menschen, die den Hals nicht vollkriegen, einfach ekelhaft. Was soll´s? Ich war ja vorgewarnt. Der liebe Gott straft nicht mit dem Knüppel…er findet andere Wege.

Heute bekomme ich Besuch von meiner Freundin aus der Arbeit. Vormittags schreiben wir noch kurz, wo sie mir eröffnet, ich brauche nichts zu kochen. Nachtisch würde vollkommen reichen. Ich kann das nicht. So gerne ich Nachtisch habe, ich brauche heute etwas Herzhaftes. Und wenn ich jemanden zu Gast habe, kann ich nicht nur Nachtisch kredenzen. Als sie ankommt, winkt sie frustriert ab, weil sie verloren habe. Sie habe mit ihrer Freundin gewettet, die meinte, ich würde auf jeden Fall noch was anderes kochen. Naja, ich mache nur Pizza, also haben beide irgendwie gewonnen. Leider haben wir ja nach wie vor Ausgangsbeschränkung und müssen demnach um spätestens 20:30 Uhr einen Pin reinhauen, da sie noch bis zu sich fahren muss. Ihre Freundin war auch kurz da, aber einfach zu kurz. Wir holen das nach. Ich will so vieles nachholen, wenn Corona mal Geschichte sein wird. Aber ich merke auch an, dass uns die zeitliche Begrenzung gut tut, weil wir sonst endlos beieinanderhocken würden. 😋😂 Das ist so ein Phänomen: Es gibt Menschen, mit denen kann ich Stunden zusammen sein, ohne dass der Gesprächsstoff zur Neige gehen würde. Da fühle ich mich rundum wohl, und es wird mir nie lästig. Und dann gibt´s andere Personen, bei denen mir oft schon eine gemeinsame Stunde lästig ist. Eigentlich sollte man sich von solchen Menschen fernhalten, schätze ich. Nur ist das nicht immer so leicht umzusetzen. Ich bin froh, dass mein Abend so endet – satt, zufrieden, ausreichend gelacht (zum Beispiel über den Spruch: „Wer andern in die Möse beißt, ist böse meist“. Kracher! Mich hat´s zerrissen.). Was will ich mehr? Ok, einen Traktor oder eine Dampfwalze, um Heinz zu überfahren, aber das ist es dann auch schon fast.

Perverse Welt

Che hat sich heute nicht in mir gerührt. Er ist manchmal schon auch ein arger Faulpelz. Oder er hat Angst vor meinem Über-Ich. Keine Ahnung. Ich habe jedenfalls heute an der Zielfindung teilgenommen bzw. diese sogar moderiert. Ja, wollte ich nicht. Aber irgendwer muss es machen. Und da ich an Lösungen interessiert bin und nicht endlos diskutieren möchte, zieh´ ich das gnadenlos durch. Meine Kollegin ist begeistert – meine männlichen Kollegen wohl eher angepisst. Aber am Ende steht ein fertiges Plakat. Kapieren kann ich es immer noch nicht. Ich schicke meinem Chef das Ergebnis und ein paar Hinweise, die wir andiskutiert haben. Mehr möchte ich echt nicht in diese Richtung machen.

