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Das liebe Landleben

Es ist wieder Sonntag. Jepp, so schnell verfliegt eine Woche. Und der liebe Wettergott meint es sehr gut mit uns, denn es ist wieder sonnig und warm. So macht das Wochenende gleich viel mehr Spaß.  Da ich in meiner Ferienwohnung keinen Balkon habe, bin ich einfach kurzerhand raus und habe mich auf eine Bank in der Ortsmitte gesetzt.

Gestern war dann aber richtig was los, weil alle auf den Beinen waren. In Pipinsried haben die 1860er Fußball gespielt. Entsprechend wimmelte es auf den Straßen. Busse fuhren im 5-Minuten-Takt mit grölenden Fans vorbei. Die 60er sind mir persönlich ja auch tausend Mal sympathischer als der FC Bayern München, aber leider spielen sie derzeit in der Kreisliga. Dass so eine Mannschaft mal hier ins Dörfische kommt, ist also eine echte Sensation. Von hier aus sind es nur ein paar Kilometer rüber nach Pipinsried. Allein den Namen finde ich schon putzig. Keine Ahnung, wie das Spiel gelaufen ist, aber die Stimmung dürfte perfekt gewesen sein.

Apropos Sensation: Ich habe heute die Dorfberühmtheit kennengelernt. Sie heißt „Hitler-Huber“. Ja, richtig gehört. Die Dorfjugend hat sie so getauft, weil die „Dame“ wohl recht ausfallend gegenüber Jugendlichen und Ausländern ist. Sie stand in der Bäckerei vor mir. Nein, nicht in DER Bäckerei, wo es den baggernden Bäckereifachverkäufer gibt, sondern die Bäckerei gegenüber meiner Ferienwohnung. Und da stand die Huberin also und schimpfte vor sich hin. Es ist wohl eine 13-Jährige von einer S-Bahn überfahren worden, weil sie mit Kopfhörern über die Gleise gegangen ist. Schrecklich… Das sei sooo typisch für die heutige Jugend. Hallo?! Und die Eltern würden ja auch nicht richtig erziehen. Und überhaupt sei ja alles für den Arsch. Ein paar ordetliche Fotz´n (damit sind Ohrfeigen gemeint – klingt befremdlich, ich weiß) bräuchten die alle. Was ich gut fand: Der Bäcker hielt dagegen. Er hat nicht, wie es wohl die meisten Verkäufer beigebracht bekommen, nett lächelnd genickt. Als die Jogginghosen-Trägerin im gehobenen Alter davonzockelte, entschuldigte er sich für diese Kundin. Da erfuhr ich dann auch den Namen.

Hm, was tut man in so einer Situation? Ich kenne es noch von meiner Außendienstzeit. Der Kunde ist König. Aber alles muss ich mir nicht reinpfeifen, oder? Diese rassistischen Sprüche habe ich auch häufiger gehört. Ich kann in solchen Situationen auch nicht meinen Mund halten. Aber schwer ist es schon, da „richtig“ zu reagieren. Heutzutage ist irgendwie alles ein Minenfeld, oder? Nichts zu sagen, geht nicht – ist meine Meinung. Aber kritisch was zu sagen, muss auch erlaubt sein, wird aber schnell politisch inkorrekt verurteilt. Puh…schwierig.

Aber es gab auch lustige Situationen diese Woche. Meine letzte Schulungsgruppe war sooo nett und humorvoll, dass es schon fast einem Spaziergang gleichkam. Und als Sahnehäubchen obendrauf, sind meine Kollegin und ich vorab schon mal zur Weihnachtsfeier im Dezember eingeladen. Allerdings mit der Auflage, dass wir auf keinen Fall mit dem Auto selber abreisen dürfen. Es heißt also, wir müssen mit ausnahmslos Kerlen (!) trinken. Meine arme Leber. So was heißt dann aber wohl „Integrationsprogramm“. Ich lass´ mich überraschen, freue mich aber über die Einladung. Vielleicht übe ich bis dahin noch ein bisschen? Wir werden sehen.

Und jetzt? Gehe ich mal wieder raus. Auch wenn keine 60er-Fans mehr draußen sind, wird es am Marktplatz wieder genug zu sehen geben. Und wenn ich die Huberin sehe, werde ich mal gespannt lauschen, welches Gift sie dann zu verspritzen haben wird. Ach, das Landleben ist schon schön. Da erkennt man die Pappenheimer schon von Weitem…

Warum ist es nie genug?

Zuerst einmal für alle, die nicht im Süden des Landes wohnen: 26°C sind schon was Feines an einem Sonntag. ;o) Jaja, ich weiß, wie gemein das ist. Aber auch im Süden wird es wieder kälter, keine Sorge.

Eine weitere Woche kam und ging. Und wieder waren einige Herausforderungen dabei. Die wichtigste für mich kam in Form einer Kollegin, die wie ein Hund meinte, ihr Revier markieren zu müssen. Gut, so was kennt jeder, schätze ich. Ich persönlich stehe allerdings so überhaupt gar nicht auf angestrullerte Füße. Die Herausforderung für mich hierbei waren allerdings weniger die Füße, als vielmehr, wie ich damit umgehen soll. Ärgern kann ich mich ja gut, aber es dann ansprechen? Kurzum…ich habe sie „einfach“ zur Rede gestellt. Haha…einfach! Anderen kann ich da immer ganz tolle und weise Ratschläge mit auf den Weg geben. Bei mir selber kann ich sie nur so selten anwenden, weil…äääh…das ist ja immer was ganz anderes. Was von außen betrachtet so leicht aussieht und erklärbar scheint, ist in der Situation etwas völlig anderes. Das macht das Leben wohl so spannend.

Rückblickend kann ich sagen: Mir war verdammt flau im Magen, ich habe mich sauunwohl gefühlt, aber danach waren die Erleichterung und der Stolz umso größer. Auch wenn ich zugeben muss: Ich hätte es souveräner meistern können. Aber immerhin bin ich es angegangen. Hin und wieder ist es nötig, über den eigenen Schatten zu springen. In solchen Momenten ist es durchaus sehr nützlich, wenn man Leute um sich herum hat, die einen leicht schubsen.

