Was war das für eine aufregende, anregende, anstrengende Woche. Manchmal bin ich erstaunt, wieviele Emotionen in sieben Tage gepackt werden können. Manchmal ist es wohl so. Und manchmal ist dafür wochenlang emotional alles wie Winterschlaf. Wenn ich dann noch gerade die passenden Lieder im Radio oder auf dem MP3-Player ins Ohr gedudelt bekomme, ist das für mich stimmig. Und bisweilen denke ich mir dabei durchaus: Man, man, man, hast Du eine am Helm. Doch das gehört wohl dazu, schätze ich.

Der Anfang der Woche war durchaus als nervig zu bezeichnen. Dabei unterstelle ich den meisten Leuten keine böse Absicht. Und doch erwische ich mich bei totaler Verständnislosigkeit, wenn ich selbst Teil des Spiels bin. Menschlich, wenn auch nicht sonderlich groß meinerseits. Und genauso geht es dann auch weiter.
Der erste Tag der Fortbildung war Euphorie pur. Kennt Ihr das, wenn Ihr Euch wie ein kleines Kind fühlt und Euch überbordend über den kleinsten Pups freuen könnt? Wenn einfach die Grundstimmung so ist, dass Ihr denkt, Ihr könntet Bäume ausreißen? Und dazu scheint dann auch noch die Sonne. Mir war nach Tanzen und Singen zumute. Damit habe ich auch meine beiden Kursteilnehemrinnen angesteckt. Den einzigen Mann in der Präsenzrunde hingegen kann man gar nicht anstecken. Er ist außen vor, steht über den Dingen, wirft gerne weltmännisch mit hübschen Fremdwörtern um sich. Er kommuniziert nur in Richtung Trainer, weil sie qua Beschreibung ja die Expert*innen sein müssen. Die anderen Teilnehmer rangieren bei ihm zwischen „gerade noch akzeptabel“ bis hin zu „unter seiner Würde“.
Zwischen den Etappen haben wir kleine „shared learning teams“ und sollen dann noch ein paar Themen diskutieren bzw. erarbeiten. Er war seit Oktober noch nicht ein einziges Mal anwesend. Klar, da ist ja auch kein Trainer dabei. Solche Menschen sind mir, die übermäßig Wert auf ein gemeinsames Arbeiten und voneinander Lernen legt, naturgemäß suspekt und irgendwann dann auch unsympathisch. Er hat durchaus auch Expertise vorzuweisen, ist aber ein Ego-Shooter, der nach Trumps Prinzip „me first“ durchs Leben schreitet. Und damit torpediert er natürlich meine Werte. Mittlerweile bin ich dann aber doch für mich so weit zu sagen: Ich will auch gar nicht mehr mit jedem in meinem Sandkasten spielen. Es ist völlig ok, wenn manche in ihrer eigenen Ecke hocken und nur mit ihrem eigenen Spielzeug bzw. mit der Tagesmutti spielen wollen. Es herrscht dennoch ein gutes Miteinander.
Aber die Trainerinnen, die sich nahezu darin überschlagen, wie wichtig es sei, stets und ständig im Erwachsenen-Ich zu agieren, sehen das anders. Ich mag es nicht, wenn sich Leute als Experten ausloben – gerade in diesen zwischenmenschlichen Bereichen, also auf der Beziehungsebene. Denn niemand kann durchgängig sachlich sein, immer erwachsen auftreten und von sich weisen, auch mal kleinkariert zu handeln, wenn er/sie sich getriggert fühlt. Ansonsten wären wir ja Roboter. Diese Aura des „wir sind ja schon sooooooo weit“-Anstrichs tragen sie aber vor sich her. Das geht dann so weit, dass sie uns drei Frauen am zweiten Tag quasi in die Mobber-Ecke drängen wollen. Besagter Kursteilnehmer geht in Übungen zwar mit uns in Gruppenarbeit, beteiligt sich sonst aber nicht an gemeinsamen Gesprächen oder Aktivitäten – und zwar, weil er das so will. Völlig fein. Nicht fein, dass wir ihn wohl zum Opfer machen sollen – etwas, das er so gar nicht für sich verbucht hatte. Aber in dieser Aufmerksamkeit der Trainerinnen suhlt er sich dann doch plötzlich, wie „interessant und spannend“ diese Außensicht für ihn sei. Und diesem unsozialen Wesen attestiert man dann das Agieren im Erwachsenen-Ich. Wenn Ignoranz und Null Hilfsbereitschaft also gleichbedeutend mit Erwachsenen-Ich sein soll, bin ich echt gerne nicht erwachsen. Und ja, dann bediene ich diese Rolle sogar gerne. Ich ziehe mir den Schuh mal ausnahmsweise nicht an. Die Jüngste im Bunde nimmt es entspannt mit Humor. Die andere Mitschülerin läuft in der Pause zu dem Kollegen und entschuldigt sich, weil sie ihm auf keinen Fall wehtun wollte. Ich stehe mal wieder wie der Ochs´ vorm Berg und denke: Womit denn? Zumal er auch selbst sagt, es gar nicht so für sich erlebt zu haben. Nichtsdestotrotz möchte er nun – einmal im Mittelpunkt stehend – den anderen Teilnehmern, die online zugeschaltet sind und zu der Zeit in Pause waren, die Situation noch mal vorspielen. Puh, ich frage mich, ob wir nachher noch zu Muschi-Yoga und Bäume-Tanzen wechseln wollen und spüre dabei selbstverständlich ganz klar die totale Abwesenheit meines Erwachsenen-Ichs. Er, der nie hilfsbereit und unterstützend ist, fordert nun aber schon unsere Unterstützung. Und so sage ich ruhig: „Ich mache mit, wenn Dir das ein Bedürfnis ist. Mich nervt es allerdings gerade ganz massiv.“ Das bringt mir einen entsetzten Blick der supersozialen „ich bin ein totaaaaaaaal empathischer Mensch“-Dozentin (ihre Worte, nicht meine) ein. Ich schaue sie – ganz bockiges Kind – herausfordernd an und sage: „Das war Euch doch wichtig, oder? Offene Kommunikation und die Dinge ansprechend, richtig?“ Sie gerät kurz aus dem Tritt und flötet übertrieben: „Ääääh, klar. Vielen Dank für Deine Offenheit.“ Klar, Du mich auch.
