Heute gelingt es meiner Kaffeemaschine wieder, den Kaffee in die Thermoskanne laufen zu lassen. Ist doch gut, wenn jeder tut, was er soll. Wie schön, wenn das immer so laufen würde. Ich habe es auch an zwei Tagen hintereinander verstanden, bei der Technik in den Schulungsräumen darauf zu achten, dass alles eingestöpselt ist. Öhm…oder so. Am Mittwoch hatte ich alles schon hochgefahren und verbunden. Alles lief wie am Schnürchen. Als ich etwas später ein Video zeigen wollte, kam kein Ton heraus. Dabei waren die Boxen eingeschaltet. Ein Kollege hat mit mir nachgeschaut…und hielt dann das Kabel hoch, das die Boxen mit dem Computer verbindet. Naja, wer hätte denn da auch schon nachgeschaut? Eben. Ich auch nicht. Am zweiten Tag bin ich in einem anderen Raum und muss den Rechner mit dem Beamer verbinden, was nicht klappen will. Lauter Kabelgedöns ist eingesteckt, aber ich finde die richtige Quelle nicht. Doch auch hier flaggt ein Kabel neben dem Bildschirm herum, das jemand dort drapiert hat. Irgendwer hat eben nicht den Remote-Zugang gewählt und einfach mal ein Kabel aus dem Rechner gezogen. Dass man das dann wieder reinstecken sollte, wenn man den Raum verlässt, wäre nur logisch…und auch kollegial. Wurde aber trotzdem nicht gemacht. Der gestrige Kollege entdeckt das Kabel und schups: Es erscheint mein Bildschirm auf der Projektionsfläche. Sachen gibt´s! Und auf so naheliegende Sachen, wie das mit dem Kabel, komme ich nicht so gerne. Ich denke gerne herrlich weiblich-kompliziert. Ist so, wie mit den doofen Bedienungsanleitungen, die ich auch nicht mag. Hatte ich mal erzählt, als mein Schwager mich damals begeistert beim funkelnagelneuen Firmenwagen gefragt hat, was der alles kann? Und ich geantwortet habe: „Fahren, Musik abspielen…ah! Und Sitzheizung!!! Ein Traum, sage ich Dir.“ „Aber welche Extras noch?“ Ich habe nur mit den Schultern gezuckt. Alles, was mir nicht selbsterklärend direkt ins Auge springt, entzieht sich meinem Interesse. So einfach ist das.

Apropos einfach: Ich bin heute nervös. Warum? Weil der Fensterbauer kommt. Ob der gut aussieht? Watt weiß ich? Deswegen bin ich doch nicht nervös! Nein. Ich habe Sorge, dass die Türen nicht reparabel sind und es dann heißt: „Sie haben das und das falsch gemacht!“ Ich will nichts falsch gemacht haben! Und hier gibt es auch keine Kabel, die ich übersehen hätte und die eingestöpselt gehören. Und eine Bedienungsanleitung – dem Herrn, Allah, Buddha, Pacha Mama oder wem auch immer sei Dank – gibt es hierzu auch nicht. Ich benötige also gar keine Ausrede. Endlich kommt der erlösende Anruf, dass er in zwanzig Minuten da sei. Gut, mit der Uhr hat er es nicht ganz so, weil es 35 Minuten dauert, aber ich will mal nicht so kleinlich sein. Derweil findet munter mein Webinar statt. Es geht um transpersonale Therapien. Äääääh, ja, Balsam für meine esoterische Seele – so ich denn eine hätte. Die Elfe ist natürlich total happy, wie sie mir schreibt. Ich schreibe zurück, wie schlimm ich diese Ashram-Müsli-Räucherstäbchen-Veranstaltung finde. Und dann tritt mein Held in Erscheinung: Der Fensterbauer. Er ist freundlich und sieht kompetent aus. Wenn man handwerklich suboptimal ausgestattet ist, wirkt jeder in einer Engelbert Strauss Hose und mit Sicherheitsschuhen kompetent. Dazu hat er einen silberfarbenen Koffer bei sich. Der muss ein Fachgott sein. Ich verweise auf die nicht mehr zu schließende Türe und sage: „Fangen Sie doch mit der an. Da wird das Erfolgserlebnis schneller da sein. Danach können wir uns dann immer noch runterziehen lassen von der anderen.“ Er schenkt mir nur ein wissendes Lächeln. Ich biete ihm Kaffee an. Er lehnt ab mit der Begründung: „Na, dang schee, i hot grad erst a Spezi.“ Spezi? Das finde ich ja echt süß.  Also, nicht das Getränk – obwohl das auch pappsüß ist. Aber Spezi habe ich als Kind immer gern getrunken. Da finde ich es süß, dass ein großer Kerl das auch trinkt.