Eine andere Herausforderung kam dann am Freitag. Ich habe mal wieder eine Schulung gegeben, auf die so ziemlich gar niemand Bock hat. Weder die, die die Schulung halten, noch die, die sie als Pflichtschulung aufgedrückt bekommen. Mir persönlich gefällt das Thema schon. Und so gestalte ich diese Schulung kurzerhand so humorvoll und locker, wie es nur geht. Diesen Freitag kam es eindeutig Zähneziehen gleich, bis ich die Mannschaft so weit hatte, dass sie das Maul aufbekamen. Bei einem habe ich sogar anschließend den Vorgesetzten gefragt, ob er vielleicht sogar schon tot sei und nur als Maskottchen mitgeschleppt wird? Nein, er lebt wohl noch. Kaum vorstellbar, wenn so gar kein Ton, keine Mimik, nicht mal ein Blinzeln zu registrieren ist.

Es war also einigermaßen anstrengend, aber ich war zufrieden, weil alle (außer dem Scheintoten) dann doch noch gut mitgemacht haben. Die Feedbackbögen waren dann aber nur mäßig. Von einem Teilnehmer habe ich sogar nur eine drei bekommen! Eine drei? In der Schule hat mir das locker für Englisch und Deutsch gereicht. In Mathe habe ich sogar schon eine vier gefeiert. Aber hier? Hier bin ich in meinem Element. Das geht gar nicht. Da ist es ja nett, wenn ein Kollege beschwichtigt, dass es dem Thema geschuldet sei, nur erreicht mich das nicht. Da bin ich persönlich enttäuscht.

Mit zwei Tagen Abstand denke ich mir dann: Wieso reicht es mir eigentlich nicht? Muss ich everybody´s darling sein? Weiß Gott nicht. Die guten Rückmeldungen nehme ich nur lächelnd zur Kenntnis, verbuche sie aber nicht tatsächlich. Die negativen hingegen beschäftigen mich noch lange. Warum? Immer dieses Getriebensein von Höchstleistungen nervt mich doch. Im Grunde war es eine erfolgreiche Woche. Und trotzdem sitzt der Stachel doch tief. Lächerlich…aber doch auch menschlich, oder?

Da hilft auch nicht die Geschichte mit dem Bäckereifachverkäufer, der „die junge, hübsche Dame“ bedienen wollte. Und ich dumme Nuss schau´ mich suchend um, weil ich denke, ich hätte mich gerade vorgepfuscht. Der Gute hatte wohl etwas Not. Trotzdem war es ganz lustig, wie hartnäckig er gebaggert hat. Ich weiß sogar, wo seine Stammfiliale ist. Aber was will ich in Vierkirchen, wenn ich nicht mal ihn will? Eben, nichts.

Da fahre ich doch lieber nach Innsbruck, was für morgen geplant ist. Shoppen, Kaffeetrinken, Ratschen. Und was man dazu braucht? Lediglich zwei weitere bekloppte Hühner, mit denen es bestimmt sehr unterhaltsam wird.

Ich wünsche Euch allen einen schönen Brückentag (oder auf österreichisch: „Fenstertag“) und einen herrlichen 1. Maifeiertag. Auf dass die Sonne jeden von Euch erreicht!

Eine neue Runde, eine neue Runde…

Genau so komme ich mir gerade vor. Es ist Sonntagabend, die neue Woche steht kurz bevor. Und täglich grüßt das Murmeltier. Hammer, wie schnell so etwas wie Routine aufkommt. Ich bin noch nicht mal zwei Monate in München, aber es kommt mir echt so vor, als wäre ich schon ewig dabei.

Das Wochenende ist viel zu schnell verflogen. Allerdings war es ein erfolgreiches. Wir haben nicht nur mit vereinten Kräften eine Terrasse abgerissen, nein, ich habe auch noch ein Schlafzimmer ausgesucht und bestellt. Das ging rappzapp. Allerdings kann es auch an der vorangegangenen äußeren Motivation liegen.

Wir – drei Mädels – haben gestern den ganzen Müll zum Wertstoffhof gebracht. Und die Kerle da? Was soll ich sagen? Hot, hotter…und dann kommen diese Jungs. Beim ersten Mal war da ein Typ mit dünnem Zopf (á la: Suche Mann mit Pferdeschwanz, Frisur ist egal) und zusätzlich dünnem Bärtchen, das zusammengebunden war – ganz in weiß. Nein, nicht Roy Black in seinem Song…einfach schon ein etwas in die Jahre gekommener Alt-68er. Dieses Prachtexemplar an Mann trug dazu noch einen Cowboyhut. In der rechten Hand – wie es sich für einen schwer arbeitenden Mann gehört – trug er sie: Die Kaffeetasse.

Während wir Mädels uns also abrackern, kommt dieses Hutzelputzelmännlein herangeschlurft. Fachmännisch prüft er die Sachen, die wir in einem Eimer gesammelt haben. Derweil schleppen wir uns an großen Glasscheiben ab und hören seine Kommentare: „Des…des scheint mia Aluminium zum sein.“ Und am tun-täten war er dabei auch – nämlich mit der Kaffeetasse. „Des…hm…is koa Alu, des is eher…verzinkt…oda?“ Ich schüttel´ den Kopf und laufe weiter – vom Anhänger zum Container und zurück. Das Zöpfchen brabbelt weiter vor sich hin, während es sich an der Kaffeetasse festhält. Gut, das reicht mir. Ich schau´ ihn an und sage frisch von der Leber weg: „Dein Job ist ja auch ganz schön anstrengend, hm?“ Er schaut mich erstaunt an. Ironie scheint etwas, das meilenweit an ihm vorbeigezogen ist. Ääääh… „Jo…?“ „Ja klar. Du musst nur die Kaffeetasse sicher festhalten. Das nenne ich mal ´nen coolen Job, der einen so ganz fordert.“ Er nickt noch leicht debil, bis ihm dämmert, was ich da sage. Ich laufe weiter hin und her.

