Heute verpenne ich. Dabei sind wir erst um neun Uhr zum Frühstück verabredet. Neun! Das ist ja völlig lächerlich. Um die Uhrzeit bin ich in der Regel schon zwei Stunden bei der Arbeit. Um kurz nach drei bin ich in dieser Nacht aufgewacht und konnte nicht zuordnen, woran das gelegen haben könnte. Wie ich heute Morgen erfahre, waren die Jungs unterwegs und sind um diese Uhrzeit zurückgekommen. Ob es daran lag, dass ich wach geworden bin, weiß ich nicht. Ist auch wurscht. Nur konnte ich ausnahmsweise nicht sofort wieder einschlafen. Und so fläze ich länger im Bett und nicke morgens noch mal weg. Als ich auf den Wecker schaue, ist es drei Minuten nach neun Uhr. WHAAAAAAT? Ich hüpfe aus dem Bett. Aber so setze ich mich an keinen Frühstückstisch. Ich flitze unter die Dusche und spurte dann nach oben, wo die komplette heilige Familie bereits versammelt ist. Hammer. Da erfahre ich dann auch erst, dass die Jungs um drei Uhr nach Hause geschlappt sind. Ach, es war schon schön, als ich auch mal so jung war, dass mir eine kurze Nacht nicht wirklich was ausgemacht hat.
Da ich ja mittlerweile ein Heidenkind bin und mir Karfreitag bereits seit Ewigkeiten ein Dorn im Auge ist, hole ich – wie selbstverständlich – Wurst aus dem Kühlschrank. Alle schauen mich etwas verdutzt an. Ich habe echt nicht mehr dran gedacht, aber mein Schwager und meine Sis legen wert darauf, am Karfreitag auf Fleisch zu verzichten. Ich brauche keine Wurst. Ich streichel´ ja auch keine Kälbchen, wie wir gestern gelernt haben. Aber religiös motiviert, ist bei mir mittlerweile gar nichts mehr. Ich glaube schon an manches…auch daran, dass man Gutes tun soll. Die kirchliche Instituion hingegen…die kann mir so fett gestohlen bleiben. Es ist echt krass, wenn man meine „Prägung“ bedenkt. Tja, nach „zu viel“ kommt „kaputt“, gell?

Mittags mache ich ein Kartoffelgratin, weil meine Sis sich das noch mal gewünscht hat. Und dafür kommt kein Tütensüppchen infrage, sondern wirklich eine eigene Soße. Altobelli…kommt da Knofi rein. Wer uns heute küssen will, kann keine vampirischen Gene in sich tragen. Das liebe und genieße ich. Ich will ja heute auch niemanden mehr küssen. Wen auch? Meine renitenten Neffen wehren sich standhaft. Keine Ahnung, was bei denen schiefgelaufen ist? Aber immerhin schaffen wir es, am Nachmittag einen Film zusammen zu schauen. Gut, der Große bricht nach 30 Minuten ab, weil er mit seiner Süßen noch ein paar Sachen erledigen will. Nicht, was Ihr denkt! Denke ich zumindest…ach, nee, so genau will ich da gar nicht drüber nachdenken. Dafür gucken der Kleine und ich weiter. Es ist schon echt eine Freude, einen Film mit uns beiden zu genießen. Wir labern so viel Müll währenddessen, dass man nichts mehr ernstnehmen kann. Dazu gibt es Choco Crossies. Ist ja kein Fleisch. 🙂
Macht Ihr das auch schon mal? Dass Ihr Filme synchron sprecht, nur mit völlig neuem Inhalt? Das wertet manche Filme ungemein auf, die vorher echte Rohrkrepierer waren. Kaum zu glauben! Sie sollten uns beide auf jeden Fall mal als Drehbuchautoren beauftragen. Ich bin mir sicher, es gäb viel mehr zu lachen auf dieser Welt, wenn wir damit durchstarten würden. Ich glaube, ich sollte mal Hollywood anrufen…

