20181108_131246.jpg20181107_145119.jpgIch liege am Meer und genieße das Rauschen. In Deutschland soll es auch warm sein, obwohl ja November ist. Hier sind es ca. 30 Grad. Das Meer kühlt nur bei den ersten zwei Schritten. Dann fühlt es sich angenehm warm an. Trügerisch, denn die Sonne brennt dabei ganz schön.

Mein größeres Problem ist jedoch das Spazieren. Gestern habe ich nämlich eine kleine Wanderung ins Nirgendwo unternommen. Ich bin am Strand entlang und habe das Hotelgelände verlassen. Und da entdecke ich wahre Schätze. Gut, dadurch, dass dort kein Hotel ist, werden weder angeschwemmter Müll noch Algen entfernt. Der Geruch schreckt zunächst ab, was gut so ist. Ich hab nämlich lediglich vier Leute gesehen, die – wie ich – nicht umgedreht sind, als es zunächst müffelte. Ich sehe wunderschöne Vögel, die nicht durch Touris und deren Lautstärke gestört werden. Ein großer weißer Reiher residiert majestätisch auf einem Stein im Wasser, aber schon sehe ich Junior aus dem peruanischen Dschungel vor mir, der sich den Bauch reibt und „me gusta mucho“ von sich gibt – natürlich begleitet von Garys entsetztem Gesicht. Kleine Fische schwimmen in kleinen Aushöhlungen von Steinen, und kleine Echsen flitzten durch die Gegend. Es ist so unglaublich schön, dass ich die doofe Sonne vergesse, was mich….äääh…un poco rojo hat werden lassen. Trotzdem war es das wert.

Doof nur, dass man nach ausgiebigem Sonneneinfluss und tagsüber keinem Essen ganz schnell einen kleben hat. Wenn dann der Barkeeper nicht nur einen Shit on the grass nach dem obligatorischen Tequilla suave (mild) bringt, sondern meint, ich müsste unbedingt noch einen „Ronsito“ probieren, dann ist das ein heftiger Start in den Abend. Der Kellner im Restaurant meint es auch nur gut, als er mir das zweite Radler bringt. Ich trinke hier so viel Alkohol wie sonst in 5 Jahren zusammen. Puh… Der Vorteil: Ich rede einfach drauf los. Erick (so geschrieben ein sehr beliebter Name in Mexiko) von der Rezeption ist geduldig und lobt meine Sprachkenntnisse. Ha ha, dabei ist er komplett nüchtern. Wir reden über Peru, wo er nächstes Jahr hinfährt. Ich schwärme und sage ihm, dass ich ein Teil meines Herzens dort verloren hab. Wir philosophieren, ob die Mayas und Inkas wohl Verwandte gewesen sind, welche Kultur wohl älter ist und dass wir doch mehr oder weniger alle dieselben Wurzeln haben. Ich verstehe wieder, warum ich den Süden Amerikas und seine Bewohner so liebe. Sie sind herzlich, genießen „la vida“ und sind offen, wenn man ihnen gegenüber gleichberechtigt auftritt. Sie reagieren nur gereizt, wenn man sie von oben herab behandelt – verständlicherweise.

Wir lauschen den Karaoke-Sängern, und es juckt mich irgendwie. Doch ich überwinde mich nicht. Beim Händewaschen sage ich der Kanadierin neben mir, dass sie Vorteile hätten, weil sie Native Speaker seien. Da schaut sie mich entgeistert an und fragt, was ich denn sei??? Amis und Kanadier staunen immer, wenn einer mehr als einer Sprache mächtig ist. Das sagt schon eine Menge aus, hm?

Der einzige Wermutstropfen ist der Besuch der Disko. Verdammt, bin ich alt! Und puh, was trage ich viel Stoff am Leib. Man kommt mit 17, 18 mit einem Bikinioberteil und Hotpants, die diesen Namen nicht einmal mehr verdienen, gut aus. Hammer! Hätte ich Kinder…..ääääh, dann so nicht. Verdammt, ich bin dermaßen scheißalt!

Ein Ronsito und eine kaum geschlafene Nacht später, erlebe ich mal wieder Amis, die ihrem schlechten Ruf alle Ehre machen. Ein kleines, durchaus süßes Mädel darf allein essen. Sie ist weit davon entfernt, es tatsächlich zu können. Die Tischdecke sieht aus wie Sau, der Boden mit Rührei, Tomaten, Brot und Melonen übersät wie ein Schlachtfeld. Eltern und Großeltern finden das alles nur süß. Weg machen darf es das Fußvolk. Puh. Das geht so gar nicht. Da pullert sogar eine Ratte mitten in den Speisesaal und macht dann einen großen Bogen um die Sauerei der Kleinen. Nicht mal dieses Nagetier fühlt sich bemüßigt, den Unrat der Amis zu beseitigen. So weit sind wir schon. Aber zumindest schreit niemand beim Anblick der Ratte… dabei ist sie nicht gerade klein. Ich verstehe manches nicht, was aber voll ok ist. Daher genieße ich einfach mal die Zeit und lass den lieben Gott, Pacha Mama, die Maya-Gottheiten oder wen auch immer einen guten Mann oder eine gute Frau sein.

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