Als ich nun zurück zum Anhänger komme, ist er weg. Ich bin enttäuscht. Echt schade. Dafür kommt ein Kollege von dem Löckchen. Der ist jetzt mal ohne Ironie echt nett und packt mit an. Allerdings…nun ja…wie kann ich es charmant ausdrücken? Er hat vorne nur noch Haselnüsse in der Schnüss (= Mund – für Nicht-Rheinländer). Ob das mal Zähne waren? Ich weiß es nicht. Es sieht auf jeden Fall schlimm aus. Aber er ist hilfsbereit. Damit kann er zwar diese Stumpen nicht kompensieren, aber es macht ihn zumindest sympathisch.

Zurück am Anhänger sehe ich das Bärtchen wieder – ohne Kaffeetasse! Er wirkt so nackt! Hallo??? Ich frage noch, wieso ihn seine Kaffeetasse plötzlich allein gelassen hätte? Er grinst etwas unsicher und brabbelt was Unverständliches, was mir egal ist. Breit lächelnd drohe ich ihm noch: „Wir kommen gleich mit der nächsten Fuhre wieder!“ Kann man als Drohung oder Versprechen deuten. Ich weiß nicht, wie er das sieht.

Zurück bei meiner Freundin Zuhause, schwärme ich den schwerarbeitenden Männern vor Ort von den heißen Kerlen beim Wertstoffhof vor. Leider berichtet eines der Mädels dann aber von den Haselnüssen im Mund des einen Kerls. Die Männer wiegen sich also in Sicherheit. Das geht doch nicht! Also sage ich kurzerhand, ganz rheinländisch, wie es sich gehört: „Ja, aber…da hat die Zunge doch wenigstens freies Spiel!“ Kurzer Schockmoment, schließlich kennen mich die meisten hier gerade mal seit zwei Wochen oder so. Aber dann lachen sie. Ich höre noch: „Contenance!“, aber darauf habe ich schon immer gepfiffen.

Die nächste Fuhre ist fällig. Zöpfchen ist wieder da – natürlich wieder MIT Kaffeetasse. Als er mich erblickt, ist er zackig verschwunden. Kurz darauf kehrt er zurück – ohne Kaffeetasse. Ich grinse ihn an und sage noch: „Das ging ja mal flott! Nicht dass der Kaffee jetzt kalt wird!“ Bei der dritten Fuhre sehe ich ihn sofort nackig…äääh, also ohne Tasse, aber ansonsten mit seinem heißen Muskelshirt bekleidet.

Alles geht zügig voran, aber die letzte Fuhre dauert und dauert. Klar, wir müssen gerade die Fliesen auf dem Balkon hochstemmen, was die Männer machen. Dann schmeißen sie sie runter, und wir Mädels tragen sie zum Anhänger. Das Zeugs ist sauschwer (was konnte ich in der Nacht hervorragend schlafen!), aber endlich ist es vollbracht. Wir fahren also wieder los. Zöpfchen hat uns wohl schon abgeschrieben, denn dieses Mal ist er wieder unvorbereitet. Er sitzt – im Gegensatz zu sämtlichen seiner Kollegen – im Schatten und trinkt ein Bier. Er ist also auch noch seinem Kaffee untreu geworden! Ich schau´ zu ihm rüber, er sieht mich und ich meine, ein leichtes Zucken wahrzunehmen. „Ach, für Kaffee ist es wohl schon zu spät, hm?“ Es ist gerade mal 13 Uhr. Aber hallo? Wir sind ja auch in Bayern, also reden wir von einem Grundnahrungsmittel. Sofort kommt er rübergeeilt und zeigt emsig bemüht das Etikett. Es ist nämlich alkoholfreies Bier. Als ob mich das auch nur den Hauch eines Fliegenschisses interessieren würde. Herrlich. Ich mag solche Typen.

Hinterher höre ich dann die Geschichte, die sich um ihn rankt. Er soll wohl als junger Mann seiner Mutter morgens gesagt haben, er wolle Brötchen holen. Tatsächlich hat er das auch gemacht, allerdings war er da schon Stunden unterwegs, weil er mit dem Rad gefahren ist und wohl italienische Brötchen haben wollte. Als der Mutter dämmerte, dass etwas nicht stimmen kann, war er wohl schon am Brenner angekommen. Zwei Tage später kam er dann wieder heim. Ob er Brötchen dabei gehabt hat? Woher soll ich das wissen?! Mich hat nur der Kaffee interessiert.

Und was will ich damit sagen? Wer sagt, dass ich immer eine Aussage brauche? Eben. Ich mag nur solche Typen und dass es in solch ländlichen Gegenden immer Geschichten zu ihnen gibt. Wie langweilig wäre das Leben, wenn es nur in den Städten stattfinden würde, wo keiner was über seinen Nachbarn zu tratschen hat?

In diesem Sinne wünsche ich Euch tolle Klatsch- und Tratschgeschichten in der kommenden Woche.

