Oh man, ich habe Roland Kaiser im Ohr: „Ich glaub´, es geht schon wieder los…das darf doch wohl nicht wahr sein!“ Und nein, es geht nicht um einen Mann. Es geht schon wieder los mit „Ich sollte doch mal so langsam klar Schiff machen“. Gut, das könnte mein Lebensmotto werden. Seit meine Kolleginnen allerdings von den Wasserflecken auf ihren Badarmaturen gesprochen haben und eine meiner zahlreichen Cousinen dies noch bestätigt hat, denke ich ja ernsthaft darüber nach, eine Schlampe zu sein. Ich beäuge meine Armaturen immer kritischer. Trotzdem trockne ich sie nicht nach jeder Handwäsche ab. Wo käm´ ich denn dahin? Oder wenn ich an den Satz denke: „Weißt Du, dann steht der einfach von der Couch auf und schüttelt natürlich nicht die Kissen auf. Typisch Mann!“ Ääääh, das mache ich auch nie. Ich liege sie einfach liebevoll platt. Diese Aufmerksamkeit lasse ich ihnen zuteil werden. Hin und wieder schiebe ich sie ein bisschen nach links oder rechts – allerdings nur da, wo ich dann auch meistens sitze. Bin ich deswegen eine schlechte Hausfrau? Und wenn ja: Wen stört das? Wenn ich allerdings Besuch erwarte, dann möchte ich schon die Bude in Ordnung haben. Aber da ist es, wie mit der Steuererklärung: Kann ich nicht einfach WD 40 drauf verteilen, und alles ist gut?

Zunächst einmal starte ich aber mit einem Pott Kaffee. Aber bevor ich den genießen kann, entkalke ich meinen Kapselautomaten. Ja, da leuchtet nämlich die orange Lampe auf. Und die sagt mir, dass sie sich solidarisch mit den Armaturen im Bad verhalten möchte. Sie will entkalkt werden. So schön dieser ganze technische Schnickschnack auch ist: Es dauert einfach. Aber gut, es muss ja gemacht werden und dauert – laut Anleitung – auch „nur“ 25 Minuten. Sie können Menschen zum Mond schießen, aber so was dauert echt 25 Minuten. Krass. Da der Behälter unterm Auslauf aber umkippen könnte, kann ich die Küche nicht verlassen. Hm, da meine Geduld aber keine 25 Minuten lang hält (vielleicht eher so 23…Sekunden, allerdings), brauche ich was anderes hier zu tun. Also stelle ich aus alten Semmeln und Brot Paniermehl her. Das saut die Küche noch ein bisschen mehr ein. Also wische ich mal über die Arbeitsfläche, nachdem ich alles so weit erledigt habe.

Und dann muss ich auch schon los. Ich bin nämlich zum Essen verabredet. Beim Vietnamesen. Der Weg dorthin gestaltet sich allerdings schon spektakulär. Kennt Ihr diese Bremser und Schleicher? Ja? Genau so ein Exemplar habe ich vor mir – ziemlich von Beginn an. Dabei hat er ein schnelleres Auto als ich unterm Hintern. Leider gibt es auch nahezu nonstop Gegenverkehr. Hinzukommt, dass meine Möhre so zahm ist, dass ich zu wenig PS für ein flottes Überholmanöver habe. Ich weiß, es ist müßig, aber ich rege mich trotzdem auf. Warum? WEIL ICH ES KANN! UND WILL! Herrgott, wenn er 60 fährt, wo 100 ist, dann muss ich mich aufregen. Das sagt das Gesetz. Das Böckchen-Gesetz, sozusagen. Und dann pimmelt der so munter weiter durch die Gegend. In einer Kurve, wo 70 ist, bremst er auf 30 ab!!! Und dann glaube ich einen ganzen Moment lang, dass er jeden Moment aussteigt und das Auto sanft über die Bahngleise tragen wird, weil sein Auto sonst weint. Aber er fährt dann doch mit zarten 15 km/h drüber hinweg. Warum? Das Auto ist nicht tiefergelegt, die Bahngleise spürt man kaum. Es gibt keine Notwendigkeit, absolut gar keine. Ich will so gerne aussteigen und ihn schütteln. Mein Glück bleibt mir aber brav treu: Bis zum Restaurant fährt der Schnarchzapfen vor mir her. Wenn es einen Gott gibt, schmeißt der sich da oben gerade weg vor Lachen. Aber warte nur ab: Das kriegste alles zurück! Ich habe nämlich ein verdammt gutes Gedächtnis.

Erstmal muss ich meine Wut wegschnaufen, dann steige ich aus. Ich schüttel´ mich kurz, dann ist wieder alles gut. Hier habe ich noch nie gegessen und bin gespannt, wie vietnamesisch schmeckt – nur um dann festzustellen, dass „Thai Orchidee“ so gar nicht vietnamesisch klingt. Es ist natürlich ein Thailänder. Egal: „Is doch schweißwurscht, asiatisch halt.“ Ah ja. Zum Glück gibt es in Asien ja nur eine Küche. Asiatisch eben. So, wie sie in Norwegen so gerne Sauerbraten essen, denn das ist ja alles europäisch. Klar, oder? Nach kürzester Zeit versaut meine Freundin die Decke und seufzt: „Des is egal, wo…ob´s a Mensch is oda a Deck´n: I versau´s imma.“ Stimmt. Aber es ist lustig. Sie ist einfach so. Ich hoffe auch, dass die Leute zwei Tische weiter nicht gut hören können. Die Dame bestellt nämlich was von der Tageskarte. „Des steht doch do, Du Rindviech! Des gilt bloß werktogs. Heit is Sonntog!“ Köstlich – solange es keiner dort hört. Beim kurzen Spaziergang treffe ich dann tatsächlich einen Teilnehmer vom Workshop letzte Woche Montag. Ich frage ihn, ob er sich freut, wenn wir uns diese Woche wiedersehen, doch er grinst bloß: „I hob Urlaub!“ Ich hab´s nicht genehmigt. 🙂 Aber er verspricht, darüber ganz zerknirscht zu sein, weil er nicht dabei sein könne. Jaja…die Preissn kann man ja veräppeln!

Und so steht mir nun das Putzen bevor. Dabei könnte ich mich gerade auf die Couch schmeißen und ein Ründchen ögnern. Aber das Putzen erledigt sich ja nicht von allein. Das wäre schon schön, wenn es so selbstreinigende Wohnungen gäbe. Ja, alles will ich auch nicht von Computern und Robotern erledigt wissen, aber so was schon. Und Müll rausbringen… Wobei: Dann bräuchte ich am Ende ja gar keinen Mann mehr, denn wenn der Roboter schon den Müll rausbringen könnte, wäre er wohl auch dazu in der Lage, ein bisschen WD 40 zu versprühen. Ihr merkt schon: Das Zeug hat es mir angetan. Warum auch nicht? Ich mag es zackig und effizient. Wenn es dann noch blitzt, blinkt und lecker im Nachgang riecht, bin ich zufrieden. Ach man, was bin ich leicht zufriedenzustellen, oder?

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