Es folgen mehrere Skype-Termine, die allesamt ok sind. Nur das letzte, das arbeitet noch nach. Eine Kollegin verlässt das Unternehmen. Sie ist ein völlig anderer Typ, als ich es bin. Sie ist karriereorientiert, zielstrebig, ausschließlich rational. Was ich allerdings an ihr schätze, ist ihre Verbindlichkeit und Zuverlässigkeit. Man kann mit ihr diskutieren und streiten, ohne auf eine persönliche Ebene abzudriften. Aber sie wurde ganz schön mürbe gemacht. Sie spielt eineinhalb Stufen über mir – quasi in der Schwebe zwischen der unteren Führungsebene und dem ersten Managementlevel. Und dieser Schwebezustand hält nun bereits drei Jahre an. Auf Managementebene sind sonst nur Männer. Finde den Fehler. Und nein, ich bin immer noch keine Emanze. Aber es fällt schon auf, wie die Rollen bei uns verteilt sind und wie fortschrittlich/modern dieser Konzern mal so gar nicht denkt. Ihr Boss ist – meine Definition – ein Narzisst. Ich hatte viel von ihm gehört, er sollte der neue Heilsbringer sein, die Erleuchtung bringen und hassenichgesehn. Neben all dem wurde er aber vor allem für seine soziale Haltung angepriesen. Meine Neugierde war geweckt, denn ich wollte wissen, wie ein sozial veranlagter Mensch an diese Position gelangen konnte. Was soll ich sagen? Ich habe ihn gesehen, mich hat´s gefröstelt. Es war für mich so augenscheinlich, welch verachtendes Schwein hinter seinem maskierten Lächeln steckte. Dann habe ich überlegt, weil alle ihn gepriesen haben. Bin ich lala und meine Menschenkenntnis so daneben? Wäre ja möglich. Ich habe mich ruhig verhalten und abwarten wollen. Es wurde mit der Zeit nicht besser. Dann kam es vor zwei Jahren zu einer Art Showdown, bei dem er wieder mal jemanden zum Vorführen brauchte. Da alle ihm huldigten und ich die Einzige war, die sich nicht bedankt hat, dass er sich Zeit für uns genommen hat (hallo?!?!? Ich habe mir ja auch Zeit für ihn genommen, was soll der Scheiß also?), fiel die Wahl also auf mich. Doof nur, dass es nicht geklappt hat und er gleich zwei Mal gescheitert ist. Ich verabscheue solche Spielchen. Ein Manager wurde daraufhin nervös und meinte, anmerken zu müssen: „Hoppla, da steht es ja jetzt 1:1.“ Und ehrlich…ich verfüge nicht über diese Art von Langmut. Ich habe ihn angeschaut und gekontert: „Ich gebe zu, eine Niete in Mathe zu sein, aber eins und eins kann ich noch zusammenzählen. Demnach steht es jetzt 2:0.“ Ja, diplomatisch ist was anderes. Aber muss ich einem Narzissten noch den Hintern pudern, wenn er meint, er müsse mir auf die Füße pullern? Nö. Seit diesem Zeitpunkt sind die Fronten zwischen uns recht klar. Da ich keine Karriere machen will, kann er mich zwar immer noch nicht leiden, aber ich bin zu weit weg von ihm. Was ich draus gelernt habe? Beim nächsten Mal genauso wieder handeln!
Besagte Kollegin, die nun wechseln wird, ist ihm aber direkt unterstellt. Und sie konnte nicht ausweichen. Bei jeder Gelegenheit hat er sie gedemütigt – allerdings auf sehr subtile Art. Das kann er, das muss man ihm lassen. Ob das allerdings eine gute Eigenschaft ist, wage ich zu bezweifeln. Ich habe meine Kollegin für ihr Durchhaltevermögen geschätzt. Für so was zolle ich ihr meinen Respekt. Mittlerweile hat sich der Schleier auch gelüftet, und die meisten erkennen, mit welch fiesem Drecksack man es da zu tun hat. Und hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Die Herren auf den Managementrängen haben dieses Verhalten sehr wohl registriert, aber nach dem Floriansprinzip gehandelt. Besser sie steht unter Beschuss, als selbst ins Visier genommen zu werden. Bei so was setzt es bei mir aus. Wie kann man? Und ja, mein Vergleich ist wieder mal brachial: So hat der Nationalsozialismus auch funktioniert. „Wenn ich was gesagt hätte, wäre ich auch dran gewesen.“ Keiner hat einen Arsch in der Hose. Ich habe sogar einen dieser Manager angesprochen, der dann auch rumgestottert hat, er hätte schon mal was gesagt. Pfeifenwichs! Im Leben nicht. Und wir reden hier in Teilen von Männern, denen man gar nicht mehr an den Karren pullern könnte. Aber sie sind das Ducken schon so lange gewöhnt, sind so träge, satt und feige, dass sich keiner regt.
Als meine Kollegin und ich skypen, bedankt sie sich für meine Mail. Ich sage ihr, welche Wut ich im Bauch hätte, weil sie gehen würde. Und das erkläre ich ihr. Sie stößt lange den Atem aus und gesteht mir, dass sie die Situation unterschätzt hätte. Eine Personalerin habe ihr am Anfang gesteckt, dass sie nie eine Chance haben würde bei diesem Mann. Sie würde etwas in ihm triggern, wofür sie gar nichts könnte. Nur würde sie auf Dauer den Kürzeren ziehen. Meine Kollegin hat gedacht: „Das stecke ich schon weg und halte ich aus.“ Drei Jahre später geht sie – hoch erhobenen Hauptes zu einer anderen Firma. Er hat nicht gewonnen, denn sie verbessert sich, auch wenn es kein DAX-Konzern mehr ist. Sie erzählt mir, wieviel Kraft sie die Jahre gekostet hätten. Und wieder schüttel´ ich den Kopf und frage mich, wieso es Menschen gibt, die alles und jeden niedermachen müssen, um sich darauf einen schleudern zu können. Und es gibt darüber ja auch wieder irgendwelche Pissköppe, die das Ganze decken. Das ist nicht meine Welt. Ich werde nicht müde, dagegen zu rebellieren. Ha, da isser wieder, der Che. Denn ja, das ist ein anderes Kaliber. Was mit meinem Chef läuft, ist verkehrte Welt. Was da aber läuft, ist perverse Welt. Vermutlich würde ich dabei gesundheitlich Schaden nehmen, aber ich würde alles daran setzen, so ein Wesen mit den Eiern an die Wand zu nageln. Es gibt Mittel und Wege. Und wenn ich dafür Anwalt und Presse einschalten würde. Aber ich kann verstehen, dass man da einfach geht und sich sowie die eigene Gesundheit schützt. Ist wohl nicht meine Veranlagung. Wie sagt meine Sis manchmal: „Bevor Du Dich verbiegst, bricht eher Dein Rückgrat.“ Stimmt. Wird vermutlich auch mal meine Todesursache sein. Na, dann ist das wohl so.
Die Kollegin und ich werden Kontakt halten. Sie wird keine Freundin von mir. Aber ich möchte, dass sie weiß, dass es Menschen gibt, die registrieren, was sich da abspielt. Sie soll gestärkt aus der Firma marschieren und wissen, dass Menschlichkeit und Empathie durchaus noch vorhanden sind.