Fernweh

Die Woche lief gut. Eine Wohnung habe ich nun auch. Gut, sie ist nicht das, was ich ursprünglich wollte, aber eine vernünftige Alternative. Wann bekommt man schon exakt das, was man will? Vermutlich wäre das auch langweilig, denn dann wäre man so übersättigt und könnte sich über nichts mehr freuen. Insofern ist es wohl ok. Ganz wichtig für mich ist es, mir zu sagen, dass nichts für die Ewigkeit ist. Sollte ich etwas anderes wollen, kann ich mich immer noch umschauen. Aber um erst einmal anzukommen, muss ich mich auf diese Alternative einlassen. Zumindest fällt ein Großteil an Druck weg. Aber das muss ich erstmal realisieren. Gar nicht so einfach…

Puh…und da denke ich diese Woche einfach wieder umso mehr an Peru. Da war zwar nicht alles einfach und leicht. Aber es war anders. Letztes Jahr um diese Zeit war ich am Machu Picchu. Was habe ich mich auf dem Weg dorthin gequält. ;o) Und was hat es Euch amüsiert, das zu lesen. Und passend dazu schickt mir Luis aus Lima regelmäßig Fotos. So auch das Avocado-Foto, was ich oben zeige. Ich habe hier nie Avocado gegessen, aber in Peru schon. Das Obst, das Gemüse…einfach alles schmeckte anders und viel besser. Wie gerne würde ich jetzt in den Flieger steigen und mir die Inka-Stätten wieder anschauen, die ruhigere Lebensart der Anden-Bewohner genießen und zufrieden sein. Und selbst mein verrückter blauer Correcamino war eine tolle Erfahrung. Ich würde mich auf das Feld bei Sacsayhuaman setzen und innerlich runterkommen. Dazu noch Germain an meiner Seite, der mir unendlich viel über die Kultur erzählt…ein Träumchen.

Im Gegensatz dazu sehe ich dafür hier Triebwerke bzw. ihre Entstehung. Auch nicht schlecht. Und ich habe meine ersten Coachees übernommen. Da geht mir schon die Düse, alles richtig zu machen. Es geht weniger darum, selbst einen guten Ruf zu genießen, als vielmehr darum, den Coachees die Unterstützung zukommen zu lassen, die sie verdient haben.

Das Gefühl hatte ich auch im Dschungel. Aber da hatte ich diese wunderbaren Kinder um mich herum, denen ich genügt habe. An die muss ich ganz viel denken. Die kleine Mariela mit ihrem ungebändigten, wilden Freiheitsdrang vermisse ich schon sehr. Und Diego und Joel? Die sind bestimmt wieder in ihren Communities, weil sie mittlerweile 18 Jahre alt sind. Ich werde sie nie wiedersehen, aber sie bleiben mir wohl ewig in Erinnerung.

Insofern verspüre ich Fernweh, aber fühle mich trotzdem wohl. Man müsste mehrere Leben haben…haben wir aber nicht. Also heißt es wohl, das Beste aus diesem einen zu machen. Dann schau´ ich mal, wie ich das bewerkstelligen werde. Wer macht mit?

Frühjahrsmüde…

Diese Woche war anstrengend – und damit meine ich nicht nur meine gestrige Schulung, obwohl ich da einen echten Kracher drin hatte. Ich konnte ihn zähmen, aber er hat mich Kraft gekostet, dieser kleine Aggrobolzen…

Keine Ahnung, ob mir die Zeitumstellung jetzt doch noch nachhängt? Bislang war das nie ein riesiges Problem. Vielleicht ist es die übliche Frühjahrsmüdigkeit? Oder ich bin einfach schon halbwegs hier „angekommen“, weshalb mein Körper nicht mehr auf Übertouren fahren will und mich zur Vernunft ruft. Wie auch immer…ich bin müde.

Dafür ist aber endlich der Frühling nachhaltig eingezogen. Was habe ich die Sonne vermisst! Und dabei bin ich ja kein erklärter Sonnenfan. Aber der verdammt kalte März und all die endlos grauen Tage haben mich schon geschlaucht. Aber wem geht es da wohl anders? Jetzt verwöhnt uns die Sonne, weshalb ich am Nachmittag auch wieder fein nach draußen ziehe und irgendwo lesen werde. Vorher schaue ich noch eine Wohnung an und treffe endlich eine Freundin wieder.

Diese Woche habe ich mir schon eine Wohnung angesehen, die aber leider am Arsch de Brie lag. Dafür lag das Haus aber direkt an einer stark frequentierten Straße, auf die ich morgens als Linksabbieger hätte einfädeln müssen. Und verdammt laut war es dort auch. Grandiose Verkaufsargumente, oder? Ich habe mich also dagegen entschieden.

Dafür habe ich aber im Nu einen Mann gehabt. Da ein anderer Interessent und ich gleichzeitig bei der Besichtigung eingetroffen sind, hat uns die Vermieterin einfach kurzerhand zu Mann und Frau gemacht. Es fiel uns allen allerdings erst nach einiger Zeit auf, welches Missverständnis da im Raum hing. Ich habe dem armen Tropf dann gesagt: „Tja, so schnell kommt man heutzutage zu einer Ehefrau.“ Er brachte keinen Ton mehr raus und schaute etwas panisch, weshalb ich ein: „Ruhig weiteratmen“ hinterherschob. Erste Hilfe ist eben nicht so mein Ding. Von der Sekunde an, ließ er mir aber immer höflich den Vortritt und war ein echter Gentleman. Die Vermieterin erbot sich daraufhin sogar, als Kupplerin ein Nebengewerbe zu eröffnen und uns die jeweils andere Nummer im Nachgang zukommen zu lassen. Sie hatte einen ähnlichen Humor wie ich – der Mann allerdings nicht. Da ich Schweißperlenbildung und Schnappatmung vermutete, sagte ich nur: „Keine Sorge, das sind nur Scherze, Sie armer Kerl!“ Und endlich bekam er das Maul auf – wenn auch etwas zeitverzögert: „Wieso bin ich ein armer Kerl?“ „Ääääh, weil ich mich jetzt schon einige Jahre kenne.“ Da hat er dann endlich mal gegrinst und gemeint: „Jo, aber ich kenne mich auch schon eine ganze Weile…ich wäre nicht der Arme.“ Das war das erste und einzig Schlagfertige seinerseits.