Ich weiß, wie bockig das klingt. Ist mir egal. Wer mir den Stempel aufdrückt, darf es dann auch erleben. Die restlichen anderthalb Stunden stehe ich unter non-stop-Scannen der Empathin. Meine Wohlfühlzone schlechthin. Die andere Trainerin macht souverän weiter. Ich beteilige mich nur noch wenig, bin einfach müde und froh, wenn der heutige Rotz vorüber ist. Die Online-Teilnehmer melden sich mit „Tschüß…bis nächstes Mal“ ab, wir vier vor Ort sind nun allein mit den Trainerinnen. Die Empathin mustert mich intensiv. Ich glaube, ich würde mich gut in so einer Mafia machen, bei denen so Alpha-Testosteron-Schleudern rumspringen, weil ich sie konfrontiere: „Was willst Du mir sagen?“ Gut, wäre ich in einer Mafia, würde ich wahrscheinlich sagen: „Komm´ ran auf´n Meter.“ Oder vielleicht auch: „Pinkel´ mir auf die Füße, dann hack´ ich Dir Deine ab!“ Ach, mein Nicht-Erwachsenen-Ich hat immer so eine schöne Phantasie. Die Empathin bedankt sich übertrieben und erwähnt, wie toll sie doch fände, wie ich mich einbrächte. Aha. Doof nur, dass ich ihr das Null abkaufe. Sie schwimmt. Sie will gefallen, was ich verstehen kann. Dennoch ist dieses Stigmatisieren von Menschen nicht sonderlich empathisch. Sie hat eine Teilnehmerin, die wirklich ein riesengroßes Herz für andere hat, sehr unterstützend handelt und sich immer einbringt, mehrfach an diesem Tag zur Täterin gemacht, so dass diese schon völlig verunsichert ist. Das kann ich Gerechtigkeitsfreak ja mal so richtig leiden. Die Empathin schleimt mich also unglaubwürdig voll, was ich nur mit einem „Aha“ quittiere. Das wiederum bringt mir ein: „Mit Lob kannst Du nicht so gut umgehen, hm?“ Stimmt. Allerdings geht es mir gerade gar nicht ums Lob. Denn noch weniger kann ich mit unaufrichtigem Geschleime umgehen. Sie denkt also, den wahren Kern geknackt zu haben und meint nun, mich ganz siegessicher noch ein bisschen mehr provozieren zu müssen, indem sie immer näher kommt. Dazu mit Bemerkungen, wie: „Na? Das magst Du so gar nicht, ne? Na? Naaaaa?“ Sie ist über meinen Tanzbereich (Dirty Dancing) getreten, also hebe ich entschieden die Hand und sage sehr deutlich: „Und hier überschreitest Du eine verdammt fette Grenze. Das geht gar nicht!“ Sie reißt schockiert die Augen auf und entschuldigt sich, weil sie das nun wirklich nicht gewollt hätte. Ich frage mich einmal mehr, wie schmal das Brett mancher Menschen sein muss, sich selbst als totaaaaaaaaal empathisch zu bezeichnen und dabei nur über ein Feingefühl eines Vorschlagshammers zu verfügen? Ist mir auch egal. Und nun kommt ein meinetwegen völlig unerwachsener Zug in mir zum Vorschein: Sie verliert für mich. Sie hat viel Wissen, keine Frage. Sie kann auch manches gut erklären. Aber als kompetente Trainerin für sensible Themen hat sie sich gerade komplett disqualifiziert. Ich glaube, das merkt sie, weiß aber nicht, wie sie damit umgehen soll. Macht nichts…also mir nicht. Ich habe zeitgleich ja genug Wut in mir, mit der ich in den Abend gehe. Da ist es nur fair, wenn sie auch nachdenklich ist. Ja, kleinkariert, kindisch, aber ehrlich. Immerhin etwas.
Freitag ist meine Wut verraucht. Meine Achtung vor der Empathin kann ich allerdings nicht mehr steigern. Ich denke darüber nach, dass ich noch viel lernen muss und darf. Und das ist völlig in Ordnung, weil ich zumindest diese Erkenntnis habe. Nein, ich bin kein einfacher Charakter, aber ich behaupte auch nicht, einer zu sein. Ich bin mir meiner Ecken und Kanten durchaus bewusst. Und eine dieser Ecken begehrt auf bei Menschen, die mir was vorpredigen, was sie selbst nicht leben. Also: Komm´ ran auf´n Meter. Mit etwas Distanz muss ich schon über mich schmunzeln…und würde es vermutlich genauso wieder machen.

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