Ich schaffe es dann doch noch zeitig genug aus dem Büro, um zum Ärztezentrum zu fahren. Meine Impfung gegen Masern, Röteln und Mumps kann gestern noch stattfinden. Ein Rezept habe ich, also hole ich mir den „Stoff“ in der angrenzenden Apotheke. Die Apothekerin fragt sofort: „Können Sie sofort durchmarschieren und werden geimpft?“ Wenn ich das mal beantworten könnte. Ich sollte ja ohne Termin kommen. Die Damen im Labor machen dann alles in der Reihenfolge, wie es gerade reinkommt: Urinprobe, Blutabnahme, Impfung, Abstriche…auch abwechslungsreich – wenn auch nicht mein Traumberuf. Zwischendurch dann mal bei einer Darmspiegelung dabei. Mjammie…nö. Also sage ich der Apothekerin die Wahrheit: „Ich weiß es nicht.“ Sie zaubert eine graue Styroporbox hervor: „Hierbei darf die Kühlkette unter gar keinen Umständen durchbrochen werden. Ich gebe Ihnen noch ein Kühlakku drauf. Dann dürfte nichts mehr schiefgehen.“ Ich mache große Augen. Das sieht schon echt wichtig aus: „Ääääh, und die Box bringe ich dann gleich zurück?“ „Genau.“ Man, so eine Hausapotheke direkt neben dem Ärztezentrum hat schon ihre Vorteile. Am Empfang fragt mich die Sprechstundenhilfe: „Was kann ich für Sie tun?“ Ich kann nicht anders und halte die Box hoch: „Och, ich hab´ mir mein Transplantationsorgan schon mal vorsorglich selbst mitgebracht.“ Immerhin die Frau neben mir fängt laut zu lachen an. Ich grinse – was man unter der Maske nur an den Augen ablesen kann und ergänze: „Nö, ich soll nur geimpft werden.“ Ich darf brav im Wartezimmer Platz nehmen. Mannomann, hier ist immer einiges los. Aber nach ca. 10 Minuten komme ich bereits dran. Der linke Arm muss freigemacht werden, und dann sitzt auch schon die Spritze. Da es eine Lebendimpfung ist, muss man ein bisschen besser auf sich aufpassen,  24 Stunden gar nichts Anstrengendes tun (fällt mir leicht…) und am besten nicht zu heiß duschen. Na, das mag ich ja eh nicht. Am Empfang ist eine von der Apotheke, die mir direkt die Box schon abnimmt. Ach, wenn es nur immer so einfach und reibungslos liefe. Bisher habe ich auch keine Symptome, kein Fieber und nüscht. Darf so bleiben.

Zuhause angekommen, checke ich meine Post und entdecke sie: Die Postkarte, die mich zum Schmunzeln bringt. Ok, ok, ich lache sogar. Sie ist einfach zu passend:

„Es ist gefährlich, zu lange zu schweigen. Die Zunge verwelkt, wenn man sie nicht gebraucht.“ Pippi Langstrumpf

Tja, was soll ich sagen? Schlimm, wenn die Leute einen kennen. Ich glaube, manch einer würde sich bei mir durchaus wünschen, meine Zunge würde welken. Oder sogar abfallen. Oder geschreddert werden. Aber vermutlich würde ich mir dann einen Sprachcomputer kaufen und alles diktieren, was er in die Welt hinausposaunen könnte. Richtig, ich muss nicht alles ungefiltert raushauen. Tu´ ich auch nicht, sonst würden weit mehr Menschen täglich weinen. Aber ich halte es mit meinem alten Kollegen, der nie ein Magengeschwür bekommen wollte. Hat er geschafft. Und das will ich auch. Bislang habe ich noch keinen weiteren Termin von meinem Chef geschickt bekommen. Bin mal gespannt, wie lange das wieder dauert. Aber im Grund weiß ich es ja auch: Es bringt nichts. Eine Freundin hat mir einen Spruch geschickt, den sie gesehen hat:

„Mit dummen Menschen zu streiten, ist wie mit einer Taube Schach zu spielen. Egal, wie gut Du Schach spielst – die Taube wird alle Figuren umwerfen, auf das Brett kacken und herumstolzieren, als hätte sie gewonnen.“

Ach Mädels (also die mit der Karte und die mit dem Spruch): Ich danke Euch für so viel Inspiration! Den Taubenspruch habe ich heute als Foto ausdrucken lassen, gerahmt und werde ihn mir in der Arbeit aufstellen. Mag provokant sein. Aber es muss ja niemand auf meine Bilder schauen, oder? Und mir versüßt er dann so manches Meeting, wenn ich immer wieder mal rüberschielen kann.

Heute stürmt es richtig heftig draußen, was ich ja so ohne Ende liebe. Schöneres Wetter gibt es quasi für mich nicht. Nein, ich habe nie behauptet, noch alle Latten am Zaun zu haben. Würde mir auch nie in den Sinn kommen! Zunächst schlafe ich etwas länger und rufe dann einen Kollegen an. Der hat gemailt, damit ich das nächste Woche lesen kann, denn heute und morgen habe ich ja überstundenfrei und Freitag Kurzarbeit. Trotzdem lese ich ja meine Mails. Warum? Weil ich eben nicht mehr alle Latten am Zaun habe. Da es aber einer der Straubinger Kollegen ist, kann ich ruhig anrufen. Dauert nicht lange, ist zielführend und ohnehin immer eine Bereicherung. Anschließend fahre ich los. Meine Birnen schreien nach Zwetschgen. Tja, da ich empfindliche Ohren habe, gehe ich dem natürlich nach. Ein paar weitere Zutaten für den Likör benötige ich auch noch. Ich sehe mal wieder einen Oppa und eine Omma, die wirklich ca. 10 unbehandelte (naja, genau genommen sind sie es jetzt ja dann doch, also behandelt) Zitronen anfummeln, bevor sie sich für eine entscheiden. Kurzentschlossen nehme ich mir dann ein Netz mit ungespritzten Zitronen. An der Kasse amüsiere ich mich dann aber so richtig. Wieder ein Pärchen, das gemeinsam einkauft, aber gut. Wer das hier gerne als Ausflug ansehen möchte, soll das doch tun. Die Kassiererin ist noch recht jung, starrt auf den Kohl vor ihr, schaut in ihre Liste, starrt das grüne Etwas vor sich wieder an und fragt dann die Kundin: „Ist das Wirsing oder was ist das?“ Nee, eine mutierte Avocado, Du Ei. Wenn man exotische Gewächse nicht kennt, gut. Aber Wirsing? Echt jetzt? Gibt´s die auf Instagram nicht? Vielleicht sollte da mal ein Influencer eine Reihe zu heimischem Obst und Gemüse starten. Da entdecken manche Menschen völlig neue Welten! Doch, ja, ich mag auch junge Menschen. Ehrlich! Die kleine Maus meines großen Neffen hat heute Geburtstag und wird 18, wo ich leider nicht dabei sein kann. Und ich kenne noch mehr von der Sorte und mag die auch. Aber wer weiß denn nicht, was ein Wirsing ist??? Und dieser hier sieht aus wie gemalt! Ja, ich weiß, ich muss an meiner Toleranz arbeiten. Aber hey, ich habe ja auch gar nichts gesagt. Nicht mal laut gelacht habe ich! Das war vielleicht anstrengend. Ach, was soll´s, ich geh´ mir jetzt mal ´ne Tauben zum Schachspielen suchen…und die koche ich dann anschließend mit Wirsing. Ach was, mit Wirsing und Avocado! Ist kosmopolitischer, schätze ich.

 

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