Um es kurz zu machen: Weder die Wohnung, noch der Mann kamen infrage. Aber zumindest war es kurzweilig, nachdem ich mich geärgert hatte, mit Kopfschmerzen zu dieser Wohnung gefahren zu sein. Die Wohnungssuche ist nämlich echt anstrengend. Ich hoffe, dass die morgige Wohnung einer Kollegin super wird. Die heutige verspricht eher Ärger, weil die alte Mutter des Vermieters (84) direkt unter mir wohnen würde und keinen Lärm mag. Man solle eben nicht viel durch die Wohnung stampfen. Daher hoffe ich umso mehr auf die morgige Wohnung – zumal sie näher an meiner Arbeitsstelle liegt. Und dann hätte all dieser Stress neben der Arbeit auch endlich ein Ende, ich könnte in meine eigene Wohnung ziehen und es mir dort schön machen. Und ich könnte auch endlich wieder Briefe an meine eigene Adresse erhalten.

Apropos: Warum wird eigentlich so wenig geschrieben? What´s app ist eine tolle Erfindung. Aber ersetzt es den guten alten Brief? Mir nicht. Ich liebe Briefe. Nur leider sterben die wohl aus. Hin und wieder erhalte ich dann doch einen…und freue mich wie ein Schnitzel. Mich hemmt meine eigene Schrift immer wieder, viel Handschriftliches anzufertigen, aber warum eigentlich? Die Schrift muss ja nicht schön sein. Der Inhalt ist das, was es ausmacht. Postkarten gehen auch immer. Da muss man gar keine epischen Ergüsse rauslassen, sondern lediglich ein paar Zeilen. Das kann jeder. Und die Zeit hat auch jeder. Geht das nur mir so, dass ich es schöner finde, solche Zeilen in der Hand zu halten, als sie digital auf meinem Handy zu lesen? Es mag „oldschool“ sein, aber das kann ich mir mit meinen 41 Jahren ja auch erlauben. Ich bleibe dabei: Ich freue mich einfach riesig, wenn ich eine Karte oder einen Brief bekomme.

In diesem Sinne: Schreibt fleißig und zaubert Lächeln in die Gesichter anderer. Damit kann man auch sein Karma aufpolieren…oder Pluspunkte sammeln…oder ein gutes Gefühl. Was auch immer: Tut es!

Premiere

So, es ist vollbracht. Ich habe eine weitere Premiere zu verkünden. Was? Na, ich habe meine erste Weißwurst gegessen. Ja, wie jetzt? Das soll nix sein?! Für mich aber schon. Ich habe mich in meinen dreieinhalb Jahren Bayern-Zeit immer entschieden gewehrt, dieses Zeug zu probieren. Warum? Na, es sah für mich so aus, wie ich mir einen Altherrenschniedel vorstelle. So, wer jetzt noch denkt, dass man so was dann noch genussvoll essen kann, der hat echt einen Saumagen.

Nun war es aber so, dass ein Kollege mich gefragt hat, ob ich nicht am Weißwurst-Essen teilnehmen möchte. Meine spontane Antwort (fast panisch): „NEIN!“ Und dann leise hinterher: „Aber trotzdem danke.“ Besagter Kollege schätzt mich vor allem, weil ich immer gute Laune habe und schon breit grinsend morgens zur Tür hereinkomme. Meinen entsetzten Gesichtsausdruck fand er wohl ungewöhnlich, weshalb er nachbohrte: „Warum net?“ „Ich mag´s nicht…oder…ich hab´ sie nie probiert.“ Sag´ das mal zu einem waschechten Bayern. Geht gar nicht. Da knickst Du sie in ihrer Ehre. Das ist, als ob Du Indianer wärst und noch nie was von „Blutsbrüderschaft“ gehört hättest. Oder als Türke kein Knofi magst. Ganz klares No-Go.

Damit mein lieber Kollege nicht völlig verzweifeln musste, habe ich auf: „Du wohnst jetzt in Bayern, Du MUSST des probier´n!“ einfach: „Okay…aber wenn ich speien muss, was dann?“ geantwortet. „Dann musst´ des net weida essen.“ K.O.-Argument. „Moagst zwoa?“ „Ääääh…ich mag es nur probieren. Also maximal eine.“ Gut, zumindest bei dem Argument habe ich den Sieg davongetragen. Am nächsten Morgen zur „Brotzeit“ (so was gibt´s hier echt…Hammer!) bin ich dann rüber ins Großraumbüro. Alle waren schon fertig. Noch schlimmer: Alle wussten, dass ich noch nie eine Weißwurst gegessen hab. Ich finde das vollkommen entspannend, wenn alle Dich anstieren, während Du isst. Krank. Todesmutig habe ich mir also diesen Altherren*** auf den Teller gepackt und in die Runde gefragt: „Ok, und wie muss ich das Ding jetzt bearbeiten? Ich werde es auf keinen Fall zuzeln!“ Das finde ich nämlich wirklich die Steigerung von ekelig. „Des konnst der Läng´ nach aufschneida oder Scheib´ für Scheib´ zerleg´n.“ Ich habe mich für die erste Variante entschieden. Aufmunternd wurden mir der leckere Hausmachersenf und eine Brezen herangeschoben, weil erst die Kombi aus allem den rechten Geschmack ergäben. Ah ja…die Bayern machen aus allem ihre eigene Kunst. Und dann stieren die mich alle an, als ich den ersten Bissen mache. Kurz habe ich ein Würgegeräusch vortäuschen wollen, aber mich kurzerhand umentschieden. So gut kennen sie mich ja noch nicht. Ich habe brav genickt und gesagt: „Alles klar, ich kann es essen.“

Es kam mir fast wie ein Initiationsritual vor. Jetzt bin ich einer von ihnen. Gottseidank musste ich dafür kein rohes Herz verspeisen. Und immerhin habe ich letztes Jahr um diese Zeit ein Meerschweinchen in Peru verspeist, um dazuzugehören. Da ist so ein Altherren*** bzw. eine Weißwurst doch gar nichts, oder? Und sie schmeckte echt vollkommen ok. Mein Chef ergänzte dann, ich müsse beim nächsten Mal auf jeden Fall „a Helles“ dazunehmen, aber das habe ich dann doch verneint. Wenn überhaupt, trinke ich ein Radler dazu. Pures Bier ist nicht so meins. Ich befürchte aber fast, auch da werden sie mich unterwandern und überzeugen.