Jetzt sind die Jungs wieder weg. Wir Alten hocken Zuhause herum und sind Langweiler. Ich freu´ mich schon darauf, wenn man sich mal wieder mit einigen Leuten treffen kann. Manche fallen hinten rüber, keine Frage. Aber ich möchte schon mal wieder einen Spieleabend veranstalten, gemeinsam essen, alte Geschichten auspacken und Zusammensein zelebrieren. Ich höre gerne Geschichten und erzähle sie auch selbst gerne. Irgendwie ist das etwas, das immer mehr in Vergessenheit gerät. Dabei ist das eine tolle Tradition. Es gibt Menschen, die können den letzten Scharrn erzählen, aber fesseln ihr Publikum dabei.
Als meine Neffen noch klein waren, haben sie immer andächtig mit am Tisch gesessen und sind den Ausführungen fasziniert gefolgt. Der Kleine hat irgendwann schlapp gemacht. Aber der Große war dann mucksmäuschenstill, um nur ja alles mitzubekommen, ohne dabei entdeckt zu werden. Sonst hätte er am Ende auch noch ins Bett gemusst. Dabei waren die Augen genauso aufgerissen, wie die Ohren gespitzt waren.
Das war bei uns früher ja nicht anders. Ich fand es toll, wenn der Cousin meines Vaters zu Besuch kam. Wenn er so richtig losgelegt hat, hat er fast holländisch gesprochen, so sehr ist sein Plattdeutsch in Grenznähe an die Käsesprache angelehnt. Ich weiß, dass ich von „Jööf“ immer fasziniert war. Dabei hat er dann zum Besten gegeben, wie er über Tische und Bänke gegangen ist und welchen Blödsinn er oft angestellt hat.
Ein früherer Kumpel von mir hatte auch dieses Talent. Allerdings war es bei ihm mit Öcher (Aachener) Dialekt versetzt. Herrlich. Da hatte mein Schwager manches Mal Pipi in den Augen, wenn er ihm gelauscht hat.
Und heute? Gehen die Rotzigen selbst ihrer Wege. Nur sind wir da nicht mehr dabei. Wobei sie einen schon auch manches Mal teilhaben lassen.

Und doch gibt es eben auch die Gefahren – gerade in diesem Alter. So berichtet ein Kollege meines Schwagers ihm, dass sein Sohn mit Glück überlebt habe. Er habe mit zwei Freunden Zuhause Shisha geraucht – wohlgemerkt draußen auf der Terrasse. Als der Vater nach Hause kommt, klappt der junge Kerl zusammen. Sie reagieren Gottseidank schnell, so dass er zügig in eine Dekompressionskammer gesteckt werden kann. Die Aussage des Arztes: Wäre er älter oder körperlich nicht ganz so fit gewesen, hätte er es wohl nicht geschafft…nicht mal die Fahrt ins Krankenhaus.
Da denkt man, die Kinder sind aus dem Gröbsten raus, und dann passiert so was. Bei all dem Spökes, den man macht, darf man eben auch nicht vergessen, wie nah der Leichtsinn manchmal in dem Alter mitspielt. Darüber möchte ich nicht zu tief nachdenken, weil ich sonst Panik schiebe. Meine Jungs sind mir heilig – auch wenn sie mich manchmal ganz schön ärgern. Naja, ich hab´s ihnen ja beigebracht, also darf ich mich auch nicht beschweren. Tu´ ich ja auch nicht. Ich ärger´ sie einfach zurück. Dann sind wir auch wieder auf Augenhöhe.
Dabei fällt mir der Aprilscherz ein, den meine Sis gestern von ihrer Kollegin berichtet. Ihre 18-jährige Tochter ruft sie bei der Arbeit an und fragt, ob sie die Telefonnummer ihrer Frauenärztin haben könnte? Die Mutter reagiert noch: „Warum?“ Die Tochter daraufhin: „Ich habe einen Schwangershaftstest gemacht. Er war positiv.“ Pause. Pause. Pause und Blutverlust im Gesicht. Die Tochter hat sie echt ein, zwei Minuten zappeln lassen und die Mutter erst dann mit „April, April“ erlöst. Puh…ja, nicht alle Kinder sind nett. Da lobe ich mir meine Neffen – haha.

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