„Und täglich grüßt das Murmeltier.“ Ehrlich, genauso komme ich mir montags vor. Das Gute: Ich habe einen Plan ausgeklügelt, dass ich in den kommenden Wochen keine Chance mehr haben werde, am montäglichen, unsäglichen Team-Meeting teilzunehmen. Das heißt übersetzt: Ab nächster Woche habe ich allein montags vormittags vier Coachings. Hart, aber eindeutig besser als das, was es montags immer so gibt. Was es heute richtig, richtig schlimm macht: 1. Heinz ist wieder da, und 2. meine liebe Kollegin hat frei. Beides zusammen ist eine tödliche Kombi. Quasi so, wie: „Es gibt keinen Weihnachtsmann. Ach ja, der Osterhase ist natürlich genauso Verarsche.“ So was sitzt doch wohl, oder? Ich versuche mich am Positiven: Ich habe heute keine Kopfschmerzen, obwohl Montag ist. Juchuuuu! Und meine Redezeit beträgt weniger als eine Minute. Yeaaaaah! Ich schaffe es, das Mikro an den richtigen Stellen auf stumm zu schalten. Strike! Das nenne ich mal ein Triple. Und nicht der Kas, den die Bayern da zuwege gebracht haben. Triple bei den Bayern…pffffff. Wie sagte unlängst ein Kollege (auch im Herzen, da er ebenfalls Bayern-Gegner ist): „Ach, so ein Corona-Triple. Das zählt doch nicht!“ Fand ich lustig.

In mein Tagebuch (so ich eines hätte – hey, dafür müsst Ihr eben herhalten) schreibe ich heute meinen Lieblingssatz. Er stammt aus dem Munde meines Chefs: „Ich halt‘ mich da gedeckt.“ Ah, ja. Den Tisch? Oder ruft er den Abdecker? Oder wird der Deckhengst informiert? Nix genaues weiß man nicht. Und nein, das ist kein zufälliger Versprecher. Das ist, wie sein Wort „fundamentiert“, das er regelmäßig nutzt und bei dem ich mich immer nach Fundamentalisten umschaue. Oder wo ich an „das Fundament ist zementiert und so sage ich es eben in einem Wort“ denken muss. Echt jetzt? Das hat so gar nix mit Dialekt zu tun. Das hat mit aua zu tun. Da will er sich gewählt ausdrücken – und verkackt auf ganzer Linie. Aber immerhin ist das eine weitere Stilblüte. Vielleicht sollte ich da eine Sammlung rausbringen? Ach nee, das haben schon andere gemacht. Dann ist es langweilig. Und langweilig ist es mir ja schon häufig genug. Ich brauche eine Wiederbelebung meiner Motivation! Und zwar zackig!!!

Der Rest des Tages ist auch kein Highlight. Es läuft irgendwie, aber eben zäh. Was freue ich mich auf meine Knastis! Nächste Woche darf ich endlich wieder. Im Grunde bin ich aber auch blöd: Ich bin in KW 37 und KW 39 dort. Dann ist es erstmal wieder rum ums Eck. Darüber schimpfe ich doch auch bei den Büchern: Wenn es richtig gut ist, habe ich keine Ruhe, bis ich es komplett gelesen habe, nur um dann ja bockig zu sein – anstatt sich eine Freude daraus zu machen und einzuteilen. Und mit den Inhaftierten ist es nichts anderes. Statt mir jeden Monat eine Freude zu machen, habe ich in zwei Monaten alles abgekaspert. Wer hat je gesagt, ich sei clever? Aaaaaber: Nach der Schulung ist vor der Schulung. Letzte Woche habe ich schon über ein neues Projekt gesprochen. Das darf ich dann auch nicht nur konzipieren, sondern auch durchführen. Et löpt, wa? Eventuell wird dann auch noch Landshut kommen. Also auch Knast. Da war ich allerdings noch nicht. Das kenne ich nur vom Eberhofer, als er den Boengo einliefert. Wer weiß, wie es da sein wird? Lassen wir uns überraschen.

Ich glaube, heute habe ich den netten Herrn in der Druckerei geschockt. Er ist Westfale, wofür der Arme ja nix kann. Allerdings haben die durchweg ja nicht ganz so viel Spaß am Leben wie wir Rheinländer (hat er bestätigt). Er mag den Sommer und versteht – neben der Tatsache meiner normalerweise von früh an vorhandenen guten Laune – nicht, wie ich den Herbst bevorzugen kann. Heute habe ich einen Druckauftrag an ihn versendet und ihm geschrieben, wie froh ich sei, dass es nun wieder kälter geworden wäre. Er schrieb dann zurück, er erledige den Auftrag morgen – versehen mit einem: „Juchuuuu, es ist Herbst. 😦 Aber mir war es zuletzt dann auch etwas zu warm.“ Da habe ich ihm kurzerhand eröffnet, dass wir dann wohl nie heiraten könnten – schließlich stünden wir auf völlig verschiedene Temperaturen. Er habe also noch mal Schwein gehabt. Darauf kam keine Antwort. Uuups. Vermutlich ist ihm nur das Wort „heiraten“ ins Auge gestochen. Danach ist er umgekippt und wartet vermutlich noch auf die nötige Mund-zu-Mund-Beatmung. Morgen werde ich wohl Näheres erfahren. Entweder ist der Auftrag dann erfolgt oder es findet ihn jemand am Boden liegend. Die Frage ist nur: Wer druckt es dann für mich aus? Ach, ist es schön, meine Sorgen zu haben, oder?

Apropos Sorgen: Vorhin ist mir übrigens durch den Kopf geschossen, dass ich heute in vier Monaten 44 werde. Ist ja eine Schnapszahl. Heißt das, dass ich die auch mit Schnaps begießen muss? Ich glaube schon, oder? Vielleicht kann ich auch noch verhandeln? Dann müsste es kein Schnaps, sondern dafür mehr Likörchen sein. Ich vermute mal, ich feier´ ohnehin nicht. Früher war das immer Mords a Gschiss, aber heute? Mag ich feiern. Aber eben nicht meinen Geburtstag, sondern einfach alles andere, was so möglich ist. Ich freue mich darauf, wenn nach Corona (so es das denn gibt) wieder „normale“ Treffen möglich sind. Wie sagte letztens erst eine Bekannte: „Wir werden noch sehen, was das mit uns als Gesellschaft macht. Ich persönlich genieße es sehr, dass alle auf Abstand bleiben müssen.“ Ich bin da ja eher umgekehrt. Auf Umarmungen zu verzichten, fällt mir schon sehr schwer. Wenn ich wieder bei meiner Familie bin, muss ich das alles nachholen und für etliche Monate auftanken. Da werden sich meine Neffen bestimmt freuen. Aber andererseits: Wozu hat man denn sonst Neffen, wenn nicht für so was? Ich hoffe nur, die Freundinnen haben nix dagegen. Und wenn doch? Am besten packe ich ein paar von meinen harten Alk-Flaschen ein, womit ich sie abfüllen kann. Wenn ich mit ihnen trinken muss, kippe ich allerdings vermutlich eher um. Die vertragen ja heute ´nen Stiefel. Aber was soll´s? Wenn ich betüddelt bin, machen wir einfach Rudel-Umarmungen. Ach, das klingt doch auch toll. Und der Plan ist perfide und genial: Ich mache sie mit Hochprozentigem gefügig. Vermutlich müssen sie mich nachher reanimieren? Na, dann weiß ich ja, wie es dem Herrn aus der Druckerei geht. Also wieder was dazugelernt…

 

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