Nur bei einer Sache, da bin ich eisern und bleibe standhaft: Ich werde niemals FC Bayern-Fan. Da kann es schwarz schneien, die Hölle zufrieren oder sonst was passieren. So weit wird es nicht gehen. Ich bin gerne offen für manches Neue, aber so weit geht die Liebe dann doch nicht. Zum Ausgleich für die Weißwurst am Donnerstag, habe ich mir heute in der Sonne ein schönes Eis gegönnt. Haselnuss- oder Mokka-Becher – das war die große Shakespeare-Frage. Mokka hat gesiegt…und hervorragend geschmeckt. Und das ohne „a Helles“. Der Frühling kann kommen und mit ihm gerne noch ein paar Premieren.

In diesem Sinne: „Ois bassd“.

Alle Eier beisammen?

Die Woche ist rum. Hammer, wie die Zeit verfliegt! Ich komme kaum mit. Allerdings merke ich, dass ich dieses Wochenende schon deutlich weniger müde bin als ich es letztes Wochenende war. Dafür wird die doofe Uhr ja diese Nacht vorgestellt. Ein Hoch auf die Müdigkeit, die sich dann zwangsläufig einstellen wird.

Die Schulung hat am Montag gut gepasst. Ein wenig wunder´ ich mich schon darüber, aber ich nehme es mal glücklich zur Kenntnis. Ob ich mir dadurch nicht innerhalb des Teams ein paar Gegner geschaffen habe, wird sich zeigen. Aber es war ja keine Option, absichtlich zu verkacken.

Die Wohnungssuche gestaltet sich…hm…zäh? Beide Vermieter vom letzten Wochenende haben einfach gar keine Rückmeldung gegeben. Da staune ich schon nicht schlecht. Einfache Gebote der Höflichkeit haben manche Deppen wohl nicht nötig. Donnerstag habe ich mir dann eine Wohnung angesehen, und ehrlich? Die ist es. Ich hoffe sehr darauf, dass ich die Zusage erhalte. Heute war ich dann zwar auch noch mal schauen, aber die konnte mit der von Donnerstag nicht mithalten. Ein bisschen Daumendrücken könnte ich also durchaus brauchen.

Heute habe ich dann bei der Besichtigung ein nettes Mädel kennengelernt. Sie arbeitet als Erzieherin. Bei den Mieten in und um München herum kann sie sich kaum etwas leisten. Mit ihren 25 Jahren hat sie noch zwei Nebenjobs, um weiterhin in ihrer Berufung als Erzieherin arbeiten zu können und sich trotzdem eine eigene Wohnung zu leisten. Das beschämt schon irgendwie, oder? Sie ist 25 und arbeitet Vollzeit. Dabei springt nicht einmal die Miete bei rum? So was darf es echt nicht geben, ist aber wohl Alltag. Es tut mir leid, dass ich automatisch mehr Chancen auf die Wohnung habe. Die Besitzer haben sich ausführlich mit mir unterhalten und die Kleine nur am Rande wahrgenommen. Klar, ich sollte mich freuen, der „bessere Kandidat“ zu sein, aber ich finde, der Fleiß dieses Mädels sollte auch belohnt werden. Vor der Tür habe ich ihr einfach viel Glück gewünscht (sie mir auch) und hoffe echt, sie erhält den Zuschlag.

Jo, und woran ich so merke, in Bayern zu sein? Die freiwillige Feuerwehr hat mir auf der Landstraße Zeichen gegeben, langer zu fahren. Ich hatte nicht mal das komplette Limit ausgeschöpft, was dort erlaubt war (es ist ganz arg kurvenreich). Zunächst habe ich es nicht verstanden, sah dann aber eine Horde Kinder, die mit ein paar Erwachsenen die Grünflächen längs der Wege säuberte. So was habe ich „in der Heimat“ nie gesehen. Ich erinnere mich allerdings an unsere Karfreitage früher. Was habe ich die gehasst. Da mussten wir u.a. auch alle Grünflächen säubern. Kein noch so kleines Zweiglein durfte noch herumliegen, damit der Osterhase nicht stolpern könnte. Doofer Hase! Die hartgekochten, kalten Eier habe ich ohnehin nie gemocht.

Hier scheint es allerdings Tradition zu sein, so was noch zu machen – und zwar bei öffentlichen Grünflächen. Dazu werden die Brunnen geschmückt, was echt nett ausschaut. Aber was wäre all das ohne das erste Eis des Jahres? Nüscht. Richtig. Das habe ich mir dann vorhin mit einer Freundin gegönnt. Wir haben draußen gesessen! Jawohl, draußen! Klar mit Jacke, aber es war sooo schön in der Sonne. Anfang der Woche bin ich hier morgens immer bei -8 Grad gestartet. Wenn das nicht mal krass ist. Die Sonne tut einfach gut. Im Radio hieß es dann aber, ab Anfang nächster Woche würde es wieder kälter. Warum? Ich bin es satt, dabei bin ich nicht mal ein Sonnenanbeter.

Ach, da fällt mir ein: Sollte es mit der Wohnung vom Donnerstag klappen, bin ich nur 3 km von einem fetten Naherholungsgebiet mit See entfernt. Der Frühling, Sommer und Herbst wären somit gesichert – zumal es eine Cocktailbar vor Ort gibt. Wenn das nicht mal geniale Aussichten sind! Also: Daumen drücken – für mich und für die süße Erzieherin, dass wir jeweils die Wohnung bekommen, die zu uns passt.

Paralleluniversum

Servus mal wieder. Und da reiht sich auch schon gleich die nächste Frage an: Wer, bitte schön, hat den Schnee bestellt? Nicht, dass ich keinen Schnee mag, aber wieso kommt er nicht dann, wann ich ihn haben will? Also an Weihnachten. Ich brauche ihn im März nicht mehr. Und trotzdem schneit er mal eben so vorbei. An sich ist das jetzt auch nicht das Schlimmste, aber gerade jetzt finde ich es schon blöd. Morgen darf ich nämlich mein erstes Seminar geben. Ja, gerade mal gute zwei Wochen dabei, von wenig ´ne Ahnung, aber ganz mutig (oder vorlaut? Verwegen? Dumm?) stürze ich mich hinein. Gut, ich bin ja eh jemand, der am besten schwimmen kann, wenn man ihn ins kalte Wasser schmeißt, aber ein wenig geht mir schon die Düse.