Die erste Tür bekommt er ratzifatzi hin, während ich den räucherstäbchendutfgeschwängerten Ausführungen nicht wirklich zu folgen vermag. Diesmal liegt es nicht am Trainer. Der ist lustig. Aber das Thema ist für mich eher so fußpilzsexy. Nicht meins. Aber wir nähern uns nun der zweiten, wirklich desaströsen, weil nicht mehr öffenbaren Tür. Mein Herz schlägt schneller. Ich muss mich dann ja auch immer mitteilen: „Ok, also die andere Tür…puh! Die kriegt man gar nicht mehr auf. Nix mehr.“ Er zieht und nickt. Aufgeregtes Plappern Teil 2: „Ich kann bei so was nicht hinsehen. Also, wenn Sie jetzt die Scheibe rausnehmen, kann ich nicht im Raum bleiben. Unabhängig davon, dass ich Ihnen so gar keine Hilfe sein kann: Ich kann da echt nicht zuschauen! Da wird mir schlecht. Oh man, da wird mir jetzt schon schlecht, ohne dass was passiert ist!“ Er grinst, ich drehe mich um und will gerade rausgehen, da sagt er in meinem Rücken: „Is scho vorbei. Die Tür is auf.“ Waaaaaaas? Ich drehe mich zögerlich um und denke, er nimmt mich und meine strapazierten Nerven hops. Aber nö, die Tür steht offen. „Äääääh…wie haben Sie das denn gemacht?“ Er winkt ab: „Hob do so meine Erfahrungen.“ Ah, ich auch…nicht so wirklich. Es geht auch hier ratzifatzi. Danach holt er noch schnell WD 40 und sprüht alles ein. „Öl geht a, oba des verflüchtigt sich so schnei.“ Aaaah ja. Ob ich das behalte? Ich denke schon. Innerhalb einer guten halben Stunde sind zwei Problemtüren wieder funktionstüchtig. Ich kann es nicht fassen. Die Flasche noch zur Hand, sprüht er kurz noch was von dem Zeug an mein Wohnungstürschloss. Und mir wird wieder klar: Ich will einen Handwerker heiraten! Einen, der Mac Gyver mäßig alle Dramen meines physischen Umfelds mit WD 40 aus dem Weg sprüht. Ich brauche keine Räucherstäbchen-Typen.

Doch auch hier geht´s weiter. Nicht mehr lange – zum Glück. Irgendwann wird dann auch von „Prana“ gesprochen. Ich kann mich nicht zurückhalten und schreibe in unsere kleine Nebengruppe: „Prana mag ich! Vor allem den Schinken!“ Ja, ich bin ein lästerliches Miststück, aber dafür mag ich mich echt. Ich spiele ja auch immer mit dem Gedanken, einmal ein Buch zu schreiben (und habe schon einige begonnen…doch immer verließ mich dann der Mut). Jetzt schmeiße ich mal in unseren Gruppenchat den Titel des Buches, das ich dann zu veröffentlichen gedenke: „Psychotischer Prana-Schinken im Ashram“.  Ich bin mir sicher: Es wird ein Bestseller. Wenn Ihr es also irgendwann einmal in irgendeinem Buchladen seht oder bei den Ebooks drüber stolpert: Dann habt Ihr mich gefunden. Wie herrlich!

Der überdrehte Vormittag neigt sich dem Ende zu, die Veranstaltung ist vorbei. Nächste Woche ist dann das letzte Webinar vor der Sommerpause und passt zu Prana und Co. Aber bis wir den Schamanismus beleuchten, werde ich mich eine Woche erholen können. Und wie kann ich das am besten? Ich fahre raus ins Hinterland und gönne mir ein fettes Eis mit einer Freundin. Ich erzähle ihr meine Woche im Zeitraffer, sie mir ihre ebenfalls. Wir reden auch wieder von meiner angedachten Teil-Selbständigkeit ab nächstem Jahr und ich bekenne: „Wenn der ganze Rotz mit den Rechnungen, Buchungen, Kostenaufstellungen und dergleichen nicht wäre, würde ich mich wesentlich leichter tun.“ „Wenn´s weida nix is: Do konn i Dia helfa. Des moch i voll gern.“ Und da sitz´ ich dann blöd und starre sie mit offenem Mund an. Sie ist seit zwei Jahren im Vorruhestand. Aber alles rund um Excel gefällt ihr doch so gut. Und Rechnungen, Buchungen, Mahnungen – das hätte sie schon früher gemacht. Und schwups, löst sich gerade meine größte Sorge in Wohlgefallen auf. Ich musste meinen Stolperstein nur einfach mal laut aussprechen, da kam die Lösung schon angeflogen. Das Gute: Sie hätte was zu tun, was ihr Spaß macht, ich könnte sie dafür bezahlen und hätte diese unliebsame Hürde weniger. Wenn das mal kein Festtag ist. Ich glaube, jetzt brauch´ ich ein Likörchen zum Anstoßen Und Ihr?

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