Ich schlafe schlecht. Seeehr schlecht. Aber es nicht Vollmond. Wer weiß, was ich habe? Vielleicht bin ich aufgeregt, weil ich meine liebe Freundin nach einem halben Jahr wiedersehe? Und ihren kleinen Sohn – erstmalig. Ich kenne ihn bislang nur im Bauch. Er ist Steinbock, daher weiß ich jetzt schon, wie toll er ist. Entsprechend müsste ich also nicht aufgeregt sein. Und so ist er dann auch: Ruhig, lieb, ein Strahlemann. Leider darf ich ihn nicht klauen, was ich schon ein bisschen doof finde.

Wir machen heute eine kleine Revival-Tour durch Aachen. Im Egmont stimmen wir uns mit dem besten aller Milchkaffees ein. Da es kurz nach 11 Uhr ist, setzen wir uns einfach vor den Laden auf die Außenterrasse… bis der Besitzer kommt und uns sagt, dass er eigentlich erst um 12 Uhr öffnet. Er werde sich beeilen, aber eine Viertelstunde bräuchte er doch noch. Ach, auf den Kaffee lohnt es sich zu warten. Wir haben hier schon manches Mal zusammengesessen, Milchkaffee geschlürft, gelästert, analysiert und gequatscht. Puh, und hier war ich schon zu Studizeiten. Und Dates hatte ich hier auch schon… zwei, glaube ich. Steff und Omotoso. Oh mein Gott. Letzterer hatte mich bezüglich seines Namens und Alters angelogen. Tja, so blieb es bei einem Kaffee, was er nicht verstehen konnte. Sein Alter war mir so was von scheißegal, aber Lügen kann ich nicht ab. Steff… nun ja, er war Maschinenbauer. Was ist die Steigerung von Maschinenbauer? Maschinenbauer in Aachen. Mehr muss dazu nicht gesagt werden. Damit ist alles klar.

Gegen Mittag zuckeln wir rüber ins Anvers, wo Hassan ungläubig schaut und mich dann – trotz Corona – fest umarmt. Ich war ca. 2 1/2 Jahre nicht mehr hier, aber er weiß noch genau, was ich bestellen werde. Gruselig, oder? Aber auch sehr schön. Währenddessen ist der kleine Steinbock dabei, brav zu pennen. Einfach nur süß. Ein Abstecher muss aber noch sein: Printen von Klein sind ein absolutes Muss. Ja doch, es ist Sommer. Die halten ja auch noch eine ganze Weile, so dass ich sie getrost erst zur Weihnachtszeit essen kann. Bis dahin komme ich aber vermutlich nicht mehr hierher. Also, für jeden, der Aachen mal besuchen will: Die sind bekannt für ihre Printen. Und die besten, die gibt es bei Klein. So, habt Ihr wieder was gelernt. Für super Interessierte: Die bieten auch Touren an. Und nein, ich bin nicht verwandt/ verschwägert oder am Umsatz beteiligt. Sonst müsste ich mir das Zeug ja wohl auch nicht selbst kaufen.

Es gibt Menschen, die man eine Weile nicht sieht, aber es einfach so ist wie immer… wie nach Hause kommen. Und so fühlt sich das hier an. Danke für die schöne Zeit!!! 😘

Zum Schluss ist dann noch mein „kleiner“ (weil 14 Jahre jünger) Cousin dran. Er muss zwar heute in seinem HiWi-Job im Labor arbeiten, reist dann aber noch mit dem Zug an, um mich zu treffen. Das macht mich schon ein bisschen stolz. Es geht mit ihm zur nächsten Erinnerungsstation. Die alte Eisdiele gibt es für mich gefühlt schon immer. Sie liegt gegenüber meiner alten Schule. Wenn ich meiner Mutter früher im Sommer beim Putzen in der HNO-Arztpraxis geholfen habe, gab es häufiger mal ein Eis – eine Kugel Nougat für meine Mom, eine Kugel Aprikose für mich. Zusammen machte das 50 Pfennig. Wow, was für ein Preis, oder? Andererseits lag der Stundenlohn meiner Mom fürs Putzen bei 10 DM. Da durfte das Eis auch nicht so viel kosten. In genau dieser Eisdiele habe ich mit Tim damals Eis für die ganze Klasse geholt, als er mit seiner Familie weggezogen ist. Damals hat es nicht geschmeckt – vermutlich war es zu wässrig von all den Tränen. Oh je, das hat mir damals echt das Herz gebrochen! 29 Jahre ist das jetzt her. Und in fünf Tagen rufe ich ihn wieder zum Geburtstag an. Ich werde hier furchtbar sentimental. Mein Gedächtnis ist aber auch echt eine beständige, verlässliche Quelle.

Auf ein letztes Getränk gehen wir noch ins Havanna. Hier war ich nicht oft, weshalb es nicht so nostalgisch ist. Wir reden auch jetzt mehr über das Jetzt und die Zukunft. Mein kleiner Cousin ist verliebt, was mich riesig freut. Ganz schön frech, hat er seiner Süßen gesagt, er habe ein Date, was diese wohl nicht gerade freudestrahlend blicken ließ. Ergänzt hat er es noch mit „Sie wäre auch Konkurrenz, aber wohnt zu weit weg.“ Super, ich kenne sie noch nicht einmal und kassiere schon Minuspunkte. Doch er klärt alles noch auf. Wobei…Cousin und Cousine gehen doch, oder? Und was macht ein Altersunterschied von 14 Jahren? Eben… nix. 😉 Nein! Ich meine das NICHT ernst. Er ist ein süßer, kleiner Schnulli, dem ich schon die Pampers gewechselt habe. Moment mal, dann wäre es ja doch wieder was. Als Gegenleistung könnte er mich ja pflegen. Wie war das noch mal mit „Auge um Auge“? Ääääh… nicht drüber nachdenken. Bevor ich allzu alt und tüddelig werde, haut mich eh jemand kaputt.

Jetzt falle ich müde und glücklich ins Bett…und bin dankbar für all die wunderbaren Menschen in meinem Leben. Ihr macht meine Erinnerungen der Zukunft, was ich echt wunderschön finde! Sind das nicht die tollsten Aussichten?!

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