Morgen muss ich um 6:30 Uhr bereits vor Ort sein. Herrlich! Und das bei dem Wetter! Ich wohne ja derzeit immer noch im „Hinterland“. Die Autobahnen werden um 5:30 Uhr (wenn ich losfahre) alle schön frei sein, aber die Straßen hier auf dem Land sind es nicht unbedingt. Und dazu sind sie herrlich kurvenreich. Zusätzlich hängen einem die Einheimischen immer so schön am Heck, was mich ja immer massiv stresst. Dabei bin ich selbst ein kleiner Bleifuß. Aber es hat alles sein Gutes: So kann ich hervorragend fluchen und schimpfen, was befreit und mich vollkommen gelöst von allem „performen“ lassen sollte. Ich schwanke da ja gerne zwischen: „Was will schon schiefgehen?“ und „Na, noch habe ich ja keine feste Wohnung. Da kann ich im schlimmsten Fall schnell die kleinen Zelte abbrechen“. Der Steinbock in mir schreit aber natürlich, dass Aufgeben so gar keine Option ist und ich gefälligst marschieren soll. Da er meistens gewinnt, lasse ich ihn wohl auch dieses Mal siegen.

Apropos Sieg: Ich habe mir mal wieder zwei Wohnungen angeschaut. Gestern die war nett, wenn auch einfach. Da müsste ich schon noch was investieren (Teppichboden im Wohn- und Schlafzimmer…und ich, der Allergiker, mittendrin), aber die Anbindung ist super, die Lage gut, also passt das Drumherum. Die heutige Wohnung war hingegen echt in gehobener Ausstattung. Allerdings war es eine Sammelbesichtigung. Die Vermieter waren genervt und überfordert, weil sie gerade mal schlappe 400 Bewerber hatten! Da hätte ich auch wenig Muße. Dennoch kam ich mir vor wie ein Huhn in einer Legebatterie. Es kamen nämlich nicht nur die einbestellten Interessenten, sondern bei nahezu allen noch mindestens eine Begleitperson dazu. Süß fand ich dann die Vierergruppe. Keine Ahnung, wer von denen die Wohnung nehmen wollte. Entsprechend eng ging es dann aber auch zu in der Bude.

Nun warte ich mal ab. Und mein Dilemma: Ich wüsste nicht einmal, für welche ich mich entscheiden würde, wenn ich bei beiden eine Zusage bekäme? Alles hat eben so ein Für und Wider. Ich will nur alles richtig machen, weil ich keine Lust habe, in naher Zukunft noch mal umzuziehen, denn das macht echt wenig Freude – so viel ist mal sicher.

Gestern habe ich dann noch ein Dorftheater besucht, was wirklich lustig war. Die Bühne war klasse. Auf der hätte ich auch gerne gespielt. Und mit Freuden habe ich festgestellt, dass die kein bisschen besser waren als „meine“ Gruppe. Aber hier einzusteigen, kann ich mir kaum vorstellen. Die Mundart macht es ja gerade so speziell. Hm…ich werde sehen, was die Zukunft bringt. Aber es macht mir einfach wahnsinnig Spaß, Theater zu spielen. Da kann man so richtig herrlich blöde und unmöglich sein, was man im normalen Leben nicht so darf/ soll. Überhaupt denke ich in letzter Zeit immer häufiger darüber nach, wie genial es wäre, wenn ich mehrere Leben hätte. Das hätte doch was, oder?! Was könnte man da nicht alles ausprobieren? Ich weiß, das kann man auch so…aber eben nur bedingt. So ein paar Paralleluniversen fänd ich schon genial.

Aber ja, ich weiß, so was gibt es nicht. Auch keine Einhörner und so ein Zeug. Aber träumen darf ich doch wohl, oder? Nur darüber nicht die Realität vergessen…und das habe ich auch nicht vor. Ich freue mich auf alles, was hier auf mich wartet. Vermutlich kaufe ich mir einen Roller und cruise damit zukünftig durch die Gegend. Wenn das nicht mal tolle Zukunftsaussichten sind?! Eben… Na denn: Habt einen guten Wochenstart da draußen – mit oder ohne Schnee.

…aller Anfang ist schwer.

Servus…ich pass´ mich gleich mal an. Es ist wirklich wie im Klischee. Überall auf den Fluren der Arbeit grüße ich mit einem fröhlichen „Hallo“ und bekomme postwendend ein „Servus“ entgegengeschmettert. Woran erinnert mich das? Richtig, an die Bully-Parade. Überall wimmelt es von Bullys, Ricks oder Christians. Hammer. Ich muss nur aufpassen, nicht gleich immer loszulachen. Mei, is des fei schee. Ich genieße es in der Tat sehr.

Nun ergab sich eine Situation, in der ich mich dann noch schwerer zusammenreißen konnte. Meine Kollegin hat mit einem Blick auf mich alles schon sofort erfasst. Es „bullyte“ also so vor sich hin, die Kollegen wechselten sich ab – einer bayrischer als der andere. Und dann – wie aus dem Nichts – kam ein Sachse daher. Ich erinner´ gerade nicht den Namen der Rolle, die Rick Kavanian als „Ossi“ innehatte, aber es klang original so. Dann zerreißt es mich wirklich fast, weil ich denke, ich bin mitten in einem Film. Das ist Situationskomik, wie ich sie liebe. Da denkst Du, Du hast Dich im Griff, aber dann crasht ein Sachse die Szene. Wie im wahren Leben eben.

So langsam finde ich mich schon in eine gewisse Routine ein. Da wundert´s mich schon, wie schnell so eine Anpassung vonstatten geht, oder? Für manches brauche ich natürlich noch eine ganze Weile, aber die Erfolgserlebnisse stellen sich jetzt schon ein, was mich natürlich unwahrscheinlich motiviert. Ach, was bin ich doch ein Leistungsmensch. Aber wenn man das weiß, ist das ja schon mal ganz viel wert.

Beruhigend fand ich dann vor allem die Worte meines Chefs am gestrigen Tag, als der Schädel dann echt abartig rauchte: „Woast woas? Woas brauchst, is a g´sunda Menschenverstond. Des and´re G´schisse is hoib so wild. Un Menschenverstond hoast jo. Des hob´ i scho g´merkt.“ Das ging runter wie Öl…und ich musste fett grinsen. So was nimmt doch ordentlich Druck vom Kessel, gell?

Ich schau´ dann mal, was die nächsten Tage und Wochen noch so auf mich wartet. Langweilig dürfte es vorerst nicht werden. In diesem Sinne: Habe die Ehre!

Leben und doch so unwirklich…

Da hocke ich nun in meiner Ferienwohnung und verbummel´ den Tag. Sie hatten gemeldet, heute wäre überall strahlend blauer Himmel zu sehen. Ist aber nicht so. Daher habe ich meinen Hintern auch nicht aus der Butze bewegt und mir – wie ursprünglich gedacht – ein Eis gekauft. Die Eisdiele soll nämlich super sein…und der italienische Eisverkäufer quasi die Kirsche auf dem Eishörnchen. Naja, das bzw. den muss ich mir wohl ein anderes Mal anschauen.

Tja, die ersten Tage sind also geschafft. Mein Gefühl dazu? Es läuft… Ich fühle mich bisweilen wie in einem out-of-body-Erlebnis. Irgendwie schaue ich aus der Vogelperspektive zu. Das mag daran liegen, dass mein Hirn mich wohl etwas schützen will, damit ich nicht in Panik verfalle. Zwei Tage habe ich gearbeitet, bevor ich dann fürs Theater mal eben so 1300 Kilometer an einem Wochenende abgerissen habe. Zusätzlich zu all den Informationen, mit denen ich hier privat und fachlich gefüttert werde, war das schon etwas üppig. Wahrscheinlich war ich aus diesem Grund gar nicht aufgeregt, als ich meinen ersten Tag hatte. Gedanklich hat es mich da nämlich schon sehr gegruselt, wie ich bei der Wetterlage am Wochenende so mit dem Auto durchkommen würde.

Nun könnte ein schlauer Mensch einwerfen: „Wieso nimmst Du da nicht den Zug?“ Tja, hätte ich glatt gemacht, nur wohne ich gerade echt am Arsch de Brie. Ich hätte mehrfach umsteigen müssen und für eine Strecke achteinhalb bis elfeinhalb Stunden einkalkulieren müssen. Nein, nicht doch, da muss man nicht auf die Bahn schimpfen. Die ist in der Tat echt nicht schuld. Es liegt an meinem etwas abseitigen Wohnort, der aber auch ganz idyllisch ist. Die Ferienwohnung ist superschön und die Nähe zu meiner Freundin auch richtig toll. Da nimmt man eben solche Einbußen hin. Und es ist gut so, denn dadurch wird mir deutlich, dass ich meine zukünftige Wohnung nicht hier herum suche.

Und da kommen wir zu des Pudels Kern: Die Wohnungen hier sind seeeehr dünn gesät. Sie sind überteuert, aber vor allem einfach sehr rar. Da muss man dann auch manches inkauf nehmen. Die erste Bude war der Klopper: Die Wohnung war kleiner, als angegeben. Damit aber nicht genug. Ich hätte 2,4 Brutto-Monatsmieten Honorar zahlen müssen. Nicht erlaubt? Richtig, aber der Typ war ja Österreicher – genau wie seine Immobilienfirma. Daher gelte österreichisches Gesetz. Is klar. Und auch damit noch nicht genug. Der alte Mann meinte dann auch noch, mich anbaggern zu müssen. Äääääh…selbst wenn die Wohnung ein Träumchen gewesen wäre – und davon war sie meilenweit entfernt – hätte ich mich für die Bude garantiert nicht selbst verkauft. Das Gute an meiner alten Tätigkeit bei der Versicherung: So was kann mich nicht mehr schocken.

Zwei andere Wohnungen habe ich mir nun noch angeschaut, aber beide sind wohl zu weit ab vom Schuss. Mit Familie wären beide Orte sehr schön gewesen, aber ich bin nicht in den Süden gegangen, um hier allein auf dem Land zu hocken. Daher muss ich weitersuchen. Ihr dürft gerne die Daumen drücken.

Die Arbeit macht bislang Spaß, und ich kann mich sogar schon etwas einbringen, was mir natürlich sehr gefällt. Erstmalig habe ich nicht das Gefühl, hier nicht lange bleiben zu können. Bisher war es immer recht schnell klar, dass ich nur für eine bestimmte Zeit verweilen würde, aber dieses Mal scheint es anders zu sein. Ich lass mich überraschen. Das Konzept wirkt stimmig auf mich, die Perpektiven interessant und das Produkt einfach genial – auch wenn ich so gar nichts von technischen Dingen verstehe. Muss ich ja aber auch nicht…was hab´ ich nur für Glück! So wie damals, als ich im Abi Mathe abwählen konnte. Wenn´s läuft, dann läuft´s.

Gerade bin ich noch etwas platt von den letzten zwei Wochen, schätze aber, der Gewöhnungseffekt stellt sich schnell ein, so dass ich dann auch bald innerlich ankomme. Und dann werde ich zu meinem geliebten Ammersee fahren, den Englischen Garten genießen und durch München schlendern, als sei ich nie weg gewesen. Spätestens wenn ich meine erste Brotzeit in einem Biergarten auspacke, weiß ich, dass ich in Bayern bin. A guat´n.